Erst das Internet verpennen und dann die Öffentlich-Rechtlichen prügeln? Wegen eines Tagesschau-Apps? Wirklich? Ein Blogpost für alle Verleger, die aus dem zu Ende gehenden Jahrzehnt offenbar nichts gelernt haben.
Liebe Verleger,
ich finde, nun ist’s auch langsam mal wieder gut. Nachdem Ihr über eine Dekade damit vertan habt, das Internet zu bekämpfen, solltet Ihr endlich begreifen: egal wie viel politischen Druck Ihr ausübt – die Welt dreht sich nicht mehr nach Euren Druckmaschinen. Das Rad der Zeit lässt sich nicht zurückdrehen, nicht durch Lobby-Arbeit in Berlin, nicht durch teure Anwälte in Brüssel, nicht mal durch die Bild-Zeitung auf der Straße.
Ich gratuliere den Kollegen von der Tagesschau und bin stolz, dass man dort der Entwicklung nicht hinterherläuft, sondern an neuen Wegen arbeitet, wie man dem Gebührenzahler das gibt, wofür er ja schließlich auch bezahlt: seriöse Berichterstattung – immer mehr auch jenseits der Stechuhr. Wie oft wurde den Öffentlich-Rechtlichen vorgeworfen, nicht zeitgemäß zu sein oder mit seinen Programmen nur noch Rentner zu bedienen?
Auch Menschen, die arbeiten, die pendeln müssen und nicht pünktlich um 20 Uhr zuhause vor dem Fernseher sitzen können (oder wollen), haben ein Recht auf seriöse, öffentlich-rechtliche Nachrichten. Sie haben ein Recht darauf – denn sie haben dafür bereits gezahlt. Dass die Sender ihre teuren Produktionen sieben Tage nach Ausstrahlung aus dem Internet nehmen und vor ihrem Publikum wieder verstecken müssen, ist absurd genug.
Über Sinn und Zweck von Gebührengeldern lässt sich streiten. Diese Debatte wurde ja auch schon gelegentlich geführt. Nur soviel: Wenn man prinzipiell der Meinung ist, Ja, wir wollen ein öffentlich-rechtliches Programmangebot, dann sollte man denjenigen, die das am Ende dann bezahlen müssen, auch die Freiheit lassen, auf ihre Inhalte zugreifen zu können – und zwar wann immer und wo immer sie das wollen.
Wenn ein ARD-Korrespondent in Iran oder in Afghanistan seinen Kopf riskiert, um für die Tagesschau zu berichten, dann darf es doch nicht darum gehen, auf welchem Endgerät der Zuschauer dessen Beitrag empfängt. Am Ende geht es doch immer um die Nachricht – nicht um den Verbreitungsweg. Sogar die Demonstranten in Teheran nutzen inzwischen Video-Handys, um auf ihre Lage aufmerksam zu machen. Den Mullahs passt diese neue Technik offenbar genauso wenig wie hierzulande einigen Verlegern.
Geht doch: friedliche Koexistenz auf dem iPhone
Ich selbst bin Mitarbeiter bei einem öffentlich-rechtlichen Sender. Freier Mitarbeiter wohlgemerkt, will sagen: wie viele meiner freien Kolleginnen und Kollegen kann ich jeden Tag meinen Job verlieren, nämlich dann, wenn Sendungen gestrichen werden. Auch das habe ich schon hinter mir.
Ihr, liebe Verleger, erweist gerade uns jüngeren Journalisten – öffentlich-rechtlich oder privat – einen Bärendienst. Statt Arbeitplätze mit Zukunft zu schaffen, beisst Ihr Euch an überholten Geschäftsmodellen fest. Glaubt Ihr im Ernst, ohne die Öffentlich-Rechtlichen wäre das anders? Dazu müsstet Ihr schon Google, ach was, das ganze Internet verbieten. Guten Flug.
Ob Journalisten, Verleger oder Senderchefs, wir Medienleute stehen am Anfang einer neuen, großartigen Epoche: freier Zugang zu ungefilterten Informationen – welch einzigartige Chance, gerade für die Verlage! Ironischerweise sind es oft einfache College-Bengels, die jene Lügen strafen, von wegen, mit Informationen im Internet könne man kein Geld verdienen. Google, Facebook oder Twitter funktionieren weltweit, völlig egal, ob es in einem Land gebührenfinanzierte Medien gibt oder nicht.
Macht endlich Schluss mit dieser verlogenen Debatte um Meinungsvielfalt und Arbeitsplätze und sagt uns, worum es Euch in Wahrheit geht: um Eure liebgewonnen Gewinnmargen!
Die Zeitungs-Lizenz, einst erteilt von den Alliierten, war für die Verleger über Jahrzehnte hinweg eine Lizenz zum Geld drucken; seit Kriegsende kaum ein Jahr ohne ein neues Rekordergebnis. Welche Branche kann das schon für sich beanspruchen?
Das Spiel hat sich geändert, doch Ihr spielt noch immer nach den alten Regeln: Ihr beklagt Verluste, droht mit Arbeitsplatzabbau. Dabei machen diejenigen, die am lautesten schreien, immer noch Gewinn! Nicht mehr soviel wie einst, das mag man bedauern. Allerdings werdet auch Ihr Euch bald wieder berappeln, nämlich dann, wenn Ihr endlich wieder Angebote macht und Plattformen anbietet, für die/über die wir auch gerne zahlen (Musikindustrie-iTunes, Versandhandel-Amazon…).
Keine andere Branche hatte es so leicht, seine Produkte auf das neue Zeitalter auszurichten. Keine andere Branche hätte das Internet inniger umarmen und neue Technologien schneller vorantreiben müssen, wie die Print-Industrie: millionenfache Produktauslieferung in Sekundenschnelle, weltweit, per Mausklick. Probier das mal mit anderen Gütern, wie zum Beispiel mit einem Auto.
Schnell seid Ihr dabei, wenn es darum geht, einen Schuldigen für Eure Probleme zu benennen: Google, das Internet, die Öffentlich-Rechtlichen.
Ich lese gerne Zeitung; auf Papier, im Internet und auf dem iPhone. Und ja, ich würde Euch für hochwertige, sauber recherchierte Texte im Internet auch etwas zahlen, wenn Ihr es mir nicht stets so schwer gemacht hättet, das zu tun (Hallo Frankfurter Allgemeine: Zwei Euro für die Nutzung eines einzigen Artikels für eine Dauer von 24 Stunden? – Bravo!).
Euer Feind ist nicht irgendein angekündigtes Killer-App, nicht die Tagesschau, nicht ARD oder ZDF. Euer Feind seid Ihr selbst.
Tut uns 2010 doch bitte einen Gefallen: Hört endlich auf zu jammern. Überrascht uns lieber mit tollen Angeboten. Es wird Zeit.








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Guter Text. Aber warum sagt dann der BR gegenüber BILD: “Wir haben und planen derzeit kein solches Angebot”? Fällt der Sender damit nicht der “Tagesschau” in den Rücken? Und wären die Zulieferungen des BR zur “Tagesschau” nicht auch Teil der “Tagesschau”-App?
Deinem Blogpost ist eigentlich nichts hinzuzufügen. Es ist wirklich höchste Zeit, dass sich die Print-Verleger mal beim eigenen Schopf packen (und nicht die Schuld bei anderen Leuten suchen) und aufhören, um sich zu schlagen, um ihre verstaubten, aber auf modern getrimmten Geschäftsmodelle zu verteidigen. Wünschenswert wäre auch mehr Risikobereitschaft für neue, auf den ersten Blick vielleicht ungewöhnliche Ideen und Wege. Denn nur so können Innovationen geschaffen werden. Das nötige Kleingeld dürfte jedenfalls vorhanden sein.
Das Dichtmachen der Netzeitung halte ich in diesem Zusammenhang für einen Schritt in die falsche Richtung.
@Michael Dass die Netzzeitung dicht machen muss, habe ich auch bedauert. Allerdings haben die zahlreichen Besitzer immer wieder am falschen Ende gespart. Agenturmeldungen gibt’s woanders auch.
Bravo, dem ist nichts hinzuzufügen. Eines der ersten Apps auf meinem iPone war das der New York Times. Da wussten hiesige Verleger noch nicht einmal, wie man iPhone richtig schreibt. Daran hat sich dann Jahre nichts geändert….
@Thomas War auch mein erstes Medien-App! #New York Times ;-)
Absolut richtig. Ich hoffe nur, dass die GEZ es auch so sieht, dass die Apps und der Empfang auf dem iPhone bereits von den Gebühren abgedeckt sind.
@Wolfgang: ich kann hier nicht für den BR sprechen, schon gar nicht für die Öffentlich-Rechtlichen Sender insgesamt. Als Privatperson und auch als Gebührenzahler könnte ich schon erwarten, tagesaktuelle Beiträge auch aus Bayern unterwegs abrufen zu können. Das ist keine Marktverzerrung – das ist ein veränderter Markt. Auf die neue Mobilität der Technik und der Menschen NICHT zu reagieren und auf eine Tagesschau um 20 Uhr auf der Wohnzimmercouch zu bestehen- DAS nenne ich Marktverzerrung.
Lesenswerte Kommentare / Blogposts:
Dr. Kai Gniffke auf Tagesschau.de:
http://blog.tagesschau.de/?p=7439
Thomas Lückerath / DWDL.de:
http://bit.ly/7wmpwu
Thomas Knüwer / Indiskretion Ehrensache:
http://www.indiskretionehrensache.de/2009/12/die-reden/
Ulrike Langer / medial digital
http://medialdigital.de/2009/12/30/der-app-streit-ist-nur-ein-symbol-es-geht-um-einen-paradigmenwechsel/
@ramses101 Sowas kann nicht die GEZ entscheiden sondern Gesetzgeber und Gerichte. Im Grunde genommen eine Entscheidung von uns allen, als moderne und mobile (Informations-) Gesellschaft.
@ramses101 Zum Glück kann sowas nicht die GEZ entscheiden sondern der Gesetzgeber und die Gerichte. Im Grunde genommen eine Frage an uns alle, als moderne und mobile (Informations-) Gesellschaft.
…sag’, hast Du schon eine Facebook Fanpage für das Thema Tagesschau App erstellt?
@Kira …genau, und da schalten wir dann Anzeigen und Werbung drauf. Auch gekaufte redaktionelle Beiträge könnt ich mir vorstellen. Das wird ganz groß! ;-)
Man sollte nicht unter den Tisch fallen lassen, dass sich letztendlich nur ein Verlag so massiv gegen die Tagesschau-App gestellt hat. Und das war Springer.
@David Wart’s ab… die anderen laufen sich schon warm.
Vielen Dank für diesen Text, den ich somit nicht mehr schreiben muss in den diversen Foren, in denen man den GEZ-Gegnern, BILD Gläubigern oder anderen Anti-Alles Menschen begegnet..
Was mich persönlich am meisten verwundert (und ärgert) ist die Tatsache, daß die Zweit- und Drittvewertung der Tagesschau (also DEM MUSTERBEISPIEL für öffentlich rechtliche Berichtertattung, die private nie leisten köönnten/wollten/würden) lauter und heftiger reagiert wird als auf öffentlich rechtliche Katastrophen wie z.B. MDR JUMP, die ihrem Auftrag in keinster Weise gerecht werden!
@Sebastian Stimme Dir absolut zu. Und ja: ich finde es absolut richtig, dass man die Angebote der Ö.R. immer wieder kritisch diskutiert. Aber dann ausgerechnet bei einem Tagesschau App anzusetzen zeigt doch nur, worum es Springer und Co wirklich geht.
Es ist bezeichnend, daß die Verleger die Bezahlinhalte in großem Umfang einführen, deren Blätter man nicht mal gratis liest, sei es im Netz oder in der U-Bahn.
Ein Tagesschau-App ist sicher der richtige Schritt, auch wenn er für den Gebührenzahler nur ein Teil des bereits bezahlten Angebots ist. Deshalb betrachte ich es auch nicht unbedingt als kostenloses Angebot.
Deshalb ist das Geschrei der Verleger unter diesem Aspekt noch absurder…
@Stadtneurotiker Natürlich ist ein Tagesschau nicht kostenlos, weil auch hier die Rundfunkgebühr dahinter steht. Die Frage ist glaube ich nicht App oder nicht App – sondern: brauchen wir überhaupt Ö.R. in Deutschland oder nicht. Ich bin mir sicher, diese Debatte wird bald beginnen.
D’accord! Was mich an der ganzen Kinderkacke so fassungslos macht: Wir reden über eine App für’s IPhone. Nicht für’s Tchibo-Handy und auch nicht für irgendein Nokia-Musik-Monster…Wie viele Otto Normalverbraucher können sich ein IPhone leisten, zumal da vermutlich noch recht lange eine Fast-Knebelung an T-Mobile besteht. Also da den Begriff Massenmarkt überhaupt nur anzudenken, ist nachgerade paradox. Was macht Döpfner erst, wenn der Android-Markt abhebt?
Und mal zu Döpfner & Co.: Es wäre mir persönlich zu peinlich, angesichts nicht vorhandener Strategien geschweige denn Ideen so ein öffentliches Ballyhoo zu veranstalten. Die Verlage pflanzen keine digitalen Bäume mehr. Sie haben lieber den Ast, auf dem sie sitzen, unter großer medialer Aufmerksamkeit durchgesägt.
@Richard
Erst habe ich begonnen, Deinen Beitrag zu kommentieren, weil ich glaube, dass Du in einem zentralen Punkt falsch liegst (“ist alles schon bezahlt”). Dann wurde der Kommentar immer länger und grundsätzlicher. Und deshalb ist es jetzt ein eigener Blogpost geworden:
http://medialdigital.de/2009/12/30/der-app-streit-ist-nur-ein-symbol-es-geht-um-einen-paradigmenwechsel/
Erst einmal bravo für diesen Artikel, ich stimmer dir voll und ganz zu.
Das Problem der Teitungsverlage ist und bleibt ihre grenzenlose Arroganz mit der man über die Jahre das Internet belächelt hat.
Man war wohl nicht selten der Meinung, dass dieser Hype irgendwann einmal abebbt. Dass man als ehemaliger Innovationstreiber in Sachen Druck dann auch noch Innovationen verpennt hat, ist umso peinlicher.
Jetzt wird nur noch mit wildem “Um sich Schlagen” versucht zu retten, was schon längst dem Untergang geweiht ist.
Ein Tagesschau App halte ich im übrigen für selbstverständlich und keineswegs für schädlich. Die Bildzeitung war meiner Meinung nach noch nie eine Konkurrenz zu dieser Zeitung, oder habe ich da was verpasst?
@Ulrike – Genauso ging’s mir gestern Nacht auch, als ich die Berichte bei Bild und DWDL gelesen habe. ;-) Ich finde Deine Argumentationsführung sehr schlüssig und, wie immer bei Dir, sehr differenziert (Das ist das schöne an Deinen Texten: egal zu welchem Thema, ein immer gültiges Qualitätsversprechen!). In der Sache sind wir gar nicht so weit auseinander – wie Du gemerkt hast, habe ich die Gebührenfrage komplett ausgeklammert. Dieses Fass aufzumachen, dafür war ich letzte Nacht einfach zu müde. Soviel ist sicher: Stoff für Podiumsdiskussionen im nächsten Jahr gibt es wohl reichlich!
@Stefan Danke für Deinen Kommentar. Ich hab mich auch gewundert. Dass sich ein Bild-Zeitungs-App (das im Übrigen sehr gelungen ist!) und die Tagesschau große Konkurrenz machen, bezweifle ich. Kniffliger wird’s da schon mit der “Welt”. Ich denke aber: wenn Inhalt, Usability und Preis stimmen, muss sich Springer keine allzu große Sorgen machen über die Zukunft. Das hat die Musikindustrie auch irgendwann mal begriffen.
@Richard
Danke und dito! Auf ein Diskussionspodium mit Dir zum Thema Apps setze ich mich sofort :-) Wen nehmen wir dazu? Schlage vor: Kai Gniffke und Matthias Döpfner als Kontrahenten, dann noch für die sachliche Expertise Heike Scholz von mobilezeitgeist.de und zum Einpeitschen Thomas Knüwer. Christian Jakubetz als Moderator. Kann losgehen :-)
@Richard
Wurde Zeit für diesen Kommentar. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Deutschland verfügt bis heute über eine verfassungsrechtlich garantierte Bestands- und Entwicklungsgarantie. Das schließt die Entwicklung in Sachen WEB 2.0, iPhone-Apps etc. mit ein. Dass darüber – und das jeweilige Ausmaß der Entwicklung (und last not least deren Finanzierung via Zwangsgebühren) in der Politik und von jammernder Verleger-Seite heftig gestritten wird (übrigens von Parteienseite besonders, die sich in den letzten Jahrzehnten nicht unbedingt durch Förderung der Meinungsvielvalt verdient gemacht hätte), geschenkt.
Ob Tagesschau, WELT- oder BILD-App oder welches Angebot auch immer: Das Schöne am Internet und der neuen iPhonie ist doch, daß Nutzer sich ihre Inhalte nach eigenem Gusto aussuchen dürfen – übrigens auch das ist durch Artikel 5 GG abgedeckt: Jedermann hat das Recht, sich aus frei zugänglichen Quellen jederzeit zu unterrichten. Wer das nicht will, siehe die meisten islamischen Staaten, Diktaturen wie z.B. Iran, China, versucht, die Freiheiten der Bürger nach Kräften zu beschneiden und diese Meinungsfreiheit zu unterdrücken.
Wenn aber althergebrachte Dienste, Medien, Zeitungen, sich-für-den-Nabel-der-Welt-haltende Journalisten weiterhin glauben, nach dem alten Gate-Keeper-Modell weiter einseitig Meinung machen oder manipulieren zu können und darauf auch noch einen Alleinvertretungsanspruch für alle Zukunft postulieren – na dann:
Ach, lasst doch diese Narren weiter glauben an ihr sinkend Narrenschiff. Wir segeln längst woanders! ;-)
@Detlev Brechtel Tja, das iPhone ist halt sexy – und jeder will drauf. Komisch nur, dass (wieder mal) ein Computerbauer aus Kalifornien kommen musste, um den Medienhäusern zu zeigen, was die Leser/Zuschauer/Nutzer wirklich wollen.
@Detlef Korus Vielen Dank für Deinen ausführlichen Text. Ich bin auch der Meinung, dass es im Internet (und auf dem iPhone mit über 100.000 Apps) genug Platz gibt für alle. Ich bin froh, dass ich heute die Wahl habe und mir meinen Medien-Mix individuell zusammenstellen kann. Für mich als Privatmann gehören die Ö.R. da unbedingt mit dazu. Wie Du am Screenshot-Abriss oben erkennen kannst, habe ich aber auch private Angebote auf meinem iPhone.
Hi,
nachdem die Hamburger Erklärung durch meinen ehemaligen Verlag unterzeichnet wurde, war der Weg zur offensiven Kündigung geebnet. Und es war eine tolle Entscheidung. Wie war der Kommentar gestern auf twitter :
Frei nach Kennedy an die Verlage
Frage nicht was der Staat für dich tun kann, sondern frag was du für deine Leser tun kannst
jupp,
auch ich halte eine App nicht nur für selbstverständlich, sondern geradezu für überfällig. Allerdings würde es dem öfentlich rechtlichen Auftrag nicht gerecht, sich genauso borniert wie viele Unternehmen zu Verhalten und eine App nur fürs iPhone anzubieten. Gerade die haben die verdammte Pflicht es auch für Android, OS, Symbian und jetzt auch meamo anzubieten.
Im übrigen: Das Geschrei ist doch vor allem deshalb so groß und wird auch sofort von den üblichen Verdächtigen aus CDU und FDP unterstützt, weil die Angst habe die Meinungsführerschaft zu verlieren. Aber das kann man ganz gelassen betrachten und systemisch einordnen: Wer brüllt hat schon verloren. Es ist nur noch ein verzweifelter Abwehrkampf.
Gutes Neues!
@Boomel …wie wär’s noch mit: I have a dream! ;-) Bin echt gespannt, wie das so weitergeht 2010…
@Ingo Nach dem Geschrei bin ich mir noch nicht mal sicher, ob die Tagesschau nicht am Ende zurückgepfiffen wird und auch das iPhone-App beerdigt wird. Zu Android & Co: klar, wenn die eine entsprechende Marktrelevanz erreichen, muss man sowas natürlich auch anbieten. Wobei es ein Kinderspiel sein dürfte, die Oberflächen anzupassen, wenn einmal das Gerüst und die Datenbank für das iPhone steht. Was die Politik angeht, haben wir ja schon ein dolles Ding in Mainz erlebt dieses Jahr. Hat Kurt Beck eigentlich schon Klage erhoben? ;-)
@ Richard Gutjahr
Am extremsten wurde bei der Netzeitung vor allem unter Mecom gespart – und das hat ihr letztlich das Genick gebrochen. Wenn man die Zahl der Redakteure um mehr als die Hälfte reduziert, muss man sich nicht wundern, wenn am Ende nur noch eine Agenturmeldung-Weiterverbreitungsmaschine rauskommt. Die wenigen Redakteure, die am Ende noch da waren, haben mit großem Engagement versucht, die Qualität aufrechtzuerhalten und weiterhin mit eigenen Stücken Akzente zu setzen, doch das war von den Eignern letztlich wohl nicht mehr gewünscht.
Richard Gutjahr schrieb: “Die Frage ist glaube ich nicht App oder nicht App sondern: brauchen wir überhaupt Ö.R. in Deutschland oder nicht. Ich bin mir sicher, diese Debatte wird bald beginnen.”
@Richard Gutjahr: Ja, es wird Zeit für diese Debatte. In der Bevölkerung hat schon die Abstimmung mit den Füßen (genauer gesagt mit der Fernbedienung) begonnen: Bei den Zuschauern unter 50 sind ARD/ZDF nur noch Nischenanbieter mit Marktanteilen auf dem Niveau von RTL2 und Vox (siehe DWDL-Meldung vom 1.1.10). Noch kann diese Entwicklung ARD/ZDF herzlich egal sein. Die Gebühren fließen ja üppig und automatisch. Doch irgendwann wird auch die schon jetzt zunehmende Verweigerung der Zahlung der Rundfunkgebühren ein schmerzhaftes Ausmaß erreichen, weil die Bevölkerung diesen Zwang nicht mehr so klaglos hinnehmen wird wie bisher.
Tja, brauchen wir das teuerste öffentlich-rechtliche Rundfunksystem der Welt? Ginge es auch 7-8 Nummern kleiner? Sollte der Auftrag der öffentlich-rechtlichen genauer definiert, das Angebot reduziert werden? Grundversorgung und so, was auch immer das sein mag …
Eigentlich ist die Sache doch klar: niemand braucht öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Also schafft ihn ab. Komplett.
Wir werden nicht in ein Info-Vakuum fallen, wenn die “unabhängigen Medien” (Zitat GEZ) *hahaha* fehlen. Wir kommen ja auch ohne ö-r Tageszeitungen ganz gut klar.
P.S.: der derzeitige iPhone-Hype nervt gewaltig. Die “Info-Elite” macht um dieses technisch eher durchschnittliche Gerät ein so unüberhörbares Geschnatter, dass man meint, Second Life hätte ein Brüderchen bekommen.
@Ulrich Danke für Deinen Diskussionsbeitrag. Die Frage nach der Notwendigkeit von Rundfunkgebühren kann man stellen. Ich persönlich möchte nicht von RTL & ProSieben/Sat.1 abhängig sein müssen, was TV-Nachrichten und Dokumentationen angeht. Aber die Frage ist berechtigt.
Deine Argumentation bzgl. des Alters kann ich nicht nachvollziehen: wer nur Hollywood-Ware und PopStars bringt, der hat natürlich automatisch die jüngeren Zuschauer. Das sagt nichts über Qualität. Außerdem: wenn Du mit dem Alter argumentierst: gerade dann müssten die ÖR noch mehr auf Internet und Mobiltelefone gehen, weil gerade jüngere Menschen eher mobil und technik-affin sind. ARD & ZDF diesen Schritt einerseits verbieten zu wollen und sie DANN auch noch dafür zu kritisieren, dass sie zu rückständig sind, halte ich für unredlich.
Was das iPhone angeht bin ich komplett anderer Meinung als Du. Apple hat mit quasi einem einzigen Modell den Markt komplett aufgemischt (Nokia hat z.Z. rund 150 Modelle im Angebot und kommt nicht vom Fleck). Kein anderes Handy, kein Pre, kein Android, hat es bisher geschafft, an das User-Interface des iPhones heranzukommen. Technisch mag es vielleicht nicht so viel können, als die Konkurrenz, aber das war bei Apple schon immer der Fall: Das Wenige, was Apple besser macht, macht es soviel besser, dass man es nicht mehr missen möchte.
Ein sehr gelungener Artikel! Er drückt aus, was ich schon seit längeren bei meinem Kontakt zu den Verlagshäusern erfahre. Es ist absolut an der Zeit neue Verdienstmöglichkeiten im Netz zu generieren. Und es gibt sogar Konzepte, die die verlagseigenen Ressourcen nutzen können und diese weiterverwenden- sprich, mit dem was schon vorhanden ist eine neue Auslastung und Einnahmen zu generieren. Doch bei unseren Bemühungen und Verhandlungen den Verlegern das näher zu bringen haben diese sich abgewandt – weil das Risiko angeblich zu hoch wäre (das Risiko nichts zu wagen ist doch wesentlich höher). Jedes Start-up wäre glücklich mit den Möglichkeiten der Verlage etwas aufbauen zu können. Und viele schaffen gute Internetkonzepte ohne diese Startvorraussetzungen und sind trotzdem erfolgreich (gerade im Bereich E-Commerce und Shopping). Es ist wirkklich an der Zeit etwas zeitgemäßes zu wagen und nach kreativen Lösungen zu suchen, anstatt auf die alte Autorität zu vertrauen.
Hallo Claudia. Genau das meine ich: da wartet eine neue Welt mit unschätzbaren Verdienstmöglichkeiten (Google sic!) – doch man bewegt sich nicht. Mir kommt das oft vor wie das Laufen-Lernen bei Kleinkindern. Die Verleger sind mit einigen ersten Online-Gehversuchen auf die Nase gefallen. Statt wieder aufzustehen und es nochmal zu versuchen, zieht man sich beleidigt zurück in den sicheren Sandkasten (man konzentriert sich wieder auf das “Kerngeschäft”). Dabei haben die Verlage genug Gewinne angehäuft, um diese Lernphase zu überbrücken. Jetzt, wo es nicht mehr anders geht, versuchen die Verlage es erneut mit dem mobilen Web (sprich: dem iPhone). Und weil sie unsicher sind, ob es diesmal klappt, schlagen sie wie wild um sich. Wenn die Verleger ihre Hausaufgaben gemacht und attraktive Angebote geschaffen haben, sieht die Welt anders aus. Der Weg dahin wird wohl kein leichter sein…
Das passt natürlich wunderbar zu der Meldung, dass wir demnächst alle 20 Euro für die ÖR zahlen dürfen, auch, wenn wir keinen Fernseher haben, kein Interesse am Fernsehen, kein Radio, kein Interesse am Radio…
Warum sollen die Apps nicht vom Nutzer bezahlt werden? Anders ausgedrückt: ich habe kein Smartphone, trotzdem muss ich zahlen.
@Mario H. – Tjaha, so is das in einer Solidargesellschaft ;-) Nein, im Ernst: Die Gebührenfrage wird sicherlich ein großes Thema werden dieses Jahr. Ich pers. möchte die ÖR nicht missen – und das nicht nur, weil ich für sie arbeite. Über Höhe und Ausgestaltung der Gebühren lässt sich sicherlich reden.
Richard Gutjahr schrieb: “wer nur Hollywood-Ware und PopStars bringt, der hat natürlich automatisch die jüngeren Zuschauer. Das sagt nichts über Qualität.”
… und wer sein Programm mutlos mit immer mehr minderwertiger Mainstream-Soße wie Tiergarten-Dokusoaps, Telenovelas, Boulevardmagazinen und ähnlichem Quatsch zukleistert (gerne schlecht von den Privaten geklaut), der muss sich nicht wundern, dass die vereinzelten Perlen im Programm (gerne auch in Spartenkanälen versteckt) von der Masse des Publikums nicht mehr wahrgenommen werden.
Und selbst wenn man der Meinung ist, dass die ÖR ein tolles Programm bieten, auf das man nicht verzichten will: rechtfertigt das, (fast) die gesamte Bevölkerung zur Zahlung von 17,98 Euro pro Monat zu zwingen und unverschlüsselt ganz Europa damit zu beglücken?
Richard Gutjahr schrieb: “wenn Du mit dem Alter argumentierst: gerade dann müssten die ÖR noch mehr auf Internet und Mobiltelefone gehen, weil gerade jüngere Menschen eher mobil und technik-affin sind. ARD & ZDF diesen Schritt einerseits verbieten zu wollen und sie DANN auch noch dafür zu kritisieren, dass sie zu rückständig sind, halte ich für unredlich.”
Ich denke, die ÖR wollen vor allem auf jedes denkbare Gerät, damit sie überall Gebühren verlangen können. Wie schrieb kürzlich jemand in einem Forum: “irgendwann hängen alle technischen Geräte am Netz und die ÖR werden ihre Gebühreneintreiber auch auf Leute hetzen, die einen Toaster besitzen.” Nicht ganz unrealistisch. Wenn die ÖR jung sein wollen, dann sollten sie nicht mit einem gehypten (Noch-)Nischenprodukt wie dem iPhone beginnen, sondern ihre Jugendlichkeit zunächst mal in ihren Programmen zeigen. Wer für das Publikum bis 49 Jahre einen Spartenkanal namens Neo gründen muss, der macht was falsch.
Richard Gutjahr schrieb: “Die Gebührenfrage wird sicherlich ein großes Thema werden dieses Jahr.”
Keine Sorge, da wird nicht viel passieren. Die Politiker lieben ja ihre “Öffis”. Weil jeder Ministerpräsident seinen eigenen Sender haben darf, auch wenn er noch so defizitär ist (Gruß ins Saarland). Weil man da so toll Posten besetzen darf und nach Belieben Chefredakteure absetzen und irgendwelche “Farbenspiele” betreiben darf (Unabhängigkeit???). Auf so eine Art von ÖR kann ich grundsätzlich verzichten. Das ist ja nur noch ekelerregend. Ändern wird sich erst was, wenn es einen Aufstand in der Bevölkerung gibt. Die politischen Verstrickungen scheinen den meisten egal zu sein (siehe Brender-Absetzung), aber über die Schiene Geld/GEZ könnte man bestimmt was erreichen, das ist ein echtes Reizthema.