Farewell, Encyclopaedia Britannica!15. März 2012

Diese Woche ist ein guter Freund von uns gegangen: das Buch. Nicht irgendein Buch, sondern das Buch der Bücher: Die Encyclopaedia Britannica.

Vor knapp einem Viertel Jahrtausend ist das legendäre Nachschlagewerk von Anhängern der schottischen Aufklärungsbewegung in Edinburgh entwickelt worden. 7,1 Millionen Bände wurden seitdem verkauft. Dann kam das Internet, die Bestellungen brachen drastisch ein. Die aktuelle Auflage liegt wie Blei in den Regalen, gerade mal 8000 Exemplare seien bestellt worden. Zu wenig, um die hohen Druckkosten zu rechtfertigen. Nach 244 Jahren wird die Lexikonreihe nicht mehr neu aufgelegt.

Keine gedruckte Encyclopaedia mehr! Und das ausgerechnet zum Auftakt der Leipziger Buchmesse. Es heißt, das Lexikon soll in digitaler Form fortgeführt werden. Als ob es darum ginge. Die Frage ist doch: Womit soll ich in Zukunft raushängen lassen, dass ich Abitur habe? Natürlich kann ich mir auch eine Reihe CD-ROMs ins Regal stellen. Aber mal ehrlich Leute, irgendwie ist das nicht dasselbe! Schon allein der goldbetresste Einband macht gewaltig was her, wenn Freunde zu Besuch kommen, signalisiert: Hier hat einer 1200 Euronen auf den Tisch gelegt, um die 32 Bände sein eigen nennen zu können.

Ich weiß was Sie jetzt denken und Sie haben ja Recht: auf die Inhalte kommt es an, nicht auf die Verpackung. Interessanterweise hält dieser Inhalt auch nicht immer, was er verspricht. Wissenschaftler wollen herausgefunden haben, dass die Encyclopaedia Britannica gespickt sei mit Fehlern. Im direkten Vergleich habe das von Laien zusammengetragene Online-Lexikon Wikipedia sogar besser abgeschnitten als die Profis vom großen Brockhaus.

Ob ich die Gelegenheit nutzen und mir die letzte Auflage der Encyclopaedia kaufen soll? Immerhin hätte ich damit ein Stück Geschichte für mich bewahrt. Auf der anderen Seite: Ab heute gibt’s das neue iPad. Das 64 Gigabyte-Modell mit 4G Anbindung kostet 800 Euro. Dazu die komplette Encyclopaedia auf DVD-ROM. Die gibt’s schon für 40 Euro. Damit hätte ich sogar rund 360 Euro gespart. Wenn ich’s mir genau überlege: Wer braucht schon Bücher!

 

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6 Kommentare
  1. Sophia schreibt:

    …ja, genau, wer braucht Bücher? Mit Sicherheit immer noch die Wissenschaftler, die Inetellektuellen, jene, die sich konzentrieren möchten.

    …und wozu braucht eigentlich noch Herr Gutjahr eine zum Jubelpreis gedownloadete Encyclopedia Britannica? Ist doch reine Ressourcenverschwendung.
    Einfach die Fragen twittern oder facebooken,
    sicher finden sich dort schwarmintelligente Antworten, die fürs Erste reichen.
    Und mehr muss es ja auch nicht mehr sein.

    Kleine Rechercheaufgabe für den Journalisten:
    Mal recherchieren, was man alles immernoch NICHT downloaden kann.
    Oder was man nur über Bibliotheken bzw. Informationszentren bekommen kann.
    Die Liste wird spannend und lang.

    Sogar Oma und Opa konsumieren Facebook, Twitter, Apps, Timelines, Podcasts etc.,
    nur fühlen sich damit nicht halb so enthusiasmiert oder medial omnipotent wie
    der Durchschnittsnerd von heute.

    Immer mit der Ruhe,
    es sind genug mediale Räume für alle da.

  2. Uatu schreibt:

    … und im Zweifelsfall kann man die DVD-ROM immer noch ausdrucken ;-)