Eure Doppelmoral kotzt mich an (1): DER SPIEGEL

Alle Jahre wieder heißt es im deutschen Blätterwald: Auf zum munteren Internet-Bashing! Alle Jahre? Ach was, keine Woche, ohne dass ein gedrucktes Qualitätsmedium vor den Gefahren von Google, Facebook und Twitter warnt. Heute – aus aktuellem Anlass – DER SPIEGEL.

Auch der SPIEGEL hat Ende 2010 auf seine konstant sinkenden Auflagenzahlen geblickt und sich gedacht: ‘Panic sells, lasst uns doch mal wieder etwas Angst verbreiten!’ Und wo lässt es sich am besten Panik schüren? Richtig, auf einem Gebiet, auf dem man dem leicht angegrauten Bildungsbürgertum so ziemlich alles erzählen kann: dem Computer. Und so heißt es diese Woche auf der Titelseite folgerichtig: Facebook & Co: Die Unersättlichen – Milliarden-Geschäfte mit privaten Daten.

So schürt man Netzangst: Matrix meets A. Paul Weber

Noch während ich die Vorankündigung las, hatte ich das Gefühl, den Artikel schon zu kennen. Wie ist das möglich? Ein Blick in den Abo-Service des Verlags schafft Klarheit (tja-ha, dieses Internet vergisst nie!):

SPIEGEL Heft Nummer 2, auf die Woche genau vor einem Jahr, mit der Titelgeschichte: Google – Der Konzern, der mehr über Sie weiß als Sie selbst. Ein Aufmacher, der sich am Zeitungskiosk prima verkauft hatte. Warum also nicht nochmal das Ganze, mag man sich in Hamburg gedacht haben. Und damit uns keiner eine Kampagne unterstellen kann, lasst uns diesmal lieber Facebook in den Titel nehmen. Gab’s da nicht auch neulich diesen Kinofilm?

In einer nicht enden wollenden Aneinanderreihung von Online-Diensten, die eines gemein haben, nämlich dass sie Daten sammeln, versucht der Artikel seine These zu untermauern, dass das Internet eine einzige Räuberhöhle sei (“Paradies für Datensammler”, “skrupellose Firmen”, “Datenschürfer”). Ein rechtsfreier Raum? Papperlapapp: das reinste Sodom und Gomorrha!

Die Bestseller des Jahres 2010 – Quelle: MEEDIA Cover-Check

Einen Beweis für einen flächendeckenden Missbrauch dieser Daten bleibt der gesamte Riemen allerdings schuldig. Egal.

“Echte Schurkereien mögen bis- lang nur vereinzelt vorkommen; zermürbend wirkt aber vor allem der Normalfall.”

Dabei sind es gerade die Zeitungen und Zeitschriften-Verlage, die hierzulande spitz auf unsere Daten sind, wie kaum eine andere Branche. Die Unterwanderung des Datenschutzes hat hier System. Zu Hunderten bevölkern die meist auf Provision bezahlten Verlagssöldner deutsche Fußgängerzonen und Bahnhöfe, wedeln mit Gratis-Zeitungen, mit dem einen Ziel: unsere Unterschrift. Mit der können die Verlage nämlich so gut wie alles anstellen. Und das tun sie auch:

Datenschutz im Alltag

Erst kürzlich wieder wurde ich privat angeschrieben. Die „Junge Freiheit“ wollte mir ein Abo andrehen. Ich rief den Vetriebsleiter in Berlin an, Dr. Bastian Behrens (behrens@jungefreiheit.de, Tel. 030/864953-24), bat ihn um Auskunft, woher man meine Adresse und die Erlaubnis habe, diese zu Werbezwecken zu verwenden. Meine Anfrage wurde mit einem Standardbrief abgefertigt, in dem man auf “öffentlich zugängliche Verzeichnisse” verwies (was in meinem Fall unmöglich ist, da ich über die vom Verlag benutzte Schreibweise nirgendwo gelistet bin). Auf meine wiederholte telefonische Nachfrage, mir den Nachweis zu erbringen, dass ich mit der Verwendung meiner Daten zu Werbezwecken einverstanden gewesen sei, legte der Herr Behrens von “Junge Freiheit” einfach den Hörer auf.

Das passt ins Bild. Dass es bis zum heutigen Tag keinen brauchbaren Online-Zeitungskiosk gibt, liegt nicht nur daran, dass man sich nicht auf ein gemeinsames Bezahlsystem einigen kann. Den Verlagen geht es auch um den vollen Zugang zu unseren Daten. Denn das große Geld wird schon längst. nicht mehr allein durch den Copypreis erzielt (der SPIEGEL kostet seit dieser Woche 4 Euro), sondern immer häufiger. mit zielgruppengenauen Werbemöglichkeiten für solvente Anzeigenkunden – also genau das, was der SPIEGEL den Online-Firmen in seiner Titelgeschichte ankreidet.

Und so lesen wir vom “Datenriesen” Google, von Cookies und von Konsumentenprofilen, kein Wort aber von den mitunter größten Datenkraken im eigenen Land: den Verlagen.

Datenkrake SPIEGEL

Mit welch perfiden Methoden die Pressehäuser selbst auf Datenjagd gehen, wird deutlich, wenn man sich durch das Kleingedruckte der Anbieter kämpft. Dort, versteckt in einer Fülle anderer harmloser Paragraphen, erfährt man, wozu der Leser den SPIEGEL Verlag berechtigt, wenn man sein Häkchen aus Versehen an der falschen Stelle setzt:

(…) berechtigt, personenbezogene Daten sowie Profildaten und demografische Daten für folgende Zwecke zu erheben, zu verarbeiten (z. B. zu modifizieren, zur Weiterverarbeitung zu speichern, mit anderen Datensätzen zu kombinieren und zu archivieren) und zu nutzen:

  • der Aufnahme in ein Teilnehmerverzeichnis,
  • der Zusendung von Informationen über die Online-Angebote des Anbieters,
  • der Personalisierung und optimalen Ausrichtung der Dienste des Anbieters an den Interessen und Vorlieben des Nutzers,
  • der Werbung oder der Marktforschung für die Online-Angebote des Anbieters.

Der Anbieter ist nach Einwilligung des Nutzers nicht verpflichtet, die Nutzungsdaten frühestmöglich, also spätestens unmittelbar nach Ende der jeweiligen Nutzung, zu löschen, sondern ist zur Speicherung berechtigt.

Ferner ist der Anbieter nach Einwilligung durch den Nutzer berechtig, seine personenbezogenen Daten an Kooperationspartner zum Zwecke der Werbung, der Marktforschung, der Information über Produkte und Dienstleistungen, der Zustellung von Angeboten zum Abschluss von Verträgen für Waren und Dienstleistungen und einer optimal an den Interessen des Nutzers abgestimmten weiteren Information durch einen Newsletter, weiterzugeben.

Auszug aus den Datenschutzbestimmungen von SPIEGEL Online

Gipfel der Verlogenheit

Den Vogel schießt der gedruckte SPIEGEL dann noch am Ende seines Aufmachers ab. Ausgerechnet unmittelbar nach der Horrorstory über die Datensammler, folgt die folgende, ganzseitige Anzeige:

Dort heißt es ganz unten im Kleingedruckten:

Ja, ich möchte auch von weiteren Vorteilen profitieren. Deshalb bin ich damit einverstanden, dass mich der SPIEGEL-Verlag oder die manager magazin Verlagsgesellschaft künftig per Telefon und/oder E-Mail über weitere interessante Medienangebote informiert.

Man muss sich das mal auf der Zunge zergehen lassen: nur wenige Seiten zuvor warnt der SPIEGEL noch vor eben jenen Methoden, mit denen man “per Häkchen” unwissentlich dem Datenhandel Tür und Tor öffnet. Mit diesem Coupon willigt der SPIEGEL-Leser ein, dass er nicht nur vom SPIEGEL Verlag, sondern auch von beteiligten Verlagsgesellschaften für alle aktuellen und künftigen Publikationen zugespamt werden darf. Darüber hinaus muss er befürchten, über Jahre hinweg von privaten Callcentern telefonisch belästigt zu werden, um ihm fernmündlich irgendein Abo unterzujubeln. Die Weitergabe der Daten an Dritte wird beim SPIEGEL ausdrücklich nicht ausgeschlossen.

Liebe SPIEGEL-Leute, soviel Doppelmoral kotzt mich an.

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  1. Recht hast Du! Hier ist noch etwas Futter Deine Doppelmoral-Argumentation, z.B. das hier, gefunden auf der Hompage des Verbandes Deutscher Zeitschriftenverleger:

    “Die im Rahmen einer Podiumsrunde diskutierten Chancen des „Abomarketing 3.0“ sind – so die Ergebnisse des Dialogmarketing-Tags:

    Die bessere Umsetzung der neuen digitalen Möglichkeiten: „Das Dialogmarketing hat vom Internet als riesigem Aktionsraum profitiert“, so Dr. Olaf Conrad. „Wir müssen das neue Medienverhalten nicht beklagen, sondern mitgestalten“, forderte Michael Plasse, stellvertretender Leiter Vertriebsmarketing und Leiter Direktmarketing des Spiegel-Verlages. „Denn wir sind“, so Thomas Mäling, Leitung Dialog Marketing&Services, Mitglied der Geschäftsführung Burda Direct, „in einem Revolutionsprozess.“

    [...] Abomarketing 3.0 heißt vor allem aber, die Kundenbeziehung in den Mittelpunkt zu stellen. „Wir müssen das Wissen über den Kunden besser nutzen“, so Hermann Schmidt, Geschäftsführer Jahreszeiten Verlag.

    Quelle: http://bit.ly/hGIJPl

    In einem Punkt irrst Du allerdings: Der Erlösfaktor Copypreis ist in den letzten beiden Jahren in den meisten Verlagen gestiegen, nicht gesunken.

    • @Ulrike Langer Vielen Dank für die Ergänzungen. Danke auch für die Präzisierung bzgl. des Copypreises, der in vielen Fällen natürlich auch dem Preisanstieg bzw. den Einbrüchen im (Print-) Anzeigenmarkt geschuldet ist.

  2. Danke für diesen Artikel, sehr aufschlussreich. Schon ärgerlich, wie viele Fehlinformationen hier wissentlich über die großen Druckmedien verbreitet werden. Armes, armes Deutschland…

  3. Ich muss auch jedesmal lachen, wenn von der ZEIT wieder einedieser Alibi-Umfragen kommt, in denen nach 2 oberflächlichen Fragen zu irgendwelchem Zeitgeschehen Adressdaten abgefragt werden und wenn man dann nicht aufpasst hat man auch schon ein Probeabo abgeschlossen.

  4. Die Effekthascherei der TV- und Verlagsbranche in puncto die Netzangst des deutschten Spießbürgertums zu schüren geht mir auch gewaltig auf den Zeiger. Was ich jedoch nicht verstehe ist, warum sich die Menschen derart von dieser Negativberichterstattung beeindrucken lassen. Schon klar, dass News über Dinge die im Leben schief laufen mehr Interesse vom Konsumenten wecken. Schließlich liest man nicht umsonst jeden Tag in der Presse von diversen Verkehrsunfällen aus der näheren Umgebung und nicht von den 99,99999% der Fälle in denen der Reisende ohne Zwischenfälle von A nach B gelangt ist. Dennnoch hat niemand ein Problem sich selbst wieder angstfrei und eigenverantwortlich dem öffentlichen Verkehr auszusetzen. Wenns jedoch um die Datenautobahn geht reichen einzeln platzierte Angstmeldungen aus um die Menschen in Schockstarre zu versetzen und aberwitzige Gegenmaßnahmen (siehe StreetView-Debatte) zu treffen. Das ist mir wirklich unbegreiflich.

    • @Markus Sax Der Witz ist ja: die Menschen lassen sich ja gar nicht wirklich von dieser Negativberichterstattung beeindrucken. Besonders schön wird das deutlich in der Passage: “Bisher zeigte er sich (‘der Bürger’) recht lernfaul”. Sprich: der Bürger teilt diese Angst nicht. Typischer Journalisten-Alltag: Die Redaktion legt sich auf eine Geschichte fest, die durchgezogen wird, auch wenn die Realität da draussen eine andere ist. Was nicht passt, wird passend gemacht. Schade, dass wir nicht schon weiter sind.

  5. “Die Tricks der Lebensmittelindustrie” steht da auch noch irgendwo. Wäre vielleicht das wichtigere Thema. Aber na ja, ist nicht das erste Mal, dass das Spiegel-Cover fast BILD-Niveau erreicht (Thema Islam). An der Qualität der Zeichnung muss man noch Hand anlegen, sie ist dafür etwas zu gut gelungen.

  6. Etwas oberflächlich diese Analyse… Das Häkchen bei der Anzeige (klar sichtbar, in einem etablierten Medium und wohl von äußerst beschränktem Informationsgehalt für den Datensammler) mit dem permanenten und weit weniger sichtbaren User-Tracking im Netz gleichzusetzen, scheint doch sehr naiv. Das Bedenklich daran ist ja nicht dass irgendjemand irgendetwas über mich weiß, sondern dass an wenigen zentralen Stellen unglaublich viele Informationen über unglaublich viele NutzerInnen zusammenlaufen und dementsprechend auch zentral ausgehoben werden können (vgl. derzeitiges vorgehen der US Agencies im Fall WikiLeaks).
    Dass manche Artikel haarsträubend schlecht recherchiert und/oder argumentiert sind stimmt sicher, aber hier mit so einer Verharmlosungstour zu kommen halte ich auch für sehr unangebracht.

  7. Wie Recht du hast mit deinem Artikel… hatte ich mir vorher noch nie Gedanken zu gemacht. Wobei es nicht zu vergessen gilt, dass sämtliche Industriezweige und nicht nur die Verlage (auch wenn die vlt. ins besondere) auf Datenfang sind.

  8. Super Artikel, auf den Punkt gebracht.

    Diese Diskussion führe ich schon lange in meinem Umfeld, aber die Menschen sind wohl der Meinung alles außerhalb des Internets ist ok.

    Ich für meinen Teil gebe meine Daten lieber an Google, Facebook und andere Webdienste als an die, für die Masse der Bevölkerung, “unsichtbaren” Datensammler.

  9. Noch schöner wird die Doppelmoral, wenn man sich ansieht, wie fleissig die großen deutschen Verlagen auf ihren Newsportalen selber Daten sammeln. Kein Portal, das nicht wenigstens einen Survey-Dienst am Laufen hat, viele greifen dabei gern auf das kostenlose “Google Analytics”-Tool zurück, das im Gegenzug die gesammelten Daten behalten und weiterverwerten darf (z.B. Bild.de).

    Ich empfehle jedem Surfer, das Addon “Ghostery” zu installieren (http://www.ghostery.com/), das solche Datatracker gezielt blockiert (hier bei Richard hat das Addon übrigens Facebook Connect, Google Analytics, Google Adsense, Statcounter und Woopra gefunden).

  10. Bin irgendwie im Zwiespalt hier. Einerseits klingt der Artikel an sich einleuchtend, allerdings stimme ich hier eher #9, also Max Braunleuchter, zu.
    Das Problem bzw. die Gefahr im Netz mit Datenkraken ist nun schlicht und ergreifend die Fülle an Daten die letztendlich auf einem Haufen zu finden sind und von “Bösen” schneller als einem vielleicht lieb ist ausgehebelt werden können.
    Für alle die sich jetzt denken, was is das denn für einer wieder son Sicherheitsjunkie blabla… ich bin bei facebook, googlemail, habe ein android handy, etc

    • @ForkingRobert Mir geht es hier ja nicht darum, Google, Facebook in Schutz zu nehmen. Mir geht es darum, zu zeigen, was in den klassischen Massenmedien stets unterschlagen wird – nämlich: dass man ein nicht zu vernachlässigender Teil dieses Systems ist.

  11. @Richard klar, die Unterschlagung zweifel ich auch gar nicht an. Jedoch kam es für mich schon so rüber als würdest du Google und Konsorten in Schutz nehmen. Aber wurde ja gerade aus der Welt geräumt.
    Habe also klare Sicht. Der Blogpost ist aber wie schon angesprochen sehr gut zu lesen, kann auch nur zustimmen.

  12. Denn das große Geld wird schon längst nicht mehr mit dem Copypreis gemacht (der SPIEGEL kostet seit dieser Woche 4 Euro), sondern mit zielgruppengenauen Werbemöglichkeiten für solvente Anzeigenkunden – also genau das, was der SPIEGEL den Online-Firmen in seiner Titelgeschichte ankreidet.
    Das ist schlicht falsch, auch wenn es Ihrer Argumentation dienlich gewesen wäre. Hätten Sie den Horizont-Artikel tatsächlich gelesen, wüssten Sie das auch. Die Vetriebserlöse sind bei der Mehrzahl der Printmedien nach wie vor höher als die Werbeerlöse. Bitte nicht vermeintlich spektakuläre relative mit absoluten Zahlen durcheinanderwerfen. Danke.

    • @Michael Hat Ulrike Langer schon richtig gestellt. Berücksichtigen Sie die Schwankungen im Anzeigengeschäft und das wachsende Online-Geschäft, gewinnt der Copypreis eine immer geringere Bedeutung. Der SPIEGEL hätte es wohl kaum nötig gehabt, seinen Preis zu erhöhen, würden die Verkaufserlöse nur so sprudeln.

  13. “Ich kann kaum soviel essen, wie ich…” Stimmt, gerade bei den Verlagen und besonders im Hause Burda, wird mit Daten heftigst gedealt.
    Was die Beiträge bez. Größenordnung angeht… die Tonnen von Spam Mails, die durch meine Online Aktivitäten zu Stande kommen, landen (meist von mir unbemerkt) im Müll, kosten mich also kaum Zeit und Nerven, geschweige Geld. Tägliche Anrufe von Zeitschriftenaboverkäufern dagegen, kosten Zeit und Nerven und mehrmals hätten sie mich auch Geld gekostet… Da ich vor zig Jahren tatsächlich einmal den Spiegel im Abo hatte und damals noch so unvorsichtig war, einem Lastschriftauftrag zuzustimmen, geistert da eine (zum Glück veraltete) Kontonummer umher. Mir wurden ohne meine Zustimmung einfach Zeitschriften zugesandt und dann eine Mahnung, da denen beim Abbuchen aufgefallen ist, dass dieses Konto nicht existiert. Ich musste also zurück schreiben, dass ich ja auch gar keine Zeitschrift wollte und daher ganz sicher nicht meine neue Kontonummer mitteilen werde. Wieder Zeit und Nerven investiert… Also große Krake Internet, ist durch kleine Schutzmaßnahmen zu bändigen… Kleine Krake Printmedien zieht große Nerverei nach sich, sollte einmal eine kleine Unvorsichtigkeit passiert sein.

  14. Facebook, Twitter, Google Mail etc. meide ich seit Jahren vor allem deshalb, weil deren Server in den USA stehen. De facto kann das US-Justizministerium alles mitlesen, wie der Fall Wikileaks zeigt. Und den US-Behörden traue ich noch weit weniger als den vom Spiegel genannten Firmen.

  15. Der Text ist sicherlich auf den Punkt. Mich beginnen die Datenkraken dennoch zu stören und zwar aus genau einem Grund: Ich darf bei Ihnen nicht sammeln, während Sie dürfen.

    Google und Facebook verdienen rasend viel Geld durch die Arbeit Ihrer User. Seit Huckleberry Finn lässt keiner so elegant seinen Zaun umsonst pinseln. Alles was der willfährige User bei Facebook, Twitter, Buzz und Google-Places eingibt, befindet sich anschließend im Silo.

    Ruft doch die robots.txt von facebook.com und google.com auf. Da schallt ein eintöniges “Disallow”! Ich nehme alles von Euch, Ihr bekommt nichts von mir! Lest einmal: http://petewarden.typepad.com/searchbrowser/2010/04/how-i-got-sued-by-facebook.html (habe es auch als “meine” Website verlinkt. Pete Warden nahm sich heraus Facebook zu crawlen. Das ging nicht gut!

    Meine Meinung: facebook und Google täten gut daran, Ihre User an Ihren Einnahmen zu beteiligen. Dafür braucht es kein flattr. Das sollte direkt aus den Unternehmen kommen, die durch unseren Content Geld verdienen. Außerdem ist es Zeit, dass die content-generierenden User Ihre Rechte an Ihren Inhalten “reclaimen”. Wieso kann man nicht einmal ein einfaches Backup seiner Facebook-Inhalte machen? Warum fragt sich das keiner mehr?

  16. natürlich ist das komplette Internet eine Datenkrake und jeder der sich dort aufhält sollte sich das auch bewußt machen und sich mit verschiedenen Accounts und Adressen sich auch darauf einstellen und sich immer seinen analogen Privatraum erhalten…nichts desto trotz kotzt mich die Doppelmoral der alten klassischen Medien auch an, allerdings überwiegt bei mir das Gefühl von Mitleid mit allen Branchen, welche sich in diesem strukturellen Wandel nicht verändern, sondern verändert werden…oder gar abgeschafft werden…

  17. Und in der Welt am Sonntag die ich heute las sind gleich zwie Artikel zu Facebook drin, einmal eine etwas besseres Widerkäuen der Zuckerberg- Geschichte garniert mit “social network” Zitaten und dann über den geplanten Börsengang. Warum? Weil es Zeitgeschehen ist, mehr als spannend was da passiert und Zeitungen darüber berichten müssen.

    Die Artikel (besonders der über Zuckerberg) sind allerdings nicht gut. Weil die Redakteure keine Ahnung haben von der Materie. So gut wie eigentlich alle Geschäftsleute die mir begegnen übrigens auch. Das klingt jetzt arrogant, aber hey es ist doch so – der Habitus des Homo ludens Digitalis wie es der Journalist der WamS nennt ist nicht präsent in den Redaktionssitzungen dieses Landes.

    Da fragt man sich warum das nicht noch viel mehr Kapriolen schlägt.
    Super Artikel, Merci fürs Posten!

  18. In den USA gibt es ja Initiativen, diese Masche mit Hilfe des Antwortbriefes zu untergraben – hier in Deutschland könnte man damit laut dieser Information der Post AG / Dialogmarketing bis zu 4,40 Portokosten erzeugen!? http://www.deutschepost.de/dpag?lang=de_DE&xmlFile=link1015650_1105
    Dazu müsste man wohl nur sauber eine “Antwort”-Postkarte auf einen dicken, (Übermaß) Großbrief-Umschlag mit Altpapier (endlich ein sinnvoller Einsatz für diese ganzen trotz “Bitte keine Werbung einwerfen” – Aufkleber eingeworfenen Blättchen!) kleben, mit einem Fantasie-Absender versehen und rein damit in den Postkasten. Die Theorie: wenn diese Kosten die möglichen Gewinne irgendwann schmälern, hören die schon damit auf. Ob das klappt? Wohl kaum, alleine da die Anzahl der zu solcher Subversion motivierten Menschen zu gering ist. Eine gewisse Genugtuung würde sich damit vermutlich aber erzielen lassen. Das praktische dabei: durch den Einwurf in Briefkästen ist eine Rückverfolgungsmöglichkeit kaum gegeben oder zumindest nicht wirtschaftlich. Ein Schelm, wer böses dabei denkt..

  19. @Ostwestf4le
    Das hat nichts mit dem Telefonbuch zu tun, dein Datensatz wird bereits von deinem Bürgeramt verkauft.

    Was ich besonders krass finde: auf manchen Website ist der Hacken bei “Will Spam” von vornherein gesetzt.

    Andererseits könnte man auch sagen: Spiegel druckt unabhängig von Eigeninteressen Artikel ab.

  20. Deutschland das Innovationswunderland :-) Es sind Artikel wie diese, die meinen Onkel dazu veranlasst haben, sich bei Facebook abzumeldent. Seine E-Mails schickt er aber immer noch an 100 offene Adressen im “CC-Feld”.

    Wie gestern schon bei Twitter erwähnt: Mich persönlich empört vor allem die Tatsache, dass der Spiegel bei Facebook das immer wieder beschworene “Zuhören” im Social Web offenbar mit “Aushorchen” verwechselt. Im Grunde macht der Spiegel nämlich nichts anderes, als täglich eine oder zwei Fragen in den Raum zu werfen, um dann abzutauchen und weder moderierend einzugreifen noch sonst welchen Input zu geben.

    Ob die sich Notizen machen zu dem, was wir da sagen? :-))

  21. Super Artikel, gefällt mir :) Und getwittert hab ichs auch. Ich lernunfähiger Idiot, ich.

    Mal im Ernst: Dieses getue der Verlage ist einfach nur noch widerlich. Das fängt mit solchen Artikeln an und führt sich über Leistungsschutzrechte und App-Kritiken fort.

  22. Ein Klasse Artikel! Heute wollen Medien nicht mehr informieren – nur mehr verkaufen. Dennoch halte ich Facebook, Google & Co für sehr gefährlich. Zeigen wird sich das leider erst in den nächsten Jahren, wenn die Daten gesammelt sind, es zu spät ist. Denn auch dort ist keine Moral, nur noch die Aussicht auf mehr Profit.

    • @Andre Stimme Dir voll zu. Harmlos ist das nicht, was Google und alle anderen da treiben. Dennoch sollten gerade die sog. “Qualitätsmedien” in diesem Zusammenhang ihre eigene Rolle nicht gänzlich unter den Tisch fallen lassen. Alles eine Frage der Ausgewogenheit und vor allem: Glaubwürdigkeit.

  23. Ich hatte in den 90er auch so eine Erfahrung mit dem Spiegel. Der Reporter war total freundlich und sagte, er wollte unsere Arbeit “so darstellen, wie sie tatsächlich ist!” Er hat mir sogar eine Kopie des Artikels vorher noch gezeigt. Als das Magazin dann draußen war, hab ich meinen Augen nicht getraut: Der ganze Artikel war voller Häme, arrogante, von ober herab geschriebene Sprache, pseudointellektuell aber vor allem voller Lügen, Dinge die wir garnicht im Interview gesagt hatten. Auf Rückfrage sagte der Typ dann zu mir, der Artikel wäre der Redaktion “zu positiv” für den Spiegel gewesen. Jemand hätte mit “Rotstift” den noch mal umgeschrieben.
    Es geht also im Spiegel auch nur um sensationslüsterne Artikel, nicht um die Wahrheit. Dem “kritschen Journalismus” verschrieben, muss alles schlecht gemacht werden, egal wie gut es auch ist. Sonst kauf keiner das Magazin …. Im Grunde wie die Boulevardpresse, bloß auf einer anderen Ebene. Seit dem kann ich das Magazin nicht mehr lesen…

  24. Allerdings muss man auch mal drüber schreiben wie viele Flaschen bei den Redaktionen arbeiten: Was wurde über Streetview nicht schmarrn verzapft… oder dass MTV nun verschlüsselt ist und damit als erster FreeTV Sender ins PayTV wechselt (Was nicht stimmt, MTV war schon Ende der 90er jahrelang nur verschlüsselt zu empfangen) oder gestern in einer Münchner Zeitung das in dern Ubahnen nun TV-Screens eingebaut werden – Fahrgast TV – Premiere in München – das gabs doch vor jahren schon und dann wurden die Dinger wieder ausgebaut.

    Wo man liest nur Käse und das sind nur die Dinge die mir auffallen. Ich möchte gar nicht wissen was bei den Finanzen oder nun Dioxin verzapft wird wo ich mich nicht auskenne/informiere.

    Zum kotzen diese Medien, egal ob Spiegel oder Bild.
    Man darf nix und niemanden was glauben und dafür wollen die Verlage auch noch Geld!

  25. Der Spiegel betreibt nicht nur Internet-Bashing. Auch andere Branchenbereiche sind betroffen. So gibt esz.B. immer wieder Artikel, die offenkundig regenerativen Energien schaden sollen. Z.B.: http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,723177,00.html .
    Die Überschrift lautet: “Ökoboom hebt Hartz-IV-Erhöhung auf”. Man versucht also den Leuten einzureden, dass regenerative Energien dafür verantwortlich sind, dass Hartz-IV nicht erhöht wird. Ein abenteuerlicher Gedanke, woher kommt der, fragte ich mich und machte mich auf die Suche nach dem Autor, Stefan Schultz. Das ist ein junger Volontär im Wirtschaftsressort des Spiegel. Im zu besagtem Artikel gehörenden Forum wird mehrfach gefragt, wieviel die Stromwirtschaft wohl für den Artikel bezahlt hat. Ich habe auch in dieser Weise in dieses Forum geschrieben. Seither werden meine Posts im Spiegel-Forum generell nicht mehr angezeigt! Obwohl ich niemals beleidigend oder so geschrieben habe!

  26. Wie immer bei solchen doppelmoralistischen Megasauereien poste ich gerne meine Lieblingszitat von Max Liebermann, einer der bedeutendsten deutschen Impressionisten: „Ick kann jar nich soville fressen, wie ick kotzen möchte.“ Treffender kann man es einfach nicht ausdrücken.

  27. Danke Hr. Gutjahr. Bislang hab ich ja gedacht, Sie können nur “belanglos” – aber nachdem Sie mit dem Artikel meinen Bezugsrahmen mittig getroffen haben, sehe ich Ihren Tweets mit mehr Freude entgegen.

    Passend dazu: Zum Jahreswechsel habe ich alle Zeitungsabos gekündigt. Mal sehen wie lange ich noch von den Verlagen angerufen werde … *nerv* …

  28. Ein wunderbarer Post ! Wollte gestern etwas ähnliches als Kommentar zu einem FOCUS-Online-Bericht schreiben. Auch dort ‘kotzte’ man sich über die angeblichen Misstände bei Facebook aus und in den Kommentaren konnte man vielfach die Meinung derer lesen, die sich ‘nie im Leben einen Account bei Facebook zulegen würden’.
    Interessant nur, um bei FOCUS-Online überhaupt erst einen Kommentar schreiben zu können, muss man erstmal seine Daten eingeben (und nicht nur Benutzernamen und Emailadresse). Und schnell auch noch das Häkchen setzen, damit TOMORROW die Daten ebenfalls benutzen kann.
    Und noch etwas …
    Die Werbung, die mir GOOGLE, FACEBOOK + TWITTER einblendet, stört mich wesentlich weniger, als die allabendliche Reklame, die mir 4-5mal einen Fenrsehfilm unterbricht.

  29. Zwischen einer lausigen E-Mail für ein Abo und der privaten Totalkommunikation auf Google und Facebook würde ich dann doch noch riesige Unterschiede sehen. Dass das wichtigste Nachrichtenmagazin in seiner Berichterstattung nicht um das Internet herumkommt, das sich anschickt sämtliche andere Medien aufzusaugen, sollte außerdem nicht groß verwundern. Mit zwei Spiegel-Titeln im Jahr zum Internet ist dessen vieles verändernde Bedeutung durchaus angemessen abgebildet.

  30. Adressenhandel etc. ist quasi “schon immer” Teil des Medien-Business.
    Die Hyper-Professionalisierung durch die heutigen Netzwerk-Betreiber macht den klassischen Medien da wohl eher aus Konkurrenz-Gründen Angst. Warnen kann man trotzdem nicht genug; wobei ich das Gefühl nicht los werde, das das auch schon wieder Teil des Entertainments ist.

  31. Vor zwei Jahren planten wir ernsthafter ins Fuhrgeschäft einzubringen und abonierten in dem Zuge die Zeitung Verkehrsrundschau aus dem Verlag Heinrich Vogel – Springer Verlag blubb in München. Bei der Bestellung gab meine Lebensgefährtin unserer Mailadresse *@ris.ag an. Natürlich haben wir die Weitergabe unserer Daten nicht erlaubt. Die zugehörige Domain hatten wir aber wegen der unklaren Rechtslage wieder aufgegeben. Aber seit dem kommt regelmäßig gute alte Werbe-Post an eine Firma RIS AG, eine Firma die es nie gegeben hat und nur aus einer eMail abgeleitet werden konnte, die o. g. Firma als einzige erhielt.

    eMail Spam lässt sich gut aussortieren, mittlerweile. Aber Papiermüll …

    Das aber nur am Rande. Toller Artikel, so kennt man den Qualitätsjournalismus aus dem Hause Spiegel. Der Unterschied zur Bild ist – teilweise – nach meinem Empfinden nur noch in der Anzahl der verwendeten Buchstaben zu sehen.

  32. Gerade wollte ich im Spiegel Online als Leserkommentar posten, dass mich dieser doppelmoralistische DRECK, den sie als Journalismus verkaufen, zum Erbrechen bringt und man sich den Blog von Gutjahr, der es treffender nicht beschreiben könnte, zu Gemüte führen sollte. Läuft aber ganz blöd bei denen: erstmal registrieren mit allem Drum und Dran bevor man kommentieren darf – wenn so etwas Defätistisches wie mein Beitrag ÜBERHAUPT veröffentlicht werden sollte. Dann noch die Generalabsolution anhaken, dass sie mit meinen Daten machen dürfen, was sie wollen (hier der Link: https://www.spiegel.de/meinspiegel/register.html?backUrl=http://forum.spiegel.de/newreply.php?s=d0147d625554e8e0fbbae820a3f56816&do=newreply&noquote=1&p=6928934)

    KISS MY ASS, Mr Ditz!

  33. Ich habe schon vor Jahren aufgehört dieses Kackblatt zu lesen. Wer guten Journalismus sucht, der findet den im Spiegel schon lange nicht mehr. Es gibt andere Blätter die sich eher lohnen. Schade das es immer noch 400.000 Abonnenten gibt.

  34. Fast schon wieder lustig: Axel Springer bashed Facebook für die selben Datenschutzverfehlungen – lediglich in einer anderen Dimension. Das entspricht karikiert in etwa, als würde Sadam in der Hölle beim Teufel vorsprechen und scheinheilig Adolfs Rauswurf verlangen… :)

  35. Wieder mal geht es um das Maß der Dinge.

    Ich bin ja bei Euch beim Kopfschütteln über die Medien, die nicht wissen wie sie mit den neuen Medien umgehen sollen. Statt sie zu nutzen, werden sie verteufelt und eine “Gefahr” drim gesehen. …erinnert mich sehr an die Musikindustrie + das Internet Ende 90er/Anfang2000 – bis es Ihnen Stave Jobs zeigte wie es geht.

    Aber:

    Das Thema “Datensammelei” muß differenziert betrachtet werden. Google ist einerseits ein Segen für Wissen und Information. Selbst durch YouTube fühle ich mich stellenweise besser informiert als durch ARD oder ZDF. Allerdings darf man nie vergessen, daß Google’s Business Model AUSSCHLIESSLICH auf der aggregation von unseren Daten und Informationen über uns basiert. Analog bei Facebook.

    Mit gut indizierten Daten wie öffentliche Websites, wissenschaftlichen Dokumenten, Nachrichten, Blogs, etc… habe ich keine Probleme – ich nutze und ergoogle sie mir jeden Tag. Aber im Rahmen des ewigen Wachstumsdruck dringen Google und Facebook immer tiefer im unsere Privatssphäre ein. Und der Umgang damit ist offenbar völlig indifferent. “Is doch OK” und “… Get over it” (McNealy).

    Haben wir aus der Finanzkriese nix gelernt? Dort hat man auch in allgemeiner Goldgräberstimmung “immer weitergemacht”, haltlos, regellos, hemmungslos, hirnlos.

    Nochmal: Ich liebe Google, was die Jungs machen ist ist zu 95% fantastisch. Ich liebe auch den Finanzmarkt (er ermöglicht mir Kredite). Aber bitte alles im Rahmen halten.

    Wombel.

  36. “Wenn Sie dieses Kommentar gelesen haben, sind Sie mit der erweiterten Weiternutzung … ”

    nein, nur Spass. Ist prima Artikel. Ist wirklich dreist, was die ab und zu abziehen.

  37. @G!
    So muss das sein. 1mit **

    @ alle:
    Richtet euch mal eine Email ein, schreibt mal an Zuschauerredaktionen und was ihr da als Antwort bekommt werdet ihr merken.
    Und woher weis diese GEZ zum Bespiel das ich umgezogen bin? Fragt mal im Einwohnermeldeamt nach.
    Meine Patientendaten? Hm, da will mir auch ständig irgend eine unbekannte Firma Medizin verkaufen. Wie kommt das liebe Kasse?
    Datenleck bei Telekom? Ein Mitarbeiter war schuld! Quatsch! Handel von der T…und sonst
    nix.

  38. Ich teile die Abneigung. Ich glaube aber, dass sie sehr viel profanere Ursachen hat — Unterstelle nie böse Absicht, wo Dummheit alleine als hinreichende Erklärung ausreicht. Ich bin bereit zu glauben, dass die Redakteure nicht im Blick haben, wie die Datensammelwut der eigenen Vertriebsabteilungen aussieht, und womit man im Hause denn wirklich Geld verdient. Ja, ich würde es Journalisten sogar zutrauen, sich über das Verhalten der Internet-Dienstleister wirklich und authentisch zu ärgern und den weiteren Schritt der Reflexion nicht zu gehen.

    Andererseits muss es in den Verlagen auch einen gewissen Neid geben; haben doch Facebook und Google gerade diese sehr zielsichere Werbung im Vergleich zu den eigenen Werkzeugen optimiert. Ich glaube, dass die Beschaffung des Datensatzes mit wesentlich geringeren Kosten verbunden ist. Die haben einfach gerade den Werbekanal so im Preis gedrückt, dass die Verlage einfach nicht mehr mitkommen.

  39. frage mich, was die jf mit dem spiegel-thema zu tun hat. nichts nämlich. und auch wenn all das mit den methoden der verlage stimmen mag … wieso soll es dann schlimm sein, zu zeigen, daß facebook böse ist. wer nicht gecheckt hat, daß dem so ist, hat den schuß nicht gehört.

  40. Das Facebook und Co Daten weitergeben ist ja nicht das Thema. Natürlich ist das schlimm.
    Aber das der spiegel nicht seriös sondern reißerisch berichtet ist ein Problem.
    Die Redaktionen wissen ganz genau dass ein Heft bei dem vorne groß Gooogle steht sich besser verkauft.
    schau dir mal das Cover an.
    Geld machen mit der Angst anderen und keinen Deut besser sein

  41. Hallo Richard,

    klasse Artikel! Ich hoffe, dass sich diese Info auch in der offline Welt endlich mal in den Köpfen vieler Leser festsetzt. Diesed ständige Anti-Datenkraken & böses Datengesammel Agenda-Setting nervt schon alleine dadurch, dass immer noch viele Menschen das Leitbild des Bösen in den Online-Diensten von Google und facebook sehen. Das Datensammeln findet eben nicht nur bei facebook und Google statt!

  42. Es ist doch schon ein Unterschied ob ein Nachrichtenmagazin die Daten seiner Nutzer nach vorgehender Genehmigung verwendet oder der komplette Userverker mitgeschnitten, analysiert, auf Klarnamen zurückgeführt und verkauft wird!

    Vielen Dank für die Ghostery Empfehlung: nach so etwas hatte ich schon lange gesucht.

    • @Jolle Ob Opt-in oder Opt-out, wenn Du plötzlich ein Abo an der Backe hast, dass Dir aufgrund solcher Methoden aufgedrängt wurde, macht das für mich am Ende keinen Unterschied. Ausserdem hat mich weder Google noch Facebook bisher jemals ungefragt zuhause angerufen ;-)

  43. Weil Zeitschriften auch sammeln: macht das “Facebook” dadurch besser? Weil andere das auch machen, ist es plötzlich entschuldbar? Ich nenn das eine unzulässige Relativierung: Facebook soll hier offensichtlich entschuldigt werden.

  44. Endlich mal klare Worte! Genauso sehe ich das auch. Die Herren und Damen mit Schlips und Kragen aus den Verlagen sind die größten Abzocker… Leider hat die zunehmende Angstmache vor “Datenklau” und Verunsicherung auch ihre Wirkung auf die User in sozialen Netzwerken. Die Folge soll wohl sein, daß man sich nur noch in vermeintlich “sicheren Gefilden”, wie bekannte Konzerne aus allen Branchen, bewegen soll. Wie im richtigen Leben. Kleine, kreative Portale und Webseiten gehen kaputt, und die großen Verlagshäuser und Einkaufszentren steigen auf! Nee, nee, nee – das machen wir nicht mit. Wir sind nicht ganz so doof, wie wir aussehen… Schönen Tag noch! Und haltet die Ohren steif! Jawoll!!!

  45. Ich verstehe nicht ganz, warum die Bildunterschrift beim Meedia-Cover-Check “Bestseller des Jahres 2010″ ist. Die Google-Ausgabe war nach dem Gesamtverkauf doch maximal in den Top10, beim Einzelverkauf nicht mal das.

    • @Guybrush Ein Überblick über die “Bestseller” des Jahres im Plural – Bestseller u.a. auch stern, focus etc. – im Text weiter oben schreibe ich ausdrücklich, dass sich der Titel prima verkauft habe – und das ist auch absolut korrekt so.

  46. @Jeeves
    Das lese ich anders. Es geht darum, dass der SPIEGEL etwas anprangert, was er selber betreibt. Das ist Heuchelei. Ich weiss auch nie so ganz genau, wessen Facebook eigentlich “beschuldigt” wird. Niemand wird gezwungen, dieser Plattform beizutreten. Da sie oberflächlich betrachtet kostenlos ist, muss jedem denkenden Menschen mit einem IQ > 20 schnell der Gedanke kommen, dass die Verdienstmöglichkeiten anderweitig liegen müssen.

    Ich kann auch dieses Gejammer über “Datenkraken” nicht mehr hören. Es kommt zumeist von Leuten, die den ansonsten so beschworenen mündigen Bürger, der womöglich demnächst in Volksabstimmungen über Atomenergie und Kriegseinsätze abstimmen soll, belehren wollen, wie sie wo was zu sagen oder nicht zu sagen haben. Über die Konsequenzen aufklären: das ist in ordnung. Aber diesen hyperventilierende Erregungston sollte man abstellen. Zumal wenn man, wie hier herausgearbeitet wurde, mit exakt den gleichen Mitteln arbeitet.

  47. *hüstel, hüstel* Dem Spiegel hier den Spiegel vorhalten zu wollen, ist blauäugig. Der Spiegel betreibt nach obigen Belegen lediglich begrenzt im gegebenen gesetzgeberischen Rahmen Datensammlerei. Auskunft über eigene Daten ist jederzeit kostenfrei möglich. Bei Facebook gibt’s Gesichtserkennung, die User und Nichtuser auf allen Foto’s taggt – diese Daten werden wie Gesprächsinhalte & sämtlicher Content gesammelt, um verkauft zu werden. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: der User gibt sämtliche Rechte an seinen privaten Gesprächen und privaten Inhalten ab. Übertragen in die analoge Welt hiesse das: das Cafe an der Ecke darf die Gespräche, die man mit der Begleitung austauscht sowie den Fingerabdruck an der Kaffeetasse aufzeichnen und verkaufen. Der Fotoladen, bei dem man Abzüge bestellt hat, übernimmt gleichzeitig die exklusiven Verwertungsrechte auf immer und ewig! Im Consumerbereich ist es möglich, Daten in Cluster von 5 Personen herunterzubrechen – 3. Stock, Wohnung 3.3 und 3.4: 2 negative Schufaeinträge. Der Info-Score ist zu niedrig für das neue Handy? Pech gehabt, der Nachbar ist schuld.

    Jokers, Gebrüder Götz, Rossmann und wie sie alle heissen verkaufen Ihre Kundendaten an Adressmakler (Listenprivileg). Im Verlagsbereich ist der Spiegel wenn nicht vorbildlich, dann zumindest in absolut grünem Bereich – es wäre weitaus angebrachter, beispielsweise Burda aufgrund ihres Datenumgangs anzugreifen. Dennoch: einer wahrlich zum Umdenken gezwungenen Branche jetzt hier die Leviten lesen zu wollen, ist bigott. Provisionen für Neukunden sind in anderen Bereichen weitaus höher, das Geschäftsgebahren weitaus undurchschaubarer, aber datenschutztechnisch mindestens genauso fragwürdig. All die IPhone-, Adwords-, Foursquare- und sostwas-Nutzer bedienen die Goldgräberstimmung der Investoren und lenken mit ihrem Einverständnis in abstruseste Datenschutzerklärungen die Datenschutzpraxis in eine Richtung, aus der aus betrachtet sich die deutsche Verlagsbranche wie hinterwäldlerische Gutmenschen verhält.

    Googles Allgemeine Geschäftsbestimmungen unterliegen zum Teil der Vertraulichkeit. Andere Anbieter räumen sich die Möglichkeit ein, geänderte AGB’s per Website-Veröffentlichung dem User zuzustellen – und das bei einem Vertragsumfang, der dem eines Hauskaufes oder eines Versicherungabschlusses entspricht. Ein Aktualisierungsdatum kann ggf lediglich im Quelltext der Webseite gefunden werden, entscheidende Klauseländerungen muss sich der Kunde in mühsamer Kleinstarbeit selbst erarbeiten – wenn er denn auf die Idee kommt, gerade jetzt könnte sich etwas geändert haben. Einige Telekommunikationsanbieter können es noch besser: Telefongespräche werden als mündlicher Vertrag aufgezeichnet, Kopien gibt es für den Kunden selbstverständlich nicht. Anbieter von kostenfreien Umfragetools verkaufen Daten & Antworten von befragten Teilnehmern (bitte beachten: Vertragspartner ist der Umfrageersteller, der Teilnehmer ahnt nicht mal etwas von seinem Glück), Mailadressen in Smartphones gehen ungefragt in Datenbankbesitz Dritter über. Es soll ja sogar bereits Unternehmen in Deutschland geben, die Überweisungsdaten aggregieren, anreichern – und weiterverkaufen. Homo oeconomicus aus ganz neuer Perspektive: “Du bist ökonomisch so wertvoll, wie Risikostrategen & Investoren es Deiner Kaste zubilligen – und wo nichts ist, da kann nichts hinkommen”.

  48. Den SPIEGEL als Qualitätsmedium zu bezeichnen soll wohl ein Scherz sein? Die Zeit in der der SPIEGEL noch Qualität hatte ist schon lange vorbei. Ich musste und muss heute immer noch darüber lächeln, wenn Leute den SPIEGEL zitieren, um in einer Diskussion Argumente anführen zu können. Die Zeitschrift mag zwar noch dem ein oder anderen Studenten interessant erscheinen und zu Gesprächen im Schulunterricht taugen, aber außerhalb der Gruppe Heranwachsender ist er nur noch eine Instanz in den Köpfen der Umnachteten und geistig Verwirrten in unserer Gesellschaft. In jenen Köpfen herrscht die Einstellung “Hauptsache mitreden können, auch wenn man nichts von den Dingen selbst versteht.” Statt Bibel oder Koran lesen jene dann den Spiegel um über Christentum und Islam Bescheid zu wissen, statt sich ein eigenes Bild vom Internet zu machen, wird dann lieber im Magazin geblättert.

  49. Wir reden hier über nichts neues. Daten wurden auf diese recht altbackende Form schon sehr lange gesammelt. Es geht nicht um die Quantität sondern um die Qualität der Nutzung. Anders bei der Qualität eines Produktes profitieren aber nicht wir von ihr, sondern der Sammler. Egal wer das ist. Auffällig und unbegreiflich war mir seit aller Zeit, dass ein Unternehmen AGB’s festlegen kann, der Bürger/Nutzer/Konsument jedoch rückwirkend, also geht was schief, sich per anwaltlicher Hilfe auf sein BGB und darin notierte Rechte berufen muss. Allein dieser Fakt zerstört imo die gesamten Diskussionen um jegliche Probleme die entstehen wenn eine Privatperson auf ein Unternehmen trifft. Es sollte einem wie eine Leuchtreklame ins Schlafzimmer strahlen, permanent – worum geht es in meinem Leben? Richtig – diene und nütze. Anderen.

    Dass jene sich aus ihrer Position heraus der Willkür bedienen ist ein zwangsläufiges Resultat, Du kannst keine Schale Gummibären in den Raum stellen ohn das wenigstens eins von 5 Kindern mal zulangt…

  50. @osmose Dieser Post trifft den Nagel auf den Kopf. Es geht bei Facebook und Google nicht mehr um ein bisschen Spam-Werbung im E-Mail-Fach. Es geht darum, dass diese Konzerne ganze Sozialprofile anlegen können. Diese aggregierten Daten, im Zweifel die gesamte Kommunikation, dienen dann nicht nur einer gezielten Werbung, sondern können auch herangezogen werden, um zum Beispiel die Kreditwürdigkeit, Zahlungsmöglichkeiten bei Bestellungen oder die politische Zuverlässigkeit zu beurteilen.
    Und diese Profile erstrecken sich dann nicht nur auf User, sondern auch auf Nicht-User, die mit Usern in Kontakt stehen.
    Kurzum: Die wirklich aufschlussreiche Analyse hier kommt nicht von Gutjahr, sondern von “Osmose”.

  51. @Osmose

    “Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: der User gibt sämtliche Rechte an seinen privaten Gesprächen und privaten Inhalten ab. Übertragen in die analoge Welt hiesse das: das Cafe an der Ecke darf die Gespräche, die man mit der Begleitung austauscht sowie den Fingerabdruck an der Kaffeetasse aufzeichnen und verkaufen.”

    Das Bild stimmt aber nur dann ganz, wenn es den Kaffee dort gratis gibt. :-)

  52. @osmose Ja, ja – ist bekannt – wird von Medien und Politikern ja nun auch wirklich oft genug beschrieben, wie das funktioniert. Dennoch bleibt der Spiegel-Artikel den Beweis schuldig, welcher Schaden entsteht – mehr noch: in den 12 Seiten wird kein einziger Fall von Missbrauch genannt. Umgekehrt könmnte ich Dir auf einen Schlag Dutzende Geschädigte allein aus meinem Bekanntenkreis nennen, die schon Opfer von Zeitschriftendrückern, Callcenter-Agenten oder kleingedruckten Kündigungsklauseln wurden. Darüber liest man aber verdammt wenig in der Presse. Eigenartig, findest Du nicht?

  53. Sorry, aber eine Abofalle auf eine Stufe mit Google und Facebook zu stellen ist ziemlich abgefahren. Da muss man sowohl die Kompetenz des Autors auf diesem Fachgebiet, als auch als Journalist in Frage stellen.

    Ja, Medien sind auflagengeil, sie leben davon.
    Ja, Facebook und Google sind datengeil, sie leben davon.

    Man vergleiche aber mal die Unternehmenswerte vom Spiegelverlag mit denen von Facebook und Co, dann weiss man auch, wieviel ihre Daten wert sind. Datensicherheit und Ressourcenknappheit sind die großen Thema der nächsten 50 Jahre. Scheinheiligkeit und Doppelmoral sind die kleinsten Probleme.

    • @Phil Was meinst Du denn, woher die Abodrücker-Callcenter ihre Telefonnummern beziehen? Allein Arvato/AZ Direct (Bertelsmann Verlag) verfügt nach eigenen Angaben über 40 Millionen Privatadressen mit über als 200 Merkmalen zur Eingrenzung von Wunsch-Zielgruppen. – Ja, sowas gehört auf eine Stufe mit Google und Facebook!

  54. Der Weitergabe von Daten zu widersprechen macht grundlegend nur aus rechtlichen Gründen Sinn – falls man mal Klagen will -, tatsächlich hält sich eh keiner dran. Meine iPad App bezahl ich mangels Kreditkarte per Clickandbuy. Sinngemäß so gelaufen dieser Tage, nach dem mehere Male jemand aus Hamburg versuchte mich zu erreichen:

    *Ring Ring*

    “Welz”

    “Guten Tag Herr Welz, mein Name ist “Spacken” von ClickandBuy, Sie haben bei uns ein Konto eröffnet … für unsere zufriedenen Kunden … ausgewählte Titel … 3 Monate …”

    “Stop. Ihr Anschluss gehört der Bauer Mediagroup und bei meiner Registrierung bei ClickandBuy habe ich einem Werbeanruf von Telefondrückern nicht zugestimmt. Ich untersage Ihnen die Weiterverwendung meiner Telefonnummer. Verstanden? Und nun schnell meine Nummer gelösch, danke!”

    … verstanden hat er. Obs mit der Umsetzung klapp bezweifle ich. Aber jeder der eine Adresse hat wird sie früher oder später nutzen. Man braucht kein google oder Facebook um mit ungewünschter Werbung überzogen zu werden. Wie Springer Fachmedien (s.o.) sind auch vermeindlich seriöse Finanzpartner schneller dabei, einem die Hosen runter zu ziehen.

  55. Guten Morgen Richard!

    40 Mio. Privatadressen? Das entspricht ziemlich genau der Anzahl an deutschen Haushalten. Ich bekomme aber komischerweise weder Post noch Anrufe von denen. Natürlich gibts Adressenhändler wie Schober und Co. Auch davon bin ich kein Fan.
    Aber Google, Facebook und Co sammeln ja nicht nur unsere Adressen, sie sammeln auch soziale Daten, sie Verknüpfen unsere Daten mit anderen Personen, mit unserem Konsumverhalten, unseren Interessen, unseren Wohnorten, unseren Routenplänen, unseren Fotos, Videos und Nachrichten.

    Spiegel und Facebook sind nicht Sodom und Gomorrha.
    Spiegel und Facebook sind höchstens David und Goliath.

    Dein Artikel verteidigt mir zu sehr diesen Goliath.
    LG Phil

  56. @Richard Gutjahr
    Als Bestseller würde ich es trotzdem bezeichnen. Leicht überdurchschnittlich, mehr nicht. Das der Focus und Stern in der Woche weniger verkauft haben ist normal. Im ganzen Jahr war der Stern nur ein paar mal über dem Spiegel.

  57. Interessanter, ausführlicher Beitrag, der dennoch an manchen Stellen an der Oberfläche bleibt, das Problem nur einseitig beschreibt und für meinen Geschwack zu wenig differenziert.

    Zum einen werden hier Zeitschriften und Zeitungen in einen Topf geworfen, zum anderen gilt offenbar für regionale Zeitungsverlage, was Wochenzeitungen und die überregionalen Tageszeitungen tun. Die Unterschiede zwischen den verschiedenen Print-Gattungen und Verlagshäusern werden kaum herausgearbeitet. Das ist m.E. falsch, gemessen an den Rückschlüssen in einigen Kommentaren sogar fahrlässig.

    Denn die Tatsache, dass Verlage Adressdaten sammeln und nutzen, ist nicht das eigentliche Problem. Seit Jahrzehnten verfügen die Verlage, insbesondere die regionalen Zeitungsverlage, über große Kunden-Datenbanken. Seriöse Häuser handeln mit diesen Daten nicht, sondern nutzen sie ausschließlich für eigene Zwecke – natürlich auch, um neue Leser zu gewinnen. Dass Abo-Werbung aufdringlich sein kann, ist keine Frage, aber ein anderes paar Schuhe. Lesermarketing ist auch im Interesse der vorhandenen Leser (Stichwort Bezugspreis) und nicht automatisch Ausdruck einer Doppelmoral der Printmedien.

    Nur am Rande: Auch auf diese Seite wird das Surfverhalten der User gemonitort. Ghostery findet aktuell 6 Trackers. Müssen wir deshalb sofort Missbrauch oder Doppelmoral befürchten – oder verlassen wir uns weiter auf unser Urteilsvermögen, wenn es um die Stichhaltigkeit von Argumenten geht oder darum, andere Meinungen zu akzeptieren?

    Zurück zur Print-Branche: Schwarze Schafe gibt es, aber es gibt auch positive Beispiele. Anders als große überregionale Titel können es sich die kleinen, meist mittelständischen Regionalzeitungsverlage (im doppelten Wortsinn) gar nicht leisten, in der Neukundenansprache zu aggressiv vorzugehen. Nicht nur die potenziellen Neukunden, auch Stammleser würden das nicht akzeptieren. Genau so wenig wie eine Redaktion, die sich an den Leserinteressen (hier gleich noch einmal der doppelte Wortsinn) orientiert und mit Inhalten überzeugen will.

    Überall dort, wo in der Vermarktung die Kunden und das Produkt, also Zeitung oder Zeitschrift, im Vordergrund stehen, wird ein Verlag nur die Daten erheben, die er für die Bearbeitung des Auftrags braucht. Hinzu kommt, dass viele Verlage ohnehin nur über Namen, Adressen und bestenfalls eine Kunden- bzw. Kontakthistorie verfügen. Diese Daten eignen sich kaum für Profile, wie sie im Internet möglich sind. Kein Verlag kann anhand der Adressdaten seiner Kunden auf ihr Verhalten, ihre Einstellungen oder ihr Kaufverhalten schließen.

    Da ist ein kleiner, aber feiner Unterschied, auf den auch der SPIEGEL in seinem Titelthema hinweist. Wenn man bedenkt, wie bereitwillig viele persönliche Daten im Internet veröffentlichen und bei Facebook sogar die Rechte an ihren eigenen Fotos abtreten, um nur ein Beispiel zu nennen, ist die Warnung vor “Risiken” im Internet auch berechtigt. Über den Stil, wie der SPIEGEL berichtet, lässt sich streiten.

    Für mich klingen viele Kommentare eher nach einer Pauschalkritik an Werbung. Wie im analogen Leben ist die entscheidende Frage, wem ich persönlichen Daten (preis-) gebe und was derjenige damit macht. Es geht um Vertrauen. Wenn im Internet personenbezogene Daten von mir gesammelt werden, dann möchte ich das (a) wissen und (b) selber entscheiden, welche Daten ich wann, wem, wie, für welchen Zweck zur Verfügung stelle. Im Internet genießen viele Portale oder Web-Seiten ein hohes Vertrauen, obwohl die User NICHT wissen, was die Anbieter genau erheben, zu Nutzerprofilen zusammenführen und an Dritte weitergeben oder verkaufen.

    Dass Printtitel mögliche Gefahren, die daraus erwachsen können, zum Thema machen und darüber berichten, hat mit Doppelmoral nichts zu tun. Die ganzseitige Anzeige im SPIEGEL belegt genau das Gegenteil. Vorausgesetzt, der SPIEGEL geht gewissenhaft und sorgfältig mit den personenbezogenen Daten seiner Leser um und garantiert das sogar in seinem AGBs, warum sollte die Abfrage von persönlichen Daten (die in diesem Fall für die Probelieferung gebraucht werden), vergleichbar sein mit den Daten, die Google, Facebook und Co. von ihren Nutzern sammeln, verdichten und sehr oft an Dritte weitergeben?

    • @RobinBob Danke für die differenzierten Infos und Ergänzungen, die ich auch überwiegend teile. Zur Info: Ich habe mir diesen Blogbeitrag in knapp einer Stunde von der Seele geschrieben – eine spontane Reaktion auf diesen mauen Spiegel-Artikel, den ich zuvor gelesen hatte. Bei diesem Blog handelt es sich um ein persönliches Blog – journalistische oder gar wissenschaftliche Arbeiten sehen anders aus, für die lasse ich mich dann aber auch bezahlen ;-)

  58. Ja, die Art und Weise, wie Verlage an Daten kommen und was sie damit anstellen, finde ich auch nicht immer in Ordnung. Aber ein Häkchen an der richtigen Stelle zu setzen – sorry, dazu sollte man schon in der Lage sein.

    Warum macht das die “Spiegel”-Geschichte schlecht? Sie hat ihre Längen und ihre Mängel, sicherlich. Aber es gibt eben noch Unterschiede: z.B. den zwischen Verlag und Redaktion. Fragen Sie doch mal beim “Spiegel”-Verlag, was er zu Ihren Vorwürfen sagt…

    Mich nervt es langsam, immer und immer wieder reflexhaft auf die “alten” Printmedien einzudreschen – sie verstünden nichts vom Netz (frage mich gerade, welches Medium als eines der ersten professionell online präsent war…) . Und zudem diese Schwarz-Weiß-Malerei zu betreiben.

    Das soll nicht heißen, dass ich Ihrem Artikel, lieber Herr Gutjahr, nicht in vielen Punkten zustimmen mag. Aber dann widersprechen Sie doch auch mal Comments wie denen, die den “Spiegel” in Bausch und Bogen verdammen – sorry, aber fast jede Ausgabe enthält immer noch viele spannende, glänzend recherchierte Artikel, die solche Pauschalvorwürfe einfach absurd erscheinen lassen.

    p.s.: ich habe KEIN Abo des “Spiegel”, ich bin bei Facebook etc….

    • @Johannes Ich lese den SPIEGEL und Spiegel Online sogar ausgesprochen gerne. Was mich nervt, ist diese unheilvolle Netzphobie, die jedes mal dann zutage tritt, wenn alte Medien über das Internet berichten. Datenkraken! Kinderschänder! Anleitungen zum Bombenbau! Sicher kann und muss man Google oder Facebook auf die Finger schauen. Dann aber gefälligst ordentlich, und nicht einfach nur Stimmung machen, durch so eine lieblose Aneinanderreihung willkürlich gewählter Beispiele, die nichts wirklich Neues zutage fördern und keinerlei Dramaturgie erkennen lassen. Sogar mein RSS-Reader liest sich spannender.

  59. Aloha,

    … immer wieder die gleiche Käse. Du triffst es ziemlich auf den Punkt, dass man mit einem Thema, dass in aller Munde ist, das gemeine Leservolk aber keinen Peil hat, eben wunderbar Panik verbreiten kann (und ordentlich Magazine absetzen kann). Grässlich.

    (Und das man ganz davon abgesehen, was ich von der Preisgestaltung der digitalen zu gedruckten Form dieser (nicht nur SPIEGEL) Magazine halte. Ich las sie mal ziemlich gerne, heute stehe ich doch eher auf Fakten, aus allen Bereichen zu “Nicht-Mondpreisen”.)

    Cheers, Andi

  60. ja, ich bin student und feier hart auf das final inszenierte spiegel.ich.schieß.mir.selber.ins.bein.sparpaket. netzphobie und leistungsschutzrecht! im netz rutscht man zusammen. verleger wie blogger. mal gucken, welches issue als nächstes dichotom die runde macht.

  61. Die angeblich fehlende Dramaturgie im Spiegel-Artikel (siehe Kommentar Nr. 91) kann ich jetzt nicht so richtig nachvollziehen, sicher aber die Kritik am Stil, wie dort bestimmte Sachverhalte mit entsprechenden Formulierungen in eine bestimmte Denkrichtung gelenkt werden. Kommt aber nach meinen Beobachtungen in so gut wie jedem Spiegel-Titel vor. Was Manfred Dworschak faktisch über das Sammeln und gezielte Auswerten von sehr sensiblen Daten zusammengetragen hat, klingt für mich alles in allem schlüssig und ist sicher nicht falsch. In diesem Zusammenhang finde ich den Text von Christian Meier, der sich auf kress.de mit Ihrem Blog-Eintrag auseindersetzt, recht lesenswert.

    Dass hier auf Ihrer Seite ebenfalls ordentlich getrackt wird, ist mir – wie RockinBob (siehe Kommentar Nr. 88) auch aufgefallen: Neben Facebook Connect laufen Google Analytics, Google Adsense, Statcounter und Woopra im Hintergrund. Zumindest im Impressum könnten Sie doch darauf hinweisen. Oder habe ich was übersehen?

  62. Die interessante Aussage im Beitrag von 1024k.exe ist nicht der Verweis auf das Tracking hier im Blog. Sondern der Hinweis auf den auf den Punkt geschriebenen Kommentar in kress.de, der das, was Gutjahr hier von sich gibt, in den richtigen Zusammenhang stellt.
    Darauf sollte der Betreiber dieses Blogs mal antworten – und zwar möglichst ohne pauschal zu verurteilen.

  63. “Alle Jahre wieder heißt es im deutschen Blätterwald: Auf zum munteren Internet-Bashing!”

    Und jeden Tag wieder heißt es im deutschen Web: Auf zum munteren Print-Bashing.

    Ist auch nicht spannender.

  64. Ich habe den Spiegel-Artikel gelesen. Bin im I-Net recht aktiv und auch schon ein paar Jahre dabei.
    Die Kretik an dem Artikel kann ich nicht wirklich verstehen, denn es ist doch ein großer Unterschied ob man an einem Dienst nur dann Teilnehmen darf wenn man sich praktisch versklavt, also man alle möglichen Daten angeben muss, als “wenn man sein Häkchen aus Versehen an der falschen Stelle setzt: (…)”.

    Sicherlich haben auch die Printmedien ein großes Interesse daran Daten von Benutzern zu bekommen, aber es ist ein großer Unterschied ob ein Computer im Netz auf Datensuche geht und dieses Daten dann ohne Wissen des “Eigentümers” verknüpft, oder man selber Daten bei einem Verlag angibt. Dort kann ich immer hin noch keine Schreibfehler einbauen um festzustellen wo meine Daten herkommen, wenn sie wo anders auftauchen. Bei meinem FB-Acc aber immer darauf zu achten das man das “richtige” schreibt ist schlicht ummöglich.

    Gruß Hxx

    • @HXX Danke für Dein Feedback. Nur weil wir uns alle daran gewöhnt haben, dass die Verlage uns mit ihren Lockgeschenken, Kündigungsfristen und automatischen Selbstverlängerungen ganz gerne auch mal über’s Ohr hauen, heisst das nicht, dass das okay ist. Schon gar nicht, wenn man mit dem Finger auf andere zeigt. Das Argument vonwegen Opt-In bei den Verlagen bzw. Opt-Out bei Facebook und Co bewerte ich persönlich anders. Nur weil ich mal als Student an einem Gewinnspiel teilgenommen und nicht aufgepasst habe, darf ich doch nicht Jahr später noch von Zweit- oder gar Drittanbietern telefonisch belästigt werden, weil der Verlag meine Adresse weiterverkauft hat. Ein kleiner Verweis auf diese gängige Praxis der Verlage hätte der Geschichte gut getan – vor allem der eigenen Glaubwürdigkeit.

  65. Spiegel und andere Verlage sind nicht unbedingt Vorbilder was den Datenschutz angeht. Jedoch wird mir in diesem Blog zu sehr polarisiert. Bei Spiegel wird man wenigstens noch beim aufmerksamen Lesen darauf hingewiesen, dass die eigenen Daten kommerziell genutzt werden. Dies ist bei Programmen von Drittanbietern nicht zwingend der Fall. Es gibt also keine opt-in bzw. opt-out Option, sondern Nutzerdaten werden einem quasi Hinter dem Rücken entwendet.

    ps: Warum muss man hier eigentlich (s)eine Emailadresse angeben?

    • @Ulrich Kluge Ich könnte Ihnen nicht sagen, wer den größeren kommerziellen Handel mit meinem Kundenprofil betreibt – denn was mit Ihrer Adresse TATSÄCHLICH hinter den Kulissen passiert, wenn Sie mal Ihre Einwilligung an einen Verlag gegeben haben, erfahren Sie dort genauso wenig wie bei Facebook und Co. Was die Drittanbieter betrifft: da wird genauso viel Schindluder in der Off- wie in der Online-Welt betrieben. Das Web ist da nicht besser oder schlechter als die “reale” Welt. Diese Trennung gibt es nicht mehr. Hier noch unterscheiden zu wollen, halte ich für naiv. – Warum man hier seine E-Mail-Adresse angeben muss? Müssen Sie nicht, Sie können auch gerne eine falsche Adresse oder gar keinen Absender angeben. Hat sich in seriösen Blogs nur so eingebürgert, denn Sie bekommen von mir ja auch meinen vollen Namen, meine E-Mail-, sogar meine Post-Adresse. Das steigert die Debattenkultur.

  66. Ist immer so eine Sache. Was der Verlag mit den Daten macht ist den meisten klar: Gewinnspiele, “Gewinnspiel-Gewinne”, Statistiken, etc.
    Facebook, Google & die anderen Internet-Datenkraken sind ja neu und “man weiß ja nicht was die vor haben”. Der SPIEGEL spielt hier ganz gerne mit der Unkenntnis und der Angst der Leute. Besonders in Deutschland hat man mit dieser Strategie ein leichtes Spiel.

  67. Bitte nicht verallgemeinern.
    RG spricht von “Verlagen” – gemeint sind doch “Zeitungsverlage” – bitte nicht alle Verlage in einen Topf werfen.
    Theo S.

  68. ach, wie ihr alle mich ankotzt. ihr werdet nicht gezwungen euch anzumelden. leute verbreiten bilder und angaben im inet, freiwillig. und was damnit geschieht!? in welcher welt ihr denn das ihr glaubt die werden alle vertraulich behandelt. lachhaft wie ihr euch aufführt! ich bin einfach vorsichtig! und ich beschwer mich nicht. wenns euch nicht passt, ignoriert einfach skype, google und facebook, am besten gleich das ganze internet und zu guter letzt zündet euch ein lagerfeuer bei euch im wohnzimmer an. geht mit der ezit so ist es halt! die angstmacherei kotzt mich an aber die angstmacherei vor der angstmacherei noch mehr! mfg Paul

  69. Na ja, bei Magazinen wie dem Spiegel ist doch die Doppelmoral quasi Programm. Was Titelblatt und Inhalt an Tendenzen bietet, ändert sich eh andauernd je nach Windrichtung. Und mal darf die eine Fraktion in der Redaktion sich durchsetzen, mal die andere. Ich will das nicht gutheißen, aber die Doppelmoral in Sachen Datenschutz ist da halt nur ein Beispiel von vielen. Man müßte in diesem Zusammenhang eigentlich auch noch darauf hinweisen, daß auf spiegel.de sicher auch lauter Ad-Tracker laufen, über die heimlich das Surfverhalten des Benutzers überwacht wird.

    Unabhängig davon ist das Phänomen Soziale Netzwerke und insbesondere Facebook aber doch anders zu bewerten als der Handel mit Adreßdaten. In Facebook hinterlassen die User sehr viel aussagekräftigere Spuren, und die sind dort normalerweise unter ihrem Klarnamen unterwegs, so will es sogar die Facebook-Hausordnung. Um es mal plastisch darzulegen: Müßte sich die Stasi zwischen dem Zugriff auf eine Datenbank der Presseverlage über ihre Abonnenten und der Datenbank eines Sozialen Netzwerks entscheiden, welche Datenbank würde sie wohl bevorzugen? Die Brisanz des potentiellen Schadens, den Datensammler wie Google, Facebook und Konsorten ausüben könnten, gehört einer ganz anderen Dimension an als das Risiko, unerwünschte Werbung im Briefkasten zu finden oder mit Outbound-Callcenter-Anrufen belästigt zu werden. Daß die bislang größte öffentliche Empörungswelle ausgerechnet zu Google StreetView durchs Land schwappte, läßt Kritik an solchen Internetdiensten leicht als albern, spießig, gestrig, hysterisch und inkompetent erscheinen. Aber das ist eben nur die Krebswucherung einer BILD-Kampagne. Ein ernsthafter Datenschutzdiskurs ist tatsächlich dringend nötig. Ob der nun unbedingt im Spiegel stattfindet, sei dahingestellt.

  70. In der Sache sicher richtig. Das Eine macht das Andere aber nicht besser. Schaut man sich die Abozahlen von Verlagen an, sprechen wir hier zudem von ganz anderen Dimensionen. Muss man fairerweise schon dazusagen.

  71. Guter Artikel! Ich bin vor einigen Jahren mal an ein Drückerkolonne geraten. Es war echt schlimm wie die Leute “gearbeitet” haben und Mitarbeiter bedroht und eingeschüchtert haben. Wir mussten den Leuten Zeitungen, unter anderem auch den Spiegel aber auch Stern und andere Zeitungsabos andrehen. Das schlimme dabei ist das die Verlage dabei mitspielen oder dezent wegschauen, in dem Wissen wie bei den Kolonnen “gearbeitet” wird. Leiter solcher Verlage würden auch ihre Seele verkaufen um die Auflage hoch zu halten.

  72. Das Problem mit dem Datenhandel ist kein Duell zwischen Online- und Offline-Medien. Gegenseitige Vorwürfe steigern zwar die Auflage oder die Nutzerzahlen, das eigentliche Problem liegt aber ganz wo anders. Ein “Medienfach” an unseren Grundschulen wäre ein Anfang, um die jungen Menschen auf die neue Medienwelt vorzubereiten.

  73. Mit dem Beispiel Junge Freiheit und Werbung ist der Autor hier aber schief gewickelt.

    In der JF gibt es keine Werbung!
    Das macht ihren Wert ja aus.
    Rücksicht müssen die nur auf ihre Leser nehmen.
    Das ist ja das schöne.