Die letzte Chance?

Ein neuer Tag am Tahrir-Square in Kairo. Auch diese Nacht haben wieder Tausende von Menschen unter freiem Himmel verbracht. Von guter Laune ist nur noch wenig zu spüren. Die Demonstranten wirken erschöpft und auch ein wenig ratlos. Keiner weiß wie es jetzt weitergeht. Nur eins steht fest: Die Mubarak-Rede vom Vorabend hat hier niemanden glücklich gemacht. Ganz im Gegenteil…

Meine Bilder der letzten 3 Tage

Bilder dürfen unter CC-Lizenz verwendet werden. Quellenangabe wäre nett.

Jede Menge Überraschungen

Ich hasse es, wenn ich Vorurteile beerdigen muss, aber in mancherlei Hinsicht bin ich von den Demonstranten überrascht worden. So ist die ganze Veranstaltung besser organisiert, als es auf dem ersten Blick den Anschein hat. Für die Notdurft zum Beispiel gab es von Beginn an eigene Bereiche, auch zum Waschen wurden gesonderte Plätze eingerichtet. Rund um die Uhr sind Dutzende Freiwillige in Aktion: sie sammeln Müll und Unrat von der Straße auf und häufen die Säcke an zugewiesenen Flächen auf. Nur so ist es möglich, dass die Menschen auch eine Woche nach Beginn der Proteste nicht an ihrem eigenen Dreck ersticken.

Mit Beginn der Demonstrationen haben die Organisatoren ausserdem eine eigene ärztliche Notfall-Versorgung aufgebaut. Rund 40 Ärzte aus den umliegenden Krankenhäusern kümmern sich noch an Ort und Stelle um Kreislaufattacken, Verstauchungen oder, wie am vergangenen Freitag, um Schusswunden. Ahmed und Mohamed halten das für selbstverständlich und sagen: die Menschen hier seien doch alles Brüder und Schwestern.

Angriff – die beste Verteidigung?

Auch ihre Sicherheit haben die Demonstranten in die eigenen Hände genommen. Mussten sie wohl auch, denn gerade in den ersten Tagen hatten Mubaraks Leute wohl immer wieder versucht, die Veranstaltung zu unterlaufen. Erinnert Ihr Euch noch an meine Begegnung mit den beiden Schuljungen, die bei meiner Ankunft am Tahrir-Platz meinen Ausweis sehen wollten? Heute weiß ich, was es damit auf sich hat: die Organisatoren haben mit dem Militär einen Deal: Zivilfahnder passen unmittelbar hinter den Militärcheckpoints alle Neuankömmlinge ab, verlangen Ausweise, kontrollieren Taschen. Sobald ein Mubarak-Sympathisant als solcher identifiziert wurde, werden die Soldaten eingeschaltet. Dir kümmern sich dann um das Problem.

Man muss sich das einmal vorstellen: 1-2 Millionen Menschen, dicht gedrängt auf einem Haufen und es kommt zu keinerlei nennenswerten Ausschreitungen – was für eine Bilanz! Die Toten vom vergangenen Freitag seien unvermeidbar gewesen, meint Tighe aus Los Angeles. Der Friedensaktivist, der vom ersten Tag an hier am Tahrir-Platz mit dabei war, ist sogar der Meinung, dass es ohne diesen massiven Einsatz von Gewalt nicht gelungen wäre, Mubaraks Machtapparat zu brechen. Mit dieser Gegenwehr durch die Demonstranten hatte man wohl nicht gerechnet. Nur so waren friedliche Kundgebungen überhaupt erst möglich.

Wie es weitergeht

Ihr merkt, die Menschen rund um diese Großdemo haben mich beeindruckt. Was nicht heißen soll, dass ich nicht auch Probleme sehe. Ich würde meine Hand nicht dafür ins Feuer legen, dass es hier noch länger ruhig bleibt. Als Mubarak am späten Abend verkündet, er wolle bis zum offiziellen Ende seiner Amtszeit im September weitermachen, kippt die gute Laune und schlägt um in Ratlosigkeit aber auch in Wut. „Wir haben ihm so viele Chancen gegeben“ schimpft ein Mann. „Dann müssen wir ihn halt doch aufhängen!“. Er deutet auf eine baumelnde Mubarak-Puppe am Laternenpfahl. „Hitler“ rufen einige. Schuhe fliegen.

Was mich noch viel mehr beunruhigt, sind die vielen kleinen Gruppen, die sich unmittelbar nach der Präsidenten-Ansprache bilden. Da wird viel getuschelt. Viele Männer greifen zum Handy. Gerüchte von Schlägern machen die Runde, die auf dem Weg hierher seien. Von Schüssen oder Tumulten in Alexandria wissen wir zu dieser Zeit noch nichts. Ich beschließe die Nacht heute im Hotel zu bleiben. Wenn was passiert werde ich das auch von hier oben mitkriegen. Und morgen? Morgen ist ein neuer Tag.

Update 1, Mittwoch, 9:30 Uhr Ortszeit

Der harte Kern der Demonstranten hat auch heute wieder die Nacht auf dem Platz verbracht. Die Sprechchöre sind nicht leiser geworden. Der Helikopter, der hier in den Vortagen im Viertel-Stundentakt über die Häuserdächer kreiste, lässt sich heute nur noch selten blicken. Zur Stunde strömen wieder Hunderte Demonstranten auf die Militär-Checkpoints zu, um auf den Platz zu gelangen. Es wird sehr viel diskutiert. Offensichtlich ist man sich noch immer unklar, wie es jetzt weitergeht. Eine Menge wird sicherlich auch davon abhängen, wieviele Menschen heute und in den nächsten Tagen demonstrieren werden.

Zum jetzigen Zeitpunkt sehe ich zwei Gefahren: kommen zu wenig, könnten die Regierungskräfte wieder die Oberhand gewinnen, die ‘Bürgerwehr’ wäre ohne die Masse der Menschen im Rücken der Polizei hilflos ausgeliefert. Es könnte aber auch sein, dass zu viele Menschen kommen. Das Land befindet sich bereits den zweiten Tag in Folge im Ausstand. Die Müllberge wachsen – hinzu könnten Versorgungsengpässe kommen. Mit Freiwilligen allein wird sich das nicht auf Dauer lösen lassen. Es könnte aber noch etwas passieren, nämlich dass sich die Stimmung dermaßen aufheizt, dass die bislang friedlichen Demonstranten handgreiflich werden oder dass sich einzelne Mobs bilden. Eines der ersten Ziele dann dürften dann wohl der Präsidentenpalast sowie die angrenzenden Regierungsgebäude werden.

Update 2, Mittwoch 13 Uhr Ortszeit

Wie Ihr vielleicht meinen letzten Tweets entnommen habt, hat sich heute Vormittag hier einiges getan. Ein Fotograf aus meinem Hotel will Schüsse gehört haben, ich selbst kann das nicht bestätigen. Was ich bestätigen kann sind lautstarke Pro-Mubarak-Demonstrationen an einem Militär-Checkpoint vor dem Tarhir-Platz. Schon den ganzen Vormittag über tauchen dort immer wieder kleinere Gruppen (ca. 30 Mann-stark) auf, die zornig die Fäuste in den Himmel strecken. Vereinzelt kommt es zu Rangeleien mit Anti-Mubarak-Demonstranten, die hier durch müssen, um auf den Platz zu gelangen.

Bei einer der letzten Aufmärsche haben sich Gruppen, Pro- und Anti-Mubarak auf beiden Seiten der Panzer versammelt und sich gegenseitig angeschrien. Ein Mann neben mir sagt, das könne sehr schnell schief gehen. Ich gehe heute nicht auf den Platz, sondern bleibe lieber außerhalb des Checkpoints und beobachte aus sicherer Distanz die Szene. Männer in schwarzen Lederjacken verteilen Pro-Mubarak-Flyer. Verschleierte Frauen verteilen Fahnen. Seitdem ich hier bin (Montag Morgen) ist es das erste mal, dass ich hier in der Gegend Regierungstreue sehe.

Diese zwei Männer kommen auf mich zu, wollen wissen, woher ich komme. “Sag Deinen Leuten zuhause, dass sich niemand in die Angelegenheiten von uns Ägyptern einzumischen hat. Wir regeln das schon selbst.”

Update 3, Mittwoch 15 Uhr

Dies wird einer meiner letzten Blogposts aus Ägypten sein. Ich sitze im Taxi zum Flughafen. In einer Viertelstunde greift die Sperrstunde – dann gibt es kaum noch einen Weg raus aus der Stadt bis zum nächsten Morgen. Die letzten Stunden, bevor das hier eskalierte, verbrachte ich vor dem Checkpoint zwischen Nilbrücke und Tarhir-Platz. Presse-Kollegen berichten von einer großen Pro-Mubarak-Demonstration vor dem Sendegebäude des Ägyptischen Fernsehens. Ich bleibe auf Position an der Nil-Brücke (hier müssen auch alle Taxis durch!).

Ein Mann mit einer kanariengelb-blauen Lederjacke sticht mir ins Auge. Kein Wunder: Moanes, 30 Jahre alt aus Dubai ist Designer. Durch seine Spiegelbrille steht er an einem Gelände gelehnt, schaut, und raucht. Eigentlich wollte er sich seine Ausweispapiere verlängern lassen, aber die Ämter sind alle geschlossen. Moanes ist gebürtiger Ägypter, lebt aber. mit seiner Frau in Dubai. „Dort gibt es Arbeit“, sagt er. Eigentlich wollte er nur kurz seine Familie in Kairo besuchen, das war vor einer Woche. Jetzt sitzt er hier fest. „Ich bereue es, hergekommen zu sein“ sagt er. „Es sind traurige Zeiten“.

Für welche der beiden Seiten ist er, will ich wissen. „Ich mag Mubarak“, sagt er, er habe viel für dieses Land getan. „Als der Präsident ins Amt kam, bin ich geboren worden“. Moanes spricht in einem sanften Tonfall, ganz anders als die Menschen um uns herum. „30 Jahre ohne Krieg, das haben wir ihm zu verdanken“, sagt er. Auch wirtschaftlich sei alles ganz gut gewesen am Anfang. Es gab eine gesunde Mischung aus armen Menschen, reichen Menschen und vielen dazwischen. Das sei heute nicht mehr so, sagt er und wird plötzlich zornig. Heute gäbe es ein paar wenige „fucking rich people“ und Millionen von „fucking poor people“ und nichts mehr dazwischen.

„Ich weiß nicht mehr, wem ich glauben soll“ sagt Moanes, „den Leuten auf dieser, oder denen auf der anderen Seite des Checkpoints“. Er zündet sich eine Zigarette an – dann wendet er sich wieder an mich: „It’s hard to change your mind from one day to another, you know.“

In eigener Sache

Ihr seht mich ab Montag wie gewohnt in der Rundschau Nacht des Bayerischen Fernsehens. Die Summe meiner Spendeneinnahmen werde ich selbstverständlich offenlegen, sobald die endgültige flattr-Statistik vorliegt. Meine Internet-Roaming-Gebühren betragen zum heutigen Tag rund 3500 Euro, Telefonate nicht inklusive. Wer noch Fragen hat, kann diese gerne auch direkt an mich richten. Vielen Dank für Euer Verständnis.


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HINWEIS ZU MEINEN REISEKOSTEN UND DEN EINGEGANGENEN SPENDEN (21. Februar) – Ich warte noch immer auf die Abrechnung durch die beteiligten Telefongesellschaften. Das Problem: durch den Monatswechsel fehlt mir noch ein Großteil der noch zu bezahlenden Rechnungen. Hinzu kommen ausstehende Honorare, die mir von Zeitungen und Hörfunkwellen zugesagt wurden. Ich möchte eine seriöse und aussagekräftige Bilanz meiner Reise ziehen und bitte daher noch um etwas Geduld!

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61 Gedanken zu “Die letzte Chance?

Zitiert von
  1. Blogwarte.de

  2. Macht’s gut und Danke für die Revolution

  3. Drei Tage Kairo und zurück – Die Zeitreise eines Nachrichtenkonsumenten

  4. Fassungslosigkeit mit Blick auf Pyramiden | Wer wenn nicht wir

  5. Bloggen aus Ägypten « Toumai1470's Blog

  6. Gut ja? « virwa – virtuelle wahrheit

  7. Ägypten und das neue Medienzeitalter | Christian Buggischs Blog

  8. Kairo - die überwältigende Bilanz! | G! - gutjahr's blog

  9. Deutsches Meckertum, Ägypten, die Zukunft des Journalismus und Richard Gutjahr. | lemontreepresse

  10. Dutzende Verletzte bei Pro-Mubarak-Proteste in Kairo

  1. Hut ab, für diese eindrückliche und persönliche Berichterstattung. Du bist ein Beispiel dafür, wie verantwortungsvoll Journalisten mit der Macht, Informationen über die Bevölkerung zu verteilen, umgehen sollten.
    In diesem Sinne: Ich flattre alles, was ich kriegen kann! Denn das ist mir wirklich ‘was wert ;)

  2. Danke für Ihren mutigen Einsatz! Hier in D ist die Nachrichtenlage recht undurchsichtig und direkte Berichte vom Ort des Geschehens deswegen sehr hilfreich. Darf ich eine Frage zur Zahl der Demonstranten stellen? Die Berichte hier gingen bis zu einer Million Menschen auf dem Tahrir-Square – was völlig ausgeschlossen ist, denn der Platz ist ja nicht gerade eine Landebahn. Nach dem, was sich mit Google Maps ermitteln ließ, haben dort maximal 50.000 Personen Platz. D.h. um ein oder sogar zwei Millionen zu erreichen müsste mindestens der gesamte Stadtkern von Kairo eine Demonstration gewesen sein. War das so? Und gibt es Informationen aus anderen Landesteilen? Hier in Deutschland erfährt man praktisch nichts über den Rest von Ägypten.

    Was uns natürlich auch interessieren würde ist die Situation unserer Koptischen Brüder und Schwestern. Dazu schweigt sich die Presse leider völlig aus.

    Nochmal vielen Dank für Ihre Arbeit und bleiben Sie gesund!

  3. In etwa dieser Art finde ich Blogs als Ergänzung zur “ernsthaften” Berichterstattung interessant und aufschlussreich – immer inkl. der Kommentare, die für mich einen unverzichtbaren Bestandteil von Blogs darstellen.
    Ich will, weiß Gott, keine Seligsprechungen vornehmen, aber vielleicht wäre uns eine “Berichterstattung” wie im ersten Golfkrieg angesichts so aktiver Blogger erspart geblieben.
    Wünsche vor allem eine sichere Rückkehr!

  4. Danke für Deinen persönlichen Einsatz! Ich habe Deine Berichte in den letzten Tagen sehr gern gelesen, vertraue Deinen Worten und kann so die Lage etwas besser einschätzen – auch wenn ich mir trotzdem keine Meinung erlauben mag! Lass Dich nicht einkriegen von all den Neidern – Du machst einen sehr guten Job, Respekt vor Deiner Leistung!

  5. Du wolltest dabei sein, “wenn die nächste Mauer fällt”. Jetzt reist du aus, weil es sich zuspitzt. Was hast du da unten erwartet? Ein Diktator tritt nach 30 Jahren an der Macht einfach zurück und nix passiert?
    Ich weiß, jetzt die große Geschichte, wie gefährlich das war usw.

    Aber wenn du der Zeitenwenden-Reporter sein willst, musst du halt gerade bei sowas da sein. Jetzt bräuchte ich da einen unabhängigen Reporter mit Mut, nicht gestern!
    Irgendwie versteh ich nicht, was der Trip gebracht hat. 3500€ Roaminggebühren, aber kaum Artikel, Interviews oder ähnliches. Nichts, was es durch Al Jazeera, twitter oder die Agenturen nicht auch gegeben hätte. Von mir gibts daher keinen Cent.

  6. Danke für deinen mutigen Einsatz für ein neuen “unvorgefilterten” Journalismus. Ich denke Du warst lange genug nah dran und hast uns eine wirkliche neutrale Sicht der Lage vermittelt. Denn um neutral zu sein muss man vor Ort wirklich mit den Menschen aller Lager reden.
    Viele Dinge, wie die gute Organisation ( z.B.Thema Müll & freiwillige Helfer) wären in der üblichen Kürze der NIF im TV oder auch durch Brennpunkte eher untergegangen,

    Komm gut nachhause & Danke!

  7. @ jan,

    muss jeder für sich entscheiden, hättest du denn einen cent gegeben wenn sich r.g. in gefahr begibt ? ich kann solche rechnungen nicht nachvollziehen, sorry

    hab schon einiges neue hier erfahren, bilder anschauen können, die stimmen und eindrücke der strasse, dafür kann ich mich nur noch einmal bedanken

  8. Vielen Dank für die wirklich interessante Berichterstattung – allerdings muss ich Jan recht geben, auch ich finde es schade, dass du ausgerechnet jetzt abreist.
    Natürlich kann ich das einerseits völlig verstehen, dass du nicht dein leben riskieren willst und deshalb jetzt, wo es brenzlig wird, flüchtest. Aber anderertseits ist das nun mal der Job von Krisen- und Kriegsreportern, dass sie auch dann am Ball sind, wenn es heikel wird.
    Jede/r muss selbst für sich entscheiden, was er/sie sich zumuten möchte und was nicht. Ich wäre vor 3 Tagen nicht nach Ägypten gefahren – du hast es getan, dafür gebürt dir Respekt. Dass du nun aber so schnell wieder abreist ist durchaus bedauerlich.
    Komm gut nach Hause!

  9. Ich kann mich Jan nur anschliessen, für mich ist dieser Kurztrip Revolutions-Journalismus, ich habe nichts erfahren was nicht woanders auch berichtet wurde, und kaum wird es gefährlich – schnell wieder nach Hause.

  10. @Marie: Stell dir einfach kurz vor, alle Journalisten hätten es so gemacht. Richtig, dann sähe es jetzt düster aus. Gerade in so einer Situation wünschte ich mir ZUSÄTZLICH unabhängige, glaubwürdige und verständliche Berichte. Ansonsten ist das ja kein Problem…
    Und ich bewundere umso mehr die armen Kerle, die dafür heute Kopf und Kragen riskiert haben.

  11. Hallo Richard,

    vielen Dank für deine Berichterstattung. Ich habe sie über die letzten Tage verfolgt und mein Bild der Sitituation vor Ort um eine weitere spannende Perspektive erweitern. Vorhin habe ich zum ersten mal auch Videoaufnahmen vom Tahir-Platz gesehen. Die Bilder sind erschreckend anzusehen, wenn man den O-Ton deiner Interviews im Hinterkopf hat. Ich hoffe, dass unter den Demonstranten nach Beginn der Sperrstunde, keine Familien mit Kindern mehr vor Ort waren.

    Warum sieht man eigentlich keine Polizisten? Und vorher kommen die ganzen “Pro-Mubarak Demonstranten”? Hat Ben Ali es nicht verstanden seine Gefolgsleute auf ähnliche Weise zu mobilisieren oder wollte er dies seiner Bevölkerung nicht antun? Warum erfährt man dazu eigentlich nichts?

    Richard, ich bin froh das du geflohen bist. Die Bilder und Videos sehen für mich nicht mehr wie eine friedliche Demonstration aus, sondern wie ein Bürgerkrieg , bei dem die Armee noch nicht weiß, auf welcher Seite sie steht. Sie entscheidet sich hoffentlich bald, so viele Menschen wurden bereits verletzt und getötet.

    Die offiziell genannten Zahlen von verletzten und getöteten Menschen erscheinen mir wie ein schlechter Scherz, liest Interviews und Reportagen von Krankenhäusern, Notfallstationen und anderen provisorischen Notfallkliniken. In jedem Einzelfall ist von einer so hohen Zahl von verletzten und toten die Rede, das sie weitaus weitaus höher sein müssen, als angegeben wird. Und dies noch alles vor der Eskalation zu beginn der Sperrstunde heute Nachmittag.
    Wenn das kein Krieg ist, weiß ich auch nicht.

    Ich hoffe die Armee entscheidet sich bald, zu wem sie halten soll, um eine weitere Eskalation zu verhindern. Viel hängt dabei wahrscheinlich auch vom Ausland ab, wie wir uns positionieren, welche Fraktion wir unterstützen. Gut das die Bundesregierung zum Beispiel bereits Kontakt zur Muslimbruderschaft aufgenommen hat und mit allen Beteiligten kommuniziert. Bis Freitag oder sogar länger sich nicht klar zu positionieren, halte ich für einen Fehler. Sowohl beim Militär, wie auch beim Ausland.

    Grüße,
    Thomas

  12. Ihr vergesst hier eines: Gutjahr ist nicht im Auftrag irgend einer Zeitung vor Ort. Er bekommt also kein Geld dafür, dass er jetzt sein Leben riskieren soll. Also haltet mal den Ball flach.

    • @MacSpi …nein, das floss nicht alles in dieses Blog, sondern auch in rund 500 Emails pro Tag, Twitteraustausch mit Kollegen vor Ort und zuhause, Landkartenabrufe, Nachrichtenticker und nicht zuletzt in meine Kommentarliste, um Deine wertvolle Beweisführung hier freizuschalten. Mit Verlaub aber Du bist ein ganz schöner Depp.

  13. Hallo Richard,

    von mir erstmal uneingeschränkt Respekt und Lob für Deine aktuelle Berichterstattung. Ich gehe mal davon aus, daß du aktuell bereits wieder in Tel Aviv gelandet bist.
    Den Kritikern in diesem Blog sei gesagt: Für mich ist nicht nachvollziehbar, welche Punkte für Euch an dieser Aktion kritisch zu bewerten sind. Für mich liest sich das nicht als Kritik an der Berichterstattung. Allenfalls wird angemerkt, das die Berichterstattung als überflüssig empfunden wird oder es werden die Roaming-Kosten angezweifelt. Mmmm…müssen wir solche Kritik wirklich ernst nehmen?

  14. hmm…das ist mir der inhaber dieses blogs zuvor gekommen und hat sogar details genannt.

    ich wollte eigentlich nur schreiben:”@MacSpi:bist ja n ganz schlauer”

    der kommentar vom herrn gutjahr gefällt mir aber eindeutig besser. ;)

    einsa aber noch @MacSpi: doofer klugscheisser! ;)machs besser und billiger! ;)

  15. @MacSpi Das D-Wort werde ich nicht in den Mund nehmen auch wenn es im bayrischen vielleicht mal schneller von der Lippe rutscht. Kommunikation (In Krisengebieten auch zur eigenen Sicherheit) und Recherche ist das Handwerkszeug eines Journalisten und macht die Hauptarbeit – das Publizieren macht da dann nur einen kleinen Teil, die Kür so zu sagen. Ich hoffe Du hast das auch nicht böse gemeint sondern nur aus Unwissenheit heraus. Übrigens so Satellitentelefone haben keine eingebaute Kamera und auch keine alphanumerische Tastatur – reicht ja wohl schon wenn die kleine Digiknipse weggekommen ist. Vielleicht schreibt ja Richard mal wie so ein Tag aus sieht und was man da so alles checken muss.

  16. Auch wenn ich auch kein Fan deines Trips bin… gut das nix passiert ist!

    Ansonsten muss ich allen denen die hier über die deutschen Medien klagen: Guckt halt Sat-/Web-TV. Alles da alles Live und ungefiltert ob nun vom russischen/franzoischen/arabischen oder sogar iranischem Nachrichtensender jeweils mit englischen Ton auf Astra mal angesehen von CNN oder BBCWorld. Alles da, alles andere Perspektiven und die meissten auch mit Livestream im Netz:

    http://www.presstv.ir/live/
    http://english.aljazeera.net/
    http://www.france24.com/en/aef_player_popup/france24_player#
    uswusw

    Nach Kairo: Jungs, als ich vor nun 2 Jahren einige Zeit dort verbringen durfte hat mir das sehr gefallen. Bitte reisst euch zusammen und bleibt friedlich damit Kairo bald wieder eine schöne Stadt wird.
    Hosni – geh in Rente!

  17. Sagt mal, bleibt doch wo der Pfeffer wächst, aber da Indien viel zu schön für Euch Orgelpfeifen ist, haltet einfach den Rand. Gutjahr hat hier was riskiert, hat Einsatz gezeigt und vielen Leuten einen phantastischen Einblick in die wirkliche Situation vor Ort gegeben. Uns ist das was Wert, ob Richard was verdient damit oder nicht. Hier seh ich eine andere Art von Berichterstattung. Und jetzt fliegt er halt wieder. Ihr Meckertanten könnt ja die normalen News schaun, die Austauschbar wie Toilettenpapier sind, und dann lasst bitte das Internet aus. Man man. Wie kann man nur so scheisse Deutsch sein und immer nur meckern. Hätte Gutjahr Mubarak selber stürzen sollen, dass ihr zufrieden?! Bloß gut dass es die ganzen Sondersendungen gab, die mich so nah informierten wie der Blog und Twitterkanal hier…
    Sorry das brodelte bereits seit gestern in mir.
    Ich les jetzt weiter über die Situation und Geschichte bisher dort. Die Affen die dich hier anmachen – Richard lass Dich gern haben. Wir tuns! So jetzt geht’s wieder ;)

  18. Hallo Richard,
    ich hoffe es geht dir gut und du bist inzwischen wohlbehalten in der Heimat aufgeschlagen!

    Klar, du hast jetzt viel zu tun – bitte versuche, deine noch frischen Eindrücke mit Beiträgen hier im Blog darzustellen. Wir wären da ganz schön dankbar dafür!

  19. Auch von mir ein großes Lob für die hautnahe Berichterstattung in diesem Blog!

    Habe vorhin im Radio gehört, daß mittlerweile die Berichterstattung aus Ägypten immer schlimmer wird und einige Journalisten dort bereits verprügelt bzw. verhaftet wurden!

    Alles Gute für die Heimreise!

  20. Auch von mir ein großes Lob für die hautnahe Berichterstattung in diesem Blog!

    Habe vorhin im Radio gehört, daß mittlerweile die Berichterstattung aus Ägypten immer schwieriger wird und einige Journalisten dort bereits verprügelt bzw. verhaftet wurden!

    Alles Gute für die Heimreise!

  21. So, nun hoffen wir mal dass Sie, Herr Gutjahr wieder wohlbehalten in Deutschland ist. Ich freue mich, wenn Ihre Reise einigen Netznutzern die Lage vor Ort etwas näher bringen konnte. Ansonsten bin ich froh, dass dieser scheinheilige PR-Gag nun bald vorbei ist.

    Alles was Sie hier darstellten, ließ sich bis jetzt über sämtliche Medien in Erfahrung bringen. Authentische Berichte von Leuten vor Ort (sowohl Ägypter als auch dort lebende Ausländer vor Ort) inklusive Foto- und Video-Material gibt es genug. Masha’ Allah bzw. Gott sei Dank. Und als Schmankerl obendrauf keinerlei Selbstdarstellung.

    Womit wir bei meinem eigentlichen Kritikpunkt wären: Ich bin zutiefst geschockt, wie dieser für die Menschen vor Ort historische Wendepunkt, dieser höchst dramatische Moment für Ihre eitle Abenteuerreise missbraucht wird.
    Wenn diese Aktion eine zur journalistischen Aufklärung wäre, so wären Sie noch vor Ort. Denn nun scheinen entscheidende Momente bevorstehen. Man kann doch nicht einerseits hoffen, dass man an einem historischen Ereignis teilnimmt (und davon profitiert) und gleichzeit abreisen wenn die Steine fliegen. Und wenn doch, bitte aufhören die Journalisten der TV-Sender zu kritisieren. Die stehen zwar auf vermeintlich sicheren Hotel-Dächern. Aber sie sind noch in Ägypten.

    Ich hoffe, dass der offensichtlich angestrebte Kariereschub bald kommt und die Netztgemeinde von solchen Egotrips verschont bleibt.

    Sorry Herr Gutjahr, aber Ihre Attitüde kotzt mich an. Auch wenn einige Ihrer Fotos tatsächlich gut geworden sind.

  22. gut dass du abgehauen bist! ist ja wohl gerade echt heftig was journalisten dort aushalten müssen!ein journalist aus schweden soll sogar(laut spiegel live-ticker) entführt worden sein!

    ich habe gerade riesen respekt vpr den journalisten,die sich jetzt noch trauen von dort zu berichten.meine hochachtung!
    ich hätt mir sowas von in die hosen gekackt…

    und nochmal vielen dank für deine berichterstattung, richard!

  23. Mir ist die Diskussion ein Rätsel: Da reist ein Journalist, um zu berichten – und statt die Hinreise zu loben beschweren sich die Leser über die Abreise? Kein Artikel rechtfertigt den Tod des Journalisten. Und ein Freund ist mir immer lebendig lieber als tot.
    Und wenn die “Attitüde” nicht gefällt, @Olli und andere, dann lest doch einfach was anderes. Das Netz ist groß genug!

  24. @ die besserwissis

    sonderbar, wer hat euch gezwungen hier zu lesen und dann zu meckern, ich war jedenfalls froh für die übermittlung einiger stimmen von den strassen dort in kairo.

  25. Dieses Blogging zeigt ein Problem des modernen Journalismus. Der Fotoreporter ist oft nicht mehr notwendig, weil die Menschen vor Ort die Bilder und Videos machen.

    Ein Journalist versucht Zusammenhänge aufzuzeigen, Hintergründe aufzudecken etc.

    Was wüßten wir ohne diese Fotos und Videos?

    Genauso viel oder genauso wenig. Journalismus fängt danach an.

    Ich würde den Kommentar 39 von Ollie nur eingeschränkt unterstützen. Die Analyse ja, die Bewertung eher nein. Das Ego treibt uns alle an.

    Und wer es sich erlauben kann, der fliegt eben nach Kairo statt nach New York.

    Gewünscht hätte ich mir dann aber einige Hintergrundberichte.

    Und das Schöne ist ja, das wir hier alle darüber schreiben können. Insofern kann dies für eine Weiterentwicklung aller Beteiligter konstruktiv sein, wenn die Beiträge sachlich bleiben.

  26. Finde die Aktion wirklich sehr gelungen und bin froh, dass es Journalisten wie Dich gibt, die von sich aus Initiative zeigen und auf eigene Kosten vor Ort berichten. Hut ab, mehr bleibt mir nicht zu sagen!

  27. Liebe Blogbesucher. Vielen Dank für die angeregte Diskussion. Ich bin sehr froh, wieder zuhause zu sein. Ich habe viel gelernt in der letzten Woche: über die Zustände in Ägypten, über mich selbst, aber auch über die Medien. Vielleicht blogge ich eines Tages darüber.

  28. Ich bin auch beindruckt von der Berichterstattung. Und ich sehe an dem letzten Kommentar von dir, dass die Auseinandersetzung mit diesem Thema vielleicht auch mit NÄHE zur Sache zusammenhängt. Es ist leicht, von hier aus zu urteilen, aber vielleicht ganz anders, wenn man vor Ort auf dem Tarhir-Platz steht…