Stolz, ein Blogger zu sein2. Dezember 2012

Lange habe ich mich zurück gehalten. Es geht nicht mehr. Warum mich die Debatte um das Leistungsschutzrecht wahnsinnig macht und weshalb ich in Tagen wie diesen stolz bin, Blogger zu sein.

Man kann zu den Geschäfts (modellen) -praktiken mancher US-Konzerne stehen wie man will. Der Umgang der deutschen Qualitätsmedien in der Causa Google beschämt mich. Gekaufte Experten, das Ausblenden unliebsamer Stimmen und Studien, die gezielte Desinformation des Publikums.

Nicht nur die eigenen Leser werden verraten; verraten wird das, was man sich selbst vollmundig auf die Fahnen schreibt: den sogenannten „Qualitätsjournalismus“.

Und wozu? Um noch ein paar Jahre länger an veralteten Geschäftsmodellen festhalten zu können?

Es ist schon viel über dieses Thema geschrieben worden. Was ich mich langsam frage: Wer hat noch nicht geschrieben – und warum nicht?

Wo bleibt der Aufschrei aus den eigenen Reihen unserer Zunft? Wo sind die selbstkritischen Stimmen, wenn es um einseitigen Lobbyismus in eigener Sache geht? Wo sind die Stiftungen, die unzähligen Medien-Organisationen, die Vorsitzenden der Journalistenverbände?

Schlimm genug, dass die eigene journalistische Integrität auf dem Altar der Druckmaschinen geopfert wird. Was mich am meisten befremdet: Egal, welchem Lager man angehört, durch diesen Kampagnenjournalismus wird der gesamte Berufsstand in Misskredit gezogen.

Journalismus. War das nicht genau das, was uns von Google unterscheidet?

In Tagen wie diesen bin ich stolz, ein Blogger* zu sein.

 

* Disclaimer: Ich verdiene mein Geld als freier Mitarbeiter beim Bayerischen Rundfunk, schreibe für Tageszeitungen, gebe Workshops und halte Vorträge bei Verlagen und Web-Unternehmen. 

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20 Kommentare
  1. Freizeitcafe schreibt:

    Lieber Richard, wir vom Freizeitcafe wünschen Dir schon jetzt schöne Weihnachten!

    • Richard schreibt:

      Danke schön!!! – Euch auch ein paar schöne Tage!

  2. Fuchur | PW3d schreibt:

    Hm… ich verstehe die Zeitschriftenverlage schon ganz gut, aber denke, dass sie nur verlieren können… ob die Zeitschrift an sich jetzt wirklich veraltet ist, wage ich zu bezweifeln, bzw. es gibt keinen echten Ersatz dafür wenn sie ab sofort nicht mehr vorhanden wäre… ein Blog kann zwar informieren, aber wer da warum wie schreibt ist bei sowas sehr schwer herauszufiltern und man müsste 100erte Blogs zum gleichen Thema lesen um sich einen halbwegs objektiven Blick bewahren zu können…

    Mein Problem bei der Sache: Ich hab noch anderes zu tun als Blogs zu lesen. Deshalb sucht man sich ein Produkte (z.B Spiegel, Frankfurter Allgemeine, Süddeutsche, etc.) der journalistisch ganz sinnvoll ist und liest diesen… um eben nicht 1000 Sachen lesen zu müssen. Sicher, polarisierend ist das schon, aber ich erlaube mir zu sagen, dass sie im allgemeinen einen objektiveren Artikel verfassen werden als Blogger XYZ. (nicht dass ich Blogger verteufeln möchte, aber es liegt in der Natur der Sache, dass Blogs häufig weniger objektiv sind…)

    Egal wie sich die Verlage allerdings verhalten, sie verlieren dabei… wehren sie sich gegen Google&Co haben sie schlechte Publicity, geringe Erfolgschancen und wenn sie es doch schaffen, verlieren sie jede Menge Leserschaft, weil Ihre Rankings bei Suchmaschinen ins Bodenlose fallen werden… (sie also keiner mehr findet)

    Wehren Sie sich nicht, gibt es Informationen, die sie zusammen tragen mussten oder kaufen mussten für jeden umsonst, was sich kein Verlag auf dauer leisten kann (so reizvoll der Gedanke auch ist, Konsequenz ist nunmal, dass der Verlag pleite geht und morgen eben dann doch niemand mehr höherwertigen Journalismus lesen kann…

    Googles Standpunkt ist aber natürlich auch zu verstehen: Ein Suchmaschinenbetreiber, der keine Infos suchen darf? Na super…

    Ich würde den Verlagen sagen: Blockt per robots.txt oder einfach mit dem detektieren der Bots von Google & Co bestimmte informationen…. z.B: lasst Übersichtsseiten einlesen (z.B. mit Teasern der Artikel um die Keyworddichte aufrechtzuerhalten), die eigentlichen Artikel aber nicht…

    Das halte ich für einen sinnhaften und auch recht fairen Weg das Problem zu lösen…