Zeitungssterben: Meine (sprichwörtlichen) 5 Cent

Warum ich glaube, dass die Journalismuskrise hausgemacht ist und weshalb Paywalls und Leistungsschutzrecht nicht die Antwort auf sterbende Zeitungen sind.

 Gratiskultur …ob die Menschen hier auch alle brav bezahlen?

Vorbemerkung

Es ist schon viel geschrieben worden zur Insolvenz der Frankfurter Rundschau, zum möglichen Aus der gedruckten Financial Times Deutschland und zum Zeitungssterben allgemein. So bitter diese Prozesse auch immer für die Betroffenen sind, vielleicht hilft es, die Dinge mal ganz nüchtern zu betrachten. Das beginnt damit, dass man sich ein paar (oft vergessene oder verdrängte?) Tatsachen vor Augen führt :

  • Die Lizenz, im Nachkriegs-Deutschland eine Zeitung zu vertreiben, galt lange Zeit als eine Lizenz zum Geld drucken
  • Wie keine andere Branche sind die großen Verlage ein halbes Jahrhundert (!) ungebremst gewachsen, unbeschadet von Öl- oder sonstigen Krisen
  • Die Anzahl an Zeitungs- und Zeitschriften-Titeln in Deutschland ist nach wie vor beachtlich
  • Viele Verlage machen auch heute noch hohe, zweistellige Millionen-Gewinne
  • Dessen ungeachtet: Ja, die Welt verändert sich!

 

Die betrogene Freundin

Noch immer klammern sich viele Blattmacher an das Allheilmittel Papier. Mantra-artig verteidigen sie das Modell Tageszeitung, selbst dann noch, wenn sie selbst bereits dem Untergang geweiht sind:

Wir werden Ihnen weiterhin jeden Tag eine Zeitung nach Hause oder an den Kiosk liefern, die lohnt, gelesen zu werden. (Belegschaft der Frankfurter Rundschau)

Worte wie diese – einen Tag nach der Insolvenz – verdeutlichen, wie irrational das Verhältnis vieler Blattmacher zu ihrem eigenen Medium ist. “Die Verantwortlichen verpassten, das Blatt zu modernisieren”, besser-weiß-es Ines Pohl von der taz – ausgerechnet. Auf die Idee, dass es evtl. damit zu tun haben könnte, dass das Geschäftsmodell Tageszeitung per se – sagen wir es vorsichtig – “schwierig” geworden ist, kommt natürlich keiner.

Fast erinnert das an die gute Freundin, die es als Letzte wahrhaben will, dass ihr Lebenspartner sie schon seit Ewigkeiten nach Strich und Faden betrügt, und dass er jetzt, nach Jahren der erfolglosen Paartherapie, die Koffer gepackt hat, um mit einem 20jährigen Fotomodell zusammenzuziehen. – “…Er wird schon erkennen, was er an mir hatte… und dann wird er zurück kommen …und dann tut ihm alles leid!” – Ähm… ja. (räusper) Genau.

Bildbeweis: Es gibt auch heute noch Pferdekutschen

Keine Verdrängung?

Es heißt: Kein Medium ist durch ein neues Medium jemals verdrängt worden. Blödsinn. Wann haben Sie das letzte Mal ein Telegramm bekommen? Ein Fax? Natürlich wird es in Zukunft noch gedruckte Zeitungen geben, genauso wie es im Central Park von Manhattan heute auch noch Pferdekutschen gibt. Fakt ist: Für die inhaltliche wie auch gestalterische Weiterentwicklung des Journalismus spielen Printmedien schon lange keine Rolle mehr. Peter Hogenkamp von NZZ digital bringt es meiner Meinung nach am besten auf den Punkt, in dem er seinen Bekanntenkreis einem Reality-Check unterwirft und nüchtern feststellt: Die Zeitung erledigt ihren «Job» nicht mehr so gut wie früher.

Quelle: WikiMedia

Kostenloskultur?

Die Menschen wollen im Internet alles kostenlos. – Ach ja? Allein Apple hat in den vergangenen Jahren nicht nur einmal, sondern gleich 7 mal bewiesen, dass User sehr wohl bereit sind, für digitale Inhalte im Netz gutes Geld zu bezahlen: Musik (iTunes Store 2002), Filme/Serien (iTunes/Apple TV 2005), Apps (AppStore 2008), Bücher (iBooks Store 2010), Zeitungen/Zeitschriften (Apple Newsstand 2011) sowie professionelle Computer-Software (Mac AppStore 2011).

Über dieses Horror-Jahrzehnt fabuliert sich die Frankfurter Rundschau die Wahrheit wie folgt zu recht:

“Die neue Technik war über die Verlage hereingebrochen, ohne dass sie rechtzeitig Modelle entwickeln konnten, wie man neben den Geräteherstellern und Netzprovidern auch mit journalistischen Inhalten Geld verdient.”

Hereingebrochen? Konnten? Wenn jemand A) die Inhalte (“Content is King”?) und B) das nötige Kleingeld dazu gehabt hätte, diese digitale Welt zu erschließen, wären es ja wohl an allererster Stelle die Verlage gewesen! Weder Automobilindustrie, noch Chemie- oder Stromkonzerne verfügten über eine bessere Ausgangsbasis: Kein Produkt lässt sich leichter, zu nahezu Null Kosten unter die Leute bringen, wie Texte und Fotos. Und was genau hat man getan? Das hier:

Video: Das Herunterladen eines ePapers im Jahr 2010 

“Das Wachstum unserer Digitalgeschäfte ist im Wesentlichen nur durch Zukäufe erreicht worden. Wirkliche Neuerungen, das muss man ganz nüchtern feststellen, hatten wir bisher nicht zu bieten” (Mathias Döpfner, Axel Springer AG)

Statt zeitgemäße Angebote zu machen, ist man lieber dazu übergegangen, die Leser zu beschimpfen: Gratiskultur! Die Leute wollen im Netz alles umsonst haben! Die Frankfurter Rundschau – Opfer einer ”Gratismasche der digitalen Welt gewöhnten Gesellschaft”. Nun bin ich kein Betriebswirtschaftler, aber die eigenen Kunden als Schmarotzer zu bezeichnen, soviel Chuzpe muss man erst einmal besitzen.

Der Leser ist schuld

Vor einigen Monaten durfte ich einem Kamingespräch in Berlin beiwohnen, bei dem zwei der größten Medienmacher dieser Republik sich bei teurem Wein über die böse Gratiskultur im Netz ausließen: “Sie gehen doch auch nicht aus dem Supermarkt, ohne zu zahlen” – “Doch!”, platzte es aus mir heraus “Wenn Sie vergessen, eine Kasse aufzustellen, bediene ich mich natürlich irgendwann selbst.” Es ging noch hoch her an diesem Abend.

Das Supermarkt-Gleichnis

Bleiben wir ruhig mal bei diesem schiefen Supermarkt-Bild: Stellen Sie sich vor, Sie sind in einer großen Stadt und haben plötzlich Durst. Orientierungslos laufen Sie durch die Straßen und suchen nach einem Supermarkt. Blöderweise hat der Supermarktbesitzer vergessen, Schilder an seinen Laden zu machen, weil er der Meinung ist, ohne ihn geht es sowieso nicht. Sie zücken Ihr Smartphone und finden den Supermarkt irgendwie doch noch – Google Maps sei dank (für diesen Hinweis will der Supermarktbesitzer selbstverständlich eine Gebühr von Google).

Sie betreten also den Laden und möchten eine Dose Cola kaufen. Können Sie aber nicht. Stattdessen heißt es: Cola gibt es nur im ganzen Kasten. Entnervt schleppen Sie die Monats-Ration Cola zum Ausgang. An der einzigen besetzten Kasse stauen sich die Kunden. Als Sie endlich dran sind und das Geld auf den Tresen legen, fragt Sie die Kassiererin nach Ihrem Namen. Nach dem Mädchennamen Ihrer Mutter. Nach Ihrer Kontonummer. Nach einem Kundenkennwort, das mindestens aus einem Großbuchstaben, einem Kleinbuchstaben, einer Ziffer und einem Sonderzeichen besteht.

Wenn Sie jetzt noch nicht aufgegeben haben, tun Sie es spätestens in dem Moment, als Sie die Kassiererin auffordert, nochmal nach Hause zu gehen. Dort wartet nämlich die Kundenkarte auf Sie, mit der Sie dann “schnell und bequem” bezahlen können. Und zwar ausschließlich in diesem einen Supermarkt.

Jammern – ein Geschäftsmodell?

Man muss sich die vielen Ausreden und Klagen, mit denen die großen Verlagsleute auch heute noch um die Ecke kommen, mal auf der Zunge zergehen lassen. Die Geisteshaltung (um nicht zu sagen Arroganz) mit der viele noch immer meinen, dass etablierte Marktgesetze in der digitalen Welt (-> schnell, einfach, fairer Preis) für sie nicht gelten, ist wirklich beachtlich.

Out of the box

Wenn wir heute an “Qualitätsjournalismus” denken, denken wir gerne an Formate, wie wir sie schon von der analogen Welt her kennen. Wo steht geschrieben, dass eine TV-Talkshow, egal wie langweilig, stets exakt 45 Minuten lang sein muss? Wieso orientiert sich Journalismus im Netz in Form und Umfang oft noch immer an Gesetzmäßigkeiten aus dem Print-Zeitalter? Denken Sie an die Zeitungspapier-Immitate diverser iPad-Apps. Weshalb müssen Zeitungsangebote dort stets 1:1 als Gesamtheft, oft sogar verbunden mit einem Zwangs-Wochen- oder gar Monatsabo verkauft werden?

Viele Zeitungsmacher schaffen es nicht, out of the box zu denken. Stattdessen denkt man noch immer in Kästen – in Zeitungskästen.

Der Springer-Verlag hat angekündigt, für seine digitalen Ableger der “Welt” und “Bild” demnächst Bezahlschranken einführen zu wollen. Vorbild ist das sog. “Metered Model” (die ersten Texte sind gratis, danach muss gezahlt werden), ähnlich wie es die New York Times vor geraumer Zeit eingeführt hat.

Was für einen internationalen Titel noch ansatzweise funktionieren mag, betrachte ich für deutschsprachige Tageszeitungen eher als problematisch. Anders als die Times, ist die Reichweite deutscher Tageszeitungen allein schon durch die Sprache stark begrenzt. Zusätzliche Hürden mögen vielleicht in hochpreisigen Nischenmärkten funktionieren (Wall Street Journal). Bei Alltagsblättern wie der “Welt” sehe ich gerade hier Schwierigkeiten. Hinzu kommt, dass die Springer-Presse nicht über die Klasse einer New York Times verfügt.

Meine 5 Cent…

Nun ist es immer furchtbar einfach, mit dem Finger auf Andere zu zeigen, ohne selbst mit einem eigenen Vorschlag konstruktiv zur Diskussion beizutragen. Deshalb hier nun mein Ansatz, den Kunden Schritt für Schritt wieder für guten Journalismus zu begeistern und ans Kassenhäuschen zu führen:

Nicht Content ist King – sondern der Kunde!

Zunächst einmal würde ich damit beginnen, den Kunden wieder als Kunden zu behandeln und nicht als Klickvieh. Das klingt banal, wird aber noch immer nicht getan. Hand aufs Herz: Interessiert es die Verleger denn wirklich, was der Leser online will und wofür er bereit wäre, Geld auszugeben? Geht es ihnen wirklich um den Qualitätsjournalismus, oder nicht vielmehr um die Bewahrung alter Geschäftsmodelle?

Zwei Kritikpunkte, die mir immer wieder begegnen:

1. Wieso kostet die digitale Ausgabe einer Zeitung/Zeitschrift im Netz oft genauso viel (machmal sogar mehr) als gedruckt & gebunden am Kiosk?

2. Wieso muss ich die gesamte Ausgabe kaufen, wenn mich doch höchstens 2-3 Artikel interessieren? Bei einer gedruckten Zeitung lässt sich das logisch/logistisch schnell erklären. Wie aber rechtfertigt man diese Zwangsbündelung im Digitalzeitalter (vgl. Musikmarkt und LP)?

Wo bleibt das Micro-Payment?

Machen Sie doch mal den folgenden Test: Klicken Sie sich einen Tag lang durch das Internet und beantworten Sie sich dabei selbst immer wieder die Frage “War mir dieser Text / diese Karikatur / dieses Video etwas wert?” Was hätte ich spontan dafür – ohne lange nachzudenken – gezahlt: 10¢? 20¢? Wieviel war es Ihnen wert, mit einem informativen oder auch unterhaltsamen Text, die Wartezeit am Bahnsteig zu überbrücken?

Zum Vergleich: Vor noch gar nicht allzu langer Zeit haben wir Deutsche SMS-Botschaften (“Hallo Schatz. Bin gelandet.”) für 50 Pfennig verschickt – pro Stück wohlgemerkt – und gezahlt! Auch heute geben die Menschen viel Geld für Apps aus, die sie sofort haben wollen, ein paar Wochen lang nutzen, und dann durch neue ersetzen. Was heute schon für Musik, Filme, eBooks – sogar für Schlumpfbeeren* gilt, soll aus irgendwelchen obskuren Gründen für journalistische Produkte nicht gelten?

*als In-App-Purchases bei Online-Spielen - danke an Manolo Klein für diesen Hinweis!

Einzel-Artikel zum fairen Preis

Ich weiß nicht wie es Ihnen geht, aber seit Einführung der Flatrate für Festnetz und für unterwegs, konsumiere ich mehr Zeitungs- und Zeitschriftenangebote als je zuvor. Nicht via App – nein – bei den meisten Texten, die ich lese, handelt es sich um Fundstücke, Spontan-Abrufe, aufgrund von Empfehlungen per Mail, bei Twitter oder Facebook. Schon oft hätte ich gerne ein paar Cent gezahlt, wohlgemerkt, nicht für ein ganzes Heft. Für einen speziellen Text. Singular.

So wie sich eine App oft nur auf eine einzige Funktion beschränkt und eben nicht die gesamte Office-Suite bietet, möchte ich im Netz gerne meinen Medien-Mix aus einzelnen Artikeln zusammenbauen und bezahlen dürfen. Und genauso wie die App nur einen Bruchteil eines ausgewachsenen PC-Programmes kostet, muss auch der Preis für einzelne Artikel im Netz fair sein (hinter dem Begriff “fair” steckt für mich folgende Überlegung: eine komplette Zeitung am Kiosk kostet 3 € – minus Druck, minus LKW, abzgl. meiner eigenen Kosten durch Internetflat = etwa 10 bis 30 ¢). Ein Monats-Abo für 10 Euro? …und tschüss!

Wer die lousy Pennies nicht ehrt…

Noch heute beklagt Hubert Burda die sog. “lousy Pennies” im Netz. Und genau das ist das Problem: Es sind keine lausigen Pennies!

Micropayment durch einen simplen 1-Click-Buy-Button wären der ideale Lackmustest über die angeblich nicht vorhandene Zahlungsmoral, die Nichtwertschätzung von gutem Journalismus. Warum eine kaufkräftige Minderheit dazu zwingen, ganze LPs zu kaufen, wenn man an einer Kombination aus größtmöglicher Reichweite plus Einnahmen durch Singles evtl. sogar mehr verdienen könnte? Das iPad und die geschlossenen Apps haben den Weg bereitet –  das kann aber doch nur der Anfang gewesen sein.

Pay-per-read? Ich höre schon die Kritiker rufen: Dann werden in Zukunft nur noch Inhalte angeboten, die sich gut verkaufen lassen. Schwere journalistische Kost (“Graubrot”) fiele dann durch das Raster. – Oh irony! Als ob das bei der gedruckten Zeitung jemals anders gewesen wäre. Natürlich muss ein Medienhaus seine Einnahmen umverteilen, so dass man mit der richtigen Mischung aus Nachricht und Boulevard auch gesellschaftlich relevanten Journalismus gegenfinanzieren kann. Wo ein Wille ist…

Man spricht deutsch

Dass man mit deutschen Texten kein weltweites Publikum ansprechen kann, ist in einem globalen Markt tatsächlich ein gewaltiger Nachteil. Man kann aber auch einen Vorteil darin sehen: Dadurch, dass journalistische Angebote bei uns an die deutsche Sprache gebunden sind, besitzen Verlage einen einzigartigen Schutzraum, der nicht so leicht von ausländischen Billigarbeitern übernommen werden kann.

Familienbanden

Zumindest in einer Übergangsphase ist es wichtig, dass sich die deutschsprachigen Verlage zusammentun, und eine verlagsübergreifende Allianz eingehen. Gemeint sind nicht etwa Preisabsprachen, sondern ein gemeinsames Abrechnungssystem, das es den Kunden ermöglicht, schnell und unkompliziert zwischen einzelnen Angeboten hin- und herspringen zu können – und vor allem – über eine einzige, einheitliche Rechnung (nur ein Passwort!) bezahlen zu dürfen.

All you can read

In einem zweiten Schritt, wenn sich die Leser ans Bezahlen gewöhnt und ein Gefühl dafür entwickelt haben, was sie monatlich im Schnitt für Medien im Netz ausgeben, dann – und wirklich erst dann – macht es Sinn, über verlagsübergreifende “All-you-can-read”-Pauschalangebote nachzudenken. Zum Vergleich: Musik-Abos à la Spotify hätten vor 10 Jahren keine Chance gehabt. Der damalige Versuch der Musikindustrie, die Gratis-Tauschbörse Napster in eine kostenpflichtiges Musik-Abo-Plattform zu verwandeln, ist grandios gescheitert.

Fazit:

  • nicht der Content ist König, sondern der Kunde
  • Angebote machen (z.B. Micropayment) – keine Verbote
  • in spontanen Impulskäufen (“lousy Pennies”) schlummert ein gigantischer Markt
  • ein verlagsübergreifendes 1-Click-Abrechnungssystem mit nur einem Passwort
  • erst nach einer ausgedehnten Pay-Per-Read-Gewöhnungsphase machen Abo-Modelle (“Flatrates”) Sinn

Umsetzung

Nicht machbar? Wenn es einer Branche, die sich fest in der Hand von nur wenigen Verlegerfamilien befindet, nicht gelingt, sich auf einheitliche Standards zu einigen, kann es dafür eigentlich nur zwei Gründe geben:

Es geht den Verlagen noch zu gut – oder einfach noch nicht schlecht genug.

 

Debatte: Eines meiner Journalisten-Idole, Wolfgang Blau, zum selben Thema bei Facebook

Blogschau: Übersicht über weitere Blogposts zum Thema bei Meedia

Zeitungsland Deutschland - eine Analyse des Zeitungsmarktes auf Meedia

 

flattr this!

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142 Gedanken zu “Zeitungssterben: Meine (sprichwörtlichen) 5 Cent

Zitiert von
  1. Zeitungssterben: Wege aus der Krise

  2. Weltenschummler Netzgossip

  3. Druckmaschinen zu Plugscharen « The Difference

  4. Männig | → Zeitungssterben: Meine (sprichwörtlichen) 5 Cent

  5. Was ich will | Sozialtheoristen

  6. Printmedien die Zweite | f3l Blog | Another geek blog

  7. Über Betonzäune… – Herr Krueger

  8. Weitere Print-Medien vor dem Aus « stohl.de

  9. Lesetipps für den 19. November | Netzpiloten.de

  10. Links vom Montag, 19.11.12 | Herbstrevolver

  11. zeugs am montag « blubberfisch

  12. „Kein Produkt lässt sich leichter, zu nahezu Null Kosten unter die Leute bringen, wie Texte und Fotos.“ | Verwickeltes

  13. Zwei Glaubenssätze der Internet-Apostel | SILVER TRAIN

  14. Fotografie + Social Media | Lieber Qualitätsjournalismus!

  15. Ein Brief an meinen guten Freund: Die Tageszeitung | Netzpiloten.de

  16. Gamesbranche: So benehmen sich manche Pressesprecher und Redakteure (in der Gruppe) - Modulopfer.de

  17. Frankfurter Rundschau - Verlag ist insolvent – wie geht es weiter? | Insolvenz-News und Insolvenzberatung – Rechtsanwalt Schuldnerberatung Fachanwalt Insolvenzrecht Hamburg

  18. Medienvielfalt selber machen – was die Zeitungskrise mit Blogs zu tun hat | Metronaut.de - Big Berlin Bullshit Blog

  19. Hat das Zeitungssterben begonnen? | Frisch gebloggt

  20. Dominik Schmidt – Eine Übersicht: Die Zeitungskrise in den Medien

  21. Neue Wege #6 | Privatsprache – Projekt: Blackbox

  22. Über Schirrmacher: In der Vergangenheit hat er so viele Theorien in die Welt gesetzt | Ich sag mal

  23. Wie und warum jetzt die Paywalls kommen – und wieder verschwinden | take56

  24. Erst wenn die letzte Zeitung gestorben ist, werdet ihr merken, dass man Überheblichkeit nicht essen kann | Cluetrain PR

  25. Linksammlung KWs 43 bis 47/2012 | daburnas Logbuch

  26. Quo vadis, Journalismus? Die konstruktive Debatte im Netz — ein Überblick — Was mit Medien. Medienmagazin.

  27. Und mit dem Frühstück starb die Zeitung … - netzwitz.de ;-) Der Satire-Blog

  28. „Internet macht Zeitung tot!“ – Ist es wirklich so einfach? » By Sabine Haas » result blog

  29. Im Herbst fallen die Blätter – aber nicht alle

  30. Protokoll vom 15. Dezember 2012 « trackback.fritz.de

  31. Zeitungen im Netz: Zahlungsbereitschaft überraschend hoch – unter Bedingungen | TechBanger.de

  32. Wozu man Zeitungen noch braucht » Michael Schnitzler

  33. “Der Journalismus ist nicht kaputt” » Brodnigs Blog

  34. Lieber Qualitätsjournalismus… ‹ Fotografie + Social Media

  1. Sehr guter Artikel. Ich frage mich schon seit einiger Zeit, warum ich keine Prepaid Karte à la iTunes kaufen kann, mit der ich einzelne – kostengünstige – Artikel runterladen kann. Ich wäre gern bereit, eine kleine Summe (Micropayment) für einen Artikel zu zahlen. Aber entweder dann gleich ein Abo an der Backe zu haben oder eine horrende Summe für einen Artikel zu zahlen, widerstrebt mir!

  2. Ich finde den One-Account-Ansatz sehr wichtig. Ich besitze: Eine E-Mail-Adresse, ein deutsches Girokonto sowie PayPal. Keine Kreditkarte, keine Rechnungsanschrift, keine Telefonnummer.

    Also: Bitte simpel! Ich bezahle mit PayPal und Bankeinzug, wo es nur geht. Neulich musste ich einen Flug mit einer Kreditkarte eines Kumpels begleichen: Peinlich und umständlich. Wir Deutschen mögen halt keine Kreditkarten, noch dazu wenn sie ein Vermögen kosten. Das muss man respektieren! Selbst meine Uni (!) bietet nur noch Bankeinzug an, weil eine Überweisung der Semesterbeiträge zu kompliziert wäre.

    Und meinetwegen reicht es auch, wenn ich mich via Facebook oder Twitter identifiziere. Wie gesagt: One-Account-Ansatz. Die Zugangshürden für Paid Content sind vielerorts einfach noch zu hoch, weil man offensichtlich keine großen Bündnisse schließen will.

  3. Der ganze Registrierungs-Passwort-Kreditkarten-Abrechnungskäse ist doch viel zu umständlich. Die Methode “Flattr” war doch an sich schon der richtige Ansatz. Gib mir ein Monatsabo für 5 Euro, und ich entscheide per Klick, welche Artikel ich für lesenswert halte. Die technische Umsetzung und der ganze Weg dahin sind freilich kein Ding, was von heute auf morgen zu lösen wäre. Sehr lesenswerter Artikel.

  4. Guter Text. Theoretisch.

    Meiner Ansicht nach ist die Fragestellung vielschichtiger.

    Bisher können Verlage durch Call-Center Abonnements in den Markt drücken. Das wirkt sich gut auf die IVW – Zahlen aus. Die Reichweite der Verlagserzeugnisse wird künstlich nach oben gedrückt.

    Die Folge sind hohe Anzeigenpreise.

    Und wer will schon für Artikel in der Bild zahlen?

    Das Problem ist ein strukturelles. Wahrscheinlich lesen nur sehr wenige Menschen ihre Zeitung wirklich. Der Rest hat eben ein Abo.

    Hier fällt wahrscheinlich eine ganze Branche in sich zusammen. Das tut weh. Und anstatt sich zu entwickeln wird der gleiche Inhalt eins zu eins online reingepackt. Das funktioniert so nicht mehr.

    Online entsteht eine gut nachvollziehbare Transparenz durch Klickraten, Likes, etc.

    Selbst auf dem Tablet kann man gut nachvollziehen wie häufig Artikel und Werbeanzeigen gelesen werden.

    Quasi das Google – Modell, welches sich durchsetzt.

    Und jetzt kommen Sie und argumentieren für teure Werbeanzeigen bei Großkunden. Und wenn dann die Klickraten, etc. nicht passen, dann geht der Preis in den Keller.

    Das Potemkinsche Dorf bricht langsam zusammen.

    Die Transparenz ist aus meiner Sicht das Problem. Die wahre Reichweite liegt wahrscheinlich viel niedriger als die dem Werbekunden gegenüber kommunizierte.

    Das waren meine fünf Cent.

  5. Hervorragende Lösungsansätze, die jedoch wohl nur funktionieren, wenn auch das Angebot stimmt.

    Bei den sogenannten “Qualitätszeitungen” könnte ich mir durchaus vorstellen, dass das funktioniert.
    Aber bei Blättern wie etwa der Augsburger Allgemeinen (lieblose Pampe) oder der Abendzeitung (zu zwei Dritteln Agenturzeug oder zugekaufter Servicemist) – was für Artikel gibt es da, für die man bezahlen wollen sollte? Die paar noch eigenen Sportbeiträge?

    Kaputtgesparte Zeitungen haben keine Zukunft, weder gedruckt noch online, davon bin ich überzeugt. Und auch nicht diejenigen Blätter, bei denen man sich schon beim ersten Blick fragt, ob die Macher jemals ein Konkurrenzprodukt gesehen haben und in welchem Jahrhundert sie leben.

  6. Kurz mein Wechselgeld zu 2 Deiner 5 Cents:

    Dass Micropayment eine Lösung sein könnte, ist Spekulation. Es gibt nicht ein einziges Micropaymentsystem, dass sich in den letzten 15 Jahren hätte durchsetzten können. Wenn Bewegung in diesen Bereich kommt, dann durch Google und Apple, die (zumindest in den USA) mit Macht auch in den Bezahlverkehr drängen.

    Ich kann mir (bin kein Experte, nur Kunde) nicht vorstellen, dass die deutschen Verlage sich auf eine – dann am Ende auch funktionierende und durch den Kunden akzeptierte -Technologie werden einigen können.

    Allerdings bin ich ähnlich optimistisch wie Du, dass sich ein gutes System durchsetzen könnte, wenn die Zeit dafür reif ist.

    Das “man spricht Deutsch”-Argument ist keines. Am Ende macht es sprachtechnologisch macht es keinen Unterschied, ob man Algorithmen auf die englische oder deutsche Sprache loslässt. Ginge es um Sprachen wie Georgisch und Xhosa wäre das Argument – vielleicht – valide. Die deutschsprachigen Billigkräfte im Ausland sitzen übrigens in der Türkei.

    • Und in Rumänien. ;)
      Aber darüber hinaus befürchte ich auch, dass selbst wenn Einigkeit herrscht, das Kartellamt dem einen Riegel vorschieben würde, sobald Springer, G+J und Burda (plus alle anderen) gemeinsame Sache machen wollten.
      Das Bezahlkartell ist nur bei den ÖR erlaubt, sieht man ja auch an Germany’s Gold und der RTL-P7S1-Plattform, die verboten wurde.

        • Genau! Wer sowas verrücktes und für ALLE schädliches wie das Leistungsschutzrecht “herbei-lobbyieren” kann, der könnte ja vielleicht auch mal eine sinnvolle Gesetzesänderung anstoßen….

          Ein gemeinsames Zahlungssystem der Verlage – was sollte daran irgendwie illegitim sein? Es müsste dann halt auch “allen” offen stehen.

      • Firmen können sich Kartelle genehmigen lassen. Beim gemeinsamen Zahlen würde es sich vielleicht um ein Normierungskartell handeln, das geht bestimmt durch.

    • Wie gesagt – alles nur Anregung zur Diskussion. Was die Technik betrifft: Ich traue Springer & Co deutlich mehr zu, als man derzeit an den Tag legt. Wenn selbst Döpfner das öffentlich so formuliert?

  7. Das mit dem Micropayment ist so eine Sache. Denn tatsächlich scheint es auch weiterhin wirtschaftlich nicht realisierbar. Das zumindest sagen Menschen aus der Kreditkartenbranche. Und die bräuchte man an Bord. Cent-Beträge lassen sich nicht ökonomisch abrechnen, behaupten sie.

    Tatsächlich aber haben die Verlage natürlich auch nicht sonderlich Druck gemacht, um dieses Problem zu umgehen…

    • Micropayment lässt sich nur dann sinnvoll abwickeln, wenn man mit einem Konto arbeitet wie Flattr. Also einmal aufladen (mit teurer direkter Kontoverbindung und allem Security Pipapo), dann alles andere rein elektronisch.

      Die Kreditkarte ist hier nicht der richtige Vergleich, der richtige Vergleich ist die Geldkarte (die interessanterweise auch nicht so richtig den Durchbruch geschafft hat, aber das nur am Rand).

      Zu den Gebühren der Geldkarte:

      “GeldKarte vs. Bargeld-Handling
      [...]
      Der goldene Chip bietet dem Handel eine kostengünstige Lösung. Das Händlerentgelt
      beträgt nur 0,3 Prozent des Kaufumsatzes bzw. mindestens 0,01 Euro pro Transaktion.
      Die Zahlung per GeldKarte ist konkurrenzlos günstig und garantiert. Für den
      Akzeptanzpartner ist die Kaufabwicklung gleichbedeutend mit einer Barzahlung.
      Darüber hinaus ist die unkomplizierte Handhabung besonders verbraucherfreundlich.
      Die elektronische Zahlweise per Chip ist für den Konsumenten sicher und völlig
      anonym. Durch den Wegfall des Münzgeldes nimmt außerdem das Ein- und
      Aufbruchrisiko am Automaten rapide ab.”

      https://www.geldkarte.de/_www/files/pdf2/pm_sicheres_bequemes_micropayment_110608.pdf

      1 Cent. Ganz andere Gebühren als die Kreditkartengesellschaften sie haben möchten (und gerne behalten würden).

      Generell ist Micropayment eines der Geschäfte, die am spannendsten zu disrupten wäre. Und in solchen Märkten darf man nicht den Platzhirschen fragen, was möglich ist und was nicht. Die sagen immer, dass alles, was die nicht selber machen, unmöglich ist. Vor allem, wenn die Branche soo groß und sooo profitabel ist.

      • Ein guter Beitrag. Bis jetzt standen zwei wichtige Punkte dem Erfolg eines Micropayment-Systems entgegen: die rechtlichen Rahmenbedingungen, die Anbietern einer solchen Wallet-Lösung vorschrieben, eine Banklizenzierung zu erwerben, sowie die technischen Hürden, eine ausreichend sichere – aber günstige – Verschlüsselung zu erreichen.

  8. Kleiner Haken zur Bezahllösung: Was macht man dann mit den Internetangeboten der öffentlich-rechtlichen Sender? Dort gibt es ja (angeblich) knackigen Journalismus ohne Mehrkosten, weil: Ist doch alles schon bezahlt. Müsste man dann nicht eingestehen, dass es hier aufgrund der Medienkonvergenz ein Konkurrenzverhältnis gibt? Bisher sagen die Sender, wir tun den Verlagen im Internet nichts Böses, weil wir kein (zusätzliches) Geld nehmen und keine Werbung machen. Sie konkurrieren also, ohne zu konkurrieren. Würde diese (Selbst-)Täuschung dann nicht endgültig auffliegen mit ziemlich schwierigen Konsequenzen für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk?

    • Sparpotentiale gibt es sicherlich bei den ÖR – wo gibt es das nicht? Wofür ich kein Verständnis habe: Das Depublizieren gebührenfinanzierter Inhalte! (Disclaimer: ich bin freier Mitarbeiter beim BR)

      • Depublizieren? Ja, ich bin auch ganz traurig über die tausende von Kochrezepten, die depubliziert wurden, oder dass ich Folge 7244 der Soapopera XY nicht noch mal zwei Jahre später gucken kann. Tatsächlich sparen die Sender durch das Herausnehmen aus dem Netz eine Menge Geld, weil sie sonst für viele Produktionen langfristig die Internetrechte hätten erwerben müssen und irgendwelche tollen Angebote wie Kochrezeptedatenbanken, die es ja sonst im Netz zu wenig gibt, nicht mehr anbieten müssen. Tatsächlich lässt sich sogar noch was damit verdienen, weil man Sendungen auf DVD oder über Videoplattformen verkaufen kann. Aber ums Geldsparen ging es bei meinem Beitrag nicht, sondern um die Konkurrenzsituation.

        • Das kenne ich anders. Jahrelang haben sich die Red. sogar gesträubt, ihre Inhalte ins Netz zu stellen, weil das angeblich die TV-Quote kaputt macht. ;-) Was Kochshows und Soaps betrifft, bin ich bei Ihnen. Mir persönlich ist das auch zuviel.

  9. Zeitung war Interessant ,wie es den Lokalredakteur noch gab.( Im Kleinen oder Gr0ßen)Heute schreibt der Lokalredakteur über Probleme der Welt im Lokalteil.

    • … genau darin liegt auch bei anderen Medien wie Regionalsendern der Hund begraben. Wenn die wieder liefern würden, was der Nutzer erwartet – Regionales und Lokales nah am Menschen – dann würden sich diese Nutzer auch nicht langweilen, dass sie nun zum fünften oder sechsten Mal auch noch auf dem kleinsten Regionalsender das Weltgeschehen geliefert bekommen.

  10. Bestimmt mal wieder ein guter Text, den ich mir später noch in voller Länge zu Gemüte führen werde. Aber eine kurze Anmerkung schon vorab: In der Aufzählung heißt es….

    “Viele Verlage machen auch heute noch hohe, zweistellige Gewinne”

    Sind wohl zweistellige Millionengewinne gemeint, oder?

  11. Lieber Richard,
    vielen Dank für diesen hervorragenden Artikel. Er trifft den Nagel auf den Kopf und analysiert treffsicher das Problem! Ich kann ebenfalls das große geweine der Verlage nicht mehr ertragen. Sie hätten die Zeit und sämtliche Mittel und Werkzeuge gehabt um digitale Geschäftsmodelle zu entwickeln! Aber Sie sind halt in der Seele “Verleger” es sagt ja schon das Wort. Es sind verkappte Drucker, ich will mal behaupten, es geht Ihnen nicht um die Erstellung von hochqualitativen Inhalten, sondern Sie wollen noch immer Papier schwärzen. Und Sie hätten soooo viele Lerninhalte gehabt! in den neunziger Jahren hat es Ihre Freunde, die Graphische Industrie dahingerafft. Ich habe noch das Gelächter der Setzer und Lithografen in den Ohren als 1987 DTP auf dem Mac begann die Welt umzukrempeln. Nun sind Ihre Berufsbilder nicht mehr existent. Dann war die Musik-Industrie dran, dann wird es das Kino erwischen und blad werden wird das TV-Sender sterben erleben. Noch immer sind die meisten Unternehmen noch nicht in der digitalen Welt angekommen. Packen wir es an, es gibt viel zu tun.

  12. Einen wichtigen Punkt muss ich hier noch anbringen: Beim Abrufen von Artikeln möchte ich nicht ewig lange warten bis auch die Werbeanzeigen heruntergeladen sind. Werbefreie, schnell geladene Artikel würden mir einen Obolus wert sein.

    • Guter Gedanke! Hinweis dazu in eigener Sache: Mit der Umstellung meines Blogs, habe ich alle Werbebanner innerhalb der Artikel verbannt! Werbung gibt es bei mir nur noch auf der Startseite.

  13. Das Micropayment-System gibt es sogar schon – Apples AppStore: die Zeitungen könnten ihre Einzelartikel genauso mit einer InApp-Währung verkaufen wie die Spieleanbieter. Schlumpfbeeren-Pakete in diversen Größen fallen mir da als Stichwort ein.

  14. Danke, du sprichst mir aus der Seele. Bitte einmal als offenen Brief in alle Chefetagen der Verlagshäuser schicken :)
    Und ja – anscheinend geht es den Verlagen noch zu gut bzw. deren Schmerzgrenze wurde noch nicht erreicht.

  15. Und zusätzlich haben die Lokalzeitungen über die Konzentration auf die Einnahmen das wichtigste völlig aus den Augen verloren: Den Content.
    Ich würde sehr gern eine Zeitung mit lokalen Nachrichten kaufen. Mit richtigen, ernstgemeinten, gut recherchierten Nachrichten aus meinem Ort. Notfalls sogar auf Papier.
    Aber was die Zeitungen liefern ist nur Schrott. Jammer-Artikel von irgendwelchen Menschen, die keinen Interessieren, bezahlte Schein-Artikel irgendwelcher lokalen Firmen denen man sofort anmerkt, dass sie von vorn bis hinten geschönt wurden.

    Ich hoffe das irgendein Newcomer mal Qualitätsjournalismus macht und den lokalen Käseblättern zeigt, was den Leser interessiert. Und das digital. Und mit Micropayment.
    Und auch dann werden die alten Zeitungen wieder jammern statt was zu ändern.

  16. Alles wichtige und gute Ansätze!

    Einziger Kritikpunkt: Man sollte vielleicht nicht davon ausgehen, daß eine Zeitung (bzw. eine Nachricht) weniger kostet, nur weil sie nicht mehr gedruckt wird.

    Gute Journalisten kosten einfach gutes Geld… Vielleicht braucht man Online mittelfristig sogar mehr Personal, weil nach dem “Andruck” die Welt nicht stehen bleibt…

    Die Druck- und Distributionskosten werden m.E. abgelöst durch die Kosten für Projektmanagement, ständige (notwendige) technische Weiterentwicklung und das CMS. Hier gibt es ja auch kein “fertig” mehr, sondern es geht immer weiter…

    • Sehr guter Artikel!

      Zentrale Aussage: Kunde ist König! Konkret: Lösungsansätze wären nur halb so schwer, wenn man auf Verlagsseite sich nur ein einziges Mal in die Rolle des potentiellen Lesers/Users/Käufers versetzen würde.

      Denn was bewegt einen, eine Zeitschrift/Zeitung/redaktionelle Artikel zu kaufen? Ich zahle erst dann für das Produkt, wenn die Menge und/oder die Qualität der Inhalte ausreichend groß ist, dass es mir den Kaufpreis wert ist. So gut wie niemals interessieren einen 100% der somit gekauften Inhalte. Also zahlt(e) man für einen selbst uninteressante Artikel, Werbestrecken etc. mit. Ging in der Print-Ära nunmal nicht anders.

      Tja, und genau das ist – Online sei Dank! – nicht mehr notwendig! Ob und wie sichere und nutzerfreundliche Micropayment-Systeme kommen werden. Sie werden kommen.

      Insofern ist diese Entwicklung der Zuverfügungstellung (und des Verkaufs!) von journalistischen Inhalten eine völlig natürliche Entwicklung. Mit allen Vorteilen für …. König Kunde!

      Ich freu mich drauf und werde gerne zahlen ….

  17. Wie wäre es mal mit einer Bsp-rechnung? Bei hoeherwertigen Angeboten wie tageszeitungen sicherlich nicht ungewöhnlivh. TKP 1EUR im Schnitt auf sagen wir 5 Werbeflaechen macht z.B. 5 EUR für 1000 Artikelaufrufe.

    Wenn jeder einen Cent zahlen würde hätten man eine Einnahme von 10eur. Ich denke es würden aber nur vielleicht 5% bereit sein eineZahlung vorzunehmen. Damit hätte man nur eine Einnahme von 50 Cent. Wenn der Artikel zehn Cent kostet hätte man die Einnahme lediglich kompensiert. Ich denke 20-30cent möchte man ungern mehrfach am Tag ausgeben für einen Artikel wenn Print einer gesantausgabe nur 1 EUR z.B. Kostet.

    Micropayment wird anders als bei Filmen oder Musik in diesem Bereich deutlich schwerer umzusetzen sein. Man kann sich ja die BildApps mal in den Downloads anschauen, das ist nicht einfach. Das HA müsste man mal genauer analysieren.

  18. Servus Richard,

    vielen Dank für den Beitrag – er bringt vieles auf den Punkt. Besonders löblich finde ich es, auch Lösungswege aufzuzeigen.

    Doch ein Punkt mit dem Micro-Payment mag zwar vom Ansatz richtig sein, alleine ein Blick in den Markt zeigt, dass bisher keine der etablierten Lösungen abgehoben haben. Keine! Darüber müsste viel mehr diskutiert werden und Gründe des Versagens herausgearbeitet werden.

    Es ist ja nicht so, dass es an innovativen Konzepten mangelt, Flatter sei hier mal genannt, doch die Akzeptanz ist – seien wir mal ehrlich – letztlich unter aller Kanone und weit davon entfernt massentauglich zu sein oder gar zu werden. Außer jeder Menge Hippster und Nerds kenne ich keinen “normalen” Menschen, dem Flattr auch nur ansatzweise etwas sagt.

    Was hätten wir noch? Abzockservices (für den Anbieter) wie Clickandbuy, den Mist was Mobilfunkanbieter anpreisen oder PayPal? Selbst letzterer haben sich bis heute nicht im Markt durchgesetzt – obwohl vielen bekannt und vertraut und obendrein gar eine Micro-Payment-Lösung anbietend.

    Von guten, durchdachten, bequemen und akzeptieren Micro-Paymant-Lösungen sind wir weit, weit entfernt.

    Das ist für mich einer wesentlichen Gründe, warum es bei dem Thema nicht weitergeht und Anbieter von Inhalten kaum Chancen haben Geld einzunehmen – vom Paradebeispiel Apple (und Stiftung Warentest im Übrigen!) mal abgesehen.

  19. Meine Thesen:
    1. Journalisten werden in Zukunft dort arbeiten wo das Gold ist
    2. Lesen verdirbt die Augen
    3. Informationswiederholung nervt
    Denkt mal darüber nach!

  20. Den Musikfirmen mußte Apple ein Online-Verkaufs-Modell fast aufzwingen. Mit dem iPod hatte Apple die Möglichkeit dazu. Die Veränderungen zum bestehenden Angebot waren eher gering. Statt Alben können nun meistens auch einzelne Lieder gekauft werden.
    Vielleicht muß es bei den Verlagen auch so sein. Inzwischen gibt es mit Google und möglicherweise auch Amazon Alternativen zu Apple. iPad, Nexus und Kindle sind die Endgeräte für Texte und Bilder.
    Wie können die Verlage zur Kooperation bewegt werden?
    Welche Änderungen am Angebot sind erforderlich? Analog zur Musik wäre dies der Verkauf von einzelnen Artikeln statt ganzen Zeitungen.

  21. Grundsätzlich ja, in allen Punkten. Allerdings fehlt mir da generell ein wichtiger Aspekt und das ist Qualität. Wer viel im Internet liest, dürfte fest stellen, dass ein großer Teil der veröffentlichten Texte nur die 32. Abschrift einer dpa Meldung sind, bestenfalls noch mit einem bereits vorhandenem Symbolfoto aufgehübscht oder mit dem Verweis auf einen alten Artikel. Für so was brauche ich keine Zeitung – weder online, noch offline. Dieser Mangel an Qualität offenbart sich, wenn man innerhalb von Sekunden verschiedene Artikel vergleichen kann.

    Neben der eigenen Kritikfähigkeit fehlt es generell an Kritik auch an den Nachrichteninhalten. Es ist daher auch kein Zufall, dass alternative Medien (linke, rechte, liberale, esoterische, was auch immer) auf dem Vormarsch sind, weil in den Mainstream Medien keine Diskussion und keine Diversität mehr statt findet. Die Verlage von heute sind in meinen Augen zu Sprachrohren Ihrer Geldgeber verkommen, die immer öfter ungeliebte Themen erst dann aufgreifen (müssen), wenn sie durch das Internet nicht mehr zu leugnen sind. Ich schaue auch keine Talkshows mehr, weil seit 10 Jahren eh immer die gleichen Leute mit den gleichen Thesen da sitzen.

    Die lesenswertesten Beiträge sind Gastartikel, von denen es immer noch zu wenig gibt – nicht weil sie journalistisch besonders wertvoll sind, sondern weil sie eine andere Seite zeigen. Aber nicht nur der Inhalt lässt zu wünschen übrig, sondern auch die Form. Welche Zeitung bereitet denn wirklich regelmässig Daten für das Internet auf und stellt nicht einfach nur die Texte online? Es gibt Blogs, die täglich Statistiken erstellen und klickbar aufbereiten. Warum kann das eine Zeitung nicht? Warum lese ich jeden Monat, dass es 3 Mio. Arbeitslose gibt, aber warum muss ich auf ein Blog zurück greifen, dass mir die Zahlen so aufbereitet, dass ich mich nicht selbst durch den BA Bericht lesen muss?

    • Ich kenne die Methoden und Abhängigkeiten von uns Journalisten inzwischen recht gut. Ich kann jeden Deiner Kritikpunkte unterschreiben. Da ist (leider) viel Wahres dran.

      • Also täuscht mich meine Wahrnehmung nicht. Zumal es noch das Gerücht bei Twitter und Co. gibt, dass Agenturen ebenfalls einfach nur abschreiben statt zu recherchieren. Würde das dann nicht die Misere erklären, in der sich DAPD, FR und FTD befinden? Ich hab da mal etwas ketzerisch darüber gerantet. Sorry für die guten Journalisten, die es zweifelsohne gibt.

        https://j.mp/Tepl6f

    • Durch das analoge Medien sterben wird die Qualität der Information und deren Verteilung – anonymen Zugänglichkeit stark eingeschränkt. In Zukunft werden nur noch ein paar wenige Quellen unser Informationsbedürfnis mit den gleichgeschalteten Inhalten füttern die für uns Fussfolk vorgesehen sind, die wir dann auch noch per Micro-Payment bezahlen dürfen/sollen? Macht euch nichts vor! Das Ziel ist es die Meinungsfreiheit und die Bildung der selben einzuschränken und zu steuern. Das geht nirgends besser,einfacher und kontrollierbarer als Online. Es trifft nach den Setzern/Lithografen und Druckern schlussendlich auch die journalistische Brain-Power. Egal wer dann wie und wann und wie viel zahlt.

  22. Bei all den guten Ansätzen und Ideen, die den Verlagshäusern und Herausgebern sicher schlaflose Nächte bereiten würden, wenn sie sich dessen nur bewußt wären, fehlt mir noch ein Gedanke. Es geht immer noch um den Inhalt und der besteht bei allen Angeboten zu einem sehr hohen Anteil aus Agenturmeldungen und Copy-Paste Journalismus – und der ist in gleicher Form ‘just one click away”.

    Dass es für die “brick and mortar” Mentalität zu einem Umdenken kommen muss, liegt leider nur an der Zeit bis das Leid groß genug ist und allen endlich klar wird, dass das klassische Tageszeitungs-Papier Modell ein Problem hat, nicht das Modell einer “Den ganzen Tag Zeitung” – im Sinne von News, Inhalten und Services Rund um die Uhr – an sich. Aber der Zement ist halt auch in den Köpfen und das dauert, bis er zu bröckeln beginnt.

    Noch ein Zusatz: “Content is King, Context is Kingdom and the User is King Kong.”

  23. Zwei Dinge stehen Micropayment im Weg: Das eine ist praktischer Natur. Zeitungsartikel ließen sich nur für sehr niedrige zweistellige Cent-Beträge oder weniger als Einzelprodukte verkaufen. Du sagst ja selbst: 80 Cent für einen Fokus-Text? Nein, danke. Da reden wir also eher schon von Nano-Payment und dafür gibt es noch keinen vernünftigen Anbieter. Bei Paypal, Click&Buy und wie sie alle heißen, fressen die Provisionen dann die Verkäufe auf. Es rechnet sich schlicht nicht. Die Lösung kann also derzeit nur ein ganz neues und/oder eigenes System sein. Wenigstens ein großes Verlagshaus in Deutschland hat sowas für die eigenen Produkte zumindest mal im Geheimlabor, soweit ich weiß. Das die dt. Verlage sich hier für eine große Lösung zusammentun, halte ich nicht für ausgeschlossen, aber für extrem unwahrscheinlich. Würde wahrscheinlich auch Jahre in der Entwicklung dauern, in Internetmaßstäben also Jahrzehnte, sprich: Viel zu lang. Der Zug ist wohl abgefahren. Bleibt also nur das Warten auf Applegoogle.
    Die andere Hürde ist eher psychologischer Natur: Zeitungsmenschen sind immer noch gewohnt, in Abos zu denken. “Langfristige Kundenbindungen” sagen sie, sind besser, als Einzel- und Spontankäufer. Was sie nicht sehen: Das muss kein Widerspruch sein. Auch ohne Abo kann jemand treuer Leser sein. Überhaupt immer dieses große Ganze: Auch die Vorstellung, dass jemand einen einzigen Autor toll findet und von der SZ eigentlich nur Axel Hacke und sonst nix lesen will, scheint völlig fremd zu sein. Wenn wir mal soweit sind, dass ich mir Autoren-, Ressort- und Themen-Pakete schnüren kann, dann haben wir es geschafft.

    • Nur weil es HEUTE noch kein brauchbares Micropayment-System gibt, heisst es nicht, dass es sowas niemals in der Zukunft geben könnte. Es gibt heute schon Realtime-Bidding für Online-Werbung im Cent-Bereich, sämtliche Telco-Firmen schaffen Sekunden- und Zehntel-Cent-genaue Abrechnungen von Telefongebühren. Meinst Du im Ernst, wenn Springer, Bertelsmann und Co sich zusammentäten, wäre das nicht machbar und nicht profitabel?

      • Wenn, dann ja. Ich glaube auch schon, dass es möglich ist. Siehe auch das Beispiel Piano Media in Osteuropa mit ihrem Flatrate-Modell für verschiedene Medien unter einem Dach. Könnte ich mir auch vorstellen, dass die bald zu uns kommen. Ich würde auch annehmen, bzw. für die von dir genannten hoffen, dass sie schon entsprechende Systeme am Entwickeln sind, nur vielleicht nicht gemeinsam. Die Zeit drängt halt: Hier liegt ein riesiger Markt ausgebreitet und fertig zum Ausbeuten vor den Medienhäusern. Sie müsse halt aufpassen, dass nicht plötzlich jemand einfach seinen Stand dort aufbaut und ihnen schon wieder nix vom Kuchen bleibt.

  24. Same procedure as every year … Genau diese Diskussion wird in schöner Regelmäßigkeit mit exakt denselben Argumenten und Vorschlägen doch schon seit Jahren geführt. Einziger, möglicherweise entscheidender Unterschied: Inzwischen hat es mit der FR tatsächlich die erste renommierte Tageszeitung erwischt. Es macht also spätestens jetzt wirklich keinen Sinn mehr, sich was vorzumachen.

    So einfach, wie es da oben anklingt, ist es aber nicht. Das kritisierte „Out-of-the-box-Denken“ ergibt sich ja aus dem Produkt selbst. Denn eine (Tages-) Zeitung, ob gedruckt oder digital, ist per Definition nun mal eine solche „Box“, ein Paket aus vielen Themen und Beiträgen unterschiedlichster Art. Und wer eine solche Zeitung kauft, der kauft ganz bewusst auch die für ihn weniger interessanten Ressorts mit und überfliegt sie zumindest (einschließlich der Werbeanzeigen). Je umfangreicher und vielfältiger, desto besser.

    Online funktioniert das aber nicht mehr. Du sagst es ja selbst: „Wieso muss ich die gesamte Ausgabe kaufen, wenn mich doch höchstens 2-3 Artikel interessieren?“ Eben. Wir haben jetzt die Möglichkeit, vorab zu selektieren und machen auch Gebrauch davon. Das bedeutet aber zwangsläufig, dass die Zeitung als Produkt an Bedeutung verliert und statt dessen die Artikel zu Produkten werden. Und Produkte, die sich nicht verkaufen, werden vom Markt genommen, da haben die vermeintlichen „Miesmacher“ völlig recht.

    Auch der Vergleich mit der Musikbranche hinkt. Deren Produkte sind von Hause aus viel spezifischer und funktionieren ganz anders. Da weiß ich vorher, was ich für mein Geld bekomme. Einen Song kaufe ich, um ihn oft zu hören. Einen Zeitungsartikel lese ich selten zweimal.

    Lösung? Habe ich auch nicht. Ich fürchte, es gibt gar keine. Man wird sich wohl nicht nur von Vertriebsmodellen für Zeitungen verabschieden müssen, sondern konsequenterweise von der Zeitung selbst, zumindest von der Tageszeitung als Sammelsurium von Meldungen, Berichten und Reportagen aus aller Welt, einschließlich des eigenen Stadtviertels.

    Ein funktionierendes Micro-Payment-System wird kommen, den Niedergang der Zeitung jedoch nicht aufhalten, sondern eher beschleunigen. Und vermutlich ist genau das der Grund, warum es noch keines gibt.

    • PS: Auch das Statement von Wolfgang Blau auf Facebook erscheint mir eher als Pfeifen im Walde. Ich fürchte, das viele Tageszeitungen eben keine Zukunft haben. Auch dann nicht, „wenn sie das Netz nicht als ihren Feind empfinden.“

      „Das Netz“ IST der natürliche Feind der Tageszeitung.

      • Seien Sie mir nicht böse, aber “das Netz” ist nicht der natürliche Feind der Tageszeitung – das wäre zu allgemein, zu wenig spezifisch bei diesem Problem.

        Das Konzept der Tageszeitung könnte weiterhin existieren, wenn es die Verleger und Herausgeber schaffen würden, die Rahmenbedingungen für eine nächste Stufe zu schaffen. Die digitalen Medien sind der natürliche Feind der analogen Medien – Bildschirm, Tablet, Smartphone, etc. ist der Feind vom Papier, wenn sie so wollen. Vom passiven Medium Tageszeitungspapier zum interaktiven Medium “Touchscreen” und dort kommen dann erst die Inhalte ins Spiel – selektiert, recherchiert, redigiert, ausgewählt, präsentiert, verfeinert und fertig zum Genuß. Medium und Inhalt müssen dort dann anders zusammenspielen, damit sie eine Zukunft haben als Tageszeitung.

        • Sorry, habe Ihren Kommentar erst eben gesehen.

          Klar, vordergründig, da haben Sie recht, sieht es so aus, als ginge es nur um das Trägermedium. Hier das gemütliche Papier, dort das schnelle, erbarmungslose Internet. Nur, was folgert daraus? Dass man das Konzept der Tageszeitung einfach nur ins Internet übertragen müsste, was die dummen Verleger aus reinem Starrsinn bisher halt versäumt haben?

          Wohl kaum. Und Sie sagen ja auch selbst „Medium und Inhalt müssen dort dann anders zusammenspielen, damit sie eine Zukunft haben“. Bis dahin völlig richtig. Leider steht bei Ihnen noch „als Tageszeitung“ dahinter. Aber wenn Medium und Inhalt „anders zusammenspielen“ – ich ergänze: völlig anders! -, dann ist es eben keine Tageszeitung mehr.

          Und dabei geht es nicht um Wortklauberei. Denn mit der Form werden sich zwangsläufig auch Abläufe, Strukturen und letztlich die Geschäftsmodelle ändern. Die redaktionellen Einheiten werden kleiner, schneller und spezialisierter sein.

          Insofern bleibe ich dabei, dass das Internet der „natürliche“, oder besser gesagt, der Todfeind der Tageszeitung ist. Natürlich können Sie das, was irgendwann an ihre Stelle treten wird, dann auch gerne „Zeitung“ nennen. Aber es wird etwas völlig anderes sein als das, was wir heute darunter verstehen.

    • Danke für den Diskussionsbeitrag. Viel wahres dran, finde ich. Allerdings habe ich nicht den Eindruck erwecken wollen, dass Micropayment die Lösung für alles ist und eine Zeitung komplett refinanziert. Nur ein Beispiel, wie man dem Leser durch Angebote entgegenkommt, statt ihn zu beschimpfen.

      • Ich hatte es auch nicht so verstanden, dass du Micro-Payment als einzige Lösung für alle Probleme betrachtest. Wohl aber als Teil der Lösung. Ich bin jedoch vom Gegenteil überzeugt und glaube, dass die Möglichkeit der Honorierung einzelner Artikel die Relevanz des Produktes Zeitung weiter mindert. Und ich gehe davon aus, dass den Verlegern das auch längst klar ist. Was das „Beschimpfen“ und die Untätigkeit nicht legitimiert, aber zumindest logisch und menschlich nachvollziehbar macht.

        Wir sollten uns an den Gedanken gewöhnen, dass von den vielen klugen Köpfen in den letzten zehn Jahren deshalb keine Lösung gefunden wurde, weil es tatsächlich keine gibt.

          • Ich nenne es „realistisch“. ;-) Fatalistisch wäre es, wenn ich das Ende des Journalismus proklamieren würde. Hier geht es aber ganz speziell um die Tageszeitung als redaktionellen Gemischtwarenladen. Unabhängig von persönlichen Präferenzen glaube ich wirklich, dass viel zu viel Energie für Überlegungen vergeudet wird, wie man sie ins Online-Zeitalter retten kann. Zumal es seit zehn Jahren keine neuen Ideen dazu gibt. Für mich sind das alles nur lebensverlängernde Maßnahmen, die tatsächliche Innovationen im Journalismus blockieren. DAS ist das eigentlich fatale.

          • Die Blockade von neuen journalistischen Formen erlebe ich in meinem Umfeld auch mit am häufigsten. Kreativlinge und Ideen wären in den Häusern da, sie werden nur nicht gehört.

  25. Das Problem mit dem einen Artikel, der interessiert, ist dass die Möglichkeit, nur den vermeintlich interessanten Artikel zu kaufen, sicher und sehr schnell zu einer schlechten Optimierung führen wird.
    Wen schon die reisserischen Überschriften in ehemals als seriös verklärten Magazinen nerven, der wird sich einer kompletten Boulevardisierung des Gesamtbetriebs gegenübersehen, denn im Gegensatz zu passiven Quersubvention dadurch, dass man die ganze Zeitung kauft, werden die Verlage zur aktiven erst in der Lage sein, wenn es mal wieder schon zu spät ist.
    Allerdings habe ich meine letzte Zeitung 1998 gelesen und das letzte Periodikum irgendwo um 2005 erworben.

  26. Wie wahr Deine Gedanken zum Zeitungssterben sind!

    Ich habe viele Jahre freiberuflich für einen regionalen Zeitungsverlag gearbeitet – und aus meiner Sicht für einen Hungerlohn. Um auf ein erkleckliches Einkommen zu kommen, musste ich nachts, spätabends, am Wochenende und manchmal auch rund um die Uhr arbeiten. Der Druck war enorm, auch weil genügend “Mitbewerber” unterwegs waren, um für weniger Geld die gleiche Arbeit zu leisten. Die Redakteure hingegen haben sich immer mehr von den Lesern entfernt. Und die Verleger selbst? Die haben gejammert über zu hohe Etats für die Freien, zu wenig Einnahmen durch Werbung, nie aber über fehlende Qualität und fehlende Beziehung zum Leser. Ich habe es arrogant empfunden.

    Als Leserin, die ich noch viel mehr Jahre bin, habe ich auch oft das Gefühl gehabt, nicht ernst genommen zu werden. Ich darf gerne die Zeitung kaufen, noch lieber abonnieren, aber bitte keine Kritik am Inhalt, an den Rechtschreibfehlern oder gar den Themen üben. Dass eine Zeitung vielleicht nicht einmal mehr meinen Wissensdurst befriedigt, weil ich in jeder Zeitung die gleichen (Mainstream-)Themen finde, dass sie es mir einfach nicht mehr wert sein könne, sie zu kaufen, weil ich mich beispielsweise nicht für Sport interessiere und die Sportlastigkeit nicht bezahlen will, ist den Verlegern sicher noch nicht in den Sinn gekommen.

    Meine Flucht ging in Richtung Online-Medien. Wobei ich zugegebenermaßen dort auch auf die mir wohl bekannten “Marken” wie Spiegel, Zeit, Süddeutsche etc. häufig zurückgreife. Aber auch unsere regionale Tageszeitung lese ich online. Unser Unternehmen hat die Tageszeitungsausgabe sogar im Online-Abo abonniert. Aber wir Online-Leser sind tatsächlich Leser dritter Klasse! Alleine schon die vielen Klicks täglich, bis ich die Online-Ausgabe “sehen” kann, ist zeitaufwändiger als zum Briefkasten zu gehen. Dann erst kann ich sie mir per PDF herunterladen. Allerdings nicht (mehr) mit jedem Browser, weil die Programmierer dauernd etwas ändern. So muss ich also die Zeitungsseite mit einem bestimmten Browser öffnen, um mir die PDF-Ausgabe ausdrucken zu können. Dass die Fotos in dieser PDF qualitativ unter aller Sau sind, ist sicher der Speicherintensität geschuldet. Spaß beim Lesen ist aber etwas anderes!

    Privat würde ich mir eine solche Zeitungsausgabe sicher nicht antun. Beruflich muss ich sie aber haben.

  27. Hallöchen!

    Guter Artikel, nur wie sollte das mit dem Micro-Payment umsetzbar werden? Es dürfte jedem vernünftig denkendem Menschen klar sein, daß die Verlage auch hier nur Unfug bauen würden.

    Nehmen wir mal den Springer-Verlag und seine BILD, die kostet je nach Standort bis zu 0,70 €. Wie viel könnte dann ein einziger Artikel wert sein?? Wie viele Artikel und Artikelchen hat die BILD täglich im Angebot? 60 oder noch mehr? Dann dürfte ein einzelner Artikel unter Umständen nicht mal mehr einen Cent kosten, sonst kann ich gleich zum Kiosk gehen und mir die Printausgabe kaufen!

    Oder nehmen wir mal die Augsburger Allgemeine, die kostet 1,40 € und hat wohl zum Teil über 200 Artikel. Wie soll das also funktionieren?

    Was könnten die Verlage also für einen einzigen Artikel verlangen? Höchstens 1 Cent, alles andere wäre Wucher!

    Ein privater Blogger wie ich hätte dann auch das Problem, daß sich das Blog nicht mehr lohnt. Ich müßte dann meine ohnehin wenigen Artikel kostenpflichtig machen, mit Werbung zu pflastern oder das Blog gleich schließen, wenn ich für einen meiner Artikel je nach Thema eventuell ein paar €uro hinblättern darf!

    Bloggende Grüße nun aus TmoWizard’s Castle zu Augsburg

    Mike, TmoWizard

    • Timo, ich würde sicher nicht für jeden Agentur-Copy-&-Paste-Artikel 20 Cent zahlen. Aber nochmal: Sie das in Relation zu SMS oder anderem Schrott, den wir bereitwillig zahlen. Ich kann mich nur wiederholen: Ich habe mir schon oft gewünscht, ich könnte einem Reporter, Leitartikler oder Rechercheteam für ihre Leistung direkt “belohnen”. Man kann das nicht nur monetär betrachten, sondern auch als Form von Feedback und Kommunikation zwischen Leser und Chefredakteur: Uns gefällt dieser oder jener Autor / Thema / Schwerpunkt. Bessere Marktforschung gibt es nicht. Und nochmal: Man kann (und muss) sich ja auch mal gegen den Trend entscheiden und nicht jeder medialen Sau hinterherlaufen.

  28. Dieser Tage berichtete der Sport-”Reporter” Uwe M. in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung über einen spektakulären Fallrückzieher. Das ist natürlich ein Thema das viele Leser interessiert, denn Fußball ist ja noch wie vor die schönste Nebensache der Welt. Herr M. aber scheint sich den Wunsch etwas zu schreiben das auch jemand liest etwas zu sehr zu Herzen genommen zu haben, denn er berichtete über ein solches fußballtechnisches Highlight aufgrund von Recherchen die er auf YouTube (!!!!!) machte und saß – ernsthaft – dabei einer Aufzeichnung eines Konsolenspiels auf ohne es (zunächst) zu bemerken (Quelle: Yahoo Sport). Warum sollte ich wohl Geld ausgeben um mir auf YT beschaffte Nachrichten auch noch von der FAZ verkaufen zu lassen?
    Obschon ich dem Artikel hier im Großen und Ganzen sehr wohl zustimme liegt das Problem, wie ich meine, nicht alleine (sehr wohl aber auch) in überholten Geschäftsmodellen sondern auch in einer stetig bescheidener werdenden Qualität journalistischer Recherchen. Es ist eben nicht nur eine Frage ob meinem Chefredakteur und meinem Verleger gefällt was ich schreibe, es kommt auch darauf an wie nahe es an der Wirklichkeit liegt. Nebenbei angemerkt: das gilt nicht nur für die FAZ. Mit Ruhm bekleckern sich diesbezüglich auch andere Blätter nicht. Das ist mit ein Grund für das Zeitungssterben.
    Mein Vorschlag wäre eine Rückkehr zu einem ernsthaften investigativen Journalismus statt den zunehmend frustrierten Lesern für pure Meinungsmache die immer schwerer verdienten €uros aus der Tasche zu ziehen.
    P.S.: Liebe Frankfurter Rundschau! Eure Leserschelte kennt Vergleichbares auf YouTube. Dort nennt man es Abonnentenschelte und was soll ich sagen? Diese kommt gar nicht gut an…

    • Ganz Ihrer Meinung, was die Qualität betrifft. Ich möchte nur nicht alles über einen Kamm scheren. Schon gar nicht möchte ich in den “Früher-War-Alles-Besser”-Kanon einstimmen. Da verklärt man glaube ich so einiges. Wenn ich mir heute TV-Sendungen von vor 10 Jahren ansehe, oder die Seite 3 der SZ lese, wird mir heute erst klar, wie auch sog. “Edelfedern” seinerzeit nur mit Wasser gekocht haben. Damals wären solche “Rechercheleistungen” wie das FAZ-Eigentor gar nicht aufgeflogen (bzw. unter den Teppich gekehrt worden).

  29. Wenn sich in den Zeitungen nur noch die gleiche dpa-Welt widerspiegelt, dann greift man doch eher lieber zu Internet, um nicht auf den belehrende Mainstream angewiesen zu sein. Nicht umsonst werden doch im großen Umfang die Leserbriefseiten gelesen, weil hier noch manchmal Meinungsvielfalt durchschlägt (obwohl auch dabei schon immer mehr auf politisch korrekte Texte geachtet wird). Die Tageszeitung ist schlichtweg langweilig geworden.

    http://rundertischdgf.wordpress.com/2012/11/13/im-sog-der-masse-heute-mainstream-genannt/

  30. Ich danke Ihnen für den guten Beitrag. Apropos Micro-Payment, hier ist ein Cent von mir dazu: Ich habe für einige Jahre die deutschen Verlage mit Waren und Dienstleistungen versorgt. Dabei habe ich Regionalverlage erlebt, in denen für nur wenige Mitarbeiter die E-Mail-Kommunikation zugelassen wurde. Ich habe Verlage erlebt, die eine einzige statische Webseite als Website hatten und ich habe eine erschreckend hohe Anzahl an Verlagen erlebt, die zu mir sagten: “kommen Sie mit Ihrer neuen und innovativen Idee wieder, wenn andere Verlage es bereits vorgetestet haben”!

    Alleinstellungsmerkmal, Strategie und Positionierung (und als Folge die dafür benötigten Produkte und Dienstleistungen) sind aus meiner Überzeugung primär eine Frage der inneren Haltung und des Vorlebens *von ganz oben nach ganz unten*. Firmen mit der von mir beschriebenen obigen Haltung können die fehlende Lücke nicht durch Marketing-Ausgaben o. ä. ausgleichen. Denn das Ergebnis ist von Experten entworfene Texte, Auftritte und Produkte, die mit der Realität der Firmen nichts gemeinsam haben.

    Dies vorausgeschickt, es gibt m. E. nur eine nachhaltige Vorgehensweise: Die Geschäftsführung einer jeden Firma *höchst persönlich* müsste sich in Themen der “neuen Welt” einarbeiten und beispielsweise Apps downloaden oder in Sozial-Media aktiv werden. Nur so wird sie in der Lage sein, ein Gefühl für die Bedürfnisse der Kunden und die künftigen Trends zu entwickeln und eine entsprechende strategische Antwort darauf zu finden.

  31. Ich finde den Artikel recht oberflächlich. Micro-Payment als Heilsbringer mit ein paar Beispielen untermauert ist mir persönlich auch als Schlussfolgerung eines derart komplexen Themas zu banal. Sorry!

    Bei Blau steht:
    “Ihre Leser werden nicht nur von kostenlosen Angeboten ins Netz gelockt, sondern weil sie dort relevantere, spezialisiertere, originellere und damit subjektiv bessere Inhalte finden als in vielen Tageszeitungen. ”

    Genau hier hätte ich gern den Hebel angesetzt gehabt. Durch das Internet haben wir bei vielen Menschen eine sehr grosse Verschiebung vom Konsumenten zum Produzenten. Desweiteren publizieren fast alle Firmen, Organe, Politiker, usw. auf vielen Kanälen unmittelbar und aus erster Hand. Der Wettbewerb um die Konsumenten von Informationen ist gigantisch. Journalismus hiess doch früher Informationen zu erhalten, zu recherchieren, aufzubereiten und zu vermitteln. Heute kann nahezu jeder die Informationen erhalten und recherchieren. Dieser ehemals grosse Vorteil von Redaktionen, vielleicht neben der Lizenz die Grundlage des Geschäftsmodells, ist nicht mehr da. Und in der Internet-Recherche sind viele User den Journalisten zum Teil deutlich überlegen. Auch weil sie besser vernetzt sind. Oder sie sind sogar Augenzeugen. Bleibt eigentlich nur noch das Aufbereiten und Vermitteln, in der kostenpflichtige Publikationen punkten können.

    Das grosse Fass wird zum Thema Vermitteln aufgemacht in der Diskussion, ob Online, Print oder z.B. auch Videotext. Sind alle Informationen gleich aufbereitet, gibt es doch keinen ersichtlichen Grund, für etwas zu bezahlen und als Print zu erhalten, was ich “an jeder Ecke” kostenlos erhalten kann. So ja auch hier die Mehrzahl der Meinungen. Selbst die Schranke “registrieren” ist schon hoch, da mit Google die Information sofort woanders ohne Registrierung verfügbar ist.

    Beim Thema Aufbereiten mag es Journalisten geben, die durch ihre Schreibe einen gewissen Popstar-Kult erreicht haben und bei denen User, oder eher Fans, bereit sind, etwas zu bezahlen. Hier bezahlen sie allerdings eher den Mehrwert als die Information selbst. In diesem Bereich mag auch der Vergleich zur Musikindustrie nicht hinken, denn es wird eine in irgendeiner Form kreative Leistung gegen Geld angeboten. Da allerdings Songs, Filme & Apps zu einem Mehrfachkonsum taugen, macht es für viele User Sinn, sie zu “besitzen” und damit auch sie zu bezahlen. Ob sich dieses Modell auch auf Einmalinhalte transferieren lässt, muss ich schon anzweifeln.
    Bleibt also die Frage, wieviele Menschen einen Lieblingsjournalisten haben und für ihren/seinen Artikel dann auch Geld bezahlen würden. ME ein verschwindend geringer Anteil von Usern. Und selbst unterstellt, dass er hoch wäre, hiesse es dann auch im Micropayment, dass sich einige wenige Rosinen herausgepickt würden. Welche Art Geschäftsmodell soll sich im Zusammenhang mit Tageszeitungen ergeben?

    Jetzt sagt Blau, dass die Informationen im Netz oft auch noch besser aufbereitet sind. Origineller. Oder wie ein User hier bestätigt, liefern manche kostenlosen Blogs mehr Hintergrundfakten als die etablierten, kostenpflichtigen Medien. Hier liegt doch der Kern des Problems. Die kostenlosen Inhalte sind oft auch noch besser. als Verlag befinde ich mich also in einer Situation, dass ich ein Produkt verkaufen möchte, dass ein anderer in besserer Ausführung verschenkt. In dieser Situation möchte ich anzweifeln, dass auch einfachstes Bezahlen dazu führt, dass mein Produkt gekauft wird.

    Gibt es hierfür überhaupt eine Lösung? Nun, wohl nur äusserst radikale, die direkt die Kostenlos-Kultur angreifen. Als erstes müsste ich wohl alle Hebel in Bewegung setzen, dass mein Wettbewerber seine Produkte nicht mehr kostenlos anbieten darf. Über das Urheberrecht, Wettbewerbsrecht oder das Steuerrecht zum Beispiel. Gut, meine Phantasie reicht nicht aus, um zu sehen, wie so etwas möglich wäre, aber es ist ein Ansatz. Mal ein paar ganz blödes Beispiele: Über Fussball darf nur noch veröffentlichen, wer eine Lizenz erworben hat. Es gibt eine Publikationssteuer oder -grundgebühr. Kostenlose Veröffentlichungen werden verboten, da unterstellt wird, dass der Veröffentlicher damit eines Tages etwas verdienen will usw.
    Alles sehr utopisch – zugegeben. Der Feind ist wohl nicht zu bekämpfen.

    Bleibt noch die Möglichkeit, eine deutlich bessere Qualität als der kostenlose Wettbewerb zu liefern. Ob das in der Tagesberichterstattung überhaupt möglich ist? Die Grundversorgung geschieht über die öffentlich-rechtlichen und der eine Blogger ist schneller, der andere gründlicher und der dritte hat Insiderinfos. Es müsste ein enormer Aufwand betrieben werden und ob sich der dann wieder rechnet?

    Bezahlschranken werden den Patienten noch ein paar Jahre am Leben erhalten, weil es für viele Menschen einfach erlernt und bequem ist, die Infos gebündelt aus einem Portal zu erhalten. Es ist ein wenig wie Kölnisch Wasser – das Produkt stirbt mit der Zielgruppe aus.

    ME ist der Weg, über gute und kostenlose, aufwendig recherchierte Artikel die Leser an sich zu binden, so dass sie auch die 08/15 Infos von mir beziehen und das Ganze über Werbung gegen zu finanzieren. Ziehen sich die werbungtreibenden Unternehmen auch zurück und versuchen ihr Heil in der 1:1 Kommunikation, brechen alle Türme zusammen und man wird sehen, was danach kommt.

  32. Allen Unkenrufen zum Trotz: Es wird immer Zeitung geben. Wie es auch immer Bücher geben wird. Da hat wirklich noch kein Medium ein anderes ausgelöscht. Nur werden es halt deutlich niedrigere Auflagen sein. Ja, es gibt zum Beispiel auch heute noch Fax. Und trotz Internet auch das altehrwürdige Telefon. Und obwohl die Menschen schon zum Mond geflogen sind oder mal fix in die Stratosphäre abheben, um wieder runterzuspringen, fahren viele immer noch Fahrrad oder laufen sogar durch die Gegend. Vielleicht gehört der Zeitungsleser ja eines Tages zu einem elitären Kreis. Den Tod von Print daherzuschreiben ist halt aktuell nur eine von vielen Säuen, die es halt immer mal wieder durchs Dorf zu jagen gilt.

  33. Danke, super Artikel.

    Kann es sein, dass du das böse Internetz auch die Qualität der selbst gern so bezeichneten -Medien den Bach runter geht?

    Bei der SZ fällt es mir immer auf:
    - kein Gegenlesen durch egalwen (da werden Sätze nicht beendet, falsche Worte gewählt, Schreibfehler)
    - einseitige Berichterstattung, die nicht als Meinung gekennzeichnet ist bzw. keine Nennung von Quellen (oder bin ich da inzwischen zu skeptisch, dass mir “Fachleute” einfach zu wenig ist?). Ich meine “Fachleute sagen” und “ich finde” hat den gleichen Beweiswert – nämlich keinen.

    • Haha. Alte Journo-Krankheit: “Immer mehr Deutsche leiden an Kopfschmerzen…” (Quelle? …Pharma-Industrie?) oder bei uns im Fernsehen – Quelle: Internet. ;-)

  34. Exzellenter Post.
    >>Man spricht deutsch [...] Dadurch, dass journalistische Angebote bei uns an die deutsche Sprache gebunden sind, besitzen Verlage einen einzigartigen Schutzraum [...]

    Und darin, denke ich manchmal, liegt genau das Problem. Denn es bedeutet auch, dass man sich weiter ueber den deutschen “Qualitaetsjournalismus” in die Tasche luegen kann, der – meine persoenliche Sicht der Dinge – mit wenigen Ausnahmen nicht mit demjenigen in den USA (wo sich, zugegeben, nur noch wenige davon ernaehren koennen) und im UK mithalten kann.

    Nicht annaehernd.

    Beispiele, falls gewuenscht: die dankenswerter Weise von der Welt angestossene Dienstreisedebatte. Von deutschen Korrespondentinnen, die sich aktiv bei den U.S-Wahlen als ‘Raus-zur-Wahl”-Helfer einmischen, mal ganz zu schweigen…

    Also, Schutzzone abschaffen, und sich dem Vergleich stellen! (Nicht ganz ernst gemeint.)

  35. Wirklich unterhaltsamer Artikel, und eine sehr anregende Diskussion. Dafür erstmal danke. Einwenden möchte ich: Es hat Gründe, warum sich Micropayment, abgesehen von Nischen nicht etabliert hat, und schwerlich etablieren wird. Geld – auch elektronisches – kostet. Die Überweisung von einer Million ist nicht viel teurer, als die von einem Cent. Deshalb kostet der Focus Artikel 80 Cent und das ganze Heft 3,20. zum zweiten entscheiden wir nicht gerne, ob etwas das Bezahlen lohnt, wenn wir nicht wissen, was wir dafür bekommen. Auch wenn es jeweils nur um ein paar Cent geht. Wir kaufen nicht gern die Katze im Sack. Deshalb verkauft sich die SMS. Aber nicht der Artikel. Stiftung Warentest ist kein Gegenbeispiel. Denn da will ich genau den Test der elektrogrills. Die Autoradios ein paar Seiten weiter interessieren mich nicht.
    Trotzdem bin ich optimistisch. Es wird weiter redaktionelle Einheiten geben, und die werden auch in aller Regel als ganze Ausgaben, als Abo oder flatrate verkauft werden. Die Produkte funktionieren als Marken: als sz, faz, spiegel, economist… Ich weiß, dass sich das lesen lohnt, auch, wenn ich vorher nicht weiß, welche Artikel es genau sind. Und ich werde auch Artikel gelesen haben, die mich geärgert haben, und die ich einzeln nie gekauft hätte, deren Einzelkauf mich am Ende noch viel mehr geärgert hätte.
    Das aussichtsreichste Modell gegen die zeitungskrise hat der economist entwickelt: Lean back media. Zurück gelehnt mit dem tablet viel zeit mit Medien verbringen, die es einem Wert sind. Am hektischen pc (Lean forward) wird die Zeitung und die Zeitschrift online nie ein Erfolg. Der economist ist sehr erfolgreich mit der Strategie.

    • Muss widersprechen: Wie oft habe ich mir schon den SPIEGEL gekauft weil mich die Titelstory interessiert hat (und nur die!), um mich dann fürchterlich über die oberflächliche Recherche und unbelegten Mutmaßungen darin aufzuregen. Sprich: Dieses Phänomen gilt gedruckt und gebunden genau so wie für digitale Einzelabrufe. Manchmal WILL man sich ja auch an etwas reiben und zahlt dafür.

      Auch Ihren Leanback-Ansatz teile ich nur begrenzt: Der Economist funktioniert deshalb, weil er zeitlos relevant ist. Man kann ihn auch nach einem Monat noch lesen und fühlt sich gut informiert. Das kann aber kein Geschäftsmodell für sämtliche Tageszeitungen sein (Wieviele Economists würden in Deutschland parallel zueinander funktionieren?). Deshalb kann Lean Back nicht die Antwort für die gesamte Branche sein. Der Faktor Zeit spielte im Journalismus schon immer eine wichtige Rolle, angefangen von den Brieftauben von Reuters, über die Postkutschen von Thurn und Taxis, die Telegrafie bis zu den Breaking News bei CNN oder Twitter. Wenn man als News-Organisation nicht mehr den Anspruch hast, der Erste sein zu wollen, muss man das irgendwie kompensieren. Ich bin für mich zu der folgenden Conclusio gekommen: Sei der SCHNELLSTE – oder sei der BESTE. Alles dazwischen wird durch Copy & Paste-Journalismus abgedeckt und damit irrelevant.

      Zum Micropayment: Jedes Telco-Unternehmen schafft es Tag für Tag zig Millionen Telefonate rund um den Globus auf ein Zehntel-Cent genau abzurechnen. Glauben Sie ernsthaft, sowas scheitert heutzutage noch an der Technik?

    • … und manche Leser lassen sich sogar gern einmal überraschen. Von einem Artikel, neuen Gedanken, einer Idee oder was auch immer, das man vorher nicht gesucht hat, das einen aber neu anregt. Und ich stimme zu, es sind die Marken mit interessanten Inhalten, die – wenn gut gemacht und geführt – überleben können.

  36. Kompliment zu diesem Artikel. Und das sagt jemand, der in der old world publishing fast 30 Jahre gearbeitet hat. Ich denke, Sie haben viel Wahres aufgedeckt. Dennoch gibt es eben noch sehr viele Menschen, die gern haptisch, gedruckt und gewohnt ihre Lektüre haben möchten. Was aber sicher stattfinden wird, ist eine gewaltige Bereinigung im Printmarkt – warum braucht man auch noch die 1000.e bunte Frauenzeitschrift usw.? Andere Konzepte wiederum leben genau von dem haptischen Erleben auch von Papier – siehe z.B. Landlust Auflagenmillionär innerhalb von knapp sieben Jahren und das jetzt, in 2012. Also viel liegt im Konzept und da schliesst sich wieder der Kreis: Was der Kunde will und braucht (übrigens auch keine Servicewüste D!), ist entscheidend für den Erfolg. Und ja, danke für den köstlichen Shopping Spot!

  37. der Vergleich mit der betrogenen Geliebten ist lustig und nicht ganz falsch.

    Was nicht trifft oder sogar falsch ist, ist folgendes:

    1. Der Vergleich Texte-Herunterladen zu Musik-Herunterladen: Wenn ich einen bestimmten Song von einer bestimmten Gruppe haben möchte, nehme ich nicht stattdessen einfach einen anderen Song, nur weil ich ihn bezahlen muss.
    Aber wenn ein Portal (und sogar ein nicht primär journalistisches wie etwa gmx.net) mir “Nachrichten” bietet, aus denen ich zumindest erfahre, wer die US-Wahlen erfahren hat, gehe ich eben nicht mehr auf ein journalistisches Portal, in dem die gleiche Meldung steht (“nur” weil die dort vielleicht besser geschreiben, und mit Analysen, Kommentaren und Hintergrund-Stories versehen wird)

    2. Die Behauptung, Zeitungen beschimpften ihre Online-Kunden.
    Andersherum wird ein Schuh draus. Viele Online-Nutzer, die eben nicht die “Kunden” der Zeitungen sind, weil sie noch nie einen Cent bezahlt haben, nehmen sich trotzdem das Recht heraus, diese zu beschimpfen und Ihnen zu sagen, wie Sie ihre Seiten besser gestalten könnten. Interessanterweise pflegen Zeitungs-Abonnenten, die Leserbrief schreiben in der Regel meist einen Umgangston, der die Grundregeln menschlichen Sozialverhaltens berücksichtigt.

    3. Die Behauptung, es gebe keine Einzelartikel zu kaufen. Dies ist z.B. bei den Online-Auftritten des Hamburger Abendblatts und der FTD der Fall (Disclosure: Ich bin Redakteur der G+J-Wirtschaftsmedien)

  38. Nur eine Ergänzung: während zumindest in einigen Redaktionen Anfang der 2000er ein zufällig gerade nicht überschäftigter Volontär aufgefordert wurde “sich mal um diesen Internet-Kram zu kümmern” passierte in einem zentralen, existenziellen Bereich in Sachen Online noch länger gar nichts: in der Anzeigenabteilung. Unter Regiment eines ohne Zweifel in Ehren ergrauten Anzeigenchefs ignorierte man dort bis vor wenigen Jahren jegliche Entwicklung in der Paralellwelt “Internet”. Noch heute findet man bei Regionalzeitungen bevorzugt Anzeigen, auf die man verzweifelt clickt und clickt und clickt – bis man entnervt feststellt, dass es sich wirklich nur um die Originalprintanzeige und sonst gar nichts handelt. Regionale und lokale Anzeigen eingebunden in soziale Netzwerke, auch für den Kleinstladen einfach “aufzugeben” und zu “schalten”: das hätte den Regionalverlegern auch das neueste Modell der so gerne gefahrenen S-Klasse garantieren können.

  39. Habe neulich mal einen guten Artikel auf meinem Hauptblog geprüft und siehe da – knapp 40.000 Leser – mal angenommen ein Journalist würde dafür 2 Cent je Leser erhalten dann wäre es durchaus lukrativ für Verlage.
    UND 2 Cent für einen Artikel hat jeder – das bedeutet das ein sicheres und einfaches System geschaffen werden müsste mit dem Leser bezahlen könnten. Das Bezahlsystem halte ich noch für eine echte Schwierigkeit.
    Die Behauptung das der gute Journalismus dadurch stirbt teile ich sowieso nicht. Es gilt eine Balance hinzubekommen zwischen wichtigen Artikeln und monetär wertvollen Artikeln. Das ist aber eine Aufgabe der Verlage und nicht der Leser.
    Stellen Sie sich vor was wir für ein Fernsehprogramm hätten wenn es nach Qualität gehen würde ? Und nun zahlen ab 2013 viele Menschen für Beiträge die Sie nicht wollen – eine der letzten großen staatlichen Subventionen. Aber auch diese wird noch fallen – garantiert.

    Tom

  40. Lieber Herr Gutjahr, wenn die Printmedien überleben wollen, dann sollten die Sie ins Boot holen, königlich honorieren, als Berater fest an sich binden, analysieren, was bzw. welcher Ihrer Vorschläge in welchem Zeitraum umgesetzt werden kann und von einem kreativen innovativen Analysten wie Ihnen lernen. Als ich Ihren Artikel gelesen habe, kam mir der Vergleich mit der Postkutsche in den Sinn. Weiter unten haben Sie dann das Beispiel gebracht. Die Situation für Printmedien ist absolut vergleichbar. Die Problematik dabei dürfte wohl sein, dass die Verantwortlichen in den obersten Etagen das Internet wohl immer noch für einen Ort für dubiose Geschäfte hält. Mir geht es fast regelmäßig so, wenn ich bei oberen Gerichten (Oberlandesgerichten) mit 55-65 jährigen Richtern zu tun habe – teilweise ist dies aber auch bei jüngeren anzutreffen – die nicht wissen, was ein Link ist oder ein Newsletter, die die Weiterleitung einer E-Mail nicht beherrschen und die Facebook, Xing und Twitter für dubiose Organisationen halten. Wenn diese Generation in Rente geht, wird es einen gravierenden Umschwung geben. Vielleicht kann man mit einer Zwangsquote nicht nur Frauen, sondern auch jüngere Entscheidungsträger forcieren.

  41. Ja, das leidige Bezahlen: Völlig richtig, was da alles so über die Bezahlschranken geschrieben steht. Das sind im schlechtesten Sinne des Wortes Schranken. Aber vielleicht muss man das Thema auch noch mal Grundsätzlicher betrachten: unterm Strich zahlen die Leser, Klicker, Seher, User ja nun immer, die Frage ist nur, ob direkt oder indirekt – ob ich es also schaffe, die Aufmerksamkeit, die sie meinem Medium widmen, an die werbungtreibende Industrie weiterzuverkaufen; oder ob ich ihnen einen Preis aufs Etikett kleben muss. Das klingt arg theoretisch? Ganz praktisch funktioniert ja nun fast unser gesamtes Privatfernsehen über indirekte Finanzierung. Und das, obwohl – hörthört – da eine mächtige öffentlich-rechtliche Konkurrenz unterwegs ist, die jedes Jahr mit an die acht Milliarden Euro ausgestattet wird (übrigens auch per indirekter (Zwangs)Finanzierung – denn die Leute zahlen ja sogar, wenn sie gar nicht konsumieren…). Heißt: Dort, wo die öffentlich reichlich ausgestattete Konkurrenz am größten ist, verzichten die Sender darauf, ihre Kunden direkt zur Kasse zu bitten. Und sie sind ja nun trotzdem alles andere als erfolglos. [Und das, auch wenn dieser Einwand sicher reflexartig kommt, nun keinesfalls nur mit Mist.]

    Was ich meine: Vielleicht braucht es nicht nur ordentliche Bezahlschranken; wie man die implementiert, zeigen z.B. Apple und Google in ihren Stores. Sondern auch endlich mal intelligente indirekte Finanzierungsmodelle für den ganzen Content, der ja offensichtlich geeignet ist, Menschen zu Konsumenten gewisser Botschaften zu machen. Wie solche Modelle aussehen, zeigen z.B. Google und Facebook. Ich bin jedenfalls immer noch und wieder fasziniert davon, wie es Google geschafft hat, rein textbasierte Werbung so anzupreisen, dass ein Großteil der Nutzer diese nicht nur als nicht störend, sondern geradezu als Service empfindet. Die Medienhäuser, die an solchen Revolutionen in den vergangenen Jahren nicht einmal beteiligt waren, obwohl sie doch seit Jahrzehnten mit Content und Werbung handeln, diskutieren stattdessen doch tatsächlich darüber, ob sie auf Handys wohl noch ihre Anzeigenpreise werden durchsetzen können, weil der Bildschirm da ja kleiner ist. Bizarr.

  42. Neben dem Problem des einfachen Bezahlen, sehe ich das Hauptproblem für Tageszeitungen im Layout.
    Es wird versucht, das alte Format direkt auf mobile Geräte zu übernehmen.
    Ich schaue auf meinen 7 Zoll Tablet (9cm x 16cm), wie durch ein kleines Fester, auf eine Zeitungsseite von 37cm x 53cm.

    Hier zeigen Google-Books und iKiosk wie es besser geht.

  43. Ich ärgere mich auch seit Jahren über die Schlafmützigkeit der Verlage. Ein einheitliches und einfaches Abrechnungsmodell für Einzelartikel ist der richtige Ansatz. Kooperationen zwischen Verlagen sind ja nicht ausgeschlossen, wie der gemeinsame Vertrieb von Zeitungen zeigt. Beim Lobbying für das Leistungsschutzrecht scheinen sich ja auch alle einig zu sein…
    Man könnte auch einen Schritt weiter gehen und zum Beispiel unterschiedliche Preise für unterschiedliche Artikel verlangen. Oder der Preis eines Artikels steigt mit seinen Verkaufszahlen bis zu einer Höchstgrenze. Das schafft bei den Lesern den Anreiz, nach Erscheinen einen Artikel für wenige Cent zu kaufen. Ein höherer Preis wiederum signalisiert, dass der Beitrag besonders interessant ist. Dann werden andere Leser bereit sein, auch mehr Geld zu zahlen.

  44. …wenn (Regional-)Zeitungen denn wirklich eigenen, werthaltigen Content hätten, dann kann’s mit dem Bezahlen irgendwann klappen, aber wenn ständig dpa-, AP- oder sonstige Meldungen nur leicht modifiert abgedruckt werden, dann wird es immer jemanden geben, der diese Standardmeldung werbefinanziert kostenfrei zum Lesen anbietet.

  45. Schließe mich meine Vorrednern an, der Artikel ist wirklich sehr gut.
    Ich wäre ebenfalls dafür möglichst niedrige Hürden einzubauen und den Zahlungsverkehr für Onlineartikel über einen der bekannten Dienste wie PayPal abzuwickeln. Das ist für mich als Kunden nicht nur viel bequemer. Ich habe darüber hinaus nämlich schlicht keine Lust, jedem Unternehmen meine Bankdaten zu geben. Es gibt 3 oder 4 Anbieter im Netz, denen ich eine Einzugsermächtigung erteilt habe und ich möchte nicht, dass es mehr werden. Da spielen zum einen Datenschutzgründe eine Rolle, zum andere möchte ich aber auch das Risiko minimieren, dass jemand mit meinen Bankdaten Sch*** baut. Und das kann im Netz schnell passieren, Sony lässt grüßen.

  46. Ein sehr klar strukturierter Artikel, gerade deine Argumente sind besonders stichhaltig. Ich kann dir nur zustimmen.

    Darüber hinaus haben es sich die Verlage bei mir persönlich einfach schon verbaut. Ich lese keine Zeitung, weil ich nicht selbst zusammenstellen kann, was drinsteht. Und zwar Zeitungsübergreifend.

    Das wäre für mich das interessante. Politik und Wirtschaftsteil von drei großen Zeitungen nebeneinander lesen und sich dann eine eigene Meinung bilden. Klar, das geht mit Klebestift und viel Zeit. Habe ich aber nicht.

    In sofern lese ich lieber Blogs. Und dir würde ich gern einen Euro für deine absolut treffende Darstellung der Problematik zukommen lassen. PayPal-Adresse oder Flattr gern per E-Mail :)

    Grüße

  47. Der Freitag hatte Flattr relativ schnell integriert und ich habe es häufig genutzt, da ich keine Lust hatte, die komplette Zeitung zu kaufen. Seit dem Relaunch vor ein oder zwei Monaten ist der Button weg und kommt wohl auch nicht mehr wieder. Schade! Dabei sind es doch diese Möglichkeiten, wie doch im Internet Geld reinkommen kann.

    • Ja, theoretisch. Praktisch aber offenbar nicht. Wären nennenswerte Beträge dabei herumgekommen, dann hätte man die Flattr-Option sicher gerne beibehalten. Man könnte aus solchen Erfahrungen den Schluss ziehen, dass es für Presseverlage vielleicht doch nicht ganz so einfach ist mit dem Geldverdienen im Internet. Denn allen Bereitschaftsbekundungen zum Trotz zahlen Menschen nun mal nicht gerne, wenn sie nicht müssen. Müssen wollen sie aber auch nicht. Die Behauptung, sie würden, wenn sie nur dürften, halte ich jedenfalls nicht erst seit Flattr für widerlegt.

  48. Grandios auf den Punkt gebracht! Danke für die Argumentationshilfe, denn gegen die FR etwas Schlechtes zu sagen, hui, das ist im Bekanntenkreis schon mal schwierig. Und Danke für das Supermarkt-Kasse-Bild. Die gängigen Online-Bezahlsysteme sind ja wirklich lausig und nervig. Dringend brauchen wir Neuerungen.

  49. Mein Vorschlag, um mehr Datenschutz zu gewährleisten (Payback für Journalismus wäre für mich ein Albtraum. Am Ende fangen die Verlage an, mir nur noch Artikel zu präsentieren, die zu denen passen, die ich bisher gekauft habe…), wäre ein Programm auf dem PC (vgl. iTunes), in das man seine gekaufen Artikel laden könnte. Bezahlung findet über ein System wie PaySafe funktionieren (oder ein anonymes PrePaid System).

    Vorteil hiervon wäre zum einen, dass man Artikel unter Freunden etc. verschicken könnte, also diese nicht accountgebunden sind (Ja, Umsatzeinbußen, aber bei iTunes etc. funktioniert es ja auch). Hätte auch den Vorteil, dass man nicht wie teilweise bei EBooks oder Apps, sobald man den Anbieter wechselt, alles neu kaufen muss.

    Und zusätzlich: Wenn man eine Zeitung am Kiosk kauft, sollte man über einen Code (meinetwegen in der Zeitung eingeschweißt, wie Gratis-Schminkspielgel in der neuen BRAVO Girl) Zugang zur Online Version bekommen, sich diese runterladen können und vielleicht zusätzlich noch im Falle einer Wochenzeitung eine Woche lang aktuelle Meldungen gratis zur Verfügung gestellt bekommen. Bsp. ZEIT: Wöchentlich kauft sich der traditionelle Leser die Print-Ausgabe mit Meinungen, Hintergrundberichten, etc. (Alles, was Menschen wie ich an der ZEIT lieben.) und dafür via Push-Dienst als Download die neusten Meldungen in sein Zeitungsprogramm (gibt’s natürlich auch als App für Tablet und Telefon, die sich direkt mit der PC-Version Synchronisiert, sobald man im Bereich des heimischen WLAN angekommen ist, vgl. wiederum iTunes).

    Hör sich aufwendig an, ist aber eigentlich nur eine Kombination aus Push Email und iTunes (Store). Und da Printtexte auch inklusive Bildern keine höhere Dateigröße (sogar eine viel geringere) besitzen als Musikstücke, dürfte das eigentlich bei DSL und kommendem LTE kein Problem darstellen.

    Nur einige Ideen von meiner Seite.

    Sonst guter Artikel, mir Gefällt nur die Idee eines einheitlichen Accounts nicht, da man so immer Datensammlern ausgesetzt ist.
    Eine Programmierung eines Programmes, das auf offene Schnittstellen der Webseiten der Zeitungen zugreift, dürfte heutzutage kein Problem sein (Siehe ZEIT Online: http://blog.zeit.de/dev/2012/11/25/tools-und-anwendungen-mit-der-zeit-online-api-im-ersten-rundblick/ ), das kann wahrscheinlich in 10 Jahren der durchschnittliche 14-jährige programmieren.

  50. Wenn ich in eine Bahnhofsbuch – Zeitungshandel gehe und alleine die Anzahl der
    Computerzeitungen sehe die fast alle von einem Verlag sind in den denen zeitlich versetzt überall das gleiche steht. Wie geheime Einstellungen in Windows 7.
    Bei der Euroumstellung wurden die Preise von DM Preisen zu Europreisen 1 zu 1 Umgestellt von da an habe ich keine PC Zeitung mehr gekauft wenn man die Seiten dere Werbung herausnimmt dann bleibt nicht mehr viel übrig. 5-6 Euro für Werbung das wären 10-12 DM Auch Frauenzeitungen Das Goldene Blatt und anderen Papiermüll den braucht keiner ! Für die Umwelt ist es besser Online zu lesen aber nur Qualitätsjounalismus. Und nicht voneinader Abzuschreiben. Die Wahrheit steht dort nicht geschrieben. Es gibt wenige die Bestimmen was in die Presse kommt.

    • Zusatz: Zeitungsabos sind Extrem teuer geworden. Angeblich weil das Papier so teuer ist und die Energiekosten so hoch. Geiz ist geil und wenn alle Ärmer werden trotz Aufschwung und geringer Arbeitslosigkeit wer soll das bezahlen ? Wir sparen uns zu Arm.