Es war das Sommerlochthema 2010: Google Streetview. Am Rande eines Heimatbesuchs in Bayern habe ich die Bundesverbraucherschutzministerin getroffen. Ilse Aigner war so spontan, für die Besucher meines Blogs ein paar Fragen zu beantworten.
Das Straßen-Interview – für Euch komplett unverpixelt
Reagieren die Politiker zu hysterisch? Oder wird uns unser Gottvertrauen gegenüber Google, Facebook & Co eines Tages noch leidtun?
Auch in den USA wird das Thema inzwischen kritisch beleuchtet. Das Video stammt von der Organisation http://www.consumerwatchdog.org/ und steht – oh irony – auf Google’s YouTube
Eure Meinung zur Google-Streetview-Debatte?

4 Gedanken zu “Ilse Aigner im Street (Inter-)view”
Zitiert vonMeine ganz persönliche Meinung – mit google Street View konnte sich diesen Sommer auch der allerletzte Hinterbänkler / Provinzpolitiker vor eine Fernsehkamera bringen und so ganz nebenbei von wirklichen Problemen ablenken. Das bedeutet nicht, dass ich die Datensammelleidenschaft von google, facebook & Co. nicht kritisch betrachte – ist für jemanden, der sich beruflich mit Datenschutz und Datensicherheit beschäftigt gar nicht möglich – aber ich denke auf Gott vertrauen und den Politikern das Feld überlassen, bringt uns nicht weiter.
Natürlich muss es ein Regelwerk dafür geben, was Unternehmen mit ihren Kundendaten anstellen dürfen und was nicht. Aber jeder trägt für seine Daten im Netz, seien es persönliche Daten wie Geburtstag, Wohnort etc. oder Blogbeiträge / -kommentare usw., eine eigene Verantwortung. Schließlich erzählen wir auch nicht jedem auf der Straße wo wir wohnen oder was wir von Angela Merkel halten.
Deshalb – erst überlegen was man wo im Web preis gibt / posted und ggf. Anbieter meiden, bei denen man sich über deren Umgang mit den eigenen Daten nicht sicher ist oder deren Umgang mit Kundendaten man nicht billigt. Ich halte das für eine einfache und praktikable Lösung.
Ein Aspekt bleibt bei der ganzen Diskussion unbeachtet – über Dritte steht mehr von uns im Netz als uns evtl. lieb ist. Vielleicht sollten wir einfach lernen, mit unserem virtuellen / digitalen Profil im Netz zu leben. Ist eigentlich nicht anders als im „richtigen“ Leben – mit dem Geschwätz der Nachbarn, Bekannten, Kollegen etc. müssen wir auch leben ;)
Schon etwas naiv finde ich, und nicht wirklich ausgewogen: Der Staat ist unfehlbar, aber die bösen privaten Unternehmen! (Und vor allem die aus dem Ausland, aber das sagt sie nicht) Sie malt Schwarz-Weiss.
Aber Frau Aigner: Die Vorratsdatenspeicherung wird auch von privaten Telcos durchgeführt! Und nun? Wann kommt denn hier das Widerspruchsformular? Und gar erst die allgegenwärtige Videoüberwachung! Und Toll Collect? Und … und … und! Private sammeln unsere Daten unaufhörlich! Wissen Sie was was mit diesen Daten so alles geschieht? Es ist so schön einfach in der Politik Feindbilder wie Google und Facebook zu haben! Eine Mischung aus Betroffenheit und Aktionismus ersetzt dann die Politik.
PS Der Fall Sarazin passt ja auch in das Muster.
Meine Meinung zu Strassenansichten im digitalen Zeitalter ist ja hinlänglich bekannt. Was Öffentlichkeit ist, muss Öffentlichkeit bleiben. Und durch Verknüpfung von Daten entstehen mehr Chancen als Risken für eine Gesellschaft.
Was wir eigentlich machen sollten: Nicht “dem Web” Entwicklungen verbieten, sondern überlegen wie wir als Gesellschaft uns durch diese Fortschritte kulturell weiterentwickeln können. Wenn ich jetzt die neue Debatte über “dem Web das Vergessen beibringen” beobachte, wird mir schlecht wegen solch Denken, das die Werkzeuge beschneiden will, anstatt sich den Aufgaben zu stellen, die der (oftmals unerträgliche) Spiegel Internet auf uns zurückwirft.
Datenschützer und Verbraucherschützer haben wohl Angst vor dem verantwortungsvollen Menschen. Denn diesen zu fördern würde ja mittelfristig die Abschaffung der eigenen Existenzberechtigung bedeuten. Deswegen wird das wichtige Verständnis von Privatsphäre, Respekt vor dem wirklich Privaten und die gleichzeitige Notwendigkeit des gemeinsamen Handelns im öffentlichen Raum nicht gefördert, sondern man stimmt in den unerträglichen Chor der “So nicht”-Schreihälse ein.
Und dass in USA der “consumer watchblog” die Ebene der sachlichen Kritik verlässt, um ein wenig Publizität zu bekommen…..das lasse ich mal lieber Wired kommentieren: http://www.wired.com/epicenter/2010/09/in-defense-of-google/
@Detlef @H.D.Zimmermann @Jens Bei Frau Aigner hat man wenigstens jemanden vor sich, der sich mit den neuen Technologien auskennt. Insgesamt stelle ich aber fest, dass den meisten Parteien im Umgang mit dem Web nicht viel mehr einfällt, als Ängste zu schüren. Bin gespannt auf die Diskussion mit Jeff Jarvis nächste Woche in Berlin bei den Grünen.