Einmal Kairo und zurück – die Bilanz

Ende Januar bin ich nach Kairo gereist, um in meinem Blog und via Twitter vom Tahrir-Platz zu berichten. Hunderte von Euch haben mich spontan durch Spenden unterstützt. Hier nun die (überwältigende!) Bilanz.

Zunächst einmal danke für Eure Geduld. Mein Kassensturz hat etwas länger gebraucht weil noch diverse Rechnungen gefehlt hatten, Umrechnungskurse der Kreditkarten-Unternehmen etc., so dass eine seriöse Bilanz nicht möglich war. Erschwerend hinzu kam auch der Monatswechsel von Januar auf Februar, der meinen Reise-Zeitraum betraf. Auch ohne die Summe auf den Cent genau zu kennen (einzelne Honorare für Hörfunk- und TV-Interviews stehen noch aus) kann ich heute feststellen: dank Eurer Hilfe werde ich wohl am Ende nicht mit einem dicken Minus sondern evtl. sogar mit einem kleinen Plus abschließen!

Wie alles begann

Wie im ersten Blogpost geschildert, war ich Ende Januar in Israel und verfolgte gebannt die Situation „nebenan“ in Ägypten. Als das Internet, die Mobilfunknetze und später auch noch Al Jazeera abgeschaltet wurden, hielt ich es zuhause einfach nicht mehr aus. Die zugrundeliegende Idee war ganz simpel: wenn diese Revolution tatsächlich über Facebook, Twitter & Co angezettelt wurde, warum nicht auch auf dem gleichen Wege darüber berichten?

Zu keinem Zeitpunkt hatte ich die Absicht, klassische Fernsehberichte oder Hörfunkfeatures zu produzieren. Das ist Aufgabe der Korrespondenten, die mit ihren Stringern und der technischen Infrastruktur vor Ort so etwas sehr viel besser leisten können. Mein Plan war es, als Alleinkämpfer dort hin zu gehen, wo große Teams mit ihren Kameras nicht mehr hinkommen bzw. zu viel Aufmerksamkeit auf sich lenken. Wenn alle Stricke reißen, könnte ich doch wenigstens ein paar Tweets absetzen und damit versuchen, das Informations-Embargo zu unterlaufen.

Kritik

Wie Ihr ja vielleicht mitgekriegt habt, ist der Trip nicht überall auf Gegenliebe gestoßen. Interessant: gerade Kollegen aus den eigenen Reihen standen dieser Reise skeptisch gegenüber.

Das komplette Reisegepäck

Mir wurde Selbstdarstellung vorgeworfen, was ich auch gar nicht völlig von der Hand weisen will: als Blogger, der nichts weiter hat, als eine Webseite, muss man natürlich klappern, um sein Publikum zu finden (oder besser: vom Publikum gefunden zu werden). Kollegen mit einer große Marke im Nacken wie Tagesschau oder Spiegel sind da natürlich im Vorteil (von der finanziellen Ausstattung mal ganz zu schweigen).

Dann gab es natürlich auch Kritiker, die mir Profitstreben vorwarfen. Dazu möchte ich nur soviel sagen: zu keinem Zeitpunkt spielte Geld bei meinen Überlegungen eine Rolle. Wer so denkt, kennt uns Journalisten nicht.

Dass ich am Ende nahezu +/- Null aus der Nummer rauskommen würde, hätte ich noch in Kairo nicht für möglich gehalten. Im Gegenteil: als ich später zuhause mein PayPal-Konto zum ersten mal öffnete, traute ich meinen Augen nicht:

Einnahmen

Meine gesamten Einnahmen setzen sich wie folgt zusammen:

  • 218 Einzelspenden via PayPal
  • 1287 Klicks bzw. Direktspenden via flattr
  • 1 Einzelspende per Dirkektüberweisung

(Stand: 28. Februar)

Hinzu kommen Honorare von klassischen Medien-Anbietern für Telefon-Interviews und Berichte (die Summen sind nach oben gerundet, da vereinzelt Zahlungen noch ausstehen).

Nachtrag: Von der Gesamtspendensumme in Höhe von 3047,50 € hat PayPal 140,42 € Gebühren einbehalten. Auch flattr hat rund 10% der Spenden als Gebühr kassiert. Beides ist also von meinen tatsächlichen Einnahmen noch abzuziehen.

Ich habe heute den ganzen Tag damit verbracht, die Zahlen aufzuschlüsseln und in den folgenden Tabellen darzustellen. Mit diesen Grafiken möchte ich mich bei allen Spendern bedanken, die nicht nur wissen sollen, wofür ich das Geld benutzt habe, sondern auch, wie sich die Spendensumme zusammensetzt:

Gerne hätte ich auch die flattr-Spenden einzeln aufgelistet. Leider weist flattr die Eingänge und Abzüge nicht einzeln aus.

PayPal-Spendeneingänge nach Datum

Meine Reise begann am 30. Januar mit dem Flug nach Kairo. Am Mittwoch, 2. Februar entschloss ich mich abzureisen. Das hatte nichts mit den geringeren Spendeneingängen zu tun (die kannte ich zu dem Zeitpunkt noch gar nicht), sondern war allein meiner eigenen Sicherheit geschuldet (siehe letzter Blogpost / Tweets aus Kairo).

Ausgaben

Meine Ausgaben sind recht überschaubar, da ich außer Wasserflaschen und ein paar Snacks kaum Kosten hatte. Was Telefon- und Roaminggebühren betrifft: natürlich hatte ich zunächst versucht, mit Prepaid-SIM-Karten zu arbeiten. Diese ließen aber keinen Datentransfer zu und waren damit für meine Zwecke unbrauchbar.

Nachtrag: Mein Mobilfunkbetreiber war so freundlich, mir einen Teil der Kosten im Nachhinein zu erlassen. Die Dankbarkeit hierfür hält sich in Grenzen, da das Unternehmen, trotz dieser Geste, noch immer genug an mir verdient hat.

Fazit

Ich möchte betonen, dass ich in Bloggern keinen Ersatz für professionelle Berichterstatter sehe (wobei das Eine das Andere ja nicht ausschließen muss). Wovor ich jedoch warnen möchte, ist, solche Trips als Hobby-Blogger zu unternehmen („Liebe Kinder – das jetzt bitte nicht zuhause nachmachen!“) Zwar bin auch ich weiß Gott kein Kriegsreporter, allerdings habe ich für die ARD div. Trainings für Krisen- und Kriegsberichterstatter bei der Bundeswehr durchlaufen, die sich übrigens auch in Kairo als sehr nützlich erwiesen haben.

“Die Mär von der Kostenlos-Kultur im Internet ist eine faule Ausrede, um sich selbst nicht verändern zu müssen”

Was das Finanzielle betrifft, hat mich die Reise in meiner These bestärkt, dass wir Journalisten in Zukunft über neue Finanzierungsmöglichkeiten nachdenken müssen. Auch wenn ich natürlich weiß, dass sich nicht jede Story durch Spenden refinanzieren lassen wird, hat mir diese Reise doch gezeigt, dass die Mär von der angeblichen Kostenlos-Kultur im Internet nichts weiter ist, als eine faule Ausrede, um sich selbst nicht verändern zu müssen.

An alle Spenderinnen und Spender…

…Herzlichen Dank! Vor allem für das von Euch entgegengebrachte Vertrauen. Meinen besonderen Dank auch an alle Blogger-Kollegen und -Kolleginnen, die mich nicht nur durch Geld, sondern auch durch ihre Spendenaufrufe in Blogs, bei Facebook und Twitter unterstützt haben – allen voran: Udo Vetter (law-blog), Thomas Knüwer (Indiskretion Ehrensache), Mario Sixtus (Blinkenlichten), Daniel Fiene (Was Mit Medien),. Jürgen Kuri (c’t-Magazin & heise online),. Ulrike Langer (Medial digital), Sascha Pallenberg (netbooknews), . Jürgen Vielmeier (basic thinking),. Martin Weigert (netzwertig) und auch an. Sascha Lobo – Du weißt wofür ;-)


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66 Gedanken zu “Einmal Kairo und zurück – die Bilanz

Zitiert von
  1. (Guter) Journalismus wird bezahlt

  2. Linkwertig: iPad 2, New York Times, Journalismus, HTML5 » netzwertig.com

  3. Lesenswerte Artikel 4. März 2011

  4. Deep-Thought's Nerd and Ant Soup

  5. Neun Thesen zum Qualitätsjournalismus at JakBlog

  6. Skurt Sebastian Kurt – Berliner Gründer, Unternehmer, Sportler » Blog Archive » Lesezeichen zum Diskutieren vom 7. März 2011 from 16:25

  7. Weekly Review: Short stories | FlattrChattr

  8. maloki » Blog Archive » Social Media for Social Good

  9. „Experimentieren und machen“: Richard @Gutjahr über die Zukunft des Journalismus und Chancen für junge Journalisten | 140z.de

  10. What’s happened in February: All about money | FlattrChattr

  11. re:publica 2011 – Tag 2 | David Philippe – Social Media, PR und mehr.

  12. Peter Sunde über flattr

  13. bier statt blumen - magazin für berlin | re:publica: “Hinter jedem Cent steht ein Gesicht” – Kreativfinanzierung im Web

  14. Webmasterfriday – Was ist dein Spezialgebiet | HappyBuddha1975

  15. Sozialtheoristen » Journalistische Selbstgespräche

  16. Machen „Google, Facebook & Co“ die Zeitungen kaputt? « streikblog0711

  17. Heißt der „Gegner“ wirklich „Google, Facebook & Co“? | kulturpflanze

  18. Crowdfunding Journalismus – Warum? Was? Wer? Wie? Wo? | Media Funders | Gemeinsam unabhängigen Journalismus fördern und finanzieren

  19. Journalisten: Selbstdarsteller, die | Netzpiloten.de

  20. Linkdossier (2): Wohin treibt der “Arabische Frühling”? | Geisteswissenschaft im Dialog

  1. Glückwunsch zu der positiven Bilanz! Du hast mit Deinem Blogger-Trip wirklich Neuland betreten – und warst mit Deinem Einsatz eine exzellente Ergänzung zu der Berichterstattung der klassischen Medien. Gerade in der Anfangsphase hatten sich die klassischen Medien – insbesondere die ARD und das ZDF – in Deutschland ja nicht mit Ruhm bekleckert.
    Deine Perspektive als Blogger mit zu erleben, hat einen ganz anderen Blickwinkel auf die Situation und die Menschen dort zugelassen. Dafür auch heute nochmals herzlichen Dank!
    Dass Du im Nachhinein nicht mit einer unsittlich hohen Roaming-Rechnung alleine dastehst, sondern die Spenden und Einnahmen Deine Kosten decken, freut mich riesig. Es zeigt wieder einmal: die Internet-Community lässt Worten auch Taten folgen. Daran glaube ich schon lange – aber es ist immer wieder ein tolles Gefühl, wenn man sieht, dass es wirklich funktioniert.

    • @Christian Nicht einmal in meinen wildesten Träumen hätte ich gedacht, dass ich aus der Nummer (finanziell) heil rauskomme! Und nocheinmal: ich wollte nie in Konkurrenz zu irgendeinem Sender treten. Ich selbst war ja lange Zuschauer vor dem Fernsehbildschirm. Dabei hatte ich stets das Gefühl, mir fehlt da was, bei diesen Berichten: die Stimmen von echten Menschen, ihre Motive, warum sie plötzlich auf die Straße gehen. Das konnte ich nur vor Ort erfahren.

  2. In Zeiten wo schon der Bundespräsident einen”zertifizierten” Journalismus einfordert, sollten wir uns tatsächlich an direkte Bezahlung “zertifikatsfreier” Berichterstatter gewöhnen. Genauso sollten wir den freien Internetzugang als echtes Grundrecht in unsere Verfassung schreiben lassen. Wenn die uns lassen wuerden…statt dessen bauen die aus Angst in Berlin Mitte den groessten BND aller Zeiten inklusive Internet-Angstschalter.

  3. Mir hat diese Reportage persönlich viel gebracht: Sie hat bei mir das Interesse für das Geschehen in einer Form geweckt, wie es das Fernsehen oder Presse in diesem Fall nicht geschafft hätten. Die folgenden Tage habe ich mit deutlich mehr Anteilnahme verfolgt, als bei vergleichbaren Ereignissen.

    Dieses Unmittelbare ist eine tolle Ergänzung zu zweifellos anderen, klassischen, wichtigen Formaten der Berichterstattung.

    Danke Richard!

    • @Rainer Vielen Dank für das Feedback. Das freut mich sehr zu hören und bestärkt mich, in dieser Richtung weiter zu machen. Wenn es einem Reporter gelingt, Menschen für ein Thema zu interessieren, ist das das größte Lob, das man kriegen kann.

  4. Ohne jetzt diese abgedroschene “Journalismus 2.0″-Phrase auszukramen, du hast es vorgelebt und einfach mal gemacht in aller Konsequenz. Der daraus entstandene Content und die jetzige Bilanz, das sind einfach Erfahrungswerte, die sich jeder Blogger/Journalist an seine Pinnwand haengen sollte.

    Ich freue mich schon auf die naechste Aktion!

  5. Ein schönes Beispiel, welches sich hoffentlich in viele Präsentationen wiederfinden lässt. Allein ein so offenes Fazit zu publizieren dürfte für die meisten Kollegen mehr als eine große Herausforderung sein.

    • @Phil v. Sassen Danke. Wie schon erwähnt, ich glaube nicht, dass sich dieses Beispiel so ohne weiteres auf andere Stories übertragen lässt. Aber ich bin froh, dass es mir zumindest gelungen ist, zu zeigen, dass es noch mehr Wege für Journalismus gibt, neben der klassischen Reklame, Paywalls oder Klickstrecken ;-)

  6. Herzlichen Glückwunsch zu einer unglaublich gelungenen Aktion! Mach schön so weiter! Die “nächste Reise” lässt sich jetzt sicher noch “einfacher”/schneller finanzieren- die Berichte machen Lust auf mehr und die Generalprobe hat ja wohl geklappt. Kudos!

  7. Es hat Spaß gemacht dir zu folgen, hat bei mir Interesse an der Sache geweckt, die ich sonst nicht so verfolgt hätte und was mich am meisten begeistert hat, dass es nicht so anonym war, wie es bei den klassischen Medien rüberkommt. Ein spannendes Abenteuer, modern, authentisch und wiederholungswürdig! DANKE!!!

  8. Nicht einmal in meinen wildesten Träumen hätte ich gedacht, dass ich aus der Nummer (finanziell) heil rauskomme!

    Würde man die Aufgaben eines CvD in die Crowd verlagern, also aus dem Chef vom Dienst eine Crowd vom Dienst machen, könnte man eine demokratische, transparente Einrichtung schaffen, die mit sehr kurzer Reaktionszeit in Vorleistung gehen kann, um das finanzielle Risiko zu senken.
    Es müsste bereits Geld in einem Fonds vorhanden sein. Jemand wie Du könnte sich dort melden, sein Projekt beschreiben und es dann einer schnellen Abstimmung stellen.

    • @Holgi Spannender Ansatz. In den USA gibt es bereits Stiftungen, die Journalisten-Projekte finanzieren. Mir persönlich ist dieser Ansatz noch zu abstrakt und zu weit weg. Eigentlich sollten spontane Projekte direkt von den Verlagen und den Sendern finanziert werden. Geld ist da. Auch wenn’s nach außen immer anders klingt.

  9. Ich bin erstaunt, wie “dicht” Ausgaben und Einnahmen beieinander liegen. Die Roaming-Kosten sind natürlich der Knaller in der Rechnung.
    (Für die Statistik… 20 € Euro der Flattr Donations sind von mir. Da das Konzept der direkten Spenden auf Flattr noch recht neu ist, ist man sich noch unsicher bzgl. anonymer vs. nicht-anonymer Spende.)

    • @Michael Henke Erstmal vielen Dank für Deine Spende! Ja, die Roamingkosten waren sogar urspr. noch höher. Man hat die Kosten auf 3 Datenpakete verteillt, so dass ich über einen Sondertarif abgerechnet wurde. Flattr ist klasse weil schnell und unkompliziert (wenn man mal angemeldet ist) – leider nicht so transparent wie PayPal.

  10. Vielen Dank für diese vielen tollen Informationen!
    Ich habe wirklich nicht damit gerechnet eine so genaue und interessante Rückmeldung über die Verwendung einer Spende zu bekommen.
    Weiterhin alles Gute, Gesundheit & Grüsse
    aus Alfeld – Leine :)

  11. Ich kannte dich und diese Seite vor der Aktion nicht (die iPad Nummer muss an mir vorbeigegangen sein :-)), aber Twitter sei Dank, konnte ich deinen Kairo Trip quasi “live” hier und bei Twitter begleiten.
    Schliesse mich den Vorredner an: War gut, war informativ, in vielen Passagen informativer als ARD/ZDF und hat mir persönlich die Thematik näher gebracht.
    Danke dafür und weiterhin viel Erfolg.

  12. Was diesen Satz betrifft: “Mein Mobilfunkbetreiber war so freundlich, mir einen Teil der Kosten im Nachhinein zu erlassen. Die Dankbarkeit hierfür hält sich in Grenzen, da das Unternehmen, trotz dieser Geste, noch immer genug an mir verdient hat.” – Wieso hält sich die Dankbarkeit in Grenzen? Die hätten Dir ja nicht entgegenkommen müssen. Nun ja, das ist natürlich ein hüsches Sümmchen. Aber für den Datentransfer aus Afrika nach Europa… War ja zu erwarten.
    Unterm Strich Glückwunsch zu einer positiven Bilanz, bei der sogar noch bissel was übrig blieb. Hauptsache keine allzu krassen Miese.

    • @Andreas Wollin Sehe ich anders: der Datentransfer von Texten und ein Fotos kostet die Unternehmen nur einen Bruchteil der Übertragung von Sprache. Noch dazu: das Roaming fand nicht von Afrika nach Europa statt – sondern von Ägypten nach Israel – also gleich ins angrenzende Nachbarland.

  13. Ich muss sagen, ich war froh, dass du dort warst und berichtet hast. Auch wenn einige ja meinten, es wäre quatsch, weil die Nachrichtensender hier bei uns mehr als genug darüber berichten würden.

    Aber ich muss sagen, ich habe sehr selten Ferngesehen in dieser Zeit bzw tue das sowieso generell kaum bis garnicht. Das Internet ist in dieser Hinsicht Medium meiner Wahl. Und so habe ich deine Berichte sehr gespannt verfolgt und war auch sehr froh darüber, dass du dich von dort gemeldet hast.

    Ich hoffe auf viele weitere spannende Berichte deinerseits und dass die Rechnung immer so gut aufgeht :)

  14. Halloooo……noch keine Frau, die kommentiert hat!?? Na denn – Zeit wirds. Aaaalso: Ich war von Anfang an begeistert von deiner Aktion, hatte in diesen Tagen dich eigentlich auch als Haupt-Infoquelle auf dem Schirm. Sehr gefallen hat mir deine Spontaneität, dein rasches und durchdachtes Handeln, dein hoher Berufsethos bei dem Ganzen…… und enorm beeindruckend find ich jetzt auch deine Kostentransparenz. Wirklich und von Herzen: Hut ab, Richard!
    Und – was du über die Kritiker deiner Aktion schreibst: Mir scheint, da ist ein gerüttelt Maß an Neid dabei. Du warst schneller, flexibler und hattest dadurch mehr Aufmerksamkeit. Schade, dass wir hier in Deutschland so schnell dabei sind mit dem Neid – anstatt zu sagen: Hat er toll gemacht, der Gutjahr – Mist, dass mir das nicht eingefallen ist – was kann ich lernen draus!? Nun denn …. vielleicht werden sie ja noch klüger.
    Weiter so – toll!
    Herzlichst, Bettina Stackelberg

  15. Hi Richard, sehr interessante Details. Eins verstehe ich nicht – warum so viel Geld für Datenroaming? Ich war selber im Oktober in Kairo und habe mir einfach eine einheimishce SIM gekauft. War das Chaos zu groß und die Shops geschlossen? Oder hast Du das an anderer Stelle schon erklärt? Jedenfalls hättest Du ohne diese gigantischen Ausgaben viel besser da gestanden. Bitter finde ich die letzten drei Zeilen (Honorare Radio, Print, Online)…

    • @Matthias Spielkamp Hatte ich im Text beschrieben: die SIM gab es, funktionierte aber nur für Gespräche – nicht zur Datenübertragung. Vielleicht hätte ich mit ein wenig Suchen noch eine Lösung gefunden – angesichts der Ausgangssperre (15 bis 10 Uhr morgens) und der ohnehin schon angespannten Lage im Zentrum war mir das zu riskant. Meine Kamera war ich ja schon nach der 2. Straßensperre los, das war mir eine Warnung. Ich dachte mir: lieber mit dem arbeiten, was mir zur Verfügung steht und zahlen – als wertvolle Zeit verlieren oder gar an die falschen Leute zu geraten.

  16. Moin,
    einige Gedanken, zuerst vor allem zur finanziellen Seite, um die es ja hier erstmal geht:
    1a) Roaming und Gutschrift/Wohlwollen des Providers: Das Entgegenkommen des Providers halte ich, man mag mich steinigen, für beachtlich – Versuch einer Analogie: Keine Tankstelle gibt eine Gutschrift, nur weil Du mit dem Daimler im Acker steckengeblieben bist und den Tank mit Anfahrversuchen leergefahren hast.
    Hier direkt mein Disclaimer: Ich arbeite bei einem internationalen Mobilfunkprovider (vermutlich nicht bei Deinem, ich weiß es nicht, das kann, mag und werde ich auch nicht püfen), ich bin ganz normaler Angestellter (nicht im Marketing oder so, Gott bewahre) und gebe meine ausdrücklich persönlich motivierte “Innensicht” wieder.
    Die Telekommunikation lebt (wie eigentlich alle anderen Dienstleister) vom Nutzungsverhalten der Kunden – wieso diese Nutzung anfällt, ist erstmal und eigentlich immer auch zuletzt Sache des Kunden. Und erstmal kennt Dein Provider Dich nur als “eine von -zig Millionen SIM”, kein Provider kennt die Inhalte seiner Kunden, die interessieren in der Branche tatsächlich niemanden (Milliarden Urlaubsdias, mein Hintern…) – der Provider “routet Bits”, ganz egal, ob es um ein Tauchvideo vom Mittelmeer oder um Deine Reportagen vom Tahrir-Platz geht.
    Dazu ein (zugegeben :) fieses Beispiel: Wenn Paris Hilton (eben nur als Beispiel!) meint, sie müsse Videos ihrer Europabesuche per amerikanischer SIM streamen: Gerne – und gerne nimmt die Branche das Geld, danke dafür! Kein Relevanzvergleich, nicht ansatzweise, sondern nur ein Versuch, dem Provider ein Quäntchen Respekt zu zollen – er weiß erstmal nicht, wieso die Gebühren anfallen, und rechnet dann erstmal ganz normal ab.
    1b) Dass in Ägypten zu der Zeit (und immer noch) eine besondere Situation herrschte (Mobilfunknetze überdurchschnittlich belastet und zeitweise per Anordnung zwangweise gekappt und so): Tja. Die Infrastruktur steht trotzdem da und kostet Geld – übrigens überall und weltweit vor allem Personalkosten, auch in Ägypten -, der Strom für Basistationen und Backbone muss fließen und bezahlt werden – kann der Provider da nicht mal eben alles kostenlos machen? Nee, erstmal und auch weiterhn nicht – erstmal und weiterhin wollen die Angestellten und die Mitarbeiter der Stromlieferanten Gehalt bekommen. Und das zu Recht.
    1b) Roaminggebühren sind ein tatsächlich “ätzendes” Thema, aber das ändert sich zum Glück gerade – SMS waren auch mal und sind immer noch, gemessen am echten Aufwand, sch…..teuer, die Preise kommen aber langsam auf ein vernünftiges Maß. “Vernünftiges Maß” ist in vielerlei Hinsicht absolut überfällig und kommt auch für das Roaming für Anrufe wie für alle anderen Dienste im Mobilfunknetz, weltweit, auch in Ägypten.
    1c) Nutzungsgebühren in Ägypten: Was haben eigentlich “ägyptische Berichterstatter”, also “der Mann und die Frau auf der Straße”, für ihre wie auch immer formatierten Berichte zum Geschehen bezahlt (Anruf, SMS, Video, Jahrbuch etc.)? Es gab eigentlich immer irgendwelche aktuellen Infos in den einschlägigen Internetmedien, zwischendurch war aber “das normale Internet” in Ägypten wohl komplett “off” – wie und zu welchen Kosten haben “die” denn dann die Bits gestreamt? Hast Du da Infos oder Eindrücke oder so?
    2) Fonds für Journalismus: DAS halte ich für eine richtig, richtig gute Idee – ich denke da an die Initiative/NGO (in Südamerika? Ich erinnere das gerade nicht), die Videokameras verteilt, damit Verbrechen oder Vergehen von GOs dokumentiert werden.
    Meine Meinung dazu: WEITER DAMIT, MEHR DAVON! Und dann ganz im Sinne der guten Idee: Hardwarehersteller (Videokameras, Smartphones, Mobiltelefone, what ever), Internet- und Mobilfunkprovider (Netzzugänge jeder Art, auch per Satellit) und Plattformen (Gesichtsbuch, Röhren aller Art incl. TV, Zwitschern) angehen und offensiv um Material, Guthaben und (kostenlose!) “Airtime” angehen! Die Qualität und Seriösität der Berichterstatter vor Ort mag erstmal ein Thema sein – aber, wie Dein Beispiel und das Beispiel zahlreicher Ägypter zeigt: Grundsätzlich ist sowas notwendig. Provider zum Beispiel sollen mal nicht so tun, als würden sie im und vom luftleeren Ponyhof leben, die könnten auch mal ein paar (von -zig täglichen Milliarden, die tatsächlichen Hausnummern hauen einen um) Nutzungsminuten für Journalisten/NGOs und so kostenlos raustun. Werbung wäre teurer…
    3) Zum Abschluss mein Kommentar zu Deinem Einsatz: Ich hab “Dich” und andere Online-Medien zu der Zeit jeden Tag stundenaktuell gelesen – die “klassischen” Medien waren ungleich weiter vom Geschehen entfernt, nicht nur geographisch. Die Zukunft des Journalismus findet zum Glück nicht mehr vornehmlich am Schreibtisch statt – “Echtzeit” ist kein leerer Begriff mehr. Einordnen, erläutern, den großen Rahmen setzen: Alles gut und richtig und immer wieder gern goutiert.
    Aber zuerst ist, in meiner ganz persönlichen Perspektive, Journalismus Berichterstattung über ein Geschehen – damit Fakten dokumentiert werden. Weiteres Einordnen etc. ist wichtig, kann aber ohne Berichterstattung garnicht stattfinden. Und solche Berichterstattung hast Du gemacht. Danke dafür.

  17. @Richard Klar ist das ein Witz, so viel zu verlangen. Aber das ist eine Grundatzdiskussion. Eine SMS kostet den Anbietern doch auch nur 1 ct oder sowas… da sind Gewinnspannen weit über die 1000%-Marke hinaus üblich.

  18. Danke für die tolle Berichterstattung, ich habe jedem neuen Beitrag entgegengefiebert! Das war eine ganz andere Qualität als das (nur ein Beispiel) Antonia-Radosz vor brennenden Barrikaden irgendwelchen Blödsinn erzählt! Es war gut und es war richtig und wichtig!

    Gruß

  19. Eine tolle Aktion, die auch zeigt, dass das Web etwas auf die Beine stellen kann – Das eine Solidarität hergestellt werden kann und Transparenz. Ich habe zwar nur selten schauen können , aber ich war beeindruckt . Vielen Dank!

  20. Erstmal herzlichen Dank für die Transparenz. Wobei sich mein Dank in Grenzen hält, weil man das irgendwie auch erwarten kann… :P

    Dann wundert mich doch, wie wenig Honorar die “klassischen” Medien für diese vor Ort Berichterstattung bezahlen.

  21. Was allerdings in deiner Rechnung nicht auftaucht: Deine eingebrachte Arbeitszeit und deine Lebenshaltungskosten zuhause.

    So scheint zwar sogar etwas übrig zu bleiben, bedenkt man aber, dass Miete, Versicherungen und sonstige Kosten auch bezahlt werden wollen, ist es eher ein deutliches Verlustgeschäft.

  22. Mett: So? Kann man erwarten? Du hast für das gespendete Geld einen Gegenwert in Berichterstattung erhalten. Fertig.
    Möchtest du das Richard neue Inhalte schaffen kann, oder soll er sich lieber jedesmal damit beschäftigen das Finanzielle detaillierter aufzuschlüsseln, als es das Finanzamt verlangen würde?

  23. Lieber Richard,
    ich habe Ihre Reportage-Reise nach Kairo nur sehr sporadisch verfolgt. Anfangs hatte ich tatsächlich das Gefühl, hier geht es jemandem um Selbstdarstellung (was Sie selber ja auch ein wenig zugeben), dann sah ich Sie in der Tagesschau, wenn ich das noch richtig erinnere – und fand: Das macht der richtig gut. Sie sind ein guter Journalist, gesegnet mit Talent und mit Mut.
    Doch ich frage mich, ob ich das was Sie aus Kairo berichteten tatsächlich gebraucht habe, um über Ägypten gut informiert zu sein. Ich weiß wirklich keine Antwort auf diese Frage. Vor der Kamera in der ARD jedenfalls wirkten Sie wie jeder andere ARD-Korrespondent auch. Manchmal hatte ich das Gefühl, Sie haben so eine Art journalistischen Selbstfindungstrip unternommen, was Sie wahrscheinlich nicht nötig haben. Wie auch immer: Nehmen Sie es mir bitte nicht übel, Sie betreiben Detail-Journalismus, Sie sind extrem nah dran am Alltag (auch wenn man den – beispielsweise was das Besorgen einer SIM-Karte angeht – zum Teil erst erfragen muss). Die klassischen Medien allerdings ersetzen Sie in meinen Augen nicht. Ich finde es sehr sympathisch, dass Sie Ihre Arbeit auch selbst als Ergänzung zu diesen sehen. Und dass Sie die Arbeit der klassischen Medien als Ergänzung zu Ihrer sehen. Und vor allem, dass Sie “Hobby-Blogger” vor so was wie Nachahmung warnen.
    Dass Ihre Reise zu einem finanziellen Nullsummenspiel wurde, finde ich – nun ja – beruhigend. Es ist gut, dass Sie Ihre Unkosten reinbekommen haben, Ihre Transparenz finde ich (was auch sonst) großartig. Dennoch teile ich Ihr Statement nicht (“Die Mär von der Kostenlos-Kultur im Internet ist eine faule Ausrede, um sich selbst nicht verändern zu müssen”). Mich würde interessieren, wie oft Sie solche Reisen mit Spendenaufkommen finanzieren könnten. Also ob das über das Einmalige hinaus funktioniert. Es ist natürlich reine Spekulation, aber ich glaube, das funktioniert nicht zu oft. Es gibt Beispiele von Bloggern aus den USA, bei denen schon nach der zweiten Reise solcher Art ein dickes finanzielles Minus stand.
    Also nochmal meinen allerhöchsten Respekt vor Ihrer Leistung. Auch vor Ihrer entspannten Haltung, was das Verhältnis zwischen klassischen Medien und Bloggern angeht.

  24. So wie die Rechnung aussieht, könnte man aus der Revolutions-Berichterstattung sogar fast ein tragfähiges Geschäft aufbauen ;-)

    Darf man eigentlich erfahren, welchen Netzbetreiber Sie haben? Ich kann mir kaum vorstellen, dass die gute alte Telekom die Romaing-Gebühren erlässt …