Wo Jarvis irrt – oder: What would Apple do?

by Richard Gutjahr on 25. January 2010

Wo Jarvis irrt – oder: What would Apple do?

Jeff Jarvis – am Rande der DLD-Konferenz habe ich mich mit dem US-Medienprofessor über das Apple Tablet, über die New York Times und über Paid Content unterhalten.

Dieser blogpost grenzt an Gotteslästerung. Er ist mit Sicherheit streitlustiger als Oolon Coluphids (aka Douglas Adams) philosophische Bombenerfolge “Wo Gott sich irrte”, “Noch ein paar von Gottes größten Fehlern” und “Wer ist denn dieser Gott überhaupt?”. Dieser blogpost ergreift Partei für eine Branche, die am Boden liegt, die es jedoch durchaus verdient hat, neue Hoffnung schöpfen zu dürfen. Dieser Blogeintrag richtet sich daher nicht, wie so oft, gegen bräsige Verleger sondern gegen deren personifiziertes schlechtes Gewissen; dieser post trägt die Überschrift: Wo Jarvis irrt.

Wie schon in früheren Blogeinträgen erwähnt: ich bin Fan von Jeff Jarvis und seinem Buch „Was würde Google tun“ (danke @Almontchen für das Hardcover!). Ich bin vertraut mit der umfangreichen Recherche-Arbeit, die Jarvis letztes Jahr zusammen mit Jeff Mignon von Mignon Media (Video) an der City University of New York geleistet hat, um Verlegern vorzuführen, durch welche Finanzierungsmodelle sie wieder zu Geld kommen könnten.

 Das Gespräch habe ich Mitte 2009 in New York aufgenommen

Wenn Jarvis der versammelten Verleger-Schar auf den Münchner Medientagen per Skype-Schalte aus New York die Leviten liest (Ihr hattet 15 Jahre Zeit, Eure Hausaufgaben zu machen. Ihr habt es nicht getan!), dann gluckst das Publikum, denn es weiß: dieser Mann bringt es auf den Punkt.

In einem Punkt jedoch bin ich nicht derselben Meinung wie der große Medienprofessor: anders als Jarvis glaube ich sehr wohl an Paid Content. Und: ich glaube daran, dass es Apple gelingen wird, Zeitungen und Zeitschriften wieder sexy zu machen (und damit meine ich nicht die Bild-Mieze auf Springers Bild-App).

Am Rande der DLD-Burda-Konferenz hatte ich Gelegenheit, mit Jarvis über das Apple Tablet zu reden. Obwohl Jarvis selbst bekennender Apple-Fan ist, kann er den Hype um das „iPad“ (?) nicht nachvollziehen. Schon gar nicht sieht er darin einen game-changer:

 

Jarvis’ Antwort erinnert mich stark an jene Aussagen, die ich schon bei der Einführung des iTunes-Music-Stores gehört habe. Ganz ähnlich verliefen auch die Debatten im Jahr vor der Einführung des Apple iPhones: wozu braucht die Welt ein weiteres Telefon? Heute wissen wir: sowohl iPod und iTunes (inzwischen der größte Musikhändler weltweit) als auch iPhone und AppStore (größter Mobilfunk-Softwaremarkt weltweit) haben die Industrie verändert.

Doch Jarvis glaubt weder an eBook-Reader noch an Tablet PCs:

Interessanterweise listet Jarvis alle Funktionen auf, die das Apple Tablet anbieten wird – nur eben auf einem größeren und besseren Display als auf dem iPhone. Es soll eben NICHT wie Kindle & Co ein reiner eReader sein, sondern Internet, Text, Video und Musik möglichst komfortabel unter einem Dach vereinen.

Dass ein solches Gerät auch eine Riesen-Chance für Zeitungs- und Zeitschriften-Verleger wäre, ihre Gratis-Leser wieder zurück an die Kasse zu führen, daran glaubt Jarvis nicht. Im Gegenteil – er hält den Schritt der New York Times, ab 2011 hinter einer Paywall zu verschwinden, für fatal:

Genau hier setzt meine Kritik an. Wie schon früher mehrfach geschildert, glaube ich sehr wohl, dass die Menschen bereit sind auch online für journalistische Texte zu zahlen. Man darf es ihnen nur nicht so schwer machen. Und: der Preis muss sich in einem vernünftigen Rahmen bewegen.

Die große Leistung eines Steve Jobs bei der Einführung des iPods war nicht das Gerät. Auch nicht die Software (iTunes war keine Apple-Entwicklung, sondern eine Software, die Apple im Jahr 2000 von einer kleinen Software-Schmiede namens Casady & Greene schlüsselfertig gekauft hatte). Die große Leistung eines Steve Jobs war es, den Musikbossen klarzumachen, dass sie die Gratis-Mentalität niemals beenden werden, wenn sie nicht bereit wären, ihre Songs für einen einfachen und nachvollziehbaren Preis anzubieten: 99 Cent pro Song, und zwar unabhängig davon, ob es sich dabei um einen Tophit handelt oder um einen alten Ladenhüter.

Jeff Jarvis glaubt nicht daran, dass sich so ein Pay-Modell auf dem Zeitungsmarkt wiederholen ließe – und er stützt sich dabei auf einen früheren Versuch der New York Times:

Als ob uns Microsoft jemals mit irgendwas begeistert hätte! Nur weil es Bill Gates nicht gelungen ist, soll das ganze Geschäftsmodell falsch sein? Ich denke hier greift Jarvis zu kurz. Wenn Apple in seiner Geschichte etwas bewiesen hat, dann war es stets dort Erfolg gehabt zu haben, wo andere (manchmal ganze Industriezweige) gescheitert sind.

Der Grund dafür ist simpel: Apple schert sich nicht darum, was technisch machbar ist oder aus Lobby-Sicht wünschenswert wäre. Apple denkt stets vom User aus. Das war 1984 beim Macintosh der Fall, ebenso 2001 beim iPod oder 2007 beim iPhone.

Während Jeff Jarvis in seinem Buch die Power des “Google-Juice” beschwört, so bin ich fest davon überzeugt, dass es dem Computerbauer aus Cupertino gelingen wird, mit iPad und iTunes-Zeitungskiosk ein totgeglaubtes Medium wiederzubeleben.

Nicht mit “Google–Saft” – dafür aber mit umso mehr Apple-Juice.

(Vielen Dank an Jeff Jarvis für das anregende Gespräch, ich freue mich auf eine Fortsetzung – unabhängig davon, wer am Ende Recht behält!)

  • Print
  • email
  • PDF
  • Add to favorites
  • Digg
  • FriendFeed
  • Google Bookmarks
  • Live
  • MySpace
  • Yigg

{ 3 trackbacks }

Wenn Träume platzen: Das Apple iPad — CARTA
28. January 2010 at 04:03
Alles auf Anfang | gutjahr's blog
2. February 2010 at 10:40
web945 #3 Shownotes « web945's Blog
26. March 2010 at 03:29

{ 17 comments… read them below or add one }

1 peter brodmeier 25. January 2010 at 21:57

stimme dir bedingungslos zu – paid content wird kommen und wird auch funktionieren.

2 Richard Gutjahr 26. January 2010 at 00:56

@Peter …da bleibt mir nicht viel mehr zu sagen als: wir haben Recht! ;-) Danke für’s feedback.

3 Jens 26. January 2010 at 02:40

Bezahlinhalte für klassische Nachrichten kann ich mir – besonders bei den Ansinnen der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten – schwer vorstellen. Während iTunes damals das Laden von Musik im Netz »einfach« und »rechtmäßig« gemacht hat, gibt es speziell statt Tageszeitungen genug legale Ersatzquellen – Tendenz (auch in der Qualität) steigend.

Für Fachmedien (einschließlich Sachbücher) sind die Erfolgsaussichten sicher deutlich besser. So würde ich es z.B. paperc.de gönnen, annähernd erfolgreich wie der iTunes-Store zu werden.

Vielleicht gibt es ja doch – ganz ohne bzw. trotz Apple, Google, Amazon & Co. – eine „Wiederbelebung“ des Medium Papier in Form steigender Auflagen für Wochenzeitungen, Monatsheften, etc.

Möglicherweise!

Wie auch immer: Entscheiden werden es allein die Leser, ob und wofür sie ihre Geldbörsen öffnen.

4 Richard Gutjahr 26. January 2010 at 02:47

Hallo Jens. Die Diskussion um die bösen Öffentlich-Rechtlichen ist für mich nichts weiter als eine billige Ausrede dafür, dass man die eigenen Hausaufgaben nicht gemacht hat (siehe Jarvis). Als ob es den Verlegern im Netz besser ginge, wenn es kein ARD oder ZDF geben würde. Wenn Du mich fragst, das reinste Ablenkungsmanöver für die eigenen Versäumnisse.
Was Fachmedien und Schulbücher angeht, bin ich ganz Deiner Meinung: ein gigantischer Markt! Da wird noch viel passieren. Ich denke, was die Verlage generell begreifen müssen: das Geld wächst nicht mehr auf Bäumen. Heute muss man sich einfach mehr anstrengen, um seine Leser zu begeistern (gedruckt wie online).

5 Stefan 26. January 2010 at 02:52

Den kleinen aber feinen Unterschied, den du hier völlig ausser acht lässt ist der, das man im Gegensatz zur Musik für Nachrichten im Internet noch nie was bezahlt hat. Da dürfte es dem “NichtAppleFanBoy” vermutlich schwer fallen einzusehen, warum er auf einmal für Artikel bezahlen sollte. (Ich rede hier von den legalen Sachen, es ist mir klar, dass viele Leute illegal und kostenlos ihre Musik aus dem Netz beziehen.)

6 Richard Gutjahr 26. January 2010 at 03:20

Stimmt nicht. Die Verlage haben Ende der 90er sehr wohl Geld für ihre Inhalte verlangt, und das nicht zu knapp! Nach und nach haben sie dann immer mehr gratis ins Netz gestellt, zum Schluss dann ihre Archive (Mitte der 90er hat der Download eines einzigen Artikels bis zu 20 DM gekostet!). Wo ich Dir absolut zustimme: für die reine Nachricht wird keiner mehr zahlen. Das ist vorbei. Anders dagegen bei einem gut geschriebenen Text, der die “Rohware” Nachricht dank guter Recherche oder durch eine flotte Schreibe veredelt und dadurch “wertvoll” macht. Für ein spannendes Interview oder einen aufschlussreichen Hintergrundbericht bin ich gerne bereit, ein paar Cent zu bezahlen.

7 ApfelMuse 26. January 2010 at 09:11

Also ich bezahle heute schon für Content von Print Medien. Ein Teil der Fachzeitschrift Lebensmittelzeitung ist öffentlich aber eben nicht alles. Und ich halte es für mehr als legitim, dass für die anderen Inhalte auch Geld bezahlt wird (trotz 2 Print Abos). Wenn ich mir überlege wie oft ich auf dem kleinen iPhone heute schon Zeitungen lese, dann kann ich mir sehr wohl vorstellen, dass ich dies auf einem Tablet noch wesentlich lieber und häufiger täte. Und wenn ich zu einem vernünftigen Preis die FAZ und die Süddeutsche und welche Zeitung mich darüber hinaus noch interessieren, lesen könnte, dann würde ich das tun. In Printform kann man doch gar nicht mehr alle Zeitungen abonnieren die man gerne lesen würde, alleine aus Zeitmangel. Bei Paid Content könnte ich vielleicht unterscheiden, möchte ich bei der FAZ nur den Feuilleton Teil, bei der Zeit vor allem den Politik Teil und bei der Süddeutschen den Wirtschaftsteil, dann könnte ich mir das vielleicht so zusammenstricken. Qualitätsjournalismus muss Geld kosten, und es wird immer Menschen geben die für gut recherchierte, aber auch für gut geschriebene Texte Geld bezahlen werden, mit welchem Medium auch immer konsumiert wird . Herr Gott, im Mittelalter wurden Erzähler bezahlt die von Ort zu Ort zogen und ein Sammelsurium von Neuigkeiten, Klatsch und Tratsch, Kriegsberichterstattung und Religion aus der großen, weiten Welt zum besten gaben. Lesen konnte fast niemand. Was hätten die Menschen wohl gesagt wenn man ihnen von Papier mit gedruckten Geschichten daruf erzählt hätte, für die sie Geld bezahlen sollten. Man hätte sie wohl ausgelacht. Die Geschichte zeigt, dass die, die am lautesten lachen selten die sind, die Recht behalten…

8 Brett 26. January 2010 at 09:27

Die Zukunft ist eine finanzielle Angelegenheit, so oder so. Zwischen Zeitungen, Zeitschriften, Büchern und Musik gibt es allerdings kategorische Unterschiede. Musik bezahle ich einmal – danach behält das Stück für den Käufer ad infinitum seinen Wert. Es ist also eine Anschaffung wie ein Möbelstück. Zeitungen wie die “Bild” sind nach längstens 5 Minuten leer gelesen. Zeitschriften bieten mir vielleicht etwas für eine Woche. Bücher wiederum anders – als digitaler content legt man sich die Datei vllt auch irgendwo ab. Aber eigentlich auch “verbraucht” nach Lektüre. Daher entscheidet sich alles an dem Schnittpunkt von Preis, Leistung, Nutzungsgewohnheit und Akku. Der Content-Servierer von Apple reizt wahrscheinlich kollossal zur Anschaffung, insbesondere die besser verdienenden Apple-Fans. Aber wen noch? Die manischen Bücher-Leser sind natürlich mit einem E-Reader viel besser bedient, einfach weil der so gut wie kein Strom verbraucht, der Servierer aber spätestens alle 2 Stunden ans Netz muss; und weil man einen E-Reader auch bei Sonnenlicht und am Strand nutzen kann. Zeitschriften werden auf dem Tablett allerdings deutlich gewinnen gegenüber der Printausgabe – es entsteht da ja eine hybride Medienform zwischen Zeitschrift und TV, die völlig neu ist. Diese Hybridform ist ungeheuer attraktiv und wahrscheinlich auch Geld wert. Trotzdem hängt noch einiges an den Kosten und an der Exklusivität des Inhalts. Immerhin können die Printverlage plötzlich TV-Werbung akquirieren! Das gibt eine Möglichkeit, die zusätzlichen Produktioskosten hereinzuholen und den Preis pro Ausgabe niedrig zu halten. Für die Verlage lohnt sich der Aufwand erst, wenn die Hybrid-Produkte nicht nur auf dem Tablett serviert werden, sondern auf jedem PC oder Laptop. Wenn das der Fall ist – warum muss es ein Tablett sein? Weil es schlanker, leichter und schöner ist. Aber es gar keine Frage, dass die Integration von Bewegtbild ins klassische Zeitschriftenkonzept für die Verlage eine Riesenchance sind. Die können, wenn sie schlau sind, komplett aus der Defensive in die Offensive umschalten. Auch Verbindungen von TV-Sender und Verlagen sind wieder äußerst reizvoll. Man darf gespannt sein, aber das die Zukunft in dieser Richtung liegt und alles Alte (inkl. klassische TV-Sender) Schwierigkeiten bekommt, dürfte klar sein.

9 Richard Gutjahr 26. January 2010 at 09:32

@Apfelmuse Ich LIEBE Deinen Vergleich mit dem Mittelalter! Großartig!

10 Richard Gutjahr 26. January 2010 at 09:41

@Brett Nicht böse sein, wenn ich nur kurz auf Deinen Kommentar antworte, weil ich gleich arbeiten muss. Allerdings gibt es auch nur wenig anzumerken, außer, dass ich DIr in fast allen Punkten recht geben möchte. Vor allem Deinen Hinweis auf die Preis-Leistung-Nutzung und Akku-Schnittstelle halte ich für absolut nachvollziehbar und klug! Danke für diesen Beitrag.

11 Peter Brodmeier 26. January 2010 at 10:33

Ich finde es interessant, wie viele von Euch über die Akzeptanz von Paid Content nachdenken. Ich sehe das recht simplifiziert: Wenn die Gratis-Kanäle dicht gemacht werden, werden die Menschen auch für die Angebote zahlen. Klar ist mir dabei auch, daß das nicht der einfache Abdruck von Ticker-Meldungen ist. Aber wenn ich mal in den Zeitschriftenhandel gehe, dann hat 98% des Angebotes sowieso mit Special-Interest-Content zu tun. Ob nun Segelschiff, Rennauto oder Ponyhof. Und genau diese Sachen werden als Bezalhinhalte kommen und auch so gekauft werden.

Das “Internet” wurde bislang als Medium erkannt – weil die Leute den Browser wie ein Zeitung oder einen Fernseher betrachtet haben, als0 eine universelle Abspielmaschine. Das ist mit den Apps jetzt vorbei. Das Internet ist nur noch Zulieferungskanal – wie beim Fernsehen eben Antenne, Satellit, Kabel, Videorekorder oder DVD-Player. Alle können Dir einen Bruce-Willis-Film abspielen.

Der Browser, hier kommt meine Prognose, wird in 5 bis 7 Jahren überhaupt keine Rolle mehr beim Abspielen von Verlagsinhalten spielen, alles wird über bezahlte Apps laufen.

Alles andere ist die “Generation dazwischen”, die sich schnell anpassen und / oder in Vergessenheit geraten wird. Ich selbst kenne noch die Zeiten, in denen man bei Stilke oder so für 70 / 80 DM Zeitschriften gekauft hat. Und die werden wiederkommen, versprochen… ;-)

12 MacDentist 26. January 2010 at 10:40

Ich finde, das Thema Fachmedien kommt in der Diskussion viel zu kurz. Ohne permanente Fortbildung geht heute gar nichts mehr, zumindest in der akademischen Welt. Das ist ein Feld, das “neomedial” zu beackern sich lohnt! Und wenn ich die Preise für gedruckte Fortbildung gerade auf dem medizinischen Sektor sehe, kann ich nur sagen, da steckt ein Potenzial drin, WOW, auch wenn’s digital nur die Hälfte kosten sollte, da kann man richtige Umsätze machen. Unsere Medikamentenbibel, die “Rote Liste”, kann ich mir schon gar nicht mehr gedruckt, sondern nur noch als iPhone App vorstellen – hier gibt es tausend andere Beispiele. Bin echt am Überlegen, ob ich da auf meinem Fachgebiet nicht einsteigen sollte.

13 Alex Knopf 26. January 2010 at 10:43

Ich bin neulich über das Buch “Der Schwarze Schwan” (Nassim Taleb) gestolpert – und dort wird auch genau dieses Phänomen beschrieben. Handelt von Aussreissern in der Statistik, die sich nicht mit der simplen Glockenkurve erklären lassen. Ein Erfolg, wie in ihn Apple zur Zeit hat ist betriebswirtschaftlich nicht planbar – aber man kann die Voraussetzungen, die den Erfolg begünstigen schaffen.
Ebenfalls sitzt Apple in Kalifornien näher am Puls der Internet/Technik-affinen Zielgruppe und hat auch solche Mitarbeiter.

Den deutschen Journalismus kann ich mir dagegen leider nur als altes, behäbiges Auslaufmodell vorstellen. Der Grossteil der Journalisten schreibt eben nicht für den Leser – sondern nur um den Platz zwischen den Werbe-Blöcken zu füllen – und versucht mit den Annehmlichkeiten eines PresseAusweises ein nicht allzuschweres Dasein zu führen.

14 Martin Meyer-Gossner 26. January 2010 at 12:17

In den letzten Jahren habe ich befürchtet ein Einzelkämpfer beim Thema Paid Content zu sein. Allerdings würde ich endlich mal gerne die Terminologie in der Diskussion ändern, der Jeff Jarvis immernoch den Garaus machen will. Warum sprechen wir nicht einfach mal von Paid Service? http://www.thestrategyweb.com/the-future-is-paid-service-the-old-paid-content
Danke, daß Du das Thema mal weiterleben läßt… und nein, dieser Post grenzt nicht an Gotteslästerung.

15 Marcel 26. January 2010 at 15:19

Ich verstehe nicht, wieso die Diskussion über Paid Content häufig so undifferenziert geführt wird und anscheinend nur schwarz-weiße Positionen möglich sind. Paid Content wird für bestimmte Produkte funktionieren und für andere nicht.

Die Konsumenten sind auch heute schon bereit für hochwertige Informationsprodukte viel Geld zu bezahlen, insbesondere in den Fachmedien. Das wird sich nicht ändern, sofern sich die Informationsanbieter nicht die Butter vom Brot nehmen lassen.
Was sich wahrscheinlich ebenfalls nicht ändern wird, ist die gen Null tendierende Zahlungsbereitschaft der breiten Masse von Internetnutzern für Instant-Informationen, wie man sie heute auf den großen Nachrichtenseiten von Spiegel Online und Co findet. Da wird in den meisten Fällen auch kein Browser-basiertes iTunes mit 1,99 (Cent-)Button helfen, denn ich kann mir die Information in ähnlicher Qualität auch bei der kostenlosen Konkurrenz (Blogs, Twitter, Tagesschau um 20.00Uhr) holen – und die wird es immer geben…

Die Verlage werden daher eine zweigleisige Strategie fahren müssen und Content sowohl kostenlos (um die Reichweite und die Bedeutung als Leitmedium aufrecht zu erhalten) als auch in aufgewerteter Form kostenpflichtig anbieten müssen. Ich stimme Richard zu, dass ein Tablet mit einem “iTunes für Content” durchaus Chancen bietet. Aber nur, wenn die Verlage nicht alten Wein in neuen Schläuchen verkaufen wollen, sondern sich neue (multimediale?) Produkte überlegen. Erste Konzepte gibt es schon, u. a. die Tablet Demo der Sports Illustrated ( http://www.youtube.com/watch?v=ntyXvLnxyXk ). Für sowas würde ich gern auch mehr zahlen. Ob solche Produkte in einem bezahlbaren Rahmen realisieren lassen, kann ich nun allerdings nicht abschätzen.

16 Ulrike Langer 26. January 2010 at 23:15

Man sollte bei dieser Diskussion eines nicht vergessen: Ein multimediales bedienungsfreundliches, gut designtes Gerät – eines, das man wirklich gerne benutzt und rein technisch Tausende von Möglichkeiten bietet, ist eine notwendige, aber keine hinreichende Voraussetzung für den Erfolg von Verlags-Paid-Content. Servicefunktionen und Inhalte, die wirklich Zahlungsbereitschaft auslösen, müssen die Verlage erst einmal entwickeln. Die liefert Apple – zumindest für den deutschen Markt – morgen nicht mit.

17 ende 27. January 2010 at 00:13

Paid Content kann funktionieren. Er muss 1) bezahlbar und 2) praktisch sein. 1,15€ pro Zeit-Ausgabe (als Beispiel) ist super… jetzt muss sie nur noch automatisch auf den reader kommen. Ebooks kaufen für 90 oder 95% des Paperbacks ist (sorry) BULLSHIT. Das so erworbene Ebook kann ich noch nicht mal einfach weiter geben. Warum keine Ebook Leihbibliothek und Bücher für die ersten 3 Monate zu 1/4 des Paperback-Preises. Danach (wenn man “zu spät” “zurück gibt”) gestaffelt, so dass nach 2 Jahren der Kaufpreis als Miete gezahlt wurde. Danach gehört es mir und ich muss nicht weiter bezahlen. Ich würde das _sofort_ machen. Romane, die man zwei mal liest (im Abstand von 2 Jahren) wäre immer noch günstig im Vergleich. Gute Fachbücher kosten das Gleiche wie das Paperback (weil man die einfach ausleiht und dann behält), schlechte gibt man zurück und macht nicht gar zu viel Verlust. Die Verlage würden nicht weniger verdienen als jetzt, weil man die ausgeliehen Ebooks nicht weitergeben kann (und auch nicht muss).

Leave a Comment

Previous post:

Next post: