Als Apple-Fan hat man es nicht leicht. Man wird belächelt, verspottet, für arrogant gehalten. Und wissen Sie was? We love it! Manchmal aber werden wir Apple-Jünger auf die Probe gestellt.

Nein, so ein Apple-Freund hat es nicht leicht. Gestern zum Beispiel, als in San Francisco das neue iPhone vorgestellt wurde. Da steht Produktmanager Phil Schiller auf der Bühne und sagt Sätze wie diese: “Das Meer wirkt blauer mit dem iPhone 5. Kinder sehen glücklicher aus und die Welt ist ein schönerer Ort.” Hat er wirklich gesagt. Schiller selbst merkt in diesem Moment aufgrund der Reaktionen im Saal wie lächerlich das alles gerade ist.
Das iPhone 5 sieht aus wie das Vorgängermodell, das unter ein Nudelholz geraten ist. Vom dünnsten, leichtesten, besten Smartphone aller Zeiten ist da die Rede. Das Problem: Es stimmt nicht. Die Konkurrenz ist Apple längst nicht mehr nur auf den Fersen, in vielen Punkten hat sie den iPhone-Bauer bereits eingeholt. Die beste Kamera: Nokia. Der beste Bildschirm: Samsung. Und doch gelingt es Apple immer wieder, die Massen für seine Produkt-Aufhübschungen zu begeistern, schafft sich seine eigene superlative Realitäts-Theorie.
In dieser Realität haben wir es nicht mehr mit einem Telefon zu tun, sondern mit einer Traummaschine, die uns jeden Wunsch sprichwörtlich von den Lippen abliest: „Wie wird das Wetter am Wochenende?“, fragen wir Siri, die eingebaute Spracherkennung. „17 Grad und sonnig“ antwortet die Computerstimme. Wenn man auf die Preistabelle für das neue iPhone schaut, möchte man Siri gleich noch nach den Lottozahlen von morgen fragen. 670 € (16 GB) bis 900 € (64 GB) ohne Vertrag. Den Adapter für bereits vorhandenes iPhone-Zubehör lassen sich die Kalifornier mit 29 € entlohnen. Für ein Stück Plastik.
Bei solchen Mondpreisen wundert es nicht, dass Apple an der Börse als das wertvollste Unternehmen aller Zeiten gehandelt wird. Seine Größe kann dem Konzern aber auch zum Verhängnis werden. Erfolg verpflichtet. Der Jäger wird zum Gejagten, vor allem seiner selbst.

Das iPhone 5 wird mit Sicherheit das meistverkaufte Smartphone aller Zeiten. Es wirkt solide, elegant, mit viel Liebe zum Detail. Aber eine Revolution ist es nicht. Vielmehr handelt es sich um den 5. Aufguss eines einst zu recht gefeierten Telefon-Konzepts. Ob es Apple je noch mal gelingen wird, etwas annähernd innovatives zu entwickeln?
Vielleicht muss man die Welt durch die Kamera des neuen iPhone sehen, um daran zu glauben. Hier, in meiner Realität, habe ich so langsam meine Zweifel. Wie seht Ihr das?


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