Der Apple Fernseher, der keiner ist

Rekordgewinne hin, Analystenprognosen her – die ganze Welt wartet darauf, dass Apple ein Fernsehgerät auf den Markt bringt. Doch was, wenn alles ganz anders kommt? Was, wenn wir den Fernseher schon alle in der Tasche tragen?

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Bigger than anything

Es könnte größer werden als iPod, iPhone und iPad zusammen: Die ganze Welt wartet darauf, dass Apple seinen Fernseher präsentiert. “It’s an area of intense interest. I can’t say more than that”, so hat Apple CEO Tim Cook die Gerüchte vor Weihnachten angeheizt und soeben, nach Verkündigung der Weihnachts-Quartalszahlen, ergänzt: “There is a lot we can contribute in this space”.

Nach seinem Tod hatte Steve Jobs höchst persönlich die Welt in seiner Biographie wissen lassen “I finally cracked it”. Wir können also davon ausgehen: Dass Apple den TV-Markt aufmischen will, ist keine Frage des Ob, sondern eine Frage des Wann, und vor allem eine Frage des Wie. Wie wird er aussehen, der Apple Fernseher? Was wird er können? Was wird er kosten?

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Apple-CEO Tim Cook: “When I go into my living room and turn on the TV, I feel like I have gone backwards in time by 20 to 30 years.” (Quelle: NBC / Foto: Apple)

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SchmarrnTV statt SmartTV

Bevor wir uns diesen wichtigen Fragen widmen, lasst uns festhalten:

Alles, was uns derzeit als “Smart” oder “Hybrid”-TV verkauft wird, ist Schrott. Die sogenannten ‘SmartTVs’ befinden sich aktuell in einem Stadium, in dem sich Internet-Handys befunden haben, bevor das iPhone kam.

Die versprochene intuitive Zusammenführung von Fernsehen und Internet ist bislang ausgeblieben: Anwendungen, die kein Mensch auf dem Fernsehschirm haben will; Funktionen, die nur in der Theorie funktionieren; Bedienkonzepte (überladene Fernbedienungen, Sprach- oder Bewegungssensoren), die noch nicht einmal als “beta” bezeichnet werden können.

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Fakt ist: Weniger als 15 Prozent der Menschen, die einen Internet-Fernseher besitzen, nutzen die viel gepriesenen Web-Funktionen. Die meisten nutzen ihn, um damit klassisch fernzusehen. Oder wie es WIRED jüngst so treffend formulierte: No one uses SmartTV Internet because it sucks. Die aktuellen SmartTVs können nichts, aber auch rein gar nichts, was moderne Smartphones nicht schon lange besser können.

Und genau hier kommt Apple ins Spiel. Was, wenn es sich beim Apple Fernseher nicht um ein Fernsehgerät handelt, sondern um ein Device, das viele von uns bereits besitzen? Was, wenn der mit Spannung erwartete Apple Fernseher am Ende gar unser iPhone/iPad ist?

Apple baut kein Fernsehgerät 

Mag sein, dass Apple an Prototypen für eigene Fernsehbildschirme arbeitet. Ich persönlich bezweifle aber, dass Apple tatsächlich eigene Fernsehgeräte herausbringen wird. Die Margen sind zu gering, zumal man davon ausgehen kann, dass nicht jeder, der bereits einen funktionierenden Fernseher an der Wand hängen hat, auf ein überteuertes Apple-Gerät wartet (mit einem darin verbauten handelsüblichen Sharp-Screen).

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Steve Jobs über sein TV-Konzept: “It will have the simplest user interface you could imagine.” (Bild: Apple)

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Mein Fernseher zuhause

Lasst mich erklären, wie ich zu dieser Annahme komme:

Viele, die wie ich bereits eine Apple-TV-Box besitzen (5,3 Millionen verkaufte Geräte im Geschäftsjahr 2012), sind mit dem Kästchen zufrieden und nutzen es regelmäßig.

Doch was nutzen wir wirklich? Filme und Serien aus dem iTunes-Katalog herunterladen kann ich mit dem iPhone/iPad auch – dort sogar meist besser und schneller, weil das Suchen nach bestimmten Inhalten mit dem Touchscreen auf dem Schoß deutlich komfortabler ist als mit der Fernbedienung (Buchstabeneingabe!).

Weiterer Vorteil: Ich kann auf meinem iPhone/iPad weiterschauen, wenn ich auf Reisen bin, das Video abends auf den Hotel-Fernseher beamen. Probier das mal mit einem SmartTV-Gerät, festgeschraubt zuhause an der Wohnzimmer-Wand.

Der Second Screen wird zum First Screen

Sogar das Aufrufen von Web-Content (YouTube oder Mediatheken der Sender) funktioniert mit dem iPhone/iPad schneller und besser. Dank Airplay ist es möglich, Bewegtbild-Angebote aus dem Netz direkt vom iPhone aus in HD-Qualität auf den Fernsehbildschirm zu beamen – ein Knopfdruck und das Videosignal erscheint auf meinem Fernseher (siehe Video weiter unten). Der Second Screen wird zum First Screen, der Fernsehbildschirm dient lediglich als Projektionsfläche.

Fun Fact: Während das iPhone den Livestream von “Schlag den Raab” über den Safari-Browser empfängt und via Apple-TV-Box auf den Fernseher beamt, kann ich parallel dazu andere Apps aufrufen und beispielsweise die laufende Sendung über einen Twitter-Client kommentieren. Der Livestream läuft im Hintergrund weiter. Dieses Multitasking funktioniert nicht bei Mediatheken. Hier bricht das Airplay-Streaming beim Verlassen der Seite ab.

Praxis-Test: Mit dem SmartTV brauche ich 3mal länger, um die ZDF-Show “Neues aus der Anstalt” zu starten

Die Evolution der Revoultion

Wozu also überhaupt noch eine Settop-Box? Wer die Entwicklung von Apple TV über die Jahre verfolgt hat, wird feststellen, dass das Gerät Organe, die es nicht länger benötigt, einfach abgestoßen hat. Die Rede ist vor allem von der Festplatte, dem Großhirn, das durch einen Chip ersetzt wurde, der heute nur noch zum Buffern, als Kurzzeitgedächtnis dient.

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Der Trick mit dem Stick

Spinnt man diesen Gedanken evolutionär weiter, müsste die nächste Generation von Apple TV konsequenterweise aus einem Gerät bestehen, das lediglich zum Empfangen des Airplay-Signals dient. Denkbar wäre eine Art USB-Stick, der in jede Hosentasche passt – viel wichtiger – in nahezu jedes Fernsehgerät der Welt.

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Apple könnte damit beginnen, die Airplay-Technologie an Fernsehgerätehersteller zu lizensieren. Für alle anderen TV-Geräte gibt es den Stick, der jeden Fernseher per “plug & play” in einen Apple-Fernseher verwandelt. Content-Anbieter müssten darauf achten, ihre Programmangebote dahingehend zu optimieren, dass sie Airplay-kompatibel sind (= no Flash!). Das ist bei einem Großteil der Sender-Mediatheken und Bewegtbild-Plattformen ohnehin schon der Fall.

  Steve Jobs 2010 über Fernsehen und Innovation

iPhone/iPad als Kommandozentrale

Das eigentliche Web-Interface, Programmzeitschrift und zugleich Fernbedienung werden iOS-Devices sein, Geräte, die Apple gar nicht erst unters Volk bringen muss, sondern von denen bereits weltweit über 500 Millionen Stück verkauft worden sind. Bei den meisten von uns liegen iPhone oder iPad beim Fernsehen ohnehin schon in Greifnähe. Übrigens: Nicht nur Apple verfügt über ein AirPlay-System – auch Google hat jüngst eine Technologie zur Übertragung von Bewegtbild-Inhalten via Android/YouTube vorgestellt.

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Google arbeitet ebenfalls an einer AirPlay-Technologie (Quelle: Google/YouTube)

Wann ist es soweit?

Bleibt noch die Frage: wann? Hier muss ich gestehen, habe ich daneben gelegen. Ursprünglich hatte ich mit einer Präsentation des neuen Apple TV-Konzepts in diesem Monat gerechnet. Mein neuer Tipp: September 2013, spätestens aber Januar 2014.

Fazit

Apple baut keinen Fernseher. Das Herzstück des neuen Apple-TV-Konzepts wird das iPhone/iPad. Der Second- wird zum First Screen. Die Zukunft des Fernsehens lautet: Kluge mobile Geräte (Kommandozentrale) und dumme Bildschirme (Projektionsfläche). Die Inhalte selbst liegen in der Wolke. Fernsehhersteller können Apples Airplay-Technologie lizensieren und in ihre Fernseher integrieren. Für alle anderen Geräte wird es einen Receiver-Stick geben, der nahezu jeden Fernseher in einen Apple-Fernseher verwandelt.

Soweit meine Tele-Visionen. Your turn!

 

Das iOS 6 SpyPhone …manchmal kommen sie wieder

Mit iOS6 hat Apple stillheimlich die automatisierte Tracking-Funktion wieder eingeführt. Hier eine Anleitung, wie Ihr Euren Werbe-Peilsender entschärfen könnt.

Über 200 neue Funktionen verspricht das neue iOS-Betriebssystem. Eine dieser Neuerungen hat Apple wohl versehentlich vergessen, bei der letzten Produkt-Präsentation zu erwähnen: Die einst so gescholtene Tracking-Funktion ist wieder da, scharf geschaltet, mit jedem neuen iPhone bzw. Software-Update auf iOS 6. Welche Daten da genau in welcher Frequenz markiert und abgerufen werden und wie lange sie wo gespeichert bleiben, ist nicht bekannt. Fest steht, dass diese Daten zu Werbezwecken erhoben werden. Im Kleingedruckten schreibt Apple dazu:

“iOS 6 führt die Werbungs-ID ein, eine temporäre, anonyme Gerätekennung, die Apps verwenden, um Ihnen mehr Kontrolle über den Einsatz von Tracking-Methoden durch Werbefirmen zu geben. Wenn Sie festlegen, dass das Ad-Tracking eingeschränkt werden soll, dürfen Apps die Werbungs-ID nicht verwenden, um Ihnen interessenbasierte Werbung zu senden. Zukünftig werden alle Apps die Werbungs-ID verwenden müssen. In dieser Übergangsphase kann es allerdings vorkommen, dass Sie weiterhin interessenbasierte Werbung erhalten.”

Video-Demonstration von 2011: Das speichert Euer iPhone über Euch

Heimlich untergejubelt? Nein Danke.

Apple, Google und Facebook werden nicht müde, uns zu erklären, dass zielgerichtete Werbung ein 1A-Service sei. Dazu mag man stehen wie man will – meine Meinung: So lange man mir derlei Funktionen ungefragt heimlich unterjubelt, lehne ich sie ab – schon aus Prinzip. Hier nun also die Schritte, wie man den Unfug wieder abstellt:

1. Einstellungen -> 2. Allgemein -> 3. Info (ganz runter scrollen) -> 4. Werbung -> Ad-Tracking beschränken


Tricky und bestimmt rein versehentlich so formuliert: Wenn man NICHT getrackt werden möchte, muss man die Funktion aktivieren (blau). Auch der Umstand, dass das Werbe-Tracking nicht an dem Ort, wo man es vermuten sollte, nämlich unter “Datenschutz” -> “Ortungsdienste” versteckt platziert wurde, ist bestimmt Zufall.

1. Datenschutz -> 2. Ortungsdienste -> 3. Systemdienste (ganz unten) -> 4. Ortsabhängige iAds deaktivieren

Die superlative Realitäts-Theorie des iPhone 5

Als Apple-Fan hat man es nicht leicht. Man wird belächelt, verspottet, für arrogant gehalten. Und wissen Sie was? We love it! Manchmal aber werden wir Apple-Jünger auf die Probe gestellt.

Nein, so ein Apple-Freund hat es nicht leicht. Gestern zum Beispiel, als in San Francisco das neue iPhone vorgestellt wurde. Da steht Produktmanager Phil Schiller auf der Bühne und sagt Sätze wie diese: “Das Meer wirkt blauer mit dem iPhone 5. Kinder sehen glücklicher aus und die Welt ist ein schönerer Ort.” Hat er wirklich gesagt. Schiller selbst merkt in diesem Moment aufgrund der Reaktionen im Saal wie lächerlich das alles gerade ist.

Das iPhone 5 sieht aus wie das Vorgängermodell, das unter ein Nudelholz geraten ist. Vom dünnsten, leichtesten, besten Smartphone aller Zeiten ist da die Rede. Das Problem: Es stimmt nicht. Die Konkurrenz ist Apple längst nicht mehr nur auf den Fersen, in vielen Punkten hat sie den iPhone-Bauer bereits eingeholt. Die beste Kamera: Nokia. Der beste Bildschirm: Samsung. Und doch gelingt es Apple immer wieder, die Massen für seine Produkt-Aufhübschungen zu begeistern, schafft sich seine eigene superlative Realitäts-Theorie.

In dieser Realität haben wir es nicht mehr mit einem Telefon zu tun, sondern mit einer Traummaschine, die uns jeden Wunsch sprichwörtlich von den Lippen abliest: „Wie wird das Wetter am Wochenende?“, fragen wir Siri, die eingebaute Spracherkennung. „17 Grad und sonnig“ antwortet die Computerstimme. Wenn man auf die Preistabelle für das neue iPhone schaut, möchte man Siri gleich noch nach den Lottozahlen von morgen fragen. 670 € (16 GB) bis 900 € (64 GB) ohne Vertrag. Den Adapter für bereits vorhandenes iPhone-Zubehör lassen sich die Kalifornier mit 29 € entlohnen. Für ein Stück Plastik.

Bei solchen Mondpreisen wundert es nicht, dass Apple an der Börse als das wertvollste Unternehmen aller Zeiten gehandelt wird. Seine Größe kann dem Konzern aber auch zum Verhängnis werden. Erfolg verpflichtet. Der Jäger wird zum Gejagten, vor allem seiner selbst.

Das iPhone 5 wird mit Sicherheit das meistverkaufte Smartphone aller Zeiten. Es wirkt solide, elegant, mit viel Liebe zum Detail. Aber eine Revolution ist es nicht. Vielmehr handelt es sich um den 5. Aufguss eines einst zu recht gefeierten Telefon-Konzepts. Ob es Apple je noch mal gelingen wird, etwas annähernd innovatives zu entwickeln?

Vielleicht muss man die Welt durch die Kamera des neuen iPhone sehen, um daran zu glauben. Hier, in meiner Realität, habe ich so langsam meine Zweifel. Wie seht Ihr das?

Anleitung: So funktioniert Apples iTunes Match

Seit heute ist iTunes Match auch in Deutschland verfügbar. Wie funktioniert das neue Streaming-Angebot? Für wen lohnt sich der Umstieg? Hier einige Tipps und auch Warnungen zu Apples Jukebox in der Wolke.

Vorbemerkung

Auf Dein komplettes Musikarchiv zugreifen – von Deinem iPhone, iPodTouch oder iPad, von überall in der Welt? Das klingt erst mal prima. iTunes geht in die Luft und verspricht ein schnelles, einfaches Verfahren, um Deine gesamte Musiksammlung in die Wolke zu heben. Jetzt ist dieser Service auch in Deutschland verfügbar. Mit iTunes Match gleicht Apple Deine auf dem Mac oder PC gespeicherten Titel mit seiner Datenbank ab. Bei Apple bereits vorhandene Tracks werden dort für Deinen iTunes-Account freigeschaltet, alle noch nicht vorliegenden Titel werden von Deinem Rechner auf Apples Server hochgeladen, so dass auch diese Titel von überall aus für Dich abrufbar sind. Für eine Jahresgebühr von 25 Euro kann man auf diesem Weg bis zu 25.000 Titel in der Wolke speichern (iTunes-Einkäufe werden nicht gezählt!).

So weit die Theorie.

1. Vorbereitungen

Bevor es losgeht, vergewissere Dich, dass Du auf allen iOS-Geräten (iPhone/iPad/iPod Touch) die neueste iOS-Version geladen hast (5.0.1 oder höher). Auch iTunes auf Deinem Mac/PC muss auf die neueste Version (10.5.2 oder höher) gebracht werden. Achtung: iTunes gleicht nicht automatisch alle Deine früheren Einkäufe ab, wie das beispielsweise beim iCloud-basierten App- oder iBook-Dienst geschieht. Sprich: Du musst alle früher gekauften Songs zurück in Deine Original-iTunes-Mediathek kopieren, damit diese von iTunes Match erkannt und erfasst werden. Dazu synchronisiere zur Sicherheit auch noch einmal Dein iPhone/iPad/iPodTouch, bevor Du mit der Übertragung Deiner Musik beginnst. Ein komplettes Backup Deines Gerätes wäre auch empfehlenswert. Damit kannst Du Dein iPhone/iPad/iPodTouch wieder in seinen ursprünglichen Zustand zurücksetzen, sollte bei der Übertragung etwas nicht klappen bzw. Dir die Matching-Funktion dort nicht zusagen (siehe auch Punkt 7).

2. Abo bestellen / kündigen

Gehe auf iTunes Match via iTunes Store oder über diesen Direktlink.

Hier wirst Du gefragt, ob Du das Jahresabo kaufen willst. Info: Dieses Abo verlängert sich automatisch nach 364 Tagen, wenn Du es nicht vorher kündigst. Die Verlängerung kann man über iTunes Konto Einstellungen Abonnement-Verwaltung deaktivieren (siehe Bild).

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iMortal

Steve Jobs ist Apple und Apple ist Steve Jobs. Auf die Firma Apple könnten sicherlich viele von uns verzichten. Doch was ist die Welt ohne Menschen wie Steve Jobs?

Man mag zu ihm stehen, wie man will. Als Mensch, als Visionär und als Vordenker haben wir in Steven Paul Jobs ein Vorbild verloren, wie es das vielleicht nur alle 100Jahre einmal gibt. Mit dem Macintosh, dem iPod, dem iPhone und zuletzt auch dem iPad hat er den Menschen die Angst vor der Technik genommen.

Noch mehr noch als seine Erfolge haben ihn jedoch seine Misserfolge geprägt und zu der Persönlichkeit werden lassen, zu der selbst gestandene Staatsmänner und -Frauen aufgeschaut haben. Mit Anfang 30 aus der eigenen Firma geschasst, um diese dann Jahre später vor dem Untergang zu bewahren. Dem Tod gleich zweimal von der Schippe gesprungen, um die Weltöffentlichkeit mit einem “One more thing!”. wieder und wieder ins Staunen zu versetzen. Steve Jobs war ein Mann, der mit seiner Liebe zum Detail die Massen begeistern und seine Kollegen in den Wahnsinn treiben konnte.

Ein Besessener, ein Philosoph und ein Perfektionist. Nicht einmal seinen eigenen Abgang hat Jobs dem Zufall überlassen. Von Krankheit gezeichnet bereitete er minutiös die Stabübergabe bei Apple vor. Seine Biographie, die seit über zwei Jahren in Arbeit ist, wurde just in diesem Herbst fertig. Steve Jobs ist Apple und Apple ist Steve Jobs. Doch Apple war für ihn mehr nur eine Firma. Apple war eine Idee. Und als solche hat sich Steve Jobs bereits zu Lebzeiten unsterblich gemacht.


Apple-Zentrale: Mein Leben als Brian

California Diaries (3) – Vor wenigen Tagen ist hier in Cupertino eine Ära zu Ende gegangen. Steve Jobs hat das Kommando über Apple an Tim Cook übergeben. Wie haben die Mitarbeiter den Wechsel erlebt? Zeit für einen Besuch des Mutterschiffs.

Update Sonntag, 3. Sept. – Verlosung beendet – die Ziehung hier.

Es ist schon spät, als wir auf der Suche nach dem Hotel zufällig am Apple-Headquarter vorbeikommen. Weil Marcus darauf besteht ;-), biegen wir noch schnell in den Infinite Loop, um schon mal die Lage zu checken. An den Zufahrtswegen rund um das Gebäude stehen Wachposten, die offenbar Nummernschilder der vorbeifahrenden Autos notieren. Angeblich um Fremdparker von den umliegenden Restaurants zu vertreiben, die hier ihre Fahrzeuge abstellen. Ist klar.

Foto: Marcus Schuler

Building Nr. 7

Das einzige Restaurant (das natürlich über genug eigene Parkplätze verfügt) ist BJ’s Brewhouse und wird unter den Apple-Mitarbeitern als “Building Nr. 7″ bezeichnet (Zum Infinite Loop gehören offiziell nur 6 Apple-Gebäude). Es gibt über ein Dutzend Biersorten, darunter z.B. das “Harvest Hefeweizen” oder “BJs Oktoberfest”. Wenn man Glück hat, trifft man hier auf Apple-Angestellte, die über pseudo-deutsches Bier den einen oder anderen streng-geheimen Prototypen liegen lassen.

In der Höhle des Lion

Nachdem Marcus und ich an diesem Abend im Bierhaus noch intensivst für Euch recherchiert haben, suchen wir am nächsten Morgen leicht verkatert erneut das Apple-Mothership auf. Die Wachen sind verschwunden, dafür strömen die Apple-Mitarbeiter in Scharen auf den Campus. Ich fasse mir ein Herz und betrete mit ihnen zusammen das Gebäude. Weil ich keinen Ausweis habe, bleibe ich im Empfangsbereich stehen, schaue mich verstohlen um. Plötzlich kommt eine Frau zielstrebig auf mich zu und schüttelt meine Hand: ‘You must be Brian!’, strahlt sie.

…weiter unten gibt es Apple-T-Shirts zu gewinnen!

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Amir Kassaei: Apple ohne Jobs

Amir Kassaei gilt als größter Creative, den Deutschland je hervor gebracht hat. Der 42jährige bezieht nächste Woche sein Office als Global Chief Creative Officer bei DDB Worldwide in Manhattan. Mit ihm habe ich über das Phänomen ‘Apple’ gesprochen und darüber, was der Rückzug von Steve Jobs für das Unternehmen bedeuten könnte.

Amir, ist Apple am Ende?

Steve Jobs ist immer einer gewesen, der nichts dem Zufall überlassen hat, der auch seinen Abgang genau geplant hat, und zwar seit dem Moment seit dem er wusste, dass er nicht mehr lange zu leben hat. Das ist zumindest mein Gefühl. Das ist wie ein Teil des Puzzles, ein Schachzug, auf diesem großen Brett, den er vor langer Zeit vorbereitet und dann mit ruhiger Hand ausgeführt hat. Ich glaube nicht, dass es Apple in absehbarer Zukunft schlechter gehen wird. Ich denke, er hat diese Grundidee von Apple, diese DNA, schon so sehr weiter verpflanzt, dass die Leute, die jetzt das Kommando haben, seine Philosophie weiter tragen werden. Er hat quasi einen Grundstein für die nächsten 30 bis 40 Jahre gelegt.

Du hast mit vielen großen US-Konzernen zusammengearbeitet. Wo siehst Du Gefahren für ein Unternehmen wie Apple in so einer Situation?

Na, dass sie ihren Fokus verlieren. Sie müssen natürlich aufpassen, dass sie das, was sie tun, genauso konsequent und mit 100 prozentigem Einsatz richtig machen. Und dass sie jetzt nicht irgendwie anzufangen, zu experimentieren oder auch abzuheben. Es kann natürlich passieren, dass sie vom Weg abkommen und Richtungen einschlagen, die vielleicht attraktiv oder auch spannend klingen, die aber nichts mit dem Kern des Unternehmens zu tun haben. Also nicht nur das zu tun, was richtig ist, sondern vor allem auch das zu lassen, was komplett unnötig ist. Aber ich gehöre doch eher zu den Optimisten und denke, das Unternehmen ist mittlerweile so fest zementiert, die ganze Strategie, die Jobs seit 20 Jahren verfolgt, da kann man fast nichts falsch machen.

Glaubst Du, er hatte wirklich diesen Masterplan?

Apple ist kein Unternehmen und keine Marke. Apple ist eine Idee, und zwar eine Idee, die Welt besser zu machen. Im Grunde hat er die Firma für sich selbst gegründet. Steve Jobs ist der beste und zugleich kritischste Konsument von Apple. Er hat die Dinge verfolgt von denen er überzeugt war, dass sie sein Leben besser machen. Und er hatte schon immer die Fähigkeit, Dinge zu sehen, die andere nicht gesehen haben. Ob er von Anfang an einen Masterplan hatte, weiß ich nicht. Aber er wusste immer wohin die Trends, wohin die Technik geht. Vor allem aber wusste er, wie er diese Technik einsetzen muss, damit die Menschen den größten Nutzen davon haben. Er ist im besten Sinne des Wortes ein Unternehmer. Alle Welt bezeichnete ihn als CEO. Das mag formell ja auch richtig gewesen sein, aber im Grunde war er bis zuletzt Unternehmer und kein angestellter Manager. Das wird auch die Herausforderung für Tim Cook sein, dass er sich selbst nicht nur als Manager, sondern auch als Unternehmer versteht.

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iSalute you, Steve Jobs

Der Vorstandsvorsitzende eines Multimilliarden-Dollar-Konzerns dankt ab. Ihr sagt: Na und? Fanboy oder nicht – mit dem Rückzug von Steve Jobs bei Apple geht eine Ära zu Ende.

Foto: Marcus Schuler

Nennt mich einen Fanboy, einen Spinner oder einfach nur einen sentimentalen Tropf; aber die Nachricht über den Rückzug von Steve Jobs als Chef von Apple ist mir nahe gegangen. Seit meiner Jugend arbeite ich mit Apple-Computern. Von der Erstellung der Abitur-Zeitung bis zu meinem ersten Fernsehbeitrag, die Apfel-Rechner haben mich mein Leben lang begleitet. Damit wir uns nicht falsch verstehen: Die PCs anderer Hersteller sind in der Regel billiger und können oft auch mehr, als ein entsprechendes Apple-Produkt. Aber keine Firma hat mich so sehr an die Hand genommen, hat es mir so leicht gemacht, einen Computer zu bedienen, ohne dass ich zuvor lange Schulungen besuchen oder dicker Handbücher wälzen musste. Das war das Genie von Apple und seinem geistigen Schöpfer und Mitbegründer Steve Jobs.

Meine Begegnung mit Steve Jobs auf der WWDC 2010

Es gibt eine Anekdote, wonach der junge Jobs Mitte der 80er Jahre eine Party in Manhattan besucht haben soll. Das Who-is-Who der Upper West Side ist anwesend, darunter auch so namhafte Künstler wie Andy Warhol oder Keith Haring. Doch anstatt sich um die Promis zu kümmern, verbringt Jobs die meiste Zeit damit, einem neunjährigen Jungen seinen Macintosh-Computer zu erklären. Warum, will ein Reporter wissen. Weil der Junge die richtige Frage gestellt habe, so Jobs. „Wenn ich Erwachsenen meinen Computer zeige, fragen diese: Was ist das? Der Junge aber fragt: Was kann ich damit machen?“

Weitere Steve-Blockbuster hier…

Anders als manch ein Top-Manager bin ich nicht der Meinung, dass man einem Mann, der mit seinem Konzern mehrere Milliarden Dollar verdient hat, auch noch die Füße küssen muss (Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner hatte das ja mal letztes Jahr in einer US-Talkshow verkündet, weil er der Meinung war, Jobs werde mit dem iPad die Zeitungsindustrie retten. Heute distanziert er sich übrigens von dieser Aussage.). Aber ich möchte doch so weit gehen, zu behaupten, dass Steve Jobs mehr zur digitalen Medienwelt beigetragen hat, als alle Verlegerfamilien oder Medienmogule zusammen.

Im Herbst 2001, vor zehn Jahren, hat Steve Jobs mit dem iPod, 2003 mit dem iTunes-Store, 2007 mit dem iPhone und letztes Jahr mit dem iPad damit begonnen, ganze Industriezweige umzukrempeln. Jetzt hat der schwer kranke Firmenchef das Zepter ein für alle mal an seinen Nachfolger weitergereicht. „Mein Ziel war es nie, eines Tages der reichste Mann auf dem Friedhof zu sein.“, hatte er in einem Interview mit dem Wall Street Journal einmal gesagt. „Abends ins Bett zu gehen und sagen zu können, wir haben heute etwas wunderbares geleistet, das ist es, was für mich zählt.“

Dazu auch: Steve Jobs und die Apple Story – Wie alles begann.

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