Google auf Sinnsuche

Zum Auftakt der I/O-Entwicklerkonferenz in San Francisco hat Google-Gründer Larry Page persönlich seine Vision einer besseren Welt gezeichnet. Dank Google, versteht sich.

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Der Sinn des Lebens

Gibt man bei Google die Frage ein: “Was ist der Sinn des Lebens?” antwortet die Suchmaschine mit einer Zahl: 42. Eine nicht ganz ernstgemeinte Referenz an den britischen Autor Douglas Adams, der Anfang der 80er mit seinem satirisch-apokalyptischen Roman “Per Anhalter durch die Galaxis” das Lebensgefühl einer ganzen Generation getroffen hatte. Die Erde, ein organischer Computer, allein dazu erschaffen, um eine komplexe Rechenaufgabe zu lösen: “Was ist der Sinn des Lebens?”.

Wenn’s mal ein bisschen länger dauert

Noch ist Google nicht in der Lage, eine Frage solchen Kalibers befriedigend zu beantworten, und doch gab sich der kalifornische Internetkonzern zum Auftakt seiner Entwicklerkonferenz diese Woche in San Francisco optimistisch, bald die ganz großen Mysterien der Menschheit zu entschlüsseln. Bis es soweit ist, gibt es – quasi als Vorspeise – ein paar neue Web-Dienste: ein Google-Musikstreaming-Angebot oder personalisierte Karten, die speziell auf die Bedürfnisse eines Users zugeschnitten sind.

Ich weiß, was Du nächsten Sommer gesucht haben wirst

Auch die Suchmaschine selbst wird verbessert. So will man in Zukunft verstärkt einen Blick in die Kristall-Google wagen und anhand unseres jeweiligen Aufenthaltsortes, der Uhrzeit in Kombination mit den über uns gesammelten Daten Fragen erraten, noch bevor wir diese überhaupt eingetippt haben (respektive: ins Mikrofon gesprochen haben).

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Die korrekte Antwort lautet: Google

Ganz am Ende der Präsentation steht Firmen-Gründer Larry Page auf der Bühne und tut das, was Google nun mal so tut, er beantwortet Fragen. Wie sein Unternehmen helfen kann, um Demokratien zu stärken, will jemand aus dem Publikum wissen. Ob es nicht gefährlich sei, wenn Google seine Angebote immer weiter auf die persönlichen Vorlieben seiner User zuschneidet, weil man so doch den Blick auf das große Ganze verliere. “Good question!”, antwortet Larry Page jedes Mal, bevor er sich dann meist in Allgemeinplätzen verliert, bei dem Google natürlich stets die Antwort ist, nie das Problem.

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Ein Hauch von Star Wars

Der Konzernchef in seiner Google-Uniform (T-Shirt und Turnschuhe) wirkt unscheinbar und verloren, hinter ihm gewaltige Leinwände, die das Universum und eine rotierende, der Sonne abgewandte Erdkugel zeigen. Ein Bild wie aus “Krieg der Sterne”. Seine Stimme, sanft und leise, erst vor kurzem hat Page öffentlich gemacht, dass er an einer schweren Stimmbanderkrankung leidet. Steht hier der heldenhafte Anakin Skywalker, der von der dunklen Seite der Macht verführt wird und sich in den düsteren Darth Vader verwandelt? “Don’t be evil” – sei nicht böse, so das inoffizielle und zugleich vielsagende Motto von Google.

Das Leben, das Universum und der ganze Rest

42 – nach Douglas Adams die Antwort auf alles, was wir wissen wollen. Doch müssen die Protagonisten aus “Per Anhalter durch die Galaxis” am Ende ihrer Odyssee lernen, dass es manchmal gar nicht so entscheidend ist, die Antwort zu kennen, sondern vielmehr sich bei Zeiten darüber klar zu werden: Haben wir überhaupt die richtige Frage gestellt?

5 Jahre – Best of G! blog

5 Jahre ist es her, da habe ich mit dem Bloggen begonnen. Zur Feier des Tages hier eine Auswahl der meistgelesenen Beiträge.

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“Warum bloggen Sie?” werde ich von Studenten oft gefragt. Meine Standard-Antwort: “Bloggen kostet nichts und macht Spaß!”. Natürlich stimmt das nicht so ganz, denn oft sitzt man auf dem Schlauch, hat keine Zeit oder Lust zum Bloggen. Und auch wenn die Blogsoftware selbst gratis ist, das Hosting, Lizenzbilder oder auch mal die eine oder andere Neuanschaffung (Computer, Kamera) gehen ins Geld.

Als ich vor 5 Jahren den Entschluss gefasst hatte zu bloggen, setzte ich mir das folgende Ziel: Ich will mit meinem Blog kein Geld verdienen, ich will aber auch keines verlieren. Seitdem habe ich viel experimentiert: Ich bin mit meiner Seite 2-3 mal umgezogen, habe mehrmals das Design geändert und auch inhaltlich meine Themenschwerpunkte verlagert.

Vieles, was ich in meinem Blog tue, widerspricht allem, was man so übers Bloggen lernt. Und doch habe ich das Gefühl, nicht alles falsch gemacht zu haben. Mein Blog ist so etwas, wie meine persönliche Reise. Meine Expedition in die vernetzte, digitale Welt. Und was für viele Reisen gilt, gilt wohl auch für dieses Blog: Man ist niemals wirklich am Ziel.

Zur Feier des Tages habe ich eine Auswahl der meistgelesenen Blogposts und Videos auf dieser Seite aufgelistet. Nicht wundern, dass der Aufbau mancher Beiträge “zerschossen” ist und einige Bilder eine zu niedrige Auflösung haben – das ist dem früheren Design geschuldet.

Ich freue mich auf die kommenden 5 Jahre und natürlich ganz besonders über Euer Feedback!

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Das G!-Team

Schröder hatte eins. Stoiber hatte eins. In diesen Tagen präsentiert Kanzlerkandidat Steinbrück sein Kompetenzteam. Höchste Zeit, nachzuziehen.

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Das Wie entscheidet

Blogger gibt es wie Sand am Meer oder wie arbeitslose Journalisten im Jobcenter. Doch was unterscheidet einen guten von einem schlechten Blogger? Inhalte? – Pah! Ein Blogger ist nur so gut, wie das Team, das für ihn die Drecksarbeit macht. Deshalb bin ich stolz, Euch heute weltexklusiv mein ultimatives G!-Team vorstellen zu dürfen!

Das G! Kompetenz-Kompetenzteam

Jeder dahergelaufene Kanzlerkandidat hat dieser Tage ein Kompetenzteam. Doch nur ich habe ein Kompetenz-Kompetenzteam! Jedes Mitglied handverlesen. Jeder von ihnen eine Koryphäe auf seinem Gebiet. Mögen andere Blogger viel Geld und Zeit mit Kreativität und Geist verschwenden – bei mir wird gehandelt. Für meine Leser nur das Beste: geballte Kompetenz-Kompetenz.

Und hier nun – ohne große Vorrede – (Slideshow)

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Wer sich noch bewerben möchte – Kommentar mit Ressortwunsch und Begründung für die besondere Eignung.

re:publica 13 – Kuscheln mit der Kanzlerin

Stell Dir vor es ist Wahljahr und die Netizens bleiben zuhause. Die Botschaft der re:publica 13: Raus aus der digitalen Bubble und rein in die Fußgängerzone!*

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Ausgeflauscht. Es reicht nicht, sich einfach nur darüber zu beklagen, wie wenig Einfluss wir Netz-Menschen haben auf die große Politik. Das hat der deutsche Bundes(g)rantler Sascha Lobo der Netzgemeinde dieses Jahr auf der re:publica ins Stammblog geschrieben. Bundesnetzpräsident Gunter Dueck versuchte es gar mit einer kleinen Farbenlehre. Die Netizens müssten sich aus ihrer eigenen Blase befreien, akzeptieren lernen, dass es Menschen gibt von anderer geistiger Hautfarbe. Menschen, die mit Euro zahlen, nicht Bitcoins.


Facebook ist böse? Die Telekom erdrosselt das Netz? Mi-mi-mi! Wir müssen den Spieß umdrehen, damit beginnen, den Konzernen, die an uns verdienen wollen, unsere AGB aufzuzwingen. Die von Lobo initiierte WP-Applikation Reclaim weist die Richtung. Mit Programmen wie diesen lassen sich die eigenen Daten von sozialen Netzwerken einsammeln und auf selbst verwaltete Blogs transferieren. Der erste Schritt einer längst überfälligen digitalen Emanzipation.

Sein gesellschaftliches Schicksal in die eigenen Hände nehmen. Das gilt auch gegenüber dem Staat. Wie pubertierende Teenager beötteln wir uns, wenn sich unsere Volksvertreter im Netz zum Horst machen. Okay, wir sind pubertierende Teenager und die Politiker machen sich zum Horst. Mein Punkt ist: WIR sind es, die, geblendet von Google-Brillen und Selbstvermessungs-Armbändern, es nicht auf die Reihe bringen, uns zu organisieren und uns auch in der nicht-digitalen Welt Gehör verschaffen.

Die Sicherheitspolitiker hatten Recht: das Internet, darf kein rechtsfreier Raum werden. Und doch vergeht kaum ein Tag, an dem sie nicht daran arbeiten: Bundestrojaner, Vorratsdatenspeicherung, Bestandsdatenauskunft; wir dürfen uns nicht länger darauf verlassen, dass das Bundesverfassungsgericht in letzter Minute auf der Linie klärt.

Das Versagen der Piraten ist auch unser Versagen. Ähnlich wie mehr und mehr Politiker ins Netz drängen, müssen wir hinaus in die Offline-Welt. Raus aus dem Netz und rein in die Fußgängerzone. Das Internet ausdrucken (in 2D). Wenn’s sein muss, auch mal mit der Kanzlerin kuscheln. Kuscheln – nicht kuschen. Denn so sehr wir es uns auch wünschen: Die Wahl wird eben nicht im Netz entschieden. Noch nicht.

* Disclaimer: War verhindert dieses Jahr und selbst nicht in Berlin. Danke an alle Berichterstatter und Videostreamer für die Live-Coverage. Hier eine tolle Übersicht sämtlicher Sessions incl. Videos zusammengestellt von Michael Kreil.

Identitätsdiebstahl: Ich bin Du

Datenklau bei WordPress, Evernote, Twitter oder Apple – über Identitätsdiebstahl wurde schon oft geschrieben. Aber noch nie von einem Täter. Der folgende Blogpost basiert auf einer wahren Geschichte. Meiner Geschichte.

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You Know My Name

Bis vor ein paar Tagen hätte ich meinen Namen für nichts besonderes gehalten. Es gibt einige Gutjahrs in der Welt. Und doch ist Gutjahr mein Name, der einzige, den ich habe. Ich denke in letzter Zeit häufiger darüber nach, wie leichtfertig wir mit unserer „Lebens-Kennung“ umgehen. Wie schnell es im Webzeitalter möglich ist, seinen Namen zu verlieren.

Es gibt unzählige Geschichten von Menschen, die Opfer eines Identitätsdiebstahls geworden sind. Ich möchte heute eine andere Geschichte erzählen. Die Geschichte eines Täters. Meine Geschichte.

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Lauschangriff wider Willen

Wie Ihr wisst, bin ich oft an Flughäfen unterwegs. Da begegnet man zahllosen Geschäftsreisenden. Menschen mit viel Geld und wenig Zeit. Neulich setzte sich einer von ihnen neben mich, das Handy am Ohr. Offenbar war er gerade dabei, eine Limousine zu buchen.

Er redet so laut, dass es unmöglich ist, nicht mit zu hören. Weil ich eigentlich in Ruhe lesen will, bitte ich ihn, leiser zu sprechen. Der Typ scannt mich kurz und setzt daraufhin sein Gespräch fort, ganz so, als wäre ich Luft.

Kreditkarte mit Zusatzzahl

Irgendwann zückt er seinen Geldbeutel, beginnt damit, seine Kreditkarten-Daten vorzulesen. Reflexartig fahre ich die Tastatur meines iPads aus und tippe mit. Ziffer für Ziffer der Kartennummer, dann das Gültigkeitsdatum und die Prüfnummer. Warum ich das tue? Weil ich es kann, und ja, ich gestehe, auch ein bisschen aus Groll.

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Quelle: PC Magazin

Im Verlauf des Gesprächs diktiert der Typ auch noch lautstark seinen Namen, das Geburtsdatum und seine Privatadresse ins Telefon. Nett, Sie kennenzulernen, Oliver B. aus D.!

Noch bevor er seine Tasche schnappt und sich davon macht, habe ich seine Telefonnummer ergoogelt, seinen Lebenslauf bei Xing studiert. Ich schaue mir die Firma an, für die er aktuell arbeitet, sowie die Wohngegend, in der er lebt. So, so, ein Pilot, also. Bestimmt wohlhabend.

Kopfkino

Auf einmal wird mir klar, ich könnte jetzt weiß Gott was mit seinen Daten anstellen: Einkaufen, Online-Konten bei eBay, Amazon oder Apple einrichten. Das faszinierendste: B. hat nicht die geringste Ahnung! Wäre sein Geldbeutel gestohlen worden oder hätte er ihn verloren, natürlich hätte er sofort alle Karten sperren lassen. So aber ist er mir ausgeliefert, mindestens einen Monat lang, bis die nächste Abrechnung kommt.

Password Sword-Phish

Identitätsdiebstahl gehört zu einem der sich am schnellsten ausbreitenden Verbrechen im Netz. Bereits jeder 20. US-Amerikaner ist betroffen. In den meisten Fällen stammen die Daten aus geklauten Brieftaschen. Phishing-Mails sind ebenfalls sehr beliebt. Hierbei locken Identitätsdiebe ihre Opfer auf eine nachgebaute Firmenseite und bitten die Kunden, sich dort mit ihrem Usernamen und Passwort anzumelden.

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Apple-Kunden in Gefahr

Erst vergangene Woche wurden wieder über 100 dieser Fake-Seiten enttarnt, die alle über ein und dieselbe IP-Adresse gehostet waren. Im Visier: Apple-Kunden aus den USA, Großbritannien und Frankreich. Diese wurden per Mail gebeten, ihre Apple-ID, Passwort und Adresse binnen von 48 Stunden zu verifizieren, andernfalls könne es passieren, dass das Konto geschlossen wird.

iPhone und MacBook ferngesteuert

Was es heißt, seine Apple-ID zu verlieren, musste WIRED-Redakteur Mat Honan auf die harte Tour lernen. Irgendwie waren Unbekannte an seine User-ID gelangt. Nicht einmal eine Stunde habe es gedauert, da waren iPhone sowie das Macbook des Tech-Journalisten gehackt, die persönlichen Daten, darunter das Fotoalbum in der Wolke, nicht mehr zugänglich, das Anmelde-Passwort geändert. Das gleiche Spiel mit seinem Google-, Amazon- sowie seinem Twitter-Konto: ausgesperrt aus dem eigenen Haus!

Identitätskrise

“Die haben meinen Twitter-Namen [@mat] gesehen und wollten ihn haben”, rekonstruiert Mat Honan im WIRED-Protokoll den Vorfall. Als er feststellte, dass ein Fremder seine Geräte aus der Ferne übernommen hatte, habe er erstmal den Stecker gezogen und sei offline gegangen: “I was freaking out”. Doch damit nicht genug. Unzählige andere Seiten waren mit seiner Apple-, Google- und Twitter-ID verknüpft. Es dauerte Wochen, bis er sämtliche Konten und Social-Network-Zugänge wieder unter Kontrolle hatte.

Was bleibt: Das maue Gefühl, es könne noch immer jemand mitlesen, jedesmal wenn er gerade online ist.

protect-your-bubble-id-theftEne-Mene-Muh und ich bin Du

Zurück zu Oliver B. aus D. und jetzt „unserer“ Kreditkarte. Wenn ich nicht so ein anständiger Kerl wäre, was könnte ich jetzt damit shoppen: Endlich das neue MacBook kaufen (wie kann man überhaupt ohne Retina-Display so lange existieren?). Eine Surround-Anlage, um meinen Nachbarn und ihrem Klavier ein für alle mal zu zeigen, wo der Hammer hängt.

Kreditkarten im Angebot

Ein Bekannter, Sicherheitsexperte bei PayPal, bremst meine Euphorie: Die Kreditkarte selbst sei nur die halbe Miete. Derlei Angaben ließen sich heutzutage ohne großen Aufwand besorgen. Im Web werden Kreditkartendaten zu Tausenden gehandelt – Stückpreis aktuell etwa 1 Dollar pro Person und Nummer. Das eigentliche Problem beim Kreditkartenbetrug, so der Profi, sei das “Cashing-In”.

Cashing in

Um ein Bankkonto leer zu räumen ohne dabei Spuren zu hinterlassen, müsse man schon erheblichen Aufwand betreiben, sagt der PayPal-Betrugsexperte. Wohnungen oder Post-Schließfächer anmieten, E-Mail-Adressen einrichten, die unverdächtig sind und nicht auf irgendeiner Blacklist stehen.

Neuronale Sicherheitsnetzwerke

“Wir beobachten weltweit Buchungen rund um die Uhr”, so Matthias Adel, Pressesprecher für VISA Europe. Er vergleicht das aktuelle Sicherheitssystem des Kartenanbieters mit neuronalen Netzwerken.

Ein Beispiel:

„Sie setzen ihre Visa Karte in der Regel ausschließlich in Europa ein. Plötzlich kommen Transaktionen mit Ihrer Karte innerhalb von drei Tagen aus Peking, Sao Paulo und New York herein. Das passt nicht in Ihr Zahlungsschema und wird uns bzw. Ihrer Bank auffallen.“

Bei Betrugsfällen zeigen sich die Banken oft kulant. Wer allerdings wie Oliver B. aus D. fahrlässig mit seinen Daten umgeht, muss befürchten, auf seinen Kosten sitzen zu bleiben.

Der Kampf ums Ich

Was niemand ersetzt: Die Arbeitszeit, die nötig ist, um die Kontrolle über sein gehacktes Ich zurückzugewinnen. Tina Groll, Redakteurin bei Zeit-Online, schildert in einer ganzen Serie von Artikeln, was für einen Aufwand sie damit hatte, ihren Namen wieder reinzuwaschen. 400 Arbeitsstunden, um den Banken und Inkassofirmen zu beweisen, dass sie zwar „sie“ ist, jedoch nichts mit den betrügerischen Einkäufen zu tun hat, die unter ihrem Namen getätigt wurden.

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Tatmotiv Hass

Und dann gibt es noch ein weiteres, zerstörerisches Motiv für Datenklau: Hass. Bei vielen Fällen von Identätsdiebstahl handelt es sich um Beziehungstaten. Ähnlich wie beim sexuellen Missbrauch stammen die Täter aus dem eigenen Bekanntenkreis: ein verschmähter Liebhaber. Der Ex-Freund oder Mitarbeiter.

Identitätsdiebstahl aus Rache, die Befriedigung der eigenen Machtgelüste: Du bist mir ausgeliefert, meinen Launen, meinem Sadismus. Wenn ich will, kann ich Deinen Ruf zerstören. Deine Kreditwürdigkeit. Dein Leben, digital wie auch analog.

Fazit

Kein Tag, an dem nicht ein neuer Fall von gehackten Userdaten bekannt wird. Allein in den letzten Wochen sorgten Evernote, WordPress und auch Twitter für Schlagzeilen. Immer mehr Webservices und Kreditkartenanbieter haben eine freiwillige Doppel-Identifikation eingerichtet (siehe Tipps unten).

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Ob auch Oliver B. aus D. in Zukunft sorgsamer mit seinen Kreditkartendaten umgeht? Dazu müsste er natürlich erst einmal erfahren, dass ich im Besitz seiner Daten bin.

Über den Druck- und Lieferservice der Deutschen Post habe ich ihm eine individuell gestaltete „Fun Card“ nach Hause geschickt. Bezahlt mit seiner Kreditkarte. Das musste sein.

Sonst hält mich B. am Ende noch für einen Hochstapler. ;-)

 

Tipps

  • Kreditkarten und Personalausweis immer getrennt voneinander aufbewahren
  • Niemals bei Facebook, Twitter etc. das Geburtsdatum angeben
  • Niemals das gleiche Passwort zweimal verwenden
  • Web-Services auf mehrere E-Mail-Adressen verteilen
  • Backups von PC, Laptop und Telefon, mindestens einmal im Jahr
  • Passwortsperre an Smartphone, Tablet und Laptop
  • 2 Step-Authentication für Google/G-MailApple + Facebook + WordPress + Twitter

 

Wie schützt Ihr Eure Identität im Netz? Habt Ihr weitere Tipps? Falls ja: Please share!

Telekom: Erdrosseln was verbindet

Ein Aufschrei geht durch’s Netz: Die Telekom stellt ihre neue Tarifstruktur vor und erfindet damit das Unterschichten-Internet. Doch keine Panik! Alles halb so wild.

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Aus der Telekom-Presseerklärung:

“Angesichts des rasanten Datenwachstums stellt die Telekom die Tarifstruktur für Internetanschlüsse im Festnetz um: Genauso wie im Mobilfunk wird es künftig für neue Call&Surf- und Entertain-Verträge integrierte Highspeed-Volumina geben. Ist die Volumengrenze erreicht, sehen die Leistungsbeschreibungen eine einheitliche Reduzierung der Internetbandbreite auf 384 Kbit/s vor. Zunächst werden nur die Leistungsbeschreibungen angepasst. Sobald die Limitierung technisch umgesetzt wird, können Kunden über Zubuchoptionen weiteres Hochgeschwindigkeits-Volumen hinzubuchen.”

Doch keine Panik: yetzt zeigt uns, dass so eine Drosselung gar nicht weiter tragisch ist. So flott lädt die Seite der Deutschen Telekom bei der angekündigten Geschwindigkeit von 384 Kbit/s:

Avatter hat die neue Telekom-Tarife weltexklusiv geleaked bekommen. Hier die attraktiven Daten-Pakete:

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Die Telekom widerspricht der Kritik: “Die Drosselung bietet viele neue Optionen!” – Beispiel Youtube:

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Quelle: Weltregierung

Weiteres Anschauungsmaterial? Hinweise bitte unten per Kommentar oder wahlweise auch per Fax.

Zum Thema:

Hausdurchsuchung bei Bloggerin wegen Jux-Doktortitel

Hausdurchsuchungen bei einer Journalistin. Anlass: ein satirischer Blogpost. Die Polizei-Aktion in NRW zeigt, wie leicht es Behörden gemacht wird, fundamentale Grundrechte auszuhebeln. Als Anfangsverdacht genügt dazu bereits, mögliche Straftaten zu ergoogeln.

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tl;dr: Die Sicherheitspolitiker hatten Recht – das Internet, ein rechtsfreier Raum. Kein Tag, an dem sie nicht daran arbeiten.

Die Geschichte von Eva Ihnenfeldt ist schnell erzählt: In einem satirischen Blogpost beschreibt die die 54jährige Journalistin, wie ihre Kinder ihr zum Geburtstag einen Scherz-Doktortitel gekauft haben. 39 Euro habe die Urkunde via Groupon gekostet. Kein akademischer Titel, sondern ein kirchlicher, verliehen von einer Freikirche in Miami, Florida. Augenzwinkernd verabschiedet sich die Bloggerin von ihren Lesern als „Dr. h.c. of Ministry Eva Ihnenfeldt, MLDC Miami“.

Art. 13 GG: Die Wohnung ist unverletzlich – oder die Frage: Was ist eine “besonders schwere Straftat”?

Fotos im Morgenmantel

Ein Jahr später steht die Polizei vor der Tür ihrer Privatwohnung in Witten (NRW). Drei Kriminalbeamte mit einem Durchsuchungsbefehl und einem Zeugen vom Ordnungsamt. Zeitgleich, so wird der Journalistin mitgeteilt, werden ihre Geschäftsräume in Dortmund von Beamten durchforstet. Ein Polizist macht ungefragt ein Foto von ihr. Im Bademantel. Für die Akte.

Begründung für diese Polizei-Aktion:

“Die Beschuldigte ist verdächtig, unbefugt eine am inländischen oder ausländischen Grad zum Verwechseln ähnliche Bezeichnung geführt zu haben, indem sie den käuflich erworbenen Titel “Dr. h.c. of Ministry MDLC Institute (USA)” im Internet, nämlich auf der Seite “www.Steadynews.de” verwendete, Vergehen, strafbar gemäß § 132a Abs. 1 Nr. 1, Abs. 2 STtGB.”

Und dann steht da noch folgendes: “Der Tatverdacht beruht auf einer Internetrecherche.”

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Haus-, Handy- und PC-Durchsuchung

In einem früheren Blogpost habe ich beschrieben, wie leicht es heute ist, unsere PCs und Mobiltelefone auszuspionieren. Laut Bundesnetzagentur haben inzwischen rund 250 unterschiedliche Behörden Zugriff auf unsere IP-Adressen und Handykoordinaten.

Diese Abfragen erfolgen größtenteils automatisiert, sprich: Ermittler haben direkten Zugang zu den Datenbanken von bislang rund 150 teilnehmenden Telekommunikationsunternehmen. Aus dem Jahresbericht der Netzagentur (PDF) geht hervor, dass in Deutschland im Schnitt alle 1,2 Sekunden eine solche Abfrage erfolgt.

polizeimarkeSo schnell kann’s gehen

Was mich an der scheinbar harmlosen Posse um Eva Ihnenfeldt so schockiert, ist die Tatsache, wie schnell man in unserem Rechtsstaat ins Visier einer Polizeifahndung geraten kann. Eingriffe in Grundrechte, die offenkundig auf Willkür, Unkenntnis und einer äußerst fragwürdigen Rechtsauslegung aller Beteiligten basieren.

„Durch den ‚Tatort’ hat man den Eindruck, wie unglaublich schwierig es ist, Durchsuchungsbeschlüsse zu bekommen – selbst bei Mord“, so Eva Ihnenfeldt im Gespräch. Die tatsächliche Polizeipraxis sieht offenbar anders aus.

Anfangsverdacht ergoogelt

Die Anforderungen, die der Gesetzgeber vorsieht, um in die Wohnung oder in einen Computer einer Privatperson einzudringen, scheinen mittlerweile ähnlich hoch wie ein Telefon-Gewinnspiel bei RTL:

Polizisten „recherchieren“ (= googeln) und stoßen dabei auf scheinbare Straftaten (hier: einen Bagatellfall). Durch einen solchen „Anfangsverdacht“ erhalten sie via Bestandsdatenauskunft direkten Zugriff auf unsere PC- und Handy-Koordinaten, und könnten – dank Telekommunikationsgesetz – jetzt sogar Telefonüberwachung bzw. das heimliche Mitlesen von E-Mails beantragen.

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Auch Mobiltelefon und PC sollten beschlagnahmt werden

Staatsanwälte, die jedes Augenmaß verlieren und mit Drohnengeschwadern Jagd auf Spatzen machen. Richter, die offensichtlich überfordert sind und alles unterschreiben, was man ihnen vorlegt (vgl. Richter-Signatur „Lübeck, 09. 01. 1201“).

Bei meinem Telefonat mit der Staatsanwaltschaft beim Landgericht Lübeck wartet die nächste Überraschung: Offenbar hatte man dort nicht nur eine einfache Hausdurchsuchung beantragt, sondern plante, sämtliche PCs und Mobiltelefone von Eva Ihnenfeldt zu konfiszieren. Den Namen des Staatsanwaltes, der eine solche Maßnahme für erforderlich hielt, wollte man mir nicht nennen.

“Verliere langsam die Geduld mit Ihnen!”

„Jetzt verliere ich langsam die Geduld mit Ihnen“, so Behördensprecher Günter Möller, weil ich ihn wiederholt nach der Verhältnismäßigkeit frage. Erst als ich den Beamten daran erinnere, dass es immerhin um den Eingriff in die Grundrechte einer Bürgerin geht, lässt er sich dazu herab, mir die Begründung des Richters vorzulesen:

„Der Eingriff in die Grundrechte nach den Artikeln 2 und 13 Grundgesetz ist verhältnismäßig: Zwar ist die Intensität des Eingriffs trotz Abwendungsbefugnis und Beschränkung des Durchsuchungsziles auf bestimmte Beweismittel erheblich. Auch ist die Tat, bei der der Strafrahmen Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr ist, nicht schwer. Der Verdachtsgrad ist jedoch hoch, und auch die Bedeutung der zu erwartenden Beweismittel ist groß, insbesondere für das Verfahren gegen den gesondert verfolgten Verkäufer des Titels.“

“Erheblicher Eingriff in Grundrechte” …egal.

Auf deutsch: Polizei, Staatsanwalt und Richter sind sich durchaus darüber bewusst, was für einen krassen Eingriff sie in die Grundrechte der Bürgerin vornehmen. Zur Erinnerung – Artikel 13 des Grundgesetzes sieht vor: (1) Die Wohnung ist unverletzlich. Elektronische (nachtr. eingefügt) Durchsuchungen seien nur in Zusammenhang mit „besonders schweren Straftaten“ erlaubt.

Obwohl die Behörden zu diesem Zeitpunkt bereits erklären, dass es sich im Fall von Eva Ihnenfeldt um keine schwere Straftat handelt, dass Ihnenfeldts Blogtext nicht illegal ist, dass sie darin noch nicht einmal zu illegalem Handeln aufruft, haben sie offenbar null Probleme damit, eine Hausdurchsuchung mit allen damit verbundenen Konsequenzen für die Betroffene (Zeit, Anwalt, Reputation) anzuordnen.

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Wie ein Verfassungsrichter in der taz berichtet, sind viele Hausdurchsuchungen verfassungswidrig. Der Grund: Anlass und Ermittlungsziel stehen in keinem vertretbaren Verhältnis mehr zur Schwere des Grundrechteingriffs.

Willkür, Web und Wahnsinn

Willkür und Web-Dilletantismus gepaart mit unsichtbaren aber immer mächtigeren Instrumenten wie Bestandsdatenauskunft oder Telekommunikationsüberwachung – genau so gut könnte man in einem Kindergarten Schusswaffen austeilen. Früher oder später geht das schief.

Eva Ihnenfeldt ist froh, dass sie als Journalistin, anders als die vielen „stummen Bürger“, gut vernetzt ist:

Ihnenfeldt„Durch die gesamte Web 2.0-Gemeinde erfahre ich einen Schutz, der mich zu Tränen rührt. Man sieht an solchen Beispielen wie wichtig es ist, sich zu vernetzen, um sich zur Wehr zu setzen. Das ist die eigentliche Revolution, die gerade stattfindet.“

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Eure Meinung: Hat der Blogpost von Eva Ihnenfeldt eine solche Polizei-Aktion gerechtfertigt? Habt Ihr ähnliche Fälle erlebt?

Facebook Home – der Feind in Deinem Netz

Facebook ist nicht böse. Smartphones sind nicht böse. In Kombination mit der geplanten Bestandsdatenabfrage werden mobile Dienste wie Facebook Home zum mächtigen Werkzeug einer allgegenwärtigen Homeland Security.

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Seit heute gibt es in den USA das Facebook-Telefon “Home”. Genau genommen handelt es sich nicht wirklich um ein Telefon, vielmehr um eine neue Art Betriebssystem-Oberfläche, die das Freunde-Netzwerk über ausgewählte Smartphones stülpt. Wer sich “Home” auf sein Android-Telefon lädt, wird beim Aktivieren des Geräts künftig nicht mehr mit einem Familienfoto oder mit seinem App-Menü begrüßt, sondern mit den Status-Updates seiner “Freunde”: Urlaubsfotos, Katzenbilder oder auch zielgerichtete Werbung. Ja, Werbung.

Facebook ist gratis und lebt von Reklame. Das Produkt sind nicht die Bücher, DVDs oder Partner-Börsen, die uns über Klein-Anzeigen auf der Seite angeboten werden. Das Produkt sind wir. Mit unseren Daten, die Facebook niemals wirklich löscht, verdient Facebook sein Geld. Und je besser Facebook uns kennt, umso mehr Geld verdient das Unternehmen (und die Aktionäre) an uns.

“We carry our phones wherever we go” – das offizielle Werbevideo von Facebook Home

Facebook als Vorratsdatenspeicher

Als ich noch neu bei Facebook war, habe ich einen Fehler gemacht: Unter Hobbys hatte ich “Tauchen” angegeben. Obwohl ich diesen Eintrag nur kurze Zeit später wieder entfernte, serviert mir Facebook bis zum heutigen Tag Werbebanner für Taucherausrüstung und -Reisen. Für das Soziale Netzwerk gilt noch mehr als für das analoge Leben: Was einmal in den Vorratsdatenspeichern von Facebook hinterlegt worden ist, kann nie wieder verlässlich zurückgenommen werden.

Für New-York-Times-Blogger David Pogue und Om Malik, zwei Tech-Journalisten, die nicht zwingend im Verdacht stehen, Internet-feindlich zu sein, ist Facebook Home aber aus ganz anderen Gründen ein absolutes No-Go: Die Software ist ständig Standby, sprich, wie ein Staatstrojaner registriert “Home” rund um die Uhr, wo wir uns aufhalten, wo wir schlafen und – auch das ist durch geschicktes Zusammenführen von Daten möglich – mit wem. Private Angaben wie Handynummer oder Wohnung; all das müssen wir gar nicht erst eintippen. Facebook weiß es schon, Gelocation-Daten und anderem “Beifang” unserer elektronischen Begleiter sei dank.

In einer unheilvollen Allianz mit Dritten gewährt Facebook damit auch dem Staat Einblicke in unsere Privatsphäre, wie es kein totalitärer Staat, keine Diktatur der Welt jemals zuvor kannte.

 

250 Behörden haben Zugriff auf Deine Passwörter

Nicht nur die USA haben seit dem Patriot Act (2001) Zugriff auf die bei sozialen Netzwerken gespeicherten Daten. Soeben hat der Deutsche Bundestag mit den Stimmen von CDU, CSU, FDP und SPD das Gesetz zur Neuregelung der Bestandsdatenauskunft (PDF) verabschiedet. Zu Bestandsdaten zählen unter anderem auch PIN- & Passwörter für unsere E-Mail-Konten, Cloud-Dienste sowie sonstige elektronische Kommunikation.

Anlass für polizeiliche und geheimdienstliche Abfragen sind nicht etwa nur Terrorabwehr oder Schwerstkriminalität – es genügen schon einfache Ordnungswidrigkeiten. Eine richterliche Prüfung, die nur in bestimmten Fällen vorgesehen ist, findet aufgrund der schieren Masse der Anfragen de facto nicht statt. Universitätsstudien haben das schon vor Jahren festgestellt.

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Quelle: Bundesnetzagentur

Alle 1,2 Sekunden eine Abfrage

Im Schnitt gibt es alle 1,2 Sekunden eine neue Abfrage deutscher Sicherheitsbehörden. Bisherige Abfragen bei Telekommunikationsanbietern in diesem Jahr:. 

Polizei, Bundespolizei, LKA, BKA, Zoll-, Verfassungsschutz und BND – laut Bundesnetzagentur haben rund 250 registrierte Behörden (S. 112) z.T. automatisierten Zugriff auf unsere Daten. Durch die Bestandsdatenabfrage werden an sich harmlose Online-Dienste wie Facebook Home,  gewollt oder ungewollt, zu einem mächtigen Instrument einer allgegenwärtigen Homeland Security.

 

Nichts gelernt?

lauschangriffAufgrund unserer Geschichte sollten wir es eigentlich besser wissen: Wer nichts zu verbergen hatEs ist zu Deiner eigenen Sicherheit… Niemand hat die Absicht eine Mauer zu bauen… Haben wir aus zwei deutschen Überwachungsstaaten denn gar nichts gelernt?

Die deutsche Übersetzung für Homeland Security lautet Heimatschutz – oder auch Staatssicherheit.

Info: Donnerstag, 18. April wird die Neureglung der Bestandsdatenabfrage im Innenausschuss des Bundesrates behandelt. Für dieses Wochenende haben Aktivisten zu Protestveranstaltungen in div. Städten aufgerufen. 

Zu diesem Thema auch: Bestandsdaten außer Kontrolle

Stör langsam – Dieter Hildebrandt goes Web-TV

Dieter Hildebrandt hat sich auf ein ungewöhnliches Experiment eingelassen: Mit 85 Jahren präsentiert er ein Web-TV-Format, finanziert durch Crowdfunding. 150.000 Euro kamen zusammen. Dieses Osterwochenende feierte stoersender.tv seine Premiere.

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Empört Euch!

„Empört Euch!“ hat der deutsch-französische Widerstandskämpfer Stéphane Hessel bis kurz vor seinem Tod im Februar dieses Jahres in die Welt hinaus gerufen. Empört Euch über die Banken, die Lobbyisten und die Politiker, die wie Marionetten an den Fäden der Großkonzerne hängen. Empört Euch! – unter diesem Motto gingen letztes Jahr hunderttausende Menschen in Madrid, in New York oder in Tel Aviv auf die Straße, um für mehr Gerechtigkeit und Chancengleichheit zu demonstrieren.

Stéphane Hessel in der Premieren-Sendung der Rundshow, Mai 2012

Empört und verstört

Einer, der sich schon empört hat, als ich noch gar nicht auf der Welt war, ist zurück auf dem Bildschirm; wenn auch nicht auf dem Bildschirm, der ihn einst landesweit bekannt gemacht hat. Dieter Hildebrandt, Vater des politischen Kabaretts, will es nochmal wissen. Zusammen mit Karikaturist Dieter Hanitzsch (79) und einigen Weggefährten (u.a. Konstantin Wecker, Georg Schramm, Urban Priol, Frank Markus Barwasser – aka Erwin Pelzig) hat der 85-Jährige das Webvideo-Format stoersender.tv gegründet.

Jenseits der Quote

Mit stoersender.tv zeigt Dieter Hildebrandt den etablierten Sendeanstalten den ausgestreckten Mittelfinger. Senderchefs und Gremien werden links und rechts stehengelassen, vor allem rechts. Ausgerechnet ein 85-Jähriger tut das, was schon lange Aufgabe professioneller TV-Anbierter gewesen wäre; er entwickelt ein Kabarett-Format fürs Netz – vor allem aber fürs Hirn. Mit einem Finanzierungs-Modell, jenseits von Zwangsabgabe und Kommerz-Trash.

Mastermind hinter dem Projekt ist Stefan Hanitzsch, „stark verwandt“ (Hildebrandt) mit dessen Vater Dieter Hanitzsch. Der 36-Jährige kümmerte sich um die Webseiten der beiden Herren. Aus einem Gespräch heraus u.a. über die NSU-Morde und die Occupy-Bewegung war die Idee des Störsenders geboren. Stefan Hanitzsch ist Journalist und hat u.a. für die Süddeutsche Zeitung und den Bayerischen Rundfunk gearbeitet. Später wechselte er die Seiten und war als Pressesprecher für die SPD in Bayern und Berlin tätig.

Der will doch nur stören

Der Störsender will, wie der Name schon sagt, in erster Linie stören. Gestört werden sollen „Menschen und Organisationen, die ihrerseits die Demokratie stören“. Alle 14 Tage gibt es dazu ein 30 Minuten-Magazin auf YouTube und Vimeo, mit exklusiv produzierten Clips von Dieter Hildebrandt und seinen Bühnen-Kollegen, mit animierten Musikeinlagen, Interviews, Berichten und sog. „Störaktionen“, die auch offline fortgeführt werden sollen. “Eine Mischung aus Kabarett, Journalismus und sozialem Engagement”, so Stefan Hanitzsch.

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Los ging es mit der Crowdfunding-Aktion am 7. Dezember bei Startnext. 125.000 Euro wollte man sammeln, um damit die ersten 20 Episoden zu finanzieren. Nach gerade mal 6 Wochen war das Ziel erreicht. Bis März sind sogar 150.000 Euro zusammen gekommen. Jeder Spender (Liste der Unterstützer), egal ob mit einem 5 oder 500 Euro Beitrag, wird VIP – ein „Very Intelligent Pressefreiheitskämpfer“ und darf u.a. die aktuelle Folge 3 Tage vor der eigentlichen Premiere sehen. Wer ein Abo gekauft hat, kann dieses Recht auch für alle folgenden Episoden in Anspruch nehmen.

„Crowdfunding ist die Heiligsprechung von künstlerischer und redaktioneller Freiheit.“

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Bruce Willis meets Free Rainer

Die Premierensendung mit dem Thema „Finanz-Casino-Kapitalismus“ steht seit heute bei YouTube online (Spender-VIPs konnten die Clips bereits seit Donnerstag Abend bei vimeo ansehen). Die Reaktionen des Premierenpublikums bislang durch und durch positiv: „vielen dank für eure idee und den arsch, den ihr in der hose habt!“ schreibt EMMAPBERLIN bei YouTube, oder auch „endlich mal wieder ungeschminkte Kritik und sinnvolle, unzensierte Satire.“ Auch Titelvorschläge werden gemacht. A. Günther schreibt bei Startnext: „Stör langsam – ein guter Tag zum Stören“. Ein bisschen wie „Free Rainer“, so TheMoenroe, jene Mediensatire aus dem Jahr 2007, die mit dem Slogan „Dein Fernseher lügt“ versucht hatte, die Verdummungsindustrie „Fernsehen“ zu enttarnen.

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Occupy Fernsehen

Störsender ist im besten Sinne anarchisch, handgemacht und alles, nur nicht Mainstream. Zugegeben, technisch nicht immer ganz ausgereift (Ton!) – dafür atmet stoersender.tv etwas, was den meisten verklumten und durchgelanzten Fernsehformaten in der Profiliga fehlt: Mut, Wahrhaftigkeit und eine spürbare Liebe der Macher zu dem, was man da tun.

hildebrandtWir Fernsehmacher wären gut beraten, das ernst zu nehmen, was die Truppe um Hildebrandt da tut. Ich vermute jedoch, dass in den Sendeanstalten kaum einer überhaupt Kenntnis davon nimmt, weil man zu sehr beschäftigt ist mit Dingen wie Primetime-Programmierung, Audience-Flow und Quotenoptimierung.

Einer wie Dieter Hildebrandt würde da nur stören.

Flipboard 2.0: Einfach genial – genial einfach

Bau Dir ein Magazin in Sekunden und teile es mit der Welt. Seit letzter Nacht gibt es Flipboard 2.0 – eine atemberaubende Weiterentwicklung der besten Tablet-App seit Erfindung des iPads.

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Das Leistungsschutzrecht ist keine 5 Tage alt, da wird es von der digitalen Wirklichkeit bereits ad Absurdum geführt. Mit Flipboard 2.0 lassen sich in sekundenschnelle eigene Zeitschriften bauen und veröffentlichen, gespeist aus Zeitungen, Zeitschriften, Blogs und sonstigen Netzfundstücken.

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Was ist neu?

Wie schon bei der ersten Version lassen sich mit Flipboard kinderleicht Texte, Videos, sogar Musik zu einem persönlichen Magazin zusammenstellen. Die Suchfunktion des Vorgängers wurde um eine “+”-Funktion erweitert, mit der sich Inhalte zu neuen Zeitschriften-Titeln remixen lassen.

Dein eigener Chefredakteur

Als Journalist, der wie ich viele Artikel zum Thema Tech und Digital Lifestyle liest, würde es sich anbieten, folgende Magazin-Titel zu erstellen: Web, Tech, Gadgets, Medien, Journalismus, Apple und so weiter. Wann immer mir ein spannender Artikel zu einem dieser Themen begegnet, tippe ich auf das neue “+” icon am Kopf der Vorschau bzw. am Ende des Artikels.

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Inhalte verteilen

Mit nur zwei Berührungen kann ich den Artikel nun zu einem bereits bestehenden Magazin hinzufügen – oder aber ein neues Heft erstellen. Ich kann entscheiden, ob ich die Sammlung nur für mich mache, oder aber mit der Welt (Flipboard, Facebook & Co) teilen möchte.

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Coverbild

Auch das Titelbild lässt sich mit nur zwei Touches anpassen: Gefällt mir das Foto eines Artikels ganz besonders gut, lässt es sich zum Titelbild des Magazins befördern.

Dazu genügt es, einen Artikel aus dem eigenen Heft eine Sekunde zu berühren, bis ein Auswahlmenü erscheint. Dann auf “als Cover übernehmen” tippen.

Fertig.

Schneller

Neben der “Build-Your-Magazine”-Funktion ist Flipboard jetzt auch schneller. Das Blättern fühlt sich jetzt noch organischer an, auch lassen sich mehrere Seiten in schneller Abfolge durchblättern, ohne dass es zu Hängern oder Verzögerungen kommt.

 

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Mit der Funktion “Lesezeichen” lassen sich künftig Magazine abonnieren – egal ob von professionellen Anbietern oder von Lesern kuratiert. Praktisch: Die Suchfunktion erleichtert das Aufspüren interessanter Angebote.

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Musik

Auch Musiktitel lassen sich neuerdings einbinden. Der Clou: Die Musik läuft im Hintergrund weiter, während man durch die Magazine blättert. Über ein Player-Symbol am unteren Bildrand lässt sich der Player steuern.

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Pro-Tipp

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Für alle, die wie ich viel im Flugzeug oder ICE unterwegs sind, empfehle ich die “Später lesen”-Option. Auch hier genügt ein einziger Touch aus Flipboard heraus und ein Artikel wandert in die Offline-Bibliothek von Instapaper, Pocket oder Readability.

Flipboard 2.0 steht als kostenloses Update im Apple App Store und bald bei Google Play bereit.

Null Blog

In Deutschland gibt es 10.000 Blogger. Sagt man. Wissen tut das freilich keiner, denn wir Blogger sind wenig organisiert, weder in Verbänden und auch sonst nicht im Leben.

big-blogViele Menschen zieren sich, ein Blog zu führen, weil sie meinen, ihnen fällt nichts ein oder sie können nicht schreiben. Als ob das professionelle Schreiberlinge je davon abgehalten hätte, Journalist zu werden.

Jürgen Domian ist einer, der aus seinem Herz keine Mördergrube macht (Franziskus-Fun-Fact: Der Ursprung dieser Redensart geht auf den frühchristlichen Blogger Matthäus zurück – Matth. 21,13 “Mein Haus soll ein Bethaus sein, ihr aber habt eine Mördergrube daraus gemacht!”). Der Kölner Talkradio-Moderator hatte sich kürzlich bei Facebook kritisch über den neuen Papst geäußert. Wenig später hatte Facebook seinen Text einfach gelöscht.

“Ungeheuerlich!” schimpfte Domian, das Freunde-Netzwerk aus den USA übe Zensur aus. Nicht das erste Mal, dass Facebook des willkürlichen Löschens bezichtigt wird. So hatte der Internet-Konzern vor einigen Monaten das Foto einer Nutzerin entfernt, weil der unverhüllte Ellbogen der Frau irrtümlich für eine blanke Brust gehalten wurde.

Im Netz tobt seitdem eine heftige Debatte darüber, ob Facebook das Recht hat, Inhalte seiner User zu löschen. Ja, sagen die einen, schließlich sei die Internet-Plattform kostenlos. Nein, sagen die anderen, das Recht auf freie Meinungsäußerung gelte auch für Facebook.

Wie so vieles im Leben kann das nicht einfach nur schwarz oder weiß sehen, sondern eher so 50 Shades of Grey. Wer kritische Kommentare auf Katja Riemanns Facebook-Seite postet, muss damit rechnen, dass die dort nicht lange stehen bleiben.

Ein Grund mehr, sein eigenes Blog zu betreiben. Hier ist man sein eigener Herr, kann über Gott und die Welt so ziemlich alles schreiben, was das Grundgesetz deckt. Eine Errungenschaft, die wir oft als selbstverständlich betrachten, und von der wir – wie ich finde – noch viel zu wenig Gebrauch machen.

Wir sollten nicht vergessen, dass es Länder geben soll, in denen Menschen ihr Leben riskieren, wenn sie öffentlich ihre Meinung kundtun (Weltkarte Pressefreiheit/PDF). Deshalb: Diskutiert mit – je konstruktiver desto besser! Mischt Euch ein! Bloggt! Ihr habt sicher mehr zu sagen, als nur alle vier Jahre durch ein Kreuz in der Wahlkabine.

Warum?

Weil Ihr es könnt.

TV-Mediathek: Sendezeiten für das Internet?

Der wachsende Trend zum zeitversetzten Fernsehen stellt Medienmacher und -Regulierer vor ganz neue Herausforderungen: Sollen für Kinder ungeeignete TV-Sendungen in Mediatheken und Smart-TV-Anwendungen tagsüber gesperrt werden?

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Nonlineares Leben

Wie viele Taxifahrer, Krankenpfleger oder Wachdienste gehöre auch ich zu den Nachtarbeitern, so dass ich selten die Chance habe, lineares Fernsehen, schon gar nicht zur Primetime verfolgen zu können. Meistens ist das kein großer Verlust. Dann aber gibt es immer wieder echte Perlen, die ich mir aus den Mediatheken zusammen sammle. Gestern Nachmittag war so ein Moment. Ich wollte mir die erste Folge des TV-Dramas “Unsere Mütter, unsere Väter” ansehen.

Dazu habe ich nach langer Zeit und viel Frust meinem SmartTV eine neue Chance gegeben (Wer mein Blog gelegentlich liest, weiß, dass ich alles, was zur Zeit als “SmartTV” verkauft wird, für Schrott halte – aber das ist ein anderes Thema). Viel Kummer gewohnt, bin ich dankbar, dass die ZDF-Mediathek nach geraumer Ladezeit überhaupt startet. Ich klicke mit dem Steuerkreuz meiner Fernbedienung also umständlich durch das tierisch unübersichtliche Programmangebot sämtlicher ZDF-Kanäle, bis ich endlich ans Ziel komme.

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Quelle: ZDF

Positive Überraschung #1

“Unsere Mütter, unsere Väter” befindet sich tatsächlich im Repertoire. Oft scheitert es ja bereits an den fehlenden Online-Rechten, dass manche Programmangebote in einer Mediathek gar nicht aufzufinden sind.

Positive Überraschung #2

Die erste Folge des Kriegsdramas ist noch nicht der 7-Tage-Regelung zum Opfer gefallen. Ich hole mir (während der smarte Fernseher munter vor sich hin-buffert) schnell noch einen Kaffee, drücke auf Start und sehe dann das hier:

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Sendezeiten für das Internet – ein Paradoxon?

Geht es beim zeitversetzten Fernsehen nicht genau darum, dass man eben nicht abhängig ist von bestimmten Sendezeiten? Genauso gut hätte ich auch eine Pizza beim Lieferdienst bestellen können, um sie mir dann am nächsten Tag selbst abzuholen. Michael Marco vom ZDF antwortet prompt auf meine Nachfrage:

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Auch die Kollegen vom Tatort reagieren sofort und verweisen auf diese Seite zum Jugendschutz.

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Unsere Mütter, unsere Väter …und unsere Kinder!

In meinem Follower-Kreis bilden sich schnell zwei Lager: die einen, die Sendezeiten im Netz generell für doof halten – die anderen, die durchaus Verständnis für eine solche Jugendschutzmaßnahme äußern.

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Zur Verteidigung der TV-Leute: Die Produzenten und Sendeanstalten sind selten diejenigen, die ein Problem damit hätten, dass ihre Filme auch früher laufen. So musste der viel beachtete ARD-Thriller “Operation Zucker” Anfang des Jahres kurz vor der geplanten Ausstrahlung im Ersten auf zwei unterschiedliche “Härtegrade” umgeschnitten werden, damit der Film überhaupt in der Primetime laufen durfte.

Und das ist “nur” Fernsehen. Vor welchen Problemen Politiker stehen, wenn es um den Jugendschutz im Internet geht, haben wir bei der Debatte um den Jugendmedienschutz-Staatsvertrag erleben dürfen. Sendezeiten und Altersangaben für jede einzelne Webseite waren da nur zwei der vielen glorreichen Ideen, die im Raum standen.

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Quo Vadis Jugendschutz?

Und was tun mit den Mediatheken? Wer entscheidet, was jugendgefährdend ist und was nicht? Die Sender? Der Rundfunkrat? Die Freiwillige Selbstkontrolle?

Frustriert darüber, dass ich mir “Unsere Mütter, unsere Väter” aus Jugendschutz-Gründen nicht am Nachmittag anschauen darf, klicke ich mit der Fernbedienung weiter. Nur ein Menüpunkt weiter oben, eingebettet zwischen den logo-Kindernachrichten und der gesperrten Serie, entdecke ich die TV-Doku “Vietnam – Krieg ohne Fronten”.

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True Blood

Ich drücke auf Start und sehe bereits in den ersten beiden Sendeminuten, wie Kinder von Soldaten mit Messern traktiert werden, Exekutions-Szenen, Leichname, die an Seilen durch den Dreck gezogen werden. Reale Bilder wohlgemerkt. Nicht nachgestellt, wie in dem Nazi-Drama “Unsere Mütter”, das die fiktionalen Lebensgeschichten von fünf Jugendfreunden aus Berlin erzählt.

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Fiktionale Serien gesperrt – reale Gewalt frei zugänglich?

Am Ende hab ich dann zu AppleTV umgeschaltet und mir eine Folge ‘Game of Thrones’ angesehen. Das habe ich im Menü auf Anhieb gefunden, der Stream startete sofort, und bezahlt habe ich dafür auch völlig legal und gerne. Aber das wäre dann wieder ein ganz anderes Thema…

Sendezeiten für Mediatheken und das Internet – Eure Meinung?

Legacy Media – analoger Wein in digitalen Schläuchen

Die ersten Schritte sind gemacht, doch Facebook und Twitter waren nur der Anfang. Um in der Digitalen Welt langfristig bestehen zu können, müssen wir Medienmacher uns einer Glaubensprüfung unterziehen.

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Die Legende lebt… 

“Legacy Media” (legacy = Erbe, Vermächtnis) – allein der Begriff hat schon etwas verwunschenes, fatalistisches, fast wie eine Heldensage, die zumindest ansatzweise auf wahren Begebenheiten beruht, von Generation zu Generation immer weiter verklärt und ausgeschmückt wird, so dass man am Ende Dichtung und Wahrheit nicht mehr auseinander halten kann. Oder möchte.

Vor einigen Tagen hatte ich die Ehre, vom MedienHaus Wien in den Presseclub eingeladen zu werden, wo wir einen Tag lang über “Media in Transition” diskutierten. Zu den internationalen Rednern gehörten u.a. Lucy Küng von der Universität St. Gallen sowie Anthony Sullivan vom Guardian. Vor allem der Vortrag von Sullivan hatte es mir angetan, bei dem er erzählte, wie der Guardian es sich zur Aufgabe gemacht hat, den Journalismus neu zu denken.

Zum Konzept des Open Journalism zählen offene Feedback- und Crowdsourcing-Plattformen, wie z.B. die regelmäßige Austragung eines Hack-Days, bei dem IT-Spezialisten und User eingeladen werden, Web-Tools für den Guardian zu entwickeln.

Die Bedeutung von Mobile

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In der Mittagspause habe ich mir mein iPhone geschnappt und mit Anthony über seine Arbeit als Produktentwickler gesprochen. Woher er seine Leute rekrutiert, wie sich Smartphone & Tablets auf die Abrufzahlen beim Guardian auswirken (s. Grafik). Und: Welche Rolle spielen Google, Facebook sowie Twitter für das Medienhaus.

Weil es in dem Saal sehr laut und hallig war, habe ich dazu das LiveAction-Richtmikrofon von Belkin (Afiliate-Link*) verwendet. Nicht perfekt, aber deutlich besser als mit dem eingebauten iPhone-Mikro.

* Afiliate-Links sind Partner-Programme von Amazon. Wenn Ihr über diesen Link bestellt, erhalte ich von Amazon ein paar Prozent Kommission. Am Preis ändert sich für Euch nichts.

guardian-chartEine Welt im Aufbruch

Wenn ich auf die deutsche Medienlandschaft blicke (der ich selbst angehöre), bin ich weit nicht mehr so pessimistisch, wie ich es vor kurzem noch war. Wo immer ich hinkomme, überall erlebe ich eine Welt im Aufbruch. Verlage wie auch die gebührenfinanzierten Sender sind aus ihrem Dornröschenschlaf erwacht und mit Feuereifer dabei, sich an die neuen Medienrealitäten – sprich – an ein neues, anspruchsvolleres Publikum heranzutasten.

Vor 5 Jahren noch habe ich Studenten prophezeit, dass es bald keinen spannenderen Job geben wird, als Journalismus. Ich habe den Eindruck, diese Zeit ist jetzt gekommen. Noch nie habe ich um mich herum soviel Experimentierfreude verspürt – die notwendige Einsicht, dass es richtig und wichtig ist, sich auszuprobieren, Fehler machen zu dürfen um daraus zu lernen.

Noch zuviel Sendungsbewusstsein

Noch nutzen wir die Möglichkeiten, die sich uns bieten, recht zaghaft. So versteifen sich die meisten Häuser aktuell zu sehr darauf, ihre neuen “Spielzeuge” Facebook & Twitter lediglich als zusätzliche Verbreitungswege ihrer eigenen Inhalte zu benutzen, statt deren Rückkanal-Potential voll auszuschöpfen.

In unserer alten Denke macht dieser Ansatz natürlich Sinn: In Social-Media-Workshops und SEO-Schulungen tauscht man sich darüber aus, wie man die eigenen Webseiten bei Google nach oben pusht, wie man den Social-Graph bei Facebook optimiert, um eine höhere Reichweite zu erzielen.

Diese Grundlagen sind wichtig und ein erster Schritt auf dem Weg in das neue Zeitalter. Jedoch sollten wir uns darüber klar sein: All diese Aktivitäten sind vor allem darauf ausgerichtet, das zu tun, was wir schon immer getan haben: zu senden. Doch was ist mit dem Empfangen?

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Ein Glaubensbekenntnis – auch für Vorgesetzte 

Um in der neuen Welt bestehen zu können – um zu begreifen, um was es in dieser neuen Medienrealität wirklich geht, ist eine Art “Glaubensbekenntnis” nötig. Ein “leap of faith”, ein Sprung ins Ungewisse. Eine Prüfung, der sich jeder Einzelne von uns unterziehen muss, auch unsere Vorgesetzten.

Kürzlich habe ich mich einer hochrangigen ARD-Managerin über die Frage gestritten, ob man selbst aktiv twittern müsse, um Twitter zu verstehen. Die Kollegin war der Meinung, man muss nicht alles selbst tun, es genüge vollkommen zu wissen, wen man mit einer solchen Aufgabe betraut.

Ich halte das für ignorant. Nur wer die Dynamik der sozialen Netzwerke über längere Zeit am eigenen Leibe erfährt, begreift, worum es bei dieser Many-to-Many-Kommunikation tatsächlich geht. Nur so kann man echte Trends ausmachen, jenseits des üblichen Netzrauschens (vgl. Holger Schmidt: Twitter als Nachrichtenistrument: Deutschland ist Schlusslicht). Und ja – so ein gelegentlicher Shitstorm kann auch eine unheimlich reinigende Erfahrung sein.

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Das Publikum verändert sich schneller als mancher Medienmacher

Analoger Wein in digitalen Schläuchen

Konkret: Wir optimieren die Verbreitungswege, kümmern uns aber nicht genug um die Inhalte. Vieles von dem, was wir (jetzt über Dutzende Kanäle) aussenden, ist lieblos aus irgendwelchen Agenturen zusammenkopiert und mit einem 0815-Schmuckbild versehen. Solche Inhalte versenden sich in der Regel – ob im Fernsehen oder bei Facebook, spielt am Ende keine Rolle. Analoger Wein in digitalen Schläuchen.

Um im Web reüssieren zu können, braucht man mehr Gespür für die User. Unser Publikum ist ein anderes, als noch vor 10 oder 20 Jahren, lässt sich nicht so leicht in werberelevante Altersgruppen oder Sinus-Milieus pressen, hat ganz andere Anforderungen an uns professionelle Medienleute.

Es ist ungeduldiger und kritischer, weil es über die gleichen Quellen und Vergleichsmöglichkeiten verfügt wie wir – nicht zuletzt aber auch deshalb, weil es jetzt eben auch selbst Sender sein kann. Mehr Kommunikations-Partner statt dummer weil stummer Empfänger.

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Ein neues Mindset

Dieser Wandel setzt bei uns Medienmachern ein ganz anderes Mindset voraus, als wir das aus dem Kommunikationszeitalter kannten, in dem wir selbst sozialisiert wurden. Die (= unsere) Wahrheit von der hohen Kanzel herab zu predigen, das macht der mündige Leser/Zuhörer/Zuschauer in dieser Form nicht länger mit.

Es ist wie Schwimmen lernen oder Fahrradfahren. Man stürzt und schluckt viel Wasser. Wer immer gleich nach Schwimmflügeln ruft (zusätzliche Rundfunkgebühren) oder nach Stützrädern (Leistungsschutzrecht), der wird ewig in der alten Welt verharren, zumindest aber wertvolle Zeit verlieren.

Am Ende folgt auch der Medienwandel der Dramaturgie der klassischen Heldensage: Nur wer bereit ist, loszulassen – ein Risiko einzugehen, gegebenenfalls zu scheitern und den Heldentod zu sterben, wird geläutert und als neuer Mensch das andere Ufer erreichen. Wer diesen inneren Glaubensschritt, diesen “leap of faith” nicht vollziehen will, sollte sich damit abfinden, schon bald zur “legacy” zu zählen.

Legacy hat im Englischen auch die Bedeutung “Altlast”.

Sharing is caring

“Mein Haus! Mein Auto! Mein Boot!” Erbärmlich. Was uns damals in den 90ern noch als cool und erstrebenswert erschien, verdient im Rückblick bestenfalls unser Mitleid. Das Netz hat eine längst vergessen geglaubte Kultur zurück gebracht: Die Kultur des Teilens.

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Shutterstock

Vom Auto bis zur eigenen Wohnung – hieß es gestern noch “Geiz ist geil”, heißt es heute: Wir Teiler sind geiler. Car- oder Couchsharing waren nur der Anfang. Von der Bohrmaschine bis zum Rasenmäher, im Netz wird alles geteilt, was nicht bei drei auf dem Baum ist. Wer Frau ist und wieder mal nichts anzuziehen hat, kann in der Hamburger Kleiderei seine Fummel (ver-) leihen. Weil 30 Prozent unserer Lebensmittel ungenutzt in den Hausmüll wandern, versucht die Seite foodsharing.de jetzt sogar, überschüssige Einkäufe aus dem Supermarkt neu zu vermitteln, bevor das Verfallsdatum abläuft.

Shareconomy – so das Motto dieses Jahr auf der Computermesse CeBIT. Teilen von Gütern, von Information, von Wissen. Menschen, die sich im Leben noch nie begegnet sind, arbeiten im Netz gemeinsam an der Lösung eines Problems. Sie vernetzen sich, tauschen sich aus, in der Hoffnung, dass am Ende für alle mehr dabei rumkommt, als wenn jeder allein vor sich hin wurschtelt.

Wikipedia statt Brockhaus, der freie Austausch von Informationen. Dem gegenüber steht das alte Weltbild des elitären Herrschaftswissens. Das lässt sich besonders gut in Politik und Wirtschaft beobachten, wo die Kontrolle über den Zugang zu Informationen noch immer ein beliebtes Machtinstrument ist. Doch was nutzt dem Chef sein Informationsvorsprung, wenn alle Informationen plötzlich frei im Netz fließen und er den Zugang nicht mehr steuern kann?

Machtstrukturen geraten ins Wanken – im Betrieb, in der Religion, in der Politik. Viele der alten Machthaber sind noch immer der Meinung, dass sie durch das Teilen von Informationen Macht abgeben. Das Gegenteil ist der Fall: Im Zeitalter einer vernetzten Welt gilt nicht derjenige als König, der am meisten rafft, sondern derjenige, der sein Wissen mit anderen teilt. Der Traum vom Sozialismus verwirklicht durch die sozialen Netzwerke? So weit würde ich nicht gehen. Doch was nutzen am Ende Haus, Auto und Boot, wenn man sein Glück mit niemandem teilen kann?

Neulich, in der Leistungsschutz-Zone

Zum Leistungsschutzrecht ist viel geschrieben worden. Aber noch wenig gezeichnet. Meine Vision einer Welt, in der die Gesetze der Marktwirtschaft ad absurdum geführt werden.

(entstanden gestern auf dem Flug von München nach Berlin - gezeichnet auf iPad und der App "Paper")

(entstanden gestern auf dem Flug von München nach Berlin – gezeichnet auf iPad und der App “Paper”)

Das “Lex Google” könnte bereits am 22. Februar vom Bundestag verabschiedet werden. Der Bundesrat könnte dann das Gesetz über die Legislaturperiode hinaus verzögern und damit stoppen. Der Wiener FALTER hat mich zu der aktuellen Debatte befragt und wollte wissen, was ich von einer Zwangsabgabe für Suchmaschinenbetreiber halte.

Brauchen wir das Leistungsschutzrecht? Ich hab mich mal umgehört auf der Feier zur Wahl des Journalisten des Jahres gestern Abend in Berlin:

Tipps für Blogger: Geld verdienen

Wir Blogger sind ein bisschen wie Berlin: arm aber sexy. Ein Blick in meine Blog-Buchhaltung beweist, dass man auch mit “Lousy Pennies” auf seine Kosten kommen kann.

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Immer wieder werde ich gefragt: Warum bloggen Sie? Meine Standard-Antwort lautet: Warum nicht? Kostet ja nix. So ganz stimmt das nicht, denn obwohl die Blogging-Software selbst (hier: WordPress) gratis ist, Server-Hosting, Lizenzgebühren für Fotos etc., da kommt über die Monate ganz schön was zusammen.

Heute tue ich etwas, was ich vorher noch nie getan habe: Ich gewähre Euch Einblick in meine Buchhaltung und lege offen, was mich mein G! blog so aufs Jahr gerechnet kostet – vor allem – ob und wie sich das Bloggen re-finanziert.

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Wie alles begann

Als ich vor 4 Jahren mit dem Bloggen anfing, habe ich mir nur eine einzige Vorgabe gemacht: Ich will damit kein Geld verdienen, aber eben auch keins verlieren. Was auch immer ich in mein Blog hineinstecke, am Ende möchte ich eine schwarze Null schreiben. Wenn ein bisschen was von den Werbeeinnahmen am Ende des Jahres übrig bleibt, soll mir das natürlich auch recht sein.

Das erste Jahr habe ich vor allem mit Google-Werbebannern gearbeitet. Als der erste Scheck kam (ich hatte noch nie zuvor einen Snail-Mail-Brief von Google bekommen) war ich begeistert. Später wurde mir klar, dass die knapp 100 Euro, die ich über ein Jahr mit Blinke-Bannern in meinem Blog und bei YouTube machte, lachhaft sind.

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Wer sein Blog etwas professioneller aufziehen will, hat Ausgaben – mein G!blog kostet mich im Jahr rund 900 €

Ein neues Werbemodell

Also suchte ich nach einem Sponsor, der sich für einen längeren Zeitraum committet und mein Blog als eine Art Kreuzung aus Sponsor und Mäzen unterstützt (Anfang des Jahres habt Ihr ja bereits KOENIGSFILM kennengelernt, meinen exklusiven G!friend für das Jahr 2013).

Dieses Modell erwies sich schnell als Win-Win-Win-Situation für alle Beteiligten: Der Sponsor hat einen bleibenden Image-Transfer und sticht durch die Exklusivität als einziger Werbepartner auf meinen Seiten hervor, die Leser werden ein ganzes Jahr von lästigen Blinke-Bannern in den Texten verschont, ich selbst werde für die Zeit entschädigt, die ich für das Bloggen aufwende, habe Planungssicherheit.

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Kleinvieh macht auch Mist – und wie!

Daneben gibt es aber noch einige andere Einnahmequellen, die, jede für sich sicherlich unzureichend wäre, um damit ein Blog zu unterhalten. Zusammenaddiert allerdings ergeben diese “Lousy Pennies” (siehe Blogpost meine 5 Cents zum Zeitungssterben) eine stattliche Summe – und das ohne großen Mehraufwand. Im Folgenden möchte ich Euch nun diese Zusatzerlöse vorstellen:

Amazon Partner-Links

Wer hätte das gedacht: ausgerechnet die Finanzierungsquelle, mit der ich am wenigsten gerechnet hätte, wirft am meisten ab: Dank amazon-Partner-Links zu Produkten, die ich von meinem eigenen Geld gekauft habe und daher auch völlig unvoreingenommen testen kann, erhalte ich Monat für Monat rund 50 Euro in Form eines Amazon-Einkaufsgutscheins. So habe ich beispielsweise allein für den Artikel mit den Blogger-Travel-Tools von vor 2 Wochen rund 300 Euro gutgeschrieben bekommen.

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Eher die Ausnahme: Knapp 300 Euro mit einem Blogpost

Mit diesem Guthaben kann ich Festplatten, Mikrofone oder auch mal ein Stativ kaufen, das ich für meine Videos brauche. Wichtig: Partner-Links sollten immer transparent als solche gekennzeichnet werden, damit der Leser weiß, dass man, wenn sich ein Leser zum Kauf entschließt, ein paar Euro vom Amazon-Verkaufspreis Kommission erhält.

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Die von mir empfohlene “Bloggertasche” aus dem Blogpost zu meiner Blogger-Ausrüstung wurde von Euch 72 mal bestellt!

Flattr

Es gibt Blogger, die flattr ausprobiert und irgendwann mal aufgegeben haben. Das Prinzip “linke Tasche, rechte Tasche” taugt ihnen nicht, sie sagen: Ich bekomme am Ende nicht viel mehr raus, als ich reinstecke. Das hängt natürlich auch immer mit der Güte der eigenen Blogposts ab. Ich für meinen Teil mache im Jahr rund 220 Euro mit meinen Texten, wovon ich 20-30 Euro wiederum in andere Blogs flattere.

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Immerhin eine warme Mahlzeit pro Monat plus Nachtisch: Flattr me!

PayPal

Es gab Zeiten, da hat mich PayPal vor dem Ruin bewahrt (siehe: Blogpost Bilanz aus Kairo). Heute habe ich den PayPal-Spenden-Knopf sehr dezent im Impressum versteckt. Trotzdem erreichen mich im Jahr noch rund 50 Euro – unaufgefordert. An alle Spender: Ihr seid super!

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Einzelspenden von treuen Lesern – ja, sowas gibt es!

YouTube

Es soll Leute geben, die von YouTube leben können. Ich gehöre definitiv nicht dazu. Das super-transparente-und-ganz-und-gar-nicht-böse Google verbietet seinen YouTube-Partnern ausdrücklich zu verraten, wie viel Geld man mit seinen Videos macht. Natürlich halte ich mich an diese Vorgabe, deshalb nur ganz grob: meine letzte YouTube-Abrechnung brachte ungefähr 84,34 Euro – ich verrate aber nicht für wieviele Videos und welchen Zeitraum! (Schon abonniert? Hier geht’s zu meinem YouTube-Kanal)

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YouTube-Abrechnung mit 89 Cent aus Peru – ¡muchas gracias

InstaCanvas

Eine nette Spielerei, die ich in diesem Blogpost näher beschrieben habe. Mit InstaCanvas lassen sich die eigenen Instagram-Bilder auf Leinwand drucken und in einer öffentlichen Galerie verkaufen (hier geht’s zu meiner Galerie).

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Das macht nicht nur Spaß, sondern wirft hin und wieder, ganz unerwartet ein bisschen Taschengeld ab. Immerhin: 7 Kunstwerke habe ich im vergangenen Jahr verkauft – rund 40 Euro.

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Hier geht es zu meiner Instagram-Vernissage. The Artist is present!

Warnung zum Schluss

Und dann gibt es da noch Anfragen von Seelenverkäufern, die durch gefakete redaktionelle Werbetexte und Querverweise einen schnellen Euro versprechen. Meine Empfehlung: Finger weg! Nicht nur, dass es sich bei den meisten Agenturen um Briefkastenfirmen handelt, die irgendwelche SEO-Betrügereien betreiben. Gekaufte oder nur scheinbar redaktionelle Texte – so etwas machen vielleicht Qualitätszeitungen und -Zeitschriften – aber doch nicht wir Blogger! ;-)

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Unerwünschte Anfragen von obskuren Marketing-Firmen landen bei mir sofort im E-Mail-Ordner mit der freundlichen Aufschrift: “BULLSHIT”

 

Fazit

Mit Bloggen wird man vielleicht nicht reich, dafür hat man eine Menge Spaß. Und ja, liebes Finanzamt, Du kriegst auch dieses Jahr wieder eine feine Aufstellung mit allen Belegen!

Frage: Wie finanziert Ihr Euer Blog? Welche Einnahmequellen haben sich für Euch bezahlt gemacht?

Big Data statt Big Bla Bla

Vor 4 Jahren habe ich geglaubt: Die nächsten Bundestagswahlen werden im Netz entschieden. So kann man sich irren.

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Willkommen im Superwahljahr 2013! Sind das die ersten Wahlen, die im Netz entschieden werden? Ich bezweifle das. Zwar hat sogar der letzte Hinterbänkler inzwischen eine Facebook-Seite (bis auf Ilse Aigner, unsere Jeanne d’Arc des Datenschutzes). Je länger aber die Selbstdemontage der Piraten anhält, desto geringer der Druck auf die etablierten Parteien, sich mit diesem “Internetz” zu beschäftigen. Raus aus der virtuellen Realität und zurück in die Fußgängerzone: “Eine Rose und unser Wahlprogramm, gnä’ Frau?”

wahlplakate“Big Data”, so die Zauberformel, die Barack Obama eine zweite Amtszeit bescherte. Mithilfe gigantischer Datenbanken machten Demokraten wie Republikaner in den USA Jagd auf Wechselwähler. In Deutschland sind wir von einer deratigen Web-Wahlschlacht weit entfernt. Datenschutz hin oder her. Talkshows und Tapeziertische statt Twitter und Tablets. Mal was neues wagen? Bloß nicht! Wir Deutsche sind nun mal Gewohnheitstiere.

Dabei wäre es dringend an der Zeit für ein gesellschaftliches Update. Deutschland ist wirtschaftlich stark. Die Arbeitsplätze der Zukunft liegen aber nun mal nicht in unseren Industriehallen, sondern in der Informationstechnologie. Ein Gebiet, auf dem wir geradezu blank sind, weil das Internet der Feind ist, der bis in die letzten Winkel reguliert und überwacht werden muss. Deutschland gehört zu den Ländern mit der ältesten Bevölkerung der Welt. Dieses Ungleichgewicht verzögert Erneuerungsprozesse, die lange überfällig sind – in der Wirtschaft, in der Politik, wie auch sonst wo.

 

Wenn ich mir etwas für das Superwahljahr wünsche, so sind das keine digitalen Analphabeten, sondern Internet-erfahrene Alpha-Tiere. Kandidaten, die ihre Politik nicht nach Infratest Dimap ausrichten, sondern unbequeme Visionäre, die uns auf eine vernetzte Zukunft vorbereiten. Eine Welt, die sehr viel komplexer und anstrengender sein wird, als alles, was wir bislang kannten. Eine Welt, die aber auch mehr Chancen und mehr Substanz zu bieten hat, als das, was uns die ewigen Polit-Populisten aus der Postkutschen-Ära weismachen wollen. Big Data statt Big Bla Bla – wo bitte darf ich mein Kreuzchen machen?

Neuer Sponsor: Auf zu neuen Abenteuern

Das neue Jahr beginnt mit einem neuen G!friend – Wie ich mein Blog finanziere und warum Koenigsfilm der passende Partner für das G!blog ist.

Koenigsfilm-Vorhang
sullivansketchNeue Wege

Mit großer Aufmerksamkeit (Neugier? Hoffnung?? Verzweiflung???) blicken Medienmacher aus der ganzen Welt auf einen Mann: Andrew Sullivan. Der 49jährige gebürtige Brite hat das gewagt, wovon viele träumen: Er hat das Seil gekappt zur klassischen Medienwelt und versucht sein publizistisches Glück nun allein, mit Netz aber ohne doppelten Boden.

The only completely clear and transparent way to do this, we concluded, was to become totally independent of other media entities and rely entirely on you for our salaries, health insurance, and legal, technological and accounting expenses.

Blog

Sein Blog, das Beiboot, wird zum Mutterschiff. “The Dish” soll ihn künftig ernähren, ihn und seine siebenköpfige Crew. Anders als die klassischen Medien hat Sullivan erklärt, gänzlich auf Werbung zu verzichten, sich direkt von seinen Lesern bezahlen zu lassen.

Auch in Deutschland gibt es Blogger, die von ihren Texten und Videos im Netz ganz gut leben – direkt oder indirekt. Sascha Pallenberg ist so ein Mensch, der es mit seinen werbefinanzierten Netbooknews (heute: MobileGeeks) geschafft hat, sich früh von der Masse abzuheben, der am konsequentesten das umsetzt, was andere nur predigen.

Neue Partner

Ich habe einen Job, der mir Spaß macht, habe kein Bedürfnis, mit meinem Blog Geld zu verdienen. Umgekehrt soll mich mein Hobby auch nicht arm machen (Hosting, Lizenz-Bilder, Ausrüstung). Deshalb freue ich mich, dass sich in den vergangenen Jahren immer wieder Medien-Partner (G!friends) gefunden haben, die mein Blog unterstützen.

Koenigsfilm-LogoFür dieses Jahr hat sich der Produzent und Filmemacher Holger Koenig bei mir gemeldet. Koenig kannte mein Blog und findet vor allem den Themenmix spannend: “Bei Ihnen stolpere ich immer über etwas, was mich interessiert”, erklärt er mir am Telefon. “Sie sind integer”, so Koenig, “das gefällt mir”.

Holger-Koenig

2013 ein Koenig

Holger Koenig ist gelernter Journalist aus Hamburg. Der Großvater Drucker, der Vater Verlagskaufmann. Die Liebe zum Medium Film erwacht früh. “Psychogramm eines Schülers” eines seiner ersten Werke, ein Schulprojekt, gedreht auf Super 8. Vom Hamburger Abendblatt zu Rias Berlin, über Sat.1 zu den Öffentlich-Rechtlichen (Holger Koenig war Regisseur der Makeover-Show “Tapetenwechsel” und hat für den BR auch die Lifestyle-Sendung “Chili und Couch” produziert).

Was Holger Koenig und mich noch verbindet: der Glaube an eine große Zukunft des Bewegtbilds. Die Zukunft zappelt und ist mobil – mein Credo schon seit Jahren. Ein Satz, den Koenigsfilm mit Sitz in Kassel und in München nicht nur lebt, sondern auf dem auch die gesamte Firma aufbaut: Die Präsentation von Unternehmen, Projekten und Ideen in High Definition.

Die Philosophie

Zu den Kunden von Koenigsfilm gehören die Deutsche Bahn (Video), der schweizer Verkehrstechniker Kummler+Matter (Video siehe unten) aber auch Bürgerinitiativen wie der Förderverein Schwimmbad Bad Wilhelmshöhe (Video).

Was ein guter Imagefilm kostet? – Holger Koenig: “Alles zwischen 5 Tausend und 5 Millionen.”

Ob Multimillionen-Dollar-Konzern oder der kleine Mittelständler um die Ecke; Bewegtbild wird das Netz übernehmen, da ist sich Holger Koenig sicher. Video wird den Text weiter verdrängen. Firmen werden eigene Bewegtbild-Abspielstationen installieren, Marken werden zu Broadcastern. “Branded Entertainment” nennt Koenig das.

Das Engagement

Ich freue mich, in Koenigsfilm einen Sponsor für mein Blog gefunden zu haben, der mir größtmögliche Unabhängigkeit bietet und der Euch, liebe Blogleser, ein ganzes Jahr lang blinkende Bannerwerbung oder sonstige lästigen Werbe-Einblendungen erspart.

Ich bin mir sicher das ist nicht nur in meinem Sinne – damit auf zu neuen Abenteuern!

Max vs. Facebook: Showdown vor Gericht

Max Schrems geht aufs Ganze: Weil er sich von Facebook nicht länger für dumm verkaufen lassen will, will der Jura-Student jetzt gegen das Freunde-Netzwerk vor Gericht ziehen*. Auf einer eigens programmierten Internet-Plattform bittet er seit heute Facebook-Nutzer weltweit um Spenden. Sollte der 25jährige mit seiner Klage durchkommen, droht Facebook ein Musterverfahren vor dem Europäischen Gerichtshof wie einst Microsoft.

* Ergänzung: Der Rechtsweg sieht vor, dass nicht Facebook direkt verklagt werden kann, sondern zunächst die für Facebook zuständige Aufsichtsbehörde. Das ist aber nur der erste Schritt in einem Prozess, der, wenn es hart-auf-hart kommt, bis zum Europäischen Gerichtshof führen könnte.

Weihnachtszeit – Spendenzeit. Auch Max Schrems ruft seit heute zu einer Spendenaktion auf. Nicht für Afrika, nicht für den Bau von Schulen – sondern für mehr Datenschutz im Internet. Der Wiener Student rüstet sich für das, was bislang noch kein Datenschützer vor ihm gewagt hatte: Er will gegen Facebook vor Gericht ziehen.

 Max Schrems über seine Crowd-”Sammel”-Klage gegen Facebook

Wie alles begann

Nichts wird gelöscht: 1200 Seiten in 3 Jahren Mitgliedschaft

Vor eineinhalb Jahren hatte Schrems den Multi-Milliarden-Dollar-Konzern dazu gezwungen, ihm eine Daten-CD mit sämtlichen Informationen auszuhändigen, die der Internet-Riese über ihn gespeichert hatte. Das Ergebnis: Über 1200 Schreibmaschinen-Seiten, die sich in gerade mal drei Jahren Mitgliedschaft angehäuft hatten. Darunter auch Fotos und Nachrichten, die Schrems schon lange gelöscht hatte.

Gravierende Datenschutzverstöße

Anhand der Rohdaten (kommentierter Auszug – PDF-File) gelang es dem Studenten, Facebook teils gravierende Datenschutzverstöße nachzuweisen. Der 25jährige erstattete Anzeige in 22 Fällen (hier die Liste aller Verstöße). Das ist möglich, weil das Freunde-Netzwerk seine internationale Zentrale in Irland hat. Damit spart der US-Konzern jede Menge Steuern, fällt dafür aber unter EU-Recht. „Entscheidend ist der Firmensitz, nicht der Wohnort der Nutzer“, so Schrems.

Fragwürdiger Kuhhandel

Doch anstatt die Vorwürfe des Österreichers juristisch zu verfolgen, ließ sich die für Facebook zuständige irische Datenschutzbehörde auf einen Deal ein. In zwei sogenannten „Audits“ wurde Facebook die Möglichkeit eingeräumt, seinen Datenschutz freiwillig nachzubessern. Im September legte die Behörde ihren Abschlussbericht (PDF-File) vor. Das Urteil: Facebook habe die „Empfehlungen“ der Kommission zur „vollsten Zufriedenheit“ erfüllt.

Facebook biete seinen Nutzern jetzt die Möglichkeit, seine Daten selbst herunterzuladen. „Eine Farce“, sagt Schrems. Die Dateien, die man auf diesem Wege erhält, seien nur ein Bruchteil dessen, was der Konzern tatsächlich über einen gespeichert habe. Hinzu kommt, dass auch nach wie vor Daten über Personen gesammelt werden, die gar nicht bei Facebook angemeldet sind. Auch die Aussage, dass Facebook die automatische Gesichtserkennung für die EU vorübergehend abgeschaltet habe, hält Max Schrems für eine Nebelkerze. „Wie soll denn das technisch bitteschön funktionieren, wenn beispielsweise ein Schweizer Staatsbürger das Foto eines EU-Bürgers hochlädt?“

Steuer-Paradies Irland

Schrems vermutet wirtschaftliche Interessen hinter diesem wachsweichen Kompromiss. Nicht nur Facebook hat auf der grünen Insel seinen internationalen Firmensitz, sondern auch Google, Apple oder Dell. Irland sei abhängig von diesem IT-Sektor, so Schrems, es gehe um Tausende von Jobs. „Kein Politiker hat Interesse, in dieses Wespennest hinein zu stechen“.

Hinzu kommt, dass die für Facebook zuständige Datenschutzbehörde, die mitten in der irischen Pampa im Gebäude eines Supermarktes untergebracht ist, hoffnungslos überfordert zu sein scheint. 21 Mitarbeiter müssen sich mit den Beschwerden über Facebook aus der ganzen Welt herumschlagen. Unter ihnen kein einziger Jurist (dazu mein Blogpost vom 30. Juli).

Crowdfunding für mehr Datenschutz

Max Schrems, der vergangene Woche seine letzte Jura-Prüfung abgelegt hat, will es jetzt wissen: Für den Fall, dass die irische Datenschutzbehörde seine Anzeigen endgültig fallen lässt, will er mit seinen Mitstreitern von der Organisation Europe versus Facebook in Irland vor Gericht ziehen. Mindestens 100.000 Euro werde das kosten, haben seine Anwälte ihm vorgerechnet. Viel Geld für einen Studenten, der für den Fall, dass die Sache schiefgeht, mit seinem Privatvermögen haftet.

Deshalb haben Schrems und seine Mitstreiter im Internet eine Crowdfunding-Plattform eingerichtet, über die er weltweit um Spenden bittet.

Unter www.crowd4privacy.org können Facebook-Nutzer, oder z.B. auch besorgte Eltern Geldbeträge ab einem Euro beisteuern. „Wenn nur 5000 Leute je 20 Euro spenden, haben wir eine echte Chance.“ Sollte die Klage aus irgendwelchen Gründen nicht zustande kommen, bekomme jeder Spender sein Geld zurück (mit Abzug einer geringen Buchungsgebühr).

Musterprozess à la Microsoft?

Die Klage des Wiener Studenten könnte weitreichende Konsequenzen für die Datenschutzbestimmungen weltweit, nicht nur in Bezug auf Facebook haben. Irland übernimmt 2013 den Vorsitz der EU-Ratspräsidentschaft. Ausgerechnet in dem Jahr, in dem die inzwischen 17 Jahre alte EU-Datenschutzverordnung reformiert werden soll.

Das Verfahren, auf das sich Schrems jetzt vorbereitet, könnte aber noch ganz andere Folgen haben. Vorstellbar wäre in letzter Konsequenz ein Musterprozess vor dem Europäischen Gerichtshof wie einst gegen Microsoft. Im Zuge mehrerer Kartellverfahren wurde der Software-Gigant von Brüssel zu Zahlungen von insgesamt 1,6 Milliarden Euro verdonnert.

Schrems' Antwort auf den Audit-Bericht der Iren (PDF-File)

Alles auf eine Karte

Max Schrems hofft, dass bis zum Frühjahr genug Geld für seine Klage gegen Facebook zusammen kommt. „Wenn’s nicht klappt, will ich zumindest sagen können, ich hab’ alles probiert.“ Das Schicksal scheint es gut zu meinen mit dem smarten Wiener. Unmittelbar nach unserem Gespräch erfährt Schrems das Ergebnis seines Jura-Examens: bestanden.

 

Würdet Ihr spenden für mehr Transparenz und echten Datenschutz bei Facebook?

Der Mayor ist im Haus

Hunde pinkeln an Bäume, um ihr Revier zu markieren. Ich checke mich ein bei Foursquare. Doch wehe, jemand pisst an meinen Stamm-Baum! 

WO STECKST DU, HANSI !?! Ich weiß, dass Du hier bist! Hansi K., der Mann, der mich gedemütigt, im ganzen Wild Wild Web lächerlich gemacht hat. Eines Tages bekam ich eine Mail: „Hansi K. ist jetzt Mayor von Starbucks Leopoldstraße“. Mayor! Von MEINEM Starbucks?! Seit es den Laden gibt, bin ich Bürgeremister im Schwabinger Starbucks. Jeden Tag hole ich mir dort meinen Kaffee. Mit dem Geld, das ich hier schon gelassen habe, könnte man Irland, Spanien und Griechenland zweimal retten – mit Platz für Milch!

Für alle Nicht-(Ein-) Checker

Das mit den Bürgermeisterämtern funktioniert so: Im Internet gibt es ein Soziales Netzwerk namens Foursquare. Das ist so eine Art Facebook, gebunden an Orte. Wann immer man sich mit seinem Smartphone bei Foursquare eincheckt, ermittelt das Telefon den Standort und wenn man Glück hat, bekommt man zur Belohnung eine lustige Plakette. Wer sich wiederholt am selben Ort einbucht, kann dort „Mayor“, also Bürgermeister werden. Man kann sich die Posten auch gegenseitig streitig machen. Als ich zum Beispiel meinem Freund Marcus das Bürgermeisteramt in der Intendanz des Bayerischen Rundfunks abgenommen habe, hat der zwei Wochen nicht mit mir geredet.

Aber das mit Hansi K. ist anders. Das ist persönlich. Man nimmt mir nicht so ohne weiteres mein Amt in meinem Stamm-Café ab! Ich bin Mayor auf drei verdammten Kontinenten; vom Parkplatz der Apple-Zentrale in Kalifornien, vom Rundschau-TV-Studio in Freimann, eine Zeit lang war ich sogar Bürgermeister der Klagemauer in Jerusalem. Doch das alles ist nichts im Vergleich zu meiner Regentschaft in München. Das hier ist mein zweites Wohnzimmer, hier genieße ich Heimrecht. Hörst, Du, Hansi K., dieses Kaffeehaus ist zu klein für uns beide!

Vor einer Stunde hast Du hier eingecheckt, ich weiß also, dass Du hier bist. Das Vertrackte: Ich kenne meinen Nemesis nicht persönlich, weiß noch nicht einmal, wie er aussieht. Der elende Feigling traut sich nicht, ein Foto von sich ins Profil zu stellen. Stattdessen prangt dort ein Bild einer Sammlung bunter Sportschuhe. Sportschuhe! Was soll das, Hansi, wohl zu hässlich fürs Internet?!

12 Uhr – High Noon

Der Laden ist gerammelt voll. Es könnte jeder sein. Der Hipster mit den roten Sneakern? Der BWLer mit dem Seitenscheitel? Ich laufe von Tisch zu Tisch: „Bist du Hansi K.?“ Wo ich auch frage: Fehlanzeige. Er MUSS doch hier sein! Gerade will ich aufgeben, da sehe ich, wie sich vor dem Gebäude ein Typ mit Schnauzbart auf sein Fahrrad schwingt. Ich – sofort raus – stelle ihn zur Rede: „SIE!“, tobe ich, bevor sich mein Gesicht in sich zusammenfaltet:

„Ich… äh… Grüß Gott, Herr Ude!“

Schufa 2.0: Die Social-Scoring-Abfrage kommt

Social-Scoring-Dienste wie Klout waren erst der Anfang. In Zukunft werden Anzahl und Güte unserer Facebook-Freunde darüber entscheiden, ob wir unseren Traumjob bekommen, welchen Handytarif wir zahlen und wie lange wir in der Telefon-Warteschleife verbringen.

Zeig mir Deine Freunde und ich sag Dir wieviel Du wert bist

„Haben Sie eine Payback-Karte?“ – Wenn ich diesen Spruch schon höre, krieg ich Schuppen. Genauso gut könnte mich die Kassiererin fragen: „Dürfen wir die Informationen über die Produkte, die Sie gerade erworben haben, zusammen mit all den anderen Daten, die wir im Lauf der Jahre über Sie gesammelt haben, auf Lebenszeit speichern und an Adresshändler verscherbeln? Als Gegenleistung erhalten Sie Prämienpunkte für diesen praktischen Reisefön.“

In nicht allzu ferner Zukunft werden Bonuskarten und ähnliche Tricks, um an unsere Daten heranzukommen, der Geschichte angehören. Dann bezahlen wir mit heruntergelassener Hose, nämlich mit unserem persönlichen Netzwerk. Nicht die Produkte, die wir kaufen, entscheiden über unsere Konsumkraft, sondern die Anzahl und “Güte” unserer Freunde und Follower bei Facebook oder Twitter. Kunden mit mehr Einfluss und Meinungsmacht werden besser bedient, verbringen weniger Zeit in Warteschleifen, erhalten günstigere Tarife für Waren oder Dienstleistungen.

Früher galten vor allem wir Journalisten als wichtige Meinungsmacher. Ein Grund, weshalb wir mit unserem Presseausweis fragwürdige Rabatte, sei es auf Autos, Handyverträge oder Flugreisen erhalten haben*. Das Internet ändert die Spielregeln. Heute kann jeder Nobody, der halbwegs mit einem Computer umgehen kann, mit seinen Produkt-Bewertungen ein Millionenpublikum erreichen. Es gibt Blogger, die haben mehr Leser als manche Tageszeitung.

Die Wirtschaft hat auf diese Entwicklung reagiert und arbeitet an sog. Social-Scoring-Systemen. Damit können Callcenter-Agenten blitzschnell feststellen, ob sie es am anderen Ende der Hotline mit einem „Influencer“, also einem Kunden mit viel Einfluss, zu tun haben und entsprechend kulant / ignorant reagieren. Personalchefs können ermitteln, wie beliebt ein Job-Bewerber ist und ob er über die „richtigen“ Kontakte verfügt. Ein Partyfoto des Job-Aspiranten kotzend über der Kloschüssel? Kein Problem, solange es sich um die Kloschüssel von Boris Becker nach einer Sause im P1 handelt.

Auch dieser Bundestagsabgeordnete freut sich über jeden Follower / Quelle: SZ

Die Social-Status-Schufa-Abfrage – Ihr haltet das für unwahrscheinlich? Ich sage: Es wäre unwahrscheinlich, wenn es nicht so käme. Warum? Weil es sich Firmen in Zukunft noch weniger leisten können, wichtige Kunden zu verprellen. Darüber hinaus lehrt uns die Geschichte: Was technisch gemacht werden kann, wird früher oder später auch gemacht. Erste Versuche in diese Richtung hat es ja schon gegeben.

Nicht überzeugt? Wir können ja wetten. Mein Wetteinsatz: dieser praktische Reisefön.

* Disclaimer: Bis vor kurzem hatte ich selbst noch einen sog. “Journalisten-Tarif” bei der Telekom

9 1/2 Thesen zu SmartTV, SocialTV und dem ganzen Rest

Wetten dass… SmartTVs alles andere als smart sind und dass die Zukunft des Fernsehens den dummen First- und den schlauen Second Screens gehört?

1. Das Lagerfeuer ist aus aber brennt woanders weiter

Der Begriff „SocialTV“ bestimmt zur Zeit wieder alle Medienkonferenzen. Als ob wir es mit einem neuen Phänomen zu tun hätten. Fernsehen war schon immer „social“. Was sich geändert hat, ist die Art und Weise, wie wir gemeinsam fernsehen. Das familiäre Lagerfeuer, das Kulenkampff, Carrell oder Gottschalk einst entfacht hatten, ist erloschen und einem Meer von LCD-Bildschirmen gewichen. Ob auf dem iPad unterwegs oder auf dem Laptop im Kinderzimmer, sämtliche Studien deuten darauf hin: Mit den neuen technischen Möglichkeiten beginnen die (einst passiven) Zuschauer nach und nach damit, sich ihr Wunsch-Programm selbst à la carte zusammenzustellen.

Das Digitale Quartett vom Sonntag-Abend zum Thema SocialTV

2. 80 Millionen potentielle Programmdirektoren

Mediatheken und Set-Top-Boxen machen es möglich, dass wir nicht mehr länger nur durch die Kanäle zappen können, sondern auch durch die Zeit. Lust auf einen Mad-Men-Marathon? Kein Problem; die Festplatte, die Cloud oder YouTube ist unser Freund. „Niemand will sein eigener Programmdirektor sein!“ habe ich meinen früheren Fernsehdirektor noch im Ohr. Daran habe ich schon damals nie geglaubt. Folgt man dieser Logik, wozu dann überhaupt eine Fernbedienung?

Hier geht’s zur Second Screen App von Wetten dass..?

3. Live-Events – gemeinsam einsam

Natürlich gibt es immer Momente, da wollen wir nicht isoliert voneinander auf den Bildschirm starren. Bei großen Live-Events (wie gestern bei der Markus-Lanz-Premiere von Wetten dass..?) treffen wir uns wieder zum kollektiven Rudel-Glotzen. Hier geht es darum, sich als Teil einer Gemeinschaft zu erfahren, die zusammen lernt, lacht und leidet. Dazu braucht man keine Familie, keine Kneipe an der Ecke oder Fan-Meile. Mit dem Laptop auf dem Sofa ist man mit der ganzen Welt verbunden. Social Viewing statt Public Viewing. Gemeinsam einsam.

4. Kein Second- ohne den First Screen

Das Netz als gigantischer Verstärker, ein Kosmos, dem es aufgrund seiner dezentralen Struktur auch immer wieder gelingt, sich den Gesetzen klassischer Programmplaner und Gatekeeper zu entziehen (“Shitstorm happens”). Und doch ist diese Web-Welt nicht so unabhängig, wie es manche Internet-People gerne hätten. Kein Second Screen ohne den First Screen. Twitter ohne Bild, BamS und Glotze wäre sicher um einiges geistreicher – aber eben auch verdammt öde.

"Die Macht" - die Second Screen App zur "rundshow"

5. SmartTV: Dead On Arrival

Und so müht sich die Fernsehindustrie seit Jahren damit ab, Fernsehen und Internet irgendwie unter eine Haube zu bekommen. Ob auf der IFA in Berlin oder im Institut für Rundfunktechnik in München-Freimann; über die letzten Jahre hinweg habe ich die Entwicklung der Hybrid- und SmartTVs interessiert mitverfolgt. Funktionen und Userinterfaces sind in der Tat umfangreicher und vor allem benutzerfreundlicher geworden. Das ganze dummerweise 5 Jahre zu spät.

6. Smartphones sind smarter und schneller

Das Problem: SmartTVs besitzen keine Funktion, die mein Smartphone nicht mittlerweile genau so gut – in vielen Fällen sogar besser – beherrscht. Natürlich kann ich den Wetterbericht, Tweets oder Börsenkurse als Picture-in-Picture-Darstellung 3 bis 4 Meter weit entfernt auf dem Fernsehbildschirm studieren. Aber im Ernst: Wer macht das? Im Vergleich zu Smart-TV-Anwendungen, unabhängig von Hersteller oder Betriebssystem, komme ich mit meinem Smartphone/Tablet fast überall schneller, komfortabler und punktgenauer ans Ziel, als über den Umweg Fernbedienung/Fernseher. Hinzu kommt: Ich nerve keine Familienmitglieder mit meinen permanenten Einblendungen.

7. HbbTV und SmartTV in der Sackgasse

Vor allem aber krankt das SmartTV-Konzept an einem ganz zentralen Punkt: SmartTV-Geräte sind nicht mobil! Die Schaltzentrale, also das, was die SmartTVs überhaupt erst smart macht, ist fest verbaut in einem riesigen, unhandlichen Bildschirm, der bei mir im Wohnzimmer an die Wand gedübelt ist. Was aber, wenn ich im Zug sitze oder abends im Hotelzimmer Lust auf eine alte Folge Simpsons habe? Dann schaue ich mit meinem SmartTV zuhause an der Wand dumm aus der Wäsche bzw. in die Röhre.

Das eigentliche SmartTV?

8. Dumme First- und smarte Second Screens

Die Lösung kann daher eigentlich nur die folgende sein: dumme Bildschirme statt schlaue Fernseher. Die werden größer, flacher und stylischer sein, am Ende aber dienen sie lediglich als Projektionsflächen für jene Inhalte, die wir uns via Smartphone/Tablet aus der Wolke holen. Damit wäre auch endlich das Problem der gefühlten 17 Fernbedienungen gelöst. Meine Überzeugung: Die Zukunft gehört den dummen, stationären First- und den smarten, mobilen Second Screens.

9. TV-Branche in der Kompetenzfalle

Ob Programmanbieter, Kabelnetzbetreiber oder Gerätehersteller, die TV-Branche steckt in einer Kompetenzfalle. Man kennt und beherrscht sein Geschäft so gut, dass man nicht in der Lage ist, out-of-the-(TV)-box zu denken. Was in solchen Phasen geschieht, ist, dass ausgerechnet die Platzhirsche den Anschluss verpassen. Frühere Branchenprimusse (-Primi? -Primaten?) wie Sony, Nokia oder Kodak können ein Lied davon singen.

9 1/2. Fernsehen muss sich neu erfinden

Wir TV-Macher wären gut beraten, unsere Arroganz des einstigen “Leitmediums” abzulegen und uns jetzt daran zu machen, mit all dem Geld und den Resourcen, über die wir (noch) verfügen, uns neu zu erfinden. „Wozu die Eile?“, höre ich die Verantwortlichen sagen. Noch nie hätten die Menschen so viel ferngesehen wie heute. Die Zahlen geben ihnen recht. Genauso, wie die Zahlen einst den Zeitungsverlegern und den Plattenbossen Ende der Neunziger Jahre recht gegeben haben. Dann kam der Sturm.

Print- und Musik-Industrie Ende der 90er auf dem Höhepunkt

Mein Fernseher daheim

Ausblick

“Fernsehen ist wie YouTube – nur kaputt”, hat ein Digital Native das Problem mal auf den Punkt gebracht. Doch wie lässt es sich reparieren? Angeblich soll Steve Jobs kurz vor seinem Tod eine Lösung gefunden haben (“I finally cracked it“). Wird Apple nach der Musik-, der Mobilfunk- und der Printindustrie auch noch die TV-Branche revolutionieren? Nach meinen letzten Gesprächen mit „gut informierten Quellen“ aus Cupertino bin ich mir da nicht mehr so sicher. Woran ich aber glaube: Die Lösung wird nicht von einem der aktuellen Player aus dem TV-Business kommen, sondern von einem Branchen-Neuling, der mit Fernsehen zuvor wenig oder vielleicht sogar gar nichts zu tun hatte.

Wetten dass..?

Facebook: Man hat keine 1 Milliarde Freunde…

…ohne sich ein paar Feinde zu machen. Aus Anlass von einer Milliarde Facebook-Nutzer ein Live-Gespräch mit den beiden Datenschützern Thilo Weichert und Max Schrems.

Mark Zuckerberg ließ es sich nicht nehmen, die frohe Nachricht höchst persönlich in seiner Timeline zu verkünden: Facebook hat die Schallmauer durchbrochen und feiert seit Mitte September eine Milliarde aktive Nutzer. Aus diesem Anlass möchte ich mit Euch diskutieren – über Facebook, über die chronische Angst der Deutschen, ausspioniert zu werden, und über den Untersuchungsbericht, den die für Facebook zuständige EU-Datenschutzbehörde in Irland vor ein paar Wochen vorgelegt hat.

Dazu werde ich heute (Freitag, 5. Oktober) Punkt 14 Uhr auf dieser Seite live via Hangout On Air diskutieren mit

Angefragt auch Tina Kulow (Pressesprecherin Facebook Deutschland, Hamburg ) sowie Dr. Gunnar Bender (Director Public Policy Facebook Deutschland, Berlin) – leider sehen beide aktuell keinerlei Diskussionsbedarf. Deshalb an dieser Stelle lediglich der Verweis auf das letzte Interview des Chef-Lobbyisten Bender: ”Der Dialog mit Kritikern ist mir sehr wichtig“.

Die für die EU zuständige Datenschutzbehörde in Irland

Also: Heute, Freitag, 14 Uhr an dieser Stelle der Livestream zum Thema “Facebook: 1 Milliarde Freunde”. Wenn Ihr Fragen an die beiden Datenschützer habt – einfach unten einen Kommentar hinterlassen. Ihr könnt auch via Twitter Fragen stellen – der Hashtag lautet #Gblog.

 

Dueck vs. Spitzer: Digitale Potenz gegen Demenz

Zwei Professoren. Zwei Philosophien. Ein Thema. Hinter der Bühne zum Münchner Futureday 2012 von Censhare sind sich die beiden Bestseller-Autoren zum ersten mal begegnet.

Es geschieht nicht oft, dass ich über einen Vortrag hinweg vergesse, dass ich ja eigentlich der Moderator der Veranstaltung bin, nicht nur Zuschauer. Noch seltener geschieht es, dass ich meine Vorurteile zähneknirschend korrigiere, lieber verliere ich einen guten Freund. Ich halte fest: Manfred Spitzer ist ein wirklich fantastischer Redner, der mich mit seiner Freestyle-Vorlesung über das menschliche Gehirn schnell in seinen Bann gezogen hat.

Erfrischend: Er bleibt sehr sachlich, das reißerische Thema „Demenz durch Internet“ spielt über die gesamten 70 Minuten hinweg so gut wie keine Rolle. Anhand von zahlreichen Experimenten erklärt er, wie unser Gehirn aufgebaut ist, wie neuronale Verbindungen entstehen und wie sich das Gehirn eines Menschen entwickelt. „Wie lernt ein Kleinkind das Laufen?“ fragt er das Publikum, um die Frage gleich selbst zu beantworten: „Von Fall zu Fall.“

Reiseleiter Spitzer führt die rund 400 Zuschauer im Münchner Kesselhaus durch die menschlichen Gehirnwindungen. „Der Mensch kann gar nicht anders, als zu lernen”. Der Wissenschaftler erklärt durchaus plausibel, wieso das so ist und wie die Forschung auf diese oder jene Erkenntnis gekommen ist. Zum Beispiel dass ein Kind, so es mit dem vollständig ausgeprägten Gehirn eines Erwachsenen auf die Welt kommen würde, gar nicht in der Lage sei, sprechen zu lernen. „Unser Gehirn ist wie ein Schuhkarton, in den, je mehr wir hinein füllen, immer mehr reinpasst.“

Dann, ganz zum Schluss, kommt er auf das Thema seines Buches zu sprechen. Demenz sei wie der Abstieg von einem Berg: „Je höher Sie starten, desto länger dauert es, bis Sie unten ankommen“. Wer sein Gehirn nicht in jungen Jahren so vielschichtig wie möglich trainiert, der beginnt seinen Abstieg später von entsprechend weiter unten. Spitzer unterscheidet zwischen sinnlichen Lernerfahrungen (wertvoll) und unsinnlichen Lernerfahrungen über das Internet (gefährlich). Ich habe sein Buch nicht gelesen, aber ab hier klingt Spitzer so, wie man ihn aus den Talkshows kennt. Zornig, wenn man die von ihm postulierte direkte Kausalität („viel Internet -> blöd“) in Frage stellt. Die Studien, mit denen er versucht diese Schlussfolgerung zu untermauern, überzeugen mich nicht.

Digitale Potenz

Wie gut, dass es da noch diesen anderen Professor gibt. Gunter Dueck. Mathemathiker, Philosoph, ein Omnisoph, wie er sich selbst gerne bezeichnet. Seit seinem Gastspiel auf der re:publica gilt Dueck in Bloggerkreisen als Über-Geek (Man behauptet gar, Sascha Lobo soll noch immer darüber schluchzen, dass Duecks re:publica-Vortrag bei YouTube bislang dreimal so häufig geschaut wurde, wie der von Lobo, Update: was bei näherer Betrachtung so nicht ganz stimmt, wenn man die 52K Views bei vimeo in die Rechnung mit einbezieht). „Jäger, Bauer, E-Man“, so der Titel von Gunter Duecks Keynote beim Futureday – das exakte Gegenteil von dem, was Manfred Spitzer zuvor so eindrücklich erklärte (den gesamten Vortrag als Video gibt es hier).

Das Problem mit Spitzers Thesen, so Dueck, dass man nicht alle Menschen über einen Kamm scheren könne. Wissenschaftler neigen oft dazu, Schnittmengen zu bilden. Das mag auf dem Papier dann alles ganz schön und richtig sein, im wahren Leben gäbe es diese Schnittmengen-Menschen gar nicht. Auch den Zusammenhang zwischen Verwahrlosung und Online-Sucht sieht Dueck genau umgekehrt. Könnte es nicht sein, dass Menschen, die keine Perspektive haben, verstärkt zu Gewalt, Alkohol-, oder Online-Sucht neigen?

Das Internet sei keine Gefahr sondern eine Bereicherung. „Ich wünschte mir, dass noch viel mehr Menschen ins Internet gehen würden“, so der Mathematiker. Das müssten sie nämlich auch, wenn sie morgen noch einen Job haben wollen. Jedes Zeitalter habe uns Menschen spezielle Fähigkeiten abverlangt. So haben sich unsere Vorfahren vom Jäger zum Bauern entwickelt, um sich an die veränderten Lebensbedingungen anzupassen. Nur: Das, was einst die Jäger und später dann die Bauern erledigt hätten, übernehmen heute (weitestgehend) Computer. In Anspielung auf Spitzers Bestseller warnt Dueck: „Das Internet macht Sie nicht dement, es macht Sie überflüssig!“

Diejenigen, die im Internet eine Bedrohung sehen, hätten einfach nur keine Lust, sich zu verändern. Das Publikum nickt zustimmend. „Recht hat er“, denke ich. Paradox: Genau das dachte ich eine Stunde zuvor auch schon bei Spitzer. Schwindelgefühle, was soll ich nur glauben! Ich versuche den inneren Konflikt zu lösen, indem ich mir einrede: Es könnten ja beide recht haben. Bloß: wer von beiden in welchen Punkten?

Dueck ist jetzt derart in Fahrt, dass er den hinteren Bühnenrand übersieht und mitten im Satz knapp 1 Meter tief vom Podium stürzt. Als der erste Schreck vorüber ist und der Professor unverletzt seinen Vortrag fortsetzt, höre ich in meinem Inneren Manfred Spitzer voller Genutuung glucksen: „Wie, lieber Kollege, lernt ein Kind nochmal das Laufen?“

Backstage

Leider gab es im Anschluss keine Zeit mehr für einen Battle zwischen den beiden Rednern vor Publikum, Spitzer muss nämlich gleich nach seinem Vortrag wieder abreisen (ein Preis, der in Weimar auf ihn wartet). Dafür hatte ich bereits hinter der Bühne Gelegenheit, die beiden Professoren bei ihrem ersten Aufeinandertreffen zu belauschen. Und klar, Ihr kennt mich, habe ich das ganze natürlich für Euch mitgeschnitten:

Deine Meinung – wer hat recht?

Dazu auch: Daily Dueck - Digitale Potenz – ein Überspitzer gegen den Über-Spitzer

Neue Hoffnung für Journalisten: 7 Tipps für die Zukunft

Kaum eine Nation hat die Zeitungskrise härter getroffen als die USA. Doch an den Journalistenschmieden in New York macht sich neue Hoffnung breit.

“Macht es überhaupt noch Sinn, Journalist werden zu wollen?” – die Frage höre ich nicht zum ersten Mal. Meine Standard-Antwort an verunsicherte Journalisten-Schüler oder -Studenten lautet: “Ja! Gerade jetzt. Die Zeiten waren nie besser.” Naiv? Zynisch? Kommt immer auf den Betrachtungswinkel an. Wer wie ich Anfang der 90er Jahre auf den Medien-Arbeitsmarkt losgelassen wurde, hat eine harte Schule hinter sich. Die Werbeeinnahmen der Zeitungshäuser waren damals auf ihrem Allzeit-Hoch. Private Radio- und Fernsehstationen hatten sich etabliert und fingen gerade damit an, Geld zu drucken. Die Musikindustrie erlebte mit Einführung der Compact Disc einen wahren Gold- und Platinrausch. Von hier an konnte es nur noch in eine Richtung gehen: bergab.

Neue Hoffnung

Auf meinen letzten Reisen nach London und New York, sowie am Rande diverser Medien-Events in Deutschland, habe ich mit einigen Programmchefs, Blattmachern und Leitern von Journalistenschulen sprechen können. Auch wenn die Stimmung gerade bei den Printkollegen noch immer im Keller ist, gab es doch erste Anzeichen dafür, dass das Schlimmste offenbar hinter uns liegt. Während der Verschmelzungsprozess von Print und elektronischen Medien spürbar voranschreitet, lassen sich inzwischen klare Qualifikationen und Berufsbilder der Zukunft erkennen. Eine Rückkehr zu früheren Journalisten-Tugenden einerseits (Zuhören), die Fähigkeit, Geschichten auf neuen Wegen erzählen zu können (Mischformen aus Text, Audio, Bewegt-/Bild) andererseits. Der Nebel lichtet sich – und zum ersten Mal seit langer Zeit spüre ich bei meinen Gesprächspartnern etwas, was mir in dieser Form lange nicht begegnet ist: Zuversicht.

Aus Anlass meines Besuchs bei der Graduate School of Journalism der City University of New York, die zu den Vorreitern auf dem Gebiet des Digitalen Journalismus zählt, habe ich einige Erkenntnisse zusammengestellt, die ich in ähnlicher Form auch schon in Deutschland gehört habe, etwa bei Springer, Bertelsmann oder Burda. Zum besseren Verständnis empfehle ich das Video mit Jere Hester, Ausbildungsleiter der CUNY-Journalistenschule, das ich letzte Woche in New York aufgenommen habe.

1. Zuhören (Teil 1)

Wie kaum eine andere Branche neigen wir Journalisten zum Clusterfuck. Sprich: Etwas wird zum Thema, weil andere Blätter es zum Thema erklären. Vogelgrippe, Killergurken, Wulff… you name it. Viel zu oft orientieren wir uns dabei an Medien-Kollegen, an Agentur-Berichten oder PR-Inszenierungen, statt uns auf unser Gespür zu verlassen und eigene Themen zu setzen. Das setzt natürlich voraus, dass man seine Sinne schärft für die Welt außerhalb der eigenen Redaktionswirklichkeit, dass man wieder lernt, zu beobachten, zuzuhören. Wieder selbst zum Telefonhörer zu greifen; respektive auf die Straße zu gehen, anstatt nur Copy-und-Paste-Journalismus aus zweiter oder gar dritter Hand zu betreiben.

2. Zuhören (Teil 2)

Allein wieder auf die Straße zu gehen, um zu hören, was sich in der Welt tut, reicht nicht mehr. Ein Journalist muss heute auch im Netz aktiv unterwegs sein und sich dort auskennen. “Manchmal erfährst Du Dinge face-to-face, manchmal aus Sozialen Netzwerken”, so Jere Hester. Das ‘Hineinhorchen ins Netz’ geht jedoch weit über Facebook und Google hinaus. Googeln ist keine Recherche – das kann heutzutage jeder. Relevante Blogs zu kennen, Stimmungen und Strömungen frühzeitig zu erkennen und ihnen nachzugehen, das ist entscheidend. Twitter und Co nicht länger zu belächeln sondern zu benutzen. “…und dann rausgehen, um die Geschichte durch klassische Recherche zu untermauern”, so Hester. Die Kombination aus dem Digitalen mit dem Traditionellen – das sei der Trick, sagt auch Sree Sreenivasan von der Columbia Journalism School (siehe Video: “The Tra-digital Journalist”).

3. Community Management

Was bei uns in Deutschland noch immer als Praktikanten-Job gilt, erfährt in den USA bereits eine weitaus größere Wertschätzung: Die Position des Community-Managers. Hier liegen große Job-Chancen gerade für junge Journalisten. Jere Hester: “In letzter Zeit werden bei uns immer häufiger Studenten angefragt, die sich gut mit Sozialen Netzwerken auskennen.” Zu dieser Tätigkeit gehöre nicht nur das Posten auf Twitter oder Facebook, sondern auch das Kuratieren von Informationen, Fotos oder Videos, die aus dem Netz stammen. “Gewöhnliche Menschen machen heute Fotos oder Videos, stellen Informationen online – mit oder ohne uns”, so Hester.  Journalistenschüler, die Erfahrung im Umgang mit Communities haben, würden in den meisten Fällen sofort übernommen. “Sie genießen in den Redaktionen eine respektable Stellung – auch was die Bezahlung betrifft.”

Gelungenes Community-Management: Sprengung der Fliegerbombe / Schwabing, München / 28.8.2012 Süddeutsche.de prüft und verlinkt auf das Privat-Video von Simon Aschenbrenner

4. Multitasking

Niemand muss alles können… Doch! Muss man. Man hört immer wieder auf Podiumsdiskussionen die einlullenden Worte, dass niemand alles können muss, allenfalls ein gewisses “Grundverständnis” für neue Technologien aufbringen sollte. Bullshit. Reden Sie mal mit Chefredakteuren und Redaktionsleitern im Arbeitsalltag: Schreiben, Filmen, Fotografieren, Photoshop, Video-Editing, Coden, das Erstellen von Info-Grafiken, plus Erfahrung mit Sozialen Netzwerken, das ist es, was sich moderne Blatt- und Programmmacher wirklich von ihren Reportern und Redakteuren wünschen. In Großbritannien und USA sind derlei Skills Einstellungskriterium. Je mehr ein Kandidat/in davon vorweisen kann, desto größer die Job-Chancen. Die unangenehme Wahrheit: “You have to be a master of all trades!” (Jere Hester). (Ergänzung: Auch Arbeitsteilung ist nur dann möglich, wenn Teams flexibel zusammengesetzt werden können, sprich: wenn jeder den Job des anderen kennt – besser noch – beherrscht.)

5. Schnelligkeit

“Sieh zu, dass Du Deine Geschichte so früh wie möglich rauskriegst”, sagt Hester. Twitter, YouTube, Storify…  ”Kenne Deine Tools und verstehe, wie Du sie am besten einsetzt.” Als Beispiel führt er die Schießerei vor dem Empire State Building an. Viele Passanten haben Fotos mit ihren Handy-Kameras gemacht und sofort ins Netz gestellt. “Manche Medienhäuser veröffentlichten die Bilder nahezu in Echtzeit”. Dass die Bilder echt und die zugrundeliegenden Informationen natürlich richtig sein müssen, das sei dabei die besondere Herausforderung. Jere Hester zitiert aus einem Spiderman-Film: “Aus großer Macht erwächst große Verantwortung.” Genau dafür brauche es Journalisten, Ordnung in ein solches Chaos zu bringen – und das so schnell wie nur irgend möglich.

6. Marketing

Dieser Punkt mag viele von uns wahrscheinlich am meisten befremden: Offensives Marketing. Wie einst die Zeitungsjungen in den Straßen laut und mit reißerischen Schlagzeilen ihre Zeitungen verkaufen mussten, müssen journalistische Werke im Netz nicht nur gut sondern auch gut zu finden sein, kurz: hervorstechen. Dazu zählt auch die journalistische Fähigkeit, für Twitter, Smartphones oder Suchmaschinen zu texten. Das Publikum und die Wege, wie es zu uns findet, haben sich verändert. Sich anzupassen sei keine Frage des nice-to-have, sondern eine Notwendigkeit. “Ich erlebe es immer häufiger, dass bei uns Studenten angefragt werden, die bereits über eigene Social-Media-Networks (= Fans und Follower) verfügen oder zumindest wissen, wie man neue Netzwerke erschließt”.

7. Gute Geschichten

Binsenweisheit: Eine Geschichte ist eine Geschichte ist eine Geschichte. Soziale Netzwerke können gute Geschichten größer machen, helfen aber Null, wenn die Story alt, nicht relevant oder einfach nur langweilig ist. “Konzentriere Dich auf ein Gebiet und versuche dort, durch exzellente Arbeit auf Dich aufmerksam zu machen”, empfiehlt Jere Hester. Als Beispiel nennt er die große Nachfrage nach Wirtschafts-Journalisten. “Wenn Du dann noch die Fähigkeit besitzt, gute Geschichten auf unterschiedlichen Wegen erzählen zu können, kann eigentlich nichts schiefgehen.”

Eure Erfahrung als Berufsanfänger oder Profi? Kennt Ihr weitere Kriterien für den Journalismus der Zukunft/Gegenwart?

Linktipp: 9 top tips for the journalists of tomorrow (Guardian)

 

Von QR-Codes und Luftballonbüglern

QR-Codes fallen für mich in die Kategorie Dinge, die wo die Welt nicht braucht. Warum? Das will ich Ihnen verraten.

Haben Sie schon mal einen QR-Code benutzt? Oder anders gefragt: Kennen Sie jemanden, der schon mal einen QR-Code benutzt hat? Ach so, Sie wissen gar nicht was das ist. Nicht schlimm, muss man nicht wissen. QR-Codes, das sind diese quadratischen schwarz-weiß gemusterten Kästchen, die man jetzt immer häufiger in Zeitschriften, auf Plakaten, oder auf Bahn-Fahrkarten findet. Das QR steht für Quick Response und soll bedeuten, dass diese Dinger ganz schrecklich schnell reagieren… wenn, ja wenn sie nur jemand benutzen würde.

QR-Codes gehören für mich in die Kategorie Dinge, die wo die Welt nicht braucht. Warum? Weil sie in den meisten Fällen etwa so nützlich sind wie Bügeleisen, mit denen mal Luftballons bügeln kann (kein Witz, gab es auf der IFA dieses Jahr). Kein Mensch bügelt Luftballons. Und falls doch, rate ich diese Menschen dringend einen Arzt aufzusuchen.

Ginge es nach den QR-Code-Verfechtern, könnte das in Zukunft so aussehen: Der Ballonbügler stößt in einer Zeitschrift auf die Annonce eines Therapeuten, der sich auf das Bügeln von Luftballons spezialisiert hat. Er greift zu seinem Smartphone, lädt sich einen QR-Code-Scanner herunter. Dann hält er die Kamera seines Telefons über den Code, der in der Zeitschrift abgedruckt ist. Damit gelangt unser Ballonbügler zu einer Webseite, auf der die Telefonnummer des Psychiaters steht, den er dann anrufen kann. Natürlich hätte der Spezialist anstelle eines QR-Codes gleich seine Telefonnummer oder die Adresse seiner Webseite in die Anzeige schreiben können. Aber hey! Das wäre doch nun wirklich zu einfach.

Oh nein, wer was auf sich hält, braucht einen QR-Code. Für alles. So haben auch die israelischen TV-Sender jetzt damit begonnen, QR-Codes in Fernsehsendungen einzublenden – in das laufende Programm! Stellen Sie sich folgendes Szenario vor: Sie schauen Günther Jauch, wo sich gerade Petra Gerster, Ranga Yogeschwar und ein selbsterklärter Netz-Exorzist angeregt über das Böse im Internet unterhalten. Plötzlich auf Ihrem Bildschirm: ein QR-Code! Was tun? Schnell legen Sie Ihr Bügeleisen zur Seite, suchen panisch nach Ihrem Smartphone, hechten zum Fernseher und scannen den Code, bevor er wieder ausgeblendet wird. Mit ein bisschen Glück landen Sie dann auf der wahnsinnig schwer zu merkenden Webseite „ARD.de“. Echt praktisch das. …Nanu? Was riecht hier auf einmal so streng? – Mein Gott, der Luftballon!

Facebook – Liken und Lecken

Die besten TV-Momente sind die, die echt sind, die nicht nach Drehbuch laufen. Im israelischen Fernsehen diskutieren Abend für Abend zwei reife Journalisten über Gott, die Welt und neuerdings auch über das Web. 

Yaron London und Moti Kirschenbaum – In ihrer täglichen Sendung haben sie Gäste, oft Journalisten und Politiker, mit denen sie sich unterhalten. Über die Präsidentschaftswahlen in den USA. Über Iran. Über politische Skandale. Das klingt konventionell, um nicht zu sagen langweilig, was es komischerweise gar nicht ist. Es sind Gespräche auf hohem Niveau, keine Personality- oder Betroffenheitsshows wie bei Lanz, Kerner oder Beckmann. Ein Format, das durch seine Ruhe und Tiefgründigkeit wie ein Fremdkörper in dem Blitzlichgewitter aus Werbespots, Quiz- und Casting-Shows des Senders heraussticht.

Wie zwei Stummfilm-Helden, die den Tonfilm überlebt haben, sitzen London und Kirschenbaum Abend für Abend, akkurat gekleidet, auf ihren Plätzen und diskutieren die aktuelle Tagespolitik. Sie tun das seriös, aber auch mit Witz. Und manchmal gibt es regelrechte Muppet-Momente, wie zum Beispiel neulich, als die Produzenten des Programms ihren beiden Gallisions-Figuren einen QR-Code verpasst haben. Channel 10 versucht seit neuestem durch Einblendung von QR-Codes offensiv die Brücke zu Facebook zu schlagen, das in Israel noch populärer ist als sonst wo auf der Welt.

Übersetzung

L:  Moti und ich werden jetzt über etwas sprechen, von dem wir keine Ahnung haben. Aber man hat uns gesagt, das jede TV-Sendung, die etwas auf sich hält irgendwie mit Facebook verbunden sein muss.

M:  Schau nur, schau nur!

L:  Du meinst diesen kleinen Perserteppich?

M:  Wir haben einen Barcode.

L:  Jawohl, wir haben einen Barcode. Es ist wohl so, dass wenn man ein Smartphone besitzt und man dieses Gerät dann vor diesen Barcode hält – ich wusste gar nicht, dass jedes Smartphone einen Mechanismus besitzt, um damit Barcodes zu lesen, wusstest Du das, Moty?

M:  Bahhh.

L:   Das wusstest Du nicht, oder?

M:  Nein, wusste ich nicht.

L:  Na jedenfalls, wenn man damit also vor diesem Barcode hin und herwedelt, was passiert dann? Was passiert? Es geschieht etwas magisches und man wird automatisch mit Facebook verbunden und dann kann man uns Likes schreiben. Man kann uns Likes schreiben! Und dann haben wir viele Likes!

M:  Likes! Mehr Likes!

L:  Nun, ich hab mich gefragt, wozu brauche ich Likes? Wozu? Und dann dachte ich mir dass ‚Likes’ – das klingt wie „Lick“. Lecken. Wenn Du einen Like kriegst, ist das ein bisschen so, als wenn Dich ein Hund abschleckt – ein süßer Hund, der mit seiner Zunge Deine Hand abschleckt. Ein Schleck und noch ein Schleck und dann noch ein Like…

M:  Nein, hör zu, so ist das nicht. Solche Likes sind echt etwas wert.

L:  Aber wozu brauche ich eine halbe Million Likes?

M:  Eine halbe Millon Likes, das ist etwas!

L:  Aber was mache ich damit?

M:  Zunächst einmal kannst Du sagen, dass Du eine halbe Million Likes hast. Das ist schon etwas: „Ich habe eine halbe Million Likes!“

L:  Das haben die mir auch erzählt.

M:  Es stimmt schon, wir können das nicht verkaufen, aber wir können zum Beispiel eine Verlosung machen mit all den Leuten, die uns liken.

L:  Und die Person, die gewinnt, kriegt was?

M:  Der Gewinner kann unsere Freitags-Zusammenfassung gratis anschauen [Anm.: Die Sendung läuft ohnehin gratis im Free-TV].

L:  Gibt es in dieser Sendung dann auch wieder Likes?

M:  Da kann man dann auch wieder Likes vergeben, natürlich. Wir werden Likes haben. Was hast Du gegen Likes. Wir sollten viele Likes haben!

L:  Ich habe gar nichts gegen Likes.

M:  Wir werden viele Likes haben. Je mehr, desto besser.

L:  Aber wozu brauche ich Likes?

M:  Liebe Zuschauer, wir haben eine Bitte. Machen Sie Gebrauch davon. Die haben hier einen Barcode hingemacht. Wir haben Facebook. Lassen Sie das nicht umsonst sein. Überschütten Sie uns mit Likes!

L:  Unfassbar viel Kreativität hat uns diesen Moment hier beschert.

M:  Mit einer halben Million Likes, vielleicht verlängern die uns ja unseren Vertrag. Denk drüber nach.

L:  Aber die haben unseren Vertrag doch schon verlängert.

M:  Länger. Noch ein Jahr. Noch ein Jahr.

L:  Unser Vertrag wurde verlängert bis wir quasi tot umfallen.

M:  Bitte, liebe Zuschauer, geben Sie uns Likes! Nur ein paar. Nicht zu viel. Worum bitten wir Sie? Was kostet Sie das?

L:  Likes! Likes!

M:  Viele Likes!

Dt. Overvoice-Version

7 Gründe warum Facebook fertig hat

Lust auf eine Wette? Ich wette, dass Facebook fertig hat. Aus. Vorbei. Flasche leer. Zugegeben, ich bin nicht der Erste, der das sagt. Tatsächlich deutet vieles darauf hin, dass das Freunde-Netzwerk seine besten Jahre bereits hinter sich hat.

1. Einsetzender Facebook-Exodus

In den USA, also dort, wo der Facebook-Hype 2004 seinen Anfang nahm, gehen die Nutzerzahlen zurück. 1,1 Prozent Rückgang im ersten Halbjahr. In 14 weiteren Ländern schwindet das Mitgliederwachstum, in 23 weiteren Nationen mit mindestens 50 Prozent Marktanteil stagnieren die Zahlen (Quelle: Handelsblatt/Bloomberg). Verglichen mit den enormen Zuwächsen der Vergangenheit ist diese Entwicklung durchaus bemerkenswert.

2. Facebook ist unbeliebt

In den USA gilt Facebook als das unbeliebteste Web- und Medien-Unternehmen überhaupt (Quelle: Zeit Online/American Customer Satisfaction Index). Kein Wunder: Wenn man sich in seinem Bekanntenkreis umhört, dann ist niemand wirklich gerne auf Facebook, sondern vor allem deshalb, weil die anderen auch dort sind.

3. Die Rendite-Falle

Durch den Börsengang muss das Unternehmen in Zukunft deutlich mehr Gewinn abwerfen, sprich, die Daten seiner Nutzer noch aggressiver ausschlachten. Das dürfte wohl noch mehr Menschen vergraulen.

4. Das Verlierer-Image 

Eigentümer und Banken haben sich mit dem Börsengang die Taschen vollgestopft. Seitdem befindet sich die Facebook-Aktie im freien Fall. Spätestens wenn das Papier zur Pennystock verkommt, dürfte sich das auch auf die Community niederschlagen: Wer möchte schon Mitglied in einem Loser-Netzwerk sein?

5. Facebook hat keine Smartphone-Strategie

Das Internet ist mobil geworden, der stationäre PC ist Geschichte. Nur: Facebook-Chef Mark Zuckerberg hat offenbar keinen Schimmer, wie er seine Plattform sexy kriegt für die Nutzung unterwegs. Noch viel weniger weiß er, wie er damit Geld verdienen soll.

Stand Juli 2012 / Quelle: go-gulf.com

6. Die Konkurrenz

Zwar rangieren andere Netzwerke wie Twitter oder Google Plus weiterhin unter ferner liefen. Doch anders als im analogen Leben stimmen die Online-Kunden nicht mit den Füßen ab sondern bequem mit dem Finger. Die Konkurrenz ist nur einen Klick entfernt.

7. Verspieltes Vertrauen

Ist der Markt erst einmal gesättigt (siehe Punkt 1), bleibt einem Unternehmen nur noch eines: Vertrauen. Facebook aber hat das Vertrauen seiner Nutzer verspielt und das auf Lebenszeit. Datenschutz? Persönlichkeitsrechte? Die brachiale Wachstum-um-jeden-Preis-Strategie beginnt sich zu rächen. Kein Kurswechsel, keine Image-Kampagne der Welt könnte daran noch etwas ändern.

Die Wette gilt: Facebook hat fertig. Mein Wetteinsatz: 10 Linden-Dollar von meinem Konto auf Second-Life.

Wer hält dagegen?

G! testet: Instagram-Bilder auf Leinwand

Instagram-Bilder gerahmt auf Leinwand? Ein Startup aus den USA verspricht genau das. Ich habe den Service für Euch getestet. UPDATE: G!winnt eine Leinwand (s. ganz unten)

Instagram ist ein Phänomen. Kaum ein Netzwerk, das sich so rasant verbreitet hat wie die Foto-Community aus San Francisco. Im April meldete die Retro-Bilder-Plattform 40 Millionen Nutzer, eineinhalb Jahre nach der Gründung. Zum Vergleich: Facebook brauchte 4 Jahre für 100 Millionen Nutzer.

Weit über eine Milliarde Bilder schlummern inzwischen auf den (Amazon-) Servern von Instagram. Ein Schatz, der gehoben werden möchte. Zum Beispiel von instacanv.as, einem Startup aus Los Angeles, das Instagram-Bilder auf Leinwand druckt. Neben dem reinen “Internet-Ausdrucken” bietet instacanv.as einen weiteren, unschätzbaren Vorteil gegenüber vergleichbaren Anbietern: Bei instacanv.as können die Künstler ihre Bilder nicht nur auf Leinwand bestellen, sondern ihre Kunstwerke auch noch weltweit zum Verkauf anbieten.

Als mich Profi-Fotograf Mathias Vietmeier auf instacanv.as aufmerksam machte, musste ich das sofort ausprobieren. Das Einrichten meiner Galerie ging ruck-zuck. Allerdings dauerte es gut eine Woche bis meine Seite freigeschaltet war.

Rückseite: ein massiver Holzrahmen

Bild 1 von 9

Kaum war meine “Ausstellung” eröffnet, hatte ich auch schon zwei Bilder verkauft. Immerhin: 16 Dollar! (20 Prozent des Verkaufspreises eines Bildes landet beim Fotografen, beim Verkauf eines 40-Dollar-Werkes also 8 Dollar). Das erste Geld habe ich dann auch gleich in eine Test-Bestellung angelegt: 6 Instagram-Bilder aus meinem eigenen Oeuvre; Größe (S/M/L) und Umrandung (schwarz/weiß) wählen, bezahlt wird mit PayPal. Die weltweite Lieferung, anfangs noch kostenlos, heute werden pauschal 9 Dollar draufgeschlagen.

Nach 5 Wochen dann die Lieferung. Wer weiß, wie lange das Paket beim Zoll gelegen hatte. Die Qualität der Drucke könnt Ihr anhand des Unboxing-Videos und der Fotos recht gut erkennen. Alles in allem war ich sehr angetan von der Ausführung. Das befürchtete Pixel-Rauschen aufgrund der Vergrößerung ist ausgeblieben. Im Gegenteil, ich war überrascht über die Detailtreue, die ich aufgrund der Hanuta-Größe des Originals (Instagram-Auflösung: 612 x 612 Pixel - alle Bilder mit iPhone gemacht) so nie erwartet hätte. Material, Farben und Struktur der Oberfläche machen einen wertigen Eindruck, die Verarbeitung ist ordentlich.

Alles in allem ein überzeugendes Angebot. Nicht zuletzt aufgrund der Möglichkeit, sich einen Teil seiner Kosten durch den Verkauf eigener Bilder zurück zu verdienen, kann ich instancanv.as uneingeschränkt empfehlen.

 

G!spräch mit Todd Emaus von instacanv.as

 

 

Who came up with the idea of printing instagram pictures and why?

As a team, we were chatting about how all this amazing new photography is being created with Instagram, yet there was no way to get high-quality physical copies made of the photos that you love the most. So we thought, why shouldn’t there be a marketplace for all of this great new work…and the idea of Instacanvas was born.

Where are the pictures manufactured? 

We’ve been careful to select a few of the very best partners around the world to ensure a high quality product, while also keeping the shipping costs reasonable. Since Instagram has been a global phenomenon we knew that Instacanvas also had to be global from day 1.

Was it hard to find partner companies to team up with you?

Somewhat, only because finding partners that maintain a strict level of quality and timeliness took a good deal of testing and effort, but we’re excited about the result.

What was the best feedback that you got so far?

The best feedback is usually people who send a picture of their new canvas, prism or print in their home or office. There is something very exciting about seeing Instacanvas products in real-life settings. We’ve also had a lot of comments on how nice the pictures and printing have turned out.

You are constantly updating your services with new products. What’s next?

You’ll have to wait and be surprised. Although we did launch greeting cards this week as a new lower cost way of buying other people’s artwork.

 

 

G!winnen: Todd war so nett, einem Leser/einer Leserin meines Blogs ein instacanv.as-Produkt als Testangebot zu schenken. Der Gewinner/die Gewinnerin erhält wahlweise eine bedruckte Leinwand, ein gerahmtes Bild, ein Prisma oder Grußkarten mit seinem/ihrem Lieblingsmotiv. Wer bei der Verlosung mitmachen will: Kommentar “Haben will!” genügt – Deadline ist Sonntag, 26. August 23:59 Uhr. Bitte E-Mail hinterlassen, wird nicht veröffentlicht.

3 Männer und kein Baby

Das Internet wird nicht regiert von Wissenschaftlern, nicht vom Militär und auch nicht von US-Konzernen. Das Internet wird regiert von Katzen.

Sitzen Sie? Heute muss ich Sie nämlich mit einer Nachricht konfrontieren, die Sie umhauen wird. Eine Enthüllung, größer noch als die Hitler-Tagebücher, die Barschel-Affäre und die Vermutung, dass steigende Benzinpreise vor Ferienbeginn irgendwie mit der Raffgier von Ölkonzernen in Zusammenhang stehen könnten. Sind Sie bereit? Das Internet wird nicht regiert von Wissenschaftlern, nicht vom Militär oder von US-Konzernen. Das Internet wird regiert von Katzen. Jawohl, Katzen.

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Haben Sie sich mal gefragt, weshalb Katzenbilder weltweit zu den beliebtesten Objekten im Internet gehören? Weshalb Katzenvideos bei YouTube geschaut werden, wie ‚Wetten dass..?’ zu seinen besten Zeiten? Dass ich, wann immer ich auch nur bei Facebook vorbeischaue, ungewollt irgendwelchem Flausch-Content ausgesetzt bin? Wieso ist das so?

Letzte Woche war Weltkatzentag (nicht zu verwechseln mit dem Weltkatertag, der ist bei den meisten von uns am 1. Januar). Bald werden Katzen die Weltherrschaft an sich reißen. Bis es soweit ist, möchte ich aber verschont bleiben von all diesen klebrig süßen Kuschel-Wuschel-Bildern auf meinem Bildschirm. Nur wie?

Einer Gruppe junger Amerikaner könnte jetzt der Durchbruch gelungen sein. Mit der Software unbaby.me lassen sich Baby-Fotos im Internet durch beliebige andere Bilder ersetzen, zum Beispiel durch Abbildungen von Rennautos oder von gebratenem Speck.

Die drei New Yorker fühlten sich belästigt durch die ausufernde Flut an Baby-Fotos, die ihr Bekanntenkreis bei Facebook zur Schau stellte. Also programmierten sie ein kleines Zusatzprogramm für den Browser, das die unliebsamen Baby-Bilder noch beim Laden einer Seite erkennt und herausfiltert. 19.000 Downloads binnen weniger Tage; mit ihrem Gratis-Plugin haben die Männer offensichtlich einen Nerv getroffen.

Was mit Babies geht, klappt sicher auch mit Katzen. Noch sind die Baby-Testreihen nicht endgültig abgeschlossen, so dass man gefahrlos zu Katzen-Bilder übergehen kann. Aber die Programmierer sind zuversichtlich, dass auch diese letzte Hürde bald genommen werden kann. Ein Internet ohne aufgezwungene Baby- bzw. Katzenbilder! Welch Wohltat! Oder wie es ein Kommentator bei Twitter ausdrückte: They fixed the internet – sie haben das Internet gerichtet.

Schneller! Höher! Twitter!

Noch nie haben Sportler, Journalisten und Fans soviele Skandale produziert wie in diesem Sommer. Zeit, dass Twittern endlich olympisch wird!

Syrien und Eurokollaps müssen warten. Es ist Olympia, da muss man Verständnis haben. Wie Ihr vielleicht wisst, habe ich mit Sport nicht viel am Hut. Laufen, Schwimmen, Rudern. Na und? Irgendwer gewinnt ja immer. Ein Medaillenträger ist zufällig im gleichen Land wie ich zur Welt gekommen? Bravo. Ich war mal mit einer Schwimmerin zusammen, die hatte Schultern wie Batman. Und auch seine Stimme. Wenn sie morgens und am Nachmittag ihre Bahnen zog, hockte ich vor meinem Commodore 64 und spielte Summer Games bis der Joystick glühte. Das war noch echter Sport!

Nichts gegen die Antike. Aber heute, im Digitalzeitalter, sind nun mal andere Qualitäten gefragt als Kunstturnen oder Bogenschießen. Twittern zum Beispiel. Hier besteht dringend Handlungsbedarf. Habt Ihr das gelesen? Wegen einer 140-Zeichen-Beleidigung des gegnerischen Teams aus Südkorea ist ein Schweizer Fußballer aus dem Olympia-Kader geflogen. Eine griechische Dreispringerin durfte wegen einer rassistischen Äußerung auf Twitter erst gar nicht nach London anreisen.

Google-Stoßen wird olympisch

Aber auch Fans und Berichterstatter stehen bei diesen Spielen verstärkt unter Beobachtung. Ein 17jähriger Engländer bekam diese Woche Besuch von der Polizei, weil er mit einem Tweet einen britischen Schwimmstar verunglimpft hatte. In einem anderen Fall wurde das Twitter-Konto eines amerikanischen Journalisten gesperrt. Kein Doping. Schlimmer: Er wurde des öffentlichen Pöbelns überführt.

Wahrhaftig, es wird Zeit, dass die Spiele digital werden! Twittern wäre dann endlich olympisch, daneben Googlestoßen*, iPaddeln* oder der Zehnfinger-Kampf*. Auch mit diesem Loser-Spruch „Dabei sein ist alles!“ wäre Schluss. Mit einer schnellen Netzverbindung könnten die Teilnehmer bequem von zuhause aus gegeneinander antreten. Damit es dabei auch fair zugeht, müssten die Athleten regelmäßig Datenproben abgeben. Vor den Wettkämpfen ist die Einnahme leistungssteigernder Substanzen (Pizza, Cola, Red Bull) strengstens untersagt. Bei Zuwiderhandlung droht Internetsperre für zwei Jahre. Am Ende scheitert meine Vision der Digitalen Spiele aber immer wieder an einem Problem: Das Olympische Feuer will einfach nicht durch diese dämliche Firewall!
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* die Ideen zu diesen großartigen Disziplinen lieferten  @ragnarh - @r_bruehe und @MedientanteMT - Ihr seid krank. Vielen Dank dafür!

David Pogue und der iPhone-Dieb: Jagdszenen im Internet

Dies ist die Geschichte von einem Star-Kolumnisten, einem gestohlenen iPhone und einer Ganovenjagd im Netz. Und ja: Die Story hat ein Happy End!

David Pogue ist das iPhone gestohlen worden – auf einer Zugfahrt von Philadelphia nach New York. Ausgerechnet Pogue, der seit Jahren regelmäßig (auf brillante Art!) die neuesten Tech-Toys für MSNBC und die New York Times bespricht. Pech für den Dieb: Nicht nur, dass sich Pogue ziemlich gut auskennt mit seinem iPhone (er hat mehrere Ratgeber* zu dem Telefon verfasst). Der Journalist kann darüber hinaus auf eine weitere, nicht zu unterschätzende Waffe zurückgreifen, die dem Ganoven noch zum Verhängnis werden soll: Pogue hat knapp 1,5 Millionen Follower bei Twitter!

*Amazon-Partnerlink

Als David Pogue den Diebstahl bemerkt, versucht er, sein gestohlenes iPhone anzurufen. Die Leitung ist tot. Pogue schickt dem Dieb Text-Nachrichten, verspricht eine Belohnung. Keine Reaktion. Der Kolumnist hat das iPhone schon abgeschrieben, da erreicht ihn plötzlich, 3 Tage später, eine automatisierte E-Mail von Apple. Der Dieb hat das Gerät offenbar wieder eingeschaltet. Das Smartphone kann nun über die Find-my-iPhone-Funktion geortet werden. Jetzt geht Pogue zum Gegenangriff über. Via Twitter ruft er seine Follower auf, ihn bei der Suche zu unterstützen:

Dazu postet er einen Screenshot mit der Landkarte aus Maryland, wo sein iPhone aktuell “als Geisel gehalten wird”. Prompt gehen die ersten Hinweise ein. Follower aus der Region beschreiben die Gegend als “edgy”. Keine gute Nachbarschaft, eine hohe Kriminalitätsrate.

“Buy a new phone and move on”, twittert Michael Klasmeier.

“just lock it remotely”, schlägt Thomas Nordlund vor.

Andere schicken Pogue die Adresse und Telefonnummer der nächstgelegenen Polizeiwache.

 

Schließlich schaltet sich das Tech-Blog Gizmodo ein, recherchiert Informationen zum Haus in dem sich das gestohlene iPhone offenbar befindet. Die Jungs von Gizmodo haben ja bekanntlich Erfahrung mit abhanden gekommenen iPhones …aber das ist eine andere Geschichte.

 

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Ein Polizist aus dem Viertel meldet sich bei dem Blog, bietet seine Hilfe an. In einer auf Gizmodo veröffentlichten Mail möchte der Cop von David Pogue wissen, ob der sein Gerät nur wieder haben will, oder ob er auch Anzeige erstatten möchte. Was der Journalist antwortet, erfahren wir nicht. Mit David Pogue zugeschaltet über Handy nähert sich die Polizeistreife dem Grundstück. Auf Kommando lässt Pogue sein gestohlenes iPhone einen 2-Minuten langen Signalton abspielen (eine Alarm-Funktion, die über Apples iCloud-Webseite aktiviert werden kann). Pogue spielt den Alarmton ab, immer und immer wieder. Doch die Polizisten hören nichts. Dann erlischt das Signal auf der Landkarte. Der mutmaßliche Dieb muss den Braten gerochen haben.

 

 

Die Beamten suchen weiter, entdecken das Gerät schließlich hinter dem Haus im Gras liegen. Die Polizeisprecherin von Prince George’s County verkündet die gute Nachricht kurz darauf via Twitter:

 

In seiner Times-Kolumne schreibt David Pogue keine 20 Minuten später, wie glücklich und dankbar er ist, dass Technik, Polizei und Follower so fantastisch zusammen gearbeitet hätten: “enough excitement for one day”, wie er resümiert.

 

Epilog:

Für mich, als passiver Beobachter, war es faszinierend, diese iPhone-Schnitzeljagd vom Suchaufruf bis zum gefundenen Gerät (etwa 6 Stunden) aus Deutschland mitzuerleben; die neuesten Tweets zu lesen, den jew. Hinweisen der Follower nachzugehen, mitzufiebern wenn Pogue beschreibt, dass die Polizisten vor Ort sind. Eine Ganoven-Jagd in Echtzeit und mit Happy End.

Was will man mehr?

 

 

EU-Datenschutzposse: Gute Seiten, schlechte Seiten

Vor einem Jahr hatte der Wiener Student Max Schrems das kalifornische Unternehmen Facebook angezeigt. Es ging um mögliche Datenschutz-Verstöße in 22 Fällen. Jetzt hat die zuständige Datenschutzbehörde in Irland mit Max Schluss gemacht – per SMS.

UPDATE (21. Sept. 2012): Irische Datenschutzbehörde legt heute 15 Uhr Abschlussbericht vor

Gute Seiten, schlechte Seiten

Was bisher geschah: Max, ein Wiener Student, hat das Soziale Netzwerk Facebook in 22 Fällen angezeigt. Die für die EU zuständige Datenschutzbehörde sitzt in Irland, wo Facebook seinen Firmensitz für Länder außerhalb der USA und Kanada hat. “Aus steuerlichen Gründen”, wie der angehende Jurist vermutet. Aber sicherlich profitiert das Unternehmen auch davon, dass es Irland scheinbar nicht immer ganz so genau nimmt mit dem Datenschutz. Schon gar nicht, wenn es darum geht, einen Konzern wie Facebook im Land zu behalten, der jüngst wieder angedeutet hatte, seine Dependance in Irland weiter ausbauen zu wollen und damit möglicherweise auch hunderte neue Arbeitsplätze zu schaffen.

Als sich Max Schrems vor einem Jahr zum ersten Mal an die irische Behörde wandte, wusste der 24jährige noch nicht, worauf er sich einlässt. „Europe-v-Facebook.org“ hatte er seine Aktion getauft, die er damals ins Leben rief. Genauso gut hätte er es „Max-gegen-den-Rest-der-Welt“ nennen können. Denn Unterstützung von offizieller Seite erfährt der Jura-Student wenig, schon gar nicht von den landeseigenen Datenschutzämtern, die ja eigentlich für den Schutz ihrer Bürger zuständig wären. So belässt es beispielsweise die deutsche Verbraucherschutz-ministerin bei einem symbolischen Austritt aus Facebook. Auch die sonst für ihre scharfen Worte bekannte Datenschutzbehörde von Schleswig-Holstein stellt in einer Presserklärung von letzter Woche lediglich fest, Facebook verweise stets auf die Zuständigkeit der Iren. „Für mich ist es ein Musterfall“, sagt Schrems. „Man sieht, was passiert, wenn man sich als EU-Bürger mal auf seine Datenschutzrechte beruft, die ja sonst alle immer so hoch halten.“
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Ein Bollwerk gegen Facebook

Wie es um den Datenschutz in der EU tatsächlich bestellt ist, begreift man am schnellsten, wenn man das “Bürogebäude” der für die EU zuständigen Datenschutzkommission betrachtet (Google Streetview). Ein Supermarkt, nicht etwa in der irischen Metropole Dublin, wo Firmen wie Apple, Dell oder eben Facebook ihre Europa-Zentralen haben. Hier ist Irlands Datenschutzkommission untergebracht, mitten in der irischen Pampa, dort, wo Schafe grasen und wo verlassene Industrieanlagen von besseren Zeiten zeugen. Und ja: Es handelt sich tatsächlich um die einzige Institution, die in Irland – stellvertretend für die gesamte EU – für die Kontrolle von Facebook zuständig ist. Das wurde mir in einem Telefonat von der Behörde so bestätigt.

Das Büro der irischen Datenschutzkommission in Portarlington: Hier werden Facebooks Datenschutzverstöße aus der ganzen Welt geprüft

 

22 Mitarbeiter sind hier damit beschäftigt, um – neben vielen anderen Vorgängen – die Beschwerden gegen Facebook zu prüfen, die aus der ganzen Welt auflaufen. Allein vergangenes Jahr sollen rund 40.000 Anträge von Menschen eingegangen sein, die nach dem Vorbild von Max Schrems ihre bei Facebook gespeicherten personenbezogenen Daten einsehen wollten. Im Jahresbericht der Behörde (PDF-File) wird die genaue Anzahl der Anfragen übrigens nicht erwähnt.

In einem Audit-Verfahren haben sich Facebook und die Behörde auf bessere Datenschutz-Maßnahmen verständigt, die Facebook auf freiwilliger Basis bis Juli 2012 bieten wollte. Dazu gehört auch ein Download-Tool, über das sich Facebook-Nutzer ihre Daten herunterladen können. Das Problem: Die über das Tool gelieferten Daten stellen nur einen Bruchteil dessen dar, was Facebook tatsächlich über seine Nutzer auf seinen Servern gespeichert hat. Gelöschte Texte, Geolocation-Daten, Gesichtsprofile – all sowas sucht man vergeblich in diesem „Do-it-yourself-Datenpaket“. Zur Erinnerung: Die Rohdaten, die Facebook letztes Jahr wahrscheinlich versehentlich an Max Schrems ausgeliefert hatte, umfassten 1200 Schreibmaschinenseiten.

 

 

Zustände wie in Russland

Nach irischem Datenschutzrecht, auf das sich auch alle EU-Bürger berufen können, muss eine Firma innerhalb von 40 Tagen sämtliche Daten vorlegen, die sie über den Antragsteller gespeichert hat. Nicht so bei Facebook. „Die Behörde findet das unproblematisch“, so Max Schrems. Argumentation gäbe es keine. „Die sagen, es sei doch schon viel besser, als das, was Facebook früher gemacht habe.“ Probematisch findet der Jura-Student vor allem, dass in der irischen Datenschutzkommission offensichtlich kein einziger Jurist beschäftigt sei. (Anmerkung: Auf telefonische Nachfrage wollte die Behörde mir gegenüber keine Stellungnahme hierzu abgeben.) „Zustände wie in Russland“, so Schrems.

 

Foto: Max Schrems

 

Das Ende kam per SMS

Und so kommt es auch, dass das Verfahren um die 22 Anzeigen, die Max Schrems vor einem Jahr bei der Behörde eingereicht hatte, offenbar eingeschlafen ist. Journalisten werden auf den abschließenden Audit-Bericht vertröstet, der im September veröffentlicht werden soll. Konkrete Fragen, die Schrems zum weiteren Vorgehen hat, werden nicht beantwortet, seine Anrufe abgewimmelt. Das ganze gipfelt jetzt in einer SMS, die der stellvertretende Datenschutz-Kommissar vergangenen Freitag schickte:

„Max, I know you have contacted the Office. Neither the Commissioner nor myself are available to speak to you. Regards Gary“

Die Behörde hat offensichtlich Schluss gemacht – in 122 Zeichen via SMS. „Wie unter Teenagern“ grinst Max Schrems. Ob ihn Gary jetzt wohl auch noch bei Facebook entfreundet?

Das Kapitel zeigt, wie hilflos Politiker, Behörden und Institutionen den Entwicklungen im Internet-Zeitalter hinterherlaufen. Wie es mit Max, Gary* und Facebook weiter geht, erfahrt Ihr in diesem Blog (siehe Comic). Fortsetzung folgt.

* der stellv. Datenschutz-Kommissar Gary Davis war für mich leider nicht zu sprechen

Weiterführende Dokumente (PDF-Files): 

G!winnen: Das Facebook-Book

Facebook – ein Buch mit sieben Siegeln. Der Ratgeber „Mein Kind ist bei Facebook“ hilft, das Netzwerk besser zu verstehen und selbstbestimmter zu nutzen. Nicht nur Kindern.

Facebook ist ein Unternehmen, das seine Nutzer immer und immer wieder hinters Licht führt, ihre Dummheit ausnutzt, ihre Intelligenz verhöhnt. Keiner hat das besser auf den Punkt gebracht, als Sascha Lobo jüngst in seiner Mensch-Maschinen-Kolumne bei Spiegel Online. Anlass war die Nachricht, dass Facebook-Mitarbeiter offenbar heimlich mitlesen, wenn man über das Netzwerk chattet oder Privat-Nachrichten verschickt.

Allein über die Schlechtigkeit von Facebook zu lamentieren, bringt uns nicht weiter. Folgerichtig fordert Sascha Lobo in seinem Text eine Weiterentwicklung des Briefgeheimnisses auf digitale Kommunikationsformen.

Soweit so gut. Doch was machen wir bis dahin? Weil nicht davon auszugehen ist, dass der Deutsche Bundestag ein entsprechendes Gesetz in 57 Sekunden während des nächsten großen Fußballspiels verabschieden wird, ist es an uns, uns so gut es geht, selbst zu helfen.

Thomas Pfeiffer von den Web-Evangelisten* hat gemeinsam mit Jöran Muuß-Merholz ein Buch geschrieben, das ich letzte Woche gelesen und allen Facebook-Nutzern (nicht nur Eltern) empfehlen kann.

„Mein Kind ist bei Facebook“ (Amazon Partner-Link) enthält unzählige Tips und Praxisbeispiele, um das System „Facebook“ besser zu verstehen, die gängigsten Fehler zu vermeiden, die Plattform so selbstbestimmt zu nutzen, wie es eben nur geht. In 6 Kapiteln (PDF) werden Themen wie Privatsphäre, Datenschutz-Einstellungen, Urheberrecht, Mobbing behandelt.

Am besten gefällt mir der Abschnitt, wie man mit unerwünschten Freundes-Anfragen z.B. von Lehrern oder Vorgesetzten umgeht. Wer meine Kolumne bei der Münchner Abendzeitung kennt, weiß, dass ich hier und da mit solchen Anfragen gelegentlich Probleme hatte.

Übrigens: Sollte Facebook mal wieder seine Einstellungen oder Geschäftsbedingungen ändern, halten die Autoren ihre Leser über diese Seite auch nach dem Buch-Kauf up-to-date.

Vor ein paar Tagen habe ich den Autor besucht und ihn in einem knallhart-investigativ geführten Interview für Euch „gegrillt“. Viel Spaß damit:

 

UPDATE – VERLOSUNG BEENDET – DIE GEWINNER WERDEN PER MAIL BENACHRICHTIGT

Der Pearson-Verlag** hat für die Leser meines Blogs = Euch! – 3 Exemplare von „Mein Kind ist bei Facebook“ zur Verfügung gestellt. Ein kurzer Text (“Her damit!”) unten im Kommentarfeld genügt (E-Mail-Adresse hinterlegen – wird nicht veröffentlicht). Stichtag: Sonntag, 29. Juli 2012. Die G!winner werden von mir benachrichtigt.

* ich bin mit Thomas Pfeiffer befreundet  ** Addison-Wesley/Pearson ist mein exklusiver Blog-Partner

CelebBoutique – Rise of a Shitstorm

Soziale Netzwerke sind kein Hexenwerk. Solange man seine Kommunikationspartner ernst nimmt und nicht an der falschen Stelle spart.

Da hat der Online-Mode-Shop CelebBoutique am Freitag aber mal einen gewaltigen Bock geschossen. Stunden nach dem Amoklauf in einem Multiplex-Kino in Aurora, Colorado, sprang das Klamotten-Kaufhaus auf den weltweiten Trending-Topic-Zug auf und setzte den folgenden Tweet an seine 42.000 Follower ab:

Was folgte war abzusehen – the rise of a shitstorm. Binnen Sekunden verbreitete sich der missratene Tweet rund um den Globus. Es hagelte Beschimpfungen und Hass-Kommentare im Sekundentakt:

Eine geschlagene Stunde und über 1000 Retweets später, meldete sich die Firma mit einer Erklärung zurück

Eine geschlagene Stunde und über 1000 Re-Tweets später, meldete sich die Firma mit einer Erklärung zurück, die es nicht besser machte: Man (löschte) und entschuldige sich für den Tweet, begründet die Geschmacklosigkeit damit, dass das Social-Media-Team im Ausland säße und keine Ahnung von der Schießerei in Colorado hatte. Bam!

Die Reaktion blieb nicht aus:

Soweit eine stark verkürzte Auswahl einiger Protest-Tweets (Für Neugierige: hier die aktuell einlaufenden Tweets zum Thema). In der Folge schwappte die Protestwelle von Twitter rüber zu Facebook. Dort verwandelte sich die Firmen-Pinnwand von CelebBoutique (man beachte “Aktuelle Beiträge” in der rechten Spalte) schnell in einen einzigen Online-Pranger:

Bevor Ihr flink Euren in die Jahre gekommenen Standard-Vortrag “Krisenkommunikation” um ein paar Folien zum Aurora-”Case“ ergänzt – erlaubt mir schnell noch meine 5 Cent zu dem Vorfall: Ein soziales Netzwerk ist mehr als nur ein Marketing-Werkzeug. Ähnlich wie die persönliche Kommunikation von Angesicht zu Angesicht, transportiert es neben der reinen Sach-Information Werte, Haltungen und Beziehungsbotschaften. Ein Tweet und sein Kontext sagt mehr als 140 Zeichen. Er drückt aus…

  • wer man ist
  • für was man steht
  • was man bezweckt
  • was man von seinem Kommunikationspartner (Kunden) hält

Ob Online-Shop, Medienunternehmen oder Behörde – Social Media lässt sich nicht outsourcen. Social Media muss gelebt werden. Welche Grundhaltung CelebBoutique mit seinen Offshore-Tweets an den Tag legt, bringt eine Studentin aus Florida auf der Facebook-Firmenseite des Modehauses auf den Punkt:

„You represent everything that is wrong and disgusting with this world. You have absolutely NO excuse. The fact that your PR is NOT US based is a bullshit statement, especially considering you target a US audience and market. You talk out of your ass, pay absolutely NO attention to news whatsoever, and between your tweet and your ignorance its hard to determine which is worse. You propagate ignorance, superficial insensitivity, and tasteless materialism. Fuck you, and every thing your company stands for.“

 

Nachtrag:
Am Morgen nach dem Massaker twitterte ein Vertreter der National Rifle Association (NRA): “Good morning, shooters. Weekend plans? Happy Friday!”

Rettet das Amerika-Haus!

Einer Kultur-Institution droht das Aus. Die Bayerische Staatsregierung hat beschlossen, das Amerika Haus München zu sanieren und der Technikakademie Acatech zu überlassen. Einfach so. Als Mitglied des Vorstandes des Amerika Haus München e.V. bitte ich um Euren Protest!

Normalerweise bin ich nicht der Typ, der sich politisch engagiert, der auf die Straße geht, sich gegen eine Regierung auflehnt. Diesen Freitag tue ich es. Und das hat einen Grund: Das Amerika Haus am Münchner Karolinenplatz soll saniert und einer irgendwie mit der Staatskanzlei verbandelten Gesellschaft überlassen werden. Für mau.

Wie es zu dieser Entscheidung kam? Keiner weiß es. Warum es ausgerechnet dieses Gebäude sein musste? Schwer nachzuvollziehen. Eine Retourkutsche dafür, dass US-Diplomaten Horst Seehofer in Wikileaks-Depeschen  als “Populisten” bezeichnet haben, der eine “schwache außenpolitische Expertise” zu erkennen gebe? Die Umstände, wie der Bayerische Ministerpräsident und sein Kabinett zu dieser Entscheidung kamen, bleiben nebulös (siehe Süddeutsche Zeitung weiter unten).

Als Mitglied im Vorstand des Amerika Haus e.V. bin ich natürlich alles andere als objektiv; ach was: Ich bin stinksauer! Aber Verständnis wäre auch ein bisschen viel verlangt vor dem Hintergrund des Theaters, das ich und meine Vereins-Kollegen in den vergangenen Monaten erlebt haben.

Wenn Ihr aus München seid habe ich 3 Bitten an Euch:

1. lest den einen oder anderen der angeführten Presse-Artikel, um Euch ein eigenes Bild zu machen

SZ: Rätselhafte Rochaden

SZ: Ein ziemlich unwürdiges Spiel

SZ: Amerika Haus muss umziehen

SZ-Feature: Zur Geschichte des Amerika Hauses

Der frühere US-Präsident Clinton setzt sich für das Amerika Haus München ein

2. kommt am Freitag 15 Uhr zur Demonstration am Karolinenplatz

3. Teilt diesen Artikel oder den Aufruf bei Facebook in Euren Netzwerken

Das Amerika Haus wurde 1948 gegründet, um den Münchnern die Demokratie näher zu bringen. Jetzt ist es an der Zeit, der Bayerischen Staatsregierung Nachhilfe zu erteilen: Wir umarmen das Amerika Haus als ein Zeichen für mehr Transparenz, gegen staatliche Willkür und Hinterzimmer-Mauscheleien.

Die ganze Story findet Ihr auf dem amerikahausblog. Den für den Wahlkreis zuständigen CSU-Abgeordneten und zugleich Kultusminister der Bayerischen Staatsregierung Dr. Ludwig Spaenle erreicht Ihr per E-Mail unter ludwig.spaenle@csu-landtag-news.de

Nachtrag (23. Juni): Es gibt wohl Ungereimtheiten über die Acatech, die jetzt Gegenstand einer Untersuchung werden. Die SZ berichtet

Facebook: Pest oder Cholera

Facebook lässt seit heute seine 900 Millionen Nutzer über neue Datenschutz-Richtlinien abstimmen …und versteckt die Wahlzettel.

Eher durch Zufall hat die Welt heute erfahren, dass Facebook seine knapp 1 Milliarde Nutzer an die Wahlurne gerufen hat. Seit heute Morgen (1. Juni ergänzt.: Pacific Time) können alle Facebook-User weltweit über eine neue Datenschutzrichtlinie abstimmen. Soweit so gut. Das Problem: Kaum einer weiß etwas über diese Abstimmung. Weder bei der Anmeldung erfährt der Nutzer von dieser Aktion, noch als Abonnent der sog. “Site Governance Page” wurde man in seiner persönlichen Timeline über den Beginn einer Abstimmung informiert. Auch Journalisten, die wie ich bei Facebook Deutschland im E-Mail-Verteiler stehen, bekamen erst auf Nachfrage eine Erklärung zugeschickt.

In dieser Erklärung heißt es dann (Ironie-Modus an:) “Wir ermutigen alle Menschen auf Facebook, sich am Abstimmungsprozess zu beteiligen.”

Facebook verlangt bei dieser Wahl innerhalb von 7 Tagen (in Worten: sieben) eine Mindestbeteiligung von 30 Prozent aller – ich wiederhole – aller (!) Facebook-Nutzer weltweit, damit die Richtlinien ggfs. angepasst werden. Dazu Facebook wörtlich:

“Die Abstimmung ist ab heute [Anm. Gutjahr: 1. Juni] freigeschaltet und endet am 8. Juni um 18.00 Uhr (MEZ). Gemäß unserer Richtlinien werden die Ergebnisse verbindlich, wenn sich mehr als 30% aller aktiven registrierten Nutzer beteiligen. Sollten es weniger als 30% sein, so verstehen wir das Ergebnis als konsultativ.”

Tina Kulow, Sprecherin von Facebook Deutschland, zu meiner Frage, weshalb man über diese Wahl nicht informiert wurde: ”Ich denke wirklich das ist alles andere als geheim – zumal wir ja auch Kollegen aktiv informieren.”

Um sicher zu gehen, dass es bei dieser Wahl mit rechten Dingen zugeht, schreibt Facebook: “Ein unabhängiger Gutachter wird die Abstimmungsergebnisse prüfen, um korrekte Ergebnisse abzusichern.”

Worum geht es bei dieser Wahl?

Dazu ein kurzes Spontan-Interview mit dem Wiener Datenschutz-Aktivisten Max Schrems:

Max, wie hast Du von der Aktion erfahren?

Durch eine E-Mail von einem anderen Nutzer. Ich abonniere selbst die „Site Governance Page“ aber habe auf Facebook gar nichts bekommen.

Warum macht Facebook diese Abstimmung nicht publik?

Weil Sie natürlich wollen dass die 30% verfehlt werden, sonst wäre das für Facebook verbindlich.

30 Prozent aller Facebook-User in 7 Tagen – Deine Meinung?

Unmöglich, wenn es nicht jeder Nutzer ordentlich auf der Startseite sieht. Außerdem sind die Texte wieder klassische „Weichspüler“ von Facebook, wo sich Nutzer, die keine Ahnung von dem Prozess haben, unmöglich auskennen können.

Facebook lässt einem die Wahl zwischen zwei Optionen, der alten und der neuen Policy. Wie soll man abstimmen?

Pest oder Cholera.

Deine Empfehlung?

Naja, wenn dann dagegen [Anm. Gutjahr: gegen die neuen Dokumente von 2012] stimmen, aber vermutlich wäre es am sinnvollsten wenn einfach nur 100 Leute weltweit abstimmen würden, das wäre wohl das klarste Zeichen.

 

Mehr Infos zum Streit über die neuen Datenschutzrichtlinien findet Ihr bei Europe-vs-Facebook. Welche Änderungen Max Schrems und seine Mitstreiter von our-policy.org verlangen lest Ihr hier. Facebook selbst informiert über die weltweite Abstimmung auf dieser Seite. Über diesen Direktlink gelangt Ihr zur Abstimmung.

Bitte via Facebook teilen!

 

rundshow: mit Lobo und Tadel

Die rundshow startet in die zweite Halbzeit. Nach Daniel Fiene nimmt diese Woche Sascha Lobo Platz am Moderatoren-Tisch.

Auf die Shows mit Sascha Lobo freue ich mich aus professionellen wie aus persönlichen Gründen. Sascha ist ein Visionär, streitbar, klug und mutig. Wer ihn auf seine Frisur reduziert, manövriert sich selbst ins Aus. Mit seinen Vorträgen und Essays beweist Lobo mehr Sachverstand und Tiefgang als die meisten seiner Kritiker jemals vorweisen könnten, nicht einmal dann, wenn sie zusammenlegten.

Ich bin Sascha aber auch aus ganz persönlichen Gründen verbunden. In jenen Tagen, als ich auf dem Tahrir-Platz stand, mit den Telefongesellschaften, mit Kritikern, vor allem aber mit meinem Arbeitgeber kämpfte (man zeigte sich „irritiert“ darüber, dass ich ohne Auftrag reiste) – da erreichte mich aus Deutschland völlig überraschend eine Botschaft: „lieber richard, wir kennen uns nicht (…)“ Es folgten Zeilen des Zuspruchs und der Unterstützung, Tipps im Umgang mit Kritikern und sogar ganz konkrete Hilfe. Der Absender: Sascha Lobo.

Wein predigen und auch trinken

Vielen Menschen ist Sascha suspekt, weil er ein Mann ist, der Wein predigt und gerne auch trinkt. Mir ist das ungleich sympathischer als jene falschen Prediger, Bedenkenträger und Wendehälse, mit denen ich es oft in meinem Job tun habe. Gerade mit einem Projekt wie der „rundshow“ erlebe ich neben jeder Menge Unterstützung aktuell auch wieder die unterschiedlichsten Formen von Missgunst, Ahnungslosigkeit und Niedertracht, wie sie bestimmt nicht nur in öffentlich-rechtlichen Anstalten vorkommen. Eine immer belangloser werdende Minderheit, zum Glück.

Sicherlich, unsere kleine Show am späten Abend ist nicht perfekt. Aber sie ist echt. Sie ist authentisch. Vom Sendetechniker/in bis zum Volontär/in, jeder bei uns im Team bringt sich ein, so gut es in einem – zugegeben improvisierten – Rahmen wie diesem eben geht. Und ob Ihr es glaubt oder nicht: Wir lesen jeden Tweet, jeden Facebook-Kommentar, jede Botschaft, die uns über unsere App „Die Macht“ erreicht – und das sind nicht wenige. Es geht uns nicht darum, mit dem neuen Killer-Konzept um die Ecke zu kommen. Wir wollen Dinge ausprobieren. Wir wollen besser werden. Wir wollen lernen.

Die Show vom Dienstag zum Thema “Arbeitswelt der Zukunft”

Wir freuen uns über Eure Kritik. Wir freuen uns über Euer Lob. Jetzt aber freuen wir uns erst einmal auf Lobo. Seid mit dabei: morgen wieder  ab 23.30 Uhr im Netz und im TV.

rundshow: Warum wir schon gewonnen haben

Von der Idee bis ins TV-Studio: nächste Woche beginnt die rundshow, ein Social-TV-Experiment im Web und im Bayerischen Fernsehen

Fast auf den Tag genau 11 Monate ist es her, da kamen meine Chefs beim Bayerischen Rundfunk auf mich zu. Ich solle mir doch mal Gedanken machen, wie man unsere klassischen Rundfunk-Angebote sinnvoll mit dem Web verbinden könne. Ein neues Format? Nicht zwingend. Viel mehr eine Art „On-Air-Experiment“, um neue Kommunikationsformen auszutesten. Ich fing sofort Feuer.

Montag gilt es. 4 Wochen rundshow live im Web und im TV. Ich gestehe: Ich habe Schiss. Oder sollte ich sagen: Respekt? Respekt vor dem Publikum, das, soviel habe ich als Blogger gelernt, gleichermaßen bereichernd wie auch gnadenlos sein kann. Respekt vor dem Team, das in den zurückliegenden Wochen immer wieder über sich hinausgewachsen ist. Respekt vor meinen Vorgesetzten, die Eier geung hatten, uns Leine zu geben, damit wir Dinge, die wir noch nie zuvor getan haben, ausprobieren können.

Wir haben Themen im Auge, die im klassischen Programm selten eine Chance haben. Wir haben Technologien und Workflows am Start, die im herkömmlichen TV-Sendebetrieb bislang nicht zum Einsatz kommen. Wir haben unsere Köpfe geöffnet, Dinge völlig neu zu entwickeln – oder aber auch beizubehalten, sofern uns dies als sinnvoll erschien. Bei diesem Projekt ging es nicht darum, das Fernsehen zu revolutionieren, vielmehr das Medium und seine Möglichkeiten in Kombination mit dem Web spielerisch weiterzudenken.

Jetzt heißt es Daumen drücken, dass die Technik funktioniert, dass genug Menschen mitgehen, dass sich das, was wir über Wochen und Monate in unseren Köpfen mit uns herum getragen haben, jetzt auch auf den Bildschirmen erschließt, egal, ob an der Wohnzimmerwand, auf dem Schoß oder in der Hand.

Wie schon erwähnt, wenn ich an Montag denke, geht mir die Muffe. Und doch kann ich es kaum erwarten, dass es endlich losgeht! Denn egal, was in den kommenden 4 Wochen passieren wird: In einer Welt, die einem solch rasanten Wandel unterliegt, werden Diejenigen bestehen, die sich trauen, Neues auszuprobieren. Was wir zu gewinnen haben, ist soviel mehr als das, was wir durch Nichtstun verlieren könnten. Und mögen die Skeptiker und Bedenkenträger noch so sehr die Nase rümpfen. Anders als sie habe ich keine Angst vor dem Scheitern – vielleicht weil ich weiß, dass wir schon gewonnen haben.

Die Show im TV: Montag – Donnerstag ab 23:00 Uhr (wechselnde Anfangszeiten) im Bayerischen Fernsehen sowie im Web über rundshow.de und unsere Facebook-Seite, betreut von Annik Rubens (Schlaflos in München)

Occupy Rundfunk

Viel ist geredet worden über das Fernsehen der Zukunft, über Social TV und den Second Screen. Doch was bedeutet das alles in der Praxis? Es gibt nur einen Weg, das herauszufinden.

Web und TV – das Beste aus beiden Welten

Wer mich kennt, weiß, dass ich eine grosse Klappe habe. Wer mich wirklich gut kennt, weiß aber auch, dass ich es selten dabei belasse. Der Bayerische Rundfunk hat mir ein ungewöhnliches Angebot gemacht und ich habe zugegriffen. Der Auftrag lautet: Entwickeln Sie ein Format, das die Vorzüge des Webs mit denen des Fernsehens verbindet.

Seit Juli 2011 habe ich unzählige Formate gesichtet, mich mit Experten aus der Netz- und der TV-Gemeinde (ha!) unterhalten. Hunderte Ideen haben wir im Team zusammengetragen und wieder verworfen. Was übrig geblieben ist, fließt in die rundshow, ein Late-Night-Format, das wir ab dem 14. Mai 4 Wochen lang im Web und im linearen Fernsehen testen wollen.

Julian und das Team entwerfen den Schaltplan für das Regiepult

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Neue Kommunikationswege

Bei der rundshow geht es weniger um eine neue „Sendung“ (Das Wort gilt bei uns im Team als verpönt), als vielmehr darum, unserem härtesten Kritiker gegenüber zu treten: dem Zuschauer. Gerade das Fernsehen mit seinem Perfektionswahn lässt wenig Raum für Spontanität und echte Nähe. Ich verrate hier sicher nichts neues, wenn ich sage, dass vieles von dem, was auf dem Schirm so beiläufig daherkommt, in Wirklichkeit bis ins kleinste Detail inszeniert und geplant ist.

Professionell betrachtet geht es bei diesem Projekt für uns Fernsehleute darum, Erfahrung mit neuen Kommunikationswegen zu sammeln. Gerade im Hinblick auf das Superwahljahr 2013 kann es nicht schaden, neue Kanäle und Formen von Zuschauerbeteiligung zu erproben. Von Transparenz und mehr Mitbestimmung zu reden, ist das eine, diese umzusetzen und in die eigenen Programme zu integrieren, das andere. Hier können wir Fernsehschaffende sicherlich noch nachbessern.

Waffengleichheit

Das bedeutet aber auch: Wenn nicht mehr wir, die Fernsehprofis (dazu zähle ich übrigens auch die Politiker, Funktionäre und Experten), zwingend das letzte Wort haben, wenn wir akzeptieren, dass das Publikum ein ernst zu nehmender Teil des Programms ist und nicht mehr länger nur „Klatschvieh“, dann müssen wir für mehr „Waffengleichheit“ sorgen und darauf achten, dass die Zuschauer auch wirklich ausgiebig zu Wort kommen.

Dazu haben wir viele Möglichkeiten geschaffen: eine App („Die Macht“ – der Name ist Programm), eine ganztägige Bespielung zahlreicher Diskussionsplattformen (Facebook, Twitter, Google+), die Teilnahme an der täglichen Redaktionskonferenz sowie an der TV-Show (per Google-Hangout) sowie die Fortführung der Liveshow auch NACH Ende der Übertragung im TV.

Mein Arbeitsplatz für die nächsten Wochen im Container

Worum es in der täglichen Live-Show gehen wird und auf wen Ihr Euch in diesen 4 Wochen freuen könnt, dazu mehr in unserem rundshow Blog, wo wir Euch von nun an täglich über den aktuellen Stand der Vorbereitungen informieren werden. Es kann nicht schaden, uns auch bei Facebook und Twitter zu folgen. Hier werden wir Gäste, Hangouts und alle kurzfristigen Infos bekannt geben. Und natürlich könnt Ihr uns auf allen Wegen Löcher in den Blog fragen. Ich freue mich auf Euch. Und um ehrlich zu sein: Ein bisschen Schiss habe ich auch. Aber das gehört wohl dazu.

 

 

Die rundshow im TV:
14. Mai – 7. Juni, Montag bis Donnerstag, ab 23:15 Uhr
rundshow das Blog
rundshow bei Facebook
rundshow bei Twitter

Eure Ideen, Wünsche und Gedanken zum Fernsehen und zu unserem Projekt?

Webvideopreis: Eat this, Bambi!

Ob Y-titty oder Gronkh – beim Webvideopreis 2012 in Düsseldorf feierte die Generation YouTube ihre Stars. Doch der ganz große Abräumer kam aus Österreich und war die Überraschung des Abends.

Es gibt Momente im Leben, die sind magisch. Gestern Abend war für mich so ein Moment, ein Moment, der sich trotz aller Widersprüche “richtig” anfühlte – oder vielleicht gerade deswegen? Die Jury (ich bin kurzfristig als Laudator für “Rahmschnitzel” eingesprungen, hatte aber von den übrigen Preisträgern keine Ahnung) hatte eine mutige wie auch symbolhafte Wahl getroffen, die vielleicht mehr beiträgt zur deutschen Medienkultur als die vielen Lobby- und Selbstbeweihräucherungsgalas der großen Verlage, Musiklabels, Film- und Fernsehhäuser.

In der Kategorie IMHO (In My Humple Opinion) ging sowohl der Jury- als auch der Publikumspreis an die Mitarbeiter des ORF, die sich in einem privat gedrehten YouTube-Video gegen die unerträgliche Einflussnahme der Politik bei der Stellenbesetzung ihres unabhängigen (!) öffentlich-rechtlichen Rundfunkhauses aussprachen.

Beeindruckend: Die Tatsache, dass die jungen Wilden aus dem Netz (desinteressiert?, unpolitisch?) aus dem schier unendlichen Angebot an Webvideos ausgerechnet den Film einer Gruppe “Dinosaurier” vom vermeintlich toten Medium “Fernsehen” gewählt haben, ist bemerkenswert. Wohlgemerkt: Ausgezeichnet wurde nicht der ORF, sondern die Mitarbeiter der ZiB-Redaktion, die durch ihre Mitwirkung an diesem Protestvideo Mut bewiesen, vielleicht sogar ihren Job riskiert haben. Ein Signal, das von Deutschland nach Österreich und hoffentlich auch wieder zurück in die deutschen öffentlich-rechtlichen Anstalten strahlt*.

... von rechts: Milena Bonse, Mario Sixtus, Katrin Bauerfeind, Kathrin Fricke, Florian Hager

Das große Finale: Dieter Bornemann und Fritz Wendl (stellvertretend für die ZiB-Mannschaft) und die Jungs von Y-TITTY bei der Übergabe der best-of-the-best Preise in der Kategorie “EPIC”. Alt und jung, Neue und Alte Medien vereint, Seite an Seite, Schulter an Schulter. Die Tyrannei der Masse hat gesprochen.

Herzlichen Dank an Markus “Videopunk” Hündgen, Mario Sixtus, Julius Endert, Christoph Krachten und das ganze Team. Toller Abend, wirklich.

* Disclaimer: Ich bin freier Mitarbeiter beim Bayerischen Rundfunk / ARD

Brave New World: Social Scoring

In einer nicht allzu fernen Zukunft entscheidet Social-Scoring darüber, wie schnell man einen Termin beim Arzt kriegt, ob wir Business- oder Holzklasse fliegen dürfen.

Heute melde ich mich mal wieder aus der Zukunft, genauer gesagt aus dem Jahr 2042. Nein, unsere Autos können immer noch nicht fliegen, dafür laufen sie jetzt mit Bubble-Tea und Frittier-Fett. Tankstellen sind nach und nach ersetzt worden durch McDrives. Zu jeder Tankfüllung gibt es wahlweise ein Happy-Meal-Spielzeug oder eine Apfeltasche extra.

An die Stelle des Euros, der 2020 nach dem von Ministerpräsident Söder maßgeblich forcierten Austritts Bayerns aus der EU endgültig zusammengebrochen war, ist als Weltwährung der sog. „Facebook-Like“ getreten. 100 FLs (oder auch GMs „Gefällt Mirs“) entsprechen einem früheren Euro. Wer beispielsweise sein Gehalt aufbessern will, „liked“ kategorisch alle Facebook-Einträge seines Chefs, was vielen meiner Kollegen schon früh die Bezeichnung „Assliker“ bzw. „Arschklicker“ einbrachte.

Wenn Daten das Erdöl des 21. Jahrhunderts sind, so sind Sympathiewerte das Schmierfett. Die Anzahl unserer Freunde und Follower bei Facebook, Twitter & Co ergeben einen Influencer-Scoring-Wert, der darüber entscheidet, wie schnell man beim plastischen Chirurgen einen Termin bekommt oder ob wir im Raumschiff zum Space-Hotel Business- oder Holzklasse fliegen dürfen. Offiziell hat die Regierung unter Bundeskanzlerin Marina Weisband (Piraten-Partei) die sogenannte „Scoring-Diskriminierung“ für illegal erklärt, aber kaum einer hält sich dran, sind es doch gerade die Politiker, die sich durch geschicktes Scoring ihre Wiederwahl sichern.

Diese Machtverschiebung weg vom Großkapital hin zu virtuellen Werten trägt bisweilen merkwürdige Blüten. So berichtet Alt-98′er Sascha Lobo in diversen YouTube-Talkshows davon, wie es kam, dass seine Lebensabschnittsgefährtin Veronica Ferres ihrem Carsten einst den Laufpass gab, als sie erfuhr, dass Maschmeyer zwar jede Menge Schampus-Freunde in Hannover hat, im Web aber eine Niete ist.

Was ich Ihnen, liebe Blog-Leser des Jahres 2012, mit auf den Weg in die Zukunft geben will, ist folgendes: Pflegen Sie Ihre Freundschaften, im Netz wie auch sonst wo. Im Leben begegnet man sich immer zweimal. Bei Facebook rund um die Uhr.

Von einem, der auszog, das Bloggen zu lernen

Weshalb ich blogge und warum es mir nicht mehr genügt, “klassischer” Journalist zu sein. Mein Essay für das t3n-Magazin von November 2011.

Manchmal wird mir alles zuviel. Dann klappe ich mein Laptop zu, ziehe mir die Laufschuhe an und jogge durch den Englischen Garten. Auf dem Rückweg hole ich mir einen Becher Kaffee und sortiere meine Gedanken. Es ist anstrengend, ständig mit der ganzen Welt verbunden zu sein, und doch möchte ich mein neues, vernetztes Leben nicht mehr missen.

Ich komme gerade mit der letzten Maschine aus London zurück, wo ich ein Interview mit einem Kollegen von The Economist gemacht habe. Das Video dazu habe ich noch auf dem Flug geschnitten, denn morgen früh gebe ich bereits einen Workshop an der Deutschen Journalistenschule in München, bevor ich wieder zum Flughafen fahre und nach Hamburg fliege. Alles Jobs, die ich meinem Blog zu verdanken habe.

Mein Leben war nicht immer so aufregend. Um genau zu sein: noch nie. Seit zehn Jahren arbeite ich als Reporter und Nachrichten-Moderator beim Bayerischen Fernsehen. Zuvor jobbte ich als freier Autor bei der Süddeutschen Zeitung und beim Radio. Schlussendlich bin ich beim Fernsehen hängen geblieben, wohl auch deshalb, weil dort am besten gezahlt wurde. Ich habe für den ARD-Weltspiegel über die Tage nach dem 11. September aus New York berichtet, aus Israel habe ich Tagesschau und Tagesthemen mit Beiträgen über den Gaza-Krieg beliefert. Es mag zynisch klingen, aber für einen Reporter sind solche Momente eine echte Herausforderung, das Salz in der Suppe.

Ich will aber auch nicht den anderen Teil meines öffentlich-rechtlichen Lebens verschweigen, etwa den Streit mit Redaktionsleitern über abgelehnte Themenvorschläge, Maßregelung über Formulierungen in meinen Moderationen, Beschwerde-Anrufe oder gar Briefe von Politikern aus der Staatskanzlei. Das wäre ja alles halb so schlimm, wenn ich nicht der festen Überzeugung gewesen wäre, dass das Publikum, für das wir ja eigentlich arbeiten, überwiegend auf meiner Seite gewesen wäre.

 

 

Wann genau ich mit dem Bloggen begonnen habe, kann ich nicht mehr sagen. Ich weiß nur, dass es eine Zeit lang dauerte, bis mich die Leute im Web wahrgenommen haben. Etwa durch den iPad-Stunt in New York, wo ich als weltweit erster Käufer eines iPads Schlagzeilen gemacht hatte. Eigentlich wollte ich ja ganz klassisch für die ARD eine Reportage über die so genannten „Line-Sitters“ machen, also jene Menschen, die schon Tage vor dem Verkaufsstart eines neuen Apple-Produktes Schlange stehen. „iPad? – Das interessiert doch keinen!“, hieß es damals bei mir im Haus und das gleich aus mehreren Redaktionen.

Den gesamten Text findet Ihr seit dieser Woche online bei t3n.

Die F-Aktie

Facebook geht an die Börse. Einer der größten Börsengänge der IT-Geschichte überhaupt. Doch das Unternehmen hat ein Problem…


Wenn die Telekom an die Börse geht, klar geh ich da mit! Erinnern Sie sich noch? Damals, 1996, als Tatort-Kommissar Manfred Krug die T-Aktie und Hunderttausende Kleinanleger für dumm verkaufte? Wer damals 1000 Euro in die „Volksaktie“ gesteckt hat, hätte nach heutigem Gegenwert nur noch 600 Euro. Wer gar erst zur Ausgabe der dritten Tranche dabei war, könnte davon heute stolze 138 Euro sein eigen nennen. Der Krug geht solang an die Börse bis er bricht: New-Economy-Blase, Immobilien-Markt, spätestens die Bankenkrise hat den letzten Hobby-Kostolany um sein Erspartes gebracht.

Vergessen und abgeschrieben. Ein sympathischer kleiner Familienbetrieb aus Kalifornien macht sich jetzt hübsch fürs Börsenparkett: Facebook. Ein Ort, wo es keine Chefs und keine Angestellte gibt, keine Minister oder Wähler, nur Freunde. Eine Welt, in der wir virtuelle Freundschaften, Mafia-Clans oder Radieschen pflegen, wo man sich auf Knopfdruck mag und wo negative Kommentare auf Firmenseiten gerne mal wie von Geisterhand verschwinden.

Jetzt, wo Kasse gemacht werden soll, hat Facebook ein Problem – es lautet: Facebook. Rund 850 Millionen Freunde hat Netzwerk-Gründer Mark Zuckerberg um sich geschart und sich dabei stets einen Dreck darum geschert, wenn es um die Sorgen und Ängste der Nutzer ging. Datenschutz? Who cares! Privatleben? Das ist so 90er! Da werden ungefragt Adressbücher, Gesichter oder Beziehungsmuster ausgelesen. Das Ziel: Wachstum um jeden Preis. Bei Geld hört die Freundschaft auf, sagt man. Im Fall von Facebook ist es umgekehrt: Hier werden Freundschaften zu Geld gemacht und manchmal sogar auch gekauft.

Statt den Nutzern zu verraten, was sich so alles an Informationen über sie auf den Facebook-Servern anhäuft, bringt der blaue Riese seine Lobbyisten in Stellung. In Washington, Brüssel, London – jetzt also auch in Berlin, wo man mit PR-Profi Gunnar Bender einen einflussreichen Facebook-Flüsterer verpflichtet hat. Die Gefahr, dass die Politiker, die vom Internet keine Ahnung haben, noch ihr blaues Wunder erleben werden, ist alles andere als virtuell. Gut für die Aktionäre. Schlecht für die User. Deshalb: Wenn Facebook an die Börse geht, bleib ich daheim.

Frisch G!strichen

2 Jahre seit der letzten Renovierung. Seitdem hat sich eine Menge getan. Zeit, mein Blog einem Facelifting zu unterziehen.

Das alte „Zeitungs“-Design hatte sich überlebt. Etwas Neues musste her! Das neue Layout sollte cleaner, flächiger, „touchiger“ sein – ein Tribut an Smartphones und Tablets, mit denen ein Großteil meiner Leser heute schon meine Seiten besucht. Während die Homepage jetzt wie ein Comic-Heft aus aneinandergereihten Panels besteht, wurden die Textseiten reduziert auf das Wesentliche: den Inhalt. Nur noch eine Spalte, keine Tagcloud, keine nervigen Ad-ons, kein Klimbim..

In einem wöchentlichen Newsletter (hier anmelden) werde ich Euch über Projekte auf dem Laufenden halten, an denen ich aktuell arbeite. Anekdoten, die es vielleicht nicht in einen eigenen Blogpost schaffen, die für den einen oder anderen von Euch trotzdem spannend sein können. Gefolgt von einer Hand voll Links zu Texten, Grafiken oder Videos, über die ich im Laufe der Woche gestolpert bin. Wie vieles, was ich tue, ist auch dieser Newsletter ein Experiment. Gebt mir ein bisschen Zeit, die richtige Mischung aus Info & Unterhaltung zu finden.

Neuer G!friend

Was ist sonst neu? Ich freue mich über eine neue Blog-Partnerschaft: den Fachverlag Addison-Wesley. Mit Addison-Wesley, der wie Markt+Technik zur britischen Pearson-Gruppe gehört, verbindet mich einiges: die Liebe zu (Home-) Computern, zu Desktop Publishing und zur Fotografie. Im Alter von 12 Jahren haben ich ganze Wochenenden damit verbracht, die Basic- bzw. Maschine-Codes aus der Zeitschrift 64er abzutippen und in Etappen auf Datasette (!) abzuspeichern. Meine (zugegeben ausbaufähigen) Kenntnisse in Photoshop, Mac & Co habe ich u.a. Büchern von Addison-Wesley zu verdanken.

Bevor jetzt Manche von Euch rufen: Kommerz! Gutjahr verkauft seine Seele – ein paar Gedanken dazu: Ich habe mir große Mühe gegeben, Euch in meinem neuen Blog-Design von Blinke-Blinke-Bannern und sonstigem Werbe-Müll zu verschonen. Wir sind sogar noch weiter gegangen: Addison-Wesley hat meine Intention verstanden und unterstützt das Konzept, die Blogposts selbst absolut werbefrei zu halten. Ich wiederhole: – mit Ausnahme von diesem Blogpost – Keine Werbung auf den Textseiten!

Stattdessen präsentiert der Verlag, der sich schon seit Jahren in der Community engagiert, mit einem Link zu seinem Corporate Blog auf der Startseite. Bestimmt kennen einige von Euch Pia (Kleine Wieskamp) von div. Bloggertreffen oder Twittwochs. So ist es auch kein Wunder, dass sich bekannte Namen aus der Web- und Social-Media-Szene auf der Autorenliste von Addison Wesley wiederfinden..

Damit aus dieser Win-Win-Situation eine Win-Win-Win-Situation für Verlag, für mich und meine Leser wird, gibt es zum Start der neuen Partnerschaft Preise im Gesamtwert von 750€ zu gewinnen:

10 x „One more thing – Apples Erfolgsgeschichte vom Apple I bis zum iPad“ von Charlotte Erdman

10 x „Die Ich-Marke – Erfolgreiches Eigenmarketing mit Social Media“ von Kyle Lacy und Erik Deckers (mit einem Vorwort von Thomas Pfeiffer)

3 x „Photoshop Elements 10 – Video-Training“ (DVD) von André Reinegger und Eduardo da Vinci.

 

Einfach Kommentar mit dem Titel, der Euch interessiert, hinterlassen. Vielleicht wollt Ihr ja auch ein paar Worte zum neuen Design loswerden. Würde mich freuen!

Die Facebook-Files – Irische Behörde veröffentlicht Untersuchungsbericht

Die irische Datenschutzkommission hat am Nachmittag einen 149-seitigen Untersuchungsbericht von Facebook Ireland veröffentlicht. Facebooks Hauptqaurtier in Dublin ist zuständig für das weltweite operative Geschäft des Sozialen Netzwerks außerhalb der USA und von Kanada. Bei dem Verfahren handelte es sich nach eigener Aussage um die umfangreichste Untersuchung, die jemals von der Behörde durchgeführt wurde.

Vorgeschichte

Was mit den Anzeigen eines Wiener Studenten begann, entwickelte sich bald zu einer Lawine, deren Eigendynamik selbst Facebook überrascht haben dürfte. Nachdem Max Schrems von der Initiative Europe vs. Facebook herausgefunden hatte, dass Facebook nach EU-Recht dazu verpflichtet ist, jedem Nutzer binnen 40 Tagen Auskunft über die über ihn gespeicherten Daten zu erteilen, wurde Facebook mit Anfragen gerade zu bombardiert. In dem Untersuchungs-Bericht ist die Rede von rund 40.000 Anfragen binnen weniger Wochen. Zu viel für das Unternehmen, um die vorgeschriebenen Fristen einhalten zu können.

Angesichts dieses Ansturms hatte Facebook das Verfahren umgestellt, einzelnen Nutzern eine CD-ROM mit seinen Daten zuzuschicken, und stattdessen die Möglichkeit eingeräumt, Datensätze per Download-Funktion selbstständig online abzufragen. “Reine Verarsche”, sagt Max Schrems, denn auf diesem Weg erhalte man lediglich einen Bruchteil der tatsächlich gespeicherten Datensätze. Facebook wolle seine User nur abspeisen und für dumm verkaufen.

Ich habe mich mit Max Schrems letzte Woche in Wien getroffen

 

Die Entstehung des Berichts

Das Verfahren, das Max Schrems in Gang gebracht hatte, ist für Irland eine delikate Angelegenheit. Zum einen betont der Bericht die Bedeutung des Standortfaktors Irland als Hauptquartier für die weltweiten Geschäfte von Facebook. Zum anderen sahen sich die Beamten aber gezwungen, den rund 600 Datenschutzbeschwerden nachzugehen, die in der Behörde eingegangenen waren.

Die dem Bericht zugrundeliegende Vor-Ort-Untersuchung in den Geschäftsräumen von Facebook Irland hat an 6 Tagen im Oktober, November und Dezember stattgefunden. Es wird betont, dass Facebook uneingeschränkt mit der Behörde kooperiert habe. Anwesend seien dabei auch einige Vertreter von Facebook Inc. aus Palo Alto gewesen. Entgegen der sonst üblichen Praxis habe Facebook ausdrücklich zugestimmt, den Untersuchungsbericht zu veröffentlichen.

Wissenswertes über Facebook Irland

Facebook beschäftigt in Dublin rund 400 Mitarbeiter. Die meisten davon gehören zur Abteilung “User Operations”, ein international zusammengewürfeltes Team, das u.a. dafür sorgt, dass die Plattform in den jeweiligen Ländern reibungslos läuft und um Beschwerden nachzugehen. Das “Intellectual Property Team” gehe Copyright-Verstößen nach (im Schnitt 60 Anzeigen täglich). Ein Monitoring-Tool überwache selbständig den Datenstrom nach verbotenen Inhalten, z.B. Kinderpornographie. Das „Inspection Team“ kümmere sich um Fake-Accounts. Der Bericht listet auch die Schulungen auf, die ein Facebook-Mitarbeiter in Irland durchlaufen muss, darunter ein Kurs mit dem Titel “Confidentiality, Respect and Ethics at Facebook”.

Third-Party-Apps: Per default auf Weitergabe der Nutzerdaten gestellt

Die Weitergabe von Daten ist Programm

Der Bericht befasst sich detailliert mit Datenschutz-relevanten Fragen der Facebook-Seiten. So wird beispielsweise explizit darauf hingewiesen, dass die Voreinstellungen für Third-Party-Apps (Spiele, Quizes etc.) ab Werk so programmiert sind, dass sie nahezu das vollständige Profil eines Nutzers für externe Anbieter freigeben. Will heißen: Informationen wie Geburtstag, Familienstand, Status-Updates, besuchte Links, Fotos, Videos etc. werden an Dritte automatisch weitergereicht.

Das gelte auch für die sog. “Instant Personalization”, das heisst: ist ein Facebook-User eingeloggt, werden gewisse Daten an Facebook-Partnerseiten weitergegeben, ohne dass das der Nutzer mitbekommt. Auch diese Funktion sei ab Werk „scharf“ geschaltet und müsse nachträglich vom Nutzer deaktiviert werden.

Jede Menge Empfehlungen…

Der Bericht listet eine Reihe von Punkten auf, die ausdrücklich als “Recommendations” bezeichnet werden, also Empfehlungen. Zu diesen “Empfehlungen” gehören ganz allgemein etwa:

  • eine verständlichere Datenschutzerklärung
  • eine prominentere Platzierung der Datenschutzinformationen
  • verbesserte Auswahlmöglichkeiten für den Nutzer anhand dieser Informationen

In Bezug auf die Weitergabe von Daten an Werbetreibende, „empfiehlt“ die Behörde folgende Verbesserungen:

  • Mehr Transparenz im Umgang mit Nutzer-Targeting durch Werbetreibende
  • Kein Anhäufen von Daten durch Social Plugins für Targeting
  • Social Ads-Einstellungen zusammen mit Privacy Einstellungen auflisten
  • Keine Weitergabe von Fotos und anderen Daten an Drittanbieter ohne ausdrückliche Zustimmung
  • Keine zeitlich unbegrenzte Speicherung von geklickten Werbeanzeigen

 

Nur die Spitze des Datenbergs

Was das Ausmaß der Daten betrifft, die Facebook über seine User (und nicht-User!) ansammelt ist beträchtlich. Die irische Datenschutzkommission schreibt dazu wörtlich:

“As outlined elsewhere, the sheer size of Facebook and FB-I and the consequent complexity of user data held is a significant issue.”

Die Behörde betont, dass Facebook dazu verpflichtet sei, sich an das geltende Recht zu halten und den Nutzern fristgerecht die über sie gespeicherten Daten zur Verfügung zu stellen.

Hierzu schreibt die Behörde:

“Therefore, either the data must be available on the requester’s profile page, their activity log, which is a feature of the new user Timeline, or via the download tool. From a transparency perspective, it is desirable that most, and ideally all, of a user’s data should be available without having to make a formal request. FB-I therefore will be implementing a number of enhancements to the activity log to provide users with access to and control over information about them.”

Dazu die “Empfehlung” der irischen Datenschutzkommission:

Daten, die zur Identifizierung einer Person beitragen, sind dem Nutzer fristgerecht zu liefern – sprich: Facebook muss den über 40.000 Nutzern, die eine Kopie der Datensätze verlangt haben, sämtliche relevanten Daten herausgeben. Inklusive Gesichtserkennungsdaten und allen anderen im Hintergrund gespeicherten Daten.

Im Weiteren befasst dich die Behörde sehr ausführlich mit der Anhäufung von User-Daten durch Social-Plug-Ins, dem Taggen, Poken oder dem Einladen zu Gruppen. Folgende “Empfehlungen” werden dazu ausgesprochen:

  • Nutzer müssen besser über die Konsequenzen dieser Anwendungen aufgeklärt werden
  • Nutzer sollen in die Lage versetzt werden, Markierungen vollständig löschen zu können
  • Daten müssen gelöscht werden, wenn sich der Grund für die Erteilung dieser Erlaubnis, erübrigt hat
  • Facebook muss seinen Nutzern besser erklären, dass auch Browser-Einstellungen, Orte und Gerätedaten des Unsers gespeichert werden
  • Die Datennutzung von “Social Plug-Ins” wie zB. der “Like-Button” darf nur mehr sehr eingeschränkt vorgenommen werden. “Tracking” von Nutzern mittels des “Like-Buttons” darf nicht (mehr) vorgenommen werden
  • Von IP-Adressen welche via Social-Plugins gesammelt werden müssen die letzten die Zahlen gelöscht werden
  • Die Nutzer müssen eine Möglichkeit erhalten Daten wirklich zu “löschen”. Bisher wurden gelöschte Daten weiter von Facebook behalten
  • Eingaben im “Suche”-Feld auf Facebook müssen nach maximal 6 Monaten gelöscht werden
  • Nutzer müssen mehr Kontrolle über Einladungen zu Gruppen erhalten

Was den letzten Punkt betrifft, hat sich Facebook Irland ausdrücklich dazu bereit erklärt, die Möglichkeit zu überarbeiten, dass man Mitglied einer Gruppe werden kann, ohne hierzu seine Zustimmung gegeben zu haben.

Große Datenschutz-Probleme sieht die irische Behörde in Facebooks Umgang mit sog. Third-Party-Apps. Die Liste der “Empfehlungen” sieht vor:

  • Nutzer müssen ausreichend über die Weitergabe ihrer Daten an Drittanbieter aufgeklärt werden
  • Die Informationen über die Datenschutzrichtlinien bzgl. Third-Party-Apps müssen deutlicher hervorgehoben werden
  • Die Erlaubnis an eine App, auf Nutzerdaten zugreifen zu können, darf nicht von einer anderen App desselben Anbieters übernommen werden

Gesichtserkennung

Im Zusammenhang mit der automatisierten Gesichtserkennung bzw. der Möglichkeit, dass Nutzer von Dritten getagt werden können, moniert die Datenschutzkommission lediglich das Versäumnis von Facebook, die Funktion freigeschaltet zu haben, ohne die Nutzer rechtzeitig über diese Neuerung aufgeklärt zu haben.

Interessanterweise sehen sich die Iren darüber hinaus nicht genötigt, in diesem Punkt weitere Schritte zu unternehmen, da das irische aber auch EU-Datenschutzrecht den Umgang mit biometrischen Daten offenbar nicht näher regelt:

“Biometric data are not among the data categories given special protection in the Irish Data Protection Acts or in the EU Data Protection Directive. Our consideration of this issue must also have regard to case law23 in Ireland regarding the use of biometrics. This case law has not considered that the processing of biometric data requires explicit consent.”

Löschen heißt Löschen – endgültig!

Was das Löschen von Nutzerkonten betrifft, so “empfiehlt” die Behörde nachdrücklich, dass es für den Nutzer möglich sein muss, sein Konto und seine Daten unmissverständlich und vollständig löschen lassen zu können. Und das binnen einer Frist von 40 Tagen. Facebook habe erklärt, an “Möglichkeiten” zu arbeiten, dieser Anforderung “in einer akzeptablen Weise” nachzukommen.

Fazit

Die irische Datenschutzkommission will die Verbesserungsanstrengungen seitens der Firma gemäß der o.g. “Empfehlungen” im Juli 2012 überprüfen und somit Facebook dazu bewegen, den Datenschutz seiner Nutzer in Zukunft ernster zu nehmen.

Die Reaktion von “Europe vs. Facebook”

Max Schrems, der Initiator von “Europe vs. Facebook”, zeigt sich in einer ersten Reaktion zufrieden. Die Ergebnisse des Berichts deckten sich über weite Strecken mit den von ihm angezeigten Vergehen gegen den Europäischen Datenschutz, so der 24jährige in einer Erklärung. “Wir sind überaus glücklich über diesen ersten Schritt.” Gleichzeitig weist er aber darauf hin, dass der Untersuchungsbericht in Zusammenarbeit mit Facebook verfasst worden und daher nicht als unparteiisch zu betrachten sei. In den letzten Tagen habe es massive Verhandlungen zwischen Facebook und der Behörde. gegeben, um sich auf einen gemeinsamen Berichtzu einigen.

Die Reaktion von Facebook

Facebook selbst reagiert auf den Bericht, der mit Zustimmung von Facebook veröffentlicht wurde, erwartungsgemäß positiv. Die deutsche Pressestelle erklärte am Nachmittag: “Selbstverständlich hebt der Bericht auch einige Bereiche hervor, in denen wir uns noch verbessern und mit Best Practicses vorangehen können – aber dieses Empfehlungen basieren auf bereits bestehendem Datenschutz und Regelkonformität.” Facebook habe sich dazu verpflichtet, andere vorgeschlagene “Best Practice”-Lösungen entweder zu implementieren oder in Betracht zu ziehen. “Um diesen Verpflichtungen nachzukommen, wird in den nächsten sechs Monaten intensive Arbeit auf uns zukommen.”

Links:

Webseite der irischen Datenschutzbehörde

Original-Bericht der irischen Datenschutzkommission zum Download (PDF)

Eure Meinung?

7 Tage G!-schenke – Aktion beendet!

2011 – was für ein Jahr! Bevor ich über Weihnachten eine kleine Blogger-Pause einlege, hier mein kleines Dankeschön an Euch: Ab heute gibt es 1 Woche lang jeden Tag ein kleines Präsent auf dieser Seite, das Ihr gewinnen könnt. Einfach unter das Wunsch-Geschenk einen Kommentar hinterlassen (E-Mail wird nicht veröffentlicht)..

UPDATE 21. Dezember: AKTION BEENDET!

Tag 7

Save the best for last: Ein Päckchen mit dem Umfang einer CD-Box, nur dicker. Das ganze nicht besonders schwer. Der Inhalt: etwas elektronisches, was jeder gut gebrauchen kann. Für Menschen, die viel herumkommen und Leute, die viele Freunde haben. Wer errät was es ist, nimmt an der Verlosung teil. Deadline: heute (Dienstag, Mitternacht)

Tag 6

Christian Stöcker ist nicht nur ein Nerd wie er im Buche steht; er ist auch ein Nerd, der ein Buch geschrieben hat: Nerd Attack!, ein Titel, die Biografie einer ganzen Generation. Ich hatte das große Vergnügen Christian Stöcker (den ich zuvor nur von seiner Arbeit als Ressortleiter bei Spiegel Online kannte) im Frühjahr bei den Mainzer Tagen der Fernsehkritik. (Video). kennenzulernen. Toller Typ – kurzweiliges Buch. Ich habe eine druckfrische Ausgabe abzugeben, die mir vom Verlag zugeschickt worden ist. Kommentar genügt – Codename: NERD! Viel Glück bei der Verlosung.

Tag 5

Vicco von Bülow. Als Kind liebte ich seine Knonllnasen-Männchen. Als junger Journalist hatte ich einmal mit ihm zu tun, als ich einen Artikel für die Süddeutsche Zeitung mit einem Bild von Herrn Müller-Lüdenscheidt zieren wollte. “Tun Sie das”, ließ mich sein Büro wissen. “Sollte es ein Bildhonorar geben, spenden Sie das doch bitte einer wohltätigen Organisation.” – Bei den Münchener Medientagen gab es heuer die DVD-Kollektion seiner gesammelten Fernwseh-Werke, die ich mehr oder weniger alle schon besitze. Deshalb: Wer diese DVD-Box gerne als Geschenk hätte, kurzer Kommentar zu Loriot genügt. Die Verlosung findet kommenden Dienstag statt.


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Gibt es ein Leben nach Facebook?

Der geplante Börsengang von Facebook rückt näher, die Fronten zwischen Datenschützern und dem Sozialen Netzwerk verhärten sich. Facebook bringt in Washington, Brüssel und Berlin seine Lobbyisten in Stellung. Zeitgleich macht sich eine „Facebook Fatigue“ bemerkbar. Nutzer der ersten Stunde fragen sich: Gibt es ein Leben nach Facebook?

Michael Umlandt ist mit den Sozialen Netzwerken nicht einfach nur aufgewachsen. Er lebt sie. In seinem Lebenslauf schreibt der 24jährige: „Seit meiner Kindheit liebe ich das Internet“. Im Web wird er gefeiert als einer der beiden „Ghost-Twitterer” für das ZDF, auf Medienkongressen und in Workshops gibt er Tipps zum richtigen Umgang mit den digitalen Plattformen. Doch über die Jahre ist Umlandt müde geworden. Facebook-müde.

„Es nervt“ sagt Umlandt. „70 bis 80 Prozent, von dem, was meine ‚Freunde’ dort posten, ist mehr oder weniger sinnbefreit. Das will ich nicht mehr lesen.“ Michael Umlandt hat sich nicht komplett von Facebook verabschiedet, denn als Web-Experte für das ZDF betreut er dort noch zahlreiche Seiten. Seinen privaten Account aber hat er deaktiviert. Facebook Fatigue lautet der neue Trend. Ist Umlandt, der in Deutschland zur Social-Media-Avantgarde zählt, schon wieder ganz vorne mit dabei – diesmal beim großen Exodus?

“What if…”

Facebook genießt seit Jahren einen zweifelhaften Ruf in der Welt, nicht nur in Deutschland. Zu brachial die Methoden der Mitgliederanwerbung, zu oft wurden die Nutzer getäuscht, die gefühlten Grundrechte im Netz (vor allem das Recht auf Selbstbestimmung über die eigenen Daten) mit Füßen getreten. Die Rechnung des „Wachstums um jeden Preis“ ging auf – bis heute.

Irgendwann geht auch die längste Wachstumsphase zu Ende (Länderstatistik). Ist dieser Punkt erst einmal erreicht, zählt nur noch eines: Vertrauen. Und ausgerechnet hier hat Facebook Regenwald-große Flächen verbrannter Erde hinterlassen. Zuckerbergs Führungsstil aus Trickserei, Täuschung und unverhohlener Arroganz gegenüber seinen eigenen Produkten (“formerly known as the customers”) haben tiefe Furchen hinterlassen. Facebook, das asoziale Netzwerk.

“Das größte Datenschutzverfahren, das Irland jemals gehabt hat”

Klassische Medien registrieren die wachsende Anti-Facebook-Stimmung mit Genugtuung. Statt aufzuklären, tun sie ihr übriges, um die Ressentiments zusätzlich zu schüren. Ob Bild-Zeitung oder Tagesschau, die Etablierten lassen keine Gelegenheit aus, um das Freunde-Netzwerk in Zusammenhang mit den absurdesten Vorwürfen zu bringen (Facebook-Partys, Facebook-Morde). Kein Wunder. Sind es doch die großen Medienhäuser selbst, die ihren Kunden nachstellen wie kaum eine andere Branche.

Für Millionen-Summen handeln die Verlage mit Adressen und den sozio-demografischen Daten ihrer Leser. „Targeting“ nennt sich sowas im Marketing-Sprech. Das Problem: Während Facebook . seine Mitglieder. mit digitalen Präzisionslasern ausliest, schießen die Traditionalisten noch immer mit Schrotflinten (Nielsen, GfK, Media-Analyse etc.) auf nebulöse Zielgruppen. Preisfrage: Wären Sie ein großer Automobil-Konzern, wo würden Sie wohl in Zukunft ihre Anzeigen schalten?

“Facebook wird in große Erklärungsnot kommen”

Dabei täten die Medien gut daran, gewissenhaft über Facebook zu berichten, statt sich in seichter Stimmungsmache zu verlieren. Denn selbst in den USA scheint man in letzter Zeit genauer hinzusehen, wie sich Facebook über Datenschutz-Richtlinien, schwerwiegender noch, über das Wettbewerbsrecht hinweg setzt. Nach jahrelangem Tauziehen hat sich das Netzwerk jetzt gegenüber der FTC (Federal Trade Commission) in Washington dazu bereit erklärt, den Datenschutz seiner Nutzer ernster zu nehmen. Zuckerberg selbst räumt in einem Blogpost einen „bunch of mistakes“ ein und führt eigene Versäumnisse auf „poor execution“ zurück. Und so einigte man sich schließlich auf einen Vergleich. Facebook kam ungeschoren davon.

Doch neues Ungemach droht: 4 US-Kongress-Abgeordnete beider politischen Lager haben Mark Zuckerberg letzte Woche eine Frist bis zum 3. Januar gesetzt. Der Facebook-Chef soll Stellung beziehen zu weiteren, möglicherweise schwerwiegenden Datenschutz-Verstößen (siehe PDF-Datei). Dabei handelt es sich unter anderem auch um die Erkenntnisse eines gewissen Max Schrems, jenem Wiener Jura-Studenten, der Facebook dazu gezwungen hatte, die über ihn gespeicherten Daten herauszurücken (siehe Blogpost von September).

Störfeuer wie diese sind Gift vor dem geplanten Börsengang. Je näher der Termin rückt, desto mehr verspüren auch die Strategen in Palo Alto den Druck der Straße, namentlich von der Wall Street. Immerhin geht es hier um ein 10-Milliarden-Dollar-Unterfangen – dem größten IT-Börsengang aller Zeiten, da überlässt man besser nichts dem Zufall.

“Die reine Verarsche – Facebook füttert die Leute ab”

So hat Facebook dieses Jahr eine Reihe von hoch-dekorierten Spin-Doktoren in den Machtzentren der Welt in Stellung gebracht. In Washington beispielsweise vertritt seit Oktober Louisa Terell als Public-Policy-Direktorin die Interessen von Facebook; sie war einst rechte Hand von US-Vize-Präsident Joe Biden. Ebenfalls seit Oktober auf Facebooks Payroll: Erin Egan, Expertin für Datenschutzrecht und Staranwältin im „40 unter 40“-Ranking des National Law Journals. Zuvor sicherte sich Facebook die Dienste von Erskine Bowles (Chief of Staff, US-Präsident Clinton), Joe Lockhart (Sprecher von US-Präsident Clinton), Joel Kaplan (Assistent von US-Präsident George W. Bush) sowie von Marne Levine, Mitarbeiterin von US-Präsident Obama im Weissen Haus.

Im Dienste seiner Majestät und von Facebook: Baron Richard Allan (Foto: Facebook)

Auch in Europa ist Facebook Politiker-Shoppen gegangen und hat Lobbyisten in Flüsternähe zu den gesetzgebenden Parlamentariern installiert: Richard Allan, Mitglied im britischen House of Lords, vertritt Facebook als Director of Policy in Europa. Ihm zur Seite steht seit diesem Sommer Erika Mann, die nach den Wahlen 2009 aus dem Europa-Parlament flog. Die SPD-Politikerin gilt in Brüssel als gut vernetzt, Chef-Lobbyist Allan bezeichnet die Deutsche als ein „leuchtendes Beispiel, wenn es darum geht, den Dialog zwischen politischen Entscheidungsträgern in Europa und den USA zu verbessern“. In den Berliner Freundeskreisen wirbt bereits seit Frühjahr die „politische Salonistin“ Eva-Maria Kirschsieper einflussreiche Freunde für das Freunde-Netzwerk.

Derlei Anstrengungen kommen nicht von ungefähr.. Die Europäische Union arbeitet zur Zeit unter der EU-Justizkommissarin Viviane Reding an einer neuen Datenschutzverordnung. Das Papier sollte erst Ende Januar veröffentlicht werden, doch schon jetzt macht eine Kopie der Regulierungsvorlage die Runde. Der 116-Seiten-starke Entwurf (PDF-Datei) räumt den Nutzern Sozialer Netzwerke weitreichende Rechte zur Kontrolle der persönlichen Daten ein und sieht auch ausdrücklich ein „right to be forgotten“ und ein „right of erasure“ vor, also die Möglichkeit, einmal eingestellte Inhalte zu einem späteren Zeitpunkt verbindlich wieder löschen zu können.

Max Schrems von der Initiative Europe vs. Facebook hält die Vorlage der EU-Kommission für „spannend“, sieht vor allem in der Androhung von empfindlichen Strafen einen ersten Schritt, die Konzerne zum Einlenken zu bewegen. Der 24jährige macht sich aber auch keine Illusion darüber, dass es sich bislang nur um einen Entwurf handle. Bis eine solche Richtlinie erst einmal in nationales Recht umgesetzt werde, sei es noch ein langer Weg.

“Datenschutz ist der neue Umweltschutz”

Schrems sieht eines der Hauptprobleme darin, dass sich nur die wenigsten Politiker mit diesem Thema auskennen. Dabei vergleicht der Wiener Jura-Student das Thema Datenschutz mit dem Aufkommen der Umweltbewegung in den 60er Jahren. Damals sei es noch undenkbar gewesen, dass jemand, der Chemie in den Bach kippt, ernsthaft zur Rechenschaft gezogen wird. Genauso verhalte es sich heute mit dem Datenschutz. “Heute ist es noch unvorstellbar dass, jemand, der Millionen Kundendaten einfach so ins Internet stellt, ins Gefängnis geht.”

Michael Umlandt vom ZDF kann das alles egal sein. Er will sich in Zukunft mit Twitter begnügen und genießt die neu gewonnene Facebook-Freizeit mit anderen Dingen. „Es ist schon so, dass man öfter mal während der Arbeit auf sein Profil geht, um zu sehen, was sich dort getan hat“, sagt er. Das falle jetzt weg. Ob er sich ein Leben ohne Facebook überhaupt noch vorstellen kann? „Es gab ein Leben vor Facebook und es wird auch ein Leben nach Facebook geben“, sagt der Profi-Twitterer im Dienste des öffentlich-rechtlichen Fernsehens. Wie lange er es durchalten wird, will ich noch von ihm wissen: „Schaun mer mal!“

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Analoge Mauern

Wie steht es um die Netzpolitik in Deutschland? Der Mobilfunkanbieter BASE hat den parlamentarischen Geschäftsführer der CDU/CSU-Fraktion, Peter Altmaier und mich zum UDL DigitalTalk Unter den Linden eingeladen. Ein paar Gedanken, die ich mir auf der Heimreise dazu gemacht habe. UPDATE: jetzt mit Video (s.u.)

Foto: Manuel Höferlin

Lange Zeit besaß die Netzpolitik unter der Reichstagskuppel einen Stellenwert wie einst das Ressort Frauen und Gedöns unter Kanzler Schröder. Das ist heute anders. Nicht nur, dass der Regierungssprecher twittert, jeder zweite Bundestagsabgeordnete besitzt ein iPad, Politiker posen und posten bei Facebook um die Wette. Wenn dann auch noch einer wie Peter Altmaier, erster parlamentarischer Geschäftsführer der CDU/CSU-Fraktion, sich seit kurzem an die Netz-Gemeinde ranschmeißt, weiß man, was die aktuelle Stunde geschlagen hat: Das Internet ist in Berlin Mitte angekommen.

Ob Stuttgart oder Tahrir: Die Politik hat erkannt, dass man sich in Zeiten der Echtzeit-Kommunikation dem Wut/Mut-Bürger nicht länger entziehen kann, sondern dass man sich diesen Leuten irgendwie stellen muss. Im Netz genießen die etablierten Parteien einen noch schlechteren Ruf als ohnehin schon. Das Misstrauen ist groß, sogar gegenüber den einstigen Rebellen, den Grünen. Der Preis, den man zahlen muss, wenn man auf dem Weg zur Macht zu oft die eigenen Ideale verrät? Auch Peter Altmaier hat im Bundestag für Netzsperren, Bundestrojaner und die Vorratsdatenspeicherung gestimmt. Und das obwohl er die Freiheit des Netzes selbst so prima findet?

„Fraktionszwang“ bezeichnen die Abgeordneten diesen Gruppendruck bei der Abstimmung. Eine von vielen Fragen, die ich aufgrund meiner Aufgekratztheit an dem Abend leider nicht gestellt habe: Wer, wenn nicht die Fraktionsspitze, hat wohl Einfluss auf den Fraktionszwang?

Eine andere beliebte Erklärung, die ich vor allem im Zusammenhang mit Themen wie der Vorratsdatenspeicherung und dem Bundestrojaner immer wieder höre: „Ich habe über das Thema zu wenig gewusst“. Internet-Kompetenz sei im Parlament nämlich gar nicht so entscheidend, lerne ich. Viel mehr gelte in den Fraktionen die Devise: „Stimmst Du für mein Gesetz, dann stimme ich auch für Deins.“ Umgekehrt werden Ideen, die man zwar für richtig hält, abgelehnt, wenn sie vom politischen Gegner stammen (manchmal sogar vom eigenen Koalitionspartner). Angesichts solcher Polit-Pirouetten, wen überrascht es, wenn die Piraten-Partei in Umfragen bundesweit bei 10 Prozent liegt?

Netzpolitik, da geht es nicht etwa um das Internet, nicht um Smartphones oder um Computer. Es geht um Menschen und ihre Meinungen, um Transparenz und um mehr Teilhabe. Ein Konzept, mit dem sich so manch ein Machtpolitiker in Berlin noch schwer tut. Immerhin, so zumindest mein erster, flüchtiger Eindruck: Die analoge Mauer beginnt zu bröckeln.

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Face off: Facebook bezeichnet persönliche Daten als “Betriebsgeheimnis/geistiges Eigentum”

Montag habe ich Euch die Initiative Europe vs. Facebook vorgestellt. Der Jura-Student Max Schrems hatte einen Weg gefunden, wie er Facebook dazu zwingen kann, seine persönlichen Nutzer-Daten herauszugeben. Jetzt geht Facebook in die Offensive und behauptet: Manche Nutzerdaten seien mit “Betriebsgeheimnissen” verknüpft und somit “geistiges Eigentum” von Facebook. Auch an die gesetzliche Frist von 40 Tagen könne man sich nun nicht mehr halten, offenbar wegen Überlastung.

Update 16:15 Uhr: Erklärung von Facebook (s.u.)

Selten hat mein Blog einen solchen Ansturm erlebt wie diese Woche. Der Blogpost über die Initiative der Studentengruppe “Europe vs. Facebook” erzeugte mehr Traffic als alle meine iPad, iPhone oder Ägypten-Blogposts zusammen. Das nur als Info an Euch, ohne das an dieser Stelle näher bewerten zu wollen.

Biometrische Daten: “geistiges Eigentum” von Facebook?

Heute Morgen hat Max Schrems eine E-Mail von Facebook erhalten. Der Inhalt hat dem 23jährigen die Sprache verschlagen: Facebook bezeichnet die persönlichen Daten von Max Schrems und seiner Mitstreiter als “trade secrects or intellectual property”. “Ich will keine Betriebsgeheimnisse von denen”, erklärt mir Schrems in einem Gespräch heute Vormittag, “sondern lediglich meine eigenen Daten einsehen dürfen”.

Hintergrund: Max Schrems hat sich den 1200 Seiten langen Datensatz (Download als geschwärztes PDF), den er von Facebook auf CD-Rom erhalten hatte, genauer angesehen und festgestellt, dass wichtige Daten fehlen. So zum Beispiel Angaben über die in jüngster Zeit gerne diskutierten “Likes”, die Facebook einzelnen Personen zuordnet, aber auch durchaus delikatere Informationen, z.B. seine biometrischen Daten, erhoben durch die in diesem Jahr freigeschalteten Gesichtserkennung von Facebook.

Hier die Original-Mails als PDF

“Deppat san’s halt”, lacht Max Schrems, als ich heute mit ihm gesprochen habe. “Sowas kann nur ein Jurist formuliert haben”, sagt er “jemand anderes würde sowas nie schreiben.”

Frist ignoriert wegen: ‘is’ nich!’

In einem weiteren Schreiben erklärt Facebook nun, dass man sich nicht mehr an die 40-Tages-Frist zur Herausgabe von persönlichen Daten gebunden fühle, wegen Überlastung.

Max Schrems und seine 10 Mitstreiter aus Wien lassen nicht locker und stehen im engen Kontakt mit den Irischen Behörden, wo man den Fall offenbar sehr ernst nimmt. “Die arbeiten hoch professionell”, so Schrems. “Wir telefonieren machmal sogar mehrmals am Tag.”

Hinweis: Ich habe die deutsche Pressesprecherin von Facebook und die zuständige PR-Agentur telefonisch und auch schriftlich um eine Stellungnahme gebeten. Diese reiche ich hier nach, sofern ich überhaupt Antwort bekomme.

Update: Hier nun die offizielle Stellungnahme von Facebook, die mir soeben zugeschickt wurde:

“Facebook has sent. over 1000 pages of data to Mr Schrems in response to his subject access request and we believe that this meets the requirements of EU data protection law. It is therefore nonsense to say that we are not willing to provide him with his personal data. . Mr Schrems was not happy with all of this data that we provided to him and has asked for a range of additional data items. . We replied to him to explain fully the relevant provisions in Irish data protection law that place some reasonable limits on the data that has to be provided.. We are cooperating fully with the Irish Data Protection Commissioner who will come to a view on Mr Schrems’ complaint in due course.”

“Als Antwort auf die Anfrage (“subject access request”). von Herrn Schrems hat Facebook ihm mehr als 1.000 Seiten Datenmaterial zugeschickt und wir gehen davon aus, dass dies den Anforderungen des EU-Datenschutzrechts genügt. Es ist daher unsinnig zu behaupten, dass wir nicht bereit seien, ihm seine persönlichen Daten zu geben. Herr Schrems war mit den ihm zugesandten Daten nicht zufrieden und hat uns um eine Reihe zusätzlicher Informationen gebeten. Wir haben ihm daraufhin geantwortet und ihm die die relevanten Bestimmungen des irischen Datenschutzrechts erläutert, die in Bezug auf die Daten, die geliefert werden müssen, einige begründete Einschränkungen machen. Wir kooperieren im vollen Maße mit dem irischen Datenschutzbeauftragten, der sich zu gegebener Zeit mit der Beschwerde von Herrn Schrems befassen wird.“

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Facebook: So holst Du Dir Deine Daten

Facebook speichert alles aber löscht nichts, wie Datenabgleiche jetzt belegen. In diesem Blogpost zeige ich Dir, wie auch Du Einsicht in Deine gesammelten Facebook-Daten bekommst, sozusagen der ungeschminkten Story Deines Lebens. Update: Die unten beschriebene Anleitung funktioniert nicht mehr. Facebook hat die Prozedur seit Veröffentlichung dieses Blogposts mehrfach verändert. Am 21. Dezember 2011 hat die irische Datenschutzkommission den ersten Untersuchungsbericht zu Facebook veröffentlicht. 

Meine neue (noch nicht aktivierte) “Timeline” bei Facebook

 

 

 

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Max Schrems aus Wien hat Facebook angezeigt – in 22 Punkten. Der 23jährige Jura-Student hat das erreicht, was nicht einmal die deutsche Bundesministerin Ilse Aigner mit ihren PR-Stunts bewirkt hat: die Ankündigung einer Betriebsprüfung bei Facebook. Seine Initiative Europe vs. Facebook fordert mehr Transparenz und vor allem die Möglichkeit, Fotos oder Texte, die man irgendwann mal bei Facebook eingestellt hat, unwiederbringlich zu löschen. “Das ist bis heute nicht möglich”, so Schrems.

1200 Seiten Daten in 3 Jahren

Zum Beweis hat Max Schrems jüngst seine eigenen Daten von Facebook angefordert. Nach einigem hin und her hat er diese dann auch tatsächlich erhalten, per Post. Die CD-Rom aus den USA enthielt ein PDF-File mit 1200 (!) Din A4-Seiten, darin Login-Daten, Browser-Infos, Ortsangaben, Status-Posts, Chat-Protokolle und Mails, von denen er dachte, sie seien schon längst gelöscht worden. Datenmaterial aus 3 Jahren Mitgliedschaft bei Facebook.

Ich habe mich mit Max über seine Initiative unterhalten und wollte von ihm auch wissen, was er von Zuckerbergs letztem Streich, der Facebook Timeline, hält. Hier das (leicht gekürzte) Skype-Gespräch im YouTube-Film:

Should I stay or should I go now?

Die einen treten demonstrativ bei Facebook aus, die anderen resignieren und meinen, sie können ja ohnehin nichts bewirken. Ich bin anderer Meinung. Ich bin gerne bei Facebook – wünsche mir aber mehr Rechte im Umgang mit meinen eigenen Daten – vor allem, dass diese auch tatsächlich gelöscht werden, wenn ich das wünsche.

So beantragst Du Einsicht in Deine Daten bei Facebook

Die einzige Sprache, die Facebook versteht, ist Arbeit. Arbeit, die der Konzern mit seinen Usern hat, die ihre Daten einsehen möchten. Diese Daten MUSS Facebook bereitstellen, wenn er nicht EU-Recht brechen will. Deshalb hat Facebook diese Möglichkeit”auf dem Papier” eingerichtet, diese Funktion aber so gut versteckt, dass sie quasi nicht gefunden werden kann.

Max Schrems hat sie gefunden – und mir erklärt wie es funktioniert:

1. Besuche diesen Link https://www.facebook.com/help/contact.php?show_form=data_requests

Fülle die Daten wahrheitsgemäß aus (korrigiere Geburtsdaten/-Angaben auch bei Facebook, solltest Du dort falsche Angaben gemacht haben).

2. Bei dem Punkt „Zitiere das Gesetz,wonach Du Daten beanspruchst“ trage die folgenden Artikel ein:

Section 4 DPA oder Art. 12 Directive 95/46/EG

3. Lade das Foto (Handyfoto genügt) Deines gültigen Personalausweises bzw. Reisepass hoch und stimme der eidesstattlichen Erklärung zu.

4. Wenige Tage später erhältst Du eine E-Mail (s.Bild), die den Eingang Deines Antrags bestätigt (Wenn nicht: Schritte 1-3 wiederholen!).

Einige Wochen später solltest Du per Post eine CD-ROM aus den USA erhalten, auf der sich eine PDF mit (angeblich) allen bei FB über Dich gespeicherten Daten in PDF-Form befindet.

 

UPDATE (Dezember 2011):

Facebook hat die o.g. Funktion aus dem deutschen Angebot entfernt. Stattdessen wird auf den Facebook-Seiten neuerdings ein Download der eigenen Daten angeboten. Max Schrems hat diese Daten untersucht und ist zu dem Ergebnis gekommen, dass es sich hierbei nur um einen Bruchteil der tatsächlich gespeicherten Daten handelt – siehe dazu auch das Interview auf dem Blogpost  “Leben nach Facebook?” (11. Dezember)

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G!winnen: WIRED Deutschland

Thank God Its Friday! Auch dieses Wochenende gibt es bei mir was zu gewinnen: WIRED Deutschland für das iPad – einfach einen Kommentar hinterlassen.

Update Samstag, 17. September 2 Uhr: Die Verlosung ist beendet – herzlichen Glückwunsch Flo #23, Junk_f #34 und Björn #45

Amazing. Awesome. Incredible. – Zu WIRED Deutschland wurde bereits alles geschrieben, wenn auch nicht von jedem. Da ich eine eigene Kolumne bekleiden durfte für dieses beste Magazin, wo überhaupt auf der Welt gibt, könnte man mir vorwerfen, ich sei befangen. Deshalb spare ich mir jedes weitere Wort zu dieser brillanten, blitzgescheiten Magazin-Adaption. Wer einen von 3 Codes für eine Gratis-Ausgabe dieses unglaublich grandiosen Stücks Geek-Literatur auf seinem iPad haben möchte, der schreibe doch bitte einen Kommentar (E-Mail wird nicht veröffentlicht). Es schadet dabei nicht, zu erwähnen, wie toll er/sie WIRED findet und alle, die an diesem publizistischen Kunstwerk mitgewirkt haben…

Viel Glück ;-)

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Wanted: Ein TV-Format mit Zukunft

Die TV-Macher haben die Sozialen Netzwerke entdeckt – kaum eine Sendung ohne eigene Facebook-Seite oder Mitmach-Ecke. Doch ist das die Antwort auf den Medienwandel? Wie müsste ein TV-Format aussehen, das Internet und Fernsehen sinnvoll verbindet? Genau das möchte ich herausfinden – und zwar mit Euch.

Ob auf den Mainzer Tagen der Fernsehkritik oder auf dem Berliner Blogger-Kongress re:publica –. überall, wo ich hinkomme, wird mir die Frage gestellt: Wie wird es aussehen, das Fernsehen der Zukunft? – Als ob ich das wüsste! Auf meinen Reisen durch Israel, das Silicon Valley und zuletzt Los Angeles habe ich viele Medien-Macher getroffen. Eine Coca-Cola-Formel habe ich nicht gefunden – dafür aber eine Antwort auf die Frage, was für eine Sendung ich selbst gerne moderieren würde.

Alter Wein…

Wenn TV-Sender auf der Suche nach einem neuen Format sind, lassen sie sich ihre Konzepte gerne von Produktionsfirmen schreiben. Der Nachteil eines solchen Ideen-Outsourcings: Meist wird dabei das Talent, über das man in den eigenen Reihen verfügt, nicht abgerufen.. Eine andere Herangehensweise: Man entwickelt ein Konzept hinter verschlossenen Türen. Wenn alles steht, werden über eine Agentur Moderatoren gecastet, die mit der Entwicklung der Sendung nichts zu tun haben. Ein Pilot wird produziert und schließlich einem Testpublikum vorgeführt.

An einem Punkt kranken beide Ansätze: an unserem eigenen Tunnelblick. Wenn TV-Profis mit TV-Profis zusammensitzen, ist das Ergebnis oft vorhersehbar. Hinzu kommt: Beim Fernsehen arbeiten viele Menschen und nicht immer geht es bei der Entwicklung neuer Formate allein um kreative Ideen oder um das Publikum, sondern auch um Budgets, um Macht und Zuständigkeiten.

Jason Yim, Gründer von Trigger, programmiert TV- und Kino-Apps in Hollywood – Filmmusik-Komponist Hans Zimmer hat ihn ‘entdeckt’

Neustart

Gerade wir Öffentlich-Rechtliche (ich bin freier Mitarbeiter beim Bayerischen Rundfunk) sollten den Anspruch haben, bei der Vergabe neuer Programmplätze größtmögliche Transparenz zu bieten. Die Kollegen von ZDFneo, für die ich zuletzt auch bloggen durfte, haben es vorgemacht: In ihrem ZDFneo-Lab haben sie diesen Sommer 10 TV-Formate vorgestellt, über die das Publikum abstimmen konnte.

Die Wiederentdeckung des Publikums – Pionier dieser Bewegung in Deutschland ist Mario Sixtus, der sich mit dem Kult-Format „Der elektrische Reporter“ (ZDF/3sat) nicht auf seinen Lorbeeren ausgeruht hat. Auf blinkenlichten.com hat er dieses Jahr gleich ein halbes Dutzend (!) neuer Mini-Serien vorgestellt und von den Zuschauern bewerten lassen. Ich selbst hatte das Vergnügen, für einen dieser Piloten vor der Kamera zu stehen und war begeistert über den gewaltigen Output von Mario und seinem Team (allen voran Julius Endert und Markus ‚Videopunk’ Hündgen).

Der Blinkenlichten-Dummy “ePolitik”

Mit meinem Konzeptentwurf möchte ich die Idee von Mario & Co nun noch um eine Umdrehung weiter spinnen und die Frage stellen:

…warum nicht das Publikum am Entstehungsprozess einer Formatidee von Anfang an beteiligen?

Alle reden von mehr Mitbestimmung – Warum den Zuschauer nur mit Rundfunkgebühren am Programm beteiligen – und nicht auch mit seinen Ideen?

Die Umsetzung

Natürlich könnte man es sich an dieser Stelle einfach machen, sich zurücklehnen und sagen: „Okay, liebe Zuschauer, dann macht mal schön. Immer nur her mit Euren Ideen!“ Aber ich bin schon lange genug im TV- aber auch Blog-Geschäft, um zu wissen, dass das so nicht funktioniert.

Die vergangenen Wochen habe ich damit verbracht, ein Konzept zu entwickeln, das als Ausgangsbasis dienen soll, für eine Sendung die ich gerne präsentieren möchte. Bei der Ausarbeitung diese „Rohlings“ standen mir einige TV- und Web-Experten zur Seite, von denen ich viel halte und die mich auch von der einen oder anderen Schnapsidee wieder abgebracht haben.

Das Blog

In einem neu eingerichteten Blog möchte ich dieses Konzept vorstellen und öffentlich diskutieren. Dabei möchte ich Euch schon in der Entwicklungsphase als Moderator dienen, damit Ihr wirklich zu Wort kommt, und die wirklich besten Ideen in das Konzept einfließen. Ich werde Euch regelmäßig über alle Fortschritte auf dem Laufenden halten und dafür kämpfen, dass wir mit diesem Format noch möglichst dieses Jahr einen Piloten produzieren können.

Follow us

Solltet Ihr Lust haben, mit mir und meinem Team eine Sendung zu entwickeln, die Ihr auch selbst gerne sehen würdet – auf diesen Wegen könnt Ihr ganz schmerzlos mithelfen:

  • Werdet Fan bei Facebook
  • Folgt uns bei Twitter (…eine Follow-Friday-Empfehlung wäre ein Ding!)
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  • Gebt uns Feedback, was Euch an dem bisherigen Konzept gefällt, was Ihr verbesserungswürdig haltet (Kommentare)

Werdet Teil einer TV-Show in the making!

Über schlechtes Fernsehen schimpfen kann jeder – lasst uns versuchen, es besser zu machen.

Wenn Ihr Fragen habt, erreicht Ihr mich bei Twitter, Facebook oder hier. richard(at)gutjahr.biz

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Das Jobs-Wunder

Immobilienblase, Bankenkrise, der Euro vor dem Kollaps. Wohin nur mit dem Ersparten? G!-Blogleser haben mir zu Weihnachten eine Steve-Jobs-Figur geschenkt – ein Investment, von dem manch ein Börsen-Profi träumen würde. Update: Apple stoppt Auktion (s. unten)

Zuerst war ich ja skeptisch, aber nachdem nun bereits die zweite Figur verkauft worden ist (für 1.000 US$), bin ich überzeugt: die Steve-Jobs-Figur, die Ihr mir zu Weihnachten geschenkt habt, ist der absoluter Renner! Mitte November hatte M.I.C.-Gadget die Steve-Statue über seinen Online-Store angeboten. Kurz darauf ließ Apple den Verkauf wg. Copyright-Verletzung verbieten.

Seitdem tauchen die bis dato verkauften Figuren bei eBay auf – und finden wohl auch vereinzelt Käufer. Ging der erste Steve noch für 850 US$ weg, liegt der Startpreis für einen Steve aus Bonn bei 1000 Euro. Für eine. Figur aus Kanada wird aktuell 1075 US Dollar geboten. Manch Anbieter will seine Steve-Devotionalie bereits für stolze 2500 US$ verkauft haben. In einigen Auktionen wird gar geschäftstüchtig behauptet, von der Figur seien nur 100 Stück im Umlauf. Das ist glatt gelogen. M.I.C.-Gadget aus Hong Kong hat auf meine Nachfrage via E-Mail erklärt, es seien 300 Exemplare verschickt worden.

Ob das stimmt, oder ob nicht doch heimlich mehr Figuren verkauft worden sind, ist schwer zu sagen. Aber der Wert eines Sammlerobjektes bemisst sich ja bekanntlich nicht an Fakten sondern an der Fan-Fantasie, und die kann, wenn es um Apple geht, schon mal Purzelbäume schlagen (…äh – hab ich gehört ;-).

Update 22. Dezember:

Laut Informationen von Apple Insider hat Apple offenbar eine der oben im Text genannten Auktionen aus eBay entfernen lassen. Dabei handelt es sich um das Angebot aus Kanada. Grund: das Objekt verstoße gegen das Recht am eigenen Bild (“violates a celebrity’s right of publicity.”) Als Kläger wurde in der Benachrichtigung von eBay explizit Apple, Inc. genannt. Eigenartig: die übrigen Auktionen laufen derweil ungehindert weiter.

9to5Mac berichtet von einer weiteren Löschung eines eBay-Angebotes. Der Händler ließ sich jedoch nicht beirren und stellte die Figur erneut bei eBay ein. Dreist kommt weiter: die Figur wurde prompt für 1500 Dollar per Sofortkauf ersteigert, noch bevor Apple bzw. eBay abermals in Aktion treten konnten.

Ein Steve für Gutjahr & 189,21€ für Kinder in Not

Die besten Geschenke macht man sich selbst – dieses Jahr habt Ihr mich beschenkt: mit einer Steve Jobs Figur und knapp 190 € für die Aktion Sternstunden. Damit steht zweifelsfrei fest: ich habe die besten Blogleser der Welt! Update: Steve ist da (Video ganz unten)

Es ist vollbracht! Die Aktion: “Ein Steve für Gutjahr” war ein voller Erfolg. Für mich, für Euch – und für einen guten Zweck. 58,44€ hatte ich gebraucht, um mich über Euch mit einer Steve-Figur zu beschenken. Zusammengekommen war am Ende mehr als das Dreifache: 189,21 € gehen an die Aktion Sternstunden. Im Namen der Kinder: herzlichen Dank! Und damit Ihr mir auch glaubt, dass ich das Geld wirklich weitergegeben habe, habe ich den Abbuchungsvorgang als Screencast mitgeschnitten.

Was jetzt noch fehlt: die Figur. Leider ist die noch nicht bei mir eingetroffen. Ihr habt ja vielleicht mitbekommen, dass Apple inzwischen den Verkauf hat stoppen lassen. Ich hoffe daher, dass mich die Figur noch erreicht. Vielleicht sogar noch vor Weihnachten? – I’ll keep you posted.

Update: Ja ist denn heut’ schon Weihnachten? Das Paket ist da – und wie versprochen – hier das dazugehörige Unboxing-Striptease-Video. Enjoy!

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WikiLeaks: Eure letzten Worte

Was wäre wenn …sich die Weltmächte zusammen täten, um das Internet abzuschalten? Via Twitter habe ich Euch um Eure letzte Botschaft an die Welt gebeten. Hier eine Auswahl Eurer finalen Tweets.

251.287 Dokumente, zum Teil als geheim eingestuft, frei zum Download im Internet. Die Regierungen müssen sich fühlen, als wären sie mal eben durch einen Nacktscanner gezogen worden. Der eigentliche Skandal dabei sind gar nicht die meist belanglosen Inhalte, sondern vielmehr die Tatsache, dass nicht einmal die Weltmacht USA mehr in der Lage zu sein scheint, ihre Daten unter Kontrolle zu halten.

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Ein neuer Star am Social Media Himmel

Du hast keinen Peil von Twitter – das Web-Zwo-Null ist für Dich ein Facebook mit 7 Siegeln? . Dann kann Dir nur noch einer helfen: SASHA ROI – der neue Star am Social Media Himmel. Ab heute jede Woche neu in diesem Blog.

Du bist ein großer deutsche Eisenbahn-Konzern und blamierst Dich mit Deiner Web-Kampagne. bis auf die Knochen? Du bist Schokoriegel-Hersteller und ein virales Öko-Video bringt Dich auf die Palme? Keine Bange, es besteht noch Hoffnung: SASHA ROI, der neue Star am Social Media Himmel.

SASHA ROI ist nicht irgendein Social Media Berater. SASHA ROI ist der Stratege, der das Internet nicht nur versteht – Sasha Roi IST das Internet!

Zögere nicht und folge jetzt SASHA ROI bei Twitter!

Lerne die größten Social-Media-Tricks von dem Mann, der Twitter monetarisieren und Steve Jobs einen Microsoft-Zune verkaufen könnte: SASHA ROI – Dein persönlicher Rettungsschirm, Deine letzte Bastion gegen alle Shitstorms dieser Erde. Weiterlesen