Zu einem Zeitpunkt, an dem die Schlacht zwischen analoger und digitaler Welt entschieden zu sein scheint, schockiert Blogger Richard G. seine Leser mit einem tränenreichen Geständnis: “Ja, es ist wahr. Ich stehe auf Papier!”

Liebe Blogleser. Wie lange kennen wir uns schon? Woche für Woche schreibe ich hier über mein Leben mit Computer, Smartphone & Co. Ich denke es wird Zeit, dass ich Ihnen etwas beichte: Ich liebe Papier!
Jetzt ist es raus.
Ausgerechnet der Mensch, der untrennbar mit seinem Laptop und dem Internet verwachsen zu sein scheint, hegt einen Fetisch für Cellulose! Auf meinen Reisen führe ich immer ein Notizbuch aus chlorfrei gebleichtem Papier mit mir. Keine Papeterie, an der ich vorbei gehen kann, ohne etwas zu kaufen. Die Biographie des iPad-Erfinders Steve Jobs (Affiliate Link), die vor einigen Tagen auf den Markt kam, habe ich ganz klassisch in gedruckter und gebundener Form gelesen. In einem Buch zu blättern ist für mich wie Laubrascheln im Herbst.

Spinnt der?
Ich weiß, was Sie jetzt denken: Ja spinnt denn der? Jetzt, wo alle Welt von ePapern und eBooks spricht. Pünktlich zur Frankfurter Buchmesse vermeldete der Hightech-Verband BITKOM dass in Deutschland dieses Jahr 30 Prozent mehr E-Reader verkauft worden sind als im Vorjahr. Die Zahl der Tablet-PCs soll sogar um 70 Prozent gestiegen sein. Pünktlich zum Weihnachtsgeschäft bringt der Online-Händler Amazon die neueste Version seines Kindle-Readers zum Kampfpreis von 99 Euro (Affiliate Link) auf den Markt. Auch Sony steht mit seinem WLAN-fähigen PRS-T1 (Affiliate Link – 149 Euro) in den Startlöchern.

Ich brauch’s Hardcover!
In meiner Jugend habe ich viel mit digitalen Stoffen experimentiert. Ich bekenne: Software allein befriedigt mich nicht mehr. Ich stehe auf Hardcover! Bin ich krank, vielleicht sogar pervers? Bei uns in der Selbsthilfegruppe hatte Benno, 47, Ressortleiter bei einer großen deutschen Tageszeitung, einen heißen Tipp: Einen Tag in der Woche papierfrei leben! Bücher oder Zeitungen sind tabu, 24 Stunden Internet und dann die Dosis Schritt für Schritt erhöhen. Was soll ich sagen, ich lebe nun schon 10 Tage frei von Zellstoff. Natürlich gab es Rückfälle, neulich zum Beispiel, als ich wieder an einem dieser verführerischen Zeitungskästen vorbeikam.
Aber ich bin wild entschlossen, ich werde es packen. Digital wirkt. Tschaka!



14 Gedanken zu “Bekenntnisse eines Zellstoff-Junkies”
Zitiert vonEin Leben ohne Papier wird es niemals geben… es sei denn jemand findet heraus, wie die drei Muscheln auf der Toilette funktionieren ;)
@Olli – Herrje, daran hab ich gar nicht gedacht. Au Backe.
“Hallo, mein Name ist Magda. Ich lese Hardcover Bücher obwohl ich ein iPad habe. ”
Im Buchhandel wird man angeguckt wie ein Alien wenn man nach gebundenen Ausgaben eines Titels fragt, aber ich finde – das macht nix ;-)
@Olli – Wegen der drei Muscheln lach ich immer noch!! Da muss im Filmarchiv gebuddelt werden :-)
Ich glaube das es Papier geben wird, so lange wir noch Bäume auf unserer Erde haben. Neulich habe ich bewusst mal selber ein eBook geschrieben (100 Tipps, Tricks und Tweaks zu Mac OS X Lion) um zu spüren wie das so ist und ich habe gelernt: Wenn ich es in den Mac diktiere bin ich schneller fertig. Meine Zeit ist limitiert hat Steve 2005 gesagt. Das Leben geht schneller vorbei als man schauen kann. Daher habe ich mich bewusst für ein eBook entschieden. Digitale Geräte machen es mir ziemlich einfach auch mal schnell in meinen Medien nach einem Stichwort zu suchen. Schnell ist genau das Thema was ich als Einzelkämpfer in der digitalen Welt brauche um zu überleben. In einer Papierwelt wäre ich schon tot. Ich bewundere Menschen die Zeit haben und die noch eine Zeitung lesen können.
@Olli G. Das Papier wird uns immer bleiben :)
Dazu fällt mir mal wieder ein interessanter Beitrag von Sascha Lobo ein:
http://saschalobo.com/2011/10/25/allgemeine-feststellungen-zur-buchsituation/
“Wir befinden uns in einer Übergangszeit. (…) Nur am Ende gewinnt das Ebook.”
Wird es das? Sind in 10 Jahren die seitenblätternden Celluloseliebhaber die wahren Geeks..? – Ja, auch ich liebe Papier!
Hier sehen Sie die besonderen! Schauen Sie! http://zdd.me/jbkvf
Finde es ja schlimmer, dass du “Die Welt” liest.
@SA SCHA War grad nix anderes da, um das Foto zu machen ;-)
Die Bekenntnisse eines Zellstoff-Junkies? Das ist für uns ja geradezu eine Aufforderung, mal unser neues Verlagsverzeichnis zu schicken: “Aus Liebe zum Buch”. Mal sehen, wie es dann mit der Standhaftigkeit steht ,-)
“Keine Papeterie, an der ich vorbei gehen kann, ohne etwas zu kaufen.”
Yeah, ich bin damit nicht alleine =) Mir geht es tatsächlich genauso wir dir. Und trotz der (genialen) Nachrichtenflut, Filterung durch TweetDeck und Co und Apps von der Tagesschau und dergleichen liebe ich es, bspw. DIE ZEIT oder die Süddeutsche als Print-Ausgabe in den Händen zu halten und darin zu blättern =) Und bei Büchern geht mir das ohnehin so…
Alleine das ausmalen der Schleifen von as, os, ls, rs, usw. geht digital einfach nicht so gut und ist gut für die Nerven.
@ Verlag Hermann Schmidt: Schickt ihm das “Verlagsverzeichnis” (wenn man es als solches bezeichnen will). Für mich ist dieses “Verzeichnis” eines der schönsten Bücher, die ich in den letzten Jahren in der Hand gehalten habe. Da wird klar was Buchkunst ist und solange sowas gedruckt wird werden die Bücher nicht “aussterben”!
Hi,
wohl war, dass Papier wird uns erhalten bleiben *gg*.
Grüße