Lektionen in Demut: Was Journalisten von Bloggern lernen können

Was können sich Journalisten von Bloggern abschauen? Zum Auftakt des NRW-Medienforums hier eine Zusammenstellung jener Lektionen, die der „Journalist“ Gutjahr vom „Blogger“ Gutjahr lernen konnte. Eine der ersten lautet: Demut.
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Die Zukunft des Journalismus liegt nicht in den alten, auch nicht in den neuen Medien. Sie liegt im guten Journalismus. Dieser muss aber heute anders organisiert und vor allem gelebt werden. Vor allem hier sehe ich die größten Defizite bei den klassischen Medienhäusern.
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Die Welt hat sich verändert und mit ihr auch die Menschen. Heute haben wir es mit einem anderen Publikum zu tun, als noch im Analog-Zeitalter. 70 Prozent der Deutschen haben Zugang zum Internet, mehr über 60jährige sind online als unter 20jährige. Wir Journalisten müssen uns die Frage gefallen lassen: Was haben wir zu bieten, was unsere Leser, Hörer oder Zuschauer nicht schneller bei Google finden?
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„Unsere Glaubwürdigkeit!“ heißt es dann reflexartig von den Berufsjournalisten. Aber – ist das wirklich so? Gerade durch das Web wird deutlich, dass auch die Profis oft nur mit Wasser kochen: Schlampige Recherche, fehlende Quellenangaben mitunter sogar gravierende Fehler. Bisher ist das kaum aufgefallen, noch heute lautet einer der ersten Sätze, die man im Rundfunk lernt: „Das versendet sich!“.

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Das Internet ändert die Spielregeln, verleiht auch Denjenigen eine Stimme, die nicht über eine Druckerpresse oder Sendefrequenz verfügen, die aber dennoch etwas zu sagen haben. Pioniere wie Markus Hündgen (videopunks.de) wissen diese Qualitätskontrolle zu schätzen: „Es gibt immer jemanden da draußen, der mehr weiß und mich entweder korrigiert, mir hilft oder mich antreibt, besser zu werden.”
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Filmen, Schneiden, Bloggen – wichtiger noch als Handwerk und die technischen Werkzeuge zu beherrschen, erfordert der digitale Journalismus vor allem eines: ein neues Rollenverständnis der Macher. Wer nicht bereit ist, sein Denken zu ändern und an die neue Medienrealität anzupassen, der wird niemals Aussicht darauf haben, in der digitalen Welt zu bestehen.
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Es folgen 5 Qualitäten, die ich mir von erfolgreichen Bloggern abgeschaut habe:
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1. Kritikfähigkeit
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Das erste, was man als Blogger lernt: Kritik anzunehmen. Über Generationen hinweg waren wir Journalisten es gewohnt, stets das letzte Wort zu haben. Kein Wunder, dass es uns so schwerfällt, unserem Publikum heute auf Augenhöhe zu begegnen.
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Wenn ich beim Fernsehen die Nachrichten moderiere, ist mein Job mit dem Ende der Sendung getan. Nicht so im Web: Hier beginnt mit der Veröffentlichung eines Textes erst die eigentliche Arbeit.
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Gleich nach dem Freischalten laufen bereits die ersten Kommentare ein. Da gibt es Lob und Anerkennung, oft hagelt es aber auch Hohn und Spott. Das muss man aushalten. Und Fehler, die einem unterlaufen sind, muss man korrigieren. Aber nicht etwa heimlich, im stillen Kämmerlein, sondern offen und für jedermann nachvollziehbar.
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Die Journalistin Ulrike Langer (medialdigital.de) kann sich journalistisches Arbeiten ohne Feedback kaum mehr vorstellen: „Schreiben für Print kommt mittlerweile vor wie das Einwerfen von Texten in einen toten Briefkasten. Bis auf das Feedback vom Redakteur kommt fast nie eine Reaktion.“
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Wer einmal erkannt hat, dass der Rückkanal die eigene Arbeit bereichert, dass die Vorteile die Mehrarbeit bei weitem überwiegen, der will nie wieder zurück in das düstere, analoge Mittelalter.
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2. Demut
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Eine Eigenschaft, die bei uns Journalisten mit am geringsten ausgeprägt ist: Demut vor unseren Kommunikationspartnern, dem Publikum.
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Solange Auflage und Quote stimmt, interessiert es uns nicht die Bohne, was unser Publikum von unseren Themen oder Produkten hält. Im Gegenteil: Anrufe oder Leserbriefe werden in der Regel als lästig empfunden. Der kleine Mann kommt, wenn überhaupt, in wohl dosierten Mengen zu Wort, etwa in Straßenumfragen oder als Klatsch-Vieh im TV-Studio.
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In den digitalen Medien gelten andere Gesetze. Wer hier etwas zu sagen hat, findet Gehör, und zwar ohne Ansehen von Titel oder Hierarchien. Auch Amateure können journalistische Arbeit leisten, dazu müssen sie noch nicht einmal studiert haben.
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Es gilt das Gebot der Kommunikation auf Augenhöhe und die Fähigkeit der Profis, sich selbst immer wieder in Frage zu stellen.
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3. Experimentierfreude
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Wir Journalisten werden nicht müde, zu betonen, dass nur wir es sind, die Ordnung in das Informationschaos des Internets bringen können – weigern uns aber beharrlich, auch nur einen Fuß in diese neue Welt hineinzusetzen. Das ist absurd.
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Vielen Journalisten geht es nicht darum, Geschichten besser erzählen zu können, schon gar nicht darum, etwas Neues zu lernen. Es geht ihnen um Geld, Macht und um die eigene Bequemlichkeit. Nicht anders verhält es sich bei den Vorgesetzten: Besitzstandswahrung, statt Unternehmergeist. Bloß nichts ausprobieren, es könnte ja jemand was sagen.
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Als Blogger fragt man nicht nach Geld, zumindest nicht am Anfang. Man arbeitet aus innerer Überzeugung, weil man glaubt, dass das, was man tut, wichtig ist. Dazu gehört auch, dass man hier und da mal ein Risiko eingeht. Fehler zu machen gehört dazu, nur so lernt man.
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Die eingetrampelten Wege auch einmal zu verlassen, das war die Motivation für den Journalisten Peter Jebsen, sein erstes Blog zu starten: „Für mich ist es reizvoll, Stilformen auszuprobieren, mit denen ich beruflich selten zu tun habe“, sagt er. Dazu zählen u.a. Gastrokritiken, Polemiken, oder politische Kommentare.
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4. Transparenz
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Wir Journalisten verfügen von Natur aus über ein großes Mitteilungsbedürfnis. „Kommunikation“, „Mitteilen“, da stecken die Worte „gemeinsam“ und „Teilen“ drinnen. Leider teilen wir nicht gerne, schon gar nicht unsere Quellen. Einerseits, weil wir oft gar keine handfesten Belege für viele unserer Behauptungen haben. In anderen Fällen wollen wir unser Herrschaftswissen partout nicht preisgeben.
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So funktionieren die Neuen Medien aber nicht. Blogger sind es gewohnt, ihre Quellen transparent zu machen, gerade dann, wenn diese besonders wertvoll sind. Anders als bei einem Zauberkünstler, der niemals seine Tricks verraten darf, steigern Blogger gerade dadurch den Zauber. Und, ganz nebenbei, ihren eigenen Marktwert als wertvolle Kommunikatoren. So stellt beispielsweise auch der FAZ-Blogger Holger Schmidt (Der “Netzökonom“) seine Vorträge systematisch zum Download ins Netz.
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Blogs sind meist subjektiv, vertreten oft Meinungen und machen auch gar keinen Hehl daraus. Die Informations-Elite hingegen gefällt sich gerne in einem Nimbus von vermeintlicher Objektivität und Unfehlbarkeit. Dass aber private wie auch öffentlich-rechtliche Medienhäuser durchaus den Einflüssen privater Konzerne oder politischer Freundeskreise ausgeliefert sind, lassen sie dabei gerne unerwähnt.
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5. Es tun!
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Weil ich nicht länger tatenlos mit ansehen will, wie der Journalismus weiter auf der Stelle tritt, habe ich mich mit einer Gruppe Gleichgesinnter zusammengetan (auf die Initiative von Christian Jakubetz), um meine Erfahrungen der letzten Jahre zusammenzutragen. Herausgekommen ist ein Buch – wenn man so will eine Art „Missing Manual“ – für den Übertritt des Journalismus in das neue Medien-Zeitalter.
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Dieses Buch ist sicher nicht vollständig und muss über die Jahre immer wieder angepasst und ergänzt werden. Auf jeden Fall gibt es gute und wichtige Impulse, die in den meisten anderen Journalismus-Lehrbüchern leider fehlen.
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Sie können dieses Buch heute schon vorbestellen und erhalten es, sobald es in den Druck geht (vorauss. Juli).
Natürlich ist uns allen klar: Ein Buch kann kein Ersatz dafür sein, seinen eigenen Weg zu finden, genauso wenig übrigens wie die unzähligen Medienkonferenzen und Experten-Panels rund um dieses Thema. Erfolg kann man nur dann haben, indem man aufhört zu reden und sich aus seiner eigenen Comfort-Zone herauswagt.
Ergänzung: Alle Autoren dieses Buches haben ihre Texte unentgeltlich beigesteuert, wir wissen also nicht, wieviel und ob überhaupt irgendwelche Einnahmen aus diesem Projekt zurückfließen.
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Ob Senderchef, Ressortleiter oder freier Autor: Springen Sie ins kalte Wasser und lernen Sie zu schwimmen. Sie werden merken, so kalt ist das Wasser gar nicht und ich verspreche Ihnen nach einer Weile wollen Sie gar nicht mehr heraus – großes Blogger- und Journalisten-Ehrenwort!
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44 Gedanken zu “Lektionen in Demut: Was Journalisten von Bloggern lernen können

Zitiert von
  1. Aponaut

  2. Blogger vs. Journalisten (2): All you need is love! at Jan Eggers

  3. Blogposting 06/21/2011 « Nur mein Standpunkt

  4. Was Gutjahr eigentlich sagen wollte… » Von Sabine Haas » result blog

  5. Lesetipps für den 22. Juni | Netzpiloten.de - das Beste aus Blogs, Videos, Musik und Web 2.0

  6. Was Journalisten von Bloggern lernen können

  7. Publizieren im Netz: Die Erkenntnisse eines Bloggers » netzwertig.com

  8. Nachlese vom Norddeutschen Journalistentag 2011 « www.Sozialgeschnatter.de

  9. Leseempfehlungen (001) « weezerle

  10. Unsere Links der Woche: Keyworddomains, Facebook Redesign, E-Mail wird 40… – und mehr

  11. Erkenntnisse eines Bloggers » über, für, Leser, Feedback, Beitrag, Blogger » Blogwerk Firmenblog

  12. Bloggen: Was Journalisten von Bloggern lernen können (Gutjahr’s) « BloggenTwittern

  13. Wir brauchen mehr Format(e)

  1. Sehr schöner Beitrag. Genau dieses Problem haben doch alle Journalisten. Zum einen wird nie darüber reflektiert, was eigentlich gemacht wird. Sprich, Beiträge und Texte erheben immer den Anspruch auf Objektivität bzw. umfassend und gute Berichterstattung. Allein die Behauptung Wahrheit abzubilden ist dreist und lächerlich.
    Zum anderen ist ein Journalist außerhalb der Geschäftswelt oft noch unbeliebter als ein Zahnarztbesuch. Arroganz und Selbstverherrlichung waren ohne das Internet noch gut möglich.
    Uch habe zu erst gelernt: Benutze niemals Ironie oder Fremdwörter, das versteht der Leser nicht.

  2. Lieber Richard,
    es ist ein guter Text! Es sind wichtige Eigenschaften, die wir für den Netzjournalismus mitbringen sollten, die Du hier beschreibst.

    Doch gefällt mir nicht – auch wenn ich mich hier unbeliebt mache – warum Du wieder den Gegensatz von Journalist zu Blogger aufbaust, warum der Journalist das vom Blogger lernen sollte. Der Blogger ist weder der bessere Journalist, noch sind den meisten Bloggern mehr Demut und Kritikfähigkeit zu eigen. Das ist zumindest meine bescheidene Erfahrung. So hätte mir besser gefallen: Was Journalisten b e i m Bloggen lernen können. In Demut ;-) Inge

  3. Hallo Richard,

    sehr guter Post! Noch vor ein paar Jahren galten Blogger als hinterwäldlerische Nerds, heute sind viele von ihnen zu Medien-Meinungsführern avanciert. Jeder hat doch ein Expertenwissen auf einem bestimmten Gebiet. Eine bessere Möglichkeit, als dieses über Social Media bzw. Blogs mit anderen zu teilen, gibt es ja kaum. Und dieser Trend wird in Zukunft zu- statt abnehmen. Blogging is life! :)

  4. mmmmmhhhhh. Ist da nicht auch ein gehöriges Stück Wunschdenken dabei? Gerade Alphablogger glänzen ja nicht unbedingt durch Kritikfähigkeit und – vor allem – Demut.

    Ich würde mal sagen, dass diese Eigenschaften einigen bekannt sind. Aber doch eher, wenn es um die Ansprüche an andere Blogger geht.

    Na gut, die Journalisten sind da auch nicht grad führend in diesen Disziplinen. Das gebe ich zu ;-)

    Zu allen anderen Punkten kann ich nur zustimmen!
    eric

    • @Eric Da ist was dran #alphablogger Das sind jedenfalls alles Dinge, die ICH erst lernen musste. Ich sage ja auch nicht, dass die Blogger alle super sind (oder gar die besseren Journalisten). Man sollte sie nur ernst nehmen. Auch dann, wenn sie nicht immer allen journ. Qualitätsansprüchen genügen. Das gilt natürlich auch vice versa.

  5. Als ich Richards Artikel per Twitter erwähnte, antwortete @Anhaeuser: “Und wer schreibt jetzt: Was Blogger von Journalisten lernen können?”

    Solche Artikel gibt es schon, zum Beispiel von Upload (“Ende eines Duells, Tag 2: Was Blogger von Journalisten lernen können”) und bloggingtips.com (“5 Things Bloggers Can Learn From Journalism School”).

  6. Mit Verlaub: Was für ein Quatsch! Als gebe es nicht genug Blogger, die vor lauter aufgeblähtem Ego kaum noch laufen könnten.

    Vor einiger Zeit habe ich einmal in meinem Blog und in Posts den Text einer bekannten jung-dynamischen, experimentierfreudigen Bloggerin kritisiert. So wie ich das berufsmäßig täglich mit Texten von Journalisten mache. Diese Kollegen sind mir dabei noch niemals unsachlich gekommen. Nicht ein einziges Mal in bislang 15 Jahren Journalistenweiterbildung!
    Die Jung-Bloggerin hingegen beschimpfte mich nach einigen Hin und Her zum Schluss noch in persönlichen E-Mails und forderte mich auf, sie nicht mehr mit meiner “beschissenen Kritik” zu belästigen, da ich zu doof sei, ihren Text zu verstehen. Soviel zum Thema Demut und Kritikfähigkeit der Blogger.

    In Wahrheit handelt es sich um Persönlichkeitseigenschaften, die unter Bloggern und Journalisten weitgehend ähnlich verteilt sein dürften. Und in beiden Gruppen dürften Selbstbezogenheit und Selbstüberschätzung die erfolgversprechenderen Eigenschaften sein.

  7. SpOn hat gerade diesen “Blog” empfohlen, nun ist mir alles klar…

    Für mich hat ein richtig guter Polit-Blogger keine Werbung auf seiner Seite.
    Werbung, d.h. der Blick auf die Besucherzahlen steuert die Objektivität, da kann so viel geschrieben werden wie will.
    Ich höre nun schon den Satz: “Wir sind doch ausgebildete Journalisten uns passiert das nicht”.
    Ja,ja,… ;)
    Wir nehmen das euch aber nicht mehr ab, darum bloggen wir auch schon soooo viel länger als ihr Profis.
    Ihr Alten fühlt euch noch sicher hinter der Werbung, doch die Jugend ist schon aufgewacht und bloggt schon länger ohne Werbung.
    Umsonst.
    Der einzige Schutz ist der Urheberrecht-Paragraph, das kann euch werbenden Blogger noch schützen, sichert euch die Besucherzahlen weil wir nichts mehr auf unseren Seiten kommentieren können.
    Im Prinzip hat diese professionelle Seite nichts mehr mit dem ursprünglichem Bloggen zu tun.
    Eine neue Form des zentralistischem Journalismus wird mit diesem hochproffesionellen werbeverseuchten Blogger-Journalismus geschaffen.
    Bloggen ist etwas anderes als SpOn und dieser Blog erzählt, auf jeden Fall ohne Werbung.
    LG

  8. In diesem Beitrag steckt viel Wahrheit und interessante Zukunftsgedanken. Allerdings ist es – wie auch viele andere Kommentatoren schon vor mir bemerkten – schwierig von Bloggern und Journalisten im Allgemeinen zu sprechen. Ja, viele Journalisten sollten sich unbedingt einmal einer Diskussion mit ihren Lesern stellen und viele müssen ganz sicher auch Kritikfähigkeit und Demut lernen. Aber das trifft auch auf viele Blogger zu. Letztendlich sollten Blogger und Journalisten gegenseitig von sich lernen. Wie es eben im Leben ist – wer zu den Besten und Erfolgreichsten gehören möchte, muss von den Besseren und Erfolgreicheren lernen und sich abschauen, was diese richtig machen. Und letztendlich das Gelernte dann auch umsetzen. Das gilt für alle: für Blogger, Journalisten, Redakteure, Zeitungsleser, Blogleser, Internet-User, Frauen, Männer…

  9. Na super. Das ist also die Essenz: Buchmarketing..?

    Wieso heisst es nicht:

    1. Kritikfähigkeit: Journalisten sollen aufhören, sich mit Kommentaren herumzuschlagen. Besser wäre, wenn sie sich beim Bearbeiten ihres Textes mit Kollegen und dem Korrektorat herumschlagen würden.

    2. Demut: Journalisten sollen nicht ihr Publikum verehren, sondern Demut vor (ihrem) Text entwickeln.

    3. Experimentierfreude: Journalisten sollten nicht jeden Quatsch mitmachen. Es reicht, von den Fehlern anderer zu lernen.

    4. Transparenz: Journalisten sollen davon berichten, was sich – beinah naturgesetzlich – der Transparenz verschließt.

    5. Es tun: Keine Bücher zusammenstückeln, sondern tagesaktuell Texte schreiben.

    Meine Liste gefällt mir besser!

  10. Text gut oder nicht gut, sei ausnahmsweise mal dahingestellt. Mir ist am heutigen Tag jedenfalls aufgefallen, dass der Auftritt von Richard auf dem Mefo mit “Demut” jedenfalls wenig zu tun hatte, ganz wenig.

  11. Ein Buch? Wieso ein Buch – Holz und so? Warum gibt es das nicht als Download? Muss ich mir wirklich ein BUCH kaufen, um etwas über modernen (Online-)Journalismus zu lernen?

  12. Die alten Medien haben halt auch alteingesessene Regel, welche sich erst allmählich ändern. Ich kann mich noch an tägliche “Brennpunkte” nach der Tagesschau erinnern, da hat man auch dazugelernt und reagiert.

    Ich kann mich aber auch noch an die Blogger-Regel “bashing” erinnern. Fahr jemanden an den Karren und Feedback, Backlinks und Ruhm sind dir sicher. Steht das auch in deinem Buch?

  13. Dieser Text gefällt mir gut – da ich zumindest vor Jahren mal journalistisch gearbeitet habe und heute selbst auf der Marketing-Seite stehe. Demut tut glaube ich allen Seiten gut, denn damit würden wir uns auch ein wenig eingestehen, nicht alles zu wissen.

    Dieser Satz hier sagt denke ich alles und da stimme ich auch voll zu: “Die Zukunft des Journalismus liegt nicht in den alten, auch nicht in den neuen Medien. Sie liegt im guten Journalismus.”

    Bei allem Hype um ein sozialer werdendes Internet sollten wir uns alle wünschen – Unternehmen, Medien wie Privatpersonen – dass sauber recherchierte Texte für uns immer eine Informationsquelle sein werden. Und nicht nur Meinung. Die allein scheint mir sehr gefährlich, wenn der Eindruck entsteht, es wäre das komplette Bild.

  14. Es ist doch aber auch nunmal so, dass sich heute wirklich jeder Blogger im Internet gleich direkt als Journalist fühlt und sich auch als solcher ausgibt. Aber nicht jeder der einen Blog betreibt, ist auch gleich ein Journalist. Klar, die Berufsbezeichnung ist nicht geschützt, aber trotzdem. Es gehören immer noch ein paar grundlegende Techniken dazu.

    Ansonsten: Klasse Beitrag!

  15. Journalisten-Bashing ist seit Jahren ein beliebter Sport, nur auf Politiker draufzuhauen erreicht noch größeres Gejohle. Mann, was haben wir in den vergangenen 200 Jahren gelitten unter all den arroganten, nichtswissenden, intransparent arbeitenden Journalisten bei FAZ, SZ, taz, den ÖRR. Endlich müssen wir uns von niemandem mehr sagen lassen, was wir zu denken haben (außer von selbst ernannten Experten, die sich in Blogs ausbreiten und alle, die diese neue Form des “Jeder darf mal etwas sagen” nicht euphorisch begrüßen, öffentlich in den Senkel stellen als “gestrig”, als Vertreter der “Holzmedien” oder, seit kurzem, als so intransigent wie nordafrikanische Dikatatoren). Früher hat die Leserbriefredaktion Einsendungen noch geprüft und offensichtlich rassistischen Schwachsinn, menschenverachtende Stammelei oder offensichtlichen Quatsch dorthin getan, wohin er gehört, in den Müll. Heute dagegen darf und kann endlich auch der letzte Depp alles in die Welt posaunen, und die Journalisten müssen endlich zuhören. Ein zivilisatorischer Fortschritt sondergleichen.
    Wer journalistisch arbeitet, braucht zweierlei: Interesse an dem, was geschieht, und Respekt für die, für die er schreibt (oder sie, natürlich). Respekt, das heißt: Ich versuche, dem Problem so nahe zu kommen, wie es unter den gegebenen Umständen möglich ist. Respekt heißt: Ich lüge nicht. Respekt heißt: Ich mache deutlich, was Wirklichkeit ist (wie subjektiv Wirklichtserfahrung und -konstruktion auch immr sein mag. Wir wollen hier kein erkenntnisphilosophisches Proseminar abhalten) und was meine persönliche Meinung. Es geht also um Respekt, und es ging schon immer um Respekt. Es geht nicht um Demut. demut ist eine religiöse Kategorie, die im Kontext von Journalismus nichts zu suchen hat.
    Zum Thema Quellen: Gute Journalisten haben ihre Quellen immer genannt, außer es ging und geht um Quellenschutz. Die Mär vom Journalismus, der eifersüchtig seine Quellen hütet, wird nicht wahrer, nur weil man sie tagtäglich wiederholt.
    Es ist langsam unerträglich, wie Blogger als selbsternannte Experten Tag für Tag der Welt mitteilen, dass sie und nur sie in der Lage seien, uns, den Lesern, die wahre Welt zu präsentieren. Das ist Quatsch, und das bleibt Quatsch. Nebenbei ist es respektlos, arrogant, absurd. Also ganz alter Journalismus, wenn man Ihnen glauben darf.

  16. Der Twist in Punkt 5 ist tatsächlich ganz großes Kino. Wirft den kompletten vorher gelesenen Artikel über Bord und verwandelt ihn in einen absurden Werbetext für das eigene Produkt (“hier vorbestellen!”). Die Ironie darin, dass es ein BUCH ist, ist natürlich noch besser.

  17. “Der kleine Mann kommt, wenn überhaupt, in wohl dosierten Mengen zu Wort, etwa in Straßenumfragen oder als Klatsch-Vieh im TV-Studio.” ist ein wirklich schöner Satz im Artikel.
    Genauso wie die Angabe der Quellen und die somit geschaffene Transparent im Netz. Wirklich schöne Thesen.
    Aber es gab auch schon vorher Leserbriefe und Quellenangaben. Das ist nichts neues und schon gar keine Neuerung der Blogs, meiner Meinung nach.

  18. Heftig aufgestoßen ist mir folgende Passage: “Wir Journalisten werden nicht müde, zu betonen, dass nur wir es sind, die Ordnung in das Informationschaos des Internets bringen können – weigern uns aber beharrlich, auch nur einen Fuß in diese neue Welt hineinzusetzen. Das ist absurd.”

    Der Vorwurf ist absurd. Als ich das erste mal online war, da war Mark Zuckerberg sieben Jahre alt. Als ich meine erste Website gebaut habe, war er elf. Als ich das erste Mal die Meinung der Crowd genutzt habe, um herauszufinden, auf welche der 1.200 Malediveninseln jemand wie ich am besten in den Urlaub fährt, da war Zuckerberg noch nicht einmal auf dem College.

    Und dabei war ich noch nicht einmal besonders früh dran.

    Unter den Early Adopters dieser Welt sind auffallend viele Journalisten, denn es gehört zu unserem Job, Sachen eher zu wissen als unsere Leser/Zuhörer. Und manchmal stört es mich schon ziemlich, wenn irgendwelche 22-jährigen mit der Arroganz der Jugend glauben, vor ihrem FacePlaceDoodleWoodle* hätten wir auf den Bäumen gehockt und Zeitungen im Kartoffeldruck erstellt. Social Communitys im Usenet gibt es seit über 20 Jahren, und heute noch ist in de.rec.fahrzeuge.motorrad mehr – und vor allem inhaltlich relevantererer – Traffic zu finden als in der der Gruppe “Motorrad Friends Germany” auf Facebook. Der Universalvorwuf, man habe “die digitale Welt nicht verstanden”, wird zu häufig und zu unbedacht gegen diejenigen vorgebracht, die auch ohne Nachlesen bei Wikipedia wissen, welchen Inhalt das Märchen “Des Kaisers neue Kleider” hat;-)

    *Ausdruck gefunden im O! Magazine von Oprah Winfrey;-)

  19. sehr lesenswert! ich habe mich immer als internetjournalistin verstanden und könnte auch nicht feedbacklos oder gar “mich als was besseres fühlend” schreiben. leider gibts aber immer noch abwertungen gegenüber der online-welt, wie du sagst von denen, die gar keinen fuß in sie setzen (nämlich ernsthaft, nicht bloss schnell mal was nachschlagen, sondern verschiedene zugänge ansehen, anregungen aufgreifen, auch menschen eine bühne im web bieten, die sonst kaum eine in traditionellen medien haben).

  20. @all Danke für Euer Feedback – komme gerade nicht zum Schreiben – ein Punkt scheint aber Einige von Euch zu wundern: Warum ein Buch über digitalen Journalismus klassisch gedruckt in Buchform. Naja, überlegt mal: Die Texte richten sich an Journalisten, die den großen Schritt in die Online-Welt noch vor sich haben. Wer sowieso schon mit iPad, Kindle & Co unterwegs ist, der braucht das Buch ohnehin nicht. Logisch, oder? P.S. (Natürlich arbeiten wir auch an einer elektronischen Version!)

  21. Für die meisten TV-Journalisten, insbesondere der größeren Sender, mag das eine sehr zutreffende Liste sein, Printjournalisten von Lokalzeitungen zum Beispiel arbeiten immer schon mit ihren Lesern, nicht ohne sie. Der Redakteur einer Lokalzeitung in einer Kleinstadt ist mittendrin, der hat sofort seine schimpfende Kundschaft im Büro stehen oder am Telefon, wenn er Scheiß gebaut hat. Weil Lokaljournalisten für ihre Leser da sind, auch mutig und kritisch, stehen selbige umgekehrt zu ihrer Zeitung. Das erklärt, warum Lokalzeitungen auch heute noch eine Nähe und ein Gemeinschaftsgefühl vermitteln können wie es ein Internetblog oder das Netz im allgemeinen niemals schaffen werden. Und interesante Zuschriften und lebendige Leserbriefspalten gibt es in jeder guten Zeitung. Und das ohne manchen Blödsinn, der, weil in der Regel anonym, in vielen Blogs zu finden ist.

  22. Trotzdem sei die Zeitung nicht besser oder schlechter sondern die Italiener wurden eben anders arbeiten erklart Stoffels Reporter bei den Nurnberger Nachrichten im Gesprach mit Ottfried. Genau das wollen wir erreichen und daher fordern wir das Projekt. Der Austausch findet naturlich nicht nur bei Printmedien statt.