Max vs. Facebook: Showdown vor Gericht

Max Schrems geht aufs Ganze: Weil er sich von Facebook nicht länger für dumm verkaufen lassen will, will der Jura-Student jetzt gegen das Freunde-Netzwerk vor Gericht ziehen*. Auf einer eigens programmierten Internet-Plattform bittet er seit heute Facebook-Nutzer weltweit um Spenden. Sollte der 25jährige mit seiner Klage durchkommen, droht Facebook ein Musterverfahren vor dem Europäischen Gerichtshof wie einst Microsoft.

* Ergänzung: Der Rechtsweg sieht vor, dass nicht Facebook direkt verklagt werden kann, sondern zunächst die für Facebook zuständige Aufsichtsbehörde. Das ist aber nur der erste Schritt in einem Prozess, der, wenn es hart-auf-hart kommt, bis zum Europäischen Gerichtshof führen könnte.

Weihnachtszeit – Spendenzeit. Auch Max Schrems ruft seit heute zu einer Spendenaktion auf. Nicht für Afrika, nicht für den Bau von Schulen – sondern für mehr Datenschutz im Internet. Der Wiener Student rüstet sich für das, was bislang noch kein Datenschützer vor ihm gewagt hatte: Er will gegen Facebook vor Gericht ziehen.

 Max Schrems über seine Crowd-”Sammel”-Klage gegen Facebook

Wie alles begann

Nichts wird gelöscht: 1200 Seiten in 3 Jahren Mitgliedschaft

Vor eineinhalb Jahren hatte Schrems den Multi-Milliarden-Dollar-Konzern dazu gezwungen, ihm eine Daten-CD mit sämtlichen Informationen auszuhändigen, die der Internet-Riese über ihn gespeichert hatte. Das Ergebnis: Über 1200 Schreibmaschinen-Seiten, die sich in gerade mal drei Jahren Mitgliedschaft angehäuft hatten. Darunter auch Fotos und Nachrichten, die Schrems schon lange gelöscht hatte.

Gravierende Datenschutzverstöße

Anhand der Rohdaten (kommentierter Auszug – PDF-File) gelang es dem Studenten, Facebook teils gravierende Datenschutzverstöße nachzuweisen. Der 25jährige erstattete Anzeige in 22 Fällen (hier die Liste aller Verstöße). Das ist möglich, weil das Freunde-Netzwerk seine internationale Zentrale in Irland hat. Damit spart der US-Konzern jede Menge Steuern, fällt dafür aber unter EU-Recht. „Entscheidend ist der Firmensitz, nicht der Wohnort der Nutzer“, so Schrems.

Fragwürdiger Kuhhandel

Doch anstatt die Vorwürfe des Österreichers juristisch zu verfolgen, ließ sich die für Facebook zuständige irische Datenschutzbehörde auf einen Deal ein. In zwei sogenannten „Audits“ wurde Facebook die Möglichkeit eingeräumt, seinen Datenschutz freiwillig nachzubessern. Im September legte die Behörde ihren Abschlussbericht (PDF-File) vor. Das Urteil: Facebook habe die „Empfehlungen“ der Kommission zur „vollsten Zufriedenheit“ erfüllt.

Facebook biete seinen Nutzern jetzt die Möglichkeit, seine Daten selbst herunterzuladen. „Eine Farce“, sagt Schrems. Die Dateien, die man auf diesem Wege erhält, seien nur ein Bruchteil dessen, was der Konzern tatsächlich über einen gespeichert habe. Hinzu kommt, dass auch nach wie vor Daten über Personen gesammelt werden, die gar nicht bei Facebook angemeldet sind. Auch die Aussage, dass Facebook die automatische Gesichtserkennung für die EU vorübergehend abgeschaltet habe, hält Max Schrems für eine Nebelkerze. „Wie soll denn das technisch bitteschön funktionieren, wenn beispielsweise ein Schweizer Staatsbürger das Foto eines EU-Bürgers hochlädt?“

Steuer-Paradies Irland

Schrems vermutet wirtschaftliche Interessen hinter diesem wachsweichen Kompromiss. Nicht nur Facebook hat auf der grünen Insel seinen internationalen Firmensitz, sondern auch Google, Apple oder Dell. Irland sei abhängig von diesem IT-Sektor, so Schrems, es gehe um Tausende von Jobs. „Kein Politiker hat Interesse, in dieses Wespennest hinein zu stechen“.

Hinzu kommt, dass die für Facebook zuständige Datenschutzbehörde, die mitten in der irischen Pampa im Gebäude eines Supermarktes untergebracht ist, hoffnungslos überfordert zu sein scheint. 21 Mitarbeiter müssen sich mit den Beschwerden über Facebook aus der ganzen Welt herumschlagen. Unter ihnen kein einziger Jurist (dazu mein Blogpost vom 30. Juli).

Crowdfunding für mehr Datenschutz

Max Schrems, der vergangene Woche seine letzte Jura-Prüfung abgelegt hat, will es jetzt wissen: Für den Fall, dass die irische Datenschutzbehörde seine Anzeigen endgültig fallen lässt, will er mit seinen Mitstreitern von der Organisation Europe versus Facebook in Irland vor Gericht ziehen. Mindestens 100.000 Euro werde das kosten, haben seine Anwälte ihm vorgerechnet. Viel Geld für einen Studenten, der für den Fall, dass die Sache schiefgeht, mit seinem Privatvermögen haftet.

Deshalb haben Schrems und seine Mitstreiter im Internet eine Crowdfunding-Plattform eingerichtet, über die er weltweit um Spenden bittet.

Unter www.crowd4privacy.org können Facebook-Nutzer, oder z.B. auch besorgte Eltern Geldbeträge ab einem Euro beisteuern. „Wenn nur 5000 Leute je 20 Euro spenden, haben wir eine echte Chance.“ Sollte die Klage aus irgendwelchen Gründen nicht zustande kommen, bekomme jeder Spender sein Geld zurück (mit Abzug einer geringen Buchungsgebühr).

Musterprozess à la Microsoft?

Die Klage des Wiener Studenten könnte weitreichende Konsequenzen für die Datenschutzbestimmungen weltweit, nicht nur in Bezug auf Facebook haben. Irland übernimmt 2013 den Vorsitz der EU-Ratspräsidentschaft. Ausgerechnet in dem Jahr, in dem die inzwischen 17 Jahre alte EU-Datenschutzverordnung reformiert werden soll.

Das Verfahren, auf das sich Schrems jetzt vorbereitet, könnte aber noch ganz andere Folgen haben. Vorstellbar wäre in letzter Konsequenz ein Musterprozess vor dem Europäischen Gerichtshof wie einst gegen Microsoft. Im Zuge mehrerer Kartellverfahren wurde der Software-Gigant von Brüssel zu Zahlungen von insgesamt 1,6 Milliarden Euro verdonnert.

Schrems' Antwort auf den Audit-Bericht der Iren (PDF-File)

Alles auf eine Karte

Max Schrems hofft, dass bis zum Frühjahr genug Geld für seine Klage gegen Facebook zusammen kommt. „Wenn’s nicht klappt, will ich zumindest sagen können, ich hab’ alles probiert.“ Das Schicksal scheint es gut zu meinen mit dem smarten Wiener. Unmittelbar nach unserem Gespräch erfährt Schrems das Ergebnis seines Jura-Examens: bestanden.

 

Würdet Ihr spenden für mehr Transparenz und echten Datenschutz bei Facebook?

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38 Gedanken zu “Max vs. Facebook: Showdown vor Gericht

Zitiert von
  1. Der große Prozess gegen Facebook | Schule und Social Media

  2. Links der Woche: Amazon-Händler empfinden deren Preisparität als Frechheit, SEO-Trends 2013, Strategien zur Vermeidung von Auswahlretouren » Take-me-to-auction

  3. Shots #57 +++ Diageo und Cuervo +++ Tanqueray Malacca +++ Alkoholmissbrauch +++ Facebook

  4. Herr Haas, was haben Sie denn gegen Facebook? » Brodnigs Blog

  1. Toller Vorschlag gerade drüben auf meiner Facebook-Seite:

    Facebook kostenpflichtig – 1€ pro Monat für alle User – dafür: keine Werbung, 100% Datenschutz und Transparenz

    Was haltet Ihr davon?

    • Ich wäre generell bereit für Dienste wie Google (dort vor allem die Dienster außerhalb der suche sowie Docs etc.) und Facebook Geld zu bezahlen.
      Die hochgelobten Vorteile dieser Dienste sind immer noch vorhanden die große Kritik liegt also im Datenschutz.
      Genauso wie ich bereit wäre für guten Journalismus (für einzelne Artikel) Geld zu bezahlen, würde ich dies auch für qualitativ hochwertige Dienste tun, sowie es Facebook und Google sind, wenn dadurch ein hoher Datenschutz gewährleistet ist. Die Menschen wollen ihre Situationen via Text, Bild und Ort teilen, wenn dies so geschieht, dass man sich um diese sensiblen Daten keine sorgen machen muss, wunderbar.
      Dennoch finde ich es wichtig zu sehen welches Potential vor allem das kostenlos-Prinzip bietet: siehe arabischer Frühling.
      Die Gefahr besteht darin, dass viele Menschen sich auf diese Dienste verlassen und sich es ggf. nicht leisten könnten, dieser weiterhin zu benutzen, wenn sie dafür bezahlen müssten.
      Für mich ist 1€ im Monat sehr leicht tragbar, für andere evtl. nicht.

      • Wie wäre es mit Gratis Variante (Light Version mit Werbung) und Pro-Variante (ohne Werbung) – siehe Smartphone-Apps. Ich denke da gibt’s noch viel Potential

        • Nicht mehr Ware sein, sondern Kunde. Ich habe schon häufiger darüber diskutiert. Das System ist nicht neu und funktioniert, siehe die Premiumdienste von Mailprovidern wie GMX. Ob es bei Facebook dazu kommen wird halte ich für fraglich, aber bei alternativen Diensten wie Diaspora hätte zumindest die Möglichkeit bestanden. Die Voraussetzung dafür sind offene und am besten freie Schnittstellen einerseits, damit ein fairer Wettbewerb stattfinden kann, andererseits müssen die User mitspielen – und das ist wohl die größte Schwierigkeit.

    • Werbung ist doch nix schlechtes. Auch dass die vorhandenen, vom User bereitgestellten Daten eine automatisiert meist passend zugeschnittene Werbung anzeigen, ist eher positiv zu bewerten. Nur haette ich gerne mehr Freiheiten auszuwaehlen, wer was von mir weiss, erfaehrt oder sich zusammenreimen kann; inkl. die staatlichen Ueberwacher.

      • …mir persönlich ist das auch wurscht. Nur ich möchte Bescheid wissen und aktiv gefragt werden (Opt in), was alles gesammelt wird und zu welchem Zweck. Erst wenn ich das weiß, kann ich eine Entscheidung treffen, ob mir der Gratis-Service von Facebook das wert ist – oder ob ich Facebook verlasse. Was gar nicht geht (aber offenbar immer noch gemacht wird: Daten sammeln von Nicht-Nutzern – sog. Schattenprofile). Das verstößt meiner Meinung nach fundamental gegen Grundrechte. Am Ende geht es um die Transparenz.

        • Daß facebook gegen alle geltenden Rechte verstößt dürfte mittlerweile jedem klar sein.

          Habt ihr schon mal Wikipedia zu facebook befragt? Falls ja, wißt ihr ja auch, daß die CIA mitgesponsored hat… d.h. wer hier prozessiert, prozessiert zumindest indirekt gegen die CIA und andere “Dienste”, deren Interesse sicherlich entgegen dem Interesse einiger Datenschützer steht. Auch richtet sich solch ein Prozess gegen die USA (http://de.wikipedia.org/wiki/Facebook – Auswertung/Nutzung durch Nachrichtendienste und Polizei ff.), deren “erklärtes politisches Ziel es ist, Touristen bereits vor einer Einreise in die USA überprüfen zu können.” (wer’s glaubt…)

          Die jugendlichen habt ihr bei diesem Prozess wohl weniger auf eurer Seite, da die ziemlich schmerzfrei sind, was ihre Daten im Internet angeht – ich geh’ mal davon aus, daß sich das in Zukunft noch viel mehr aufweichen wird.

          Welche Daten nach so einem Prozess tatsächlich gespeichert werden, und was den usern vorgegaukelt wird, können wir nicht einsehen, d.h. es kann gut sein, daß Max Schrems zwar sein Anliegen vor Gericht glaubhaft machen kann und auch möglicherweise Zugeständnisse bekommt, was allerdings danach “unsichtbar” weiterhin an Daten gesammelt und zusammengführt wird, dürfte danach halt einfach besser versteckt sein. Die Wurzel des Übels dürfte auch mit diesem Prozess kaum angegriffen werden.

          Sicher, ich wünsche gutes Gelingen dabei, werde auch mit einer kleinen Spende beitragen, daß hier etwas in’s Rollen gebracht werden kann, sehe allerdings wenig Erfolgschancen für die Realität – m.E. wird das Ergebnis nur ein Schein werden, der die Masse sicher wiegen wird…

    • nun ja, Richard… es gibt viele freemium Modelle, die belegen, daß Konzerne wie Google oder facebook auch auf diese Art und Weise überleben könnten, andererseits sehe ich in der Werbung die geringsten Probleme, da die IPs verschleiert werden, bevor sie an google gesendet werden. Solange diese Daten anonym ausgewertet werden, ist mir das alles recht. (dafür gibt’s Firefox und adblock+ und auch DNT+ das mir gerade anzeigt, daß mich auf diesem, deinem Blog Google, twitter und Statcounter verfolgen…)

    • wieso das denn? facebook verdient auch an anonymen Daten. Dazu muß der Dienst nicht kostenpflichtig werden.

      Ich würde es umdrehen… wenn solche Konzerne meine Daten peronenbezogen weiterverarbeiten wollen, dann sollen sie mir gefälligst was zahlen, bzw mir Vorteile daraus erwachsen lassen, daß ich dem zustimme – sie verdienen damit ja auch nicht gerade wenig.

      Ich she es halt gar nicht ein, daß ich für die Gewalt über meine eigenen Daten auch noch zahlen soll.. DAS wäre moderne Wegelagerei wie beispielsweise bei der GEZ, etc…

  2. Habe eben 10 Euro gespendet und den Spendenaufruf in meinem Blog platziert (www.schlappmaul.de/wordpress/schrems-will-gegen-facebook-klagen/). Als Erklärung für den Sachverhalt habe ich einfach auf diesen Artikel hier verlinkt. Ich hoffe, das geht in Ordnung.

  3. Was soll die ganze Aufregung. Wenn ich ein Auto der allgemeinheit zur Nutzung schenke und ich hänge ein Zettel dran, das der Wagen innen nach Gülle stinkt, so kann doch jeder selbst entscheiden, ob er damit fährt, aber einsteigen und mich hinterher verklagen, das die Karre nach Gülle stinkt, ist doch wohl der Hohn. Wer sich ein bischen mit den facebook AGBs auseinander gesetzt hat (was natürlich die wenigsten gemacht haben), der weiss worauf er sich einläßt und kann sich den Rest denken. Scheinheilig ist das

    • Der Vergleich hinkt ein wenig.

      Vergleich’s doch mit einem Bus, in den Du eingestiegen bist, weil der nach Süden fährt. Nachdem er losgefahren ist, werden erst mal alle durchleuchtet, der Inhalt der Koffer gezählt und ausgewertet, die Hosen runtergezogen und in den Hintern geschaut.

      Wenn du aussteigen willst, fährt der Bus weiter und du mußt gezwungenermaßen weiterhin mitfahren – gegen deinen Willen. Du bist mit gutem Glauben eingestiegen, die unangenehmen Fakten haben sich erst während der Fahrt herauskristallisiert…

      Einige der Mitfahrenden organisieren sich gerade – wer stoisch zuschauen möchte, muß sich ja nicht mitorganisieren.

  4. Also ich bin scheinbar der einzige aber mir widerstrebt das ganz – stellenweise auch aus subjektiven Gründen:

    1. Ich Empfinde das ganze irgendwie als Ego-Show von Max Schrems (rein subjektives Empfinden, muss nicht diskutiert werden)
    2. Monopol hin oder her, fakt ist: Keiner wird gezwungen einen FB Account zu haben, keiner wird gezwungen persönliche Daten freizugeben. Es ist und bleibt alles freiwillig. FB ist auch nirgendswo “vorinstalliert” und es gibt auch tatsächlich alternativen.
    3. Meine Daten sind meine Währung!

    Punkt 3 wird meiner Meinung nach in der öffentlichen Diskussion viel zu wenig betrachtet. Wenn Facebook meine Daten nicht kommerziell verwenden würde, wäre der Dienst nicht kostenlos. Hierfür fehlt völlig das Verständnis in der Masse der Bevölkerung und somit bei den meisten Usern von Facebook. Nur Menschen die sich aktiv mit dem Web beschäftigen (so wie wir hier) ist dieser Fakt wirklich klar. In keinem “Datenkrake Google|Facebook” Artikel oder auch TV Beitrag habe ich bisher auch nur die Erwähnung gehört, dass nur durch “Meine Daten = meine Währung” der Service kostenlos angeboten werden kann. Nur so wäre es auch eine faire Berichterstattung (aber ich will jetzt nicht abschweifen, Stichwort “Qualitätsjournalismus”). Hier für mehr Verständnis zu sorgen und aufzuklären halte ich für wesentlich wichtiger als die Datenschutz-Keule auszupacken. Verständnis dafür, dass ich mit meinen Daten bezahle aber eben auch Verständnis darüber, was mit den Daten gemacht wird. So bleibt am Ende alles wie bisher: Jeder entscheidet selbst was er preisgibt oder nicht – nur eben aufgeklärter als bisher.

    Am Ende möchte ich aber doch noch kurz abschweifen bzw weiter ausholen: Der Mix aus (vielleicht übertriebenem?) Datenschutzrecht, Themen wie dem LSR, GEMA etc und der German-Angst im allgemeinen (Stichwort Google-Streetview etc) lassen mich im Endeffekt ein bisschen um den Standort Deutschland bangen. Innovationen entstehen im Netz und in Deutschland wird sehr viel dafür getan, es Startups und etablierten Unternehmen im Netz schwer zu machen. Als Beispiel schaue man sich nur Spotify an… Daher stelle ich mir die Frage ob es uns alle weiter bringt, wenn wir dieses Fass hier so weit aufmachen und so am ende vielleicht der “Anti-Netz-Politik” in die Karten spielen… JA, es geht hier um ein präzises Thema aber ich garantiere euch, dass es durchaus eine Vermengung der Themen geben wird.

    • Hallo Dominik, zu 1) subjektiv. Ich für meinen Teil halte Max Schrems für einen hochintelligenten, smarten Typen, dem es ausschließlich um die Sache geht – NICHT um ihn selbst. zu 2) Das stimmt nicht. Facebook listet und speichert Daten über Dich auch dann, wenn Du NICHT Mitglied bist. Google mal den Begriff “Shadow profiles” und Facebook. zu 3) da FB meine Daten (Gesichtsprofile etc.) auch dann speichert, wenn ich NICHT Mitglied bin (z.B. jemand lädt ein Partyfoto hoch und Du wirst ungewollt getaggt) bricht Deine ganze Argumentation von “jeder kann sich das selbst aussuchen” in sich zusammen. Im Übrigen: Das Geschäft wäre ja okay (Daten gegen kostenlosen Service), wenn der Preis, den Du zahlst, Dir bewusst wäre. Mal ehrlich: Meinst Du im Ernst, die meisten Menschen checken überhaupt, was da mit ihnen im Hintergrund gemacht wird? Wenn Dich ein Unternehmen gratis lockt und dann – ohne dass Du etwas davon erfährst – abscannt, Dir suggeriert: Du kannst Texte/Fotos löschen, die dann aber gar nicht gelöscht werden, das über Nacht die Geschäftsbedingungen ändert (etwa die Face recognition einschaltet – oder Dein Adressbuch ausliest) dann zahlst Du doch nicht wissentlich – dann greift FB ungefragt in Dein “Daten-Portemonnaie”. Das hat NICHTS aber auch GAR NICHTS mit Technikfeindlichkeit zu tun, sondern mit Intransparenz, Arroganz und Größenwahn. Wenn sich anderer Institutionen so verhalten, kritisiere ich sie dafür doch genauso. Bin ich deshalb rückständig? Über den Umweltschutz haben die Menschen vor 50 Jahren auch erst gelacht. Heute gilt Deutschland weltweit als Vorbild. Nein, ich halte die Fragen, die Max Schrems aufwirft, allesamt für gerechtfertigt. Meine Meinung.

      • Hallo Richard, um Himmels willen, ich halte dich für alles Andere als Rückständig. Dein Adressenhandel Artikel habe ich bestimmt schon zig Freunden und Kollegen geschickt die sich über das “Böse Internet” beschwert haben. ;) Die “Technikfeindlichkeit” brachte ich ein, weil ich den Blick für die Gesamtsituation der Netzpolitik in Deutschland so wichtig finde.

        Zu deiner Frage:
        “Mal ehrlich: Meinst Du im Ernst, die meisten Menschen checken überhaupt, was da mit ihnen im Hintergrund gemacht wird? ” – Ganz klares NEIN, was ich auch sagte! 99% denken vermutlich auch, dass Sie die PayBack-Punkte aus Nettigkeit bekommen – maximal kennen sie den Begriff Kundenbindung, alles andere sprengt den Horizont. Deswegen finde ich aufklären über die Schatten aber eben auch über den Nutzen (kostenlos) wichtig. Zweiteres fällt wie erwähnt fast immer unter den Tisch.

        Ich will auch keinem deiner Punkte widersprechen. Ich halte die Kritik an FBs vorgehen ja auch nicht für völlig unangebracht aber wie ich sagte, sollte man vielleicht erst andere Dinge klar stellen, bevor “die große Keule” kommt und so vielleicht der gesamten Netzpolitik schadet. Denn das befürchte ich wird durch eine große Kampagne geschehen, die viele ungewollte Trittbrettfahrer finden wird. Mit Rücksicht auf die Entwicklung denke ich, dass ein Stufenweises vorgehen wohl für alle besser wäre. Die grobe Idealvorstellung:
        1. bei Berichten über den Schatten die Sonne nicht vergessen. Klarheit über Daten = Währung. Weg von der reinen Verteufelung solcher kostenlosen Diensten. Verständnis, Klarheit. Eben eine versachlichte Debatte.
        2. Weichen stellen für die Netzpolitik der Zukunft.
        3. Sich um Details und “solche Fälle” kümmern.

        Leider ist es schwieriger diese 3 Punkte durchzuführen, als sie aufzuschreiben… Lass es mich so zusammenfassen: Ich habe Angst, dass die Debatte zu früh und zu unaufgeklärt und zu emotionalisiert durchgeführt wird und somit der Zukunft mehr Schaden zufügt als ihr zu helfen. Klingt vielleicht pathetisch, entspricht aber meinem derzeitigen Empfinden beim Blick auf die “digitale Lage der Nation”.

        • Alles was Du hier anfügst, kann ich unterschreiben. Lass mich nur noch diesen einen Punkt ergänzen: Ich bin fassungslos, dass es eines 25jährigen Studenten braucht, der allein schon sehr viel mehr für den Datenschutz bei Facebook erreicht hat (weltweit!) als unsere gesamten Länder- und EU-Datenschutzbehörden gemeinsam! Allein dafür gebührt Max Schrems (der die Gesetze ja nicht gemacht hat) großer Respekt.

      • zu 1) ebenfalls subjektiv ;). Ganz uneigennützig wird ein frischer Jura-Absolvent nicht gegen FB klagen. Ist doch die Werbung die er dadurch erhält immens.

        zu 2) über “shadow profiles” aufregen und selber mithelfen (FB-Cookie wird auch in diesem Blog ungefragt gesetzt), dazu sage ich jetzt nichts weiter ….

        zu 3) ich kann auf einem Bild bei FB getaggt werden ohne das ich ein Profil bei FB habe? Hier bin ich mir jetzt nicht ganz sicher, zweifel das aber an. Woher will mich FB denn kennen wenn ich dort kein Profil habe und ich nie ein Bild von mir hochgeladen habe?

        • zu 3): ja kannst du… Beispiel: es gibt ein Bild von ner Party oder einem öffentlichen Event auf dem Du AUCH drauf bist… einer deiner Bekannten auf facebook taggt dich – schon kennt dich facebook und der Rest der Welt.

          • Und nach 3 Bildern (oder wieviele Bilder Facebook auch immer mittlerweile braucht, um ein zuverlässiges Profil zu erstellen) können die auch die bislang unbekannten erkannten Gesichter zuordnen, die dich auf anderen Fotos repräsentieren (denen freundlicherweise auch gleich noch Zeitstempel und Geomarkierung beiliegen).

            Zumindest deinen Weg durch die Partylandschaft kennt Facebook dann relativ schnell.

            (Übrigens schneidet unter Umständen auch Gravatar mit, wer hier mitliest. Von den Kommentatoren ganz zu schweigen)

    • zu 1) Ja, Dominik… anfangs (vor etwa einem Jahr oder so…) dachte ich auch erst einmal, daß Max Schrems sich möglicherweise in Szene setzen möchte. Nach einigem Nachdenken allerdings sehe ich das nicht mehr so eng. Sicher kann er sich dadurch öffentlich etablieren und auch Aufmerksamkeit auf sich lenken, seinen Bekanntheitsgrad erhöhen.
      Nur, sind wir mal ehrlich, wenn nicht mal einer anfängt, in’s Horn zu stoßen, folgen alle der Herde ohne zu hinterfragen… einer muß den ersten Schritt tun, denn alle wissen’s, regen sich auf, aber tun nichts dagegen. Nun, wenn Du in solch einer Situation etwas erreichen willst und die Masse wachrütteln möchtest, dann braucht diese Masse einen Anführer, der die notwendigen Handlungen in die Wege leitet und eine Anlaufstelle darstellt für alle, die gleich denken und hier nicht untätig bleiben wollen.
      Hier gleich mit Vorurteilen an die Sache herangehen, ist glaube ich nicht angebracht. Daß einer den Kopf hinhalten muß liegt in der Natur der Sache.

      zu 2) Die Fakten bezüglch der Datenzusammenführung bei facebook kam erst auf den Tisch, als sämtliche early adopters und viele Neugierige bereits auf den Zug aufgesprungen waren. Die Art der Datenzusammenführung die hier geschieht ist laut deutschem Recht schlicht und ergreifend unzulässig.
      Viele der Neuzugänge bei facebook sind heute noch nicht informiert, eröffnen sich also in gutem Glauben dort einen Account. Dann mit der Zeit lernen und verstehen etliche was genau Sache ist, können aber NICHTS löschen, daß ihnen möglicherweise unangenehm ist, was auch immer.
      Fazit: sie können NICHTS, aber auch gar nichts löschen. Nicht einmal ihr eigenes facebook Profil. Das wird alles nur versteckt, aber die Daten sind auch nach der Löschung noch vorhanden. Hotel California… “you can checkout any time you like but you can never leave” was fürn Scheiß ist das denn?
      Wenn WIR (die einzelnen user) nichts dagegen tun, wer denn sonst? Und Alternativen… naja, ich will hier keine einzelnen Namen aufführen, der Erfolg von facebook spricht für sich.
      Das Konzept der social community dort scheint wohl doch vielen besser zu gefallen als das der Konkurrenz – die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache. Es geht auch nicht darum, aus facebook auszusteigen, sondern darum die Entscheidungsgewalt bezüglich der eigenen Daten nicht aus der Hand zu geben.
      Wenn ich Bilder gelöscht sehen will, auf denen ich drauf bin, dann will ich auch haben, daß die tatsächlich gelöscht werden und nicht für irgenwelche Geheim- und andere Dienste noch “aufgehoben werden”

      zu 3) Hier geht es nicht um die Verwendung der Daten, sondern daß sie personenbezogen verwendet werden. Einer ANONYMEN Verwendung meiner Daten stimme ich gerne und auch überall im Internet zu. Nur, daß eine Zusammenführung personenbezogener Daten hier stattfindet, dem widerspreche ich.
      Da du facebook sehr schlecht (wenn überhaupt als einzelner) ansprechen kannst, bleibt nur, sich wie jetzt hier über Max Schrems zu organisieren und sich aufzulehnen gegen solche Entmündigung durch Medien wie facebook. Ohne diesen Aufschrei wäre bisher nichts passiert, würde sich auch in der Zukunft nichts ändern. Mit gewöhnlichen Datenschützern hab’ ich übrigens nichts am Hut… die sind mir zu esoterisch abgefahren, um’s mal so zu sagen. Viele von denen leben noch in der Vergangenheit…
      Ich denke du kannst diese Aktion hier nicht mit dem üblichen “Datenschutz” in einen Topf werfen, da hier ja keine hypothetischen Fälle durchgespielt werden, die der Fall sein könnten, “wenn’s Mittwoch vormittag ist und der Papst gerade im Fernsehen spricht….” Hier geht es um Fakten und um unsrere eigenen Daten, über die wir die Gewalt zurückhaben bzw. erst einmal erlangen möchten.
      Du spricht die GEMA an. tja so leid es mir tut, dieser Verein ist in meinen Augen mittelalterlich… ACTA etc. – letzte Versuche einer sterbenden Branche. Aber das gehört nicht hier her.

      Ich denke die Aktion, die hier in’s Leben gerufen wurde macht sehr wohl Sinn, nicht nur für uns, auch für unsere Kinder (falls hier jemand Kinder hat). Denn was wir jetzt vernachlässigen wird sich über die Jahre manifestieren und dann wesentlich schwieriger änderbar, falls dann überhaupt noch Chancen bestehen, etwas zu ändern.

  5. Ich finde das eine gute Sache und habe bereits gespendet.
    Es ist notwendig, dass man für Umweltschutz, für Notleidende, für Benachteiligte oder eben auch den Datenschutz spendet.
    Und ich finde es gut, dass sich Richard sehr für den Datenschutz einsetzt.

  6. Sorry, Richard. Aber ich muss dich und alle darauf hinweisen, dass es sich hier nicht um Crowdfunding handelt, sondern um reine Spenden. Finde die Initiative super finde, aber leider betreiben die Herren und Damen von Europe vs. Facebook hier unkorrektes Marketing, da sie sich hier einfach ein Buzzwort krallen und damit Aufmerksamkeit erregen wollen. Auf Twitter kann man ihnen das nicht mal vermitteln, da sie nur “push”-Nachrichten versenden und auf die old-school E-Mail verweisen. Schade, denn wer sich in diesen Netzwerken bewegt, sollte sie auch leben…

  7. Wenn nur 5000 Leute €20 für einen wirklich guten Zweck spenden würden … dann könnte damit wirklich Gutes getan werden!

    Sorry, aber das klingt für mich nach Wichtigtuerei.
    Wenn es ihm nicht passt welche Daten FB von ihm speichert soll er es halt einfach lassen und sich von FB verabschieden.

    Keiner wird gezwungen an FB teilzunehmen. Und keiner wird gezwungen Sachen da reinzustellen von denen er später ein Problem hat wenn sie doch nicht verschwinden.

    Das Internet ist nicht erst seit FB so geworden wie es ist. Auch vor FB konnte man Sachen irgendwo einstellen und ist sie nie mehr losgeworden bzw. sie wurden von irgendwelchen Leuten irgendwie weitverteilt. Das Internet vergisst nicht und das ist eben nicht erst seit FB so.

    Im Gegenteil mit FB ist zumindest eine “gewisse” Kontrolle darüber entstanden wie und an wen Daten verteilt werden. Das viele nicht wissen wir man damit umgeht ist ein anderes Problem.

    Wer Angst um seine Daten hat darf sie halt nicht ins Internet stellen (egal wo und an welcher Stelle). Und dass was man früher an eine öffentliche (realle) Pinwand gehängt hat oder in größerer Runde seinen Freunden und Bekannten erzählt hat sollte auch bei FB keine Probleme bereiten.

  8. Das ist mir auch 20€ wert. Dass hier wirtschaftliche Interessen Irlands eineRolle spielen, ist klar. Aber wie soll man mit Datenschutz umgehen, wenn Millionen offensichtlich freiwillig und mit Begeisterung eine Art digitalen Streaptease auf den sozialen Plattformen praktizieren? Spannende Fragen, die ich gerne höchstrichterlich geklart sehen möchte. Für die Karriere von Max wird das so oder so sicher kein Nachteil sein ;-)

    • Ich denke nicht, dass es Max hier um seine Karriere geht. Und zu Deiner Spende: Ja, die richterliche Entscheidung interessiert mich auch. Sollten demokratisch legitimierte Gerichte zu dem Urteil kommen, Facebook hält sich an geltendes Recht, dann gut. Wenn nicht, sollte es dafür gerade stehen – wie jeder Falschparker oder Steuerhinterzieher auch.