Western von gestern8. Februar 2013

Das Internet, die Erschließung einer neuen Welt? Genau wie damals, im Wilden Westen. Wisst Ihr noch? Als SMS noch per Rauchzeichen verschickt wurden und das Silicon Valley noch nicht einmal an das Eisenbahnnetz angeschlossen war.

big-wildwest

Manchmal, wenn ich so über das Internet nachdenke, versuche ich mir vorzustellen, wie das wohl gewesen sein muss, damals, als Amerika entdeckt wurde. Die ersten Siedler, oft romantisiert als Abenteurer und Pioniere, die sich anschickten, das Terra Incognita zu erschließen. In Wahrheit handelte es sich oft um Geeks und Nerds, um Außenseiter und Glücksritter, die nichts zu verlieren hatten, ihrer Heimat den Rücken kehrten, um ihr Glück in der Neuen Welt zu suchen.

Keine 200 Jahre ist es her, da wurden die ersten Eisenbahn-Trassen verlegt. Abraham Lincoln persönlich war es, der 1862 den Auftrag erteilte, Kalifornien, die spätere Heimat von Apple, Google und Facebook, mit den Staaten an der Ostküste zu verbinden. Ein regelrechter Wettkampf zwischen den Bahngesellschaften brach aus. Wem sollte es wohl als erstes gelingen, ein flächendeckendes Netz zu besitzen?

Vom Westen aus begann die Central Pacific Railroad Company damit, sich ihren Weg durch die Rockies in den Osten zu sprengen, vom Westen aus arbeitete sich die Union Pacific in die umgekehrte Richtung vor. Weil das Rennen um Marktanteile so groß war, dass man mit den Gleisarbeiten einfach nicht hinterher kam, tat man das, was man in solchen Situationen gerne tut: Man rekrutierte Chinesen. Dank zigtausender Gastarbeiter aus Fernost (hier: Fernwest) gelang es, Tag für Tag an die 10 Kilometer Schienenstränge zu verlegen.

Bild unten: Verbindung der West und der Ost-Trasse – die Welt wieder ein Stückchen kleiner:

GoldenSpike

1869 kam der große Moment: An einer tiefen Schlucht in Utah standen sich die beiden Bahngesellschaften plötzlich gegenüber. Man beschloss, die beiden Streckennetze, Ost und West, miteinander zu verbinden und sich fortan den Profit zu teilen. Der Zaster, den die Bahngesellschaften dank ihrer Quasi-Monopolstellung machten, war derart gewaltig, dass die US-Regierung 1887 die Interstate Commerce Commission ins Leben rief, um die Abzocke zu begrenzen.

Aus der ICC wurde später die Federal Trade Commission, die heute Apple, Google, Amazon und Facebook auf die Finger klopft, wenn einer der Big Four des Webs mal wieder seine Marktführerschaft ausnutzt. Epilog: Die großen Bahngesellschaften von einst sind inzwischen alle pleite. Eine der Ursachen hierfür stammte ausgerechnet aus der Alten Welt: Ein Deutscher meldete am 29. Januar 1886 das Reichspatent mit der Nummer 37435 an. Der Name des Mannes lautete Carl Friedrich Michael Benz.

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8 Kommentare
  1. Michael schreibt:

    Entweder bin ich blöd oder der Artikel. Jedenfalls versteh ich den Zusammenhang gerade nicht ganz. Beim Informations-Neuland Internet gehts wohl um weit mehr als “nur” Geld.

    • Richard schreibt:

      Der Beitrag stammt vom Februar, lange vor der Merkel-Bemerkung über das “Neuland” Internet.

      • Michael schreibt:

        Ah so, als reine Facette aus der Vergangenheit passt er natürlich schon mehr zum Thema. Ich dacht, das wär eine direkte Reaktion darauf. War leider etwas mißverständlich zusammen mit dem Tweet.

  2. Matt schreibt:

    Ja, kommt vom Vergleich her hin.

    Aber: Die UP existiert noch, auch wenn sie heute ihr Geld nicht mehr wirklich mit der Personenbeförderung verdient. Ein Wandel, den sie dank besagtem Patent durchmachen musste. Genau wie heute Zeitungsverlage etc. vom Wandel durch das Internet betroffen sind. Die müssen aber mittlerweile hoffen, dass der Zug für sie noch nicht abgefahren ist.

    • Richard schreibt:

      Ich wollte es nicht unnötig komplizieren, aber Du hast natürlich Recht. Danke für diese Präzisierung!