Google: „Sie haben drei Werktage Zeit, gutjahr.biz zu ändern“

Google hat mir eine Frist gesetzt: Die Internet-Firma verlangt, dass ich die Inhalte meines Blogs binnen 72 Std. an die Vorgaben der AdSense-Werbung anpasse. Sonst fliege ich raus.

Gestern habe ich zwei E-Mails von Google bekommen. Die Erste: Google hat mir zum ersten Mal Geld überwiesen (70 Euro), für die AdSense-Werbung, die ich auf meinem blog platziert habe.

Die zweite Mail war weitaus unerfreulicher: Google droht mir, dass ich aus Google AdSense rausfliege, wenn ich die Inhalte meines blogs nicht binnen 72 Std. an die Programmrichtlinien von Google anpasse.

Die Mail trägt die folgende Betreffzeile:

„Sie haben drei Werktage Zeit, gutjahr.biz zu ändern“

Was war passiert

In der (offensichtlich automatisierten) Mail ist die Rede von mehreren Verstößen wg. Platzierung von Google-Werbung auf Seiten mit „nicht jugendfreiem Content“ bzw. „freizügigen Texten“.

Der Stein des Anstoßes

Im beanstandeten blogpost berichte ich über eine Künstlergruppe, die sich über das Porno-Verbot von Apple lustig macht. Kein Sex, kein anzügliches Bild – Null. Der Inhalt ist so harmlos, dass selbst das öffentlich-rechtliche Fernsehen den begleitenden Beitrag sogar im Nachmittagsprogramm ausstrahlte.

Die Zensur von der Zensur

Man muss sich das mal auf der Zunge zergehen lassen: Man berichtet über Zensur und wird deshalb zensiert. „Keine Zensur“, korrigiert mich der Google-Pressesprecher von Deutschland, der versprochen hat, sich der Sache anzunehmen. Doch wer von uns hat schon die Gelegenheit, Google überhaupt ans Telefon zu bekommen? Und unabhängig davon: Wo fängt Zensur an?

Worum es wirklich geht

Heute betrifft es die Teilnahme am AdSense-Programm. Morgen vielleicht schon die Auffindbarkeit bei Google selbst. Wo hört der Schutz vor unliebsamen Inhalten auf. Wo beginnt die Zensur? Wenn sich Apple wegen seiner Zulassungspolitik von Apps Kritik gefallen lassen muss, dann sollte Google aufpassen, nicht ins gleiche Horn zu blasen (darf man das so ausdrücken?).

Bin gespannt, wie Google in meinem Fall entscheidet. So oder so: Ein fahler Beigeschmack bleibt. Eure Meinung?


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69 Gedanken zu “Google: „Sie haben drei Werktage Zeit, gutjahr.biz zu ändern“

Zitiert von
  1. Google-Robots als Sittenwächter « Ich sag mal

  2. Der Fall Richard Gutjahr und einige Gedanken zu Google » Blog vom Karpfenweg

  3. Automatische “Zensur” per Textanalyse | Banedon's Cyber-Junk

  4. Lesetipps für den 5.Juli | Netzpiloten.de - das Beste aus Blogs, Videos, Musik und Web 2.0

  5. Google und das böse Wort Zensur | Nikolai A. Behr - Medienblog Corporate TV and Media Blog

  6. Die Woche im Rückspiegel – 27. KW « kadekmedien's Blog

  7. Zeitspringer-Blog

  1. Kindergartenkacke. Der Robot von google hat eine automatisierte eMail wegen Keywords verschickt und der Pressesprecher von google wird die Sache klären. Ende. Kein großes Thema. Es sei denn, ja es sei denn – man ist Journalist.

  2. Ehrlich gesagt verstehe ich die Aufregung nicht. Wie du ja selbst erkannt hast, ist die Mail offenbar automatisiert. Da passieren schon mal Fehler. Nicht, dass ich das jetzt gut heissen will, aber hast Du mal Kontakt mit dem Support aufgenommen? Entgegen landläufiger Meinung ist der Google-Support in vielen Fällen sehr schnell und sehr persönlich mittlerweile. So ließe sich das vielleicht klären bevor man einmal mehr wild “Zensur” durch die Gegend brüllt. Wo hier Zensur sein soll ist mir ohnehin nicht klar. Das einzige worum es geht ist ein Ausschluss aus einem Werbenetzwerk. Kein Mensch schreibt Dir vor welche Inhalte du veröffentlichen darfst – du darfst auf Seiten die den Richtlinien eines Werbenetzwerks widersprechen (egal ob Google oder anderen) einfach nicht deren Werbung einblenden. Plain simple.

  3. Nachtrag:

    Bin gespannt, wie Google in meinem Fall entscheidet. So oder so: Ein fahler Beigeschmack bleibt. Eure Meinung?

    Das ist nur eine Warnmail – da wird keine Entscheidung fallen – zumindest nicht wenn du’s nicht einfach lässt wie’s ist und keinen Kontakt aufnimmst.

  4. …wo bleibt hier der Flattr-Knopf, auf den ich druecken kann, um meine Solidaritaet mit Dir, dem Beitrag und dessen Inhalt auszudruecken?!

    Ich bin auch fuer den Negativknopf bei Google, so dass man denen auch Geld abziehen kann! Von mir aus, darf man da dann auch nur einmal druecken – pro Account… :)

  5. Da scheint der Automatismus wohl nicht ausgereift genung zu sein von Google. Also ich halte ja sehr viel von Google in Bezug auf deren Leistungsfähigkeit mit Daten umzugehen. Aber sowas darf denen in der Tat nicht passieren. Wegen einem Artikel in dem ein paar anzügliche Begriffe vorkommen eine “Abstrafung” zu erhalten ist lächerlich. Ich habe so langsam Angst das die amerikanische Prüdheit durch die Global Player auch auf andere Teile der Welt durchschlägt. Das wäre ein großer Rückschritt.

  6. Der Hinweis scheint von einem Bot zu stammen, der die Beiträge nach simplen Stichworten durchforstet. Offensichtlich gibt Google “aufgefundene” Verstöße aber nicht an einen richtigen Menschen weiter, der die Seite dann inhaltlich prüft, bevor Mails versendet werden. Mich wundert das ganze Moralgezeter der US-Konzerne eh – aus Europäischer Sicht ist dies eher lächerlich. Nur leider bestimmt vorwiegend Kalifornien, was im Netz so “besurft” wird.

    • @doc/dk #6 Genau DAS würde mich interessieren: wurde die Seite nochmal von Google geprüft, bevor der bot-gesteuerte Warnhinweis rausging? Sprich: halten die meine Seite wirklich so schlimm? Die Mail ist jetzt 2 Tage alt. Morgen – Fristverlängerung laut Google nicht möglich – schaltet man die Werbung ab.

  7. Es geht nicht um das Finden einer Webseite (noch nicht) sondern darum, das Google sich vorbehält, AdSense Anzeigen nur auf bestimmten Webseiten anzugeigen. Wenn man häufig im Web unterwegs ist, macht es jedoch nicht den Eindruck, als wäre Google wirklich sehr wählerisch, was die Werbeplätze angeht. Ganz gleich wie Google es nennt – es ist eine Vorstufe zur Zensur.

    Du kannst, zum Glück, direkt mit Google kommunizieren. Aber welcher Otto-Normal-Blogger kann das schon? Jeder andere könnte nur mit den Augen rollen und Zähne knirschend Googles Forderung nachkommen – oder aber auf Einnahmen aus dem AdSense Programm verzichten.

    Ganz gleich ob Apple, Google oder wer auch noch folgen mag – ein gewisses Maß an Kontrolle und Schutz des Nutzers mag Sinn machen, aber das Eis ist sehr dünn und schnell wird aus Schutz Bevormundung und/oder Zensur. Diese Entwicklung gilt es zu verhindern.

    • @Detlef #7 Zur Zensurfrage: Ich habe mal bei einer großen deutschen Tageszeitung gearbeitet. Da ging es darum, ob man einen kritischen Artikel über ein Telekommunikations-Unternehmen schaltet. Weil die Firma aber einen großen Werbeauftrag (ganze Seiten – für den Rest des Jahres) bei der Zeitung gebucht hatte, verzichtete man auf den Artikel. – Ist das Zensur? Im rechtlichen Sinne: nein. Ich habe über meinen Job viel gelernt, damals.

  8. Wenn man die Entwicklung dieser Firmen über die letzten Jahre mitverfolgt hat, kann man nur zu einer Schlussfolgerung kommen: wir ALLE haben mit unserer (unkritischen) Begeisterung und unserem (unkritischen) Userverhalten Wind gesät und werden Sturm ernten. Ob es Facebook mit dem Anhäufen unserer persönlichen Daten ist, Google’s “terrestrische Überwachung” und Werbemacht oder auch die Firma APPLE, deren CEO Steve Jobs für mich persönlich langsam aber sicher mit seinem Verhalten und seiner rücksichtslosen Firmenpolitik (was man so hört, e. g. APPLE-Gestapo, Behinderten-Parkplatz-Belegung, usw.) und seinen Äußerungen zum Dr. Seltsam mutiert, der die Bombe zu lieben lernt. Wir lassen zu, dass diese neuen Multis mit rasanter Speed weltweit eine diktatorische Struktur aufbauen, in der WIR zu Hardware- und Bits-&Bytes- Junkies mutiert “werden”. Noch provozieren Vorkommnisse wie die oben von Richard beschriebenen vielleicht nur einen faden Beigeschmack bei uns, wie lange wird es aber wohl noch dauern, bis wir das ganze Maul voll brauner Masse haben und daran ersticken?

    Den ersten kleinen Schritt des Widerstandes habe ich getan: diesmal gehöre ich nicht zu den Early Adopters des neuesten APPLE Produktes, da ich es nicht “great” und “geourgious” finde, wenn ich mit dem teuersten Handy der Welt noch nicht mal richtig telefonieren kann. Und wie ich mein Handy zu halten habe lasse ich mir auch von Mr Jobs nicht sagen.

    • @MacDentist Spannender Beitrag. Danke dafür. Ich muss ganz ehrlich gestehen – ich bin zwiegespalten: einerseits finde ich sowohl Apple als auch Google großartig. Dann jedoh solche Google-Mails (bzw. Apples neue Geschäftsbedingungen von wegen Standortspeicherung…). Das geht alles in eine ungute Richtung. Mir reicht es schon, dass sich die Zahl der polizeilich abgehörten Telefonate in den letzten Jahren in Deutschland vervielfacht hat. Ich hoffe: irgendwann mal ist schluss mit dem ganzen Daten-Sammel-Müll.

  9. Schon seltsam, dass wie intelligent die Ach-so-intelligenten Algorithmen wirklich sind.

    Also in Zukunft brav sein und alles kreativ verpacken. Aus “Blow-Job” wird dann eben ein “Blaskonzert der eindeutigen Sorte”… ;-)

  10. Was ist daran Zensur? Hier geht´s lediglich um das Adsenseprogramm und nicht um die Suchergebnisse? Dafür hat Google seine ToS und an die hat man sich zu halten oder man fliegt aus dem Programm. Dass es sich hier natürlich um ein Missverständnis handelt ist klar.

    • @torschtl #19 Das Problem mit Zensur ist – sie beginnt oft schleichend und kommt selten mit dem Holzhammer. Das mit dem Missverständnis ist okay. Die Frage bleibt: ist Google in der Lage, das Problem zu lösen und den eigenen Fehler zu erkennen? Ich bin gespannt.

  11. Lustig wie ach so pseudo intelligente Blogger hier argumentieren.
    Soweit bekannt ist, ist Google Adsense, ein Werbenetzwerk.
    Mit der Anmeldung seiner Website zu diesen Netzwerk akzeptiert man bereits AGBs. Im Rahmen dieser AGBs und auch im Sinne seiner anderen Kunden verteilt Google die Werbung via Adsense. Warum ist das Zensur? Wenn ein Dienstleister im Rahmen seiner AGBs so eine Mail versendet?!

    Ich glaube hier haben einige den Gong nicht wahrgenommen. Jede Firma hat für ihre betreffenden Sachen ein Hausrecht. Und selbst wenn Google für dich als Blogger die Suche sperrt, weil dem PR-Chef deine ganzen Anrufe nun auf den Zeiger gehen – dann ist das einfach so. Also what the fuck!

    Hier von Zensur zurreden ist eine Diffamierung von wirklicher Zensur die ua im Nationalsozialismus passiert ist. Aber der Standard Blogger denkt heute ja nicht so weit. Hauptsache man kann Stimmung machen und Klicks mit hochgezogenen Beiträgen erreichen. Sowas ist bald schlimmer als BILD!

    Das google gesellschaftlcih eine moralische Verantwortung hat streite ich nicht ab. Aber letzendlich ist es eine Firma deren AGBs du zugestimmt hast und in desem Kontext du Werbung schalten darfst.

    Würdest du auch Zensur schreiben wenn das BKA einen Blogger anschreibt wegen volksverhetzenden Artikeln die gegen die Verfassung verstoßen? Denk mal drüber nach!

    Mfg Marcel

  12. 1. Interessant finde ich die ganzen Äußerungen hier, die behaupten Googles Algorithmus wäre so schlecht. Offensichtlich haben diejenigen Schreiberlinge keinerlei Ahnung von dem, was sie da reden. Google blendet jeden Tag mehrere Milliarden Werbungen auf Millionen von Webseiten ein und hier wird sich über einen Fehlerfall aufgeregt. Ich spekuliere wild und sage jetzt mal, dass ist eine Fehlerquote von 0,00001% – Findet ihr das immernoch so schlecht?

    2. Finde ich das ganze Zensurgeschreie bedenklich. Wenn du die Nummer vom pressesprecher nicht hättest, hättest du dich einfach an den Support gewendet und der hätte das geklärt. Aber hey, das bringt natürlich keinen so reißerischen und sensationslüsternen Artikel…

    3. AdSense wird von Google betrieben und damit hat Google Hausrecht, das hat per se nichts mit Zensur zu tun. Sie müssen dir nicht einmal eine Begründung geben, schließlich muss der Türsteher in der Edeldisko das auch nicht, wenn er einen nicht reinlässt. Nur weil es auf deiner Seite angezeigt wird heißt das nicht, dass es auch dein Content ist. Und es gibt ja noch mehr als genug andere solche Werbeplattformen, also hätte man ja noch alternativen wenn dir Google nicht passt.

    • @DIrk #21 Zu 1) Wenn die Telekom Mist baut, war die Standard-Antwort des Pressesprechers stets: “Wir habe XX Millionen Kunden – ein Einzelfall!” Sowas lasse ich nicht gelten. Was hat der Einzelfall davon, dass eine Firma Mist gebaut hat? Was zählt: ob sie den Fehler erkennen und beheben. zu 2) Natürlich habe ich mich an den Google-Support gewendet! Das war vor 2 Tagen. Die Frist, die man mir gesetzt hat lautet 3 Tage. 3) Ich kann mich nur wiederholen: ich habe die AGBs von Google eingehalten!

  13. So viel zum Thema “Automatisierung”. Ein schwacher Trost, aber da bist Du nicht allein. Ich habe (besser gesagt hatte) einen Account bei TubeMogul, eine Seite über die man Videos auf unterschiedliche Portale hochladen kann. Eigentlich praktisch. Hat auch prima geklappt. Leider nicht sehr lange. Dann erhielt ich eine ähnlich unfreundliche und unerfreuliche Email mit der Nachricht, dass mein Account gesperrt worden sei, weil, Achtung: Auf meinem Blog ein Artikel über Affiliate Marketing gefunden wurde. Hallo??
    Richtig ist, dass TubeMogul jede Art von Affiliate Marketing unterbindet, das ist ja soweit ok. Nur, dass mein Blog sich gar nicht um Affiliate Marketing dreht (und hier auch gar nix verkauft wird), sondern ich lediglich zu diesem Thema einen Artikel verfasst habe.
    Ich habe mich beschwert, dann wurde der Account wieder aufgemacht um 3 Stunden später wieder zugemacht zu werden. Danach habe ich es aufgegeben und mir einen anderen Service gesucht.
    Bei Google AdSense ist das natürlich bitte, einmal, weil es für Dich eine Einnahmequelle ist und zweitens, weil man an Google ja nun irgendwie nicht vorbei kommt.
    Klar ist damit, dass die Robots nur auf einzelne Begriffe “losgehen”, ohne Inhalt oder Zusammenhang zu sehen. Vielleicht auch ein wenig viel verlangt von einer Maschine, aber man würde annehmen, dass diese ausgefilterten Seiten auch noch mal von Mitarbeitern geprüft werden. Denn dies ist ja wohl ganz offensichtlich kein Einzelfall.

    • @Kirsten #22 Ich verstehe nicht ganz, weshalb man Dir das Konto gesperrt hat. Stand da was in den AGBs? Das schlimme ist: man erreicht die Leute nicht. Es gibt keinen wirklichen Support. Man schreibt ins Leere und kann nur hoffen, dass sich jemand Deiner Sache annimmt.

  14. Hallo Richard,
    Wir betreiben als kleines Team von 3 ambitionierten Webmastern eine Vielzahl von Webseiten und sind inzwischen gerade dabei, diese alle auf werbefreiheit umzustellen. Es lohnt sich nicht wirklich und die Leute können eine Domain auch problemlos von Hand eingeben. Werbefrei, gerade im Bereich von Blogs macht inzwischen wirklich Sinn. Es geht auch ohne Google.
    Übrigens schön, dass du ein Flattr-Button hast. Wir drücken Dir mal einen rein.
    Grüße Karsten

    • @Karsten Schneider #24 Vielen Dank für Flattr-Klick und die aufmunternden Worte. Ja, ich finde Flattr & Co eine faszinierende Idee! Ich hoffe, das findet noch mehr Anhänger. Denn wozu noch den Umweg über Reklame gehen, um jemandem zu zeigen, dass man seinen blog gut findet?

  15. Klar. An die bespammten, genervten Nutzer denken weder Google noch der Blogmaster.

    Richtig wäre es, wenn jede Seite mit Adsense einfach gekickt würde, egal, mit welchem Filter. Denn erst dann hätte der User die Information, die Unterhaltung, … die er sich im Internet wünscht.

    Bisher ist das doch Nötigung.

  16. Ja, TubeMogul schreibt in seinen AGBs, dass Affiliate Marketing verboten ist. Wir betreiben aber gar kein Affiliate Marketing auf unserem Blog und promoten das auch nicht, geschweige denn in unseren Lehr-Videos.
    Allein der Titel eines Blogposts “Pro und Contra Affiliate Marketing” hat zur Schließung des Accounts geführt.
    Will heißen, deren Robot ist durch sie Seite gegangen, hat den Begriff Affiliate Marketing gefunden und sofort eine automatisierte Email versendet. In diesem Fall bin ja nun ich der Kunde und sitze am längeren Hebel, bei Google ist das jedoch höchst kritisch.
    Und ja, das nervigste ist, dass man, wie bei den Telefoncomputern (wenn Sie … drücken Sie die 1….) ins Leere kommuniziert.

  17. Auch Maschinen üben Zensur aus.
    Denn dahinter steht ein Unternehmen mit seinen Prozessen, die von Menschen gemacht sind.

    Google Kundendienst – gibts sowas wirklich? Ist das nicht eine Internet-Legende?

    • @Bruno #34 Das ist der Punkt: die Unternehmen setzen auf schnelles Wachstum, expandieren, schöpfen die Gewinne ab und vergessen unterwegs ihre Kunden. Das man mit dem wachsenden Kundenstamm auch den Kundenservice entsprechend anpassen muss, vergessen die meisten. Hinterher redet man sich raus: “Wir haben 10 Millionen Kunden, da können wir uns unmöglich um jeden kümmern.” – siehe Privatisierung Post / Telekom.

  18. Hatte das Problem, daß ich die Bilder von Keltenschanzen und Hügelgräbern in meinem Blog via der Google-Bildersuche nur noch mit der Einstellung “SafeSearch: Aus” gefunden habe. Leider dazu keine Mail bekommen, und als ich das selbst gemerkt habe auch keine Möglichkeit gefunden, von Google direkt die Ursache zu erfahren und mich unschuldig zu erklären. (näheres in meinem Blog-Eintrag vom 26. März 2010 unter dem Titel “Probleme mit der Google-Bildersuche”).

    Ich habe dann garnichts weiter gemacht und die Bilder waren plötzlich wieder da. Ob Google den Blogeintrag gelesen hat oder der Algorithmus nach einem halben Jahr gemerkt hat, daß alles in Ordnung ist, weiß ich nicht. Mich hat das nicht so belastet, aber man kann sich auch Leute vorstellen, die finanziell auf die Sichtbarkeit der Bilder angewiesen sind.

    Für Google habe ich insoweit ein Verständnis, weil das alles bei den geringen Einzelbeträgen, die für Google schlußendlich rüberkommen, nur automatisiert laufen kann und das automatische Text- und Bildverständnis halt mangelhaft ist. Da wird dann systembedingt mehr aussortiert als notwendig ist.

    Sehr problematisch fand ich, daß man erstens selber drauf kommen muß, obwohl Google auch in meinem Fall eine automatische Mail hätte fabrizieren können. Und dann, daß das was dann kommt auch noch möglichst billig für Google abgefackelt wird. Was ich seinerzeit gefunden habe war ein Forum, wo man sich mit anderen Opfern austauschen kann. Zumindest auf der Ebene sollte ein klärendes Verfahren mit menschlichem Gegenüber möglich sein.

    Aber vielleicht muß man das System wirklich zuende denken und dann sehen, daß sich so ein “der ist brav”-Flag in Absprache garnicht setzen läßt, weil das auf eine manuelle Kategorisierung hinausläuft, die dann manuell kontrolliert werden muß und die nicht refinanziert werden kann?

    Ich bin ratlos wie aus dem Dilemma herauszukommen ist. Mehr Transparenz wäre auf jeden Fall hilfreich, insbesonders mehr (selbst automatisierte) Transparenz von Google. Finde es deshalb gut, daß diese Problematik bekannter gemacht und breiter diskutiert wird.

    • @Jürgen Kunz #35 Dank Dir für den sehr differenzierten Beitrag. Vor allem den letzten Absatz Deines Kommentars halte ich für wichtig. Transparenz. Deshalb habe ich die Antwort von Google auch sofort, unbearbeitet, online gestellt.

  19. Zensur ist gut ;) Du verstößt mit jeder einzelnen Seite von gutjahr.biz gegen die Google-Richtlinien. Laut diesen ist es nicht erlaubt AdSense Werbung mit dem Begriffen “Sponsor” oder “Sponsoren” zu betiteln, was ja auch irgendwie logisch ist :) Es wird ganz allein daran liegen – an mehr nicht.

  20. Es geht nicht um Zensur. Es geht darum, dass ein Unternehmen automatisiert Blogs durchforstet, aus den gewonnenen Erkenntnissen dann Schlüsse zieht und die durch einen (nicht unproblematischen) Moralfilter jagt und der Aktion dann Konsequenzen folgen lässt. Dass das rechtlich (vgl. AGB) völlig in Ordnung ist, ist die eine Sache. Dass das Recht hier aber hinterfragt gehört, eine andere. Nichts anderes macht der Autor, verwendet ein wenig leichtfertig den Begriff “Zensur” und wird dafür von Kollegen wie Björn Habegger von der Seite angemacht.

    Find’ ich nicht gut.

  21. Etwas viel Aufregung.

    Bedenklich ist zwar, welche merkwürdige Grenze Google um sein Anzeigennetzwerk zieht – und das auch eher nach amerikanischen Vorstellungen. Auch die quasi-automatisierte Mitteilung verstört natürlich. Sie gehört zwar zum Google-Prinzip (Automatisierung, long tail), ist aber sicher meinungsbildungsrelevanten Fragen kaum angemessen.

    Dass Google aber Qualitätskriterien zur Teilnahme an seinem Anzeigennetzwerk aufstellt, ist hingegen per se wohl kaum zu monieren.

    Google scheint zudem einen erstaunlich guten track record zu haben, dass weder die Teilnahme an Google Analytics noch Google Adsense das Ranking positiv beeinflusst.

    • @robin #39 Gebe Dir in allen Punkten recht. Etwas viel Aufregung. Habe mich vor allem an dem automatisierten Ultimatum gestört. Was ich aber heute gelernt habe (und das war mir tatsächlich nicht bewusst): laut Google AdSense AGB darf ich das Wort “Porn” noch nicht einmal in geschriebener Form verwenden (s. Google-Antwort). Ich kann mir jetzt überlegen, wie ich damit umgehe. Zensur? Nein. Diskussionswürdig? Allemal. Das gilt im Übrigen nicht nur für Google, sondern auch für Apple (genau darum ging es ja im blogpost, der ja dann von Google beanstandet wurde!). Bizarr.

  22. Automaten können Fehler machen, ist ja schön und gut, aber das darf nicht zu einer Maschinen-Diktatur mutieren. Google kann sich so nicht aus der Affäre ziehen. Und es kann ja nicht sein, dass wir uns höflich zu verneigen haben gegenüber den elektronischen Agenten. Ich habe Google gegen viele Kampagnen in Schutz genommen, aber hier müssen die Systemfehler so schnell wie möglich korrigiert werden, um nicht einen Paternalismus der Algorithmen zu bekommen.

  23. Nachtrag: Google hat mir am Nachmittag geantwortet.
    Hier der ungekürzte Originaltext:

    Lieber Herr Gutjahr,

    wie Ihnen als AdSense-Partner bekannt ist, muss man als Webseitenbetreiber den Richtlininen und Nutzungsbedingungen des AdSense-Programms zustimmen. Diese besagen unter anderem, das “pornografische oder sonstige nicht jugendfreie Inhalte” nicht gestattet sind – das gilt auch für einzelne Wörter. Nur um das kurz zu erläutern: Das Geld, das an AdSense-Partner wie Sie ausgezahlt wird, stammt von Anzeigenkunden, die ihr Produkt/ihre Marke in einem Umfeld platziert haben möchten, das den Richtlinien entspricht. AdSense-Partner können selber entscheiden, auf welchen Seiten sie AdSense-Anzeigen platzieren möchten – und auf welchen nicht.

    In Ihrem Beitrag taucht das Wort “Blow Job” im Titel und in der URL auf. Außerdem wird im Fließtext mehrfach das Wort “Porn” verwendet. Für das automatisierte AdSense-System, das den Seiteninhalt scannt, um contextrelevante Anzeigen auszuspielen, ergibt das als Ergebnis eine Einstufung als “nicht jugendfrei”. Aus diesem Grund haben Sie diese automatisierte Nachricht von Google erhalten, die Sie darum bittet, den Text entsprechend umzuformulieren. Das hat nichts – wie von Ihnen geschrieben – mit Zensur zu tun, sondern damit, dass wir die Verantwortung für unsere Kunden übernommen haben, ein Umfeld für Ihre Anzeigen entsprechend der Richtlinien zu bieten. Sie selbst haben die Wahl darüber, ob Sie die AdSense-Anzeigen für die einzelne Seite deaktivieren möchten, auf der der Artikel geposted ist – ohne den Artikel-Text zu ändern. So würden Sie mit Ihrem Blog mit Hilfe von AdSense weiterhin Einnahmen generieren. Eine weitere Möglichkeit liegt darin, den Text in Bezug auf die nicht jugendfrei klassifizierten Begriffe zu verändern. In beiden Fällen bleibt die Auffindbarkeit Ihres Blogs und dieses Artikels in der Google-Suche selbstverständlich unberührt! Uns hier also Zensur zu unterstellen entbehrt jeglicher Grundlage.

    Übrigens bekommt jeder, der eine Frage zu AdSense hat, Unterstützung im AdSense Hilfeforum. Dort antworten andere AdSense Publisher sowie AdSense-Kollegen.

    Viele Grüße und ein schönes Wochenende!

    L.W. (Name von mir abgekürzt)

    Communications & Public Affairs Manager

  24. Die haben doch keine Ahnung was nicht Jugendfrei ist!
    Das ist an dem Wort “blow” denn so schlimm? Das steht in jedem Duden!
    Genauso wie Porn und Co.
    Aber wenn die nichts besseres zu tun haben!!!

    Gruß Flo

  25. Es ist mal wieder unglaublich wie viel Stuss hier in den Kommentaren landet – besonders die Leute schreien am lautesten, die keine Ahnung vom Adsense-System haben. Die letzte E-Mail von Google sagt eigentlich schon alles – gutjahr.biz nimmt am Adsense-Programmteil bzw. will teilnehmen, hat deswegen die AGB bestätigt und sollte sich auch an diese halten. Wenn dieser jetzt Porno-Content (auch Text gilt dazu wegen der Kontextsensitivität) veröffentlicht, dann ist das ein Verstoß gegen die Richtlinien – fertig, kein Geweine und keine Zensur (das Wort wird auch immer schneller verwendet).

    Also weiterhin Adsense nutzen und sich an die Regeln halten oder es abschalten -> gibt auch lockere Alternativen.

    • @Alex 43/44 Hab’s vorher schon erwähnt: mein Denkfehler war, dass ich von einem Fehler durch einen über-eifrigen Bot ausging. Die Tatsache, dass ich allein schon durch geschriebene Worte wie “porn” oder “blow-jobs” (in Anspielung auf Steve Jobs) gegen Google-Richtlinien verstoße, war mir nicht bewusst. Deshalb: Ja, an AGBs muss man sich natürlich halten. Wenn man das nicht will, sucht man eben nach Alternativen.

  26. Ach übrigens: Früher wurden Adsense-Konten, welche gegen die Richtlinien verstoßen hatten einfach gesperrt – ohne eine freundliche Hinweis-Email. In das Adsense Programm ist man dann für einige Zeit bzw. mit seinen Kontodaten nicht mehr gekommen.

  27. Google könnte ein Kontrollsystem auch anders aufziehen und Warnungen erst einmal intern aufnehmen, das Ganze über Menschen prüfen lassen und dann entscheiden, ob wirklich jugendgefährdende Inhalte gepostet wurden. Maschinen sollte man die Korrespondenz eben nicht überlassen. Es kann halt nicht die gesamte Kundenkommunikation automatisiert ablaufen. Auch bei den Serviceleistungen wie für das Nexus One ist Google auf die Schnauze gefallen, weil es sich um Angebote handelt, die erklärungsbedürftig sind. Die Antwort von Google überzeugt nicht.

  28. Zensur im Internet durch ein Unternehmen , egal ob Apple , Google oder wen auch immer geht nicht. Auch nicht durch solche AGB´s. Das ist einzig und allein Aufgabe des Staates. Und ich glaube immer noch an einen Bürger der selbst entscheiden kann. Meine Gedanken dazu hier http://goo.gl/3FTU

  29. Sollen Sie doch so viel Zensieren wie sie wollen. Wenn es mir zu bunt wird vergess ich die ganzen Apple/Google/Microsoft Spacken, verkauf meine Hardware und benutze wieder den guten alten C64. Damals hat das Ding mit den Computern eh viel mehr Spaß gemacht als heute. Disketten tauschen auf dem Schulhof, Warez per Post verschicken. Jeder war ein kleiner Hacker. Maps von Spielen wurden akribisch auf Karo-Papier übertragen und überhaupt, wer ein Spiel laden wollte musste erstmal was in die Kommandozeile tippen LOAD”*”,8,1 … Dann schreib ich wieder ein paar Notes mit dem Voodonoter und verschick die 5″25 Scheibe per Post. Fern ab von Google, Microsoft und Apple! :)

  30. @Marcel

    Aha, weil ich AGBs verteile sind die automatisch rechtlich korrekt. Hmmm, das glaube ich weniger. Insofern ist der einleitende Satz besonders “lustig”, wennman sich an der juritistischen Bewertung ohne Hintergrundwissen versucht

  31. @ Richard Gutjahr:
    Natürlich gibt es Spielregeln an die man sich halten muss wenn man Geld verdienen will! Aber google fängt langsam an wie Apple mit ihrem AppStore!
    Ich habe neulich mit einem Podcaster Geschrieben der aus iTunes rausgeflogen ist weil er gezeigt hat wie man das iPad jailbreakt, weil Apple so viele tolle Apps nicht in den AppStore nimmt!
    Also Zensur von vorne bis hinten!
    Ich denke auch nicht dass man auf Porno Seiten google adds anzeigen sollte!
    Aber auf einem Blog wo ein Artikel gegen die Konkurrenz steht wo zwei, drei Wörter stehen die man 1.000 mal in der Schule in der Pause hört , dass finde ich übertrieben!
    Die sollten sich vieleicht mal selber die Artikel durchlesen bevor sie so eine Automatik Mail losschicken !!!

    Gruß
    Florian Raabe

  32. Volker Schmitt (#55) hat recht: Der Begriff “Zensur” wird von staatlichen Organen ausgeübt, trifft hier also nicht zu.

    Außerdem: Selbst wenn es sich bei Google um ein staatliches Organ handelte, wäre das betreffende Ansinnen immer noch keine Zensur! Google unterdrückt hier ja keine Inhalte, sondern will lediglich nicht, dass bestimmte Wörter auf AdSense-Seiten auftauchen. Das ist Googles gutes Recht (egal, wie lächerlich das aktuelle Vorgehen ist).

    • @Peter Jebsen #60 Hallo Peter, ich hatte am Freitag ein längeres Telefonat mit dem Pressesprecher von Google und wir haben einige missverständliche Punkte klären können: es war nicht richtig, in diesem Fall von Zensur zu reden. Provoziert wurde der Begriff aber von Google selbst: “Sie haben drei Werktage Zeit, um Ihr blog zu ändern” – eine solche automatisierte (erste) Aufforderung an einen AdSense-Partner, noch dazu in der Betreffzeile, schürt förmlich Zensur-Ängste. Der Google-Sprecher und ich waren uns einig, dass eine Debatte darüber, wo Zensur anfange, zulässig und wichtig sei. Insofern war für die Diskussion an dieser Stelle mit Sicherheit für beide Seiten am Ende doch sehr lehrreich.

      P.S. Ich habe die AdSense-Werbung am Wochenende aus dem von Google monierten Blogpost entfernt, den Text selbst aber nicht angerührt.

  33. Was ist Zensur für uns? Und was ist es für Google? Und vor allem wo fängt sie an?
    Die Diskussion über die Interpretation von diesen Begriffen im Internet ist hochaktuell. Unsere Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut und sollte auch durch AGBs nicht einseitig eingeschränkt werden.
    Und wer “Nacktheit” mit “P o r n o” gleichsetzt, redet nicht dem Jugendschutz, sondern nur der Volksverdummung das Wort. Meine Gedanken zum Thema: http://www.nabehr.de/2010/07/07/google-und-der-empfindliche-umgang-mit-kritik/