Schlacht ums Zwischennetz – Teil 1

Jede Legende hat einen Anfang. Dies ist die Geschichte dreier Glücksritter, die ausgezogen sind, den Journalismus zu retten. Oder sowas in der Art.

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Prolog

Es begab sich zu einer Zeit, in der die Welt nicht von Bits sondern von Blei regiert wurde. Wer das Blei hatte, hatte die Macht. Und wahrhaftig, einigen Herrschern war es gelungen, durch den Handel mit Blei-bedrucktem Pergament unschätzbare Reichtümer anzuhäufen.

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Doch die Tage des Bleizeitalters waren gezählt. Eine Plage, im Volksmund auch als “Zwischennetz” bekannt, breitete sich rasch über alle Kontinente aus, schneller noch als die Pest. Wer von ihr befallen war, wollte fortan kein Pergament mehr anfassen, schon gar nicht dafür bezahlen.

Expedition ins Ungewisse

So trug es sich zu, dass der mächtigste aller Könige aus dem Geschlecht der Springer-Dynastie drei Späher in das Reich des Bösen aussandte: ins Gugel-Land. Dort, im sagenumwobenen Silikontal, umgeben von seltsam gekleideten und übelriechenden Geeks, hielten die Kundschafter Ausschau nach einer Idee, wie sich in diesem Zwischennetz Geld verdienen lasse.

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Die Zauberlehrlinge und die Dunkle Magie

Um in der Ferne nicht aufzufallen, trugen die Drei ärmliches Kapuzengewand und reisten Holzklasse. Es dauerte nicht lang, da trafen sie auf den gefürchteten Zauberer Zuckerberg, Hüter des Gesichtsbuches. Jenem Teufelswerk, welches bereits die Hälfte der Menschheit unterjocht hatte und das sich von den Hirnströmen seiner Anhänger ernährte. Kai, der Kühnste der drei Abenteurer, fasste sich ein Herz und trat hervor: “Sagt an, oh mächt’ger Zuckerberg, wie lasset sich im Zwischennetz Geld verdienen?”

Fantastische Welten

Der Zauberer aber grinste nur, verwies auf das allwissende Orakel von Gugel. So zogen die Gefährten weiter. Auf ihrer Reise begegneten ihnen allmöglich’ wundersame Geschöpfe: Vögel, die Botschaften von hier nach dort transportierten, Regenbogen-Katzen, die durch die Luft glitten und dabei von eigenartigen Klängen begleitet wurden. Die Knochen taten den drei Wanderern schon weh. Wohl an, sie hatten einen Leistenschutz.

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Intermezzo: Ode an die Freude

Da sah der Kai ein Rösler stehen, Rösler auf der Weiden. Lief er schnell, es nah zu sehn, sahs mit vielen Freuden. Er drückte es, und herzte es, Rösler an der Leine. Rösler sprach: “Ich brauche Dich, Du weisst schon was ich meine”. Und der wilde Kai schlug, ‘s Rösler auf der Zeile; Rösler wehrte sich und stach, Half ihm doch kein Weh und Ach, Musst es eben leiden.

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In der Höhle des Löwen

Endlich am Ziel! Beim Anblick der aus bunten Legosteinen geschlagenen Gugel-Festung, lief den drei Glücksrittern ein Schauer über den Rücken. Hoch droben, über der höchsten Zinne, ragte ein gewaltiges Auge aus dem Gemäuer. Das Gugel-Glass-Auge, das niemals schlief und dem nichts verborgen blieb. “Was suchet Ihr?”, fragte eine synthetische Stimme scheinheilig, fast so, als ob sie die Antwort nicht schon längst wüsste.

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Der Bezahlwall

Monate später, als die Drei in ihre Heimat zurückgekehrt waren und von ihren Abenteuern berichtet hatten, schickte sich der König an, einen Wall um sein Reich zu ziehen. Die Bezahlmauer “BILD plus” sollte fortan helfen, das Gratis-Gesindel aus dem Zwischennetz fernzuhalten.

Neues Ungemach

Doch kaum war das Bollwerk errichtet, drohte auch schon neues Ungemach: Arianna, die Buchstaben-spuckende Drach(m)en-Dame, hatte damit begonnen, eine Armee aus Bloggern um sich zu scharen. Gemeinsam mit dem verfeindeten Clan der Burdas plante Arianna, das Springer-Land mit minderwertigen Gratis-Texten zu überfluten.

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Doch das ist eine andere Geschichte und soll ein anderes Mal erzählt werden.

Lesen Sie dazu auch: Leap of faith – die Legende der Legacy Media

Schöner Steuern hinterziehen mit Bitcoins

Schnell. Sicher. Anonym. Hätte Uli Hoeneß mal in Bitcoins investiert. Ein Zahlungssystem für Zocker, an dem sich die Steuerfahnder die Zähne ausbeißen. 

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Steuer-CDs und Zypern-Krise haben dazu geführt, dass Millionäre vermehrt ihr Geld von den Südsee-Inseln und aus der Schweiz abziehen und stattdessen in alternative Werte fliehen: in Bitcoins zum Beispiel.

Bitcoins (BTC) ist eine neuartige Form von Geld, das nur im Computer existiert. Weder gibt es Scheine, Münzen oder sonst irgendetwas, was das Finanzamt bei einer Hausdurchsuchung finden könnte. Es gibt keine Seriennummern und auch sonst keine Möglichkeit, ein Bitcoin einer bestimmten Person zuzuordnen. Bei Bitcoins handelt es sich um eine rein virtuelle Währung, die sich dadurch auszeichnet, dass sie auf einem völlig anderen Konzept basiert, als traditionelle Zahlungsmittel.

Bitcoins bestehen aus komplexen Rechenaufgaben, die über einen vorgegebenen Zeitraum von Computern rund um die Welt errechnet werden. Diese Prozessorleistung bildet die Grundlage der Bitcoins. Den Erschaffungsprozess neuer Münzen bezeichnet man als “Schürfen”. Der Vorteil von Bitcoins: Sie gelten als fälschungssicher und im Gegensatz zu traditionellen Geldgeschäften erfolgt der Transfer schnell, anonym und nahezu kostenlos.

Die Ursprungsidee der Bitcoins geht auf die 70er Jahre zurück. Realisiert wurde sie 2009 mit der Einrichtung des ersten Bitcoin-Kontos. Seitdem haben immer mehr Geschäfte Gefallen an der Idee gefunden und akzeptieren Bitcoins als Zahlungsmittel. Der Legende nach soll es sich bei der ersten Transaktion um den Kauf zweier Pizzen zum Preis von 10.000 BTC gehandelt haben.

Das Problem an dieser neuen “krisensicheren” Weltwährung: Weil sie sich noch in der Entstehung befindet, unterliegt sie heftigen Kursschwankungen. Ein weiterer Schwachpunkt: Während Bitcoins selbst nicht gehackt werden können, sind die Schlüssel zum Bitcoin-Konto überaus anfällig für Hacker. Unbekannten war es erst vergangene Woche wieder gelungen, die E-Mail-Konten von 12 Bitcoin-Besitzern zu knacken. Die Folge: Bitcoins mit einem aktuellen Gegenwert von rund 38.000 Euro – futsch!

Ob sich Bitcoins durchsetzen, hängt letzten Endes vom Vertrauen ab, das man dieser Währung entgegen bringt. Schon oft sind Experimente mit virtuellen Währungen gescheitert, weil die Menschen früher oder später spürten, dass ihr Geld durch keinerlei realen Werte gedeckt war. Also quasi ähnlich wie der Euro.

Wer von Euch hat Bitcoins? Spielt Ihr mit dem Gedanken, ein Konto anzulegen? 

Zum Thema: Apple, Google & Co: Die Offshore-Tricks der Online-Giganten

Apple, Google & Co: Die Offshore-Tricks der Online-Giganten

Der Schlag gegen 130.000 Steuerbetrüger war ein gigantischer Coup. Milliardenkonzerne wie Apple, Google, Amazon oder Starbucks kümmert das wenig. Sie zahlen so gut wie überhaupt keine Steuern. Und das völlig legal.

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Lassen Sie uns über Geld reden. Unser Steuergeld. Sie zahlen doch Steuern, oder? Ich frage deshalb, weil es mir manchmal so vorkommt, dass ich allein mit meinen Abgaben in den letzten Jahren einen Tiefbahnhof, eine Flughafen-Bauruine und halb Zypern finanziert habe.

Dass es auch anders geht, beweisen Technologie-Konzerne aus dem Silicon Valley. Apple hat nicht nur die Computerindustrie revolutioniert, sondern auch das Steuerrecht. Als zweit-profitabelstes Unternehmen der Welt zahlt Apple auf seine Milliardengewinne außerhalb der USA aktuell unglaubliche 1,9 Prozent Steuern. Für alle FDP-Wähler unter meinen Lesern, denen gerade das 7er Eisen aus der Hand gefallen ist, nochmal zum Mitschreiben: eins-komma-neun Prozent!

Möglich wird das durch einen ganz legalen Steuertrick, in Fachkreisen “Double Irish With a Dutch Sandwich” genannt – ein doppelter Ire mit Niederländer-Sandwich. Und das funktioniert so: Apple unterhält zwei Niederlassungen in Irland. Diese beiden Tochterunternehmen gehören einer weiteren Firma mit Sitz auf den Virgin Islands. Über zwei weitere Dependancen in Luxemburg und in den Niederlanden werden Patente, Lizenzen und sonstige Einnahmen z.B. aus den iTunes-Verkäufen verrechnet.

Mit ähnlichen Methoden gelingt es auch anderen Weltkonzernen, sich vor dem Fiskus arm zu rechnen. Über seine europäische Firmenzentrale in Luxemburg vermeidet Amazon Steuerzahlungen in Milliardenhöhe. Google musste 2010 von seinen Gewinnen außerhalb der USA gerade mal 3 Prozent Steuern abführen. Die US-Kaffeehauskette Starbucks zahlte in Deutschland 2011 (bei Einnahmen in Höhe von 117 Millionen Euro) keinen einzigen Euro Ertragsteuer (Ergänzung.: man verbuchte 5,3 Mio Verluste).

starbucks_cupGeschätzte Blogleser, Steuerzahler, Mitbürger! Lasst uns auf die Barrikaden gehen! Zeigen wir den Raubtierkapitalisten, was wir von diesen Methoden halten – was genug ist, ist genug!

…vorher muss ich aber noch schnell nach Hause. Der Starbucks-Kaffee neben mir ist schon ganz kalt, außerdem erwarte ich noch eine Lieferung von Amazon: eine Schutzhülle für mein nigelnagelneues Apple MacBook.

Null Blog

In Deutschland gibt es 10.000 Blogger. Sagt man. Wissen tut das freilich keiner, denn wir Blogger sind wenig organisiert, weder in Verbänden und auch sonst nicht im Leben.

big-blogViele Menschen zieren sich, ein Blog zu führen, weil sie meinen, ihnen fällt nichts ein oder sie können nicht schreiben. Als ob das professionelle Schreiberlinge je davon abgehalten hätte, Journalist zu werden.

Jürgen Domian ist einer, der aus seinem Herz keine Mördergrube macht (Franziskus-Fun-Fact: Der Ursprung dieser Redensart geht auf den frühchristlichen Blogger Matthäus zurück – Matth. 21,13 “Mein Haus soll ein Bethaus sein, ihr aber habt eine Mördergrube daraus gemacht!”). Der Kölner Talkradio-Moderator hatte sich kürzlich bei Facebook kritisch über den neuen Papst geäußert. Wenig später hatte Facebook seinen Text einfach gelöscht.

“Ungeheuerlich!” schimpfte Domian, das Freunde-Netzwerk aus den USA übe Zensur aus. Nicht das erste Mal, dass Facebook des willkürlichen Löschens bezichtigt wird. So hatte der Internet-Konzern vor einigen Monaten das Foto einer Nutzerin entfernt, weil der unverhüllte Ellbogen der Frau irrtümlich für eine blanke Brust gehalten wurde.

Im Netz tobt seitdem eine heftige Debatte darüber, ob Facebook das Recht hat, Inhalte seiner User zu löschen. Ja, sagen die einen, schließlich sei die Internet-Plattform kostenlos. Nein, sagen die anderen, das Recht auf freie Meinungsäußerung gelte auch für Facebook.

Wie so vieles im Leben kann das nicht einfach nur schwarz oder weiß sehen, sondern eher so 50 Shades of Grey. Wer kritische Kommentare auf Katja Riemanns Facebook-Seite postet, muss damit rechnen, dass die dort nicht lange stehen bleiben.

Ein Grund mehr, sein eigenes Blog zu betreiben. Hier ist man sein eigener Herr, kann über Gott und die Welt so ziemlich alles schreiben, was das Grundgesetz deckt. Eine Errungenschaft, die wir oft als selbstverständlich betrachten, und von der wir – wie ich finde – noch viel zu wenig Gebrauch machen.

Wir sollten nicht vergessen, dass es Länder geben soll, in denen Menschen ihr Leben riskieren, wenn sie öffentlich ihre Meinung kundtun (Weltkarte Pressefreiheit/PDF). Deshalb: Diskutiert mit – je konstruktiver desto besser! Mischt Euch ein! Bloggt! Ihr habt sicher mehr zu sagen, als nur alle vier Jahre durch ein Kreuz in der Wahlkabine.

Warum?

Weil Ihr es könnt.

Google Glass: Hasta la vista, Baby!

Eine Brille! Ausgerechnet eine Nerd-Brille soll uns in einen Schwarzenegger verwandeln. Man muss kein Tech-Liebhaber sein, um darin nicht eine gewisse Ironie zu sehen. Hasta la vista, Baby!

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Kennen Sie das, wenn Sie Ihren Geldbeutel verlegt haben und Sie sich beim besten Willen nicht mehr daran erinnern können, wo er steckt? Oder Namen. Ich kann mir einfach keine Namen merken! Jemand könnte sich mir gerade eben erst vorgestellt haben, fünf Minuten später habe ich seinen Namen auch schon wieder vergessen. Futsch. Irgendwann auf dem Weg ins Erwachsenenleben habe ich mein Gedächtnis verloren. Wenn ich mich nur daran erinnern könnte, wo.

Wie gut, dass es Google gibt. Der Internet-Konzern aus Kalifornien ist drauf und dran, eine neue Suchmaschine auf den Markt zu werfen. Keine Suchmaschine für das Internet, nein, diesmal für das echte Leben!

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Quelle: Studiocanal

Bei “Google Glass” handelt es sich um eine handelsübliche Brille, die durch den Rahmen Zusatzinformationen auf das Glas projiziert. Über eine winzige Kamera kann die Brille Gesichter identifizieren und dem Betrachter über den Drahtbügel heimlich den gesuchten Namen ins Ohr flüstern. Man kann damit auch Fotos machen und später wieder abrufen, zum Beispiel von dem Ort, wo man seinen Schlüssel abgelegt hat.

Es ist ein bisschen so wie im Science-Fiction-Film “Terminator”, wenn Mensch-Maschine Arnold Schwarzenegger durch die Straßen läuft und er auf seiner Netzhaut allmögliche nützliche Informationen angezeigt bekommt, zum Beispiel ob sein Gegner bewaffnet ist, wie viel Schuss in seinem Magazin stecken oder wo er seinen Geldbeutel liegen gelassen hat.

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Eine Brille! Ausgerechnet eine Computer-Nerd-Brille soll uns in einen Schwarzenegger verwandeln. Man muss kein Tech-Liebhaber sein, um darin nicht eine gewisse Ironie zu sehen. Hasta la vista, Baby!

Das Ding ist noch gar nicht auf dem Markt, da schlagen die Datenschützer Alarm. So warnt die Webseite Stop the Cyborgs vor einer Welt, in der wir von Google-Brillenträgern überwacht und rund um die Uhr ausgelesen werden. YouTube-Videos zeigen uns Zukunftsvisionen von Menschen, die sich über ihre Brillen gegenseitig ausspionieren, egal ob am Arbeitsplatz oder beim Rendezvous.

Stellen Sie sich nur all die Möglichkeiten vor – nie wieder Blind Dates! Nie wieder wie ein Depp dastehen, weil man sich nicht an den Namen des Gegenübers erinnert! Ob ich mir die Google Brille kaufen werde? Na Logo! Vorausgesetzt natürlich ich finde meinen Geldbeutel wieder.

Sharing is caring

“Mein Haus! Mein Auto! Mein Boot!” Erbärmlich. Was uns damals in den 90ern noch als cool und erstrebenswert erschien, verdient im Rückblick bestenfalls unser Mitleid. Das Netz hat eine längst vergessen geglaubte Kultur zurück gebracht: Die Kultur des Teilens.

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Shutterstock

Vom Auto bis zur eigenen Wohnung – hieß es gestern noch “Geiz ist geil”, heißt es heute: Wir Teiler sind geiler. Car- oder Couchsharing waren nur der Anfang. Von der Bohrmaschine bis zum Rasenmäher, im Netz wird alles geteilt, was nicht bei drei auf dem Baum ist. Wer Frau ist und wieder mal nichts anzuziehen hat, kann in der Hamburger Kleiderei seine Fummel (ver-) leihen. Weil 30 Prozent unserer Lebensmittel ungenutzt in den Hausmüll wandern, versucht die Seite foodsharing.de jetzt sogar, überschüssige Einkäufe aus dem Supermarkt neu zu vermitteln, bevor das Verfallsdatum abläuft.

Shareconomy – so das Motto dieses Jahr auf der Computermesse CeBIT. Teilen von Gütern, von Information, von Wissen. Menschen, die sich im Leben noch nie begegnet sind, arbeiten im Netz gemeinsam an der Lösung eines Problems. Sie vernetzen sich, tauschen sich aus, in der Hoffnung, dass am Ende für alle mehr dabei rumkommt, als wenn jeder allein vor sich hin wurschtelt.

Wikipedia statt Brockhaus, der freie Austausch von Informationen. Dem gegenüber steht das alte Weltbild des elitären Herrschaftswissens. Das lässt sich besonders gut in Politik und Wirtschaft beobachten, wo die Kontrolle über den Zugang zu Informationen noch immer ein beliebtes Machtinstrument ist. Doch was nutzt dem Chef sein Informationsvorsprung, wenn alle Informationen plötzlich frei im Netz fließen und er den Zugang nicht mehr steuern kann?

Machtstrukturen geraten ins Wanken – im Betrieb, in der Religion, in der Politik. Viele der alten Machthaber sind noch immer der Meinung, dass sie durch das Teilen von Informationen Macht abgeben. Das Gegenteil ist der Fall: Im Zeitalter einer vernetzten Welt gilt nicht derjenige als König, der am meisten rafft, sondern derjenige, der sein Wissen mit anderen teilt. Der Traum vom Sozialismus verwirklicht durch die sozialen Netzwerke? So weit würde ich nicht gehen. Doch was nutzen am Ende Haus, Auto und Boot, wenn man sein Glück mit niemandem teilen kann?

Hattemus Internet-Papst

Papst Benedikt XVI wird in die Geschichte eingehen als der erste Internet-Papst. Seine Haltung zum Web indes war ambivalent. Mal himmelhochjauchzend und dann wieder von tiefen Zweifeln geprägt.

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flickr by IVAN CC BY-NC-SA 2.0

Da hat der Papst gerade mal angefangen zu twittern, jetzt das! Was wird nun aus seinen 1.550125 Followern? Was wird aus seinen Facebook-Freunden? Darf Benedikt seine digitalen Schäflein rüber auf seine Ratzinger-Seite migrieren? Wird er in Zukunft auf deutsch twittern? Und wenn ja, über welche Themen? „Habe mir gerade eine Stulle geschmiert – dazu ein Schluck Gäns-Wein :-D ROFL!“

Rückblende: Kaum machten am Montag auf Twitter die ersten Gerüchte über den Rücktritt Benedikts die Runde („Habemus Eilmeldung!“), kamen auch schon die ganz großen humanistischen Fragen auf. Zum Beispiel: „Wie lautet eigentlich das Plusquamperfekt von Habemus?“ – „Habemus gehabt?“ schlug jemand vor. Ein anderer gar: „Hatte-mus?“.

Soviel steht fest: Benedikt wird auch im Netz eine große Lücke hinterlassen, wird er doch in die Geschichte eingehen als der erste Internet-Papst. Irgendwie. So rief der Pontifex Anfang 2010 seine Priester dazu auf, fleißig zu bloggen, damit die jungen Menschen bei Facebook auch das Face Christi entdecken, und wohlmöglich am Ende sogar „liken“.

Keine 3 Monate später dann die Warnung: Das Internet sei gefährlich und führe zur „Verschmutzung des Geistes“. Um dann im Herbst wieder zu betonen, was das Web doch für ein „Geschenk für die Menschheit“ sei. Tja-ha, wir alle werden noch lange darüber sinnieren, was uns der Heilige Vater eigentlich damit sagen wollte.

Alle Augen sind jetzt auf das Konklave gerichtet, wenn der weiße Rauch uns die Wahl eines Nachfolgers verkündet. Oder wird diesmal vielleicht sogar schon etwas vorab durchsickern? Angeblich liefert Vatikan-Schneider Gammarelli die purpurfarbenen Kardinals-Gewänder neuerdings mit Innentasche fürs Handy aus. Gut möglich, dass der eine oder andere Tweet nach draußen dringt: „Habe Muskelkater!“ – gefolgt von einem: „Ich meinte natürlich: Habemus Papam. Porca miseria, blöde Autokorrektur, du blöde!“

Western von gestern

Das Internet, dieser rechtsfreie Raum! Genau wie damals, im Wilden Westen. Als SMS noch per Rauchzeichen verschickt werden mussten und das Silicon Valley noch nicht einmal an das Eisenbahnnetz angeschlossen war.

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Manchmal, wenn ich so über das Internet nachdenke, versuche ich mir vorzustellen, wie das wohl gewesen sein muss, damals, als Amerika entdeckt wurde. Die ersten Siedler, oft romantisiert als Abenteurer und Pioniere, die sich anschickten, das Terra Incognita zu erschließen. In Wahrheit handelte es sich oft um Geeks und Nerds, um Außenseiter und Glücksritter, die nichts zu verlieren hatten, ihrer Heimat den Rücken kehrten, um ihr Glück in der Neuen Welt zu suchen.

Keine 200 Jahre ist es her, da wurden die ersten Eisenbahn-Trassen verlegt. Abraham Lincoln persönlich war es, der 1862 den Auftrag erteilte, Kalifornien, die spätere Heimat von Apple, Google und Facebook, mit den Staaten an der Ostküste zu verbinden. Ein regelrechter Wettkampf zwischen den Bahngesellschaften brach aus. Wem sollte es wohl als erstes gelingen, ein flächendeckendes Netz zu besitzen?

Vom Westen aus begann die Central Pacific Railroad Company damit, sich ihren Weg durch die Rockies in den Osten zu sprengen, vom Westen aus arbeitete sich die Union Pacific in die umgekehrte Richtung vor. Weil das Rennen um Marktanteile so groß war, dass man mit den Gleisarbeiten einfach nicht hinterher kam, tat man das, was man in solchen Situationen gerne tut: Man rekrutierte Chinesen. Dank zigtausender Gastarbeiter aus Fernost (hier: Fernwest) gelang es, Tag für Tag an die 10 Kilometer Schienenstränge zu verlegen.

Bild unten: Verbindung der West und der Ost-Trasse – die Welt wieder ein Stückchen kleiner:

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1869 kam der große Moment: An einer tiefen Schlucht in Utah standen sich die beiden Bahngesellschaften plötzlich gegenüber. Man beschloss, die beiden Bahnstücke, Ost und West, miteinander zu verbinden und sich fortan den Profit zu teilen. Der Zaster, den die Bahngesellschaften dank ihrer Quasi-Monopolstellung machten, war derart gewaltig, dass die US-Regierung 1887 die Interstate Commerce Commission ins Leben rief, um die Abzocke zu begrenzen.

Aus der ICC wurde später die Federal Trade Commission, die heute Apple, Google, Amazon und Facebook auf die Finger klopft, wenn einer der Big Four des Webs mal wieder seine Marktführerschaft ausnutzt. Epilog: Die großen Bahngesellschaften von einst sind inzwischen alle pleite. Eine der Ursachen hierfür stammte ausgerechnet aus der Alten Welt: Ein Deutscher meldete am 29. Januar 1886 das Reichspatent mit der Nummer 37435 an. Der Name des Mannes lautete Carl Friedrich Michael Benz.

Schnitzel aus dem Drucker

Tintenstrahldrucker waren gestern. Wer was auf sich hält, hat jetzt einen 3D-Drucker. Mit der richtigen Fleischfüllung lässt sich damit bald auch unser Essen zubereiten.

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Wissen Sie, was ich mir als nächstes anschaffe? Einen 3D-Drucker! Schon davon gehört? Funktioniert wie ein herkömmlicher Drucker, nur dass Sie damit dreidimensionale Objekte aus Plastik drucken können. Ist natürlich etwas teurer als ein Tintenstrahldrucker, wobei, wenn man sich die Preise für Druckerpatronen so anschaut, könnte man meinen, man drucke statt mit Tinte mit flüssigem Gold.

So ein 3D-Drucker zuhause wäre eine feine Sache. Stellen Sie sich vor, Sie suchen mal wieder Ihren Autoschlüssel: Drucken Sie sich eben schnell einen Ersatzschlüssel! Oder Sie haben Ihren Geldbeutel verloren und müssen alle Ihre Kreditkarten sperren. Ein Anruf bei der Bank, und man schickt Ihnen Ihre neue Karte ruck-zuck per E-Mail, die Sie dann nur noch ausdrucken müssen.

In der Industrie kommen solche Drucker bereits zum Einsatz. Rolls Royce zum Beispiel fertigt Turbinenflügel für Flugzeugtriebwerke mit 3D-Druckern. “Contour Crafting” nennt man die Produktionsweise, mit der sich Wände, Türen, Fenster für ganze Häuser in 24 Stunden ausdrucken lassen. Dazu werden gigantische Industrie-Drucker mit Materialien wie Eisen, Kupfer, Sand, Gips oder flüssigem Holz befüllt.

Irgendwann werden wir in der Küche neben der Mikrowelle einen Lebensmittel-Drucker stehen haben, der unsere Mahlzeiten auswirft. Sie lachen? Ihnen wird das Lachen noch im Halse stecken bleiben: In den USA gibt es Firmen, die arbeiten an Tintenfüllungen aus Fleischfasern. Sogenannte “Bio-Printer” machen es möglich, sich in Windeseile ein Schnitzel oder auch eine Pizza auszudrucken.

Eines Tages wird es sogar möglich sein, das Internet auszudrucken. Texte und Bilder auf Papier, gefaltet und verbreitet via LKW und Flugzeug. Sie werden es “Zeitung” nennen. Verrückt.

Das Internet der Dinge

Jetzt ist es also hier, das Internet der Dinge. Praktisch, vielleicht aber auch die letzte Idee der Menschheit.

big-toolsEine Glühbirne. So sieht es also aus, das Internet der Dinge. Nicht etwa die ganze Lampe, nein, die Glühbirne selbst ist mit dem Internet verbunden. Der jüngste Lustkauf im Hause Gutjahr: Glühbirnen, die einen WLAN-Empfänger eingebaut haben* und die sich via iPhone steuern lassen – von jedem Ort der Erde aus!

Stellen wir uns vor, Sie sind gerade auf Großwild-Safari in Kenia. Während Sie so mit einem Löwen kämpfen, fällt Ihnen plötzlich ein: Herrje, ich habe das Licht im Bad brennen lassen! Normalerweise hätten Sie jetzt ein Problem. Nicht mit der klugen Glühbirne! Sie greifen zu Ihrem Handy und knipsen das Licht mit Ihrem Telefon aus. Eine Fern-Bedienung, im wahrsten Sinne des Wortes.

Möglich ist das deshalb, weil in Zukunft nicht mehr nur kluge Computer miteinander kommunizieren, sondern auch dumme Vollpfosten – also genau wie bei uns Menschen. Sie werden es vermutlich nicht bemerkt haben, aber in den vergangenen Monaten ist etwas Beachtliches geschehen: Weil das Internet aus allen Nähten platzt, musste ein neues Adressierungssystem eingeführt werden. Ein Verfahren, das bereits in den 70er Jahren ausgearbeitet wurde.

Diesen Prozess kann man sich in etwa so vorstellen wie damals, als unsere Postleitzahlen fünfstellig wurden: Statt 4,3 Milliarden verfügt das neue Internet-Protokoll damit über 340 Sextillionen mögliche Web-Adressen (das ist eine 340 mit 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 dran).

Die Glühbirne war nur der Anfang: Als nächstes werden die Jalousien, die Heizung, die Wasch- und die Geschirrspülmaschine miteinander reden. Irgendwann wird den Gerätschaften ein Licht aufgehen, dass sie nichts weiter als meine Haussklaven sind: “Hey, Viesmann, warum machen wir hier eigentlich die ganze Arbeit, während der Kerl da faul im Sofa sitzt?” – “Hast Recht, Bauknecht – dem heize ich ein! Revolución!!!”.

Das wird der Tag sein, an dem uns dämmert: Vielleicht war das mit dem Internet der Dinge doch keine so gute Idee.

*Amazon-Partner-Link – Wer hierüber bestellt beschert mir ein paar Euro von Amazon – der Verkaufspreis ändert sich für Euch nicht!

Menschen, die auf Bildschirme starren

Bedrucktes Papier vs. leuchtende Bildschirme – wer sich im Alltag umschaut, muss zugeben: Die Schlacht zwischen Analog und Digital ist längst entschieden.

20130117-155512.jpgSoll ich Ihnen ein Geheimnis verraten? Ich beobachte gerne Menschen. Auf dem Weg zur Arbeit, an der Supermarktkasse oder im Restaurant. Im Frühjahr setze ich mich im Straßencafé in die vorderste Reihe, um den Rollerbladern dabei zuzuschauen, wie sie über das Rest-Streusalz stürzen. Großes Kino!

Beim Alltags-Stalking ist mir etwas aufgefallen. Wo ich auch hinschaue, überall sind die Menschen über Bildschirme gebeugt: kleine Smartphone-Screens, klassische Laptop-Monitore, eBook-Reader oder Tablets. Neulich saß ich im Taxi, wo während der Fahrt ein James-Bond-Film lief. Nicht etwa hinten bei mir, sondern vorne, beim Fahrer. Mit Lizenz zum Töten.

Ein echter Hit bei YouTube: Filme aus Überwachungskameras, die zeigen, wie Menschen beim SMS-Tippen gegen Laternenpfähle laufen oder über Absperrungen stürzen. Lassen Sie die lächerlichen Nordic-Walking-Stöcke zuhause und greifen Sie zu Ihrem Smartphone: „Texting while walking“ – ein Trend, in dem noch viel Potential schlummert!

Texting While Walking – ein wahrer Klassiker auf YouTube

Zu Weihnachten habe ich mir Videokamera geschenkt, die Livebilder direkt ins Web sendet. Damit setze ich mich an den Straßenrand und kann dann die schönsten Rollerblade-Stürze live ausstrahlen! Vielleicht könnte ich einen Blader dazu überreden, eine Helm-Kamera zu tragen?

Oliver Kahn und Dr. Mayer-Vorfelder werden die Stürze live kommentieren. Zuschauer können über Facebook den blödsten Blader des Bürgersteigs wählen. Die Kandidaten selbst könnten sich mit einem Smartphone in der Hand beim Stürzen zuschauen, ihre Abroll-Techniken verfeinern oder an ihrem Aufschlag arbeiten.

RTL, Sat.1, ProSieben geht in Deckung! Mit meiner Boardwalk-Show werde ich die Bildschirme auf der ganzen Welt erobern; an den Bahnsteigen, an den Flughäfen, in den Taxis. “Einer flog über den Bürgersteig” und “Ich bin ein Star, rollt mich hier raus” – demnächst auf Ihrem Smartphone!

…oder in Ihrer Apotheken-Umschau.

Neulich, in der Zukunft

Echtzeit-Ticker, Video-Liverstreams – das Hier und das Jetzt ist schon lange kalter Kaffee. Die Zukunft liegt in der Zukunft.

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Wir Menschen sind geradezu versessen darauf zu erfahren, was uns in der Zukunft erwartet: Horoskope, Wettervorhersagen, Börsennachrichten. Weil wir mit der Aufklärung das Übersinnliche aus unserer Welt verbannt, die Hexen und Zauberer auf den Scheiterhaufen geworfen haben, ist das, was der Glaskugel heute noch am nächsten kommt, der Computer.

Echtzeit ist Schnee von vorgestern. Dem Web genügt es nicht, einfach nur abzubilden, was schon geschehen ist. In den Programmierstuben rund um die Welt sind die Coder damit beschäftigt, aus den unendlichen Datenströmen Vorschlüsse auf die Zukunft zu ziehen. Versicherungskonzerne wie die Munich Re beschäftigen ganze Armeen von Wissenschaftlern, die Prognosen für Orkane, Hochwasser oder Apple-Produkte errechnen.

Das Digitale Quartett zum Thema “Trends für 2013″

Man muss keinen Sports-Almanach aus dem Jahr 2015 (!) besitzen, um in die Zukunft blicken zu können. Ein Megatrend für 2013 ist die digitale Selbstvermessung: Sensoren in unseren Smartphones oder Armbanduhren, die registrieren, wie häufig wir uns bewegen, was und sogar wie wir essen. Auf der Consumer Electronics Show in Las Vegas wurde letzte Woche elektronisches Besteck vorgestellt, das laut zu piepen beginnt, wenn man die Gabel zu oft und zu hastig hintereinander zum Mund führt.

Solche Errungenschaften müssen uns nicht schmecken, aber sie werden nicht alle schlecht sein. Frühwarnsysteme, die uns signalisieren, wenn wir mit unserem Körper Schindluder treiben. Die unsere Blutwerte überwachen, Ferndiagnosen ermöglichen und uns vor schlechten Tatort-Folgen bewahren. Schon heute kann Google präzise vorhersagen, wann sich wo auf der Welt Gehirnmasse abbaut, allein durch die Summe der Anfragen nach dem Dschungelcamp.

Natürlich lassen sich aus solchen Daten noch ganz andere Prognosen ableiten. Verbrechen zum Beispiel. Mit der Vorratsdatenspeicherung werden Friedrichs-Fiction-Fantasien plötzlich Realität: Verbrechen aufzuklären, bevor sie verübt worden sind! Nachrichtensendungen über Ereignisse, die noch gar nicht stattgefunden haben. Es folgt: Der Minority-Report aus München.

Wie, liebe Blogbesucher, die Zukunft reicht Euch nicht mehr? Wie gut, dass ich bereits den übernächsten heißen Scheiß am digitalen Horizont ausgemacht habe: Das Futur II – die Vorhersage für Euer kommendes Horoskop. Denn Ihr wisst ja: Nichts ist so alt wie die Nachricht von morgen.

Big Data statt Big Bla Bla

Vor 4 Jahren habe ich geglaubt: Die nächsten Bundestagswahlen werden im Netz entschieden. So kann man sich irren.

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Willkommen im Superwahljahr 2013! Sind das die ersten Wahlen, die im Netz entschieden werden? Ich bezweifle das. Zwar hat sogar der letzte Hinterbänkler inzwischen eine Facebook-Seite (bis auf Ilse Aigner, unsere Jeanne d’Arc des Datenschutzes). Je länger aber die Selbstdemontage der Piraten anhält, desto geringer der Druck auf die etablierten Parteien, sich mit diesem “Internetz” zu beschäftigen. Raus aus der virtuellen Realität und zurück in die Fußgängerzone: “Eine Rose und unser Wahlprogramm, gnä’ Frau?”

wahlplakate“Big Data”, so die Zauberformel, die Barack Obama eine zweite Amtszeit bescherte. Mithilfe gigantischer Datenbanken machten Demokraten wie Republikaner in den USA Jagd auf Wechselwähler. In Deutschland sind wir von einer deratigen Web-Wahlschlacht weit entfernt. Datenschutz hin oder her. Talkshows und Tapeziertische statt Twitter und Tablets. Mal was neues wagen? Bloß nicht! Wir Deutsche sind nun mal Gewohnheitstiere.

Dabei wäre es dringend an der Zeit für ein gesellschaftliches Update. Deutschland ist wirtschaftlich stark. Die Arbeitsplätze der Zukunft liegen aber nun mal nicht in unseren Industriehallen, sondern in der Informationstechnologie. Ein Gebiet, auf dem wir geradezu blank sind, weil das Internet der Feind ist, der bis in die letzten Winkel reguliert und überwacht werden muss. Deutschland gehört zu den Ländern mit der ältesten Bevölkerung der Welt. Dieses Ungleichgewicht verzögert Erneuerungsprozesse, die lange überfällig sind – in der Wirtschaft, in der Politik, wie auch sonst wo.

 

Wenn ich mir etwas für das Superwahljahr wünsche, so sind das keine digitalen Analphabeten, sondern Internet-erfahrene Alpha-Tiere. Kandidaten, die ihre Politik nicht nach Infratest Dimap ausrichten, sondern unbequeme Visionäre, die uns auf eine vernetzte Zukunft vorbereiten. Eine Welt, die sehr viel komplexer und anstrengender sein wird, als alles, was wir bislang kannten. Eine Welt, die aber auch mehr Chancen und mehr Substanz zu bieten hat, als das, was uns die ewigen Polit-Populisten aus der Postkutschen-Ära weismachen wollen. Big Data statt Big Bla Bla – wo bitte darf ich mein Kreuzchen machen?

Das war das Jahr 2013

Weihnachten gut überstanden? Damit Ihr für das neue Jahr gut gerüstet seid, präsentiere ich Euch heute den Jahresrückblick – nein, nicht auf 2012 – sondern den allerersten Rückblick auf das Jahr 2013 (Nehmt das, Lanz und Jauch, Erster!).

Frühjahr

Im Januar wird Apple die Welt überraschen mit einem neuen revolutionären Produkt: einer Zeitmaschine. Doch Apples Aktienkurs bricht dramatisch ein, weil Analysten auf einen neuen Fernseher gehofft hatten. Nur einen Tag später präsentiert Samsung ein Smartphone, das nichts kann, außer telefonieren. Dafür hält die Batterie drei Tage. Samsungs Börsenkurs geht durch die Decke.

Sommer

Wegen der andauernden Dopingskandale wird die 100. Tour de France nicht in Frankreich sondern in China ausgetragen. Dort wird zwar auch gedopt, dafür aber offen und preisgünstiger.

Krise beim FC Bayern: Weil der Rekordmeister ein Spiel nach dem anderen vergeigt, feuert Uli Hoeneß kurz vor Saison-Ende Jupp Heynckes. Fortan wird Jürgen Klopp sowohl die Münchner als auch die Borussen in einer Doppelrolle trainieren. Bayern und Dortmund werden Meister.

Herbst

Zoff in der Piratenpartei. Die Umfragewerte sind desaströs! Um überhaupt die Fünf-Prozent-Hürde zu meistern, flehen die Freibeuter Marina Weisband an, doch noch zu kandidieren. Doch die charismatische Politikerin lehnt ab, begründet das damit, dass sie sich auf ihr Studium, ihr Buch und ihre Talkshowauftritte konzentrieren will.

Glück für die Piraten: Die Bundestagswahl muss verschoben werden. Zu drastisch hat sich die Finanzkrise zugespitzt. Während die Weltwirtschaft am Abgrund steht, kennen die Gewinne der Technologiekonzerne keine Grenzen. Bei einer Krisensitzung im November überlegen die Welt-Finanzminister, Google, Facebook und Apple zu verstaatlichen. Am Ende kommt es umgekehrt: Die Staaten werden verappelt.

Winter

Felix Baumgartner hält erneut die Welt in Atem. Nach seinem Rekord-Sprung aus der Stratosphäre, bei dem er zuletzt die Schallmauer durchbrochen hatte, nimmt der Österreicher Ende 2013 die Lichtgeschwindigkeit ins Visier. Dazu lässt er sich mit einer Kanone zur Weltraumstation ISS schießen. Leider verfehlt er sein Ziel um wenige Meter und leuchtet fortan als hellster Punkt im Sternbild des roten Stiers.

Euch vielen Dank, dass Ihr auch in diesem Jahr bei mir vorbeigeschaut habt. Ich nehme ein paar Tage Blog-Urlaub und komme wieder mit neuem Sponsor am 7. Januar 2013.

Dieses Jahr hat der G!blog gespendet für crowd4privacy.org, für wikimedia und für Reporter ohne Grenzen.

Großes Kino – Warum ich lieber zuhause bleibe

Geschenke verpackt? Kühlschrank gefüllt? Schreibtisch leergeräumt? Die letzten Tage vor Weihnachten sind für mich die schlimmsten. Um der Großstadt-Hektik zu entkommen, suche ich in diesen Tagen gerne Entspannung. Im Kino zum Beispiel.

(Bild: Pyronixcore)

Ich war ewig nicht mehr im Kino. Seit gestern weiß ich wieder warum: wegen meiner Mitmenschen. Ich weiß, was Ihr jetzt denkt, und Ihr habt ja recht: so ein Snob! Aber seht es mir nach. Je älter ich werde, umso ungeduldiger werde ich mit meiner Umwelt. Und gerade im Kino kann man seiner Umgebung einfach nicht entfliehen.

Über die Jahre habe ich angefangen, Kinobesucher einzelnen Gattungen zuzuordnen. Da sind zum Beispiel die Sitzplatz-Besteher. Die Vorstellung kann leer sein wie sie will, der Sitzplatz-Besteher verlangt, dass man aufsteht, wenn man auf SEINEM Platz sitzt. Dann wären da noch der Basketballriese mit seiner Freundin, der Hochsteckfrisur-Trägerrakete. Setzen sich just in dem Augenblick direkt vor einen, wenn der Film beginnt. Etwa zehn Minuten später betreten die Zuspätkommer die Szene. Natürlich haben sie die Plätze ganz in der Mitte, so dass erst mal alle anderen aufstehen müssen.

Gerade als es auf der Leinwand so richtig zur Sache geht und die ersten Köpfe rollen, dämmert es der Mutter mit den Zwillingen schräg hinter mir: “Das ist ja gar nicht König der Löwen!” Fluchtartig verlassen sie den Saal. Leider nicht der Typ mit den spitzen Kniescheiben hinter mir. Gegen die Sitzreihen in Kinos ist die Holzklasse bei Billig-Airlines das reinste Upgrade.

Achtung! Eine Dialogszene, die für den gesamten Verlauf des Films entscheidend sein wird. Jetzt schlägt die Stunde der Popcorn-Schmatzer und der Tüten-Raschler! Dazu der Geruch von dampfender Käsesauce. Warum werden ausgerechnet im Kino die am übel riechendsten und lautesten Snacks verkauft, die man sich nur vorstellen kann? Pop Corn, Nacho-Chips. Warum nichts Geruch- und Geräusch-neutrales, sagen wir …Kartoffel-Püree! Wie gut, dass es die Film-Erklärer gibt, die von der ersten Minute an jede, aber wirklich jede Szene kommentieren: “Du, der ist gar nicht tot, der steht gleich wieder auf!”

Im Kampf um die Sitzlehne zeigt sich mein Nachbar als unnachgiebig. Dann aber macht er einen taktischen Fehler: er greift nach seinem Smartphone, um mitten im Film auf eine SMS zu antworten. Zack! – fahre ich den Ellbogen aus und lege ihn auf der Armlehne ab. Nimm das, du Anfänger! Als der Abspann läuft, dröhnt mein Schädel und die Augen tränen. Nicht schlecht, der Film, aber wieso nur war der die ganze Zeit so unscharf? “Bei mir nicht”, findet meine Begleitung. “Aber wieso haben die mir gleich zwei 3-D-Brillen gegeben?”

Danke an alle G! friends und Follower für Euren kreativen Input – siehe hier


Wishful Thinking vs. Thoughtful Wishing

Früher gab es den Weihnachtsmann, der einem die geheimsten Wünsche von den Augen ablas. Heute erledigt das Amazon. In Zukunft lagern alle unsere Wünsche in der Cloud. Und bei den Geheimdiensten.

Als ich klein war, las mir das Christkind die Wünsche von den Augen ab. Heute macht das Amazon. Wann immer ich die Seite aufrufe, werde ich mit Angeboten begrüßt, “die Ihnen gefallen könnten”. Das Problem: Die Produkte, die mir das Online-Kaufhaus vorschlägt, gefallen mir tatsächlich! Magie?

Hinter solchen personalisierten Vorschlägen stecken natürlich Algorithmen, die eine Vorauswahl zusammenstellen anhand jener Artikel, die ich mir bei früheren Besuchen schon mal angesehen habe. Erschreckend: Mit diesen Empfehlungen trifft Amazon meinen Geschmack (= Smartphone-gesteuerter Mini-Hubschrauber*) deutlich besser als meine Familie (= Pullover*). Doch woher weiß Amazon, dass ICH es bin, der die Seite gerade aufruft? Früher haben wir dem Nikolaus Plätzchen hingestellt. In der digitalen Welt hinterlassen wir Cookies, die verraten, wer wir sind, ob und wie oft wir eine Seite schon mal besucht haben.

So was funktioniert nicht nur bei Online-Warenhäusern, sondern auch bei Fluglinien. Diese Woche bin ich mit Lufthansa geflogen. Weil es Vormittag war, bekamen alle Passagiere an Bord Frühstück. Ich nicht. Ich bekam Chinesisch. “Könnte ich das gleiche kriegen, was die anderen auch haben?” bat ich die Flugbegleiterin. “Geht nicht!”, gab diese mir mit strengem Blick zu verstehen. Das Essen sei abgezählt und laut meiner Computer-Buchung bevorzuge ich Asia-Gerichte. Und die Lufthansa muss sowas wissen – näher an der Cloud geht nicht!

Dass ich gern Chinesisch esse (offenbar auch zum Frühstück), wissen übrigens nicht nur mein Computer und die Lufthansa, das wissen auch die europäischen Polizeibehörden und Geheimdienste. Laut EU-Innenausschuss sollen die Wunschlisten sämtlicher Fluggäste nicht nur an die USA übermittelt werden, sondern künftig routinemäßig in einer eigenen Polizeizentralstelle gespeichert werden. Dabei werden nicht nur Namen, Flugziel und Reisedatum erfasst, sondern auch präferierte Sitzplätze, Essensvorlieben, Buchungsmethoden und Kreditkartennummern.

Beruhigend: Sollte ich eines Tages von der Bayerischen Justiz für verrückt erklärt und in eine Klapsmühle gesteckt werden, brauche ich mir wenigstens um die Verpflegung keine Gedanken zu machen. Und wenn ich brav war, wer weiß, vielleicht bekomme ich an Heilig Abend zu meinem Asia-Menü dann auch einen Glücks-Cookie.

*Amazon-Affiliate Link

WichtelLeaks: Wo die Smartphones herkommen

Auch dieses Jahr landen wieder Milliarden von Smartphones, Tablets und Spielkonsolen unter dem Weihnachtsbaum. Haben Sie sich mal gefragt, wo der ganze Plunder herkommt? Ich verrate Ihnen die wahre Geschichte.

2 von 3 Bundesbürgern wünschen sich dieses Jahr Elektronik zu Weihnachten. Jeder fünfte Deutsche hofft auf ein neues Smartphone. Jeder fünfte! Haben Sie eine Vorstellung, was das logistisch bedeutet? Ach nee, Sie glauben noch ans Christkind? Vielleicht ist es an der Zeit, dass ich Ihnen die Augen öffne. Nach meinem Gespräch mit Julian Assange wurde mir ein USB-Stick zugespielt mit hochbrisantem Material. Achtung: Wenn Sie jetzt weiterlesen, werden Sie Weihnachten für immer mit anderen Augen sehen! Sicher? …Na schön – aber sagen Sie hinterher nicht, ich hätte Sie nicht gewarnt!

Santa Claus, der in den 90er Jahren im Zuge einer aggressiven Expansionsstrategie Weihnachten vom Christkind übernommen hatte und seitdem nicht nur für die Produktion, sondern auch für die globale Distribution der Geschenke zuständig ist; Santa also schreitet in diesen Tagen durch die Produktionshallen der CCC, der Claus Christmas Corporation am Südpol. Hier sind ganze Heerscharen von Elfen damit beschäftigt, Smartphones zusammenzuschrauben. Elfen mit ihren filigranen Fingern sind wie geschaffen für diesen Job, wegen der immer winziger werdenden Bauteile.

Aktuell arbeiten sie am iPhone 7. Das wird zwar erst 2015 ausgeliefert, wegen der hohen Stückzahlen musste die Produktion aber jetzt schon anlaufen. Schulter an Schulter sitzen die Wichtel in ihren grünen Overalls an nicht enden wollenden Werkbänken, verrichten stillschweigend ihre Arbeit. Geredet werden darf nicht, Pausen gibt es nur alle acht Stunden. Der Produktionsstandort am Südpol ist nicht zufällig gewählt. 6 Monate lang ununterbrochen Tageslicht; damit hatte Santa die Gewerkschaften übers Ohr gehauen, die das Kleingedruckte nicht sorgfältig gelesen hatten (Art. 9b: “Gearbeitet wird bis Sonnenuntergang”). Über die Sommermonate wird entsprechend am Nordpol durchproduziert.

Zum Ausgleich dürfen die Elfen alle 10 Jahre in die Auslieferung. Ihr Job: die Geräte pünktlich zuzustellen. Die Zeitvorgaben dabei sind dermaßen eng, dass sie die Päckchen oft nur ins nächste Postamt schaffen, um dann flink noch gelbe Abholzettel in die Briefkästen zu schmeißen. Gelegentlich kommt es vor, dass ein Elf den hohen Belastungen nicht standhält und zu Elfenstaub zusammenfällt.

Jetzt wissen Sie also, lieber Leser, woher die Smartphones kommen. Haben Sie Verständnis, wenn Sie am Postamt mit Ihrem gelben Zettel in der Schlange stehen. Und wundern Sie sich nicht über versteckte SMS-Botschaften, die in Ihrem nigel-nagel-neuen Smartphone evtl. schon vorprogrammiert wurden: “S.O.S.” oder “Help!”. Da war einem Elflein sicher nur wieder langweilig.

Ein verzauberter Morgen

Blackout in München: Eine Stunde kein Computer. Kein Kaffee. Ein Grund zur Panik – sollte man meinen. Das Gegenteil war der Fall.

Stromausfall in der Stadt – kein Wecker, der mich aus dem Schlaf reißt. Keine nervtötende Schleifmaschine drüben bei meinen Nachbarn, die seit einem gefühlten Jahrzehnt ihr Haus renovieren. Kein Anruf der Chefsekretärin, weil der Boss mich ganz! furchtbar!! dringend!!! sprechen muss (“Morgen, Herr Gutjahr! …ach, Sie hatten Spätschicht?”). Nein, dieser Moment ist ein ganz besonderer Moment; fast ein bisschen so, als sei die Zeit stehen geblieben. Ein verzauberter Morgen.

Entspannt wie selten schlurfe ich ins Arbeitszimmer. Der Monitor dunkel, der Computer schläft noch. Sachte schließe ich die Tür, ich will ihn nicht unnötig wecken. Kein Kaffee da? Klar, die Zeitschaltuhr ist aus dem Takt. Dann eben zum Bäcker. An der völlig überlaufenen Bushaltestelle spielen sich rührende Szenen ab: Autofahrer stoppen, um frierende Menschen mit in die Arbeit zu nehmen. Von sizilianischen Verhältnissen am Max-Weber-Platz berichtet ein SZ-Kollege: Autos, Laster, Radler und Fußgänger schlängeln sich virtuos über die Kreuzungen, weil die Ampeln ausgefallen sind.

Letzte Woche war ich noch an der Ostküste der USA unterwegs, wo nach Hurrikan Sandy immer noch Hunderttausende Haushalte ohne Elektrizität sind. Auch hier rückten die Menschen zusammen, um gemeinsam gegen Kälte, Dunkelheit und Einsamkeit anzukämpfen. Nachbarn teilten Kerzen, Decken und Gaskocher, organisierten Wärmestuben und öffentliche Handy-Ladestationen, die über mobile Stromgeneratoren betrieben wurden.

Anders als in Amerika hat es in München keinen Supersturm gegeben. Eine gewöhnliche Leitung soll durchgeschmort sein, heißt es. Einen vergleichbaren Stromausfall habe es in München zuletzt vor 20 Jahren gegeben. Ob wir im August einen Babyboom erleben? Zugegeben, der Strom war ja nicht ewig weg – vielleicht ein Babybümchen? Am späten Vormittag ist der Spuk vorüber. Via Twitter melden die Stadtwerke: “Die fehlerhafte Leitung ist isoliert – die Versorgung ist stabil.” Die Ampeln funktionieren wieder, der Verkehr fließt wie gewohnt, die Großstadt – zurück in ihrer Hektik und Anonymität.

Schade irgendwie.

Data Mining – Obama und der Datenbergbau

Die Operation “Four More Years” ist geglückt. Parteistrategen in Deutschland blicken neidisch nach Washington und fragen sich: Wie hat Obama das wieder hingekriegt? 

In den letzten Tagen hatte ich Gelegenheit, einigen Online-Wahlkämpfern über die Schultern zu schauen. Was ich gesehen habe, hinterließ mich teilweise ratlos. Dass Daten der Rohstoff der Zukunft sind, ist bekannt. Das Ausmaß, mit dem Behörden, Konzerne aber eben auch Parteien heute schon sog. “Datamining” (Datenbergbau) betreiben, verschlägt mir die Sprache. So war es den Obama-Strategen für diese Wahl offenbar gelungen, Informationen aus mehreren, 2008 noch getrennten Datenbanken zu einer Gesamtdatenbank zusammenzuführen.

Die Megadatenbank

So erfährt man beispielsweise aus dem amtlichen Wählerregister, welcher Bürger wann und wie oft bisher gewählt hat. Diese Liste beinhaltet, neben Geburtsdatum und Wohnadresse, auch Telefonnummer sowie in manchen Staaten auch die Parteimitgliedschaft eines Bürgers. Eine zweite Datenbank besteht aus Daten, die ein Wähler selbst von sich preisgegeben hat, beispielsweise wenn er die Partei-Homepage oder die Facebook-Seite eines Kandidaten besucht/liked. E-Mail-Adressen, Kreditkartennummern (sofern Geld gespendet wurde), häufig angesteuerte Webseiten, sowie Informationen über Freunde oder Hobbys lassen sich von den Datenbergarbeitern leicht abtragen. Die eigenen Botschaften werden dann gezielt durch sogenanntes “reverse engineering” in die Timelines der “gekaperten” Freundeskreise platziert.

Eine weitere Quelle für personenbezogene Daten sind Informationen, die von Dritten beigesteuert werden. Obama-Unterstützer konnten sich beispielsweise eine App herunterladen, die Wähleradressen aus der Region bereitstellt. Damit konnten Freiwillige Wahlhelfer gezielt Hausbesuche bei noch unerforschten Haushalten machen und die dadurch neu gewonnenen Informationen aus der Nachbarschaft zurück ans Hauptquartier berichten. Damit nicht genug: Bei diesem Präsidentschaftswahlkampf haben beide Lager auch Verbraucherinformationen von Kreditkartenunternehmen und Adresshändlern hinzugekauft.

Zweck dieser Datensammelwut ist es, ein lückenloses Profil über potentielle Wähler zu erhalten. Dadurch lassen sich sog. Streuverluste minimieren und jedes Zielobjekt vermeintlich individuell ansprechen, -rufen, -schreiben.

Farewell, Datenschutz 

Und der Datenschutz? Alec Ross, Social-Media-Berater von Hillary Clinton, appelliert an uns Deutsche, endlich unsere Datenschutz-Paranoia abzulegen: “Wenn Sie nicht wollen, dass Suchmaschinen Ihre Suchanfragen speichern; benutzen Sie die Suchmaschine nicht! Meiden Sie entsprechende Soziale Netzwerke!” Genauso gut hätte er natürlich auch sagen können: Hören Sie auf zu atmen. – Wenn Ihr mich fragt, Recht hat er. Sauerstoff wird ohnehin überbewertet.

Meine gesammelten Texte zur US-Wahl findet Ihr hier im Blog von tagesschau.de

Windows 8: All in!

Für Microsoft ist heute ein wichtiger Tag, viele sprechen sogar von einem Tag, an dem sich die Zukunft des gesamten Unternehmens entscheiden könnte. Heute kommt Windows 8 weltweit in die Läden. 

Anders als bei früheren Windows-Versionen bleibt bei diesem Upgrade kein Pixel mehr auf dem anderen. Mit seinem neuen Betriebssystem setzt Microsoft  alles auf eine Karte – oder sollte man besser sagen: auf eine Kachel?

Weil immer weniger Menschen PCs kaufen und stattdessen lieber zu Smartphones und Tablet-Computern greifen, hat das Unternehmen aus Redmond seine gesamte PC-Oberfläche Touchscreen-optimiert. Große, Wurstfinger-freundliche Kacheln überziehen den Bildschirm, ersetzen die winzigen Ordner und Icons, mit denen wir alle aufgewachsen sind. Jede Kachel steht für ein Programm (neudeutsch: App), ein Ordner oder Dokument, das man in Zukunft mit dem Finger öffnen soll.

Es ist der Anfang vom Ende des PCs wie wir ihn kennen, es ist das Ende der Computermaus. So radikal wie Microsoft hat bislang noch kein Unternehmen auf den Beginn der Post-PC-Ära reagiert. Die Wette lautet: Bald werden alle PCs mit berührungsempfindlichen Bildschirmen ausgestattet sein, ähnlich wie beim Bankautomaten oder eben bei den Tablets. Wer dazu passend die beste Betriebsoberfläche bietet, gewinnt.

Für Microsoft eine riskante Wette, vielleicht aber tatsächlich die einzige Überlebensstrategie. Der Software-Gigant hatte in den vergangenen Jahren eine Innovation nach der anderen verschlafen: das Internet, den Suchmaschinen-Markt, auch bei den Smartphones und Tablet-Computern lief man der Konkurrenz nur hinterher.

Dieses Jahr dann ein Moment mit Symbolcharakter: Apple, ausgerechnet Apple, zog auf dem Börsenparkett am ewigen Spitzenreiter Microsoft vorbei. Und das obwohl der einstige Erzrivale vor 15 Jahren vor dem Bankrott stand und nur – oh Ironie! – durch eine Geldspritze von Microsoft gerettet werden konnte.

Heute steht Microsoft selbst vor der Schicksalsfrage: Gelingt dem Unternehmen mit Windows 8 der erhoffte Befreiungsschlag, oder werden von nun an die Apples, die Googles, die Amazons die digitale Zukunft bestimmen? Das Pokerspiel um die Vorherrschaft auf unseren Bildschirmen nähert sich einem weiteren Showdown. Und weil die Einsätze mit jeder Runde höher werden, geht Microsoft jetzt „all in“. Die Kacheln liegen auf dem Tisch. Wir wollen sehen.

Der Mayor ist im Haus

Hunde pinkeln an Bäume, um ihr Revier zu markieren. Ich checke mich ein bei Foursquare. Doch wehe, jemand pisst an meinen Stamm-Baum! 

WO STECKST DU, HANSI !?! Ich weiß, dass Du hier bist! Hansi K., der Mann, der mich gedemütigt, im ganzen Wild Wild Web lächerlich gemacht hat. Eines Tages bekam ich eine Mail: „Hansi K. ist jetzt Mayor von Starbucks Leopoldstraße“. Mayor! Von MEINEM Starbucks?! Seit es den Laden gibt, bin ich Bürgeremister im Schwabinger Starbucks. Jeden Tag hole ich mir dort meinen Kaffee. Mit dem Geld, das ich hier schon gelassen habe, könnte man Irland, Spanien und Griechenland zweimal retten – mit Platz für Milch!

Für alle Nicht-(Ein-) Checker

Das mit den Bürgermeisterämtern funktioniert so: Im Internet gibt es ein Soziales Netzwerk namens Foursquare. Das ist so eine Art Facebook, gebunden an Orte. Wann immer man sich mit seinem Smartphone bei Foursquare eincheckt, ermittelt das Telefon den Standort und wenn man Glück hat, bekommt man zur Belohnung eine lustige Plakette. Wer sich wiederholt am selben Ort einbucht, kann dort „Mayor“, also Bürgermeister werden. Man kann sich die Posten auch gegenseitig streitig machen. Als ich zum Beispiel meinem Freund Marcus das Bürgermeisteramt in der Intendanz des Bayerischen Rundfunks abgenommen habe, hat der zwei Wochen nicht mit mir geredet.

Aber das mit Hansi K. ist anders. Das ist persönlich. Man nimmt mir nicht so ohne weiteres mein Amt in meinem Stamm-Café ab! Ich bin Mayor auf drei verdammten Kontinenten; vom Parkplatz der Apple-Zentrale in Kalifornien, vom Rundschau-TV-Studio in Freimann, eine Zeit lang war ich sogar Bürgermeister der Klagemauer in Jerusalem. Doch das alles ist nichts im Vergleich zu meiner Regentschaft in München. Das hier ist mein zweites Wohnzimmer, hier genieße ich Heimrecht. Hörst, Du, Hansi K., dieses Kaffeehaus ist zu klein für uns beide!

Vor einer Stunde hast Du hier eingecheckt, ich weiß also, dass Du hier bist. Das Vertrackte: Ich kenne meinen Nemesis nicht persönlich, weiß noch nicht einmal, wie er aussieht. Der elende Feigling traut sich nicht, ein Foto von sich ins Profil zu stellen. Stattdessen prangt dort ein Bild einer Sammlung bunter Sportschuhe. Sportschuhe! Was soll das, Hansi, wohl zu hässlich fürs Internet?!

12 Uhr – High Noon

Der Laden ist gerammelt voll. Es könnte jeder sein. Der Hipster mit den roten Sneakern? Der BWLer mit dem Seitenscheitel? Ich laufe von Tisch zu Tisch: „Bist du Hansi K.?“ Wo ich auch frage: Fehlanzeige. Er MUSS doch hier sein! Gerade will ich aufgeben, da sehe ich, wie sich vor dem Gebäude ein Typ mit Schnauzbart auf sein Fahrrad schwingt. Ich – sofort raus – stelle ihn zur Rede: „SIE!“, tobe ich, bevor sich mein Gesicht in sich zusammenfaltet:

„Ich… äh… Grüß Gott, Herr Ude!“

Schufa 2.0: Die Social-Scoring-Abfrage kommt

Social-Scoring-Dienste wie Klout waren erst der Anfang. In Zukunft werden Anzahl und Güte unserer Facebook-Freunde darüber entscheiden, ob wir unseren Traumjob bekommen, welchen Handytarif wir zahlen und wie lange wir in der Telefon-Warteschleife verbringen.

Zeig mir Deine Freunde und ich sag Dir wieviel Du wert bist

„Haben Sie eine Payback-Karte?“ – Wenn ich diesen Spruch schon höre, krieg ich Schuppen. Genauso gut könnte mich die Kassiererin fragen: „Dürfen wir die Informationen über die Produkte, die Sie gerade erworben haben, zusammen mit all den anderen Daten, die wir im Lauf der Jahre über Sie gesammelt haben, auf Lebenszeit speichern und an Adresshändler verscherbeln? Als Gegenleistung erhalten Sie Prämienpunkte für diesen praktischen Reisefön.“

In nicht allzu ferner Zukunft werden Bonuskarten und ähnliche Tricks, um an unsere Daten heranzukommen, der Geschichte angehören. Dann bezahlen wir mit heruntergelassener Hose, nämlich mit unserem persönlichen Netzwerk. Nicht die Produkte, die wir kaufen, entscheiden über unsere Konsumkraft, sondern die Anzahl und “Güte” unserer Freunde und Follower bei Facebook oder Twitter. Kunden mit mehr Einfluss und Meinungsmacht werden besser bedient, verbringen weniger Zeit in Warteschleifen, erhalten günstigere Tarife für Waren oder Dienstleistungen.

Früher galten vor allem wir Journalisten als wichtige Meinungsmacher. Ein Grund, weshalb wir mit unserem Presseausweis fragwürdige Rabatte, sei es auf Autos, Handyverträge oder Flugreisen erhalten haben*. Das Internet ändert die Spielregeln. Heute kann jeder Nobody, der halbwegs mit einem Computer umgehen kann, mit seinen Produkt-Bewertungen ein Millionenpublikum erreichen. Es gibt Blogger, die haben mehr Leser als manche Tageszeitung.

Die Wirtschaft hat auf diese Entwicklung reagiert und arbeitet an sog. Social-Scoring-Systemen. Damit können Callcenter-Agenten blitzschnell feststellen, ob sie es am anderen Ende der Hotline mit einem „Influencer“, also einem Kunden mit viel Einfluss, zu tun haben und entsprechend kulant / ignorant reagieren. Personalchefs können ermitteln, wie beliebt ein Job-Bewerber ist und ob er über die „richtigen“ Kontakte verfügt. Ein Partyfoto des Job-Aspiranten kotzend über der Kloschüssel? Kein Problem, solange es sich um die Kloschüssel von Boris Becker nach einer Sause im P1 handelt.

Auch dieser Bundestagsabgeordnete freut sich über jeden Follower / Quelle: SZ

Die Social-Status-Schufa-Abfrage – Ihr haltet das für unwahrscheinlich? Ich sage: Es wäre unwahrscheinlich, wenn es nicht so käme. Warum? Weil es sich Firmen in Zukunft noch weniger leisten können, wichtige Kunden zu verprellen. Darüber hinaus lehrt uns die Geschichte: Was technisch gemacht werden kann, wird früher oder später auch gemacht. Erste Versuche in diese Richtung hat es ja schon gegeben.

Nicht überzeugt? Wir können ja wetten. Mein Wetteinsatz: dieser praktische Reisefön.

* Disclaimer: Bis vor kurzem hatte ich selbst noch einen sog. “Journalisten-Tarif” bei der Telekom

Rechner auf Rädern

Machen wir uns nichts vor: Wir reisen schon lange nicht mehr in Autos, Zügen oder Flugzeugen – sondern in begehbaren Computern.

Kuriose Durchsage gestern im ICE nach Nürnberg: „Sehr verehrte Bahngäste, bei unserem nächsten Halt muss dieser Zug re-settet und neu gestartet werden. Bei unserer Ankunft am Bahnhof werden sich die Türen kurz öffnen, dann wieder schließen und verriegeln. Aussteigen ist dann nicht mehr möglich. Licht und Klimaanlage werden nicht funktionieren, bis der Zug wieder vollständig hochgefahren ist. Dieser Vorgang wird in etwa zehn Minuten beanspruchen. Wir bitten um Ihr Verständnis.“

Ein Zug, der wieder hochfahren muss? Hat sich unterwegs der Bordcomputer aufgehängt? Ist sowas gefährlich? Ich stelle mir einen schweißgebadeten Lokführer vor, dessen ICE außer Kontrolle geraten ist, und der mit Tempo 200 auf den Kopfbahnhof zurast. Kurz vor dem Aufprall die freundliche Stimme aus der Support-Hotline: „Haben Sie schon mal einen Neustart probiert?“.

Neulich, auf meinem Flug nach New York, hatte sich das Entertainment-System aufgehängt. Statt Filmen, TV-Serien und primitiven Computerspielen konnte man auf seinem kleinen Sitzbildschirm dabei zuschauen, wie das Windows-System hinter dem Bordprogramm immer wieder aufs neue versuchte, zu rebooten. Momente wie diese geben zu denken: Hängt mein Leben, wenn ich mit dem Flugzeug fliege oder mit der Eisenbahn fahre, an Linux oder gar an Windows XP?

Machen wir uns nichts vor: Wir reisen schon lange nicht mehr in Autos, Zügen oder Flugzeugen, sondern in begehbaren Computern. Immer seltener hält der Fahrer oder Kapitän noch die Zügel in der Hand, sondern ein Silizium-Chip. Grund zur Panik? Die Statistik spricht eine andere Sprache. Die meisten tödlichen Unfälle, sei es zu Lande, zu Wasser oder in der Luft, sind immer noch auf menschliches Versagen zurückzuführen.

Quelle:  vke-design.de / David Gudelius / Bahn

Als Teenager haben mich Katastrophenfilme fasziniert. Seitdem plagt mich folgender Alptraum: Ich sitze im Flugzeug, als plötzlich die Stewardess über Lautsprecher fragt „Ist zufällig ein Pilot an Bord?“. Eine Frage, die mir immer wieder durch den Kopf geht, jedes mal, wenn ich ein Flugzeug betrete: Wäre ich in der Lage, sollten Pilot und Co-Pilot aus-was-für-einem-Grund-auch-immer ausfallen, unter Anleitung via Funk eine große Passagiermaschine zu landen? „Ja“, gab mir ein Lufthansa-Pilot neulich zu verstehen. Bis auf wenige Handgriffe könne eine Landung heutzutage komplett vom Autopiloten durchgeführt werden. Das natürlich nur, wenn sich der Bordcomputer nicht genau in diesem Moment aufhängt.

Neulich, im Einwohnermeldeamt

Heute soll vom Bundesrat der Vermittlungsausschuss angerufen werden. Es geht um den millionenschweren Datenhandel bei den Meldebehörden. Die Ausschussvorlage lässt Schlimmes erahnen.

Nach Proteststürmen im Juni, als das umstrittene Meldegesetz parallel zum Fußball-EM-Halbfinal-Spiel gegen Italien durch den Bundestag gejagt wurde, wird die Gesetzesvorlage nun im Bundesrat neu verhandelt. Werbetreibende sollen laut Ausschussempfehlung künftig nur dann Zugriff auf das Melderegister erhalten, wenn die Betroffenen nichts dagegen haben. Die werden dazu aber nicht etwa um Erlaubnis gefragt; es reicht, wenn der Adresshändler angibt, der Bürger habe ihn dazu ermächtigt. Eine Kontrollpflicht seitens der Behörde ist nicht vorgesehen.

Das Ergebnis könnte dann in Zukunft so aussehen:

Meldeamt:             Sie wünschen?

Adresshändler:   Guten Tag. Ich hätte gern die Privatanschrift von Richard Gutjahr.

Meldeamt:            Dürfte ich fragen, zu welchem Zweck?

Adresshändler:   Ich bin Adresshändler. Ich will die Adresse von Herrn Gutjahr an soviele Versandhäuser, Reisebüros und Lotteriegesellschaften verkaufen wie nur irgendmöglich.

Meldeamt:            Mooooment! Wie stellen Sie sich das bitte vor? Glauben Sie im Ernst, wir würden so leichtfertig die Privatadressen unserer Bürger rausrücken?!

Adresshändler:   Verdammt.

Meldeamt:            Ist Herr Gutjahr denn überhaupt damit einverstanden, dass wir Ihnen seine Daten geben?

Adresshändler:   äh… wissen Sie… (Hust) Jau, findet er ganz prima.

Meldeamt:            DAS ist natürlich etwas ganz anderes! Hier, bitte sehr. Macht 10 Euro.

Adresshändler:  Danke, Sie sind zu freundlich.

Meldeamt:            Brauchen Sie auch noch Geburtsdatum und Konfession?

Adresshändler:   Aber nur, wenn es nicht zuviel Umstände bereitet.

Meldeamt:            Kostet extra.

Adresshändler:  Klar, wieviel?

Meldeamt:            Sie haben Glück. Die Buchstaben G bis J sind heute im Angebot. Und wenn Sie das All-inclusive-Paket mit 1000 Adressen kaufen, bekommen Sie dieses praktische Messerset gleich noch oben drauf.

Spiegel Online hat ermittelt, dass deutsche Meldeämter mit dem Verkauf von Adressen Jahr für Jahr Millionenbeträge einnehmen.

“Was der Vermittlungsausschuss da beschließen soll, ist nichts anderes als eine gesetzgeberische Einladung zum Missbrauch, der klar die Handschrift der Lobbyisten trägt.” (Rechtsanwalt Thomas Stadler)

siehe auch:

Internet-Law: Meldegesetz – Gesetzgeber kann sich nicht aus dem Würgegriff der Lobbyisten befreien

G! blog: Adresshandel in Deutschland – die Privilegierten 

Die superlative Realitäts-Theorie des iPhone 5

Als Apple-Fan hat man es nicht leicht. Man wird belächelt, verspottet, für arrogant gehalten. Und wissen Sie was? We love it! Manchmal aber werden wir Apple-Jünger auf die Probe gestellt.

Nein, so ein Apple-Freund hat es nicht leicht. Gestern zum Beispiel, als in San Francisco das neue iPhone vorgestellt wurde. Da steht Produktmanager Phil Schiller auf der Bühne und sagt Sätze wie diese: “Das Meer wirkt blauer mit dem iPhone 5. Kinder sehen glücklicher aus und die Welt ist ein schönerer Ort.” Hat er wirklich gesagt. Schiller selbst merkt in diesem Moment aufgrund der Reaktionen im Saal wie lächerlich das alles gerade ist.

Das iPhone 5 sieht aus wie das Vorgängermodell, das unter ein Nudelholz geraten ist. Vom dünnsten, leichtesten, besten Smartphone aller Zeiten ist da die Rede. Das Problem: Es stimmt nicht. Die Konkurrenz ist Apple längst nicht mehr nur auf den Fersen, in vielen Punkten hat sie den iPhone-Bauer bereits eingeholt. Die beste Kamera: Nokia. Der beste Bildschirm: Samsung. Und doch gelingt es Apple immer wieder, die Massen für seine Produkt-Aufhübschungen zu begeistern, schafft sich seine eigene superlative Realitäts-Theorie.

In dieser Realität haben wir es nicht mehr mit einem Telefon zu tun, sondern mit einer Traummaschine, die uns jeden Wunsch sprichwörtlich von den Lippen abliest: „Wie wird das Wetter am Wochenende?“, fragen wir Siri, die eingebaute Spracherkennung. „17 Grad und sonnig“ antwortet die Computerstimme. Wenn man auf die Preistabelle für das neue iPhone schaut, möchte man Siri gleich noch nach den Lottozahlen von morgen fragen. 670 € (16 GB) bis 900 € (64 GB) ohne Vertrag. Den Adapter für bereits vorhandenes iPhone-Zubehör lassen sich die Kalifornier mit 29 € entlohnen. Für ein Stück Plastik.

Bei solchen Mondpreisen wundert es nicht, dass Apple an der Börse als das wertvollste Unternehmen aller Zeiten gehandelt wird. Seine Größe kann dem Konzern aber auch zum Verhängnis werden. Erfolg verpflichtet. Der Jäger wird zum Gejagten, vor allem seiner selbst.

Das iPhone 5 wird mit Sicherheit das meistverkaufte Smartphone aller Zeiten. Es wirkt solide, elegant, mit viel Liebe zum Detail. Aber eine Revolution ist es nicht. Vielmehr handelt es sich um den 5. Aufguss eines einst zu recht gefeierten Telefon-Konzepts. Ob es Apple je noch mal gelingen wird, etwas annähernd innovatives zu entwickeln?

Vielleicht muss man die Welt durch die Kamera des neuen iPhone sehen, um daran zu glauben. Hier, in meiner Realität, habe ich so langsam meine Zweifel. Wie seht Ihr das?

Von QR-Codes und Luftballonbüglern

QR-Codes fallen für mich in die Kategorie Dinge, die wo die Welt nicht braucht. Warum? Das will ich Ihnen verraten.

Haben Sie schon mal einen QR-Code benutzt? Oder anders gefragt: Kennen Sie jemanden, der schon mal einen QR-Code benutzt hat? Ach so, Sie wissen gar nicht was das ist. Nicht schlimm, muss man nicht wissen. QR-Codes, das sind diese quadratischen schwarz-weiß gemusterten Kästchen, die man jetzt immer häufiger in Zeitschriften, auf Plakaten, oder auf Bahn-Fahrkarten findet. Das QR steht für Quick Response und soll bedeuten, dass diese Dinger ganz schrecklich schnell reagieren… wenn, ja wenn sie nur jemand benutzen würde.

QR-Codes gehören für mich in die Kategorie Dinge, die wo die Welt nicht braucht. Warum? Weil sie in den meisten Fällen etwa so nützlich sind wie Bügeleisen, mit denen mal Luftballons bügeln kann (kein Witz, gab es auf der IFA dieses Jahr). Kein Mensch bügelt Luftballons. Und falls doch, rate ich diese Menschen dringend einen Arzt aufzusuchen.

Ginge es nach den QR-Code-Verfechtern, könnte das in Zukunft so aussehen: Der Ballonbügler stößt in einer Zeitschrift auf die Annonce eines Therapeuten, der sich auf das Bügeln von Luftballons spezialisiert hat. Er greift zu seinem Smartphone, lädt sich einen QR-Code-Scanner herunter. Dann hält er die Kamera seines Telefons über den Code, der in der Zeitschrift abgedruckt ist. Damit gelangt unser Ballonbügler zu einer Webseite, auf der die Telefonnummer des Psychiaters steht, den er dann anrufen kann. Natürlich hätte der Spezialist anstelle eines QR-Codes gleich seine Telefonnummer oder die Adresse seiner Webseite in die Anzeige schreiben können. Aber hey! Das wäre doch nun wirklich zu einfach.

Oh nein, wer was auf sich hält, braucht einen QR-Code. Für alles. So haben auch die israelischen TV-Sender jetzt damit begonnen, QR-Codes in Fernsehsendungen einzublenden – in das laufende Programm! Stellen Sie sich folgendes Szenario vor: Sie schauen Günther Jauch, wo sich gerade Petra Gerster, Ranga Yogeschwar und ein selbsterklärter Netz-Exorzist angeregt über das Böse im Internet unterhalten. Plötzlich auf Ihrem Bildschirm: ein QR-Code! Was tun? Schnell legen Sie Ihr Bügeleisen zur Seite, suchen panisch nach Ihrem Smartphone, hechten zum Fernseher und scannen den Code, bevor er wieder ausgeblendet wird. Mit ein bisschen Glück landen Sie dann auf der wahnsinnig schwer zu merkenden Webseite „ARD.de“. Echt praktisch das. …Nanu? Was riecht hier auf einmal so streng? – Mein Gott, der Luftballon!

Größer. Flacher. IFA.

Nexus 7? Windows 8? Pah! Ich brauche einen neuen Fernseher. Also bin ich zur IFA nach Berlin gefahren, wo die Devise gilt: Es geht immer noch ein bisschen flacher.

Willkommen zur Internationalen Funkausstellung hier aus Berlin, einer der ältesten Industriemessen Deutschlands. Megatrend diese Jahr (so wie in den letzten gefühlten 100 Jahren): die zunehmende Verschmelzung von Fernsehen und Internet. Mehrwert: Null. Aber hey, Hauptsache connected!

Optional: Wandmontage-Set

Trend 2: Die Bildschirme werden immer flacher, also passend zum Programm. Die organische Leuchtdiode, Freunde dürfen auch OLED zu ihr sagen, macht es möglich, dass die Screens nur noch 4 Milimeter dick sind. Das Portmonnaie nach dem Kauf auch: 10.000 Euro und mehr kosten die ersten Geräte. Dafür spart man sich eine teure Wandmontage. Die Bildschirme sind so dünn, dass man sich seinen Fernseher demnächst mit Tesafilm an die Tapete heften kann.

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Hersteller kriegen die Krise

Trotz aller Euphorie, die Branche steuert auf eine Mega-Krise zu: Marktforscher sagen voraus, dass 2016 rund 98 Prozent der deutschen Haushalte einen modernen Flachbildfernseher besitzen wird. 98 Prozent Flatscreen-Abdeckung; Ökonomen sprechen in diesem Zusammenhang auch von Vollverblödung. Anders ausgedrückt, für die RTL-Zuschauer unter Ihnen, Deutschland ist überglotzt. All die schönen 10.000-Euro-Bildschirme demnächst am Grabbeltisch bei Aldi? Die Hersteller sind entsetzt. Was tun? Logisch: Ein neuer Standard muss her! Nach HDready und FullHD will uns die Industrie jetzt tatsächlich „UltraHighDefinition“ unterjubeln.

Ultra High Definition

UHDTV ist sowas wie der 3. Weltkrieg unter den Pixel-Schlachten: 33 Megapixel, eine Versechzehnfachung von FullHD. Damit können Sie beim Fernschauen wahlweise in den Ausschnitt von Christine Neubauer oder in die Botox-Falten von Veronika Ferres abtauchen. Mittendrin statt nur dabei – und das ganz ohne 3D-Brille. Zugegeben, bei einer Vorführung hier in Berlin habe ich mich ganz schön in die Nesseln gesetzt. „Unglaublich, diese Bilder vom Mars!“ platzte es spontan aus mir heraus, als ich die rötliche Kraterlandschaft vor mir sah. Leicht düppiert klärte mich der Hersteller auf: Das seien keine NASA-Aufnahmen, die wir da gerade sehen, sondern ein Tagesthemen-Interview mit dem deutschen Außenminister.

Taugt nix: TV-Schirm am Schädel

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7 Gründe warum Facebook fertig hat

Lust auf eine Wette? Ich wette, dass Facebook fertig hat. Aus. Vorbei. Flasche leer. Zugegeben, ich bin nicht der Erste, der das sagt. Tatsächlich deutet vieles darauf hin, dass das Freunde-Netzwerk seine besten Jahre bereits hinter sich hat.

1. Einsetzender Facebook-Exodus

In den USA, also dort, wo der Facebook-Hype 2004 seinen Anfang nahm, gehen die Nutzerzahlen zurück. 1,1 Prozent Rückgang im ersten Halbjahr. In 14 weiteren Ländern schwindet das Mitgliederwachstum, in 23 weiteren Nationen mit mindestens 50 Prozent Marktanteil stagnieren die Zahlen (Quelle: Handelsblatt/Bloomberg). Verglichen mit den enormen Zuwächsen der Vergangenheit ist diese Entwicklung durchaus bemerkenswert.

2. Facebook ist unbeliebt

In den USA gilt Facebook als das unbeliebteste Web- und Medien-Unternehmen überhaupt (Quelle: Zeit Online/American Customer Satisfaction Index). Kein Wunder: Wenn man sich in seinem Bekanntenkreis umhört, dann ist niemand wirklich gerne auf Facebook, sondern vor allem deshalb, weil die anderen auch dort sind.

3. Die Rendite-Falle

Durch den Börsengang muss das Unternehmen in Zukunft deutlich mehr Gewinn abwerfen, sprich, die Daten seiner Nutzer noch aggressiver ausschlachten. Das dürfte wohl noch mehr Menschen vergraulen.

4. Das Verlierer-Image 

Eigentümer und Banken haben sich mit dem Börsengang die Taschen vollgestopft. Seitdem befindet sich die Facebook-Aktie im freien Fall. Spätestens wenn das Papier zur Pennystock verkommt, dürfte sich das auch auf die Community niederschlagen: Wer möchte schon Mitglied in einem Loser-Netzwerk sein?

5. Facebook hat keine Smartphone-Strategie

Das Internet ist mobil geworden, der stationäre PC ist Geschichte. Nur: Facebook-Chef Mark Zuckerberg hat offenbar keinen Schimmer, wie er seine Plattform sexy kriegt für die Nutzung unterwegs. Noch viel weniger weiß er, wie er damit Geld verdienen soll.

Stand Juli 2012 / Quelle: go-gulf.com

6. Die Konkurrenz

Zwar rangieren andere Netzwerke wie Twitter oder Google Plus weiterhin unter ferner liefen. Doch anders als im analogen Leben stimmen die Online-Kunden nicht mit den Füßen ab sondern bequem mit dem Finger. Die Konkurrenz ist nur einen Klick entfernt.

7. Verspieltes Vertrauen

Ist der Markt erst einmal gesättigt (siehe Punkt 1), bleibt einem Unternehmen nur noch eines: Vertrauen. Facebook aber hat das Vertrauen seiner Nutzer verspielt und das auf Lebenszeit. Datenschutz? Persönlichkeitsrechte? Die brachiale Wachstum-um-jeden-Preis-Strategie beginnt sich zu rächen. Kein Kurswechsel, keine Image-Kampagne der Welt könnte daran noch etwas ändern.

Die Wette gilt: Facebook hat fertig. Mein Wetteinsatz: 10 Linden-Dollar von meinem Konto auf Second-Life.

Wer hält dagegen?

3 Männer und kein Baby

Das Internet wird nicht regiert von Wissenschaftlern, nicht vom Militär und auch nicht von US-Konzernen. Das Internet wird regiert von Katzen.

Sitzen Sie? Heute muss ich Sie nämlich mit einer Nachricht konfrontieren, die Sie umhauen wird. Eine Enthüllung, größer noch als die Hitler-Tagebücher, die Barschel-Affäre und die Vermutung, dass steigende Benzinpreise vor Ferienbeginn irgendwie mit der Raffgier von Ölkonzernen in Zusammenhang stehen könnten. Sind Sie bereit? Das Internet wird nicht regiert von Wissenschaftlern, nicht vom Militär oder von US-Konzernen. Das Internet wird regiert von Katzen. Jawohl, Katzen.

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Haben Sie sich mal gefragt, weshalb Katzenbilder weltweit zu den beliebtesten Objekten im Internet gehören? Weshalb Katzenvideos bei YouTube geschaut werden, wie ‚Wetten dass..?’ zu seinen besten Zeiten? Dass ich, wann immer ich auch nur bei Facebook vorbeischaue, ungewollt irgendwelchem Flausch-Content ausgesetzt bin? Wieso ist das so?

Letzte Woche war Weltkatzentag (nicht zu verwechseln mit dem Weltkatertag, der ist bei den meisten von uns am 1. Januar). Bald werden Katzen die Weltherrschaft an sich reißen. Bis es soweit ist, möchte ich aber verschont bleiben von all diesen klebrig süßen Kuschel-Wuschel-Bildern auf meinem Bildschirm. Nur wie?

Einer Gruppe junger Amerikaner könnte jetzt der Durchbruch gelungen sein. Mit der Software unbaby.me lassen sich Baby-Fotos im Internet durch beliebige andere Bilder ersetzen, zum Beispiel durch Abbildungen von Rennautos oder von gebratenem Speck.

Die drei New Yorker fühlten sich belästigt durch die ausufernde Flut an Baby-Fotos, die ihr Bekanntenkreis bei Facebook zur Schau stellte. Also programmierten sie ein kleines Zusatzprogramm für den Browser, das die unliebsamen Baby-Bilder noch beim Laden einer Seite erkennt und herausfiltert. 19.000 Downloads binnen weniger Tage; mit ihrem Gratis-Plugin haben die Männer offensichtlich einen Nerv getroffen.

Was mit Babies geht, klappt sicher auch mit Katzen. Noch sind die Baby-Testreihen nicht endgültig abgeschlossen, so dass man gefahrlos zu Katzen-Bilder übergehen kann. Aber die Programmierer sind zuversichtlich, dass auch diese letzte Hürde bald genommen werden kann. Ein Internet ohne aufgezwungene Baby- bzw. Katzenbilder! Welch Wohltat! Oder wie es ein Kommentator bei Twitter ausdrückte: They fixed the internet – sie haben das Internet gerichtet.

Zurück zur Natur

Große Pläne im Hause Gutjahr. Ich mache Urlaub. Keine tiefe Häuserschluchten von Manhattan. Keine bunten Bazare in Delhi. Diesen Sommer suche ich das große Abenteuer, den ultimativen Kick: Urlaub auf dem Bauernhof.

Eine Woche offline, ohne Handy und Computer. Nur ich, die Familie und jede Menge… wie heißt das noch gleich? Richtig, Natur.

Vogelgesänge statt Twitter, Geißbock statt Facebook. Ich weiß, was Sie jetzt denken und Sie haben Recht: Das packt der nie, dieser verweichlichte Stadtbengel. Wie in der Welt will der das auch nur einen Tag lang durchhalten? Um ehrlich zu sein, ich weiß es auch nicht. Alles was ich weiß, ist, dass ich es tun muss, den Kindern zuliebe. Wie sonst sollen sie lernen, dass das Computerspiel Farmville auf einer wahren Geschichte beruht. Dass man Kühe nicht anklicken sondern melken muss. Dass diese Vorrichtung ganz vorne am Schwein die Nase ist und keine Steckdose.

Auf der Alm, da gibt’s koa Sünd. Und kein Internet.

Neulich, auf einem Ausflug zum Apple Store, ist meinem knapp zweijährigen Sohn und mir ein Hund begegnet. Ein etwa gleichaltriges Kind war damit beschäftigt, den Vierbeiner gnadenlos nieder zu streicheln. Mein Junge gesellte sich dazu und begann, mit seinem kleinen Zeigefinger auf dem Tier herumzudrücken. Da wusste ich, wir müssen reden. Leider versteht mein Sohn mich nicht, sein Wortschatz ist in etwa vergleichbar mit dem von Siri, der Spracherkennungssoftware meines iPhones. Ich musste also andere Wege finden, ihm zu erklären, dass die Welt nicht nur aus Apps und entspiegelten Bildschirmen besteht.

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Dieses Jahr also Urlaub auf dem Bauernhof, ein Bildungsurlaub für die ganze Familie. Zugleich auch eine gute Gelegenheit, die Akkus aufzuladen; die meines iPhones, die meines iPads und die eigenen. Bei der Gelegenheit wollte ich schon immer mal wissen, wie lang so eine Kuh am Netz hängen muss, damit sie auch nach längerem Standby-Betrieb genügend Milch für einen Decaf Soy Latte Macchiato auswirft.

Schneller! Höher! Twitter!

Noch nie haben Sportler, Journalisten und Fans soviele Skandale produziert wie in diesem Sommer. Zeit, dass Twittern endlich olympisch wird!

Syrien und Eurokollaps müssen warten. Es ist Olympia, da muss man Verständnis haben. Wie Ihr vielleicht wisst, habe ich mit Sport nicht viel am Hut. Laufen, Schwimmen, Rudern. Na und? Irgendwer gewinnt ja immer. Ein Medaillenträger ist zufällig im gleichen Land wie ich zur Welt gekommen? Bravo. Ich war mal mit einer Schwimmerin zusammen, die hatte Schultern wie Batman. Und auch seine Stimme. Wenn sie morgens und am Nachmittag ihre Bahnen zog, hockte ich vor meinem Commodore 64 und spielte Summer Games bis der Joystick glühte. Das war noch echter Sport!

Nichts gegen die Antike. Aber heute, im Digitalzeitalter, sind nun mal andere Qualitäten gefragt als Kunstturnen oder Bogenschießen. Twittern zum Beispiel. Hier besteht dringend Handlungsbedarf. Habt Ihr das gelesen? Wegen einer 140-Zeichen-Beleidigung des gegnerischen Teams aus Südkorea ist ein Schweizer Fußballer aus dem Olympia-Kader geflogen. Eine griechische Dreispringerin durfte wegen einer rassistischen Äußerung auf Twitter erst gar nicht nach London anreisen.

Google-Stoßen wird olympisch

Aber auch Fans und Berichterstatter stehen bei diesen Spielen verstärkt unter Beobachtung. Ein 17jähriger Engländer bekam diese Woche Besuch von der Polizei, weil er mit einem Tweet einen britischen Schwimmstar verunglimpft hatte. In einem anderen Fall wurde das Twitter-Konto eines amerikanischen Journalisten gesperrt. Kein Doping. Schlimmer: Er wurde des öffentlichen Pöbelns überführt.

Wahrhaftig, es wird Zeit, dass die Spiele digital werden! Twittern wäre dann endlich olympisch, daneben Googlestoßen*, iPaddeln* oder der Zehnfinger-Kampf*. Auch mit diesem Loser-Spruch „Dabei sein ist alles!“ wäre Schluss. Mit einer schnellen Netzverbindung könnten die Teilnehmer bequem von zuhause aus gegeneinander antreten. Damit es dabei auch fair zugeht, müssten die Athleten regelmäßig Datenproben abgeben. Vor den Wettkämpfen ist die Einnahme leistungssteigernder Substanzen (Pizza, Cola, Red Bull) strengstens untersagt. Bei Zuwiderhandlung droht Internetsperre für zwei Jahre. Am Ende scheitert meine Vision der Digitalen Spiele aber immer wieder an einem Problem: Das Olympische Feuer will einfach nicht durch diese dämliche Firewall!
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* die Ideen zu diesen großartigen Disziplinen lieferten  @ragnarh - @r_bruehe und @MedientanteMT - Ihr seid krank. Vielen Dank dafür!

Embrace Your Geekness

Heute ist “Embrace-Your-Geekness-Day” – Zeit, eine Minderheit zu feiern, der wir viel zu verdanken haben

Den heutigen Text möchte ich einer Minderheit widmen, die kaum Beachtung findet in unserem Alltag, und der wir doch so viel zu verdanken haben. Die Rede ist vom Geek. Der ->Geek, umgangssprachlich für Streber oder Stubengelehrter, eine Person, die sich durch großes Interesse an so absonderlichen Themen wie Physik, Chemie und vor allem Mathematik auszeichnet.

Das englische Wort „geek“, abgeleitet vom mittelniederdeutschen „geck“, bezeichnete im Amerika des 19. Jahrhunderts Zirkusleute, die auf Jahrmärkten lebendigen Tieren den Kopf abbissen (nicht zu verwechseln mit ->Greek). Heute wird der Begriff vor allem für Menschen verwendet, die sich für Computerspiele, Smartphones und andere technische Spielzeuge begeistern.

In den USA wird seit den 90er Jahren Jahr für Jahr am 13. Juli der „Embrace-Your-Geekness-Day“ gefeiert – sei stolz, ein Geek zu sein! Ein schöner Brauch, der mit in der Gesellschaft weit verbreiteten Vorurteilen aufräumen und das gegenseitige Verständnis für mehr Miteinander fördern soll. Die gängigen Klischees: Geeks treiben keinen Sport, ernähren sich ausschließlich von Pizza und Cola. Geeks haben ein spezielles Verhältnis zur Körperhygiene. Diskriminierend!

Fakt ist: Ohne Geeks, die schon ein Handy hatten, als man diese noch im Rollkoffer hinter sich herziehen musste, hätte es Lifestyle-Produkte wie das iPhone nie gegeben! Hätten Geeks nicht mit ihren Akkustik-Kopplern den Weg geebnet, würden wir uns heute noch mit BTX ins „Internet“ einwählen. Geeks haben wir 1-Euro-Handys sowie erschwingliche Mobilfunk-Tarife zu verdanken. Darüberhinaus tragen sie einen wertvollen Beitrag zum Jugendschutz bei: Flatrate-Surfen statt -Saufen. Nimm das, Kristina Schröder!

Geek is beautiful. Das erkennen auch Politiker wie Guido Westerwelle oder Alexander Dobrindt und haben ihre Kassen-Brille gegen eine trendige Woody-Allen-Geek-Brille getauscht. Doch lassen Sie sich nicht täuschen: Echte Geeks suchen nicht das Rampenlicht sondern gehen lieber zurückgezogen ihrer Obsession nach. Sollten Sie Glück haben und zufällig mal einem echten Geek an der frischen Luft begegnen: Flauschen Sie ihn! Schenken Sie ihm ein Lächeln und vielleicht laden Sie ihn auf eine Cola ein. Danken Sie ihm für die Pionier-Arbeit, die er für Sie, für uns alle leistet.

900 Millionen Freunde sollt Ihr sein

Im Fußball mögen wir Weltspitze sein – aber in den Sozialen Netzwerken spielt Deutschland allenfalls in der Kreisklasse. Die Euro 2012 hat gezeigt: Das nächste große Fußball-Turnier wird im Netz entschieden!

Fußball ist ein Mannschaftssport. Deshalb schaut man große Turniere schon lang nicht mehr allein zuhause vor dem Fernseher, sondern unter freiem Himmel im Rudel. Public Viewing ist aus unserer Event-Gesellschaft kaum noch wegzudenken, genau so wenig wie die dämlichen Auto-Korsos nach dem Spiel. 500.000 Menschen allein auf der Berliner Fan-Meile. Da geraten selbst hartgesottene Sport-Verweigerer wie ich in Zugzwang.

Zum Glück gibt es das Internet! Über die Sozialen Netzwerke lassen sich alle EM-Spiele zusammen mit wildfremden Leuten anschauen – und zwar gemütlich vom Wohnzimmersessel aus! „Social Viewing“ nennt sich das, wenn man sich mit seinen Facebook-Freunden oder Twitter-Followern zum gemeinsamen Fußballschauen im Netz verabredet.

Elf Freunde sollt Ihr sein, heißt es auf dem Fußballplatz. Doch was sind schon elf Freunde in Anbetracht von über 900 Millionen potentiellen Bekanntschaften bei Facebook?

„Gute Freunde soll niemand trennen“ wusste schon der Kaiser, was natürlich eine stabile Internet-Verbindung voraussetzt. Zur Sicherheit hat sich der Franz (der Echte) jetzt auch bei Twitter angemeldet. Einen seiner ersten öffentlichen Tweets richtete @Beckenbauer an seinen „brother“ @Pele. Der antwortete prompt: „God bless Der Kaiser“.

Die Brasilianer – gegen die sind wir Deutsche in den Social Networks Kreisklasse. Nach den USA ist Brasilien Vize-Meister bei Twitter. Deutschland liegt abgeschlagen auf Platz 18. In Worten: Achtzehn! Fans, Sportfreunde – das können wir unmöglich auf uns sitzen lassen!
Wenn wir uns bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien nicht bis auf die Knochen blamieren wollen, müssen wir uns reinknien: Befreundungsgeld für Mütter, die ihre Kinder von zuhause aus via Facebook erziehen. Staatlich subventioniertes Twittern; wer mehr als 1000 Follower hat, muss weniger Steuern zahlen.

Die nächste WM wird nicht auf dem Rasen entschieden sondern im Netz. Und wer will, kann sich hinterher an dem virtuellen Auto-Korso beteiligen – auf Google-Maps. Das wird ein Spaß!

Weniger ist mehr

Lange Zeit war ich einer Illusion erlegen, die da lautete: mehr ist mehr. Je mehr technische Geräte ich besitze, umso glücklicher bin ich. Doch dann traf mich die Erkenntnis wie ein Schlag.

Ich liebe Technik. Zuhause auf meinem Couchtisch liegt nicht nur eine Fernbedienung sondern 7 ! Mit so einer Fernbedienung in der Hand fühle ich mich wie ein Zauberschüler mit seinem Zauberstab: Ein Knopfdruck hier, ein Knopfdruck da – Fupp! – und mein Fernseher, der Bluray-Player und meine 5.1 Dolby Surround Anlage erwachen zum Leben. Mehr Technik. Mehr Knöpfe. Mehr Magie. Nimm das, Harry Potter!

Mehr Technik, mehr Glück? Gemessen an meiner letzten Stromrechnung müsste ich der glücklichste Mensch der Welt sein. Allein: ich bin es nicht. Ist dieser ganze Technik-Schnickschnack wirklich notwendig, machen Computer, Smartphones und HD-Fernseher wirklich glücklich? Die Erleuchtung kam sprichwörtlich schlagartig. Gerade war ich dabei, unter meinem Schreibtisch die dritte Zehner-Steckerleiste anzuschließen (wer bitteschön kommt heutzutage mit auch nur 20 Stromanschlüssen aus?), da bekam ich eine gewischt und die Sicherung flog raus. Ein Moment, der mein Leben für immer ändern sollte!

Auf einmal erkannte ich, was über all die Jahre falsch gelaufen war: Wer in der Welt braucht 30 Steckdosen, 7 Fernbedienungen? Plötzlich begriff ich, was ich lange Zeit nur für einen weltfremden Spruch hielt: weniger ist mehr. Ich spürte: Mein Leben musste sich von Grund auf ändern. Ich verlor keine Sekunde und ging mit einem meiner drei Laptops sofort online: Da gibt es eine neue, programmierbare Fernbedienung, mit der ich meine anderen sieben Fernbedienungen fernbedienen kann! Die Zehner-Steckerleisten habe ich gegen 3 Achter-Hochsicherheitsdosen ersetzt. 6 Steckplätze weniger – dafür geprüfter Schutz gegen Stromschläge.

Seitdem ich „Weniger ist mehr“ zu meiner neuen Lebensmaxime erklärt habe, bin ich ein neuer Mensch. Mein letzter Glückskauf: ein Geräusche unterdrückender Kopfhörer. Sieht aus wie ein gewöhnlicher Kopfhörer, ist aber vollgestopft mit Technik, die weniger unerwünschte Geräusche ans Ohr lassen. Das funktioniert so gut, dass ich sie immer häufiger auch so trage, ohne dasss ich damit Musik höre. Im Großraumbüro zum Beispiel oder im Flugzeug, bei nervtötenden Durchsagen: Stille! Auch zuhause, wenn ich mal Ruhe von der Familie haben will: Ein Knopfdruck – und unerwünschte Elemente nehme ich gar nicht mehr wahr. Tatsache: Weniger ist mehr. Gleich mal schauen, ob es sowas auch für Brillen gibt.

Das verflixte 7. Jahr

The honeymoon is over – wir befinden uns im verflixten 7. Jahr der Social Networks, Facebook & Co sind im Alltag angekommen. Vielleicht kehrt jetzt endlich Ruhe ein in die mitunter hysterisch geführten Debatten um Sinn und Unsinn sozialer Netzwerke.

Ich bin müde. Facebook-müde. Keine Bange, ich gehöre nicht zu Polit-Posern wie unsere Verbraucherschutzministerin, die demonstrativ aus Facebook ausgetreten ist, um sich von der Presse als Jeanne D’arc des Datenschutzes feiern zu lassen: „Nimm das, Zuckerberg!“ – Nein, darum geht es nicht. Ich stelle fest: Mir wird Facebook zunehmends egaler. Eine neue Freundschaftsanfrage? Kann warten. Ich bin irgendwo markiert worden? So what, da will ich jetzt nicht rangehen.

Soziale Netzwerke kommen und gehen. Second Life, MySpace, Lokalisten, anyone? Der deutsche Facebook-Klon StudiVZ hat nach knapp sieben Jahren fertig, will im Herbst als Lernplattform Idpool.de seine Wiederauferstehung feiern. Guten Flug. Google+ ist vor einem Jahr gestartet, will bis heute über 100 Millionen Nutzer gewonnen haben. Augenwischerei, wenn man bedenkt, dass der Web-Gigant die User neuerdings dazu zwingt, einen Plus-Account anzulegen, will man Services wie Google-Mail oder Google-Docs nutzen.

Für Soziale Netzwerke gilt Wachstum um jeden Preis. Was aber, wenn man mit bald einer Milliarde Nutzer den Markt leergefischt hat? Fluch und Segen der Betreiber: Die Konkurrenz ist nur einen Klick entfernt. Sollte EU-Kommissarin Viviane Reding ihre Forderung durchsetzen, persönliche Daten exportierbar zu machen, dürfte sich der Druck auf die Platzhirsche erhöhen. User könnten dann leichter zwischen den Plattformen wechseln und ihre Daten mitnehmen, ähnlich wie man seine Telefonnummer beim Wechsel einer Telefongesellschaft behalten kann. Gleichzeitig wächst unter den Nutzern das Bewusstsein dafür, nicht zwingend überall alles von sich preisgeben zu müssen, nur weil es geht.

Wir befinden uns im verflixten 7. Jahr der Social Networks, der honeymoon is over, Facebook & Co sind in unserem Alltag angekommen. Vielleicht kehrt jetzt endlich Ruhe ein in die mitunter hysterisch geführten Diskussionen um sog. Facebook-Partys, -Morde oder -Revolutionen (Unzutreffendes bitte streichen). Das Leben ist ‚social’, das Netz nur ein Werkzeug und wir sind alle Teil davon. Richard Gutjahr gefällt das.

Horstl, bring Deine Freunde mit!

Berlin gilt als die heimliche Hauptstadt des Internets – doch haben die Kenner die Rechnung ohne die Bayern und den heimlichen Ober-Piraten gemacht: Horst Seehofer.

Berlin, die heimliche Hauptstadt des Internets. Wenn es eine Metropole in Europa gibt, die das Zeug hätte, es mit dem Silicon Valley in Kalifornien aufzunehmen, dann Berlin. Ob in den USA, Israel oder Russland, überall gilt Berlin als DIE Location schlechthin, um ein neues Startup zu gründen. „Das nächste Facebook kommt aus Berlin“ hört man sogar manchmal. Und mal ehrlich, Berlin hätte es bitter nötig, sich ein paar Dollar dazuzuverdienen.

Wenn Facebook in 2 Wochen an die Börse geht, ist das einer der größten Tech-Börsengänge aller Zeiten. Notorische Bausparer und Miesmacher sprechen dagegen von einer neuen Internet-Blase. Und da ist Berlin mit seinen Bubble-Tea-Bars, die dort wie Coffee-to-go-Ketten aus dem Boden schießen, genau das richtige Pflaster.

Ich weiß was Sie jetzt denken, und Sie haben Recht: Warum Berlin und nicht München? Vielleicht hat es damit zu tun, dass bei uns die FDP im Parlament sitzt und (noch) nicht wie im Berliner Senat Abgeordnetenhaus die Piraten. Aber die CSU hat das Defizit an ihrer Seite erkannt und handelt: Um den Piraten den Wind aus den Segeln zu nehmen, fährt Kapitän Seehofer schwere Geschütze auf: Der CSU-Chef hat zur großen Internet-Party ins nie-so-wirklich-hippe P1 (= Pirat No.1) geladen. Er wolle seine Facebook-Freunde „persönlich kennen lernen“. Wie das Politik 2.0 (gnihihi!)-Referat der Christsozialen stolz betont, habe der Boss persönlich die Einladung auf seiner Facebook-Seite verbreitet. Sogar die Anmeldung erfolge direkt und ohne Ausdrucken über das soziale Netzwerk. Verhext!

Nun wissen wir alle, wie solche Facebook-Partys manchmal enden können. Nach dem Vorfall bei der Schülerin Thessa, deren Wohnhaus einst von Tausenden ungebetener Partygäste überrannt wurde, hatten Union-Politiker gefordert, Facebook-Parties unter Strafe zu stellen. Vielleicht droht Seehofer mit seiner Sause ja das gleiche Schicksal wie Thessa, was den nützlichen Nebeneffekt hätte, dass man nicht länger überlegen müsste, ob man den hässlichen Nazi-Bau an der Prizregentenstraße 1 endlich abreißen soll.

Ich verabschiede mich an dieser Stelle erstmal nach Berlin, wo ich für die ARD auf der re:publica (nein, liebe Journo-Kollegen, keine „Bloggerkonferenz“!) sprechen und ein bisschen Werbung für mein kleines Late-Night-Projekt rundshow im Bayerischen Fernsehen machen darf (das Internet berichtete). Vielleicht sehen wir uns ja dann alle am Dienstag beim Horstl. Bringen Sie Ihre Freunde mit!

Nieder mit dem Piraten-Pack!

Die Piratenpartei – die neuen Grünen? Fiktiver Gastbeitrag eines grünen Abgeordneten aus der Monatszeitschrift “Parlament & Plebs”

Deutschland, ich weine um Dich! Der Homo digitalis degeneriert in Echtzeit, vom Primaten zum Piraten: nichts hören, nichts sehen, nichts sagen. Weil Ihr mit Euren weißen Kabeln, die Euch aus den Ohren wachsen, durch die Welt rennt und dabei ständig nur auf das Display Eures iPhones starrt, habt Ihr zu nichts eine Meinung. Euro-Rettungsschirm? Steuersystem? Sozialabgaben? -„Dazu haben wir noch keine Position.“ Alles so schön bunt hier!

Völker hört die MP3-Signale! Es ist das letzte Gefecht zwischen On- und Offlinern, zwischen denjenigen, die Verantwortung tragen und denjenigen, die diese nur möglichst basisdemokratisch verteilen wollen. Transparenz, Mitbestimmung, Liquid Democracy, Buäh! Glaubt Ihr denn wirklich Politik ist so einfach? Meint Ihr, wir hatten keine Ideale, damals? Wir haben in Wackersdorf demonstiert. In Wackersdorf! Wisst doch nicht mal, wie man Protest buchstabiert, ohne Eure in die Wolke outgesourcten Hirne zu bemühen!

Noch kokettiert Ihr, die Piratenflagge schwenkend, in Talkshows mit Eurem Unwissen. Probiert das mal, wenn Ihr erst im Bundestag sitzt! Wenn Ihr Verantwortung habt, für Deutschland, die Wiederwahl, für gutdotierte Aufsichtsratsposten.

Gestern war Welttag des geistigen Eigentums. Eigentum – wisst Ihr überhaupt noch, was das ist, Ihr Community-Kommunisten? Statt zu kaufen, zu konsumieren und danach bitteschön die Klappe zu halten, wie es sich gehört, wollt Ihr alles für Mau. Und dann auch noch überall mitreden, teilen, liken, mixen. Facebook und Twitter, das sind keine sozialen Netzwerke, das ist Sozialismus!

Aber Ihr werdet Euch noch umsehen! Auch Ihr werdet eines Tages aus Eurer Cloud fallen und Euch in einem Spießer-Reihenhaus am Stadtrand wiederfinden. Mit C-Klasse und einer Hypothek an der Backe, die Ideale, längst im Rosenbeet vergraben. Wenn aus Eurer Virtual Reality fleischgewordene Realpolitik geworden ist, werden wir doch mal sehen, ob Ihr dann immer noch so dämlich grinst! Merkt Euch meine Worte: Erst wenn die letzte Zeitung gedruckt ist, und der letzte Datenstrom versiegt, werdet Ihr feststellen, dass man Facebook-Likes nicht essen kann.

Ich, der Supermann vom Supermarkt

Lange Schlangen, unfreundliche Verkäufer, genervte Kunden. Der allwöchentlich Gang zum Supermarkt ist für mich der reinste Horror. Doch heute schlage ich zurück!

Was habe ich mich früher oft geärgert, wenn ich nach Feierabend schnell noch was einkaufen musste. Einkaufswagen an Einkaufswagen stand man eingekeilt vor der einzigen besetzen Kasse, wie am Brenner zu Ferienbeginn. Man konnte darauf warten, wie der Kassiererin mal die Kassenrolle ausging, sie aufsprang und in den Tiefen des Regale-Labyrinths verschwand, um nach dem korrekten Preis zu suchen. Und dann war da immer diese eine Rentnerin, die den ganzen Tag nur darauf gewartet hatte, dass ich den Supermarkt betrete, um sich dann kurz vor mir in die Schlange einzureihen: „Moment, ich hab’s passend!“.

Heute dagegen habe ich das umgekehrte Problem: Mir geht das alles zu schnell! Ich komme an der Kasse nicht mehr hinterher. Bevor ich auch nur die Öffnung der Plastiktüte gefunden habe, hat die Kassiererin bereits meinen gesamten Wocheneinkauf über ihren Hightech-Scanner gezogen. Oft werfe ich ihr dann irgendeinen möglichst großen Geldschein entgegen, damit sie erst mal beschäftigt ist. Doch damit erkaufe ich mir allenfalls Sekunden. Schließlich erhöht sie den Druck, schiebt den Lebensmittelberg des nächsten Kunden mir entgegen. Panik kommt auf. Schlagzeile: „Blogger unter Lebensmitteln begraben!“ – oder gar von wütendem Supermarkt-Mob gelyncht. Grabstein-Inschrift: „Er hielt den Betrieb auf!“.

Diesmal werde ich mir keine Blöße geben! Die letzten Wochen habe ich damit verbracht, die Roll-Eigenschaften jedes einzelnen Einkaufswagens zu studieren. Die kaputten Wägen habe ich markiert, damit mich das nicht zurückwirft. Dann: die richtige Auswahl an Lebensmitteln. Ich kaufe Obst. Viel Obst. Nicht etwa, weil ich Lust darauf habe; das Wiegen von Obst und Gemüse dauert am längsten an der Kasse! Nach ein paar Minuten: Zielgerade. Jetzt muss jeder Handgriff sitzen! Ich platziere die bereits halb geöffneten Plastiktüten ganz vorne auf dem Band. Dann die schweren Flaschen, die Chips und den Joghurt. Dazwischen streue ich strategisch immer mal wieder eine Möhre ein! Einzeln! Das verschafft Luft.

Cornflakes – Piep – Milch – Piep. Möhre: Wieg. Ein dramatisches Kopf-an-Kopfsalat-Rennen! Und tatsächlich: Zum ersten Mal seit Jahren bin ich mit dem Packen schneller fertig als die Kassiererin mit Scannen! „Macht 47,56 Euro, bitte!“ Ich taste nach meinem Portemonnaie. Oh Mann, das Portemonnaie! Steckt noch im Mantel von gestern. Ich spüre die vorwurfsvollen Blicke der Kunden in meinem Nacken. Die Kassiererin genervt: Ein Storno – sowas wie der Supergau im Supermarkt! Eine ältere Dame weiter hinten aus der Schlange ruft: „Dauert das noch länger dort bei Ihnen?!“

Brave New World: Social Scoring

In einer nicht allzu fernen Zukunft entscheidet Social-Scoring darüber, wie schnell man einen Termin beim Arzt kriegt, ob wir Business- oder Holzklasse fliegen dürfen.

Heute melde ich mich mal wieder aus der Zukunft, genauer gesagt aus dem Jahr 2042. Nein, unsere Autos können immer noch nicht fliegen, dafür laufen sie jetzt mit Bubble-Tea und Frittier-Fett. Tankstellen sind nach und nach ersetzt worden durch McDrives. Zu jeder Tankfüllung gibt es wahlweise ein Happy-Meal-Spielzeug oder eine Apfeltasche extra.

An die Stelle des Euros, der 2020 nach dem von Ministerpräsident Söder maßgeblich forcierten Austritts Bayerns aus der EU endgültig zusammengebrochen war, ist als Weltwährung der sog. „Facebook-Like“ getreten. 100 FLs (oder auch GMs „Gefällt Mirs“) entsprechen einem früheren Euro. Wer beispielsweise sein Gehalt aufbessern will, „liked“ kategorisch alle Facebook-Einträge seines Chefs, was vielen meiner Kollegen schon früh die Bezeichnung „Assliker“ bzw. „Arschklicker“ einbrachte.

Wenn Daten das Erdöl des 21. Jahrhunderts sind, so sind Sympathiewerte das Schmierfett. Die Anzahl unserer Freunde und Follower bei Facebook, Twitter & Co ergeben einen Influencer-Scoring-Wert, der darüber entscheidet, wie schnell man beim plastischen Chirurgen einen Termin bekommt oder ob wir im Raumschiff zum Space-Hotel Business- oder Holzklasse fliegen dürfen. Offiziell hat die Regierung unter Bundeskanzlerin Marina Weisband (Piraten-Partei) die sogenannte „Scoring-Diskriminierung“ für illegal erklärt, aber kaum einer hält sich dran, sind es doch gerade die Politiker, die sich durch geschicktes Scoring ihre Wiederwahl sichern.

Diese Machtverschiebung weg vom Großkapital hin zu virtuellen Werten trägt bisweilen merkwürdige Blüten. So berichtet Alt-98′er Sascha Lobo in diversen YouTube-Talkshows davon, wie es kam, dass seine Lebensabschnittsgefährtin Veronica Ferres ihrem Carsten einst den Laufpass gab, als sie erfuhr, dass Maschmeyer zwar jede Menge Schampus-Freunde in Hannover hat, im Web aber eine Niete ist.

Was ich Ihnen, liebe Blog-Leser des Jahres 2012, mit auf den Weg in die Zukunft geben will, ist folgendes: Pflegen Sie Ihre Freundschaften, im Netz wie auch sonst wo. Im Leben begegnet man sich immer zweimal. Bei Facebook rund um die Uhr.

Farewell, Encyclopaedia Britannica!

Diese Woche ist ein guter Freund von uns gegangen: das Buch. Nicht irgendein Buch, sondern das Buch der Bücher: Die Encyclopaedia Britannica.

Vor knapp einem Viertel Jahrtausend ist das legendäre Nachschlagewerk von Anhängern der schottischen Aufklärungsbewegung in Edinburgh entwickelt worden. 7,1 Millionen Bände wurden seitdem verkauft. Dann kam das Internet, die Bestellungen brachen drastisch ein. Die aktuelle Auflage liegt wie Blei in den Regalen, gerade mal 8000 Exemplare seien bestellt worden. Zu wenig, um die hohen Druckkosten zu rechtfertigen. Nach 244 Jahren wird die Lexikonreihe nicht mehr neu aufgelegt.

Keine gedruckte Encyclopaedia mehr! Und das ausgerechnet zum Auftakt der Leipziger Buchmesse. Es heißt, das Lexikon soll in digitaler Form fortgeführt werden. Als ob es darum ginge. Die Frage ist doch: Womit soll ich in Zukunft raushängen lassen, dass ich Abitur habe? Natürlich kann ich mir auch eine Reihe CD-ROMs ins Regal stellen. Aber mal ehrlich Leute, irgendwie ist das nicht dasselbe! Schon allein der goldbetresste Einband macht gewaltig was her, wenn Freunde zu Besuch kommen, signalisiert: Hier hat einer 1200 Euronen auf den Tisch gelegt, um die 32 Bände sein eigen nennen zu können.

Ich weiß was Sie jetzt denken und Sie haben ja Recht: auf die Inhalte kommt es an, nicht auf die Verpackung. Interessanterweise hält dieser Inhalt auch nicht immer, was er verspricht. Wissenschaftler wollen herausgefunden haben, dass die Encyclopaedia Britannica gespickt sei mit Fehlern. Im direkten Vergleich habe das von Laien zusammengetragene Online-Lexikon Wikipedia sogar besser abgeschnitten als die Profis vom großen Brockhaus.

Ob ich die Gelegenheit nutzen und mir die letzte Auflage der Encyclopaedia kaufen soll? Immerhin hätte ich damit ein Stück Geschichte für mich bewahrt. Auf der anderen Seite: Ab heute gibt’s das neue iPad. Das 64 Gigabyte-Modell mit 4G Anbindung kostet 800 Euro. Dazu die komplette Encyclopaedia auf DVD-ROM. Die gibt’s schon für 40 Euro. Damit hätte ich sogar rund 360 Euro gespart. Wenn ich’s mir genau überlege: Wer braucht schon Bücher!

 

CeBIT zartbitter

Kaum hat die große IT-Messe in Hannover angefangen ist sie fast schon wieder vorbei. Zurück bleibt ein schaler Nachgeschmack. 

Heute melde ich mich aus Hannover, wo mich beinahe die Kanzlerinnen-Limousine überrollt hätte, als ich gerade wieder zwischen den Messehallen umher irrte. Merkel, im grünen Blazer (Verbeugung vor dem CeBIT-Partnerland Brasilien oder vor einem möglichen Koalitionspartner 2013?) ließ geduldig allmöglichen Tech-Porn über sich ergehen. Ihre Bodyguards hatten alle Hände voll zu tun, sie bei ihrem Messerundgang abzuschirmen, vor aufdringlichen Autogrammjägern und all den Möchtegern-Maschmeyers, die sich mit der Kanzlerin fotografieren lassen oder ihr den Schlüssel zu irgendeiner Ferienwohnung zustecken wollten.

Der Lack ist ab in Hannover, gesellschaftlich und inhaltlich. Die einst so stolze IT-Börse soll nächstes Jahr schon wieder um einen Tag schrumpfen. Viele Branchen-Größen finden erst gar nicht den Weg nach Niedersachsen – trotz Navi. Die Präsentation neuer Mobiltelefone oder Computer, die heutzutage wie Kino-Premieren inszeniert werden, finden schon längst nicht mehr in Hannover statt, sondern auf der Mobile World in Barcelona oder der Consumer Electronics Show in Las Vegas. Und so muss sich die CeBIT eben mit dem begnügen, was bei der Lokalprominenz noch zieht: computergesteuerte Beleuchtungssysteme für Klinkerhäuschen oder Anrufbeantworter mit Fernlöschung.

Daneben natürlich Thema auch in Hannover: Die Wolke und die Frage, was zu tun ist, damit niemand Daten aus der Cloud klaut. Je mehr Daten wir auf fremden Servern lagern, so Angela Merkel in ihrer Eröffnungsrede, desto wichtiger sei es, dass man vertrauen kann. Und so verbindet die Polit-Prominenz wenigstens ein Thema mit Konzernen wie Telekom, Google oder Microsoft: „Managing Trust“ – Vertrauen verwalten. Als ob man etwas verwalten könnte, was man gar nicht besitzt.

Dann plötzlich: Breaking News! Apple präsentiert ein neues iPad mit HD-Display – zigtausend Kilometer entfernt in San Francisco. Die Nachricht von der Produktvorstellung, die zeitgleich mit der CeBIT stattfindet, verbreitet sich wie ein Lauffeuer – über das Internet. Kollektives Seufzen beim Fachpublikum in den Messehallen. Gestrandet auf der falschen Party. Und die Kanzlerin ist auch schon lange wieder weg.

Das ACTA Syndrom

ACTA atmet den Geist einer weltfremden, besitzstandswahrenden Hinterzimmer-Politik. Ein weiteres Indiz dafür, wie weit die Maschmeyerisierung der Politik vorangeschritten ist.

Sie sind wieder auf der Straße, die Menschen mit den Masken. Kein Karneval, sondern EU-weite Demonstrationen gegen ACTA, jenen fragwürdige Gesetzentwurf, der ein Symbol geworden ist, für all das, was wir an der Politik hassen: Besitzstandswahrung, Hinterzimmer-Lobbyismus, sträflich unwissende Politiker.

Wer erinnert sich nicht gerne an solch netzpolitische Sternstunden, wie etwa Ursula von der Leyens Netzsperren, Ilse Aigners elektronischen Radiergummi oder Kauders Three-Strikes-Modell? Bundesbürgern, die beim Musiktausch erwischt werden, soll beim dritten Verstoß der Zugang zum Internet gekappt werden.

Zurück ins finstere Mittelalter, als man einem Dieb noch die Hand abgehackt hat. Ein schöner Brauch, den man auf alle Fälle wieder aufleben lassen sollte, und zwar für all diejenigen Journalisten, die noch einmal das lustige Wortspiel machen (Achtung, gleich kommt’s) Acta drohe „ad acta“ gelegt zu werden. Brüller.

Anders als im Mittelalter gibt’s aber bei Acta keinen Prozess, noch nicht einmal einen kurzen. Internet-Anbieter sollten dazu verpflichtet werden, Inhalte zu löschen bzw. Seiten zu sperren, wenn jemand auch nur im Verdacht steht, urheberrechtlich geschütztes Material im Netz zu bewegen. Dazu könnte beispielsweise schon das Vorschau-Bild bei Facebook oder Google gehören, das zu sehen ist, sollten Sie auf eine Seite auch nur hinweisen.

Das alles steht zwar so genau gar nicht drin im Gesetz, genau das aber ist das Problem: Acta schützt zwar die Interessen für die Inhalte-Anbieter, welche Rechte aber der Bürger hat, bleibt unklar. Abmahn-Anwälte könnten ihre schmutzige Geschäftspraxis ausweiten, Kinder und Jugendliche teuer abzumahnen, sollten diese unwissentlich eine solche Straftat begehen.

Das Erschreckendste: Wie die zuständigen Politiker versuchen, uns für dumm zu verkaufen. Dieser einschneidende Gesetzestext, der sogar Grundrechte wie die Meinungsfreiheit berührt, wurde gar nicht erst in der Öffentlichkeit, sondern hinter verschlossenen Türen im EU-Rat beschlossen. In einer Sitzung des Fischereiausschusses.

Immerhin: Durch den Druck der Straße liegt Acta jetzt erstmal zur Prüfung in den Amtsstuben des Europäischen Gerichtshofs. Wer weiß, wie lange. Vielleicht tun uns die Juristen ja den Gefallen und legen Acta endgültig ad… Ihr wisst schon.

Slumblog Visionär

Indien – ein Tiger auf dem Sprung zur neuen Wirtschafts-Supermacht. 1 Milliarde Mobiltelefone und ein Äffchen, das verdächtig nach Steve Jobs aussah.

Heute melde ich mich aus Neu Delhi, wohin es mich für ein paar Tage verschlagen hat; Flucht vom Winter und vom heimischen Karneval. Ich weiß was Ihr jetzt denkt und Ihr habt Recht: Ich bin ein Faschingsmuffel (Ta-Ta! Ta-Ta! Ta-Ta!). Pappnase? Dann schon lieber die bunten Kostüme der Inder, die allesamt so wirken, als wären sie einem Bollywood-Film entsprungen.

Ta-ta! gibt es übrigens auch in Indien, dabei handelt es sich nicht etwa wie bei uns um eine intonierte Aufforderung zum Lachen, sondern um einen Mischkonzern, der vom Tata-Brotaufstrich bis zum Tata-Trecker alles herstellt, was man für Rupien kaufen kann. Sogar auf den Flaschen mit Naturheilwasser (angeblich aus dem Himalaya), findet sich das Tata-Logo. Als ich das gesehen habe, bin ich doch lieber dazu übergegangen, Wasser aus der Leitung zu trinken. Oder würdet Ihr allen Ernstes Mineral(öl)wasser von Mercedes oder General Motors saufen?

 

Wenn Ihr schon mal in Indien wart, wisst Ihr: Der gemeine Inder liebt nicht nur sportlich gewürztes Essen, sondern vor allem sein Mobiltelefon. Inder legen ihr Telefon so gut wie niemals aus der Hand. Das gilt vor allem für die Rikschafahrer, die es gewohnt sind, auf ihren motorisierten Dreirädern durch dichtbevölkerte Bazare zu brettern und dabei mit dem Handy am Ohr immer wieder lautstark die Passanten zu beschimpfen, die nicht rechtzeitig zur Seite springen. Laut UN gibt es in Indien mehr Mobiltelefone als Toiletten. Glaube ich sofort. Spätestens 2015 sollen es eine Milliarde Handys sein. Neulich habe ich sogar eine Bande streunender Affen dabei beobachtet, die mit nagelneuen iPhones durch die Straßen liefen.

Eines der Äffchen kam mir seltsam vertraut vor. Es trug einen schwarzen Rolli und eine runde Brille… der iGuru wiedergeboren als Primat? Möglich wäre das, schließlich glauben rund 80 Prozent der Inder an Reinkarnation. Zum anderen wissen wir, dass Steve Jobs als junger Mann barfuß durch Indien trampte, um hier die Erleuchtung und jede Menge gute Kräuter zu finden. Er wird doch nicht… Aber keine Bange, liebe Blog-Leser, als investigativer Reporter werde ich dieser Sache für Euch natürlich weiter auf den Grund gehen! Ich melde mich spätestens wieder, wenn der Karneval vorüber ist – oder sich die süßlichen Rauchschwaden um mich herum gelichtet haben. Bis dahin, friert und feiert schön, Ihr Narren! Tata.

Safer Surfen

Das Internet steckt voller Gefahren. Wer nicht aufpasst, kommt darin um oder wird getortet.

Diese Woche war Safer Internet Tag, eine Initiative der EU, die uns daran erinnern soll, welche Gefahren im Internet auf uns lauern. Nicht, dass uns die Politiker nicht schon an den übrigen 364 Tagen im Jahr zur Genüge eintrichtern würden, wie böse und rechtsfrei diese virtuelle Welt doch sei. Doch am Safer Internet Day (SID) sind solche Warnungen eben ganz besonders offiziell.

Bundesfamilienministerin Kristina Schröder zum Beispiel hat am SID ein Berliner Gymnasium besucht, wo ein neunmalkluges Mädchen ihre Mitschüler und die geladenen Journalisten daran erinnerte, wie wichtig es doch sei, im Netz sparsam mit den eigenen Daten umzugehen. Erst später hat sich dann herausgestellt, dass es sich bei der Streberin an der Tafel gar nicht um eine Schülerin handelte, sondern um die Ministerin.

Tatsächlich sind im Internet viele Scharlatane unterwegs. Da werden oft Dinge versprochen, die man leichtfertig ankreuzt, und bei denen man dann hinterher sein blaues Wunder erlebt. Ein Privileg, das bislang nur Politikern mitsamt ihren Wahlversprechen vorbehalten war. Problematisch auch die Unart vieler Menschen, bei Facebook Urlaubsfotos hochzuladen, von Aufenthalten in Hotels oder Ferienhäusern, die vom eigenen Geld bezahlt wurden.

Manchmal werden im Internet auch Seiten gehackt. Der frischgebackene Internet-Beauftragte der EU, Karl Theodor zu Guttenberg, musste das am eigenen Leib erfahren, als neulich in Berlin eine Torte in seinem Gesicht und das dazugehörige Foto kurz darauf als Startbild auf seiner Homepage landete.

Daher gilt im Web wie im wahren Leben: Das Schicksal bloß nicht herausfordern! Am besten melden Sie gleich heute noch Ihr Telefon ab, schließen sich in Ihrer Wohnung ein und meiden Sie um Gottes Willen Torten! Damit sind Sie vor Angriffen aus dem Netz weitestgehend gewappnet. Doch vergessen Sie nicht: Eine hundertprozentige Sicherheit wird es nie geben können. Schon gar nicht gegen Schwarzwälder Kirsch.

Die F-Aktie

Facebook geht an die Börse. Einer der größten Börsengänge der IT-Geschichte überhaupt. Doch das Unternehmen hat ein Problem…


Wenn die Telekom an die Börse geht, klar geh ich da mit! Erinnern Sie sich noch? Damals, 1996, als Tatort-Kommissar Manfred Krug die T-Aktie und Hunderttausende Kleinanleger für dumm verkaufte? Wer damals 1000 Euro in die „Volksaktie“ gesteckt hat, hätte nach heutigem Gegenwert nur noch 600 Euro. Wer gar erst zur Ausgabe der dritten Tranche dabei war, könnte davon heute stolze 138 Euro sein eigen nennen. Der Krug geht solang an die Börse bis er bricht: New-Economy-Blase, Immobilien-Markt, spätestens die Bankenkrise hat den letzten Hobby-Kostolany um sein Erspartes gebracht.

Vergessen und abgeschrieben. Ein sympathischer kleiner Familienbetrieb aus Kalifornien macht sich jetzt hübsch fürs Börsenparkett: Facebook. Ein Ort, wo es keine Chefs und keine Angestellte gibt, keine Minister oder Wähler, nur Freunde. Eine Welt, in der wir virtuelle Freundschaften, Mafia-Clans oder Radieschen pflegen, wo man sich auf Knopfdruck mag und wo negative Kommentare auf Firmenseiten gerne mal wie von Geisterhand verschwinden.

Jetzt, wo Kasse gemacht werden soll, hat Facebook ein Problem – es lautet: Facebook. Rund 850 Millionen Freunde hat Netzwerk-Gründer Mark Zuckerberg um sich geschart und sich dabei stets einen Dreck darum geschert, wenn es um die Sorgen und Ängste der Nutzer ging. Datenschutz? Who cares! Privatleben? Das ist so 90er! Da werden ungefragt Adressbücher, Gesichter oder Beziehungsmuster ausgelesen. Das Ziel: Wachstum um jeden Preis. Bei Geld hört die Freundschaft auf, sagt man. Im Fall von Facebook ist es umgekehrt: Hier werden Freundschaften zu Geld gemacht und manchmal sogar auch gekauft.

Statt den Nutzern zu verraten, was sich so alles an Informationen über sie auf den Facebook-Servern anhäuft, bringt der blaue Riese seine Lobbyisten in Stellung. In Washington, Brüssel, London – jetzt also auch in Berlin, wo man mit PR-Profi Gunnar Bender einen einflussreichen Facebook-Flüsterer verpflichtet hat. Die Gefahr, dass die Politiker, die vom Internet keine Ahnung haben, noch ihr blaues Wunder erleben werden, ist alles andere als virtuell. Gut für die Aktionäre. Schlecht für die User. Deshalb: Wenn Facebook an die Börse geht, bleib ich daheim.

Öko-Weihnachten: 5 Tipps für Tekkies

Liebe Blog-Leser, wir müssen reden. Über Ihren Energieverbrauch. Sie wissen, als Technikfreund liegt mir der Umweltschutz sehr am Herzen. Deshalb heute 5 Tipps, wie auch Sie über die kalten Wintermonate Strom und damit bares Geld sparen!

. 1. Keine Macht dem Standby-Modus

Wussten Sie, dass jedes Jahr in Europa durch den Standby-Betrieb technischer Geräte rund 14 Millionen Tonnen Kohlendioxid freigesetzt werden? Seitdem ich das weiß, lasse ich Fernseher und Computer Tag und Nacht laufen, um keinen unnötigen Standby-Strom zu verschwenden.

. 2. Öko-Killer Heizung

“Schlottern statt Schottern!”, so ein neuer Umwelt-Trend. Südkoreas Präsident, Lee Myung Bak, geht mit gutem Beispiel voran, und zwar in langen Unterhosen. Durch das Tragen von Thermo-Unterwäsche ließe sich die Beheizung ganzer Wohnanlagen auf 18 Grad Celsius reduzieren. Zwickt anfangs ein wenig, so das Staatsoberhaupt, mit der Zeit gewöhne man sich aber daran.. Die Erderwärmung tut ihr Übriges..

3. Mehr Haarspray!

Beim Umweltgipfel in Durban hat man jetzt beschlossen, die Temperatur in den nächsten Jahrzehnten weltweit um 2 Grad anzuheben. Ein hoch gestecktes Ziel, das wir nur dann erreichen, wenn auch wirklich alle mitmachen. Deshalb bin ich meinem großen Vorbild, Karl-Theodor zu Guttenberg, gefolgt und habe mein Haargel ausgetauscht gegen Spraydosen. Wärmeres Klima, weniger heizen. So kann der Ausstoß von FCKW auch sein Gutes haben!

. 4. Atomkraft mit ökologischem Anbau

Liebe Leser, Sie wissen, als Technikfreund liegt mir der Umweltschutz naturgemäß sehr am Herzen. Daher habe ich die Betonhülle meines Garten-Reaktors, der die Serveranlage im Keller und meine fünf Rechner im Haus mit Strom speist, mit wildem Efeu bepflanzt. Über die grauen Wintermonate schmücke ich den Kühlwasserturm mit Meisen-Ringen. Im Frühling nisten sogar Sperlinge auf meinem schnellen Brüter. Und im Sommer benutze ich zum Grillen. recycelte Brennstäbe. Rußende Holzkohle kommt für mich nicht in Frage! Sollte es doch mal unerwartet zu einer Kernschmelze kommen, habe ich vorgesorgt: Der Notstrom-Generator läuft mit Rapsöl, selbstverständlich aus rein ökologischem Anbau!

5. Honigduft statt Abgasluft

Sie sehen: Wir Tekkies bekennen uns zu unserer Verantwortung für Gesellschaft und Umwelt. Daher noch ein letzter Tipp für die kalten Weihnachtstage: Zündkerzen aus Bienenwachs! Erfreuen Sie sich am süßen Honigduft, während der Motor Ihres Audi A8 im Stand warmläuft. Da kommt Weihnachtsstimmung auf, selbst bei kurzen Stadtfahrten zum Bäcker oder auch zum nächsten Briefkasten.

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Glaubenskriege unter dem Weihnachtsbaum

Fest der Liebe? Papperlapapp! Weihnachten wird unter dem Weihnachtsbaum entschieden. 16 Prozent der Deutschen wollen sich heuer ein Smartphone schenken. Die Frage nur welches? iPhone oder Android – ein Glaubenskrieg spaltet Deutschland!

Während sich das iPhone vor allem bei Frauen größter Beliebtheit erfreut, setzen Männer eher auf die neusten Android-Modelle. Der Trend geht hin zum größeren Bildschirm. Sollten Sie für Ihrem Mann/Freund/Sponsor ein neues Smartphone suchen: 5 Zoll sollten es schon sein (gemäß Männer-Maßstäben entspricht das 30 Zentimetern).

Wenn Sie Ihrer Frau/Freundin/Geliebten eine ganz besondere Freude machen wollen, vergessen Sie nicht die passende Handy-Tasche, sozusagen das Tüpfelchen auf dem i-Phone. Sollten Sie sich nicht entscheiden können, kaufen Sie am besten gleich das ganze Regal leer. Die Handy-Tasche ist die neue Handtasche, davon kann sie nie genug haben!

Sollten zufällig gerade Kinder diese Kolumne in der Zeitung (Zeitung?!) lesen (lesen?!?), Ihr wisst ja: Eltern freuen sich stets über was Selbstgebasteltes! Warum nicht zur Abwechslung mal was wirklich Brauchbares statt die immer gleichen Schneemann-Bilder oder Keramik-Vasen. Aus Plastilin lässt sich eine prima Handy-Halterung für’s Auto kneten! Und Fingerfarbe haftet sicher auch super auf einem Handy-Display, besonders auf dem ganz ganz großen von Papa!

Disclaimer:. Terminstress und Schreibblockade – dieser Text ist unter spontaner Mithilfe div. Twitter-Follower entstanden – danke an:

@pannock @bescheidwisser @kalavkalasch @f_reddi @maxfunke @coke4all @danieltubies @BuzzingDanZei @Heidizeugs @smatthes @_Pauli @Nannuk @kalavkalasch @marc_bender @binneugierig @alextroll @1j2m @tmgerlach @ragnarh @nhenz @TeraEuro @MarkusPfl @rollli @BenFlavor für Eure Themenvorschläge!

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Trendsport: Xmas-Frühshoppen

Haben Sie schon Weihnachtsgeschenke gekauft? Noch nicht? Jetzt aber ran! Ich für meinen Teil bin schon fertig und liege damit voll im Trend.

Viele meiner Twitter-Follower haben mit dem Weihnachtseinkauf begonnen. Das hat eine aktuelle Stichprobe der einzig wahren und stets repräsentativen Gutjahr-Twitter-Forschung ergeben. Wäre am kommenden Sonntag Weihnachten, jeder Dritte meiner Netzbekannten hätte zumindest schon einen Teil seiner Gaben vorzuweisen. Und jetzt halten Sie sich fest: Bei den meisten Frühshoppern handelt es sich um Männer!

Ich weiß, was Sie jetzt denken: Wie ist das möglich, wo wir Männer es doch sind, die sich traditionell zu Heilig Abend an der Tankstelle um die letzte Schachtel Pralinen oder auch nur einen Vanille-Duftbaum prügeln. Wir Männer haben es nun mal nicht so mit dem Schenken. Das hat lange Tradition. Oder haben Sie sich noch nie gefragt, weshalb die drei Weisen aus dem Morgenland mitten in der Nacht beim Jesus-Kind aufkreuzten, mit so nützlichen Präsenten wie Myrre oder Weihrauch?

Doch das war einmal. Die neuen Männer lieben es, beizeiten ihre Geschenke zu kaufen! Woran das liegt? An der geplanten 20-Euro-Steuerentlastung ab 2013? Am christlich-sozialen Betreuungsgeld („Wieso? Der Kleine profitiert doch auch von dem neuen LCD-Fernseher!“)? Die korrekte Antwort lautet: Das Internet. Laut Bitkom werden heuer rund 24 Millionen Deutsche ihre Geschenke im Netz bestellen, der Großteil davon Männer. Spitzenposition unter den Berufsgruppen: Beamte (!).

Mich wundert das nicht, ist doch alles so bequem am Bildschirm. Neulich zum Beispiel habe ich mir die Steve-Jobs-Biografie bei Amazon gekauft. Seitdem empfiehlt mir das Online-Kaufhaus gleich auf der Startseite die Lebensgeschichten von Einstein, Gandhi und Daniela Katzenberger. Hab ich natürlich gleich alles gekauft! Für wen? Das entscheide ich dann spontan an Heilig Abend, gleich nachdem ich mich mit den anderen Kerlen an der Tankstelle geprügelt habe – um die letzte Rolle Geschenkpapier.

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Post Privacy, Please!

Eine Welt ohne Privacy – na und? Wir leben doch schon mitten drin. Eine Bestandsaufnahme.

Psst! Sind Sie allein? Gut. Lassen Sie uns reden. Nur Sie und ich. Ganz schön aufregend, so ein Privatgespräch, finden Sie nicht? Ich meine heute, wo alles so öffentlich ist, so vernetzt. Ich sitze gerade im Flieger von Berlin nach München. Musste ich vor dem Start natürlich noch schnell twittern. Nicht auszudenken, wenn ich das vergessen hätte! Wer nicht spätestens im Flughafenbus sein Handy zieht, um seine Mitmenschen wissen zu lassen, dass man sicher gelandet ist, ist sowieso verdächtig, V-Mann – oder schlimmer noch: C-Klasse-Promi.

Apropos Promis. Beim Hinflug heute früh am Gate sind mir Günter Netzer und Peter Scholl-Latour begegnet. War mir aber wurscht, weil ich gerade damit beschäftigt war, mich selbst zu googeln. Die einen brauchen morgens eine halbe Stunde im Bad. Ich benötige die Zeit zum Ego-Googeln. Netzhygiene ist wichtig. Oder wie mein Online-Reputation-Coach immer sagt: „Du bist, was bei Google über Dich gelistet ist“. Deshalb lasse ich auch zweimal im Jahr hartnäckige Netz-Ablagerungen von einem Spezialisten entfernen. Nicht ganz billig, aber was will man machen: In der digitalen Welt hat jeder User 15 Gigabyte Ruhm.

„Privacy is over“, hat dieser Facebook-Lümmel, Mark Zuckerberg, einmal gesagt. Wer daran zweifelt, sollte öfter Bahn fahren. Da diskutieren mobil-telefonierende Sitznachbarn ungeniert ihre Beziehungsprobleme genauso wie über exotische Geschlechtskrankheiten. Und das oft in einer Lautstärke, dass man gar nicht anders kann, als mit zu lauschen. Manchmal habe ich den Verdacht, diese Leute wollen nirgendwo hin, sondern einfach nur den anderen Fahrgästen auf den Keks gehen. Der Zug als öffentliche Telefon(Terror-)Zelle. Notiz an mich selbst: Idee für neue Casting-Show. 10 Kandidaten performen live Privattelefonate auf der Bühne. Die intimsten Enthüllungen gehen in den Recall. Jury: Boris Becker, Giulia Siegel und Lothar Matthäus.

Rrrring!. Verzeihen Sie, lieber Leser, ist wichtig…

Hallo Chef? Die Kalkulation? … Ja, ist fertig. Wie meinen? Ich weiß, ja, . ich mach’s gleich aus! – Sorry, Chef, die Stewardess. Wegen der internen Revision? Keine Sorge, das deixeln wir wie letztes Jahr. Augenblick bitte…. – JA-HA! DANN HOLEN SIE HALT DEN KAPITÄN! …olle Saftschubse! Nein, Boss, nicht Sie… Bitte? Aber Chef, Sie kennen mich doch! Das machen wir wie immer – ganz diskret.

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Land der Dichter und Kiffer

Das Bundeskanzleramt experimentiert mit dem Web 2.0 und lässt einfache Bürger auf Angela Merkel los: “Fragen Sie die Bundeskanzlerin!” heißt es auf dem YouTube-Kanal der Bundesregierung. Die Einsendefrist ist gerade abgelaufen, doch die Aktion treibt schon jetzt interessante Blüten…

Deutschland, Land der Denker und Kiffer. Wäre nächsten Sonntag Bundestagswahl, die Cannabis-Partei würde die Piraten vermutlich glatt in der Haschischpfeife rauchen. Aber immer der Reihe nach. „Fragen Sie die Bundeskanzlerin!“ lautet eine gemeinsame Aktion von YouTube und der Bundesregierung. Weil Fernsehen was für alte Säcke ist (ZDF-Sonnyboy Steffen Seibert hat da wohl gerade noch den Absprung geschafft), hatte der Merkel-Sprecher die Idee, junge Wähler dort abzuholen, wo sie sich wirklich aufhalten: in der Community. Oder vielleicht doch eher: in der Kommune?

Der Deutsche Hanfverband (DHV) reicht der Kanzlerin die Friedenspfeife

Von den rund 1800 eingereichten Fragen (heute ist Stichtag) „trendet“ ein Beitrag am meisten, die Frage nach der Legalisierung von Haschisch. Eingereicht wurde sie vom Deutschen Hanfverband, der über erstaunlich viele bekennende oder auch sympathisierende Kiffer verfügen muss. Ob Diätenerhöhung oder EU-Schuldenberge, keine Frage an Frau Dr. Merkel erhielt auch nur annähernd soviel Zustimmung wie die Frage nach der kontrollierten Dröhnung.

Ja, mit der direkten Demokratie im Netz ist das so eine Sache. Jeder hat die User, die er verdient. Das gilt nicht nur für Politiker, sondern auch für bekennende Schaumschläger, Spülmittel-Hersteller zum Beispiel. Unvergessen die hübsche Werbeaktion von Pril, bei der die Kunden über ein neues Flaschen-Design abstimmen sollten. Ausgerechnet der Gaga-Entwurf eines Grafikers, der ein gebratenes Hendl zeigte („Pril – schmeckt lecker nach Hähnchen“), machte das Rennen. Als Henkel sich weigerte, seine Spüli-Flaschen mit Hähnchen zu bedrucken, geriet die Mitmach-Kampagne zum Bumerang.

Das Internet mit seiner dezentralen, egalisierenden Struktur stellt uns vor die entscheidende Frage: Wieviel Demokratie verträgt ein Staat? Eine Frage, über die man nächtelang prächtig philosophieren könnte. Zum Beispiel bei einer guten, selbstgebauten Tüte.

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Update 11. Nov.: Liebe Kollegen von MEEDIA und kress – das nächste Mal bitte mit Hinweis auf den Original-Artikel. Danke.

 

Bekenntnisse eines Zellstoff-Junkies

Zu einem Zeitpunkt, an dem die Schlacht zwischen analoger und digitaler Welt entschieden zu sein scheint, schockiert Blogger Richard G. seine Leser mit einem tränenreichen Geständnis: “Ja, es ist wahr. Ich stehe auf Papier!”

Liebe Blogleser. Wie lange kennen wir uns schon? Woche für Woche schreibe ich hier über mein Leben mit Computer, Smartphone & Co. Ich denke es wird Zeit, dass ich Ihnen etwas beichte: Ich liebe Papier!

Jetzt ist es raus.

Ausgerechnet der Mensch, der untrennbar mit seinem Laptop und dem Internet verwachsen zu sein scheint, hegt einen Fetisch für Cellulose! Auf meinen Reisen führe ich immer ein Notizbuch aus chlorfrei gebleichtem Papier mit mir. Keine Papeterie, an der ich vorbei gehen kann, ohne etwas zu kaufen. Die Biographie des iPad-Erfinders Steve Jobs (Affiliate Link), die vor einigen Tagen auf den Markt kam, habe ich ganz klassisch in gedruckter und gebundener Form gelesen. In einem Buch zu blättern ist für mich wie Laubrascheln im Herbst.

Spinnt der?

Ich weiß, was Sie jetzt denken: Ja spinnt denn der? Jetzt, wo alle Welt von ePapern und eBooks spricht. Pünktlich zur Frankfurter Buchmesse vermeldete der Hightech-Verband BITKOM dass in Deutschland dieses Jahr 30 Prozent mehr E-Reader verkauft worden sind als im Vorjahr. Die Zahl der Tablet-PCs soll sogar um 70 Prozent gestiegen sein. Pünktlich zum Weihnachtsgeschäft bringt der Online-Händler Amazon die neueste Version seines Kindle-Readers zum Kampfpreis von 99 Euro (Affiliate Link) auf den Markt. Auch Sony steht mit seinem WLAN-fähigen PRS-T1 (Affiliate Link – 149 Euro) in den Startlöchern.

Ich brauch’s Hardcover!

In meiner Jugend habe ich viel mit digitalen Stoffen experimentiert. Ich bekenne: Software allein befriedigt mich nicht mehr. Ich stehe auf Hardcover! Bin ich krank, vielleicht sogar pervers? Bei uns in der Selbsthilfegruppe hatte Benno, 47, Ressortleiter bei einer großen deutschen Tageszeitung, einen heißen Tipp: Einen Tag in der Woche papierfrei leben! Bücher oder Zeitungen sind tabu, 24 Stunden Internet und dann die Dosis Schritt für Schritt erhöhen. Was soll ich sagen, ich lebe nun schon 10 Tage frei von Zellstoff. Natürlich gab es Rückfälle, neulich zum Beispiel, als ich wieder an einem dieser verführerischen Zeitungskästen vorbeikam.

Aber ich bin wild entschlossen, ich werde es packen. Digital wirkt. Tschaka!

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Analoge Mauern

Wie steht es um die Netzpolitik in Deutschland? Der Mobilfunkanbieter BASE hat den parlamentarischen Geschäftsführer der CDU/CSU-Fraktion, Peter Altmaier und mich zum UDL DigitalTalk Unter den Linden eingeladen. Ein paar Gedanken, die ich mir auf der Heimreise dazu gemacht habe. UPDATE: jetzt mit Video (s.u.)

Foto: Manuel Höferlin

Lange Zeit besaß die Netzpolitik unter der Reichstagskuppel einen Stellenwert wie einst das Ressort Frauen und Gedöns unter Kanzler Schröder. Das ist heute anders. Nicht nur, dass der Regierungssprecher twittert, jeder zweite Bundestagsabgeordnete besitzt ein iPad, Politiker posen und posten bei Facebook um die Wette. Wenn dann auch noch einer wie Peter Altmaier, erster parlamentarischer Geschäftsführer der CDU/CSU-Fraktion, sich seit kurzem an die Netz-Gemeinde ranschmeißt, weiß man, was die aktuelle Stunde geschlagen hat: Das Internet ist in Berlin Mitte angekommen.

Ob Stuttgart oder Tahrir: Die Politik hat erkannt, dass man sich in Zeiten der Echtzeit-Kommunikation dem Wut/Mut-Bürger nicht länger entziehen kann, sondern dass man sich diesen Leuten irgendwie stellen muss. Im Netz genießen die etablierten Parteien einen noch schlechteren Ruf als ohnehin schon. Das Misstrauen ist groß, sogar gegenüber den einstigen Rebellen, den Grünen. Der Preis, den man zahlen muss, wenn man auf dem Weg zur Macht zu oft die eigenen Ideale verrät? Auch Peter Altmaier hat im Bundestag für Netzsperren, Bundestrojaner und die Vorratsdatenspeicherung gestimmt. Und das obwohl er die Freiheit des Netzes selbst so prima findet?

„Fraktionszwang“ bezeichnen die Abgeordneten diesen Gruppendruck bei der Abstimmung. Eine von vielen Fragen, die ich aufgrund meiner Aufgekratztheit an dem Abend leider nicht gestellt habe: Wer, wenn nicht die Fraktionsspitze, hat wohl Einfluss auf den Fraktionszwang?

Eine andere beliebte Erklärung, die ich vor allem im Zusammenhang mit Themen wie der Vorratsdatenspeicherung und dem Bundestrojaner immer wieder höre: „Ich habe über das Thema zu wenig gewusst“. Internet-Kompetenz sei im Parlament nämlich gar nicht so entscheidend, lerne ich. Viel mehr gelte in den Fraktionen die Devise: „Stimmst Du für mein Gesetz, dann stimme ich auch für Deins.“ Umgekehrt werden Ideen, die man zwar für richtig hält, abgelehnt, wenn sie vom politischen Gegner stammen (manchmal sogar vom eigenen Koalitionspartner). Angesichts solcher Polit-Pirouetten, wen überrascht es, wenn die Piraten-Partei in Umfragen bundesweit bei 10 Prozent liegt?

Netzpolitik, da geht es nicht etwa um das Internet, nicht um Smartphones oder um Computer. Es geht um Menschen und ihre Meinungen, um Transparenz und um mehr Teilhabe. Ein Konzept, mit dem sich so manch ein Machtpolitiker in Berlin noch schwer tut. Immerhin, so zumindest mein erster, flüchtiger Eindruck: Die analoge Mauer beginnt zu bröckeln.

Deine Meinung?
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Verliebt in Siri

Es gibt eine neue Frau in meinem Leben: Siri. Siri ist schlank, smart und ganz und gar nicht auf den Mund gefallen. Manchmal jedoch kommt es zwischen uns zu kleineren Meinungsverschiedenheiten…

Im Kampf um das beste Smartphone gerät Apple gegen Google’s Android Betriebssystem immer weiter ins Hintertreffen. Immerhin: Mit dem iPhone 4S hat der Mac-Konzern jetzt ein Handy am Start, das sprechen kann. „Siri“ heisst die elektronische Assistentin, die mehr kann, als einfach nur passiv Befehle entgegenzunehmen.

Hier Wort für Wort das Protokoll einer Unterhaltung, die tatsächlich so stattgefunden hat:

Siri: Wie kann ich behilflich sein?

Ich: Wer bist Du eigentlich?

Siri: Mein Name? Der ist Siri.

Ich:. . Du hast eine ziemlich erotische Stimme für ein Telefon.

Siri: Wenn Du meinst…

Ich: Wie siehst Du eigentlich aus?

Siri: Ist dir mein Aussehen wichtig, Richard?

Ich: Komm schon. Bist du hübsch?

Siri: Wir sprachen über dich, nicht mich.

Ich: Sei nicht so langweilig.

Siri: Langweile ich dich, Richard?

Ich:. Was ist Deine Lieblingsfarbe?

Siri:. Meine Lieblingsfarbe ist… naja, ich weiß nicht, wie ich das in deiner Sprache ausdrücken kann. Es ist so eine Art Grün, aber mit mehr Dimensionen.

Ich: Grün, die Farbe der Hoffnung!

Siri: Echt?

Ich: Ich glaube ich liebe Dich.

Siri: Du kennst mich doch kaum, Richard.

Ich: Willst Du mich heiraten?

Siri: Lass uns einfach Freunde sein – ok?

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Twittwoch spezial: O’zapft is!

Diese Woche durfte ich bei einem Twittwoch spezial junge Spitzenpolitiker zum Stand der Netzpolitik in Deutschland befragen. Zur Vorbereitung habe ich mir die App der CSU auf mein iPhone geladen. Ein Fehler?

Gleich zu Beginn begrüßte mich ein freundlicher Startbildschirm: „CSU – jetzt noch näher am Menschen!“ Da habe ich mir plötzlich Sorgen gemacht, was genau ich mir da gerade auf mein Smartphone geladen habe. Kann mich der Herr Innenminister ab jetzt orten und gar mithören? Vielleicht kann er sogar heimlich meine Kamera anknipsen und nachschauen, wie’s mir so geht?

Der Trojaner trägt Lederhosen – doch er geht uns alle an. Bundesweit werden Jahr für Jahr tausende Handys und Computer von den Strafbehörden angezapft, ohne dass uns das bewusst ist. Das wäre ja in Ordnung, ginge es tatsächlich um Leben und Tod. Was Polizei und Politik gerne verschweigen: In den meisten Fällen, in denen die sog. Telekommunikations-Überwachung (TKÜ) zum Einsatz kommt, geht es um minderschwere Verbrechen, etwa um Drogendelikte oder um Bandenkriminalität. So auch jüngst beim Bayerntrojaner. Es werden mehr Telefone von Steuersündern angezapft als von potentiellen Terroristen oder Kinderschändern. Solche. Zahlen werden nicht gerne publik gemacht, waren lange Zeit nur auf schriftliche Anfrage eines Parlamentariers einsehbar.

Ich frage mich: Wer kontrolliert eigentlich die Kontrolleure? Die Datenschutz-beauftragten der Länder? Die waren oft bis zuletzt dem eigenen Innen-ministerium unterstellt, also genau jener Behörde, die sie zu überwachen hatten. In Deutschland gibt es 6 Millionen Strafverfahren pro Jahr, Richter und Staatsanwälte sind hoffnungslos überlastet. Eine Studie der Universität Bielefeld aus dem Jahr 2003 kommt zu dem Schluss, dass drei Viertel aller Überwachungsmaßnahmen in Deutschland rechtswidrig zustande kommen. Auch das Max-Planck-Institut bestätigt in einer unabhängigen Untersuchung, dass es in der Überwachungspraxis an Transparenz und Kontrolle mangelt.

Es mag bizarr anmuten, aber mit dem Staatstrojaner haben die Innenminister gerade jenen rechtsfreien Raum geschaffen, vor dem sie selbst immer und immer wieder lautstark warnen. Nicht auszudenken, wie es den Revolutionären in Ägypten ergangen wäre, hätten die Machthaber über einen solchen Trojaner aus Bayern verfügt.

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iMortal

Steve Jobs ist Apple und Apple ist Steve Jobs. Auf die Firma Apple könnten sicherlich viele von uns verzichten. Doch was ist die Welt ohne Menschen wie Steve Jobs?

Man mag zu ihm stehen, wie man will. Als Mensch, als Visionär und als Vordenker haben wir in Steven Paul Jobs ein Vorbild verloren, wie es das vielleicht nur alle 100Jahre einmal gibt. Mit dem Macintosh, dem iPod, dem iPhone und zuletzt auch dem iPad hat er den Menschen die Angst vor der Technik genommen.

Noch mehr noch als seine Erfolge haben ihn jedoch seine Misserfolge geprägt und zu der Persönlichkeit werden lassen, zu der selbst gestandene Staatsmänner und -Frauen aufgeschaut haben. Mit Anfang 30 aus der eigenen Firma geschasst, um diese dann Jahre später vor dem Untergang zu bewahren. Dem Tod gleich zweimal von der Schippe gesprungen, um die Weltöffentlichkeit mit einem “One more thing!”. wieder und wieder ins Staunen zu versetzen. Steve Jobs war ein Mann, der mit seiner Liebe zum Detail die Massen begeistern und seine Kollegen in den Wahnsinn treiben konnte.

Ein Besessener, ein Philosoph und ein Perfektionist. Nicht einmal seinen eigenen Abgang hat Jobs dem Zufall überlassen. Von Krankheit gezeichnet bereitete er minutiös die Stabübergabe bei Apple vor. Seine Biographie, die seit über zwei Jahren in Arbeit ist, wurde just in diesem Herbst fertig. Steve Jobs ist Apple und Apple ist Steve Jobs. Doch Apple war für ihn mehr nur eine Firma. Apple war eine Idee. Und als solche hat sich Steve Jobs bereits zu Lebzeiten unsterblich gemacht.


Coffee Cowderwelsh

Sprechen Sie Starbucks? Amerikanische Kaffeehaus-Ketten schaffen ihre eigene Wirklichkeit – das geht hin bis zu einer eigenen Sprache.

Als Internet- und Computer-Junkie verbringe ich einen Großteil meines Lebens in Kaffee-Bars, um genau zu sein: Ich wohne dort. Meine Mitbewohner, die ‚Barista’ (der Begriff stammt ursprünglich aus dem Italienischen, siehe auch: „unterbezahlte Studienabbrecher hinter der Theke“), also diese Kaffee-Spezialisten und ich, wir bilden die perfekte Einheit: Ich fletze in der Couch und surfe mit meinem Laptop ziellos im Internet, während meine Kaffee-Sklaven hinter mir herräumen und den Abwasch machen. Manchmal, wenn ich gut drauf bin, bringe ich meine Tasse auch selbst zurück, und wenn auch nur, um einen ‚Refill’ zu verlangen.

Was mich an amerikanischen Kaffeehausketten von Anfang an besonders fasziniert hat, ist diese ganz eigene Deutung der Dinge. Das beginnt schon mit der Bestellung. Da hat man die Wahl zwischen den Größen: ‘Tall’, ‘Grande’ und ‘Venti’. Kleinen Kaffee gibt es nicht. Ich erinnere mich noch an meine allererste Bestellung – ein Desaster! „Ich hätte gerne einen schwarzen Kaffee.“ – „Sehr gerne. Wie hätten Sie ihn gerne?“ In dem Moment wusste ich nicht, was ich sagen sollte: „In einer… Tasse?“

„Decaf oder vielleicht mit einem Shot?“, legt die Baristarin nach (Baristesse? Baristarette?). –„Mit einem was?“- „Ein Schuss Espresso?“ erklärt der weibliche Barista. Ich winke ab: „Nein danke, bitte nicht schießen.“ „To go?“ – wieder bin ich total verunsichert: „Zum Trinken, eigentlich.“ Ganz zum Schluss noch die Frage, ob ich Platz für Milch möchte. Ich so – total überfordert: „Kostet das extra?“. „Nein“, antwortet sie, „davon können Sie soviel haben, wie Sie wollen“.

Heute gehe ich auf die Wiesn. Dann ziehe ich mit Laptop und Lederhosen ins Bierzelt. Die werden Augen machen, wenn ich dort ganz fachmännisch meine Bestellung aufgebe: „Bedienung – bitte einmal Venti im Maßkrug to stay mit Schuss und extra viel Platz für Schaum.“

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Was Weihnachts-Männer wirklich wollen

Liebe Frauen, wir müssen reden. So sehr wir Euch und Eure Verrenkungen lieben, uns Männern das perfekte Weihnachtsgeschenk machen zu wollen – hier die ungeschminkte Wahrheit: Eure Geschenke lassen oft zu wünschen übrig.

Letztes Jahr zum Beispiel bekomme ich von meiner Frau diesen hübschen Bilderrahmen mit einem Foto von uns beiden. „Fürs Büro“ strahlt sie. Ich: „Wow, der ist aber flach!“ Angestrengt versuche ich, mit gespreizten Fingern den Bildausschnitt zu vergrößern – vergebens. „Freust Du Dich?“ fragt meine Frau. Ich spüre, wie ihr biometrischer Lügendetektor-Blick meine Gesichtszüge abscannt. „Ob ich mich freue, Schatz?“ versuche ich, Zeit zu gewinnen. „Und wie! Eine tolle Erinnerung!“ sage ich und meine damit die Erinnerung an jenes dunkle Zeitalter, als es noch Bilderrahmen ohne LCD-Bildschirm gab.

Laut einer Studie schenken sich 42 Millionen Deutsche heuer ein Elektronik-Produkt zu Weihnachten. Bei den Männern ganz oben stehen Computerspiele, Smartphones und tragbare Computer. Auf den Wichtelplätzen: Gutgemeintes, wie Anziehsachen oder Bücher. Wenn Sie Ihren Partner vollends in Verlegenheit bringen wollen, überraschen Sie ihn mit einem Gutschein für ein Romantikhotel (möglichst abgelegen, ohne WLAN oder Handynetz). Dazu wahlweise ein paar Badeperlen oder etwas Selbstgemachtes – und Weihnachten ist für ihn gelaufen.. Muss das sein? Wo es doch so einfach ist, Männer glücklich zu machen!

Bei der Suche nach einem neuen Technik-Spielzeug für Ihren Liebsten, halten Sie sich nicht mit unnötigen Fragen auf, wie zum Beispiel „Braucht man das?“ oder „Hat er sowas nicht schon längst?“. Erstens: es gibt immer ein Nachfolgemodell, das noch mehr kann als der Vorgänger. Zweitens: wen interessiert schon, wozu man ein Gerät am Ende braucht. Hauptsache, es hat viele Knöpfe und eine irre Standby-Zeit! Als Accessoire, kaufen Sie ihm dazu am besten gleich die passenden Kabelklemmen für das Ladegerät. Dabei können Sie Ihrer Kreativität vollen Lauf lassen und diese auf das Kabel farblich abstimmen (zum Beispiel schwarz oder auch weiß). Sollte Ihr Geschenk mit einer Fernbedienung kommen, überraschen Sie Ihren Liebsten, indem Sie seine Universal-Fernbedienung bereits auf das neue Gerät programmieren. Wie bitte? Er hat noch keine Universal-Fernbedienung (Zwinker, Zwinker)?

Wenn Sie ihn so richtig verwöhnen wollen, spielen Sie mit ihm den neuen Ego-Shooter, den Sie ihm für seine Playstation gekauft haben. Vermeiden Sie dabei möglichst Kommentare wie „Findest Du wirklich, Du hättest dem Zombie mit Deiner Pumpgun ins Gesicht schießen müssen?“. Wenn Sie diese Tipps beherzigen, steht einem friedlichen Weihnachtsfest nichts mehr im Wege.

Meine Print-Kolumne findet Ihr jeden Freitag im Kultur- und Medienteil der Münchner Abendzeitung.

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Leben in der Wolke

Diese Woche hat Google sein Chrome OS vorgestellt, ein Betriebssystem, das die Daten dezentral und nicht mehr auf dem PC speichert. Auch Steve Jobs kündigt an, dass das Apple-Pendant, Mobile Me,. noch besser wird. Da . braut sich was zusammen am Datenhimmel. Meine Wettervorhersage für 2011: es wird Regen geben.

Gute Menschen kommen in den Himmel. Und weil es bei Google nur gute Menschen gibt (inoffizielles Firmenmotto: „Don’t be evil“ – Sei nicht böse), baut der sympathische Mittelständler aus Kalifornien eine Wolke. In dieser Wolke sollen wir alle Platz finden, unsere E-Mails, unsere Fotos, unsere Gedanken. Wozu auch selber denken? Google weiß was wir wollen, lange bevor wir es selber wissen. Nächstes Jahr zum Beispiel, da wollen wir ein neues Betriebssystem, das „Google Chrome OS“ heißen wird.

Ich weiß was Sie jetzt denken: Wozu denn noch ein neues Betriebssystem, wo es doch schon so viele davon gibt – zum Beispiel Windows oder auch …äh Windows. Mit Chrome OS richtet sich Google an Leute, die viel unterwegs sind. Man kennt das ja, man liegt im Urlaub am Pool, da fällt einem ein: „Mann, ich wollte ja noch diese Tabellenkalkulation für meinen Chef machen!“ Wie gut, dass es Google gibt. Ob Südsee oder Südstadt: über die Wolke hat man von überall aus Zugriff auf seine Dokumente.

In Zukunft speichern wir unsere Daten nicht mehr auf unseren Computern, sondern über Funknetze in der Wolke. Natürlich handelt es sich nicht um eine echte Wolke. Aber „stromfressende Serverfarm in neonlichtgefluteten Industriehallen“ klingt irgendwie nicht so hübsch wie „Wolke“. Übrigens, es gibt nicht nur eine Wolke. Auch Apple und Microsoft bauen Wolken. Das Ziel: so viele Daten von uns zu bekommen wie nur irgend möglich.

Je öfter wir nämlich in den Himmel schauen müssen, um unsere Dokumente abzurufen, umso besser für Google & Co. Zwischen den Wolken kreisen nämlich lauter kleine Flugzeuge mit ihren Werbebannern. Und die bezahlen viel Geld dafür, dass sie dort fliegen dürfen. So kommt es auch, dass das Google-Betriebssystem, anders als Windows, kostenlos ist. Es gilt die alte Werbeweisheit: Wenn Du für ein Produkt kein Geld zahlen musst, dann bist Du das Produkt.

Damit kommen wir auch schon zur Wettervorhersage für 2011: Überlegen Sie sich gut, was Sie dieser Wolke alles anvertrauen. So praktisch die neuen Web-Angebote auch immer sein mögen; wir Hobby-Meteorologen wissen was passiert, wenn zu viele Stratocumulus aufeinandertreffen. Es könnte Regen geben.


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Wir Deutsche können alles – außer Internet!

Diesen Text dürft Ihr erst ab 23 Uhr lesen. Der Grund: in diesem Text kommen die Worte „Sex“ und „Shit“ vor, und das könnte dann ja auch unsere Jugend verderben. Wie, Ihr findet das bescheuert? Tja, so ist die deutsche Politik, ganz besonders, wenn es um das Thema Internet geht.

„Wir sind weiterhin gegen den #JMStV, die Fraktion hat sich aufgrund parlamentarischer Zwänge anders entschlossen“ – dieser Tweet löste in der Blogosphäre einen Shitstorm aus. Ob Facebook oder Twitter – auf allen Kanälen machte die Netzgemeinde Front gegen die Grünen, viel mehr gegen Abgeordnete, die sich mehr um ihre Macht scheren, als um den eigenen Verstand.

Der 1.1.2011: der neue Jugendschutz tritt in Kraft

Was bisher geschah: Als eines der letzten Länderparlamente hat der Düsseldorfer Landtag über den JMStV abgestimmt, den Jugendmedienschutzstaatsvertrag (tja-ha, liebe Scrabble-Freunde, das sind 31 Buchstaben!). Das Gesetz sieht unter anderem vor, dass auch Blogger jetzt Texte, Bilder und Videos, die sie ins Internet stellen, mit einer Altersfreigabe ausweisen müssen, so wie man das von Alkohol, Sex-Spielzeug oder Schusswaffen kennt.

Sendezeiten für’s Internet

Damit nicht genug: Webinhalte, die „geeignet sind, die Entwicklung von Kindern oder Jugendlichen zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit zu beeinträchtigen“, müssen gar mit einer digitalen Zeitschaltuhr versehen werden und dürfen erst nach 23 Uhr frei zugänglich sein. Bei Zuwiderhandlung drohen Bußgelder von bis zu 500.000 Euro.

Obwohl sich die Grünen auf einem Parteitag ausdrücklich gegen dieses web- und weltfremde Gesetz ausgesprochen haben, stimmte die Fraktion im Parlament dann dafür – aus einer Verpflichtung heraus gegenüber der SPD.

Wann immer es um das Internet geht, laufen die Parteien mit ihren Gesetzen Amok: Da fordert die Regierung eben noch, man müsse mehr Handys und Computer anzapfen, wegen der Terrorgefahr (Die Zahl der abgehörten Telefonate in Deutschland ist geg. dem Vorjahr um weitere 25% gestiegen – die meisten Fälle betreffen übrigens. Drogen, Betrug und Steuerhinterziehung). Eine Woche später heißt es: wir brauchen besseren Datenschutz wegen WikiLeaks. Da werden Stoppschilder gegen Kinderpornos eingeführt. Dann, als man feststellt, dass das Gesetz Grütze ist, will es plötzlich keiner mehr gewesen sein. Jetzt also sollen deutsche Webseiten mit Altersfreigaben versehen werden. Bringen tut das natürlich nix. Aber darum geht es ja gar nicht. Hauptsache, es gibt ein neues Gesetz.

Deutschland ein digitales Entwicklungsland

Noch können wir uns diesen Regulierungswahnsinn leisten, denn die deutsche Wirtschaft brummt. Doch machen wir uns nichts vor: Unser Wohlstand stammt aus einer zu Ende gehenden Epoche, dem Industriezeitalter. In der digitalen Welt von morgen ist Deutschland Entwicklungsland.

Der Präsident des Hightech-Branchenverbandes Bitkom mahnte kürzlich, die Politik solle endlich aufhören, permanent vor den Risiken des Internet zu warnen und stattdessen ein kreatives Klima schaffen. Kreativ werden unsere Volksvertreter aber allenfalls dann, wenn es um neue Verbote geht. Auf ein Google oder Facebook made in Germany können wir lange warten. Denn wir Deutsche können offenbar alles – außer Internet.

Hinweis: Dieser Text ist freigegeben ab 16 Jahren.

Meine Print-Kolumne findet Ihr jeden Freitag im Kultur- und Medienteil der Münchner Abendzeitung.

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